15. Mai 2008

Politik der Nadelstiche

Vor zwei Wochen habe ich zum ersten Mal das Politklima von Washington von innen eingeatmet. Im Büro eines Kongress-Abgeordneten und in den enormen Wandelgängen, durch die man laufen muss, um dorthin zu kommen. Das hat mich allerdings innerlich nicht auf diesen Vorstoß vorbereitet: Senator Arlen Specter will die New England Patriots und die NFL vor einen Ausschuss holen. Und alles nur, weil die Patriots – erstens – seit Jahren mit Videokameras die Signale der gegnerischen Mannschaften aufgezeichnet haben und – zweitens – die Liga den Sachverhalt erstaunlich entspannt unter den Teppich kehrt. Aus der Initiative lassen sich allerlei Dinge ableiten:

1. Specter vertritt Pennsylvania und damit unter anderem die Pittsburgh Steelers, ein Rivale der Patriots in der AFC. Er ist obendrein langjähriger Anhänger der Philadelphia Eagles, die Super Bowl XXXIX gegen die Patriots verloren haben.

2. Specter ist nicht mehr Ausschussvorsitzender, seit die Republikaner 2006 die Mehrheit eingebüßt haben. Er kann also gar nichts mehr in seinem Gremium bestimmen, muss also Lärm machen, um Gehör zu finden.

3. Specter macht sich Gedanken um seine Wiederwahl und sucht nach populistischen Themen, die ihn, den einstigen Staatsanwalt, als Bulldoge zeigen.

4. Die NFL als größtes Sportunternehmen der Welt kann sich auf ein PR-Problem gefasst machen, wenn dem Commissioner nicht irgendein Befriedungsschachzug einfällt.

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