21. August 2009
Wo bleibt die Fußball-Europa-Liga?
Im Grunde steht der europäische Clubfußball an einer Schwelle wie der deutsche Vereinsfußball Ende der fünfziger Jahre, als man wie gewohnt den Meister in einem hübschen, kleinen Turnier ausspielte, zu dem die Tabellenersten der damals Oberliga genannten höchsten Spielklassen Zutritt hatten. Die logische Entwicklung heraus aus dieser überkommenen Vorstellung von einem regionalisierten und föderalen Profisport (damals noch schlecht bezahlt) war die Bundesliga, die mit 16 Vereinen an den Start ging und zunächst den Modus der Aufstiegsrunde beibehielt, der dem alten Meisterschaftsturnier ähnelte.
Die neue Liga hatte ihre Kinderkrankheiten (die sich in dem ersten großen Bestechungsskandal manifestierte, der mit Namen wie Bernd Patzke und dem Hertha BSC verbunden ist). Aber sie brachte auch einen Schub. Man könnte so weit gehen und sagen: Die Nationalmannschaften von 1966 (die sich mühevoll qualifizierte, aber dann in England einen erstklassigen Ball spielte) über 1970 (ich sage nur "Spiel des Jahrhunderts") bis 1974 (Weltmeister) waren das Nebenresultat dieser neuen Eliteliga. Man denke nur an die Zeit, als der damalige Bundestrainer Helmut Schön aus zwei Spielerblöcken mit Leuten von Bayern München und Borussia Mönchengladbach das Grundgerüst formte. Das war schlicht und formschön zugleich.
Wenn sich heute jemand über die Zukunft des Elitefußballs in Europa Gedanken machen will, dann sollte er den gegenwärtigen Modus vergessen und ein neues Stockwerk obendrauf setzen. Was fehlt ist eine Europa-Liga mit etwa 20 oder 22 Clubs, die sich ständig auf diesem Niveau messen und sich am Ende auch das Geld reinschieben, das auf dieser Plattform zu verdienen ist. Eine solche Liga kann Vereinbarungen treffen, die den amerikanischen Modellen ähneln (manches geht nicht, weil zum Beispiel das Arbeitsrecht dagegen steht) und die davongaloppierenden Gehaltskosten eindeckeln. Aber sie kann noch etwas anderes tun: Einer Liga wie der Bundesliga diese auf Bayern München fixierte Dauerkonstellation nehmen, die der sportlichen Qualität nichts bringt. München würde in der Europaliga spielen (bis sie absteigen), wo auch noch Platz sein sollte für einen zweiten deutschen Club. Und der Rest würde sich in einem wirtschaftlichen adäquaten Rahmen um die Aufstiegsmöglichkeiten bemühen. Am liebsten in einem Turnierformat, das dem jetzigen Champions-League-Wettbewerb ähnelt und sich über eine ganze Saison hinzieht. Das böte den Aufstrebern einen beachtlichen finanziellen Anreiz und ein illlustres Gegengewicht zum Liga-Alltag ganz oben.
Wer die Idee einer Europa-Liga mag, darf gerne in den Kommentaren seine Clubliste posten. Wer etwas einwenden möchte, darf sich ebenso ausführlich zu Wort melden. Ich denke, diese Diskussion ist überfällig.
8. Dezember 2006
Europameisterschaft komplett auf US-Bildschirmen
Der Appetit des amerikanischen Sportsenders auf ESPN auf Fußball nimmt zu. Das zeigt der Vertrag, der soeben mit der UEFA abgeschlossen wurde. Danach überträgt ESPN (zusammen mit der Fernsehmutter ABC) im nächsten Jahr (Korrektur: im übernächsten Jahr) alle 31 Spieler der Europameisterschaft live aus der Schweiz und in Österreich. "Wir sehen, dass die Attraktivität von Fußball in Amerika wächst", sagte Russell Wolff gegenüber AP, der für das internationale Geschäft des Spartenkabelanbieters zuständig ist, "besonders bei Übertragungen zu ungewöhnlichen Uhrzeiten, wenn es keine Konkurrenz von anderen amerikanischen Sportarten gibt." Zum Programm gehört inzwischen auch die Champions League, deren Finale im letzten Jahr eine für US-Verhältnisse erkleckliche Zahl von Zuschauern hatte: rund eine halbe Million.