11. Februar 2010
Die Luft entweicht dem Soufflé à la Forbes
Die Fehlkalkulation ist nicht exorbitant, aber sicher symptomatisch. Denn man darf angesichts solcher Abweichungen davon ausgehen, dass auch die anderen Clubs in der NFL von der Zeitschrift nicht marktgerecht eingestuft worden sind, sondern zu hoch. Das wiederum ist kein wirkliches Problem, allenfalls für die Spielergewerkschaft, die in der Auseinandersetzung um einen neuen Tarifvertrag solche Nachrichten natürlich überhaupt nicht gerne hört. Der Marktwert der Clubs ist nur eine indirekte Größe, um den wirtschaftlichen Gesundheitszustand der Liga zu ermitteln. Aber in der NFL, in der man geradezu sozialistische Verhältnisse pflegt und alle Fernseheinnahmen und den Merchandising-Topf brüderlich teilt, wäre ein fallender Trend bei den Marktwerten zumindest ein Zeichen: für sinkende Gewinne. Laut Forbes machten im letzten Herbst angeblich nur zwei Clubs Minus: Die Seattle Seahawks und die Oakland Raiders. Die Rams-Eigentümer verdienten hingegen angeblich ganz ordentlich Geld. Was auch an den Mietkonditionen für die Arena liegen kann, die die Rams für so gut wie gar keine Miete nutzen können.
Sportlich hat der Club nicht viel zu bieten. Im Rückblick wirken die Jahre um die Jahrtausendwende mit einem Super-Bowl-Erfolg und einer Finalteilnahme wie ein kurzes Feuerwerk in einer langen Tages Reise in die Nacht. In der letzten Saison produzierte man das Super-Resultat von einem Sieg und 15 Niederlagen. Bis 2014 muss das Team auf jeden Fall noch in St. Louis bleiben. Wenn dann die Stadt die Halle nicht ordentlich aufpeppelt, darf man woandershin umziehen. Die Rams waren einst in Cleveland, wurden dann nach Los Angeles umgetopft und erlebten einen der kurioseren Besitzerwechsel im amerikanischen Sport. Sie wurden von ihrem damaligen Eigentümer Robert Irsay gegen die Baltimore Colts eingetauscht, die einem gewissen Carroll Rosenbloom gehörten. Rosenblooms Witwe Georgia Frontiere übernahm nach dessen Tod den Laden und sorgte für den Ortswechsel in ihre Heimatstadt. Ihren Stiefsohn hatte sie schon vorher aus der Machthierarchie der Mannschaft ausgehebelt. Das Umzugsmodell hatte sie bei Irsay abgeschaut, der die Colts Mitte der achtziger Jahre in einer berüchtigten Nacht- und Nebelaktion nach Indianapolis verfrachtete.
Sohn Rosenbloom macht immerhin jetzt Kasse. Nur nicht ganz soviel wie man bei Forbes angenommen hatte.
5. Februar 2010
Zeit für ein paar Häppchen zum Super Bowl
Hier eine Salatplatte zum Super Bowl zwischen den Indianapolis Colts und den New Orleans Saints (Sonntag in Miami, live ab 23.35 Uhr in der ARD, Kommentatoren Andres Witte, Dirk Forberg, Moderation Rolf Scholt):• Tony Dungy prophezeit überlegenen Sieg seines Ex-Clubs.
• Die beiden Videospiele EA Team und Madden sehen es anders: Beide tippen auf einen knappen Erfolg für die Saints. Die Madden-Vorhersagen sind besonders aufschlussreich. Ihre Super-Bowl-Simulationen liegen in fünf von sechs Fällen richtig.
• Wir dürfen aus gegebenem Anlass auf einen Beitrag von Ende Dezember verweisen. Eine Anlayse der Treffgenauigkeit von Quarterback Drew Brees (mit Video). Mal abgesehen von dem schrägen Vergleich mit den Bogenschützen. Unterm Strich bleibt zumindest eines: Der Mann ist extrem präzise.
• Da Super-Bowl-Ringe so prestigeträchtig sind, lotet diese Geschichte von Mike Wise in der Washington Post eine gewisse emotionale Tiefe aus. Die Hauptperson: ein ehemaliger Redskins-Spieler, der auf die schiefe Bahn kam. Die Nebenperson, der Mann, der dafür sorgte, dass der Ring dabei nicht in den Gully kullerte und weggespült wurde.
• Übrigens: Samstag in der gedruckten Ausgabe der FAZ: ein Porträt der New Orleans Saints, die fast 40 Jahre lang in der NFL nichts zu bestellen hatten, aber sich trotzdem nicht unterkriegen ließen. Big Easy nahm es locker. Jetzt allerdings wird's ernst.
• Jason Whitlock denkt schon eine Ecke weiter: an den anstehenden Tarifstreit zwischen der Liga und der Spielergewerkschaft und dass es vermutlich keine Aussperrung geben wird. Warum auch? Die NFL-Profis sind die härtesten Typen, wenn es darum geht, auf dem Spielfeld ihre Knochen hinzuhalten. Aber die schwächsten, wenn es um Arbeitskämpfe geht. Die werden schon keinen Streik ausrufen – aus lauter Angst, dass er in sich zusammenbricht. Da können die Liga-Fürsten auf die sanfte Tour arbeiten. Was besser fürs Bild in der Öffentlichkeit ist. Allerdings hat der neue Gewerkschaftschef schon mal die Trommel in die Hand genommen und artikuliert lauthals seine Befürchtungen in Sachen Aussperrung. Interessantes Detail in diesem Beitrag: Die NFL hat Fernsehverträge, die ihr die üblichen Einnahmen garantieren, selbst wenn die Spiele einem Arbeitskampf zum Opfer fallen. Dieses Faktum zeigt, welche Macht die Liga gegenüber den TV-Sendern entwickelt hat. Keine andere Sportinstitution, abgesehen vielleicht vom IOC, könnte solche Vereinbarungen durchsetzen. Die Leute von den Sendern würden wohl eher nur leicht lachen, wenn sie mit derartigen Forderungen konfrontiert würden.
31. Januar 2010
Der Klingelbeutel: Obama auf Jobsuche
• Wer weiß, ob er solche Anwandlungen wie sein Altersgenosse Brett Favre bekommt, der einfach nicht aufhören will und letzten Sonntag mit Minnesota nur knapp vor dem Einzug in den Super Bowl abgefangen wurde? Aber vielleicht tritt er endgültig ab? Von Kurt Warner ist die Rede, der von der Nachrichtenagentur Reuters zum Abschied mit dem Attribut "brilliant" ausgestattet wurde. Bilanz: so viele Super-Bowl-Erfolge wie Favre (einen mit den St. Louis Rams, aber mehr Auftritte im Finale – nämlich zwei weitere, einer mit den Rams und einer im letzten Jahr mit den Arizona Cardinals).
• Der Präsident der Vereinigten Staaten als Aushilfs-Fernsehkommentator beim College-Basketball mit Verne Lundquist, einem der besten der Branche. Auf dem Spielfeld Duke und Georgetown in einem Match in Washington, zu dem Barack Obama nicht weit fahren musste.
Jemand am Resultat des Spiels interessiert? 89:77 für die Hoyas. Coach K hatte seine Republikaner-Fahne wohl freiwillig vorher eingerollt.
"Das Elend der Gladiatoren"
In dem fast zehn Minuten langen Film geht um die Spätfolgen, mit denen ehemalige amerikanische Football-Profis zu kämpfen haben – ein Thema, auf das ich durch den Dokumentarfilm Blood Equity zum ersten Mal aufmerksam wurde, das inzwischen aber ziemliche Kreise gezogen hat. Kein Wunder. Es geht um rund 13.000 Ehemalige, für deren durch den Football verursachten Probleme sich weder die Liga noch – sehr viel tragischer – die Spielergewerkschaft verantwortlich fühlen. Viele Veteranen werden nicht nur körperlich von der Knochenmühle verschlissen. Eine beachtliche Zahl entwickelt als Folge von allzuvielen Gehirnerschütterungen früh Demens und Alzheimer-Krankheit (eine Studie spricht von sechs Prozent). Wer medizinische Hilfe oder gar Pflege braucht, braucht auch Geld. Denn vom amerikanischen Krankenversicherungssystem werden solche Menschen ignoriert.
Der Beitrag dokumentiert – eine Woche vor dem Super Bowl, der von der ARD live übertragen wird – den Stand der Dinge sowie den langsamen Umdenkprozess, zu dem beachtlicher Druck aus dem amerikanischen Kongress beigetragen hat. Der Film entstand im Laufe des Januar und wurde in der letzten Woche beim WDR in Dortmund fertiggestellt. Mehr Informationen gibt es hier.
Aufgrund der Arbeit an dem Projekt kam das Bloggen zuletzt ziemlich kurz. Vorsatz: Das soll nicht so bleiben. Ab heute gibt es wieder frischen Lesestoff.
12. Januar 2010
Patriots im Tief – aber vermutlich nicht lange

Wenn eine Mannschaft wie die New England Patriots von dem strikten Regime der Salary Cap in der NFL in die Mangel genommen wird, dann kommt irgendwann der Tag, an dem man die Auswirkungen mit Händen greifen kann: Raus in der ersten Playoff-Runde, ohne die Spur einer Chance. Ein Team von dieser Güteklasse mit drei Super-Bowl-Erfolgen und einer weiteren Super-Bowl-Teilnahme kann man nämlich nicht ewig zusammenhalten. Genauso wie man nicht den alten Trainerstab bezahlen kann, wenn von anderen Clubs lukrative Angebote an die Assistenten eintreffen. Angebote mit dem hochdekorierten und bestens bezahlten Posten des Head Coach.
Trotz des ständigen Talentabflusses hat der ewige Griesgram Bill Belichick seinen Laden auf erstaunliche Weise jahrelang in Schuss gehalten. In manchen Phasen generierte er die Überlegenheit aus klugem und genau getaktetem Tun, vor allem in der Defensive. Dann griff er nach Spielern, die woanders als untrainierbare Diven in die Ecke gestellt worden waren und nicht halb so viel kosteten, wie sie in seinem gut geölten Spielschema wert waren (man denke an Randy Moss 2007 für einen Viert-Runden-Draftplatz oder an Corey Dillon für einen Zweit-Runden-Pick 2004 oder auch an Wes Welker, der 2007 aus Miami kam und sich seitdem auf Platz eins der Wide Receiver in der Liga in der Kategorie Receptions vorgearbeitet hat).
Und dann waren da noch jene couragierten und konsequenten Entscheidungen gegen den Strich eines konventionellen Football-Wissens. Man kann mit dem Namen Tom Brady das eine Ende der Zeitachse markieren. Und mit dem Namen von Sebastian Vollmer das andere Ende. Niemand gab nur einen Rattenschiss auf Vollmer, als vor ein paar Monaten die Draft anstand. Und niemand, der das Team und den Trainer einigermaßen zu kennen glaubte, konnte sich ausmalen, was Belichick an dem relativ unbeschriebenen deutschen Blatt gesehen hatte. Die Saison der Patriots ging am Sonntag in der kalten Brise des Gillette Stadium zu Ende. Vollmer war die Offenbarung schlechthin. Er spielte absolut fehlerfrei, ließ keinen Ravens-Spieler an sich vorbei und zeigte nach einem von Baltimore abgefangenen Brady-Wurf, dass er im Falle einer Interception nicht den Stecker aus dem mentalen Stromnetz zieht. Er war einer der beiden Tackler, der sich lang machte und sich dem Gegner entgegenwarf, um das Schlimmste zu verhindern.
Ein Vollmer ist natürlich nicht genug. Schon gar nicht an einem Tag, an dem man mindestens zwei gebraucht hätte. Und obendrein einen motivierten Randy Moss, einen gesunden Wes Welker und einen Tight End, der besser blockt. Aber warum sollte Belichick nicht im Frühjahr den einen oder anderen Nachwuchsspieler von Format aus dem Topf ziehen? Wieder mal scheinen die Patriots vorbereitet – auch auf dieses zwangsläufige Formtief einer unabwendbaren zyklischen Entwicklung – mit dem die Buffalo Bills, die Detroit Lions, die Kansas City Chiefs und andere nicht umgehen können. Sie haben für die beiden kommenden Jahre eine ganze Reihe von guten Draftplätzen gehortet. 2010 sind dies zwei zusätzliche Picks in der zweiten Runde. 2011 ist es ein zusätzlicher Pick in der ersten Runde und zwar der von den Oakland Raiders, die noch immer schlecht genug sind, um daraus einen Spitzenplatz werden zu lassen.
Ehemalige Belichick-Assistenten, die sich woanders den Chefposten sichern konnten und die beim letzten Super-Bowl-Erfolg der Patriots 2004 noch zu Belichicks Stab gehörten, wirken nachträglich weniger als Aderlass, wie man das annehmen durfte. Unterm Strich: Alle vier haben ohne Belichick nichts für ihren Ruf tun können. Nur ihr Bankkonto sieht inzwischen sehr viel besser aus.
• Romeo Crennel, vier Jahre bei Cleveland Browns – kein einziges Mal in den Playoffs. Im letzten Jahr entlassen und ersetzt durch
• Eric Mangini, der vorher die New York Jets trainiert hatte, die ohne ihn endlich wieder in Fahrt gekommen sind und am Wochenende gegen die San Diego Chargers spielen.
• Charlie Weis wurde soeben nach vier Jahren in Notre Dame entlassen, nachdem er kein besonders gutes Bild abgegeben hatte. Was nicht an seiner Leibesfülle lag.
• Josh McDaniels, der zu Beginn der laufenden Saison die Denver Broncos übernahm und nach einem Blitzstart aus dem Ruder laufen ließ.
Noch ein paar Namen aus der Zeit, als Belichick in Cleveland amtierte: Dort hatte er Rex Ryan als Linebacker-Coach, jetzt hauptverantwortlich für das Defensivmonster in Grün besser bekannt als New York Jets. Dazu: Jim Schwartz (Detroit Lions) und die College-Cheftrainer Nick Saban (Alabama), Kirk Ferentz (Iowa), Pat Hill (Fresno State) and Al Groh (Virginia).
31. Dezember 2009
Schwimmen gegen den Strom
Blick zurück: Der erste Eintrag über Carl bei American Arena (mit Wikipiedia-Verweis)
29. Dezember 2009
NFL-Quarterback Drew Brees trifft
Besonders störend ist der pseudo-wissenschaftliche Anstrich, wie er jetzt auch in dem Beitrag über die Wurfgenauigkeit von Quarterback Drew Brees an den Tag gelegt wurde. Seinem Ball wurden Messsonden angepappt, die ergaben, dass der Football-Profi den Ball aus dem Stand und bei der immer gleichen Entfernung von 20 Yards mit der immer gleichen Geschwindigkeit wirft, den immer gleichen Wurfwinkel hinbekommt und dem Ei die immer gleiche Rotation mit auf den Weg gibt, die der braucht, um auch zielgenau anzukommen. Mit anderen Worten: Drew Brees ist so etwas wie ein Automat. Und nur ein Automat kann in der NFL was werden. Aber aus soviel Banalität schlägt man bei Sport Science die Funken eines bengalischen Feuers. Die Antwortet lautet in diesem Fall: Drew Brees trifft eine Bogenschützen-Zielscheibe aus dieser Entfernung genauer als ein guter Bogenschütze. Ja. Und das ist eine Erkenntnis, die uns alle sehr bewegt. Denn in den Playoffs spielt er mit den New Orleans Saints bekanntlich gegen eine Bogenschützenmannschaft und nicht gegen die Minnesota Vikings. Und da wollten wir vorher wissen, wie das ausgeht.
Das ist das Problem mit solchen Pseudo-Analysen: Während die videotechnische Darstellung der Präzision des Quarterbacks sehr animierend ausfällt – der Mann trifft nämlich bei zehn Versuchen tatsächlich zehnmal in die kleine gelbe Mitte, und die Kamera bringt uns das aus allen möglichen Richtungen – bleibt die Frage ungeklärt: Weshalb ist es überhaupt interessant, die Wurfleistung eines Footballspielers mit der eines Bogenschützen zu vergleichen? Die Jungs können doch beim besten Willen nicht als Maßstab für Treffgenauigkeit herhalten. Da hätte ich mir eher einen Trap- oder Skeet-Schützen als Vergleich ausgemalt. Der muss ein bewegliches Ziel treffen, kennt in etwa die Route und die Fluggeschwindigkeit der Tonscheibe. Wie oft hätte Drew Brees wohl eine Tontaube getroffen? Zehnmal bei zehn Versuchen? Vermutlich nicht.
24. Dezember 2009
Rätselraten zu Weihnachten: Warum treffen die NFL-Kicker nicht mehr so gut?
Damals lagen übrigens die Vergleichswerte bei um die 60 Prozent. Mit anderen Worten: Die viel besseren Kicker von heute, stehen wegen einer statistischen Auffälligkeit sogleich im Verdacht, so schlecht zu sein wie die aus der Zeit des Bulldozer-Footballs, als man die Wide Receiver noch überall auf dem Platz nach Belieben auf den Rasen donnern durfte. Wie immer, wenn man einen solchen Fund journalistisch abstützen will, aber keine vernünftigen Daten zur Hand hat, kommen kuriose Verknüpfungen dabei heraus: Das Nachlassen sei "besonders überraschend", weil noch vor gar nicht so langer Zeit "das Kicken so automatisch schien, dass es Diskussionen darüber gab, die Torstangen näher aneinander zu stellen oder die Markierungen auf dem Platz weiter auseinander zu ziehen, um schwierigere Winkel für den Schützen zu erhalten".
Wenn es diese Diskussionen wirklich gegeben haben sollte – dort wo ich mir meinen Footballkonsum abhole, gab es die nicht. Das einzige, was es wirklich gab: Weil die Kicker besser wurden, wurden die Trainer mutiger und ließen ihre Special Teams immer häufiger Kicks aus Distanzen probieren, die man früher gar nicht erwogen hätte. Heute sind Versuche aus mehr als 50 Yards, je nach Witterungsverhältnissen und Kicker, keine Seltenheit mehr. Aber mit der größeren Entfernung steigt unweigerlich auch das Risiko. Den ganzen Rest kann man in der Abteilung Wetter einordnen. Das ändert sich jedes Jahr. Da gibt es keinen Automatismus. Und ja, selbst in Zeiten von Global Warming gibt es Wintereinbrüche mit tiefen Temperaturen und viel Schnee.
Aber wer sich trotzdem in diese vermeintliche "Analyse" vertiefen will: hier noch mal das Link. Mit dem passenden Kommentar von Dallas-Cowboys-Trainer Wade Phillips: "It's a mystery to us."
Panik-Modus aus.
17. Dezember 2009
Bengals Wide Receiver tödlich verletzt
14. Dezember 2009
Vollmer vielseitig auf rechts und links im Einsatz
4. Dezember 2009
Vollmer trainiert wieder
28. November 2009
Vollmers Kopfverletzung: Belichick schweigt
Natürlich ist es keine. Aber so sind die Verhältnisse in der NFL (und auch in anderen Ligen wie der NHL). Die Mannschaften müssen keine genauen Angaben machen, nur sagen, ob der Einsatz eines verletzten Spielers wahrscheinlich oder fraglich ist. Das sind keine Informationen für den Gegner oder die Fans, sondern für die Buchmacher. Denn das gehört zu den Grundsätzen in der National Football League, dass man den Zockern gerne so weit entgegen kommt wie möglich.
Zurück zu Vollmer, der bereits in seiner ersten Profi-Saison in der Abwesenheit des verletzten Matt Light durch pure Leistung seinen Anspruch auf einen Stammplatz auf der Left-Tackle-Position unterstrichen hatte. Es spricht vieles dafür, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten hat und dass man ihn wegen der neuen Aufmerksamkeit für solche medizinischen Probleme und der Gefahr für Dauer- und Spätschäden lieber schont. Light trainierte in dieser Woche zum ersten Mal.
18. November 2009
"Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten"

Es wäre ganz nützlich, den scharfen Verriss zu verlinken, den Matt Taibbi vom Rolling Stone in der letzten Ausgabe vom 12. November dem Besitzer der Washington Redskins hat angedeihen lassen. Aber das Magazin stellt nicht alle Texte online. Und so muss man sich auf Zitate stützen. Diese hier hat Dan Steinberg vom D. C. Sportsbog ausgewählt, der seit langem zu den Kreuzrittern der Washington Post gehört, die einen Kleinkrieg mit Klubeigentümer Dan Snyder führen:
O-Ton Taibbi:
"In typical Washington spirit, he spent a decade throwing gazillions at perpetual failure and this year attacked a crisis of his own making (in his case, an NFL team that couldn't score 17 points against a 145-pound-and-under Pop Warner club) with the same policies that got him there: big-ticket free agents, bad coaching hires and enough neurotic meddling to make George Steinbrenner look like the Dalai Lama."
"His performance this year has been a tour de force of executive [badwordery], solidifying his status as the very worst owner not just in football but in sports."
"He looks like a cross between Mitt Romney and a male nurse, with a spray-helmeted cube of black mannequin hair atop the pinched, entitled face of a guy [complaining to] a Howard Johnson's waitress about his curly fries not being curly enough."
"The players, for all the money he throws at them, look like they wouldn't touch him with a two-foot Whizzinator."
Anmerkungen zum besseren Verständnis der Passagen (ich habe das Heft mit dem Artikel vor mir liegen):
Das bad word lautet: douchery und geht auf die Slang-Verwendung für das Wort Vaginaldusche (douche bag) zurück. Ein Begriff, der Leute charakterisiert, die arrogant sind und sich anstößig betragen. George Steinbrenner ist der berühmt-berüchtigte Eigentümer der New York Yankees, der sich in seinen frühen Jahren in alles einmischte, was mit dem Spiel auf dem Platz zu tun hatte, Ein Whizzinator ist ein Gerät, mit dessen Hilfe man versucht, bei Urintests etwas von Arbeitgebern auf Drogenkonsum zu die Resultate zu verfälschen. Howard Johnson ist eine amerikanische Billighotelkette. Mitt Romney einer der republikanischen Präsidentschaftskandidaten aus dem letzten Jahr, der zuvor die Olympischen Spiele von Salt Lake City gemanagt hatte und Gouverneur in Massachusetts gewesen war.
Das soll zur Einstimmung genügen. Denn eigentlich wollte ich auf einen Artikel über Dan Snyder in der FAZ hinweisen. bei dem es sprachlich nicht ganz so in die Vollen geht. Der in der Substanz aber nichts anderes sagt: Snyder ist "Der schlimmste Klubbesitzer aller Zeiten".
16. November 2009
Vollmer ohne Fehl und Tadel

Die Niederlage der New England Patriots gegen die Indianapolis Colts war kein Beinbruch. Aber medienpsychologisch gesehen war sie auf jeden Fall von Nachteil für einen Mann: Sebastian Vollmer. Denn alle Berichte beschäftigten sich mit der Entscheidung von Bill Belichick, kurz vor Schluss beim Fourth Down in der eigenen Hälfte nicht den Punter und das Special Team einzusetzen. Hätten die Patriots das Match gewonnen, hätte man unweigerlich nach den Vätern des Sieges geforscht und wäre dabei immer wieder auf einen Mann gekommen: die Numer 76 aus Kaarst. Denn während sein Mannschaftskollege Nick Kaczur auf der rechten Seite oft dem Ansturm seines Gegenüber nicht genug entgegensetzte und zwei Sacks auf dem Gewissen hatte, schirmte Vollmer links gegen Dwight Freeney alles ab. Der gleiche Freeney, der zur statistisch gesehen besten Verteidigungsreihe der laufenden Saison gehört, mühte sich redlich. Aber der Liga-Neuling schob ihn wie der Kran von Schifferstadt im griechisch-römischen Stil jedes Mal von Tom Brady weg. Jemand vom Providence Journal, der die Mannschaft ständig beobachtet, mutmaßte nach diesem Auftritt, dass die eigentliche Nummer eins auf der Position, der am Knie verletzte Matt Light, womöglich seinen Stammplatz eingebüßt hat. Von da bis zu der Spekulation, dass der sehr viel teurere Light in der nächsten Saison aus Salary-Cap-Gründen von Belichick abgegeben wird, ist dann nur noch ein kurzer Weg.
Eine Alternative, die in dem Artikel nicht angesprochen wird: Vollmer wurde unter anderem auch deshalb gedraftet, weil er ebenso als Right Tackle eingesetzt werden kann und auch dort einen guten Ausputzer abgeben würde. Deshalb mal von dieser Stelle folgende Prognose: Sobald Matt Light wieder fit ist, wird man bei den Patriots den Rookie auf rechts testen.
Das Fourth-Down-Syndrom: Schelte für Belichick
Man kann solange über diese Entscheidung diskutieren, bis einem die Puste ausgeht. Sollte man wenige Minuten vor dem Ende eines Football-Spiels beim vierten Down, wenn einem zwei Yards fehlen, den Punter auf den Platz schicken? Oder sollte man seinen Quarterback draußen lassen und die Angriffsformation die Aufgabe lösen? Wir kennen die Alternativen: Es sind zwei.1. Lösung Punter: Fast hunderprozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner den Ball bekommt, wenn auch nahe an dessen Tor.
2. Zwei-Yard-Raumgewinn mit einem Quarterback wie Tom Brady herausarbeiten: Etwa fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit (dieser Mann sagt sogar: 60prozentige), dass man den ersten Down schafft. Problem: Gelingt einem das nicht, geht das Angriffsrecht an diesem Ort an den Gegner über. Und der steht dann nicht tief hinten auf seiner eigenen Seite, sondern in diesem Fall 30 Yards vor der eigenen Touchdown-Linie.
Bill Belichick hat sich am Sonntagabend beim Stand von 34:28 für die New England Patriots für Möglichkeit zwei entschieden. Er hatte seine Gründe. Denn mit einem First Down hat die Mannschaft den Sieg in der Tasche. Weil seiner Mannschaft am Ende bei dem Spielzug aber ein paar Zentimeter fehlten und sie den Ball abgeben musste, kippen jetzt die Neunmalklugen von der Seitenauslinie den Spott über dem besten Coach der National Football League aus. Denn die Patriots kassierten anschließend den einen entscheidenden Touchdown und verloren die Begegnung gegen die Indianapolis Colts mit 34:35. Ja, ja: Genie sieht anders aus.
Ehe wir uns weiter mit der Belichick-Schelte beschäftigen hier nur am Rande: Das Spiel war hochklassig und zeigte erneut eines: Sebastian Vollmer hat das Zeug zu einem erstklassigen Offensive Lineman, denn er reduzierte auf seiner Seite der Angriffslinie den hoch eingeschätzten Dwight Freeney zu einem Statisten.
Nun zurück zu den Vorwürfen an den Patriots-Trainer, der Tom Brady in dieser Situation einen Spielzug ausriefen ließ, an dem außer einer Kleinigkeit nichts falsch war. Der Pass erreichte Kevin Faulk an einer Stelle, an der man ihm normalerweise den ersten Down geben würde. Da er allerdings beim Fangen vom Verteidiger zurückgedrängt wurde und er den Ball nicht gleich komplett unter Kontrolle bekam, ging der Plan nicht auf. Nun könnte man argumentieren: Warum packen die Patriots nicht ein Running Play aus oder ein Passspiel, bei dem man ein paar Yards Pufferzone einbaut. Aber das wäre auch schon alles. Der Rest an der Kritik ist aufgeblasen. Zumal die Colts danach erst noch die Verteidigung der Patriots bezwingen mussten, um einen Touchdown zu erzielen. Und dass Peyton Manning das gelingt – dafür gab es keine Garantie.
Der Ausgang des Spiels stärkt natürlich wieder all jenen das Kreuz, die im Football immer auf Nummer sicher gehen wollen, obwohl solches Verhalten weder statistisch begründbare Vorteile hat noch den Zuschauern etwas bietet. Die Angst der NFL-Trainer vor risikovollen Entscheidungen ist übrigens legendär und wurde bereits hier ausführlich abgehandelt. Ihre Triebfeder: Furcht vor dem Jobverlust. Zum Glück braucht sich jemand wie Bill Belichick über so etwas keine Gedanken zu machen.
10. November 2009
Vollmer im Mittelpunkt
Der Artikel geht auf eine Besonderheit ein, mit der Vollmer am Sonntag in Stadion der Colts zum ersten Mal konfrontiert werden wird. Die enorme Lautstärke der Zuschauer, die versuchen, den Snap Count der gegnerischen Angriffsreihe zu ersticken. Für eine eingespielte Angriffsreihe ist eine solche Ausgangslage schon schwierig genug. Einen Neuling muss es geradezu nervös machen. Das Problem: Wer zu schnell loslegt, verursacht womöglich eine Strafe, bei der die Mannschaft an Yards verliert. Wer von den Offensive Linemen zu langsam reagiert, so Coach Bill Belichick, kommt einen halben Schritt zu spät: "Das bedeutet nicht nur Tackles und Sacks, sondern gewöhnlich Ballverlust."
Das Match findet am Sonntagabend Ortszeit statt und wird von NBC übertragen. Indianapolis ist noch ungeschlagen. Die Patriots haben von ihren acht Partien zwei verloren.
Bild: New England Patriots
5. November 2009
Football-Karriere mit Kino-Appeal
Soeben im Kino gab es den Trailer zu The Blind Side mit Sandra Bullock, eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Michael Lewis. Darin ist ein junger Schwarzer die zentrale Figur des einen Erzählstrangs. Er heißt Michael Oher und ist inzwischen in der NFL angekommen, und zwar bei den Baltimore Ravens, die ihn im Frühjahr an 23. Stelle gedraftet haben. Der andere Strang im Buch ist die Entwicklung des Offensivspiels im Football, der vor allem den Left Tackles eine wichtigere Rolle als den Beschützern des (rechtshändigen) Quarterbacks zukommen lässt und sie entsprechend gut dafür entlohnt. Darüber gab es vor einiger Zeit schon etwas mehr zu lesen - im Blog und in der FAZ.Der Film beschäftigt sich nach den Vorberichten ausschließlich auf die Person des als Jugendlichem verwahrlosten Footballspielers, der von einer weißen Familie aufgenommen wird, die ihm die Chancen eröffnet, die ihm vorher gefehlt hatten. Sein Vater wurde umgebracht, als er noch klein war. Die Mutter war cracksüchtig.
Soweit sich das zur Zeit recherchieren ließ, hat der Film keinen deutschen Starttermin. Hier einer der Trailer, die im Moment zirkulieren.
30. Oktober 2009
Wenn Dummheit bestraft wird
Was genau ist daran so verwerflich, dass Dummheit für Misserfolg sorgt und Intelligenz für Super-Bowl-Siege? Nun Mr. Byrne sagt es uns: Früher hätten auch die schlecht geführten Clubs zwischendurch eine Chance gehabt, wenn sie kurzfristig viel Geld in die Mannschaft pumpten. Geld sei "der große Gleichmacher".
Wenn man so etwas unter der Rubrikenüberschrift Cold Hard Football Facts auf der Seite von Sports Illustrated liest, runzelt man erst mal die Stirn. Das Blatt, in dem einst Dr. Z. für die Auswertung der harten Fakten zuständig war und Peter King jeden Stein (und seinen schwergewichtigen Korpus) in Bewegung setzt, um den Lesern erhellende Informationen zu liefern, ist jetzt auch eine Anlaufstelle für Dummschwätzer?
Zunächst ist die Beobachtung, dass Denver, New England, Indianapolis und Pittsburgh in den letzten Jahren die NFL dominiert haben, nicht von der Hand zu weisen. Wobei wir aus New England wissen, dass man das geschafft hat, obwohl man ständig gute Spieler und Trainer ziehen lassen musste. Es ist auch richtig, dass Mannschaften wie Denver, Indianapolis und New Orleans in diesem Jahr ein Kunststück fertig gebracht haben, das es noch nicht gab. Drei Mannschaften, die nach sieben Spieltagen ungeschlagen sind.
Wer New Orleans sagt, sollte allerdings vielleicht auch erwähnen, dass diese Mannschaft einst weder mit viel Geld noch mit guten Worten irgendetwas Bemerkenswertes auf die Beine stellen konnte. Sie war das, was die Lions heute sind: abgrundtief schlecht. In sofern kam hier parity zum Tragen. Auch die Arizona Cardinals, die im Februar zum ersten Mal den Super Bowl erreichen konnten, waren früher einfach nur eine Fußmatte für die anderen Clubs. Zur Zeit muss man mit ihnen rechnen.
Erstes Fazit: Wer parity nur an einer Handvoll von Teams misst, die Super Bowls gewinnen, hat keinen Blick fürs große Ganze.
Zweitens: Wer die Tatsache ignoriert, dass die NFL mit 32 Mannschaften, aber nur 16 Spieltagen einen hochgradig manipulierten Spielplan hat, der versteht nicht das kleine Einmaleins der Tabelle. Gute Mannschaften haben nicht nur Erfolg, weil sie gut gemanagt werden, sondern, weil sie im Schnitt leichtere Gegner haben. Pittsburgh trägt vier Spiele pro Saison gegen die Cleveland Browns und die Cinicinnati Bengals aus. Das waren zuletzt Spaziergänge. New England hat im Osten der AFC mit Buffalo und Miami und den Jets zu tun. Auch das waren Aufbauprogramme und keine Leistungstests.
Drittens: Eine Liga mit 32 Teams und mithin 1600 Footballprofis kann nicht auf ewige Zeiten davon ausgehen, dass sie genug gute Spieler anlocken kann. Die Expansion der Liga hat zwangsläufig für eine Ausdünnung der Leistungsdecke gesorgt. Die NHL konnte das gleiche Problem mit dem Import von hochtalentierten Eishockeyspielern aus Europa kompensieren. Auch die NBA vertritt eine Politik der offenen Tür. Major League Baseball holt sich mittlerweile einen erheblichen Teil des Nachwuchs aus der Karibik und lockte gute Japaner an. Welches Reservoir hat die NFL? Den Collegesport in den USA. Trainer und Scouts, die in einer solchen Landschaft die Spieler mit Potenzial und Lernbereitschaft erspähen, erarbeiten sich selbstverständlich auf diese Weise sehr viel leichter ein Fundament für Erfolg. Die Leute mit Tomaten auf den Augen werden als das entlarvt, was sie sind: blind.
Was sollte daran falsch sein?
26. Oktober 2009
NFL in London: Vogelscheuchen und rostige Messer
"Wir sind sehr für eine Expansion, aber das London-Spiel kommt einem wie der alljährliche Besuch beim Onkel vor: Pflicht, unbeeindruckend und kaum zu erklären. Trotz all dem Getöse um den guten Eintrittskartenverkauf – das Wembley-Stadion verkaufte angeblich die ersten 20.000 Tickets innerhalb von sieben Minuten, was uns glaube machte, das Spiel sei als Partie zwischen New England und Robbie Williams und der Königin angepriesen worden – sah es im dritten Viertel bereits so aus, als hätte ein Großteil der Zuschauer bereits vor ihrem Bier im Pub gesessen. Wer könnte es ihnen verübeln? Die Patriots nahmen die Rostigen-Messer-Piraten von Beginn an auseinander und gewannen 35:7. Amerikaner behaupten gerne, dass ihre Football-Version im Fernsehen sehr viel funkelnder aussieht. Aber wir schauen uns lieber an, wie Wayne Rooney eine Stunde lang seinen Kopf gegen den Torpfosten rammt als die Buccaneers."
Enough said.
22. Oktober 2009
Bald Arsenal richtig in amerikanischer Hand?
Blick zurück: Es gab mal eine Zeit, da tat Kroenke so, als interessiere ihn England nicht
Blick zurück: St. Louis und Limbaugh – Don't mix politics with sports