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20. September 2009
Podcast-Premiere: "Baseball zieht in den Krieg"
In Europa läuft zur Zeit eine bemerkenswerte Veranstaltung, die in mehreren Ländern parallel stattfindet und in der ersten Phase unter anderem in Regensburg Station machte: Der World Cup 2009 der IBAF – die Baseball-Weltmeisterschaft. Das Kürzel steht für den Internationalen Baseballverband, der gemerkt hat, dass man das stark wachsende Interesse an der Sportart östlich vom Atlantik vor allem dann weiter anschieben kann, wenn man dem Publikum das ganze Spektrum bietet: Spieler aus den Hochburgen und Talentschmieden und aus den aufstrebenden Baseball-Ländern. Angereichert mit einer Prise Nationalstolz.
Bei dem Versuch, den Zuschauern den World Cup schmackhaft zu machen, sind die Produzenten eines Werbevideos in Italien, wo das Finale stattfindet, jedoch weit über das Ziel hinausgeschossen. Sie inszenierten in Anspielung an eine der blutigen Schlachten des Zweiten Weltkriegs in Italien eine Landeoperation für die Kamera. Die Baseballspieler kommen vom Meer und stürmen – nur mit Baseballschlägern bewaffnet – den mit Panzersperren und Stracheldraht übersäten Strand. Vermutlich haben sich die Macher an der Auftaktsequenz des Films Saving Private Ryan (deutscher Titel: Der Soldat James Ryan, spielt in der Normandie) orientiert und fanden das militaristische Sujet irgendwie passend (hergestellt von der italienischen Werbeagentur Link, Regisseur Mauro Mancini).
Tatsächlich ist die Darstellung nichts anderes als eine Verhöhnung all jener, die von ihren Generälen in den Kugelhagel geschickt wurden, um das von den Nazis besetzte Europa zu befreien. Die Webseite The Daily Tube meinte über den Missgriff, bei dem am Ende im Stile der Reality-TV-Serie Survivor ein Baseball-Schläger als Fackel über dem leeren Strand lodert, das Video zeige "eine generelle Unfähigkeit".
Der eingeblendete englische Text am Anfang des Videos lautet:
"Am 22. Januar 1944 landeten 36.000 Soldaten an der italienischen Küste zwischen Anzio und Nettuno südlich von Rom. Sie wurden in eine der berühmtesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In diesem Jahr machen sich Wettkämpfer aus allen Teilen der Welt bereit, über dasselbe Feld der Ehre zu laufen."
Die historischen Fakten: Die Landeoperation, an der auf alliierter Seite Truppen aus den USA, Kanada und Großbritannien beteiligt waren, wurde vor allem deshalb berühmt, weil sie als abschreckendes Beispiel für einen militärischen Fehlschlag gilt. Sie führte zu monatelangen Gefechten auf engstem Raum und kostete auf beiden Seiten knapp 10.000 Soldaten das Leben. Die Zahl der Verwundeten lag bei über 30.000.
Es geht auch anders, wie ein zweiter Werbefilm aus dem gleichen Haus zum gleichen Anlass zeigt: Hier ließ man sich von einem der erfolgreichsten Baseballfilme aller Zeiten inspirieren: Field of Dreams (Feld der Träume, Hauptrolle Kevin Costner), der in den Maisfeldern von Iowa spielt und die Sportart und einen ihrer Traditionsclubs mythologisiert.
Über beide Videos und den Baseball World Cup (der noch bis Ende September läuft) geht es im ersten America-Arena-Podcast. Gesprächspartner ist der deutsche Baseball-Journalist Philipp Würfel, der unter anderem für die Webseite Mister Baseball und den MLB Insider schreibt.
Den Podcast wird es von jetzt ab regelmäßig geben – zu unterschiedlichen Themen und aktuellen Anlässen. Ziel ist nicht, einfach nur geschriebene Texte zu vertonen oder zu bebildern, sondern die vielen technischen Möglichkeiten da zu nutzen, wo sie sich anbieten: um Impressionen und Atmosphären einzufangen, wie man sie sonst nur aus dem Radio oder dem Fernsehen kennt. Der inhaltliche Anspruch? Alles aus dem weiten Feld der Themen, die American Arena seit den Anfängen abdeckt.
Feedback? Sehr willkommen.
P. S. Zu einem gewissen Grad geht die Inspiration zu diesem Podcast auf die ambitionierte und vielversprechende Arbeit einer Gruppe von Fußballbloggern in Deutschland zurück, die soeben – noch immer im Stadium des Experimentierens (deshalb auch der Arbeitstitel Nullnummer) die vierte Ausgabe aufgenommen hat. Diesmal auch mit einem kleinen Beitrag von dieser Stelle aus. Federführend ist probek in München, der am Montag übrigens zum ersten Mal im Alleingang eine Produktion gefahren hat und das hervorragend hinbekommen hat. Zu seinem Live-Mitschnitt in seiner Küche schalten sich regelmäßig Blogger aus anderen Städten über einen parallel laufenden Chat ein. Die Mitstreiter wiederum können die Studioarbeit über Stream live im Netz per Video verfolgen. Auf probeks Blog laufen auch die Kommentare ein. Reinhören lohnt sich.
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17. Mai 2007
Video-Postkarte aus Florida: Deutsche Baseball-Hoffnung bei der Arbeit
Ein paar Leute, die für namhafte Publikationen arbeiten (Die Welt, Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Zeitung, Tagesspiegel) hatten es registriert und daraufhin den 20jährigen Baseball-Pitcher Rodney Gessmann aus Regensburg ausführlich nach Florida verabschiedet. Man kennt den Tenor: In solchen Geschichten schwingt immer auch die latente (und übertriebene) Hoffnung mit, dass die Tatsache an sich - der Wechsel in das System eines Major-League-Clubs - schon etwas Besonderes sei. Sicher: Minnesota Twins klingt gut. Klingt nach großer, weiter, anspruchsvoller Baseball-Profi-Welt. Und entsprechend wird in den Geschichten immer so getan, als fehle nicht viel und der Junge kommt in Amerika ganz groß raus (mit Überschriften wie "Vor dem großen Wurf"). Die wichtigeren Informationen stehen weiter hinten: "Einer von 60 Neuen bei den Twins, eines von 1500 Talenten, die in diesem Jahr im US-Baseball neu getestet werden." (Tagesspiegel). "Der Weg ins Stammteam der Twins in der Major League Baseball (MLB) ist weit. Vier kleinere Ligen muss er durchqueren. Rein statistisch schafft es einer von knapp 20.000 Spielern in die Profiliga. Und erst dort gelangt man zu Ruhm und Geld." (Die Welt)
Die letzte Aussage - einer von 20.000 - scheint übertrieben, aber sie verdeutlicht die Crux. Das haben schon mehrere junge Deutsche herausfinden können, wie die Süddeutsche nachgehalten hat. Und alle sind spätestens nach dem zweiten Jahr wieder in die Heimat zurückgekehrt. Nach oben ist keiner geklettert. DAS ist die Realität: Im Baseball wachsen in Deutschland keine Nowitzkis, keine Krupps, nicht mal Ritzmanns heran oder solche Figuren wie Benjamin Becker, die am College in den USA mit Erfolg an ihrer Tennis-Karriere arbeiten.
Selten genug machen die Reporter vor Ort mal eine Stichprobe. Ich hatte vor ein paar Jahren die Gelegenheit und habe Mitch Franke in Phoenix besucht und ausführlich interviewt, der damals im System der Milwaukee Brewers spielte. Einen ähnlichen Text, der 2001 in der FAZ erschien und die Desillusion und die Anstrengung im Kampf um die große Chance einfing, könnte man heute vermutlich wieder schreiben. Aber es gibt ja YouTube. Und eine fleißige Videographin namens Dianna, die in Blog-Form und mit ein paar anderen Anhängern im Webseiten-Format das Schicksal der Fort Myers Miracle dokumentiert, dem Rookie League Club, in dem Gessmann derzeit spielt. Dianna hat Ende April in einem Spiel eine Arbeitseinheit von Gessmann mit den simplen Mitteln einer stationären Kamera eingefangen. Man sollte ein bisschen von Baseball verstehen, um zu erkennen, worin das Problem in diesem Spiel besteht, in dem der Nachwuchs-Pitcher aus Deutschland - Spitzname "The German Kid" - in einem desaströsen Inning fünf Walks, 2 Singles und einen Home Run produzierte. Der große Wurf?
Zu dem Video gibt es noch einen zweiten Teil. Hier.
Die letzte Aussage - einer von 20.000 - scheint übertrieben, aber sie verdeutlicht die Crux. Das haben schon mehrere junge Deutsche herausfinden können, wie die Süddeutsche nachgehalten hat. Und alle sind spätestens nach dem zweiten Jahr wieder in die Heimat zurückgekehrt. Nach oben ist keiner geklettert. DAS ist die Realität: Im Baseball wachsen in Deutschland keine Nowitzkis, keine Krupps, nicht mal Ritzmanns heran oder solche Figuren wie Benjamin Becker, die am College in den USA mit Erfolg an ihrer Tennis-Karriere arbeiten.
Selten genug machen die Reporter vor Ort mal eine Stichprobe. Ich hatte vor ein paar Jahren die Gelegenheit und habe Mitch Franke in Phoenix besucht und ausführlich interviewt, der damals im System der Milwaukee Brewers spielte. Einen ähnlichen Text, der 2001 in der FAZ erschien und die Desillusion und die Anstrengung im Kampf um die große Chance einfing, könnte man heute vermutlich wieder schreiben. Aber es gibt ja YouTube. Und eine fleißige Videographin namens Dianna, die in Blog-Form und mit ein paar anderen Anhängern im Webseiten-Format das Schicksal der Fort Myers Miracle dokumentiert, dem Rookie League Club, in dem Gessmann derzeit spielt. Dianna hat Ende April in einem Spiel eine Arbeitseinheit von Gessmann mit den simplen Mitteln einer stationären Kamera eingefangen. Man sollte ein bisschen von Baseball verstehen, um zu erkennen, worin das Problem in diesem Spiel besteht, in dem der Nachwuchs-Pitcher aus Deutschland - Spitzname "The German Kid" - in einem desaströsen Inning fünf Walks, 2 Singles und einen Home Run produzierte. Der große Wurf?
Zu dem Video gibt es noch einen zweiten Teil. Hier.
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13. Juli 2008
FBI untersucht die DomRep-Connection
Als vor ein paar Tagen die drei Begriffe "Washington Nationals", "Dominikanische Republik" und "FBI" in einer Meldung zusammen auftauchten, war das Signal für viele US-Medien, sich zum ersten Mal etwas gründlicher mit einer der wichtigsten Fabrikationsstätten des amerikanischen Baseball-Nachwuchses zu beschäftigen. Denn jeder weiß: Das FBI untersucht den Profisport nicht aus Daffke. Wenn dessen Agenten einen Sportler oder einen Manager oder - wie in diesem Fall - die Mittelsleute vernehmen, die den jungen Spielern Knebelverträge aufzwingen, dann haben sie bereits einiges in der Hand.Sportinteressierte außerhalb der USA und der Karibik haben es nicht ganz leicht, die Sachlage auf Anhieb zu verstehen. Selbst wenn es um einen im Grunde eher simplen Verdacht auf Wirtschaftsstraftaten wie Betrug und Unterschlagung geht. Also sollte man vielleicht erst einmal erwähnen, dass die Dominikanische Republik, gemessen an der Bevölkerungszahl (10 Millionen Einwohner)
vermutlich derzeit das beste Baseball-Reservoir der Welt ist. Eine Zahl aus dem Jahr 2005 unterstreicht das ganz gut. Da kam jeder achte All-Star aus der DomRep und jeder neunte Profi in der Liga.Dieses Reservoir wird von Major League Baseball sehr konsequent ausgeschöpft. Wahrscheinlich hätte die Liga lieber ihre Finger in Kuba, um dort die fertig ausgebildeten Talente abzuschöpfen, die man dort permanent mit hervorragenden Trainern und aufgrund einer hochstehenden Spielkultur ausbildet. Aber der Nachwuchs eine Insel weiter ist durchaus eine gute Alternative. Denn der ist billig zu haben. Die Spieler sind anpassungsfähig bis unterwürfig (aus Angst, die Aussicht auf ein gutes Einkommen zu vermasseln). Und der Selektionsprozess der Farm Teams von den Rookie Leagues über die Minor Leagues hinauf bis in die Majors existiert bereits. Man muss also für die jungen Spieler aus der Karibik – abgesehen vom Auffinden der attraktivsten Talente – keinen großen Extra-Aufwand treiben.
Die Zahlen auf dieser Seite mögen der Zeit ein wenig hinterherhinken. Aber sie deuten den wirtschaftlichen Effekt an, den die Anbindung an den Profi-Baseball in den USA für die DomRep bedeutet: Um die 75 Millionen Dollar pro Jahr stecken die Clubs zusammen vor Ort in ihre Arbeit. Sie unterhalten sogenannte Academies, zahlen Boni bei Vertragsabschlüssen (um die 40.000 Dollar pro Kandidat) und betreiben eine Summer League. Die Verlockungen sind für die Einwohner eines armen Landes ziemlich groß. Weshalb immer wieder Spieler, die nach den US-Regeln eigentlich schon zu alt sind, mit gefälschten Geburtsdaten antreten.
Zurück zu den Washington Nationals, die so etwas wie die Dominikanische Republik unter den Baseball-Clubs Amerikas sind. Ein armes Kind, das vor ein paar Jahren aus Montreal in die US-Hauptstadt verpflanzt wurde, nachdem sich in Kanada kaum jemand für die Mannschaft – genannt Expos – interessierte. In diesem Jahr sollte das alles ganz wunderbar werden, mit den Nationals. Sie bekamen von der Stadt ein nagelneues Stadion spendiert. Aber die Menschen in Washington reagierten nicht wie erhofft. Neulich zeigte Washington-Post-Blogger Dan Steinberg die ganze Dimension des Dilemmas auf. Nicht nur bekommt die Mannschaft die Arena nicht voll. Ganze 9000 Haushalte schalten im Schnitt die Live-Übertragungen im Fernsehen ein. Aber das ist noch nicht alles: Die Club-Leitung schuldet der Kommune 3,5 Millionen Dollar Miete und hält das Geld mit der Behauptung zurück, das Stadion, das die Nationals fleißig benutzen und an dessen Kassenhäuschen sie ordentlich Eintritt verlangen, sei noch nicht komplett fertig.In diese Gemengelage platzte die Nachricht von den FBI-Aktivitäten (Hinweis: Herunterscrollen bis Stichwort Baseball). Sie kam den Verantwortlichen sicher höchst ungelegen. General Manager Jim Bowden bestreitet allerdings nicht nur, irgendetwas über die mutmaßlichen Machenschaften zu wissen. Er erklärte nach dem Besuch der Bundespolizei, dass sie sich für ihn persönlich gar nicht interessiert habe. Das ist gut möglich. Ein Teil der Recherchearbeit des FBI besteht aus der Beschaffung von Grundlageninformationen. Besonders bei komplexeren Sachverhalten, die nicht zum Alltag der Ermittler gehören. Und da die Zentrale in Washington ist, werden sie vermutlich immer erst einmal im engeren Radius mit der Arbeit anfangen. Auffällig ist allerdings, dass Bowden der Öffentlichkeit nicht alles erzählen will, was bei der Befragung auf den Tisch kam. Man sollte davon ausgehen, dass er mehr über das Untersuchungsverfahren weiß, als er zugeben möchte.
Übrigens arbeitet nicht nur das FBI an der Aufklärung der Angelegenheit, sondern auch die Liga selbst. Der Ausgangspunkt für die Ermittlungen muss ein Hinweis gewesen sein, der vor ein paar Monaten aus den Reihen der Chicago White Sox kam.
Einige der berühmtesten Spieler von der Insel sind: Sammy Sosa, Albert Pujols, Pedro Martínez, David Ortiz, Manny Ramírez, Miguel Tejada und Alfonso Soriano.
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2. Oktober 2006
Baseball-Playoffs: Sympathien für wen?
Sentimentalität. Das ist die wichtigste Zutat für einen Baseball-Fan, der sich irgendwann im Leben für einen Club entscheidet und ihm verbunden bleibt. Die sentimentalsten Fans auf dem Baseball-Planeten wurden in den letzten Jahren ziemlich gut abgefunden. Erst gewannen die Red Sox aus Boston die World Series. Dann die White Sox aus Chicago. Und das, obwohl sie achtzig Jahre lang einen Weg gefunden hatten, sich noch jedes Mal rechtzeitig selbst aus dem Spiel zu nehmen. Die halbe Welt dachte, diese Mannschaften sind verflucht. Dabei waren sie meistens nur verflucht schlecht. Aber - siehe oben - wenn man sentimental an einer Institution hängt, kommt man auf die dollsten Gedanken, um irgendwie das rein Faktische, das Unangenehme, das Sinnlose, in eine irrationale Huldigung umzuwandeln. Sagte jemand Heiligenverehrung, Katholische Kirche?
Ich bin nicht sentimental genug, um mich für einen bestimmten Baseball-Club zu interessieren, in dem ganze Generationen von Entscheidungsträgern das Geld aus dem Fenster werfen und im Gegenzug dafür nichts Bemerkenswertes auf die Beine stellen. Nicht in einer dermaßen detailliert analysierten Sportart, in der fast alle verborgene kreative Attraktivität ausgetreten wird wie ein Feuer, vor dem man Angst hat, es könnte sich zu eine Flächenbrand ausweiten. Ich bewundere die Leute von Sabernomics und Michael Lewis, der das Buch Moneyball (Untertitel: "The Art of Winning an Unfair Game") geschrieben hat, weil sie gezeigt haben, worauf es ankommt, um in der Maschine namens Major League Baseball Erfolg zu haben: auf eine kaltschnäuzige, radikal rationale Bewertung des vorhandenen Datenmaterials. Gut für alle, die das umsetzen können. Schlecht für uns. Wir dachten Baseball sei ein Spiel. Es ist wohl etwas anderes.
Ich bin nicht zynisch genug, um mich NICHT an manchen lauen Sommerabenden und nicht ganz so lauen Herbstabend in ein Stadion zu wünschen, in dem sich tausende von Menschen versammeln, die dem Ereignis einen gewisse Stimmung verleihen. Denn sie sind sentimental und hoffnungsfroh und enttäuschbar. Und sie sind es, die sich hinterher noch einmal kurz umdrehen und hinunter in die Stadionschüssel schauen und warten, bis das Licht ausgeht. Man kann sich in sie hineinversetzen und durch sie einen Zugang zu der Frage finden: Für welches Team entwickelt man Sympathien? Aber ich bin da nie sehr weit gekommen. Am stärksten haben mich in den neunziger Jahren die Atlanta Braves begeistert, was wohl auch daran lag, dass ich mich mit ihnen und ihrem damaligen Pitcher Tom Glavine auseinandergesetzt hatte (für eine umfangreiche Geschichte in der Zeitschrift Sports). In dem Jahr, in dem die Boston Red Sox endlich die Yankees weggefegt haben, haben ich denen die Daumen gedrückt. Das lag vor allem daran, dass ich ein paar Jahre vorher bei der Arbeit an einem Bericht über Michael Jordan in den Minor Leagues in Birmingham/Alabama Manager Terry Francona kennengelernt hatte. Francona hatte damals so cool gewirkt angesichts des Affentheaters rund um Jordan.
Die Red Sox haben es nicht in die Playoffs geschafft, die White Sox auch nicht. Die Chicago Cubs, die jetzt eigentlich an der Reihe wären, kamen nie in Frage. So erwärmen sich jetzt einige an den Mets, weil sie auf eine Wiederholung der Subway Series gegen die Yankees hoffen, was man eigentlich niemanden wünschen darf. Niemand außerhalb der Stadt wird sich für so etwas interessieren. Nicht mal die Sentimentallissimos.
Ich bin nicht sentimental genug, um mich für einen bestimmten Baseball-Club zu interessieren, in dem ganze Generationen von Entscheidungsträgern das Geld aus dem Fenster werfen und im Gegenzug dafür nichts Bemerkenswertes auf die Beine stellen. Nicht in einer dermaßen detailliert analysierten Sportart, in der fast alle verborgene kreative Attraktivität ausgetreten wird wie ein Feuer, vor dem man Angst hat, es könnte sich zu eine Flächenbrand ausweiten. Ich bewundere die Leute von Sabernomics und Michael Lewis, der das Buch Moneyball (Untertitel: "The Art of Winning an Unfair Game") geschrieben hat, weil sie gezeigt haben, worauf es ankommt, um in der Maschine namens Major League Baseball Erfolg zu haben: auf eine kaltschnäuzige, radikal rationale Bewertung des vorhandenen Datenmaterials. Gut für alle, die das umsetzen können. Schlecht für uns. Wir dachten Baseball sei ein Spiel. Es ist wohl etwas anderes.
Ich bin nicht zynisch genug, um mich NICHT an manchen lauen Sommerabenden und nicht ganz so lauen Herbstabend in ein Stadion zu wünschen, in dem sich tausende von Menschen versammeln, die dem Ereignis einen gewisse Stimmung verleihen. Denn sie sind sentimental und hoffnungsfroh und enttäuschbar. Und sie sind es, die sich hinterher noch einmal kurz umdrehen und hinunter in die Stadionschüssel schauen und warten, bis das Licht ausgeht. Man kann sich in sie hineinversetzen und durch sie einen Zugang zu der Frage finden: Für welches Team entwickelt man Sympathien? Aber ich bin da nie sehr weit gekommen. Am stärksten haben mich in den neunziger Jahren die Atlanta Braves begeistert, was wohl auch daran lag, dass ich mich mit ihnen und ihrem damaligen Pitcher Tom Glavine auseinandergesetzt hatte (für eine umfangreiche Geschichte in der Zeitschrift Sports). In dem Jahr, in dem die Boston Red Sox endlich die Yankees weggefegt haben, haben ich denen die Daumen gedrückt. Das lag vor allem daran, dass ich ein paar Jahre vorher bei der Arbeit an einem Bericht über Michael Jordan in den Minor Leagues in Birmingham/Alabama Manager Terry Francona kennengelernt hatte. Francona hatte damals so cool gewirkt angesichts des Affentheaters rund um Jordan.
Die Red Sox haben es nicht in die Playoffs geschafft, die White Sox auch nicht. Die Chicago Cubs, die jetzt eigentlich an der Reihe wären, kamen nie in Frage. So erwärmen sich jetzt einige an den Mets, weil sie auf eine Wiederholung der Subway Series gegen die Yankees hoffen, was man eigentlich niemanden wünschen darf. Niemand außerhalb der Stadt wird sich für so etwas interessieren. Nicht mal die Sentimentallissimos.
21. Februar 2007
Im Baseball gehen die Uhren anders: Die Akte A-Rod
Man kann sagen: Football ist populärer. Und ganz normale NASCAR-Rennen haben mehr Zuschauer. Man kann sagen: die Gehälter sind astronomisch und das Interesse der Spieler daran, einander mit Hilfe von Anabolika, gekorkten Schlägern und eingeschmutzten Bällen zu übervorteilen, ist nahezu kriminell. Aber dann würde man trotzdem nicht verstehen, was Amerikaner an Baseball und vor allem auch an professionellem Baseball finden, und nicht erklären können, weshalb die Beschäftigung mit dem Spiel soviele spirituelle Metaphern produziert. Diese quasi-religiöse Antenne, die da bei etwa 50 Millionen Menschen ausfährt, wenn sie ins Stadion gehen, entspricht interessanterweise einem anderen Phänomen: Kein Land in der westlichen Welt hat - relativ gesehen - so viele Kirchgänger. Sie sind aufgesplittert in hunderte von Konfessionen, aber hängen einmal die Woche irgendwie alle an demselben Aufladegerät.
Sicher, der kleinstädtische Baseballfan ist anders. Für den sind die Spiele aus der Show nicht mehr als ein fernes faszinierendes Echo, das er früher abends über Mittelwelle im Transistorradio aufgeschnappt hätte und das heute in den Übertragungen auf den hinteren Kabelkanälen schleppender wirkt denn je. Aber es gibt ja auch die großen Städte mit ihren Retro-Stadien, in denen ein heimeliges, launiges Gefühl entsteht, wo das Schleppende einfach unwiderstehlich wirkt. Wo gibt es das noch? Ein Spiel, bei dem die Zeit so langsam vergeht, dass man denkt: Sie steht still.Es gibt andere Anzeichen dafür, wie gemächlich die Zeit vergeht: Man denke nur an die seit drei Jahren anhaltenden Antipathien zwischen zwei der prominentesten Baseball-Profis Amerikas: Derek Jeter und Alex Rodriguez. Würde Rodriguez, genannt A-Rod, für die Boston Red Sox spielen oder die Baltimore Orioles, dann wäre das Verhältnis der beiden zueinander weit weniger quälend. Die beiden würden einander die Bälle um die Ohren ballern. Und die Fans würden sich an der Rivalität ergötzen. Dummerweise hat der wohlhabende Club-Besitzer George Steinbrenner die beiden dazu verdammt, für dieselbe Mannschaft zu spielen. Und so gehen sie jeden Sommer, Abend für Abend, für die New York Yankees auf den Platz.
Das Problem, das die beiden miteinander haben, lässt sich an zwei höchst widersprüchlichen Details nachzeichnen. Auf der einen Seite ist Rodriguez nicht nur der am besten bezahlte Baseball-Profi, der im Jahr 2000 (damals bei den Texas Rangers) einen Zehn-Jahres-Vertrag über 252 Milionen Dollar erhalten hatte, er ist auch der Spieler mit dem besten Sammelsurium an
Leistungsdaten: Keiner hat in den letzten zehn Jahren mehr Home Runs, Runs Batted In, Total Bases und Extra-Base-Hits verbucht. Wenn er so weiter macht, könnte er gleich in drei Prestige-Kategorien folgende Legenden überholen: Hank Aaron (Home Runs), Ricky Henderson (Runs Scored) und Pete Rose (Hits).Auf der anderen Seite steht diese dicke fette statistische Größe: Null. A-Rod hat noch nie die World Series gewonnen, nicht mit den Seattle Mariners, nicht mit den Texas Rangers und auch nicht mit den New York Yankees, was wirklich eine Kunst ist, denn diese Mannschaft ist so pickepackevoll mit Qualität besetzt wie der FC Chelsea. Nicht nur das: Vor der Zeit mit Rodriguez gewannen die Yankees jahrelang fast immer.
Womit wir zu dem Phänomen kommen, das Sportlern in anderen Sportarten nur sehr selten gelingt: Man kann im Baseball auf eigene Rechnung extrem gut aussehen, ohne dass die eigene Mannschaft davon profitiert. Bei den Yankees allerdings fällt so etwas - unangenehm - auf. In New York gibt es zu viele Reporter und Zeitungen, die überhaupt keine quasi-religiösen Empfindungen hegen, wenn sie ins Stadion gehen. Sie haben keine Ehrfurcht vor einem Statistik-Weltmeister. Sie wollen Meisterschaften sehen. Und sie können Statistiken lesen, die besagen, dass Rodriguez in Spielsituationen, in denen es darum geht, einen Vorsprung herauszuarbeiten oder einen knappen Rückstand aufzuholen, nicht viel leistet.
Warum aber steht A-Rod in der Schusslinie, wo doch in jeder Mannschaft der American League mindestens zehn Leute mitmischen (wenn man den Designated Hitter einrechnet)? Man muss nur ein bisschen zurückblättern ins Jahr 2000, als Rodriguez in Texas den Monster-Vertrag aushandelte und dabei auch mit den New York Mets buhlte und dort Folgendes verlangte: eine eigene Luxus-Loge im Shea Stadium für die Freunde, ein Privatflugzeug, damit er nicht mit dem Mannschaftsflieger reisen muss, ein großes Zelt während des Trainingslagers in Florida, um dort spezielles Rodriguez-Merchandising zu verkaufen, ein vierköpfiges Marketing-Team, um die außersportlichen Geschäfte abzuwickeln, und eine Garantie, dass er in New York auf mehr Werbetafeln zu sehen sein würde als der Publikumsliebling der Yankees, der bereits erwähnte Derek Jeter.Jeter hatte als Platzhirsch natürlich kein Interesse daran, sich von einer Primadonna wie A-Rod in den Schatten stellen zu lassen, als Steinbrenner vier Jahre danach Rodriguez holte. Er ist nämlich einer, der sich die Hände dreckig macht (und auch das Trikot) und der es im Testosteron-Department mit jedem aufnimmt, wenn auch nicht immer auf die laute Tour. A-Rod wurde also nicht Shortstop, das war Jeters Platz, sondern Third Baseman. A-Rod wurde auch nicht die Nummer 3 in der Reihenfolge der Spieler am Schlag (Batting Line-Up), was die zentrale Position im Angriff ist. A-Rod wurde Schönspieler, Einzelgänger, Weichei, Dekoration - und der Hauptschuldige für die Pleiten in den Playoffs.
In diesen Tagen würden die Zeitungen in New York die seltsame Ehe am liebsten sprengen. Aber die Spieler reden wie die besten Diplomaten im Auswärtigen Amt. Gemeckert wird nie. Gelobt wird in abgewogenen Sätzen. Man will es wohl miteinander versuchen. Man muss es wohl auch. Denn dass andere Teams ihnen diese Last abnehmen, ist kaum anzunehmen. Nicht, wenn sie schlau sind. Je mehr sich die Yankees miteinander beschäftigen, desto besser sind die Chancen für die anderen.
Blick zurück: Derek Jeter kommt gut an - vor allem bei den Film- und Gesangsstars
12. Januar 2010
McGwires Doping-Geständnis – ein Flashback
Übrigens: Falls sich jemand fragt, weshalb Mark McGwire nach so vielen Jahren den Mund aufmacht und zugibt, was er im Grunde nie bestritten, sondern immer nur pflaumenweich umschifft hatte. Dies wäre eine Spur: Sein Bruder Jay, mit dem er schon jahrelang keinen Kontakt mehr hat, wird nach Angaben von Amazon in ein paar Tagen mit einem Buch auf den Markt kommen, dass das Doping-Thema Schwarz auf Weiß belegt. Jay hatte eigenen Angaben zufolge einst als Bodybuilder und Fitnesstrainer den Baseball-Bruder mit Anabolika bekannt gemacht und ihm wohl auch die ersten Spritzen verpasst. McGwire wollte vermutlich den neuerlichen Anschuldigungen (die alten kamen konkret von seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Jose Canseco) den Wind aus den Segeln nehmen. Trotzdem hat er mit dem späten Eingeständnis aus heiterem Himmel gestern keine Sympathiepunkte gesammelt. Der Tenor vor allem unter anderen ehemaligen Spielern, ist eindeutig: Die Leistungen von Leuten wie McGwire haben in dem statistikversessenen Spiel natürlich ihre eigenen Werte schlechter aussehen lassen. Wer weiß, wer alles in jener Zeit als Trainer oder redlicher Spieler seinen Job verloren hat, weil plötzlich die aufgepumpten Michelin-Männchen antraten und die Maßstäbe für Erfolg verschoben.Mir ist in diesem Zusammenhang übrigens eine Episode aus dem Jahr 1998 wieder eingefallen, als ich für den Züricher Tages-Anzeiger zunächst über McGwire schrieb: "Zu seinem Aufbauprogramm gehören nicht nur Steaks und Hamburger, sondern ebenso die unter Amerikas Profis populäre Muskelsubstanz Kreatin und das testosteronfördernde Mittel Androstenedion, das ausser im Baseball und Basketball in fast allen Sportarten auf der Dopingliste steht." Wenige Tage später monierte ich die Art und Weise, wie man in den USA das Auslöschen des alten Rekords von Roger Maris gefeiert hatte: Mit einer Unterbrechung mitten im Spiel, in der McGwire ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekam und eine Ansprache halten durfte. Parallel liefen damals auf der Anlage in Flushing Meadow die US Open im Tennis. Und die Schweizer Spielerin Martina Hingis wurde tatsächlich von den anwesenden Journalisten in der Pressekonferenz genötigt, zu diesem Baseball-Theater eine wohlwollende Stellungnahme abzugeben.
Ich charakterisierte diesen Vorgang als "krankes Wir-Gefühl". Das gefiel den Baseball-Fans in der Schweiz ganz und gar nicht. Und so findet man noch heute in den Archiven der Zeitung einen ärgerlichen Leserbrief mit pauschalen und völlig überzogenen Vorwürfen an meine Adresse.
Schwamm drüber. Es war natürlich krank. Und ein Symbol für all das, was an dem Massenwahnsinn des amerikanischen Sports bisweilen durchknallt. Ja, und Mark McGwire war gedopt. Seinen Ruf als Sportbetrüger zementierte er allerdings erst vor vier Jahren, als er bei einer Anhörung im Kongress in einem denkwürdigen Auftritt unter Eid wiederholt einer Antwort auf die zentrale Frage auswich. Ein Betrüger. Geständig, ja. Aber ein Mann ohne Mumm, der sich immer nur Sorgen um sich selbst machte, weil der Anabolika-Konsum gegen Gesetze verstoßen hatte und die Verjährungsfrist für seine Vergehen noch nicht abgelaufen war. So jemand wirkt im Jahr 2010 denn einfach nur wie eine Karikatur.
Die nächste Frage lautet: Wann wird Major League Baseball darüber nachdenken, die Rekorde aus der Anabolika-Zeit zu streichen? Mit jedem Geständnis der Top-Spieler wie zuletzt Alex Rodriguez fällt die Blase in sich zusammen. Aber wahrscheinlich darf man von Commissioner Bud Selig in der Richtung nichts erwarten. Amerikas nostalgisch angehauchte Sportart leistet sich im höchsten Amt einen Menschen, der aussieht wie einen Schluck Wasser in der Kurve.
20. Februar 2007
Einstimmung auf die Baseball-Saison: "Who's On First?"
Was macht man, wenn die Tristesse der aktuellen sportbezogenen Nachrichten einen stimmungsmäßig runterzieht? Und Zinedine Zidane lieber im Ruhestand verharrt, anstatt in den USA vor den Ball zu treten? Wenn man erfährt, dass Michael Jordan beim Konkursverfahren der von ihrem Chef ausgeplünderten Firma Worldcom mit seiner Forderung auf 8 Millionen Dollar ausstehendes Honorar an die Wand gefahren ist? Man sucht sich was Lustiges. Ist schließlich Faschingsdienstag.
Aber Vorsicht: Es nicht ganz leicht, auf Anhieb dieses Stück klassischer amerikanischer Komödie zu verstehen, in der es um Baseball und um englische Sprache geht. Aber dieser Sketch gehört genauso zur Geschichte dieser Sportart wie der Sventh-Inning-Stretch, das Lied Take Me Out to the Ball Game, das Broadway-Musical Damn' Yankees, der Film Bull Durham (deutscher Titel: Annies Männer) und die großen berühmten Spielerfiguren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wir werden uns aus Anlass des Spring Training, das in diesen Tagen in Florida und Arizona beginnt, zur Abwechslung mal ein wenig mit klassischer Baseball-Folklore beschäftigen. Zur Einstimmung und zum Vergnügen. Die Spiele der Vorsaison in Florida (Grapefruit League) beginnen Ende Februar/Anfang März. Den Spielplan gibt es hier.
Who's on First? wurde vom Komiker-Duo Abbott and Costello entwickelt, das später viele Leute inspiriert hat: Groucho Marx, Woody Allen und sicher auch einen Mann wie Loriot dessen Sketch An der Rennbahn ("Wo laufen Sie denn? Wo laufen Sie denn hin?") danach klingt, als habe er die Baseball-Vorlage zumindest gekannt. Man kann den Text auf dieser Webseite nachlesen. [Hinweis: In den Kommentaren wird dem Ursprung des Rennbahn-Sketches etwas genauer nachgegangen. Die Beziehung Loriot/Baseball kann man danach nicht aufrecht erhalten.]
Die zwei Amerikaner begannen 1931 in Brooklyn. Who's on First? wurde schon bald Teil ihres Stammreprtoires, das sie in Radiosendungen aufführten. 1940 brachten sie ihn auch in ihrem ersten Film One Night in the Tropics unter. Diese Videokopie, die man bei YouTube finden kann, ist aus einem Film von 1945: The Naughty Nineties. Wikipedia hat einen ausführlichen Eintrag. Dort findet man unter anderem eine Notiz darüber, dass das Nachrichtenmagazin TIME den Sketch 1999 zum besten des 20. Jahrhunderts ausrief. Wie stark der Text ins Bewusstsein vieler Amerikaner gedrungen ist, kann man daran erkennen, dass Dustin Hoffman im Film Rain Man, in dem er einen hochintelleigenten Autisten spielt, immer wieder daraus zitiert, wenn sein Bruder (gespielt von Tom Cruise) auf ihn sauer ist.
Im Jahr 2002 schrieb der Amerikaner Jim Sherman eine Parodie, in der Präsident George W. Bush und Condolezza Rice einen ähnlichen Dialog führen, in dem es um den neuen Präsident von China geht.
30. September 2006
Baseball-Playoffs: Eine kleine Einstimmung
Dies ist die Zeit im Jahr, wenn ich anfange, mich nach Monaten einer gewissen Gleichgültigkeit ernsthaft für Baseball zu interessieren. Oder sagen wir: ernsthaft für die Meisterschaft. Denn meine Neugier auf das Spiel ist davon nicht betroffen. So war ich in diesem Jahr im Rahmen einer Recherche für das Männer-Magazin FELD auf den Spuren von James Fenimore Cooper in der Stadt die seinen Namen trägt: Cooperstown. Und diese Stadt ist Sitz der Baseball Hall of Fame, die ich bei dieser Gelegenheit sehr gerne besucht habe - und zwar stundenlang und ausgiebig. Hier ein Ausschnitt aus dem Text, den ich später für die FAZ anlässlich des Induction-Wochenendes geschrieben habe:Heute ist die Einrichtung eine Institution und hat den Standard für jedes andere Sportmuseum gesetzt, von denen es mittlerweile quer über die Vereinigten Staaten verstreut für fast jede Disziplin - sei es Golf, Tennis, Basketball, Schwimmen oder Boxen - mindestens eines gibt. So besitzt sie mehr als 35 000 Objekte wie Bälle, Schläger und Trikots, rund eine halbe Million Fotos und zwei Millionen Schriftstücke in ihrem Archiv. Das Kernstück der Ausstellungsräume ist die sogenannte Gallery mit den Bronzetafeln von mehr als 250 Spielern, Trainern, Managern und Schiedsrichtern, die für würdig befunden wurden, die Geschichte der Sportart zu repräsentieren.
Die Gründung der Hall of Fame geht auf eine Idee aus dem Jahr 1936 zurück, als Baseball dank der Spieler der New York Yankees wie des legendären Babe Ruth seinen ersten wirtschaftlichen Boom erlebte. Anfänglich kam man in Cooperstown mit zwei Stockwerken aus. Nach der letzten großen Renovierung, die 2005 abgeschlossen wurde und 20 Milllionen Dollar kostete, kann man auf insgesamt drei Etagen die Geschichte nachempfinden. Das tun rund 350 000 Besucher jährlich. Das Verhältnis der Amerikaner zu Baseball ist ungebrochen - trotz Anabolika-Skandalen und den langen Spielerstreiks der Vergangenheit. Zur Mythologisierung tragen die Filmfabrik Hollywood bei, die sich immer wieder Geschichten aus der Geschichte des Spiels greift und sie auf publikumswirksame Weise zurechtmacht, Musicals, Theaterstücke und Schriftsteller. Aber kaum jemand hat die Faszination so gut auf den Punkt gebracht wie die fiktive Hauptfigur in dem Film "Annie und ihre Männer": Sie habe alle großen Religionen ausprobiert, sagt sie in ihrem Monolog zu Beginn. Aber wirklich glücklich geworden sei sie nur mit einer: "Ich glaube an die Kirche Baseballs."
Der Schrein für die Pilger dieser Glaubensgemeinschaft könnte an jedem Ort stehen. Aber für Cooperstown sprachen zumindest ein paar Indizien. Hier soll nämlich der Armeeoffizier Abner Doubleday im Sommer 1839 das erste Spielfeld abgekreidet und einen Teil der Regeln kodifiziert haben. Inzwischen ist diese Darstellung umstritten. Aber sie genügte einem einflußreichen Erben des Singer-Nähmaschinen-Imperiums. Er trieb die Idee voran, dem heruntergekommenen Städtchen am Lake Otsego, Geburtsort von James Fenimore Cooper und Schauplatz eines Teils seiner Lederstrumpf-Geschichten, eine neue Attraktion zu verschaffen.
Das soll es erstmal als Einstimmung gewesen sein. Mehr über die Playoffs in den nächsten Tagen. Hier noch zwei Links für Menschen, die nicht warten können: Bei Volk ohne Raumdeckung fabuliert Rob Alef über die "geheimnisvolle Schönheit" des Spiels. Bei Wortwelt gibt es viele harte Fakten und Einschätzungen zur aktuellen sportlichen Lage. Zur Hall of Fame gibt es keinen besseren Roman als Unabhängigkeitstag von Richard Ford, die Fortsetzung seines Buches Der Sportreporter, in der die Hauptfigur Richard Bascombe seinen Sohn auf eine Reise nach Springfield/Massachusetts (Basketball Hall of Fame) und Cooperstown mitnimmt. Bascombe ist in diesem Buch kein Journalist mehr, sondern hat den Beruf an den Nagel gehängt und ist Immobilienmakler geworden. Der dritte Band erscheint übrigens in den nächsten Tagen in den USA.
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1. März 2008
Klinsmann-Watch: Baseball für Bayern
Es werden nicht so viele gemerkt haben, dass hier am Freitag für eine kurze Zeit ein Beitrag über Jürgen Klinsmann und seinen Besuch beim Baseball in Arizona stand. Denn er verschwand wieder, als klar war, dass es für das Thema in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hinreichend Platz geben würde. Warum? Ganz einfach. Weil man sich als Blogger keinen Gefallen tut, wenn man eine exklusive, kleine Geschichte im Blog zu früh auf den Markt wirft. Da kann es einem nämlich passieren, dass man damit eventuell mitlesende Konkurrenten von anderen Medienkanälen wach macht und so die Exklusivität des Beitrags in der Zeitung sabotiert.
Es gibt zwar Indizien dafür, dass die meisten Kollegen keine Notiz von American Arena nehmen, weil der Blog als Grundkonzept und das Themenfeld wohl nur eine kleine Gruppe anspricht. Aber diese Prämisse ernsthaft testen möchte man lieber nicht. Nicht bei populären Aufhängern wie Fußball und Klinsmann und Bayern München.
Hier deshalb nur ein Appetithappen - ein Ausschnitt aus dem kurz hochgeschalteten Text vom Freitag. Für den, der mehr wissen will: Die Zeitung gibt's am Sonntag an jeder Tanke.
"Oben über der Isar, unweit der Clubanlage von Bayern München an der Grenze zwischen den beiden Stadtteilen Giesing und Harlaching, gab es mal vor Jahren ein Spielfeld, auf dem eine Handvoll von Menschen jeden Sommer unverdrossen Baseball spielte. Keine Ahnung, ob es das noch gibt. Wenn nicht, sollte man über eine Wiederaufstehung nachdenken. Jürgen Klinsmann kommt. Und weil er ein Mann ist, der in seiner Freizeit unablässig über irgendwelche querdenkenden Arbeitsmethoden räsonniert, und weil er in seiner Zeit in Kalifornien Baseball kennengelernt hat, hat er eine Verbindung zwischen dieser Sportart und ihrem Kronjuwel, genannt Major League Baseball, auf der einen Seite und dem professionellen Fußball entdeckt. Sicher nicht auf dem Spielfeld, wo man einen Knüppel in der Hand hält und sich entweder Anabolika gibt oder Kautabak oder beides. Aber irgendwo in der Chefetage. Dort, wo die Jungs zusammenkommen, die sich Gedanken über den Einkauf von neuen Spielern machen und nach einem System suchen, wie man Talent bewertet....."
Es gibt zwar Indizien dafür, dass die meisten Kollegen keine Notiz von American Arena nehmen, weil der Blog als Grundkonzept und das Themenfeld wohl nur eine kleine Gruppe anspricht. Aber diese Prämisse ernsthaft testen möchte man lieber nicht. Nicht bei populären Aufhängern wie Fußball und Klinsmann und Bayern München.
Hier deshalb nur ein Appetithappen - ein Ausschnitt aus dem kurz hochgeschalteten Text vom Freitag. Für den, der mehr wissen will: Die Zeitung gibt's am Sonntag an jeder Tanke.
"Oben über der Isar, unweit der Clubanlage von Bayern München an der Grenze zwischen den beiden Stadtteilen Giesing und Harlaching, gab es mal vor Jahren ein Spielfeld, auf dem eine Handvoll von Menschen jeden Sommer unverdrossen Baseball spielte. Keine Ahnung, ob es das noch gibt. Wenn nicht, sollte man über eine Wiederaufstehung nachdenken. Jürgen Klinsmann kommt. Und weil er ein Mann ist, der in seiner Freizeit unablässig über irgendwelche querdenkenden Arbeitsmethoden räsonniert, und weil er in seiner Zeit in Kalifornien Baseball kennengelernt hat, hat er eine Verbindung zwischen dieser Sportart und ihrem Kronjuwel, genannt Major League Baseball, auf der einen Seite und dem professionellen Fußball entdeckt. Sicher nicht auf dem Spielfeld, wo man einen Knüppel in der Hand hält und sich entweder Anabolika gibt oder Kautabak oder beides. Aber irgendwo in der Chefetage. Dort, wo die Jungs zusammenkommen, die sich Gedanken über den Einkauf von neuen Spielern machen und nach einem System suchen, wie man Talent bewertet....."
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24. April 2007
Eine Baseball-Bloggerin namens Milano
Ich gebe zu, so was finden wir weit weniger beeindruckend als die Leute von alyssa-milano.de neulich: "Die Finalfolge von Charmed sprengte am Samstag sämtliche bisherige Quoten! Um 17 - 18 Uhr schalteten 1,36 mio Zuschauer ab 3 Jahren ein. Das bringt ihnen einen Markenanteil von 8,9%." Aber es zeigt zumindest, dass die Hollywood-Schauspielerin aus Brooklyn auch in Deutschland ein Begriff ist. Weshalb wir uns hier den Hinweis gestatten wollen: Alyssa Milano bloggt. Und zwar über Baseball. Hier geht's zu ihren ziemlich lesbaren Gedanken, die sich vor allem um die Los Angeles Dodgers drehen, aber auch um den Sportkommerz, die Fans und mehr: "Yes, I really write this blog. Yes, I am a huge baseball fan. Yes, I’ve read all of your comments that you’ve left for me (ouch)." Warum wir das mit Brooklyn erwähnen? Da kommen die Dodgers her. Milanos Männer waren dem Vernehmen zuletzt vornehmlich Baseball-Profis: Carl Pavano, Barry Zito und Brad Penny. Obwohl: Das hat sie in ihrer kryptischen Art zumindest halb bestritten. Kann man verstehen. Wer mochte schon als Baseball-Groupie abgewertet werden? Die Frau kämpft schließlich bereits seit Jahren ohne Erfolg darum, dass ihre Nacktszenen aus dem Internet verschwinden und tut dabei immer ganz prüde. Dabei dürften die meisten dieser Darbietungen mit ihrer Einwilligung entstanden sein.Blick zurück: Scarlett Johansson und Reebok - eine weitere Hollywood-Sport-Connection
10. August 2006
Wem gehört die Baseball-Statistik?
Hier der spannende Teil: Nach Informationen der Fantasy Sports Trade Association hat das Geschäft mit Fantasy Leagues in allen möglichen Sportarten mittlerweile 1,5 Milliarden Dollar im Jahr erreicht. Involviert sind kleine Firmen, die den Fans alles mögliche an Hilfsmaterial verkaufen. So wie in dem Foto oben von der Website www.fjfantasy.com - ein sogenanntes Draft Board in Lebensgröße.
Von soviel Geld möchte die echte Liga natürlich etwas abhaben. So begann eine juristische Auseinandersetzung um die Frage: Dürfen statistische Informationen aus den Sportligen und die Namen der echten Spieler frei und ohne Lizenzgebühren für andere Zwecke verwendet werden oder kann eine Liga und deren Spielergewerkschaft das blockieren - nach dem Motto: Das Datenmaterial ist durch das Persönlichkeitsrecht geschütztes Eigentum.
Diese Frage wurde jetzt in erster Instanz vor einem Gericht in St. Louis verhandelt. Gegner: Die dortige CBC Distribution and Marketing Inc., die Fantasy-Baseball-Kunden bedient. Die Entscheidung fiel gegen die Liga aus. Und dies ist die Begründung: Das Datenmaterial von den Spielen müsse man mit den Namen und Adressen in einem Telefonbuch vergleichen. Gegen deren Verwendung könne sich auch niemand wehren. Man muss damit rechnen, dass Major League Baseball in die Berufung geht.
27. Februar 2008
Der Pate
Vielleicht sollten wir ihn auch den Unbelehrbaren nennen. Denn das wird deutlich, wenn man nachliest, wie ein Journalist von der Zeitung St. Louis Post-Dispatch beim Spring Training La Russa mit den Fakten konfrontierte. Ausgestattet mit der Fähigkeit, die Absurdität seiner Einlassungen gar nicht zu begreifen, zwingt La Russa den Reporter, den geschickt eingefädelten Dialog abzubrechen. Der Baseball-Mann, der nichts sieht, nichts hört und nichts begreift, ist kein besonders hilfreicher Gesprächspartner.
Es dürfte allerdings kein besseres Dokument für die lange im Baseball gepflegte Haltung in Sachen Doping geben als diese, die erst durch den Druck von außen aufgebrochen wurde. Und zwar vor allem durch die Politiker im Kongress und mit Hilfe ganz eindeutiger Dopingregeln in den olympischen Sportarten. Es wäre also an der Zeit, La Russa, der neulich andeutete, dass er an dem zur Zeit arbeitslosen BALCO-Kunden Barry Bonds Interesse hat, mal etwas schärfer zu betrachten. Zum Beispiel in diesem Video aus dem letzten Jahr, als ihn die Polizei am Wickel hatte.
9. November 2007
Kobe vs. A-Rod: Die Abrechnung
Ich bin sicher, es gibt reichlich American-Arena-Leser, die sich sehr gut in den Katakomben des amerikanischen Sportalltags auskennen und die sich dann vermutlich auch für solche Analysen interessieren wie die von Jemele Hill auf Page 2. Genauso wie für die Replik eines Bloggers, der der Dame das ganze Gedankengebäude aus den Angeln nimmt. Mir gefallen solche Dispute - erstens - weil es so etwas in der Vor-Blog-Zeit gar nicht gab. Da bekam man als Autor allenfalls einen spitzfindigen Leserbrief und der lieferte meistens nur eine angehäufte Form von Ärger und Zorn nach dem Motto: Man habe keine Ahnung und schlimmer ging's wohl nicht. Das war geistig nicht sehr anregend. Zweitens produzieren sie erfrischende Gedanken. Ich bin noch immer ganz begeistert von diesem Spruch über Baseball im Kontext zweier moralphilosophischen Theorien, der von Ayn Rand und von Adam Smith:
Um was geht es? Eigentlich um nichts Geniales. Frau Hill hat die Verhaltensmuster und Persönlichkeitsmerkmale des Basketballers Kobe Bryant und des Baseballers Alex Rodriguez miteinander verglichen, die beide als ziemlich eitle Individuen gelten (und als Top-Typen in ihren Sportarten, was sich im Fall von Bryant übrigens leicht wiederlegen lässt). Und dabei kommt sie zu dem Schluss, dass Bryant der bessere Mensch sei, weil von seinen Anstrengungen und seinem Ehrgeiz seine Mannschaft - die Los Angeles Lakers - profitieren, während A-Rods Leistungen angeblich zeigen, dass Teams wie die Seattle Mariners, Texas Rangers und präsumptiv dann auch demnächst die New York Yankees ohne ihn besser dran sind.
Fire Jay Mariotti (benannt nach dem aufgeblähten Egomanen, der mehrfach die Woche in der Chicago Sun-Times schreibt und hin und wieder in ESPNs Around the Horn auftaucht), zersägt diese Behauptung auf eine bravouröse Weise (wenn auch nicht immer sehr gentlemanhaft geschrieben). Das schönste steht gleich am Anfang des Beitrags: Rodriguez verdient gar nicht mehr Geld als Bryant, wie immer angenommen wird, wenn man nur die Gehälter vergleicht. Bryant ist der Absahner von den beiden. Und so geht es munter weiter: mit Hinweisen darauf, dass Rodriguez nicht die Bälle pitcht, die dann von den Gegnern zu Home Runs verwertet werden. Und darauf dass A-Rod zwischendurch signalisiert hat, dass er unter bestimmten Umständen sogar auf einen Teil seines Honorars verzichten würde. Und dass die Lakers, seit Bryant Shaquille O'Neal weggebissen hat, rein gar nichts Bemerkenswertes auf die Beine gestellt haben.
Blick zurück: Ein anderer Fall von ESPN-Sense: Scoop Jackson
"Baseball ist großartig, weil es die einzige Sportart ist, bei der sich jeder Spieler auf dem Platz völlig eigennützig verhalten kann und das tun, was ihren persönlichen Wert auf ein Maximum steigert, und das dann auch noch im Interesse der Mannschaft ist. Jede andere Sportart produziert eine Nullsumme, bei der jeder Schuss von einem Spieler einem Mannschaftskollegen die Chance auf seine Möglichkeit nimmt. Im Baseball gibt du mit einem Hit einem Mannschaftskollegen eine Chance...Wenn Ayn Rand und Adam Smith gefickt hätten, hätte sie einen Baseball zur Welt gebracht."Womit wir bei dem dritten Aspekt sind: Andere Menschen - wie unsereins - können dann auch noch an diesen öffentlichen Streitgesprächen teilhaben und darüber schreiben.
Um was geht es? Eigentlich um nichts Geniales. Frau Hill hat die Verhaltensmuster und Persönlichkeitsmerkmale des Basketballers Kobe Bryant und des Baseballers Alex Rodriguez miteinander verglichen, die beide als ziemlich eitle Individuen gelten (und als Top-Typen in ihren Sportarten, was sich im Fall von Bryant übrigens leicht wiederlegen lässt). Und dabei kommt sie zu dem Schluss, dass Bryant der bessere Mensch sei, weil von seinen Anstrengungen und seinem Ehrgeiz seine Mannschaft - die Los Angeles Lakers - profitieren, während A-Rods Leistungen angeblich zeigen, dass Teams wie die Seattle Mariners, Texas Rangers und präsumptiv dann auch demnächst die New York Yankees ohne ihn besser dran sind.
Fire Jay Mariotti (benannt nach dem aufgeblähten Egomanen, der mehrfach die Woche in der Chicago Sun-Times schreibt und hin und wieder in ESPNs Around the Horn auftaucht), zersägt diese Behauptung auf eine bravouröse Weise (wenn auch nicht immer sehr gentlemanhaft geschrieben). Das schönste steht gleich am Anfang des Beitrags: Rodriguez verdient gar nicht mehr Geld als Bryant, wie immer angenommen wird, wenn man nur die Gehälter vergleicht. Bryant ist der Absahner von den beiden. Und so geht es munter weiter: mit Hinweisen darauf, dass Rodriguez nicht die Bälle pitcht, die dann von den Gegnern zu Home Runs verwertet werden. Und darauf dass A-Rod zwischendurch signalisiert hat, dass er unter bestimmten Umständen sogar auf einen Teil seines Honorars verzichten würde. Und dass die Lakers, seit Bryant Shaquille O'Neal weggebissen hat, rein gar nichts Bemerkenswertes auf die Beine gestellt haben.
Blick zurück: Ein anderer Fall von ESPN-Sense: Scoop Jackson
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9. Januar 2007
Hall of Fame - nicht für McGwire
Profi-Baseball in Amerika und sein gesellschaftliches Umfeld wird sich womöglich noch 14 geschlagene Jahre mit einem Thema beschäftigen, dass jeder gerne als abgehakt achtlos unters Sofa schieben würde. Oder vielleicht noch länger. Das Gefühl beschlich heute die Kommentatoren, die sich mit dem Votum der Baseballjournalisten beschäftigten, die für eine Aufnahme von Tony Gwynn und Cal Ripken jr. in die Hall of Fame in Cooperstown stimmten, aber diese Ehre Mark McGwire ausdrücklich verwehrten. McGwire ist zum Poster Boy der sogenannten Steroid-Ära geworden, als Baseballspieler immer muskulöser wurden und den Ball immer weiter schlugen, was die Home-Run-Manie der späten neunziger Jahre entfachte.Dem 43jährigen wurde zum Verhängnis, dass er im Frühjahr 2005 vor einem Ausschuss des Kongresses in Washington mehrfach die Aussage verweigert hatte, als er gefragt wurde, ob er sich in seiner Zeit als Aktiver mit Anabolika aufgepumpt hatte. Denn diese Taktik konnte man eigentlich nur vor dem Hintergrund der Tatsache sehen, dass ein öffentliches Eingeständnis strafrechtliche Folgen nach sich ziehen kann. Anabolika standen zwar in den neunziger Jahren nicht auf der Dopingliste von Major League Baseball, ihr Besitz und ihre Einnahme ohne ärztliche Verordnung war jedoch schon damals ein Straftatbestand.
McGwire kann jedoch nach den Regularien der Hall-of-Fame-Abstimmungen noch 14 Jahre immer wieder neu zur Abstimmung vorgeschlagen werden. Alles, was es braucht, ist die Nominierung eines der wahlberechtigten Fachjournalisten. Erst danach würde sein Name endgültig aus dem Kreis der Aspiranten gestrichen. Doch solange wird es gar nicht dauern, bis die Verklemmungen rund um das Thema Doping im Baseball ein weiteres Crescendo erleben werden. Spätestens wenn der noch aktive Barry Bonds die Bedingung erfüllt hat, um als Kandidat für die Ruhmeshalle nominiert zu werden (fünf Jahre nach dem offiziellen Ende der Karriere), wird die Anabolika-Frage über allen Entscheidungen schweben. Bonds könnte bis dahin immerhin wegen Meineids überführt werden. Seine Zeugenaussagen im BALCO-Verfahren in San Francisco legen den Verdacht nahe, dass er nicht so einfach vom Haken kommen wird wie andere ebenfalls verwickelte Baseball-Profis wie etwa Jason Giambi von New York Yankees.
Den Bericht zum Hearing des Kongresses 2005 in der FAZ kann man hier nachlesen. Mehr über die Hall of Fame man hier in diesem Arena-Post.
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23. August 2007
Einseifen nach Baseball-Manier
Das schöne an Baseball: In einem Spiel, in dem so richtig die Post abgeht, kann man die gesamte Dramatik mit einem Blick auf die ellenlange Ergebnistafel sehr gut nachvollziehen. Den Rest kann man sich ausmalen: die entsetzten Gesichter bei den Spielern der Heimmannschaft und den Zuschauern auf der Tribüne. Das Gespött in den Köpfen der Sportjournalisten, die oben auf der Pressetribüne von Camden Yard nach Worten ringen, weil sie ihren Lesern das Desaster adäquat vermitteln wollen. Und auch das Echo bei den Bloggern, die sich schlapp lachen, wenn einem Team derart locker der Kompetenzausweis entzogen wird. Für Menschen, die sich mit Baseball nicht auskennen und nicht wissen, wie hier gezählt wird. Das Spiel unterteilt sich in neun Innings (Abschnitte), entscheidend sind die Runs (unter dem R auf der Ergebnistafel), mitgezählt werden auch traditionell die Hits der Batter (abgekürzt H). Das E steht für Errors. Das LO für "left on base". Die drei letzten Kategorien sind Statistik pur und haben für dieses Match nur insofern eine Bedeutung, als dass die Texas Rangers die Baltimore Orioles noch sehr viel stärker hätten einseifen können als mit 30:3.Das Resultat war wirklich historisch. Historischer als der Home-Run-Rekord von Barry Bonds, der schon bald von einem gewissen Alex Rodriguez übertroffen werden wird. Denn so etwas annähernd Ähnliches hatte es in der sporlich relativ ausgeglichenen Welt von Major League Baseball schon ewig nicht mehr gegeben. Die alten Bestmarken wurden 1894 aufgestellt. Eine Zeit, in der die Spieler noch keine ledernen Fanghandschuhe hatten.
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25. November 2006
Baseball und Politik: Spekulationen aus Caracas
Der bekannteste Baseballprofi aus Venezuela heißt Bob Abreu und spielt bei den New York Yankees. Der beste Pitcher heißt Johan Santana und steht bei den Minnesota Twins unter Vertrag. Die beiden repräsentieren jenen Teil der lateinamerikanischen Invasion in die Gefilde von Major League Baseball, der bislang eher unbeachtet geblieben war: Spieler aus Venezuela, die hinter den Importen aus der Dominikanischen Republik auf Platz zwei liegen.
Doch dieser Gruppe dürfte alsbald weit mehr Publizität erhalten. Denn die politische Spannung zwischen beiden Ländern, die auf die Einmischungsversuche der amerikanischen Regierung zurückgeht, könnte im Fall einer Wiederwahl des amtierenden venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in wenigen Wochen eine neue Facette erhalten. Die Londoner Times spekuliert, dass der Regierungschef im Sinn hat, die landeseigene Profiliga zuzumachen und den Nachwuchs die Arbeitsmöglichkeiten in den USA zu verbauen. Der Artikel - Überschrift: Game Over? Politics May Pitch Baseball into Crisis - produziert allerdings nicht die Spur eines Hinweises auf eventuelle Absichten aus dem Chávez-Lager. Mit anderen Worten: Er ist tendenziös und offensichtlich politisch motiviert.
Venezuela ist eines der wichtigsten Erdöllieferländer der USA und besitzt über die Firma Citgo Raffinerien und ein Netz von Tankstellen, über das die Regierung des Landes weit stärker Einfluss auf die Beziehungen der beiden Länder nehmen kann als durch Baseball. Citgo hat sich in der Vergangenheit durch Sozialprogramme hervorgetan und bietet ärmeren Amerikanern im Winter Heizöl zu ermäßigten Preisen. Sehr zum Missfallen der US-Ölbarone, die Präsident Bush zu ihren Freunden zählen und seit dem Anstieg des Ölpreises auf das Niveau um 60 bis 70 Dollar pro Barrel Rekordprofite einfahren.
Der Anteil ausländischer Baseballprofis in der American und der National League ist so hoch wie nie zuvor. Laut Erhebungen der National Foundation for American Policy aus der Saison 2006 liegt der Anteil bei 23 Prozent (175 von insgesamt 750 Spielern). Aus welchen Ländern kommen die meisten?
1. Dominikanische Republik: 81 Spieler
2. Venezuela: 45 Spieler
3. Mexiko und Kanada: 10 Spieler
5. Japan: 8 Spieler
6. Panama: 6 Spieler
7. Kuba: 4 Spieler
8. Südkorea: 3 Spieler
9. Kolumbien und Taiwan: 2 Spieler
Wer etwas Zeit hat, dies ist der definitive Dokumentarfilm über den bisherigen Höhepunkt der Anti-Chávez-Hysterie, die 2002 in einem Putsch mündete, der wenige Tage später zusammenbrach: The Revolution Will not Be Televised - eine irische Produktion, komplett auf Google zu sehen. Die Präsidentschaftswahlen finden am 3. Dezember statt. Die kommende Amtszeit geht über sechs Jahre.
Doch dieser Gruppe dürfte alsbald weit mehr Publizität erhalten. Denn die politische Spannung zwischen beiden Ländern, die auf die Einmischungsversuche der amerikanischen Regierung zurückgeht, könnte im Fall einer Wiederwahl des amtierenden venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in wenigen Wochen eine neue Facette erhalten. Die Londoner Times spekuliert, dass der Regierungschef im Sinn hat, die landeseigene Profiliga zuzumachen und den Nachwuchs die Arbeitsmöglichkeiten in den USA zu verbauen. Der Artikel - Überschrift: Game Over? Politics May Pitch Baseball into Crisis - produziert allerdings nicht die Spur eines Hinweises auf eventuelle Absichten aus dem Chávez-Lager. Mit anderen Worten: Er ist tendenziös und offensichtlich politisch motiviert.
Venezuela ist eines der wichtigsten Erdöllieferländer der USA und besitzt über die Firma Citgo Raffinerien und ein Netz von Tankstellen, über das die Regierung des Landes weit stärker Einfluss auf die Beziehungen der beiden Länder nehmen kann als durch Baseball. Citgo hat sich in der Vergangenheit durch Sozialprogramme hervorgetan und bietet ärmeren Amerikanern im Winter Heizöl zu ermäßigten Preisen. Sehr zum Missfallen der US-Ölbarone, die Präsident Bush zu ihren Freunden zählen und seit dem Anstieg des Ölpreises auf das Niveau um 60 bis 70 Dollar pro Barrel Rekordprofite einfahren.
Der Anteil ausländischer Baseballprofis in der American und der National League ist so hoch wie nie zuvor. Laut Erhebungen der National Foundation for American Policy aus der Saison 2006 liegt der Anteil bei 23 Prozent (175 von insgesamt 750 Spielern). Aus welchen Ländern kommen die meisten?
1. Dominikanische Republik: 81 Spieler
2. Venezuela: 45 Spieler
3. Mexiko und Kanada: 10 Spieler
5. Japan: 8 Spieler
6. Panama: 6 Spieler
7. Kuba: 4 Spieler
8. Südkorea: 3 Spieler
9. Kolumbien und Taiwan: 2 Spieler
Wer etwas Zeit hat, dies ist der definitive Dokumentarfilm über den bisherigen Höhepunkt der Anti-Chávez-Hysterie, die 2002 in einem Putsch mündete, der wenige Tage später zusammenbrach: The Revolution Will not Be Televised - eine irische Produktion, komplett auf Google zu sehen. Die Präsidentschaftswahlen finden am 3. Dezember statt. Die kommende Amtszeit geht über sechs Jahre.
19. September 2006
Entschuldigung mit Autogramm
Die Karriere eines erfolgreichen amerikanischen Sportlers ist nie zu Ende. Nicht mal, wenn er im Gefängnis saß und von den Verantwortlichen seiner Sportart lebenslänglich ausgesperrt wurde. Daran hat uns heute wieder mal Pete Rose erinnert, einer der besten Baseball-Profis in der langen Geschichte des Spiels. Rose hält den Rekord für die meisten Hits, was unter anderem auf seine enorme Einstellung zurückgeht. Als Spieler der Cincinnati Reds verkörperte er Ehrgeiz auf lodernder Flamme. "Hustle" nennt man das in den USA, wenn einer nie aufgibt und um jeden Zentimeter kämpft und sich aus kleinen Bausteinen einen großen Namen aufbaut.
Pete Rose ist heute der Inbegriff des Baseball-Betrügers. Nicht nur, weil er als Coach gewettet hat und dabei Geld auch gegen sein eigenes Team setzte. Sondern weil er jahrelang in der Öffentlichkeit behauptete, an den Vorwürfen sei nichts dran. Erst nach mehr als einem Jahrzehnt bequemte er sich zu einem Geständnis in Buchform. Denn er hatte gehofft, dass man ihm seine Fehler nachsieht und ihn in die Baseball Hall of Fame aufnimmt. Das ist jene Institution, die - ob berechtigt oder nicht - die crème de la crème der Sportart in Ehren hält (und für den Baseball-Fan die Fahrt nach Cooperstown wert).
Rose wird dieses Ziel nicht erreichen. nicht mal mit seiner jüngsten Aktion: dem Verkauf sogenannter Entschuldigungs-Bälle, die er selbst signiert hat. Denn wieder nur geht es um eine Aktion mit Medienwirksamkeit. Dass sich Rose geändert hat und ein besserer Mensch geworden ist, darf bezweifelt werden. Schließlich nützt ihm die Aktion auch noch finanziell.
Pete Rose ist heute der Inbegriff des Baseball-Betrügers. Nicht nur, weil er als Coach gewettet hat und dabei Geld auch gegen sein eigenes Team setzte. Sondern weil er jahrelang in der Öffentlichkeit behauptete, an den Vorwürfen sei nichts dran. Erst nach mehr als einem Jahrzehnt bequemte er sich zu einem Geständnis in Buchform. Denn er hatte gehofft, dass man ihm seine Fehler nachsieht und ihn in die Baseball Hall of Fame aufnimmt. Das ist jene Institution, die - ob berechtigt oder nicht - die crème de la crème der Sportart in Ehren hält (und für den Baseball-Fan die Fahrt nach Cooperstown wert).
Rose wird dieses Ziel nicht erreichen. nicht mal mit seiner jüngsten Aktion: dem Verkauf sogenannter Entschuldigungs-Bälle, die er selbst signiert hat. Denn wieder nur geht es um eine Aktion mit Medienwirksamkeit. Dass sich Rose geändert hat und ein besserer Mensch geworden ist, darf bezweifelt werden. Schließlich nützt ihm die Aktion auch noch finanziell.
18. Februar 2007
Die Rechnung geht nicht mehr auf: Clubs reißen Luxus-Suiten heraus
Foto: flickr/creativecommons/Scott AblemanSport in Amerika ist ein riesiges Geschäft. Quer durch alle populären Sportarten. Vernetzt mit allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen: den Medien, den Werbepartnern aus unterschiedlichen Industrien, den Sportausrüstern und den Herstellern von Statussymbolen wie Porsche oder Rolex, die bei den Stars einen Gutteil ihrer teuersten Modelle absetzen können. Dieses Geschäft zu finanzieren, verlangt Kreativität. Also begann irgendwann das Spiel, bei dem man Politiker erpresst, damit sie moderne Hallen und Stadien bauen - als sei es die soziale Aufgabe der Öffentlichkeit, die Clubs nicht nur über Eintrittsgelder und Fernsehgebühren zu finanzieren, sondern auch noch über Steuersubventionen.
Das reicht natürlich nicht, wenn die Gehälter der Spieler schneller steigen als die Löhne der Sportanhänger. Also entdeckten die ersten Clubs vor ein paar Jahren ein Instrument der Einnahmesteigerung, das lange Zeit als Druckmittel benutzt wurde, um neue Arenen einzufordern: abgeschlossene Luxus-Suiten im mittelhohen Rang mit eigener Bar, Kühlschrank, Fernsehapparaten, Kellnern und ausreichend Sitzen, die für jeweils eine ganze Saison an interessierte Firmen vermietet werden. Die benuzten diese Logen dazu, um Geschäftsfreunde einzuladen oder Angestellten eine Freude zu machen.
So weit, so gut. Nun berichtet das Wall Street Journal, dass die ersten Clubs im Begriff sind, die Zahl ihrer Suiten zu reduzieren. Warum? Immer weniger Firmen wollen - aus jeweils unterschiedlichen Gründen - das Geld ausgeben und die Räumlichkeiten mieten. Besonders hübsch: Eine Firma hat herausgefunden, dass es mehr bringt, Geschäftsfreunde auf eine Angelpartie einzuladen als zu einer Sportveranstaltung. Man kommt sich einfach leichter näher. Was die Trendumkehr im Denken von großen Banken und Zulieferfirmen der Autoindustrie für die Clubs und deren Einnahmesituation bedeutet, lässt sich nicht so leicht abschätzen. Vermutlich wird der Druck auf den Steuerzahler größer. Ebenso wahrscheinlich ist, dass nach Jahren relativer Standortstabilität wieder mehr Clubs in andere Städte umziehen werden. Dorthin wo sie mehr Publikum, mehr örtliches Gewerbe und mehr Subventionen finden können. Interessanterweise sind die Möglichkeiten nicht halb so groß wie noch vor ein paar Jahren. Eine intensive Expansionspolitik - sei es in der NFL, Major League Baseball oder NHL - hat viele Städte mit Major League Clubs versorgt, die damit wirtschaftlich so gut wie überfordert sind. Die besten Beispiele sind Tampa Bay (nach Football kam noch Baseball und Eishockey dazu) und Nashville (Football und Eishockey). New Orleans bräuchte auch ohne Hurricane Katrina künstliche Beatmung für das NBA-Team.
Weshalb man zum ersten Mal die Vermutung äußern darf, dass der professionelle Mannschaftssport einen Gipfel erreicht hat, von dem es nur noch in eine Richtung weitergeht: nach unten. Im Baseball hat man vor ein paar Jahren angesichts der Probleme in Montreal erstmals in der Geschichte der Liga ernsthaft eine Reduktion diskutiert. Das Modell: alle verbleibenden Clubs zahlen den Team-Eigentümer in der betreffenden Stadt aus einem gemeinsamen Topf aus. Das einzige Problem: auch das Geld muss irgendwo herkommen. Damals fand man eine andere Lösung: den Umzug nach Washington, wo aus den Expos die Nationals wurden.
Die National Hockey League, die nach dem einjährigen Lockout und der Einführung der Salary Cap auf gesünderen Füßen steht als vorher, ist sicher der stärkste Kandidat für ein Abschmelzen auf stabilere Fundamente. Besonders wenn man sieht, wie die Situation in Nashville aussieht, wo die Predators ihre Heimspiele nicht ausverkaufen können, obwohl sie - insbesondere nach dem Zugang von Peter Forsberg vor ein paar Tagen - das beste Team der Liga sind. Der Club hat seit Gründung 1999 noch nie Gewinn gemacht. Der Zuschauerschnitt pro Heimspiel liegt bei 14.700, darunter sind rund 1.500 Besucher, denen die Karte im Rahmen von Werbemaßnahmen geschenkt wurde. Die Halle hat Platz für 18.000 Zuschauer. Nur 60 der 72 Luxuslogen sind fest vermietet. Und niemand vor Ort sagt: Das wird besser, selbst wenn die Mannschaft den Stanley Cup gewinnt. Das hat schon den Carolina Hurricanes in der Diaspora einer basketballverliebten Region in Raleigh nicht geholfen. Der Club konnte zwar dank der Playoffs im letzten Jahr zum ersten Mal seit ewigen Gedenken Überschüsse erwirtschaften, aber das wachsende Interesse bei den Fans nicht in ein Mehr an Interesse bei der örtlichen Wirtschaft umsetzen. Wenn man jedes Jahr den Cup gewinnen muss, um zu überleben, wird es schwierig. Denn das schafft pro Saison immer nur eine Mannschaft.
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14. August 2007
Vom Shortstop zum Poeten wider Willen - Phil Rizzuto ist tot
Es ist noch jemand gestorben. Aber in hohem Alter von 89 Jahren . Und deshalb ist er auch eine besondere, wenn auch etwas ungewöhnliche Würdigung wert. Phil Rizzuto, Spitzname "Scooter", war schließlich nicht nur als Shortstop der New York Yankees etwas Besonderes, sondern auch als Baseball-Fernsehkommentator. Die meisten Zuschauer kennen nur seinen Standardausruf "Holy Cow!", mit dem er jedes Mal sein Erstaunen unterstrich. Sie haben vielleicht auch noch in Erinnerung, dass er -
das älteste lebende Mitglied der Hall of Fame in Cooperstown - ein erstaunlicher Raconteur war, der sich selbst nicht halb so ernst nahm wie Marcel Reif das tut. Aber sie wissen sicher nicht, dass man seine rhetorischen Anwandlungen in Versform drucken konnte und daraus ein verbindliches Stück Alltagspoesie gewinnen konnte. Das Buch steht bei jedem Baseball-Connaisseur im Regal.Rizzuto hat noch einen anderen akustischen Fingerabdruck hinterlassen: In dem klassischen Meatloaf-Song Paradise by the Dashboard Light (ab 3:40 Minuten) spricht er einen fiktiven Baseball-Kommentar. Der gute Scooter dürfte damals nicht gewusst haben, dass es sich bei dem um ein hocherotisches Unterfangen hat: Ein Junge bequatscht nachts im Auto seine Freundin, mit ihm zu pennen. Denn der Rizzuto-Kommentar enthält Doppeldeutigkeiten: First Base, Second Base und Third Base sind in der allegorischen Sprache amerikanischer Sexualität die Stationen dafür, wie weit man gegangen ist.
Es gibt unterschiedliche Interpretationen für die Base-Metaphern. Während über die Bedeutung von First Base weitgehend Einigkeit herrscht (Zungenkuss), gibt es abweichende Erklärungen bei Second Base. In frühen Anekdoten über die Anwendung schien der Ausdruck so viel zu bedeuten wie, dass der Knabe minimum eine Hand unter die Bluse geschoben und die Brüste des Mädchens gestreichelt hatte. Später wurde mit der Second Base bereits auf mehr angespielt. Zu Third Base und allem weiterem möge man sich vom Urban Dictionary aufklären lassen. Der Hinweis auf die vier Fs soll als Eselsbrücke genügen: French, Feel, Finger, Fuck.
Der Hat-Tip für die Info über den Meatloaf-Song und das Video geht an Vid Digger.
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1. August 2007
Treffen, was man nicht sehen kann
Es gab da mal diesen wunderbaren Spruch von einem gewissen Ping Bodie, der einst als Outfielder bei den Chicago White Sox spielte und einen Strikeout mit den Worten kommentierte: "Was du nicht siehst, kannst du nicht treffen." Bodie wäre sicher kein Fall für diese Disziplin gewesen: Baseball für Blinde, die zur Zeit in Rochester/Minnesota ihre World Series austragen. Wie das alle funktioniert, steht da auch. So müssen Mitspieler, deren Augenlicht noch nicht ganz erloschen ist, eine riesige Maske tragen. Der Ball produziert Geräusche. Genauso wie die Bases. Aus diesem Grund wird das Spiel auch meistens Beep Baseball genannt. Mehr Informationen über die National Beep Baseball Association, die hinter der World Series steht, kann man auf deren Webeite finden. Die Entwicklung geht bis in die sechziger Jahre zurück.
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