27. Februar 2010
Alte Kamellen mit viel zu jungen Turnern
23. Februar 2010
Von Rechten und Rechnen: Das IOC kommt in den USA unter Preisdruck
Teil eins der taktischen Überlegung ging nicht auf. Chicago bekam nicht den Zuschlag für die Sommerspiele 2016, sondern Rio de Janeiro, womit das Interesse der US-Fernsehzuschauer an der Veranstaltung automatisch um einige Ticks gesunken sein dürfte. Teil 2 funktioniert schon sehr viel besser. Die amerikanischen Sportler sind die erfolgreichsten in Vancouver und gestatten es NBC, viele patriotisch eingefärbte Bilder abzusondern. Bisheriger Höhepunkt: Der Eishockey-Sieg der USA gegen Kanada in der Vorrunde am Sonntag, übertragen vom Kabel-Ableger MSNBC, wo sich 8,2 Millionen Zuschauer die Live-Übertragung gönnten (die an der Westküste zeitversetzt ausgestrahlt wurde.)
Doch was da glänzt, ist nicht wirklich Gold. Oder sagen wir mal: Geld. 200 Millionen Dollar wird NBC bei diesen Spielen an Verlusten anhäufen, schreibt das Sports Business Journal in einem aktuellen Abriss über den Stand der Dinge. Ein Betrag, bei dem irgendwann die Top-Buchhalter einschreiten, denen man jahrelang ständig etwas vom Zusatznutzen und Werbeeffekt und Prestigewert der Spiele einreden konnte. Der hinreichend bekannte Rupert Murdoch hatte es ihnen im Herbst lange vor den Spielen und bereits laut und deutlich vorgerechnet: "Abgesehen von all der Propaganda und so – ich will niemanden einen Lügner nennen – aber keiner hat bisher damit Geld verdient." Wobei in der Welt des Kommerzfernsehens Verdienen immer so geht: Man muss Werbung verkaufen. Ganz viel Werbung. Für stolze Preise. Und das auch dann, wenn die Wirtschaft in einer Krise hängt und auf die unbeschwerte Stimmung drückt. So wie jetzt.
Kein Geld verdienen ist nicht immer ein Argument. Das zeigt man in Murdochs-Imperium in anderen Teilen der Welt: Einige seiner Sky-Töchter sind durchaus bereit, die IOC-Großveranstaltungen zu alimentieren. Aber dabei handelt es sich um Brutto-Beträge, die geringer sind als die Verluste von NBC.
Der einzige amerikanische Sender, der nicht Werbung verkaufen muss, um ein Rechtepaket von der Größenordnung des IOC-Angebots zu rechtfertigen (also auch kein Geld "verdienen" muss), ist ESPN. Der finanziert sich im wesentlichen über Gebühren, die die Kabelfernsehkunden bezahlen. Und er schwimmt nicht nur im Geld, sondern er verfügt über die Infrastruktur, eine Großveranstaltung wie die Olympischen Spiele aus dem Stand zu übertragen. Doch – und das zeigte sich bisher beim Engagement im europäischen Fußball – in der Chefetage dort spielt niemand Hasard. Man bot neulich bei den Bundesligarechten mit, aber pokerte nicht besonders hoch. Und der Einstieg in das Geschäft mit der Premier League kam über einen Umweg zustande. Über die Pleite des Rechteinhabers Setanta, der sich verkalkuliert hatte. So etwas spart viel Geld.
In diesem Zusammenhang sind die Signale aus dem Sports-Business- Journal-Artikel in Sachen IOC denn auch unübersehbar. ESPN scheint interessiert, demnächst beim IOC ein Angebot abzugeben. Aber nicht um jeden Preis. Denn vorher könnte ein ganz anderes Paket auf den Tisch kommen: Das extrem populäre College-Basketball-Meisterschaftsturnier, das seit Jahr und Tag von CBS betreut wird. Offensichtlich macht sich die NCAA Gedanken, ob sie nicht im April aus dem laufenden Elf-Jahres-Vertrag aussteigen soll (obwohl ihr für die kommenden drei Jahre 2,1 Milliarden Dollar garantiert sind) und die Sache neu ausschreiben. Irgendjemand muss den Collegesport-Verantwortlichen gesteckt haben, dass in diesem kompakten Rechtestapel noch sehr viel Luft nach oben ist. Kommt es dazu, saugt die NCAA allerdings automatisch Milliarden aus dem amerikanischen Markt der Sportfernsehrechte, der trotz aller andersgelagerten Hoffnungen zur Zeit nicht weiter wächst.
Die Auswirkungen auf die Gebote für die Spiele 2014 und 2016 kann man sich ausmalen. Statt eines Einnahmeanstiegs, wie ihn sich Jacques Rogge erhofft, wird es bestenfalls ein Null-Wachstum geben. Wenn nicht sogar ein Absinken. So wie die Spiele de facto nur noch ausgerichtet werden können, weil die Steuerzahler vor Ort die Rechnung bezahlen (und vorher jeweils von den örtlichen Bewerbungskomitees düpiert werden, die immer wieder behaupten, die Veranstaltung würde Profit abwerfen), so zeigt sich nun, dass andere Teile des Finanzierungskonzepts "Olympische Spiele" nicht länger aufgehen werden. Es sei denn, aus bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien kommen demnächst enorme Zuwächse aus dem Fernsehrechte-Topf. Theoretisch möglich. Aber ziemlich unwahrscheinlich.
21. Februar 2010
Der Olympische Klingelbeutel: Tod, wo ist dein Schatten?
Natürlich gibt es Gründe, weshalb die besser gewordenen amerikanischen Bobfahrer und Rodler noch immer nicht ganz oben auf dem Treppchen landen. Aber statt sie kritisch unter die Lupe zu nehmen, reduzieren die Reporter an der Bande das Geschehen auf Gewicht, Kraft, Reaktionsschnelligkeit und den emotionalen Quark, der in der Sportberichterstattung den ganzen ungeklärten Rest erklären soll.
Was die Fernsehleute so gerne links liegen lassen, bleibt jedoch trotzdem ein Thema. Hier eine Auswahl an Geschichten:
• Die schlimmsten Spiele aller Zeiten? Eine Verteidigungsrede aus kanadischer Sicht mit ein paar Hinweisen zu Sachverhalten, die längst vergessen sind: So starben 1964 vor und bei den Spielen in Innsbruck zwei Athleten: ein Rodler und ein Skifahrer (der prallte beim Training gegen einen Baum neben der Strecke).
• Wie hat sich ein Bronzemedaillengewinner zu verhalten, solange er mit dem Bembel um den Hals herumspaziert? Nicht so. Meister Lago wurde deswegen nach Hause geschickt. Auf gut Amerikanisch nennt man das "risqué". Was bekanntlich ein französisches Wort ist. Und in diesem Zusammenhang mit "anzüglich" übersetzt werden darf, obwohl es meistens oft unter "schlüpfrig" läuft. Ja, und überhaupt....die frechen Snowboarder.
• Jaromir Jagr liebäugelt mit einer Rückkehr in die NHL. Er wäre nach dem ersten Eindruck in Vancouver eine Bereicherung. "Jungs, es ist nicht einfach, hier zu spielen", sagte er über den Alltag in der russischen Liga. "Man trainiert sehr viel härter als in der NHL. Manchmal spiele ich in zwei Linien. Sollte ich zurückkehren, werde ich ich vermutlich ein besserer Spieler sein als zu dem Zeitpunkt, als ich gegangen bin."
• Die personifizierte Langeweile: Frauen-Eishockey wird von zwei Mannschaften dominiert. Extrem dominiert. Dabei spielen die USA und Kanada auf einem sehr ansehnlichen Niveau und werden auch immer besser. Aber der Rest der Welt... Wann verschwindet die Sportart aus dem Programm?
• Wir hatten dann noch diesen Fall des niederländischen Eisschnellläufers Sven Kramer, der nach dem Gewinn der Goldmedaille über 5000 Meter die Interviewerin von NBC mit der Gegenfrage auskontert: "Sind Sie doof?" Das Original-Video der Szene ist inzwischen wieder aus den YouTube-Archiven getilgt. Dafür gibt es hier die Aufarbeitung des Themas im NL-Fernsehen – mit englischen Untertiteln.
• Ach, ja. Und dann waren da noch die großen Träume der Verantwortlichen aus dem Veranstalterland. Sie wollten die meisten Medaillen bei diesen Spielen abräumen. Sieht nicht gut aus.
10. Februar 2010
Vonns Verletzung könnte Olympia-Start verhindern
4. November 2009
Extrablatt, Extrablatt: Kaman und Nowitzki waren zusammen essen
Da der normale ESPN-Leser diese Sachverhalte nicht kennen kann, muss Stein ziemlich weit ausholen und sich in Andeutungen ergehen, auf welche Weise die Antipoden Kaman und Deutschland vor London 2012 doch noch irgendwie auf einen Spielberichtsbogen gelangen könnten. Denn sonst stände ja die Idee für die schöne Geschichte nur einem dünnen Bein und würde in sich zusammenfallen. Falls der Reporter über diesen Teil der Zukunft etwas wissen sollte: Geschrieben hat er es jedenfalls nicht. Der ganze lange Artikel dient eigentlich nur als kaugummiartige Einleitung zu einem kurzen spekulativen Gedanken am Schluss: Da sich Kaman und Nowitzki so gut privat verstehen, wären sie doch sicher auch daran interessiert, mal in der NBA zusammen in einer Mannschaft zu spielen. Und was hat Stein darüber von Nowitzki in Erfahrung bringen können?
"Darüber reden wir kaum", sagte der Mavericks-Mann, der einen Beißer und Rackerer vom Typ Kamen in Dallas hervorragend gebrauchen könnte. "Darüber haben wir keine Kontrolle."
Na, supi. So etwas hatten wir uns bereits gedacht (Hat Tip an Björn Hesse).
3. November 2009
Komödiant Colbert sponsert US-Eisschnellläufer
18. Oktober 2009
Eishockey: Torontos Misere macht US-Olympiateam zu schaffen
9. Oktober 2009
Der Klingelbeutel: Pfänderspiele
* Golf und Rugby wurden heute ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen. Darüber wird an anderer Stelle noch ein wenig ausführlicher zu berichten sein. Nur soviel: Rio de Janeiro als erster Austragungsort, den die Expansion betrifft, hat keinen passenden Golfplatz und wird noch ein paar Millionen Dollar mehr im Budget finden müssen, um das Problem zu lösen.
• Die mysteriöse Rolle des ehemaligen Football- und Baseballprofis Deion Sanders und derzeitigen Fernsehkommentators im privaten Umfeld von jungen amerikanischen Sportlern wie Michael Crabtree. "Seit Jim Jones eine Gruppe von Anhängern nach Guayana führte, ist kein religiöser Hochstapler mehr für soviele irregeleitete junge Leute verantwortlich gewesen." Schreibt Jason Whitlock. Der Vergleich mit Jones ist extrem, aber griffig. In Jonestown starben mehrere hundert Menschen bei einem von Jones angeordneten Massen-Suizid. Bei den jungen Leuten steht allenfalls die sportliche Karriere auf dem Spiel.
2. Oktober 2009
Second City nur Vierter
Chicago fliegt in Kopenhagen in der ersten Runde raus. (Die Kopie des Resultats im ersten Wahlgang als Foto bei Jens Weinreich.)
Amerikas nächste Herausforderung in einer Woche. Schafft es Golf, ins olympische Programm aufgenommen zu werden? Mehr dazu in einem Radiobeitrag für den Deutschlandfunk mit dem Stimmungsbild und ein paar Tönen von vor ein paar Tagen (Sendetermin war der 26. September). Die Interviews fanden allesamt am Rand der BMW Championship vor den Toren von Chicago statt.)
30. September 2009
Chicago wird's
Olympische Spiele waren schon immer irgendwie auch Politik. Hitler in Berlin und seine Rassenshow. Die Boykott-Maßnahmen gegen die Veranstaltung 1980 in Moskau und die Revanche der Geschmähten 1984 in Los Angeles. Der Ritterschlag für die chinesische Diktatur 2008.Da darf man sich nicht wundern, wenn Barack Obama nach Kopenhagen fliegt, um beim IOC-Kongress ein paar Wahlberechtigten tief in die Augen zu schauen und ihnen in wenigen Worten zu bedeuten, dass Chicago den Zuschlag für 2016 zu bekommen habe. Es ist ihm ein Anliegen. Denn Chicago ist die Stadt, in der er sich nach Wanderjahren wirklich zu Hause fühlt und die er zusammen mit dem Staat Illinois im Senat vertreten hat. Sollte er 2012 wiedergewählt werden, wäre er das Staatsoberhaupt, dem es obläge, die Spiele offiziell zu eröffnen.
Die Olympischen Spiele fanden in den letzten Jahrzehnten ziemlich oft in den USA statt: 1980 in Lake Placid, 1984 in Los Angeles, 1996 in Atlanta, 2002 in Salt Lake City. In Südamerika noch nie. Weshalb sich professionelle Deuter, die den Stimmungspegel gerne schon vor der offiziellen Abstimmung ausloten, Rio de Janeiro sehr gute Chancen für 2016 einräumten. Die ursprüngliche Entscheidung von Barack Obama, nur seine Frau Michelle zu schicken und nicht selbst nach Dänemark zu gehen, wirkte wie eine Bestätigung. Die Theorie: Der Mann im Weißen Haus kann es sich nicht leisten, sich auf einer so großen Bühne eine Niederlage einzuhandeln. Also bleibt er lieber zu Hause. Dann kann ihm niemand nachsagen, er habe seine Zeit vertan.
Am Montag wurde in Washington offiziell verkündet, dass der Präsident nun doch nach Kopenhagen reist. Folgt man der dargelegten Logik, heißt das: Er verfügt über hinreichende Informationen, wonach Chicago das Rennen machen wird. Darüber, wie der Meinungsbildungsprozess der IOC-Mitglieder abläuft, kann man nur spekulieren. Sicher ist: Chicago wäre eine bestens ausgerüstete und präparierte Stadt für die Mammutveranstaltung und böte mit ihrer attraktiven Wolkenkratzerlandschaft als Hintergrund den Kanuten, Ruderern, Seglern und Triathleten ideale Bedingungen direkt vor der Haustür. Den letzten Rest Zweifel beseitigten die Ortspolitiker, als sie eine Subventionsgarantie beschlossen, die die finanziellen Risiken der privat finanzierten Veranstaltung ausräumt.
Für Chicago spricht aber auch, dass die Fernsehrechte noch immer nicht vergeben sind. Die dürften hunderte von Millionen Dollar mehr wert sein, wenn die Spiele in den USA stattfinden. Zumal diesmal einem Mitanbieter mit riesigen Taschen die Tür geöffnet wurde. ESPN sollte in der Lage sein, die anderen amerikanischen Sender aus dem Feld zu schlagen und bis zu 1,5 Milliarden Dollar offerieren können. Fände das Ereignis in einer anderen Stadt in einem anderen Land statt, würde das Interesse nicht halb so groß sein.
Das Bild, das das Bewerbungskommittee herausgegeben hat, zeigt übrigens Michelle Obama nach der Landung in Kopenhagen.
Blick zurück: Mein Radiobericht aus Chicago von vor ein paar Tagen im Deutschlandfunk, als Obama beschloss, in Washington bleiben zu wollen.
16. September 2009
Murdoch: Mit Olympia verdient man kein Geld
Die Ansage steht zunächst mal im Widerspruch zum Verhalten von solchen Töchtern wie Sky in Italien und in der Türkei. Sky Italia hat für 2010 bis 2016 bereits einen Vertrag mit dem IOC. Fox in der Türkei hat die Spiele 2014 in Sotchi (liegt fast vor der Haustür) und 2016 gebucht. allesaussersport macht heute außerdem auf eine Veröffentlichung im Handelsblatt aufmerksam, dass Sky in Deutschland wiederum auf der Bremse steht, obwohl sie offensichtlich mitbieten.
Die Äußerung von Murdoch, der bekannt dafür ist, immer mal wieder einfach und direkt seine Ansichten zum Geschäftlichen öffentlich bekannt zu geben, ist durchaus bemerkenswert. Auch wenn sie zunächst nur die Astrologen aus der Medienjournaille beschäftigt. Denn nach Jahren einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit NBC und ständig steigenden Einnahmen aus dem amerikanischen Fernsehrechtetopf hatte man im IOC den Eindruck gewonnen, es wäre an der Zeit, die Lizenzen wieder über miteinander konkurrierende Gebote zu verkaufen und gleichzeitig auf solche Pakete wie den langjährigen Vertrag mit der EBU und den darin automatisch im Paket bedienten öffentlich-rechtlichen Stationen in Europa zu verzichten. Die Kalkulation war simpel: Konkurrenz belebt ja angeblich das Geschäft.
Was sie allerdings auch belebt, ist die Phantasie der IOC-Leute, deren wirtschaftliche Existenz fast völlig auf den Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft basiert. Anders als beim klassischen Ligasport, wo die Finanzierung des Geschäfts über Eintrittskarten, Merchandising und Sponsoren noch immer den Hauptanteil ausmacht. Dass man eine hundert Jahre alte Idee ("der olympische Geist") im 21. Jahrhundert in Form im Rahmen von gigantischen Veranstaltungen, die Milliarden kosten, gigantisch an die Wand fahren kann, mag man sich in Lausanne einfach nicht vorstellen.
Wo soll das Geld aber herkommen? NBC, das zuletzt für die Übertragungen aus Peking 894 Millionen Dollar bezahlt, musste zum ersten Mal intensiv in eine begleitende Berichterstattung im Internet einsteigen, weil selbst eine Bilder-Präsenz auf mehreren Kanälen gleichzeitig nicht mehr ausreicht. Schon gar nicht, wenn man wichtige Ereignisse nicht live überträgt, sondern konserviert und erst im Abendprogramm ausstrahlt.
Gerade das Internet ist die Achillesferse teurer Rechte-Deals geworden. Denn keiner der Fernsehkonzerne kann zur Zeit abschätzen, wieviel Geld er dort realistischerweise über Werbung einspielen kann, um jene Einbrüche wettzumachen, die sich bei der Fernsehwerbung (adäquat zu den Verlusten der Tageszeitungen auf dem Anzeigensektor) niederschlagen werden.
Unterm Strich: ESPN kann sicher in den USA in die Lücke springen, denn es wird nicht über Werbung, sondern vom Geld von Kabelfernsehabonnenten finanziert. Aber ob sich das fürs IOC lohnt, wird man sehen.
Blick zurück: Das Fernsehereignis Olympische Spiele nach Art des amerikanischen TV
Blick zurück: Zum Rezeptionswandel der Olympischen Spiele
15. September 2009
Meinungsfreiheit? Nicht bei Olympischen Spielen
8. September 2009
ESPN will die Olympiarechte
Wenn man viel verdient, kann man seine enormen Einnahmen für die Acquise von allerlei teuren Gutsle ausgeben. Das tut ESPN dieser Tage. Die Fortschritte im Bereich Fußball in Europa, wo man vor ein paar Wochen in die Premier League einstieg, sind da vermutlich nur ein Anfang (und waren einer der Faktoren, weshalb man sich neulich bei allesaussersport mit der Frage beschäftigte, ob die Disney-Tochter nicht demnächst DSF übernimmt). Ich skizzierte in den Kommentaren mal folgende Überlegungen zum Thema:"ESPN in Deutschland wäre zunächst mal ein kleiner Fisch im Teich. Aber ganz und gar nicht chancenlos. Zieht man mal ab, dass sie die Nuancen des deutschen Themenmarktes nichts so gut einschätzen können – so dürfte das die enorme Medienkompentenz der Macher schnell wettmachen. Außerdem denkt man dort stets mittelfristig und langfristig. Minimum bis zum nächsten Bundesliga-Fernsehvertrag in ein paar Jahren. An dem Tag, an dem sie die Senderechte haben, sind sie am Ziel. Und sie wissen auch, dass die ihnen nicht in den Schoß fallen werden.... ein ESPN gelenktes DSF [wird] den Rechteinhabern immer mehr bieten als bloßes Hochhypen und Abnudeln von Sport. Die wissen, wie man Hintergrund und Konstanz journalistisch und markenphilosophisch herstellt, um einen Dauerkunden an sich zu binden."
Vielleicht muss DSF auf den Inhalator aus den USA noch etwas warten. Demnächst werden die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele verhandelt. Der Sender will ernsthaft für den amerikanischen Markt mitbieten. Gegen den Kanal NBC, der seit Jahren im Sattel saß, aber neulich die Chance verstreichen ließ, vorzeitig einen neuen Exklusiv-Vertrag abzuschließen, und gegen Fox. Um die IOC-Gesprächspartner zubeeindrucken, liess man via USA Today verlauten, wie man sich die Übertragungen von der Fußball-WM im nächsten Jahr aus Südafrika vorstellt: als Großereignis mit allen Schikanen.
18. August 2009
Der Klingelbeutel: Magazine zu verschenken
• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...
• ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).
• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.
14. August 2009
Olympia: Golf und Rugby eine Runde weiter
Noch ein bisschen breiter und vor allem gründlicher kann man sich zum Ablauf des Entscheidungsverfahrens bei Jens Weinreich einlesen. Ich zitiere:
"Nach einem jahrlangen Ringen der sieben Weltverbände, nach einer viele Millionen Dollar teuren PR-Kampagne, lag es also in der Macht von vierzehn IOC-Vorständlern, über die Zukunft ganzer Sportler-Generationen zu entscheiden. Hochinteressant dabei, dass Golf, oft als Sport der alten Männer verspottet, in den ersten beiden Wahlgängen nur eine Stimme erhielt. Rugby setzte sich schnell durch, eliminiert wurden dann in dieser Reihenfolge: Inlineskating, Squash, Baseball, Karate, Softball - bis Golf als zweiter Sieger übrig blieb."
9. August 2009
Golf oder Rugby: Wer wird olympisch?
Zumal die Rugby-Initiative einen absurden Zuschnitt hat. Man würde bei den Olympischen mit Siebener-Teams antreten anstatt mit 15 Spielern pro Team (Rugby Union) oder mit 13 (Rugby League). Das soll angeblich besser für die Zuschauer sein. Wer kommt eigentlich immer auf solche Ideen? Warum sollte man jahrhundertealte Sportarten mit Millionen von Fans auf der ganzen Welt auf eine solche hohlstirnige Art und Weise um ihr Kernkonzept bringen? Kommt jetzt demnächst Ski alpin auf einem Brett? Fußball als Tipp-Kick-Version? Oder Mini-Golf?
6. August 2009
Olympia-Aspiranten nicht versichert
30. Juli 2009
Olympisch fern sehen
In Deutschland stand dieser Reflex zwar jahrzehntelang offiziell auf der schwarzen Liste, weil dadurch die unfrohe Erinnerung an das na(r)zis(s)tische Debakel wach gerufen wurde. Aber ausgerottet wurde er nicht. Er tobte sich nur – gut kaschiert – in anderen Segmenten des gesellschaftlichen Alltags aus.
Im Sport zum Beispiel, wo man sich mit einer Fußballnationalmannschaft identifizieren kann, die tradionell zu den besten der Welt gehört und die Mythologie mit dem “Wunder von Bern” bereichert hat. Wo man bei Olympischen Spielen seit den denkwürdigen Tagen von Berlin 1936 im Medaillenspiegel zwar nicht mehr mit den Übermächten wie den USA, Russland (vorher UdSSR) und neuerdings China Schritt halten kann, aber sich notgedrungen auch an Disziplinen begeistert wie Synchron-Turmspringen oder Dressurreiten.
Der Faszinationsmechanismus funktioniert vermutlich so ähnlich wie bei den Modeweinen, die immer etwa fünf Jahre lang brauchen, bis sogar die Frau an der Kasse im Supermarkt weiß, welche Sorte man trinken muss, um als Kenner zu gelten. Nach weiteren fünf Jahren haben sich alle den immer gleichen Geschmack leidgetrunken. Im Sport haben wir uns auf diese Weise eine Zeitlang an Tennis besoffen. Und dann an Skispringen. Radrennfahrer waren auch mal penetrant populär. Dieser Tage erreicht die Abwärtsbewegung in der Geschmackskurve gerade solche Kuriositäten wie Boxen und Biathlon. Nicht schlimm: Die Triathleten stehen bereit. Snowboarder könnten Lücken schließen.
Die Beispiele zeigen, dass Spitzensport jenseits der etablierten großen Ligen in wenigen Mannschaftssportarten weltweit trendabhängig ist und von der Hand in den Mund lebt. Das Fernsehen leistet einen erheblichen Teil in der besinnungslosen Verwertungs- und Verwurstungskette: Es schüttet Geld in die Maschine und erzeugt Aufmerksamkeit. Dieser Mechanismus ist mitverantwortlich für die Bereitschaft von Athleten zum Doping und zum Betrug und für den Zynismus der Hintermänner, die ein idealtypisches Bild von einem sauberen Sport auf die Fahnen geheftet haben, das sich naiven Sponsoren aus der Industrie verkaufen lässt, die die Medienpräsenz von Sport als Vehikel für ihre eigenen Geschäfte nutzen.
Da ist es nachgerade absurd, dass ausgerechnet die Gebührenzahler des öffentlich-rechtlichen Fernsehens solche Netzwerke mit ihrem Geld füttern. Genauso wie die Tatsache, dass das nach eigener Einschätzung so anspruchsvolle öffentlich-rechtliche Fernsehen keine Distanz zum Thema Sport herstellen kann, sondern sich lieber als Transmissionsriemen von Interessen einspannen lässt, die in einem effektiv unkontrollierbaren, immer häufiger auf Pump in Milliardengrößenordnungen basierenden, grenzenüberschreitenden Kartell das Unterhaltungsbedürfnis der Massen bedienen.
Aber weil es an der notwendigen Distanz fehlt, darf man sich über das Lamento nicht wundern, das Bernd Gäbler in seiner neuesten Kolumne bei stern.de aufgreift (siehe Das Schachem um die Olympiarechte). Da beklagen sich Vertreter des Gebührenfernsehens doch tatsächlich darüber, dass das IOC ihnen nicht mehr einfach für vergleichsweise kleines Geld die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2014 und 2016 überlässt. Die Olympiabosse hatten nämlich das Lizenzpaket, das sonst immer geschlossen an die European Broadcasting Union (EBU) ging, einem Makler in die Hand gedrückt, der mit jedem einzelnen Land Verträge abschließen darf und nun hofft, dass die ARD, das ZDF und die BBC im Wettbewerb mit Privatsendern wie SAT1, RTL oder Sky mehr bieten als sie bisher gezahlt haben.
Was bei den Beschwerden stets untergeht, ist die Frage: Wer leidet eigentlich wirklich darunter, sollten die öffentlich-rechtlichen Sender dabei den Kürzeren ziehen? Die Sportler, die in den Glanzsportarten hinreichend Geld verdienen und in Deutschland obendrein in einem beachtlichen Umfang vom Steuerzahler als Soldaten oder Polizisten alimentiert werden? Oder vielleicht die Zuschauer, die womöglich nicht mehr wochenlang von morgens bis abends zäh dahinzappelnde Veranstaltungen mit Athleten aus 200 Ländern geboten bekommen, die keiner kennt (die Athleten nicht und auch nicht die Länder)? Die Modernen Fünfkämpfer und andere Exoten, die sowieso niemand wahr nimmt? Oder leidet am Ende doch nur das Selbstverständnis der Programmverantwortlichen, die nicht von alten Gewohnheiten lassen können? Wozu in Deutschland die absurde Sondersituation gehört, dass man nicht ein Team, sondern gleich zwei komplette Reporter-, Redakteur- und Technik-Teams an die Veranstaltungsorte schickt – von ARD und ZDF.
Was hat das mit dem eingangs erwähnten Bauchnabel zu tun, um den in Deutschland bei solchen Themen gekreist wird? Das Betrachten desselben füttert ein falsches Selbstwertgefühl und fördert Verzerrungen in der Einschätzung der wahren Verhältnisse. Nur so lässt sich die Warnung von ARD-Programmdirektor Volker Herres erklären (zitiert nach Gäbler): “Sollte es zu einem Verlust der Fernsehrechte an den Olympischen Spielen kommen, würde dies zahlreiche, vor allem kleinere Sportarten, entwerten. Wir würden unser Engagement zwischen den Spielen für jede Einzelsportart überprüfen.” Da fragt man sich: Warum so lange warten? Warum wird nicht bereits jetzt überprüft? Oder anders: Warum wurde es nicht schon vor Jahren getan?
Dass es dem IOC um viel Geld geht, ist spätestens seit 1984 klar, als die Spiele von Los Angeles erstmals in der Geschichte der Spiele enorme Überschüsse erwirtschafteten. Dass Superstars die Plattform bevölkern dürfen, um Publikum neugierig zu machen, wurde 1992 etabliert, als das Dream-Team der USA den Rest der Welt mit attraktiven Basketball an die Wand spielte. Die Veränderungsprozesse gehen weiter. Wozu gehört, dass inzwischen das ganze antiquierte olympische Sammelsurium aus Kanu und Judo, Segeln und Tontaubenschießen nur noch dann als medienrelevant wahrgenommen wird, wenn es Event-Charakter bekommt. Auch das ist nicht neu. An dem Rad haben die Öffentlich-Rechtlichen doch gerade in Deutschland bis zum Erbrechen selber gedreht –mit den Klitschkos und anderen Import-Boxern aus Ländern, in denen die ARD und das ZDF von niemandem empfangen werden. Wenn das Gebührenfernsehen eine Chance auf Neubesinnung im Umgang mit Sport hätte, dann jetzt. Jetzt, da ihm vom IOC die kalte Schulter gezeigt wird. Dazu müsste man aber den Kopf nach oben bringen und nach vorne schauen. Am besten in die Zeit nach 2016. Wenn die Olympischen Spiele unter der Last des eigenen Größenwahns zusammenfallen.
(Dieser Text ist gleichzeitig bei carta.info erschienen, dem Autoren-Blog für Politik, Medien und Ökonomie, der in Berlin produziert wird und vor ein paar Wochen mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Redaktion & Autorschaft ausgezeichnet wurde.)
18. Juli 2009
Chicago das Opfer der Kabale?
Die Gemengelage ist inzwischen derart kitzlig, dass man das Gefühl nicht los wird, dass womöglich Chicago zum Opfer der Kabale wird. Die Stadt tritt gegen Madrid, Rio de Janeiro und Tokio bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 an. Die Entscheidung fällt am 2. Oktober in Kopenhagen. Eigentlich handelt es sich um eine Dreiecksgeschichte, bei der die Rolle des Dritten, des Senders NBC, von purem Eigennutz getrieben ist. Das taktische Verhalten der NOK-Führung, die erst vor kurzem neu besetzt wurde, wirkt dagegen vergleichsweise generös, allerdings auch ungeschickt. Mal wieder besonders dubios sind die Signale aus den Reihen des IOC, wo man sich wohl offensichtlich von dem Schock der letzten Jahre der Samaranch-Ära erholt hat, als man sich angesichts von zahllosen Korruptionsfällen vor dem Zorn des mächtigen amerikanischen Kongresses fürchten musste, der über allerlei Daumenschrauben verfügt, um die grandiose olympische Idee auf ein kleineres Format zusammenzustauchen.
Das wurde durchgestanden. Der Salt-Lake-City-Skandal wurde abgearbeitet. Samaranch ging in den Ruhestand. NBC zahlte Milliarden und stach dabei dank der gut geölten Kontakte die inneramerikanischen Konkurrenten aus. Nun verlangt der Sender wohl den return on investment aus Lausanne: eine harte Haltung gegenüber dem NOK in Sachen Fernsehprojekt. Der Medienkonzern hat dabei seine beste Karte bereits gespielt, als er dafür sorgte, dass die Vergabe der Fernsehrechte für 2016 bis nach Kopenhagen vertagt wurde. Ich sah das zu seiner Zeit als interessantes Druckmittel an, um den IOC-Mitgliedern aus dem Rest der Welt durch die Blume zu sagen: Wenn ihr wieder viel Geld wollt, solltet ihr uns (NBC) die Spiele in Chicago geben.
Mittlerweile könnte angesichts des Fehlens eines jeden echten quid pro quo sicher auch jemand anderer das Rennen machen. Und NBC würde sich möglicherweise aus der Olympiaberichterstattung zurückziehen. Dick Ebersol, dem Chef, wäre das sicher auch egal, ob er die Rechte hat oder nicht, wenn die Spiele 2016 in Tokio stattfinden. Er hat das Ende seiner Karriere erreicht.
13. Juli 2009
Grüße aus Vancouver: Ski unheil
Wie nicht anders zu erwarten, hat diese Entscheidung den üblichen Mitleidseffekt gehabt. "Enttäuschung pur und Angst um die erhoffte große Zukunft des Frauen-Skispringens" lautete die Einstiegszeile im dpa-Bericht über die Entscheidung, in dem dann bequemerweise nur zwei Seiten zu Wort kamen: die betroffene Sportlergruppe und die gute Lauri Ann Fenlon. So als hätten die Gegner eines solchen Zwangseingriffs von außen überhaupt keine Argumente. Oder als handele es sich bei den Planern von Olympischen Winterspielen um "eine rückständige Herrenrunde", wie Benedikt Voigt im Tagesspiegel und auf Zeit Online schreibt, der damit jedweden Einwand gegen das Begehr der Frauentruppe grosso modo diskreditiert. Das Spektrum der herbeigeredeten Political correctness ist weit gefächert. So befand die österreichischen Zeitung Die Presse, dass Frauen schon allein deshalb auf Olympianiveau mitmachen sollen dürfen: "Sie trainieren so hart wie ihre männlichen Kollegen". Da fängt man dann doch an zu schmunzeln und denkt: Ja, wenn das so ist, dass Leistung nicht zählt, sondern Eifer, warum werden dann nicht die Dartwerfer und Murmelmeister zugelassen? Die trainieren vermutlich auch ganz hart.
Es war zu erwarten, dass bei einem solchen Thema erst mal alle alten Faltenröcke laut rascheln und anders als damals in der Blechtrommel von Günter Grass auf dem kaschubischen Kartoffelacker nichts Bedeutendes herauskommt. Zumal die Fokussierung auf "Mann gegen Frau" (so die Überschrift in Die Presse) einfacher ist als die Auseinandersetzung mit einer viel wichtigeren Frage: Wie kommt es, dass ein ordentliches kanadisches Gericht erklärt, keine rechtliche Entscheidungshoheit zu besitzen, um auf der Basis kanadischen Rechts die Veranstalterorganisation von Olympischen Spielen zu rechtsverbindlichem Verhalten zu zwingen? Wenn das Schule macht, dann ist das ein Armutszeugnis erster Güte für das Rechtsempfinden in Kanada und dem Rest der Welt. Wo steht geschrieben, dass der IOC so etwas wie eine diplomatische Vertretung mit exterritorialen Rechten ist? Darf der IOC also auch gegen die Korruptions- und Steuergesetze des Ausrichterlandes verstoßen, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen? Können jetzt Sportler aus fremden Ländern ohne Pass einreisen? Können sich Sportler dopen und das unter Meineid abstreiten, ohne dass sich dafür der Staatsanwalt in Vancouver interessiert?
Es wäre gut, wenn die Skispringerinnen Berufung gegen dieses Urteil einlegen würden. Denn tatsächlich ist Frau Fenlons Supreme Court nicht die höchste gerichtliche Instanz in der Provinz, wie das bedauerlicherweise aus den Berichten in den deutschsprachigen Organen herausklingt, wo man von "Oberstes Gericht" spricht. Es gibt im Instanzenzug des Rechtsstaats noch eine höhere Stufe: den Appeals Court. Die Causa könnte also noch eine Runde lang weiter ausgefochten werden und dann auch ganz anders ausgehen. Für die Sportler und für das Recht des Veranstalterlandes, das bei Olympischen Spielen seine Gesetze gelten und keine anderen.