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21. Januar 2010

Der Klingelbeutel: Nicht alles im Griff

Die Ambitionen von David Beckham, sich über den Winter in Mailand für die englische WM-Mannschaft zu empfehlen, produzieren immer wieder ein paar widrige Nachrichten. In der vergangenen Saison gab es das Tauziehen über seine Rückkehr zu Los Angeles Galaxy. Das wurde beigelegt. Nun musste er sich von einer Italienerin fürs Fernsehen das Gemächt begrapschen lassen. Warum? Weil sich aufgrund der Emporio-Armani-Unterwäsche-Anzeigen und eines (mutmaßlich getürkten) Nacktfotos, das online kursiert, das Gerücht hält, Becks habe schwer zu tragen. Die Dame brüllte vor laufender Kamera: Das sei alles nicht halb so wild. Der Fußballer war über solch eine Attacke entsetzt und stürmte davon.

• Nichts Genaues weiß man nicht, aber das kann sich noch ändern: Nachdem die NBA als erste US-Liga die Vermarktugsmöglichkeiten in anderen Erdteilen entdeckte und die NFL nach einer Reihe von gescheiterten Experimenten den Pflichtspiel-Abstecher nach London installierte und die NHL ihre Fühler nach Europa ausstreckte und nun vor Beginn der Saison zwei Teams schickt, sucht Major League Baseball noch immer nach einer eigenen Lösung für ein Schaufenster zur Welt. Was schwierig ist angesichts der Großwetterlage. Mittelamerika und Venezuela sowie Japan im fernen Asien sind die einzigen Länder, in denen man wirklich Widerhall erzielen kann. Nun wurde eine alljährliche Begegnung zwischen dem amerikanischen World-Series-Sieger und dem japanichen Meister ins Gespräch gebracht. Da man die "Welt" bereits in den USA intern als Namensgeber gepachtet hat, dürfte es vor allem an der passenden Bezeichnung hapern. Unter "global" oder "Universum" dürfte es nicht abgehen.

• Der Stanley Cup ist viel unterwegs. Denn jedes Mannschaftsmitglied des Siegerteams kann den riesigen Pott einen Tag bei sich zuhause vorzeigen. Egal, in welchem Land zuhause ist. Manchmal wird das Ding aber auch falsch verladen und landet dann am falschen Ort. So wie jetzt, als der Transport von Newark nach Vancouver gehen sollte. Ausgeladen wurde der Cup in Toronto. Was irgendwie verständlich ist. Denn dort ist die Hall of Fame. Und die ist sein zuhause (via The Big Lead).

23. November 2009

Als sei der Rasierapparat ausgerutscht

MLS Cup - Los Angeles Galaxy v Real Salt Lake
Von all den Frisuren, mit denen David Beckham im Laufe der Jahre seinen Sinn für überkandidelten gestalterischen Wagemut angedeutet hat, wirkt die Kreation “Herbst/Winter 2009” am ausgetüfteltsten. Links und rechts in der Nähe der Schläfen hat der Rasierapparat Löcher hinterlassen, die so aussehen, als sei dem Coiffeur die Hand ausgerutscht. Und oben wippen Büschel in der Signalfarbe blond, die nach hinten kürzer werden und den Schopf in einer kolorierten breiten Strähne auslaufen lassen.

Man könnte das Ganze einen “angedeuteten Irokesen” nennen. Genauso wie man David Beckham einen unvollendeten Fußballspieler nennen könnte. Aber eher wir uns in dieser Skizze verlieren, lieber der Hinweis auf den jüngsten Beitrag über ihn in der aktuellen FAZ – aus Anlass der Niederlage von Los Angeles Galaxy gegen Real Salt Lake im MLS Cup. Beckham geht zunächst wieder nach Mailand. Der Köder dafür, dass er in die USA zurückkehrt: Er soll Besitzer des 20. zu gründeten Clubs in der Liga werden. Wir sind zur Zeit bei 15.

1. November 2009

Im dritten Jahr konnte Beckham zeigen, was er kann

David Beckham hat zum ersten Mal im dritten Jahr in den USA das vollbracht, wofür man ihn eigentlich geholt hatte: Los Angeles Galaxy hat sich einen Platz in den Playoffs von Major League Soccer erarbeitet. Die anstehende Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit dem Ortsrivalen Chivas USA. Beide Spiele finden im Home Depot Center in Carson statt, dem Heimstadion beider Mannschaften. Für die Playoffs qualifizieren sich acht der 15 Teams. Darunter befindet sich auch Seattle Sounders, die im ersten Jahr mit Kickern wie Kasey Keller im Tor und Freddie Ljungberg im Angriff gleich oben mitspielen konnte. Das Galaxy-Match beginnt in ein paar Minuten auf ESPN 2, während parallel die Rückkehr von Brett Favre nach Green Bay live in der NFL-Berichterstattung abgewickelt wird. Zappen ist angesagt.

Nachtrag: Beide Spiele waren nur halbspannend. Denn Galaxy verplemperte ziemlich schnell mit konzeptlosem Kick die Chance auf einen Sieg (Endstand 2:2, nächste Woche das Rückspiel). Und die Packers sahen nur eine Phase lang in der zweiten Hälfte so aus, als könnten sie Minnesota Angst einjagen. Am Ende deutlicher Sieg für die Vikings (38:26), bei denen nicht nur Favre ein Faktor ist. Die ganze Mannschaft ist stark.

8. September 2009

Und im sechsten Jahr kauft sich Beckham einen Club

Heute wurde in Amerika eine Meldung aus dem amerikanischen Fußball in Umlauf gesetzt, die keinen nachrichtlichen Wert hat, die aber trotzdem einer nach dem anderen zitiert. David Beckham hat nämlich der BBC erzählt: "Ich das Recht, einen MLS-Club zu besitzen, worum ich mich kümmern werde, sobald ich nicht mehr spiele."

Die New York Times hat daraufhin ausgerechnet, dass das schon 2012 passieren könnte, wenn der Fünf-Jahres-Vertrag von Beckham mit Los Angeles Galaxy ausläuft. Und dann wurde spekuliert, wie denn wohl der Wille des englischen Fußballstars mit den Expansionsbemühungen von Major League Soccer zusammenpasst. Reporter Jack Bell (der vor Monaten von Jermaine Jones hören musste, dass er sich wichtige Sätze ausgedacht habe) malte sich aus den Zutaten einfach mal eine kleine Prognose zusammen. Derzufolge könnte Beckham den Zuschlag für eine Franchise in Montreal bekommen.

So what...

Dies sind die Informationen, auf denen diese "Nachricht" basiert: Eine anonyme Person, die angeblich etwas über die Pläne von Beckham weiß, ließ durchblicken, dass sich die Managementfirma des Fußballer für eine Partnerschaft mit dem Besitzer von Montreal Impact interessiert. Der wiederum verweigert die Aussage, wer ihm denn wohl eine Offerte gemacht hat. Die ach so berühmten Montreal Impact, die in der United Soccer League stecken, die mit MLS null sportliche und wirtschaftliche Verbindungen hat, aber immer mal wieder deren Clubs als funktionstaugliches Gefäß für die eigenen Ausdehnungsbemühungen benutzt und die dann umtopft. Ach, ja, und ebenso gut könnte zu den Red Bulls noch ein zweites Team in New York installiert werden. Aber auch das weiß keiner. Auch das wird man erst noch sehen.

Und was wäre schon so heiß, wenn es wirklich so käme? Mario Lemieux hat einen Club – die Pittsburgh Penguins. Michael Jordan hat einen Club – die Charlotte Bobcats. Und beide haben dabei kein goldenes Händchen bewiesen. Lemieux, siehe Stanley Cup, war allerdings erheblich erfolgreicher. Was an Sydney Crosby liegt (den die Penguins als damals schlechtester Club ohne Mühe draften konnten) und an den engen Grenzen der Salary Cap, die es dem Club ermöglichte, mit den besser ausgestatteten Teams beim Zugriff auf ältere Talente mitzuhalten.

29. Juli 2009

Shaq vs. Becks

Shaquille O'Neal versucht über Twitter David Beckham zu erreichen, weil er ihn auf diese Weise für eine neue Fernsehsendung ins Boot holen will. In der neuen Sendung schwimmt er gegen Michael Phelps, spielt gegen Serena Williams Tennis, steigt gegen Oscar de la Hoya in den Ring. Bislang hat Becks noch nicht reagiert. Dafür haben es Zeitungen wie der Telegraph in London.

Übrigens: Es gibt jetzt auch Tweets von American Arena. Die ersten Erfahrungen mit dem Konzept sind gemischt. Der Server spinnt immer mal wieder und spamt einem irgendwelche Leute rein, über die man nichts wissen will. Auf der anderen Seite kann man schon mal schnell mit jemandem kommunizieren, mit dem die Verabredung über Skype nicht klappt, weil die gerade irgendeine Macke haben.

2. Mai 2009

Der Klingelbeutel: Segnungen des Südens

Wie jedes Jahr: Ja, es gibt den 1. Mai in Amerika. Nein, es ist kein Feiertag. Wir haben Labor Day Anfang September, immer ein Montag, immer ein Feiertag. Man kommt ohne Kundgebungen aus. Kein Wunder, angesichts einer allgemeinen Haltung, die die Gewerkschaften in eine Kuriosität verwandelt hat. Besonders in den Südstaaten ist man stolz darauf, dass die Arbeitnehmer so gut wie nirgendwo ihre eigenen Vertreter haben, die für sie kämpfen. Auch die Arbeitnehmer sind stolz darauf. Sie sind auch stolz auf ihre niedrigen Löhne, besonders in diesen Tagen, wenn man in Detroit und anderen Teilen der einst so mächtigen Autoindustrie alles kurz und klein haut, was auch nur nach einer Entlohnung aussieht, mit der man sich in den unsozialen USA eingermaßen komfortabel über Wasser halten kann. Dafür beten sie zum Beispiel in Tennessee am Anfang von öffentlichen Veranstaltungen (wie ich in der letzten Woche mal wieder aus nächster Nähe erleben durfte) und sprechen danach wie in einem Massengebet den Treueschwur (Pledge of Allegiance) auf die Fahne des Landes. Die Pastorin bat übrigens nicht nur um Segen für das (ziemlich schlechte) Essen, das uns bei der Gelegenheit serviert wurde, sondern auch für die Hände, die das Essen zubereitet hatten (also Arbeiter, die gewerkschaftlich nicht organisiert sind). Es waren jene Hände, die meinen Nebenmann einen seltsamen Gruß in den Salat gerührt hatten: die Spitze eines Fingers von einem Plastikhandschuh.

• Eine ganze Frisbeemannschaft in Oregon wurde vom Sport ausgeschlossen, weil einige Mitglieder ohne Hosen und ohne Unterwäsche angetreten waren. Wie auszüglich.

• David wer? Die Zuschauer der LA Galaxy warten auf die Rückkehr ihres berühmten Mittelfeldspielers. Vorher gehen sie wohl nicht mehr ins Stadion.

• Die erste Runde der NBA-Playoffs hat in diesem Jahr ein paar anregende Begegnungen produziert. Auch wenn, anders als beim Eishockey, wo es immer wieder Außenseiter-Erfolge gibt, am Ende meistens die auf dem Papier bessere Mannschaft gewinnt. Boston Celtics gegen Chicago Bulls mit ihren mehrfachen Mehrfach-Verlängerungen sind diesmal die größte Attraktion. Die Glückspilze der Saison sind die Dallas Mavericks, die sich am Ende der Tabellenrunde noch so gerade eben auf den sechsten Platz hangelten und auf diese Weise nicht nur den Los Angeles Lakers als Erstrundengegner auswichen, sondern mit den San Antonio Spurs (ohne Manu Ginobili) eine völlig wehrlose Truppe aus dem Rennen werfen durften. Ab Sonntag gegen die Denver Nuggets in der zweiten Runde sieht die Sache ganz anders aus. Verstärkt durch Chauncey Billups, der im Tausch für die Abwrackprämie namens Iverson aus Detroit kam, dürfte das Team den schönen Träumen in Dallas schnell und zackig das Licht ausmachen.

6. März 2009

Landon kehrt zurück, Beckham ziert sich

Während die Gefühle zwischen den amerikanischen Fußballanhängern und David Beckham langsam abkühlen, weil der Tätowierte weder das Spiel von Los Angeles Galaxy verbessert hat noch sich an seine vielen Worte über sein angebliches Interesse an einem Konjunkturaufschwung für Fußball in den USA erinnern kann, bleiben die Briten beckhamfixiert. Jetzt hat man sogar bei der BBC versucht, den Effekt von Becks auf den Liga-Fußball in den Vereinigten Staaten zu ermessen. Und was lernen wir? Es würde für Major League Soccer auch ohne Beckham nach dem langen Winter demnächst wieder die Sonne scheinen. Beruhigend zu wissen....

Man bastelt übrigens noch immer mit AC Milan an einer Lösung herum, die dem Engländer gestattet, die Saison in Italien zu Ende zu spielen und erst dann wieder nach Kalifornien zurückzukehren. Demnächst wieder zuhause: Landon Donovan, der den Winter über bei Bayern München verbracht hat. Der ganze Komplex wurde soeben auch vom New-York-Times-Fußballblogger durchgekaut.

Mehr MLS-Stoff: Eine neuerliche Erweiterung der Liga soll dabei helfen, Wurzeln im Nordwesten zu schlagen. Seattle Sounders heißt der Club, der in einem handlichen Stadion spielen kann und nicht in dem dicken Ding der Seahawks antreten muss. Auf drei Spielern ruht das Auge der Öffentlichkeit: Heimkehrer Kasey Keller (Bild links) ist der prominenteste Amerikaner im Team. Dazu kommen der schwedische Mini-Beckham Freddie Ljungberg und der Franzose Sébastien Le Toux. Nicht zu unterschätzen: die Verpflichtung von Trainer Sigi Schmid, der in Columbus ohne Druck und ohne Not eine Meistermannschaft zurückließ. Schmid (Bild rechts) wanderte mit seinen Eltern als Kind von Tübingen nach Kalifornien aus und kann deshalb beim besten Willen nicht als deutsche Pflanze eingestuft werden. Seine Entwicklung zu einem Erfolgstrainer begann im Collegesport.

20. Januar 2009

Nackenschlag für die Soccer-Liga

In alle Stille hat ESPN den Wert von Major League Soccer für die unmittelbare Zukunft des Senders dokumentiert: Das Spiel der Woche, das im Rahmen des vor zwei Jahren abgeschlossenen Fernsehvertrags mit der Liga als Plattform für die Popularisierung der Sportart angesehen wurde, gibt es nicht mehr. Mit einem Einschaltquotenschnitt von 0,2 (was einer Zahl von 253.000 Haushalten entspricht), kann man keine Werbepartner motivieren. Die höchste Quote kam bei einem der ersten Beckham-Spiele zustande, als 658.000 Haushalte reinzappten.

Beckham ist in mehr als einer Hinsicht ein Problem für die Liga. Durch seine Verpflchtung in Los Angeles stiegen Erwartungen, die nichts mit Fußball, aber sehr viel mit den Prinzipien von Public Relations zu tun haben. Vermutlich hätte sich das Bild aufgehellt, wenn Galaxy auch nur eine Spur von Leistungsplus gezeigt hätte. Tatsächlich verpasste die Mannschaft zweimal die Playoffs, was in der MLS bei so wenigen Clubs eine Kunst für sich ist.

Trotzdem muss man wohl vorsichtig sein und kann nicht einfach von einer Fehlkalulation sprechen (die damit beginnt, dass Amerikaner glauben, dass ein Fußballer, der einen ordentlichen Freistoß schießen kann, eine schlechte Mannschaft besser macht). Denn der Aufmerksamkeitswert, den der Wechsel von Madrid nach Kalifornien produziert hat, war sicher auch ein Faktor, um die Entwicklung der Liga und den Bau von kleineren Fußballstadien hinzubekommen. Ohne solche Arenen mit einem Fassungsvermögen zwischen 20.000 und 30.000 fehlt dem Profi-Fußball in den USA schlichtweg das Rückgrat, um die eigene Fanbasis auszubauen. Als Gast in riesigen, aber leeren Football-Stadien kann man nicht eine Spur von Stimmung erzeugen. Natürlich gibt es Leute, die sich beschweren, dass nun auch außerhalb von Philadelphia solch ein Stadion entsteht. Aber die Klage kommt von Leuten, die nichts von Fußball verstehen. Und von der besonderen Begeisterung für die Sportart schon gar nichts.

11. Dezember 2008

Landon Donovan: Hängen im Schacht

Die vorweihnachtliche Stille aus München in Sachen Landon Donovan kann vieles bedeuten. Dass man keine Eile hat, den Transfer verbindlich zu klären. Oder dass die Details zu vielfältig sind, um sie mit einem simplen Federstrich verbindlich abzuhandeln. Dieses ausführliche Spekulationsstück von einem der bestinformierten amerikanischen Fußball-Insider deutet an, dass vor allem Major League Soccer, aber vermutlich auch Los Angeles Galaxy verlegen von einem Bein aufs andere treten, weil sie nicht wissen, was ihnen der Verlust eines ihrer Vorzeigespielers wert ist. Der Text enthält zwei hübsche Randnotizen: Donovans Ehefrau Bianca Kajlich (im Bild oben rechts) ist im Moment noch ortsgebunden – als eine der Hauptdarstellerinnen in der Sitcom Rules of Engagement, der aber womöglich schon bald der Stecker herausgezogen wird. Und: David Beckham hat eine Klausel in seinem Fünf-Jahres-Vertrag mit Galaxy, der es ihm gestattet, schon nach Ende der kommenden Saison die Koffer zu packen. Nicht dass er Amerika wirklich fehlen würde, sollte er wieder von dannen ziehen. Aber es wäre ein weiterer Beleg dafür, dass MLS trotz einem enormen Einsatz (auch an Geld) einfach nicht vom Fleck kommt und noch mindestens zehn Jahre braucht, um sich auf ein Niveau im US-Sportgeschäft hochzuhangeln, wo man an das Wort Relevanz denkt.

30. Oktober 2008

Der Klingelbeutel: Es wird Winter

• Der Ordnung halber sei Vollzug gemeldet: David Beckham's Winter ist verplant. Er geht nach Mailand. Bleibt zu fragen: Wann ist er wieder da, um zu den Heimspielen der Lakers zu gehen? Und wohin geht Landon Donovan?

• Warum lassen die Anhänger amerikanischer Sportclubs eigentlich immer dann ihren Hass auf tote Gegenstände aus, wenn die Mannschaften gewonnen haben? Das jüngste Beispiel: Fans der Philadelphia Phillies nach dem Sieg gegen die Tampa Bay Rays im fünften und um zwei Tage in die Länge gezogenen fünften und entscheidenden Spiel der World Series.


• Dirk Nowitzki sieht in dem neuen Concerto grosso, das Trainer Rick Carlisle für die Dallas Mavericks komponiert hat, wie ein Maestro aus. Er wirft aus allen Lagen und trifft. Wenn jetzt noch jemand unter dem eigenen Korb stehen würde, der wirkungsvoll verteidigt, sähe das Team schon wie ein heißer Playoff-Anwärter aus. Hier wird das Spiel live auf Deutsch gebloggt. Sogar mit Fotos. Herr Niemeyer scheint nach einer langen Sommerpause wieder komplett neu aufgeladen. Gut so.

• Eine Zensur findet doch statt. Zumindest auf den Skihängen in Amerika, wo man als Snowboarder nicht einfach mit jedem Brett auf den Lift kommt. Beziehungsweise nicht mit diesen: Die Geschichte hat bisher wenig Traktion gehabt, aber sie ist bezeichnend: Sie repräsentiert den scheinheiligen Teil einer Gesellschaft, die nicht damit zurechtkommt, dass Menschen mit Beginn der Pubertät Hormone ausstoßen, die ihnen unweigerlich die Idee in den Kopf setzt, dass Vertreter des anderen Geschlechts attraktiv sind (inklusive graue Katzen, nachts). Der intellektuelle Bankrott ist erreicht, wenn solche Bilder auf Snowboards auch noch das Label "pornographisch" erhalten, obwohl nicht ein einziges primäres Geschlechtsmerkmal abgebildet ist. Der fragliche Snowboard-Hersteller ist übrigens die Nummer eins in der Welt und sicher über die Aufregung sehr erfreut. So viel kostenlose Werbung....

23. Oktober 2008

Anleihen bei einem Filmtitel

Eine Überschrift vom Feinsten (die Geschichte zum Thema von dieser Stelle aus steht morgen in der Printausgabe der FAZ.)

13. August 2008

Ende für Lalas in La-La-Land

Puh, das ist so gerade noch mal gut gegangen. Am Samstag lief im Deutschlandfunk mein Beitrag über David Beckham und Los Angeles Galaxy, wo er aufgrund einiger andere aktueller Ereignisse eine Weile auf der Warmhalteplatte lag. Drei Tage später sind zwei der Gesprächspartner nicht mehr in ihren Ämtern: Team-Manager Alexi Lalas wurde hinauskomplimentiert. Trainer Ruud Gullit, in seiner erste Saison in der amerikanischen Fußball-Liga MLS, nannte nicht näher spezifizierte persönliche Gründe, weshalb er die Brocken hingeworfen hat. Die Saison hatte sportlich sehr löblich begonnen. Als ich Anfang Juni zwei Tage lang in Los Angeles beim Training war, stand die Mannschaft an der Tabellenspitze im Westen und spielte guten Angriffsfußball. Was dem Team seitdem zugestoßen ist, bleibt ein Mysterium.

Der Nachfolger für Gullit ist der ehemalige Nationalspieler Cobi Jones, der keinerlei Erfahrung im Amt des Cheftrainers hat. Spekulationen machen Sinn, wonach Galaxy und vor allem die Firma dahinter – Anschutz Entertainment Group – tief in die Tasche greifen wird, um einen renommierten Ausländer zu verpflichten. Natürlich haben vor allem die Spieler an der Formkrise Schuld und müssen nach Ansicht vonAEG-Manager Tim Leiweke sich auch mal selbst fragen, was das Problem sein könnte. Aber wie immer wird erst mal an der Spitze der Pyramide herumgehackt, ehe man etwas tiefer einsteigt. Der Telegraph in London will allerdings etwas von einer Spielerrevolte gehört haben.

Lalas ist der bekannteste Cheerleader von Major League Soccer, immer bereit mit einem lockeren Spruch die Erwartungen hochzuhypen. Das hat ihm schon in New York den Job gekostet, als er von den neuen Besitzern von Red Bull an den Gang getan wurde. In Los Angeles wirkte er wie der perfekte Zirkusdirektor für eine ambitionierte Organisation, die in den Anfangsjahren der Liga ziemlich erfolgreich war. Er hatte sicher auch nichts dagegen, dass man David Beckham aus Spanien holte und schon gar nichts gegen den Ringelpiez, der sich dadurch entspann. Aber Beckham war im ersten Jahr eher eine Last für den Laden als ein Gewinn, auch wenn sich das Experiment finanziell ziemlich positiv auswirkte. In dieser Saison sah es nach einem Leistungssprung aus. Aber das Hauptproblem, ein wackliger Torwart und eine schläfrige Verteidigung, wurde nicht gelöst.

Die interessanteste Neuigkeit aus meinem Gespräch mit Landon Donovan, der übrigens hervorragend Deutsch spricht: Er liebäugelt nach den Frusterfahrungen in Leverkusen durchaus wieder mit einem Gastspiel in Europa. Der Mann ist erst 26 Jahre alt und der beste Spieler der US-Nationalmannschaft.

12. Juli 2008

Beckham: Die neue Normalität

Vor einem Jahr war er das große Thema im amerikanischen Sport. Alles rund um seinen Wechsel in die USA war blendend inszeniert. Sogar die Gattin spielte eine Rolle und trat zu bester Prime Time im Fernsehen auf, um US-Zuschauern einen Eindruck vom frivolen Lebensstil einer Popsängerin zu geben, die in Los Angeles am Ziel ihrer Träume angekommen ist. Die Realität fiel ein wenig schmalbrüstiger aus. David Beckham pendelte wie ein Derwisch zwischen den USA und der Nationalmannschaft in England hin und her, verletzte sich, musste zusehen, wie seine neue Mannschaft nicht mal die Playoffs packte (wirklich eine Kunst in der Liga mit diesen wenigen Clubs). Und so packten die Paparazzi wieder ihre Koffer, die wochenlang vor dem Haus der beiden in Bel Air campiert hatten und suchten sich neue Objekte ihrer Begierde.

So könnte man auf die Idee kommen, dass es um die Strahlkraft von David Beckham geschehen ist. Nach einem Abstecher nach Los Angeles neulich, verbunden mit zwei Besuchen auf dem Trainingsplatz der Los Angeles Galaxy in Carson und einem kurzen Dialog mit dem Star persönlich, möchte man das jedoch anders sehen. Warum? In den USA produziert der Fußball-Alltag keine Schlagzeilen. Das Reporter-Kontingent, das an einem normalen Trainingstag das Geschehen auf der Anlage verfolgt, lässt sich an einer Hand abzählen. Trotzdem ist Beckham in Kalifornien auch weiterhin eine Figur von Rang. Kein Wunder: Den Hauptteil seines Jahreseinkommens von 65 Millionen Dollar (Platz zwei in der jüngsten Forbes-Liste hinter Tiger Woods) verdient er mit Werbeaktivitäten.

Zu Beckham und der neuen Normalität steht heute in der Printausgabe der FAZ ein Bericht. Die Online-Fassung gibt es hier.

Das YouTube-Video haben wackere Fans beim offiziellen Start der neuen Unterhosen-Kampagne in San Francisco aufgenommen. Sein Auftritt war gut getimed. Der fand nämlich an einem Mittwoch statt. Mittwochs haben die Galaxy-Kicker trainingsfrei.

28. Januar 2008

Capello macht reine

Fabio Capello ist mit der Aufgabe betraut worden, die englische Auswahlmannschaft zu verbessern. Und er nimmt sie offensichtich ernst. Da steht schließlich demnächst eine WM-Qualifikation an, wofür man ein solides Konzept und ein solides Team braucht. David Beckham kommt aus Sicht von Capello dafür nicht in Frage. Eine Erkenntnis, die innerhalb der nächsten Monate einen interessanten Effekt auf den Nachrichtenwert der Beckhams in der britischen Presse haben wird. Denn ohne die große Bühne mit dem Drei-Löwen-Team haben die Hollywood-Eskapaden des ehemaligen Spielführers nur noch Kurzmeldungszuschnitt. Und das dürfte Auswirkungen auf den Paparazzi-Ansturm haben. Denn die fotografieren nur, was die Redaktionen ankaufen. Capello sieht auch keine Hoffnung: Er hat "ernsthafte Zweifel über den Standard von Major League Soccer", schreibt der Guardian. Jetzt muss er nur noch einen Weg finden, dies Beckham zu verklickern.

In den USA arbeitet man aber zumindest an der Qualität der Flugreisen für Spieler. Die müssen im Prinzip mit regulären Maschinen fliegen, um die Kosten zu sparen (das Argument der Basketballer mit ihren langen Beinen fällt nicht ins Gewicht). Aber weil das für Beckham angesichts seines Bekanntheitsgrades eine Zumutung darstellt, wurde die Auflage jetzt ein bisschen gelockert. Jede Mannschaft darf zumindest für vier Trips ein Charter-Flugzeug mieten. Ein Hinweis: Die Flugzeit von Los Angeles nach New York oder Toronto beträgt fünf Stunden.

20. Dezember 2007

Strichweise lustig


Der relativ neue Variety-Fernsehkanal Current, der sich hauptsächlich an ein junge Zielgruppe wendet und sehr viel Material ausstrahlt, das von Fernsehamateuren gedreht wurde (user generated content), hat auch eine Humorabteilung. Und die müht sich mit ihren Zeichentrickproduzenten an so allerlei ab. Dieses Produkt wurde erst vor wenigen Tagen bei YouTube abgeliefert, kann aber bereits mehr 150.000 Clicks aufweisen. Beckham ist eben unwiderstehlich.... Übrigens: einem Gerücht zufolge, das ich in New York aufgeschnappt habe, wird Current demnächst auch in Deutschland laufen (via The Beautiful Game)

9. Dezember 2007

Der Klingelbeutel: Urteil für Vick

• MONTAG IST großer Michael-Vick-Tag. Dann erfährt der ehemalige Quarterback der Atlanta Falcons, der schon seit ein paar Wochen aus freien Stücken im Gefängnis sitzt, wie lang die Strafe ausfallen wird, die er sich mit seinen Hundekämpfen eingehandelt hat. Das Maximum liegt bei fünf Jahren.

• VOR EINER GANZEN WEILE erlitt ein Projekt Schiffbruch, das auf dem Papier zumindest nach Gold und Diamanten roch: Es hieß mvp und hatte als Protagonisten die Herren Michael Jordan, Wayne Gretzky und John Elway. Es sollte auf den Wogen des ersten Internetbooms segeln, bis sich zeigte, dass die enormen finanziellen Erwartungen der Vermarktungsplattform dreier Sportlegenden außer Spesen und vielen Kosten nichts produziert. Die Stars verbrannten 65 Millionen Dollar aus der eigenen Tasche. Man fühlt sich unweigerlich daran erinnert, wenn man liest, wie sich Basketballer LeBron James im zarten Alter von 22 auf eine Rolle als primus inter pares bei der Vermarktung anderer Sportler zutraut. Sein Laden - genannt LRMR - dürfte zwar im Moment sehr viel Rückenwind haben, weil seine Position als erfolgreiche Werbefigur unangetastet ist. Aber das viele Geld, das er und seine engen Berater in die Hand nehmen, um langsamm aber sicher ein kleines Imperium aufzubauen, bringt vorläufig überhaupt keine Zinsen, falls es überhaupt je dazu kommt. Viel mehr über die Rolle, die James im amerikanischen Sportkommerz spielen will, findet man in einer umfangreichen und ausführlich recherchierten Geschichte des US-Wirtschaftsmagazins Fortune (via nba-blog).

• DAVID BECKHAM will bekanntlich dem Fußball in den USA aus seinem Stadium eines Schwellenlandes heraushelfen und ganz nach oben führen. Und zwar ganz persönlich. Wenn er so weiter macht, wird er in etwa 3000 Jahren jedem Aspiranten im direkten Gegenüber eine kleine Unterrichtseinheit vermittelt haben. So eine wie im Fall der Kinder des Rappers Snoop Dog. Diese soll allerdings im Fernsehen laufen. Sie muss besonders beeindruckend ausgefallen sein. Was aus der Sache mit Angelina Jolies Sohn geworden ist, bleibt weiterhin ein Rätsel. Im Moment ist der allerdings in New Orleans schwer beschäftigt und hat das Projekt vielleicht schon wieder vergessen.

28. November 2007

Der Klingelbeutel: Hundefutter im Stadion

Ruud Gullit ist seit ein paar Tagen bei den Los Angeles Galaxy im Einsatz. Der neue Trainer von David Beckhams Team kommt auf diese Weise in den Genuss einer kleinen Weltreise. Die Mannschaft ist auf einer bestens bezahlten Tournee und produzierte soeben in Sydney eine mittelschwere Sensation. Nicht auf dem Rasen des Olympiastadions, wo man gegen den Sydney FC mit 3:5 verlor. Aber auf den Rängen. Mehr als 80.000 Zuschauer waren gekommen um, sich das Gastspiel anzuschauen.

Dass Footballspieler gefährlich leben, muss man keinem sagen. In Miami wurde gerade mit Sean Taylor ein Profi der Washington Redskins unter noch immer nicht geklärten Umständen angeschossen - in seinem eigenen Haus - und starb später an den Folgen. In derselben Stadt, in der vor einem Jahr ein prominenter Collegespieler ermordet wurde. Aber bislang konnte davon davon ausgehen, dass die Gefahr nur außerhalb des Stadions lauerte. Seit der Geschichte mit Michael Vick scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Jetzt attackieren sogar die Polizeihunde (via Deadspin):

Die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit zwischen der Bundesliga und Major League Soccer hat bislang so gut wie keine Resultate gezeigt. Das soll sich jetzt ändern. Ein bis zwei Mannschaften aus Deutschland sollen in Zukunft Trainingslager in den USA beziehen. Und im All-Star-Spiel soll nach Gastauftritten von Celtic Glasgow und Chelsea ein noch nicht benannter Vertreter der Bundesliga antreten.

8. November 2007

Pannendienst aus Übersee: Gullit wird Beckhams Trainer


Offensichtlich kam der soeben in New York entlassene ehemalige Nationaltrainer Bruce Arena für eine derartig feinfühlige Position nicht in Frage. Und andere Amerikaner gab es anscheinend nicht. Also hat Alexi Lalas von den Los Angeles Galaxy mal schnell in Europa herumtelefoniert und dort den Mann gefunden, der die Beckham-Bagage im nächsten Jahr auf Vordermann bringen soll. Er heißt Ruud Gullit und wartet seit zwei Jahren auf einen Trainerposten. Zeit, die er als Fernsehkommentator zugebracht hat. Seine Vita als Übungsleiter war nach Ansicht des Daily Telegraph in London bislang "nicht besonders erfolgreich". Dann kommt die zukünftige Aufgabe ja gerade richtig. Die Erwartungen an die Resultate in der nächsten Saison sind nicht besonders hoch. Ein Platz in den Playoffs wäre schon eine Leistung. Der Vertrag soll über drei Jahre gehen und den Gegenwert von etwa 10 Millionen Dollar wert sein. Die Zahl klingt sehr hoch. Übrigens war auch Jürgen Klinsmann für den Posten im Gespräch. Dass Gullit ihm vorgezogen wurde, mag man sich nicht vorstellen. Der Holländer war sicher eher so etwas wie zweite Wahl.

5. November 2007

Wer nicht hören will, muss gehen

Aus der Abteilung: Besser nicht weiter darüber nachdenken, denn am Ende ist es sowieso egal. Frank Yallop, bislang Trainer Los Angeles Galaxy, hat sein Amt zur Verfügung gestellt. Dem Vernehmen nach bekommt er den Posten in San Jose, wo ein neuer Club aufgemacht wird, nachdem der alte neulich nach Houston abgewandert war. Landon Donovan hatte Verständnis für die Entscheidung im Kielwasser des Beckham-Gebrauses: "Ihm lagen dauernd Leute in den Ohren, die ihm gesagt haben, was er tun soll. Als man ihn endlich in Ruhe gelassen hat, haben wir sieben Spiele in Folge gewonnen. Ich denke nicht, dass es Leute gibt, die unter solchen Umständen arbeiten wollen."

Galaxy hatte es nicht in die Playoffs geschafft, die am Wochenende die vier Semifinalisten produzierte, die kommenden Samstag gegeneinander spielen: Chicago Fire gegen New England Revolution und Kansas City Wizards gegen Houston Dynamo. Galaxy geht auf Ttour und trägt gegen üppige Antrittsgagen Freundschaftsspiele unter anderem in Australien und Neuseeland aus. Alle wollen David Beckham sehen (via the Big Lead).

22. Oktober 2007

Galaktisches Aus

David Beckham war es nicht vergönnt, der verpatzten Saison der Los Angeles Galaxy noch ein Happy-end zu bescheren. Die Mannschaft verlor am letzten Spieltag der Tabellensaison - mit ihm - und verpasste knapp die Playoffs. Glas halb voll oder halb leer? Das kann man aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Die Ankunft von Beckham in den USA produzierte das vorausgesehene enorme Zuschauerinteresse. Der sportliche Erfolg blieb hingegen aus. Und das ganz bestimmt nicht, weil der Spielgestalter zwischendurch verletzt ausfiel. Ausgerechnet in jener Phase - ohne ihn - gewann die Mannschaft zahlreiche Spiele in Folge. Wenn man Lust auf eine ganz gewagte Verschwörungstheorie hat - hier das Angebot der Woche: Das Team mit dem alten Kapitän Landon Donovan hat bewusst so gespielt. Am Anfang der Saison ließen sie es langsam angehen, damit alle bei der Ankunft von Beckham sehen können, ob er wirklich etwas bringt und das viele Geld verdient hat. Die Antwort lautete: nein. Als er ausfiel, wurde aufgedreht, um zu zeigen, dass es ohne ihn geht. Und nach seiner Rückkehr war es nur konsequent, die Flügel hängen zu lassen. Wie gesagt, kaum zu glauben, aber wir sind in Los Angeles. Da werden noch ganze andere Fiktionen inszeniert.