Die NASCAR-Leute waren noch nie Kinder von Traurigkeit. Die herbe Note des Parfums, das sie verbreiten, riecht nicht umsonst nach Gummi und verbrannten Oktan. Und ihre geschäftlichen Methoden waren nicht von ungefähr immer diktatorisch einfach. Die Familie France in Daytona bestimmt (im Einklang mit ein paar Rennstreckenbesitzern). Und die anderen müssen folgen. Das brachte Geld und stabiles Wachstum und sicher auch diesen patriarchalischen Eifer, der sich bisweilen in heftigen Auseinandersetzungen Luft macht. Aber dies ist selbst für NASCAR eine dicke Nummer: Die Organisation hat die Telefonfirma AT&T auf 100 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt, weil sie durchgedrückt hat, dass sie ihr Logo groß und breit auf den Wagen von Jeff Burton kleben kann. Burton (Nummer 31) fuhr früher mit dem Markennamen Cingular durch die Gegend, was so lange gut und schön war, wie es dieses Unternehmen noch gab. Aber AT&T hat Cingular neulich aufgekauft, will den Markennamen beerdigen und möchte nun von dem existierenden Sponsorenvertrag profitieren.
NASCAR stellt sich auf den Standpunkt, dass so etwas gar nicht in Frage kommt, weil die Mobiltelefonfirma Nextel, die den Cup sponsert (für 700 Millionen Dollar über zehn Jahre), um den sich alles dreht, exklusive Werberechte genießt. Das wäre alles noch verständlich, wenn es nie diese Cingular-Spezialerlaubnis gegeben hätte, mit der man bei NASCAR möglich machte, was man eigentlich nicht will: dass zwei Konkurrenten im selben Werbeumfeld auftauchen dürfen. Tatsächlich sind es drei, denn es gibt noch einen weiteren Sponsor aus dem Milieu: die Firma Alltel (mit Ryan Newman in der Nummer 12).
Kompliziert? Eigentlich nicht (mehr). AT&T hatte erstinstanzlich vor Gericht gewonnen und kann deshalb seit Mitte Mai Burton mit der neuen Aufschrift auf die Pisten schicken. Oder vielleicht auch doch. NASCAR behauptet, dass AT&T mit dieser Klage gegen den existierenden Vertrag mit der Rennserie verstoßen hat. Wie das? Nach den Vorstellungen der Herrscher in der NASCAR-Zentrale hat kein Geschäftspartner auch nur das Recht, sich vor Gericht gegen Entscheidungen zur Wehr zu setzen. Solches Verhalten "untergräbt die Autorität von NASCAR als der sanktionierenden Institution" im Bereich Stock-Car-Rennen. Und das ist laut Vereinbarung geschäftsschädigend. Weshalb man 100 Millionen Dollar Schadensersatz fordert und ein Gericht in Atlanta angerufen hat, um diesen absurden mussolinihaften Anspruch durchzusetzen.
Wir bleiben dran.
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18. Juni 2007
27. November 2009
NASCAR laufen die Zuschauer davon
Es sieht weiterhin eher trübe aus in der NASCAR-Welt. Vor allem bei den Fernsehübertragungen, wo der Abschwung in den Einschaltquoten querbeet durch alle Sender, die Rennen live übertragen (Fox, TNT, ABC) anhält. Es sind keine dramatischen Zuschauerverluste, aber sie sind deutlich genug, um den Verdacht zu nähren, dass diese uramerikanische Automobilserie den Zenit überschritten hat. Jahrzehntelang standen alle Zeichen auf Wachstum. Das galt für die Zahl der Schauplätze, das Fassungsvermögen der Rennstrecken, die geographische Ausdehnung aus dem Süden in alle Himmelsrichtungen und für die Einnahmen aus den Sponsorentöpfen. Es schien so, als hätten sie in Daytona im Hauptquartier des Familienunternehmens das von einem Otto-Motor betriebene Perpetuum mobile gefunden. Tatsächlich hatten sie nichts anderes gefunden als das Patentrezept, um einem vorwiegend weißen Publikum eine Sportart zu offerieren, in dem die Protagonisten anders als im Basketball und Football nicht schwarz sind.
Aber solches Wachstum sorgt für Sättigung. Besonders wenn der populärste Fahrer – Dale Earnhardt jr. – nicht gewinnt und wenn die Autos einen technologischen und stilistischen Standard repräsentieren, der irgendwo zwischen den siebziger und den achtziger Jahren stehen geblieben ist. Alle auflackierte Farbenpracht der Fahrzeuge mit ihren Firmenlogos und alle noch so große Bereitschaft der Fahrer und ihrer Teams, sich Fans und Medien gegenüber stets freundlich und zuvorkommend zu verhalten, reicht irgendwann nichts mehr aus, zusätzliches Interesse anzustacheln. Und natürlich hilft es NASCAR nicht, wenn die amerikanische Autoindustrie so aussieht, als ob sie die Fabriken zumachen muss, weil sie keine ansprechenden Fahrzeuge entwickelt. Gute Metakommunikation ist das nicht.
Die ersten Anzeichen für die Baisse kamen mit den exorbitanten Benzinpreisen des Jahres 2008, als es viele Zuschauer zuhause hielt, weil sie sich die Trips zu den Rennstrecken nicht mehr leisten konnten. Was die eigentliche Ironie der Geschichte ist, dass ausgerechnet die Mineralölfirmen und die Spekulanten hinter ihnen als Steigbügelhalter eines Trends arbeiteten, die ihren eigenen Interessen zuwider läuft. Aber das sehen wir in diesem Wirtschaftssystem häufiger, dass die Profiteure nie wissen, wann sie auf die Bremse treten müssten, um nicht selbst zu Schaden zu kommen (Stichwort: die an Wall Street hochgekochte jüngste Finanzkrise). Das Minus beim Live-Publikum hätte den Abfall der Einschaltquoten der Fernsehsender aufhalten können. Fans, die zuhause bleiben, würden ja normalerweise die Glotze einschalten, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das mag so sein. Wenn ja, dann haben sich andere Publikumsgruppen abgewendet. Vermutlich also jene Peripherie- und Schönwetter-Zuschauer, die sich nicht wirklich für eine Sportart interessieren, sondern nur für den Unterhaltungswert, den sie abwirft.
Die werden vielleicht für kurze Zeit wiederkommen, wenn Danica Patrick am Steuer eines NASCAR-Autos sitzt. Denn sie wird jene vordergründig interessante Medienaufmerksamkeit auslösen, die sich kurzfristig in eye balls auswirken wird. Aber wenn die Frau genausowenig an Erfolg auf die Beine stellt wie in der Vergangenheit, normalisiert sich das schon bald wieder.
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11. Mai 2007
NASCAR: Was die Leute alles stiefmütterlich behandeln
Man fragt sich oft im Rahmen der Überlegung, welche Themen einen besonderen Stellenwert haben und welche nicht, weshalb die Medienarbeiter-Herde überwiegend in eine Richtung rennt. Es gibt so viele Futtertröge. An jeder Ecke der Weide. Aber einer scheint die schmackhafteste Mischung zu versprechen: der, auf dem "Klatsch und Tratsch" steht. Die Ausscheidungen dieser Fütterungen langen zwar in den Tageszeitungen klassisch in einem engen Getto namens "Vermischtes". Aber die Ausdünstungen schrecken nicht ab. Ganz so wie in dem alten Spruch "Fresst Scheiße, Milliarden von Fliegen können nicht irren." Dieser Blog ist bestimmt nicht fleckenrein. Also, bitte, keine Retourkutschen und Ätsch-bätsch-Kommentare, nur weil ich an dieser Stelle auf eine seltsame Konstellation aufmerksam machen möchte, die zeigt, wohin die Vergelblichung des sportjournalistischen Impetus auf die Dauer führt.
Nehmen wir NASCAR, diese aufstrebende publikumswirksame Automobilrennserie mit Fahrzeugen, die keiner aus 20 Metern unterscheiden könnte, wenn sie nicht bunt beklebt wären. Da hat doch tatsächlich vor kurzem einer der besten Fahrer gesagt, dass die Rennen so manipuliert werden wie Wrestling. Und zwar weil irgendjemand ganz oben Regie führt. Der Vorwurf von Tony Stewart zielte auf den Kern der Glaubwürdigkeit der Veranstaltungen, an denen Leute wie der Kolumbianer Juan Pablo Montoya teilnehmen, die schon mal gerne ihren eigenen Teamgefährten ruppig aus der Bahn drücken. Der Vorwurf gehört untersucht. Und zwar von seriösen Medien wie der New York Times oder Sports Illustrated mit dem Geld und der Zeit für die Recherchen. Aber dann machte Stewart einen Rückzieher, und schon verschwand das Thema vom Radarschirm.
Statt dessen greifen alle den Familienstreit im Hause Earnhardt auf, bei dem es abgesehen von ein paar Eitelkeiten um gar nichts geht. Erstens hat Dale jr. noch nie den Cup gewonnen, der früher Winston hieß und jetzt Nextel genannt wird. Will sagen: Ein klangvoller Name aus der Erbmasse allein sorgt nicht für Prestige und Statur. Zweitens braucht er in seiner Lage nicht zwingend den Mehrheitsbesitz an einem Team (in diesem Fall das seines toten Vaters, auf dem dessen Witwe - seine Stiefmutter - sitzt wie eine Glucke, die nicht begreift, dass all ihr Brüten keine Küken produzieren wird). Denn das Geld verdient man als Fahrer ohnehin ganz anders: mit Werbeverträgen, mit Merchandise-Verkäufen. Die Piloten müssen sogar traditionell ihre Gewinnprämien in den Team-Topf werfen, weil es sonst nicht reicht.
So ist es nur konsequent, dass er geht und die Nummer 8 an seinem Auto zurücklässt. Denn sein wichtigster Partner, die Biermarke Budweiser mit der Brauerei Anheuser-Busch hält ihm die Treue. Aber in den Zeitungen unter beim World Wide Leader of Sports, der Sportnachrichtenmaschine ESPN, ist man schier aus dem Häuschen. Sein Weggang werde quer durch den ganzen NASCAR-See Wellen schlagen, behauptete etwa die New York Times, werde eventuell das Gehaltsgefüge der Fahrer, die Verkäufe von Merchandise-Artikeln und sogar die Einschaltquoten beeinflussen, "ganz zu schweigen vom Kräfteverhältnis zwischen den Teams". So mächtig soll einer sein, der nicht zum Clan der Familie France gehört, die NASCAR von oben nach unten beherrscht? Der nicht dauernd gewinnt, sondern auf Platz 12 der aktuellen Punktewertung steht, während ein Mann wie Jeff Gordon - zugegeben nicht halb so populär - zur gleichen Zeit die Karriereleistung des Vaters relativiert.
Frage: Was trinken Leute bei einem Pressetermin bei Dale jr.? Zuviel Budweiser? Oder atmen sie die Auspuffgase seines Chevrolets ein?

Dale Earnhardt BLVD
Originally uploaded by Jym Ferrier
Foto: flickr.com/creative commons/jymferrier
Nehmen wir NASCAR, diese aufstrebende publikumswirksame Automobilrennserie mit Fahrzeugen, die keiner aus 20 Metern unterscheiden könnte, wenn sie nicht bunt beklebt wären. Da hat doch tatsächlich vor kurzem einer der besten Fahrer gesagt, dass die Rennen so manipuliert werden wie Wrestling. Und zwar weil irgendjemand ganz oben Regie führt. Der Vorwurf von Tony Stewart zielte auf den Kern der Glaubwürdigkeit der Veranstaltungen, an denen Leute wie der Kolumbianer Juan Pablo Montoya teilnehmen, die schon mal gerne ihren eigenen Teamgefährten ruppig aus der Bahn drücken. Der Vorwurf gehört untersucht. Und zwar von seriösen Medien wie der New York Times oder Sports Illustrated mit dem Geld und der Zeit für die Recherchen. Aber dann machte Stewart einen Rückzieher, und schon verschwand das Thema vom Radarschirm.
Statt dessen greifen alle den Familienstreit im Hause Earnhardt auf, bei dem es abgesehen von ein paar Eitelkeiten um gar nichts geht. Erstens hat Dale jr. noch nie den Cup gewonnen, der früher Winston hieß und jetzt Nextel genannt wird. Will sagen: Ein klangvoller Name aus der Erbmasse allein sorgt nicht für Prestige und Statur. Zweitens braucht er in seiner Lage nicht zwingend den Mehrheitsbesitz an einem Team (in diesem Fall das seines toten Vaters, auf dem dessen Witwe - seine Stiefmutter - sitzt wie eine Glucke, die nicht begreift, dass all ihr Brüten keine Küken produzieren wird). Denn das Geld verdient man als Fahrer ohnehin ganz anders: mit Werbeverträgen, mit Merchandise-Verkäufen. Die Piloten müssen sogar traditionell ihre Gewinnprämien in den Team-Topf werfen, weil es sonst nicht reicht.
So ist es nur konsequent, dass er geht und die Nummer 8 an seinem Auto zurücklässt. Denn sein wichtigster Partner, die Biermarke Budweiser mit der Brauerei Anheuser-Busch hält ihm die Treue. Aber in den Zeitungen unter beim World Wide Leader of Sports, der Sportnachrichtenmaschine ESPN, ist man schier aus dem Häuschen. Sein Weggang werde quer durch den ganzen NASCAR-See Wellen schlagen, behauptete etwa die New York Times, werde eventuell das Gehaltsgefüge der Fahrer, die Verkäufe von Merchandise-Artikeln und sogar die Einschaltquoten beeinflussen, "ganz zu schweigen vom Kräfteverhältnis zwischen den Teams". So mächtig soll einer sein, der nicht zum Clan der Familie France gehört, die NASCAR von oben nach unten beherrscht? Der nicht dauernd gewinnt, sondern auf Platz 12 der aktuellen Punktewertung steht, während ein Mann wie Jeff Gordon - zugegeben nicht halb so populär - zur gleichen Zeit die Karriereleistung des Vaters relativiert.
Frage: Was trinken Leute bei einem Pressetermin bei Dale jr.? Zuviel Budweiser? Oder atmen sie die Auspuffgase seines Chevrolets ein?

Dale Earnhardt BLVD
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8. Juli 2007
NASCAR: Am 7.7. Siebter mit Wagen Nummer 07
Kein Witz: Am 7.7.07 wurde die Nummer 07 Siebter bei einem NASCAR-Rennen. Es war das Abendrennen in Daytona - genannt Pepsi 400. Erst recht kein Witz: NASCAR wird demnächst den Hauptsponsor für die Jahreswertung offiziell umtaufen - von Nextel zu Sprint. Der Schritt schien nur eine Frage der Zeit, nachdem Nextel schon eine Weile von Sprint aufgekauft worden war und als Brand vom Planeten verschwindet. Wahrscheinlich kam nun alles zuletzt alles ganz schnell ans Laufen, weil der Rechtsstreit mit Sprint-Konkurrent AT&T um die Werbepartnerschaft eines der Teams in die entscheidende Phase kommt. Da konnte sich das NASCAR-Management nicht leisten, solche konkurrenz- und brandrelevanten Fragen weiterhin so leger zu behandeln wie bisher. Sprint ist endlich mal ein guter Name für einen Pott aus dem Automobilrennbereich. Der Wechsel wird am 1. Januar 2008 vollzogen.
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28. Juni 2009
NASCAR wartet schon auf Danica Patrick
Die Geräusche werden unüberhörbar. Demnach wird Danica Patricks nächstes Auto wohl ein NASCAR-Schlitten sein. Jahrelang gab es zwischen den Open-Wheeler und den Stock-Car-Leuten nur wenig Durchlauf. Was erstaunlich ist, denn die Rennstrecken für beide sind ähnlich. Einer der Hauptgründe: Die amerikanischen Talente, die sich Chancen ausrechneten, zog es meistens gleich zu NASCAR und den dort existierenden regionalen Rennserien. Dort gab es Möglichkeiten, sich einzugewöhnen und nach oben zu arbeiten. Während dessen kam der Nachwuchs für die CART und Indycar-Autos zunehmend aus allen Teilen der Welt – aus Kanada, Brasilien, Frankreich, sogar aus Deutschland. Nachteil: Fahrer aus fremden Ländern hätten es lange Zeit extrem schwer gehabt, im Redneck-Milieu einer sternenbannerfixierten Mischpoke auch nur akzeptiert zu werden. Die Verhältnisse haben sich inzwischen ein bisschen geändert. NASCAR braucht mehr denn je Gesichter, die man verkaufen kann. Die Identitätsfindung über die Logos und die Produkte der Sponsoren reicht nicht mehr.
Der erfolgreichste Wechsler überhaupt ist Tony Stewart. Inzwischen hat sich offensichtlich nach einigen Anfangsschwierigkeiten auch der ehemalige IndyCar- und Formel-1-Mann Juan Pablo Montoya aus Kolumbien etabliert. Ebenso deutlich ist das Interesse an anderen Autoherstellern gestiegen. Kein Wunder. General Motors (hatte einst mit Chevrolet und Pontiac zwei Marken im Rennen) und Chrysler (mit der Marke Dodge) werden sich auf die Dauer sehr beschränken müssen. Das Geld ist einfach nicht mehr vorhanden. Warum nicht Danica Patrick? Die Frau hat sich längst zu einer Werbefigur ersten Ranges hochgetunt. Die muss man niemanden mehr erklären. Ob sie in dem Gedröhne mithalten kann, ist eine andere Frage.
Der erfolgreichste Wechsler überhaupt ist Tony Stewart. Inzwischen hat sich offensichtlich nach einigen Anfangsschwierigkeiten auch der ehemalige IndyCar- und Formel-1-Mann Juan Pablo Montoya aus Kolumbien etabliert. Ebenso deutlich ist das Interesse an anderen Autoherstellern gestiegen. Kein Wunder. General Motors (hatte einst mit Chevrolet und Pontiac zwei Marken im Rennen) und Chrysler (mit der Marke Dodge) werden sich auf die Dauer sehr beschränken müssen. Das Geld ist einfach nicht mehr vorhanden. Warum nicht Danica Patrick? Die Frau hat sich längst zu einer Werbefigur ersten Ranges hochgetunt. Die muss man niemanden mehr erklären. Ob sie in dem Gedröhne mithalten kann, ist eine andere Frage.
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4. März 2007
NASCAR: Sekundenschinden am Simulator
Es wäre alles nur ein Spiel, wenn es nicht so verdammt ernst wäre: Denn die NASCAR-Piloten, die in ihren wenigen freien Minuten zu Hause sitzen und an einem Videospielcomputer sitzen und Rennen fahren, wollen vor allem eines: Herausfinden wie sie da draußen auf der echten Piste noch besser abschneiden können. Man nennt es sim racing und wird betrieben von Nextel-Cup-Fahrern wie Dale Earnhardt Jr., Carl Edwards, Denny Hamlin, Martin Truex Jr., Reed Sorenson, David Gilliland, A. J. Allmendinger und Regan Smith, den die New York Times vor der Saison besuchte und am Steuer seines Simulators fotografierte (Bild rechts). "Das gibt dir fünf extra Trainingsrunden. Dann musst du später nicht mehr herausfinden, wie tief du fahren kannst ... Die Konkurrenz ist so hart, dass diese fünf Runden der Unterschied zwischen einem 35. oder einem 10. Platz in der Qualifikation bedeuten können." Die Apparate kosten tausende von Dollar und bieten Streckensimulation vom Feinsten. Der Fahrer hat einen Schaltknüppel, Gas-, Brems- und Kupplungspedal. Die besten kommen von einer amerikanischen Firma, die Flugsimulatoren herstellt. Die Streckeninformationen stammen aus dem Nascar Racing 2003 Computerspiel. Sie werden mit Programm-Patches auf den letzten Stand gebracht.
15. Oktober 2006
Politwerbung auf NASCAR-Auto
Viele Fotos sagen mehr als tausend Worte. Dieses Foto sagt eigentlich sehr wenig. Vor allem, wenn man nicht weiß, wer Heath Shuler ist (ein ehemaliger NFL-Quarterback). Was congress ist (in diesem Fall jene Kammer des amerikanischen Parlaments, das gemeinhin auch Abgeordnetenhaus genannt wird, die andere ist der Senat). Und um was für ein Fahrzeug es sich hier handelt: ein Rennwagen aus der NASCAR Busch Series, also aus der zweiten Liga der populären amerikanischen Stock Car Welt, deren Termine freitags beziehungsweise samstags live im Fernsehen übertragen werden. Jetzt kommt der eigentliche Clou. Die meisten Fans sind Rednecks, Republikaner oder noch schlimmer. Besonders beliebtes Symbol: die Fahne, mit der die Südstaaten sich im 19. Jahrhundert abspalteten und den Bürgerkrieg provozierten, in dem es unter anderem darum ging, die Sklaverei beizubehalten.Shuler ist Demokrat. Das heißt, er verfügt über eine aufgeklärtere Sicht der Welt. Er tritt in einem Distrikt im westlichen North Carolina an, der Urheimat der NASCAR-Welt. Die Erfolgsaussichten waren bis vor kurzem gering. Aber die vom Irak-Krieg und permanenten Betrugs- und Vertuschungsskandalen gebeutelten Republikaner könnten in diesem Jahr (die Wahlen sind Anfang November) sogar Sitze verlieren, die sie seit 40 Jahren in Erbpacht verwaltet hatten. So stark ist der Gegenwind. Shuler ist zwar als Football-Profi wohlhabend geworden, aber war nie besonders erfolgreich. Die meiste Zeit verbrachte er bei den Washington Redskins.
In Pennsylvania bewirbt sich übrigens noch ein ehemaliger Football-Profi, Lynn Swann, der in den siebziger Jahren zu den überragenden Pipttsburgh Steelers gehörte, als Kandidat der Republikaner um ein wichtiges Amt. Er will Gouverneur werden und den demokratischen Amtsinhaber verdrängen. Umfrageergebnisse besagen, dass daraus nichts werden wird.
31. Juli 2007
Etwas mehr Speed: "The Onion" veräppelt NASCAR
Eigentlich ist The Onion eine Zeitschrift. Ein Satireblatt, das alles und jeden parodiert und dabei so schreibt und formuliert wie ein klassisches Printmedium. Im Internet kann man damit kaum einen Blumentopf gewinnen. Weshalb sich die Köpfe hinter der Zwiebel inzwischen an Videoparodien heranmachen. Die Konkurrenz zu Comedysendungen wie The Daily Show und Saturday Night Live gibt den Machern nur wenig Spielraum, um sich abzuheben. Aber sie versuchen es wenigstens. Hier eine Kostprobe zu NASCAR und seinem geheimnisvollen Erfolgsrezept: Schneller fahren.
Blick zurück: Erster Hinweis auf den kuriosen Zwiebel-Kuchen
31. August 2007
NASCAR: Gibbs und Stewart demnächst mit Toyota?
Die NASCAR-Rennen waren jahrelang reines Insider-Getöse: Amerikanische Autofirmen und amerikanische Sponsorenkämpfen um die Aufmerksamkeit von amerikanischen Zuschauern. Allmählich verschieben sich die Gewichte. Nicht von den tradionellen Zentren in den Redneck-Provinzen im Süden in andere Längen- und Breitengrade, sondern auch im Innern der Blechkarossen. Das Engagement von Toyota in diesem Jahr war ein erstes Indiz, auch wenn es ziemlich unaufällig ablief, weil die Japaner offensichtlich bei der Auswahl der Teams und Fahrer keine gute Hand hatten. Ab dem nächsten Jahr schalten sie aber einen Gang hoch. In der kommenden Mittwoch wird voraussichtlich Joe Gibbs Racing bekannt geben, dass sie auf Toyota umsteigen. Gibbs, das ist jener Football-Coach, der in den achtziger Jahren mit den Washington Redskins dreimal den Super Bowl gewann, dann von Langeweile befallen wurde und 1992 einen Rennstall aufmachte. In den 15 Jahren haben seine Fahrer dreimal den Winston/Nextel-Cup gewonnen. Sein bestes Pferd ist Tony Stewart. Ab der nächsten Saison kommt Kyle Busch dazu.
Joe Gibbs hat inzwischen die Leitung des Teams an seinen Sohn abgegeben und arbeitet wieder als Trainer der Washington Redskins. Mit weniger Erfolg, als er das gewohnt ist. Die tragen ihr erstes Saisonmatch gegen die Miami Dolphins am 9. September aus.
Joe Gibbs hat inzwischen die Leitung des Teams an seinen Sohn abgegeben und arbeitet wieder als Trainer der Washington Redskins. Mit weniger Erfolg, als er das gewohnt ist. Die tragen ihr erstes Saisonmatch gegen die Miami Dolphins am 9. September aus.
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4. März 2007
Montoya zeigt sein wahres Gesicht: "hässliches, dreckiges Fahren"
Juan Pablo Montoya hat in Amerika eine neue PR-Taktik aufgeschnappt: Man entschuldigt sich, wenn man gewinnt. Das wirkt einfühlsam und nett, kostet nichts und ändert nichts am Resultat. Das Resultat ist nämlich alles, was zählt. Und sei es nur in der zweitklassigen Busch-Series und auf einer Strecke in Mexico City, die mehr einem Rundstreckenrennen der Formel 1 ähnelt als dem klassischen Nudeltopf-Gebrause der NASCAR-Welt. Der Kolumbianer konnte so nach zwei mittelmäßigen Fahrten im Wettbewerb um den erstklassigen Nextel-Cup in Daytona und Fontana zum ersten Mal all die Erwartungen erfüllen, die ihn seit seinem Wechsel zurück in die USA nicht nur bei Chip Ganassi begleiten. Wie sein Teamgefährte Scott Pruett auf die Entschuldigung reagieren wird, der von Montoya acht Runden vor Schluss in einer Rechtskurve von hinten aus dem Weg gerempelt wurde, kann man sich ausmalen. Verständnisvoll und konziliant klang er nicht, als er nach dem Rennen erklärte: "Von allen Leuten ausgerechnet deinen Mannschaftskollegen aus dem Rennen zu werfen - das war niederträchtiges, hässliches, dreckiges Fahren."
Es gibt in den NASCAR-Serien keine Schönheitspreise. Geschubst wird selbst bei 300 km/h, was oft eine Reihe von Autos ins Schleudern bringt und zu riesigen Blechlawinen führt. Rüde Fahrer riskieren nicht nur die Rache ihrer Gegner, sondern müssen mit dem Risiko leben, dass man sie beim Windschattenfahren in der Schlange nach Strich und Faden auszumanövrieren versucht. Auf den Ovals im dichten Pulk kommt es allerdings nicht nur auf Risikobereitschaft an. Man muss auch kungeln und koalieren können. Das nächste Rennen, das wirklich zählt, nächsten Sonntag in Las Vegas, wird Montoya einmal mehr seine beschränkten Mittel aufzeigen.
Es gibt in den NASCAR-Serien keine Schönheitspreise. Geschubst wird selbst bei 300 km/h, was oft eine Reihe von Autos ins Schleudern bringt und zu riesigen Blechlawinen führt. Rüde Fahrer riskieren nicht nur die Rache ihrer Gegner, sondern müssen mit dem Risiko leben, dass man sie beim Windschattenfahren in der Schlange nach Strich und Faden auszumanövrieren versucht. Auf den Ovals im dichten Pulk kommt es allerdings nicht nur auf Risikobereitschaft an. Man muss auch kungeln und koalieren können. Das nächste Rennen, das wirklich zählt, nächsten Sonntag in Las Vegas, wird Montoya einmal mehr seine beschränkten Mittel aufzeigen.
25. Juni 2007
Montoya gewinnt sein erstes Rennen von Bedeutung
Wir haben zu vermelden: Juan Pablo Montoya, Kolumbiens Antwort auf Dale Earnhardt sr., hat am Sonntag sein erstes Rennen um den Nextel-Cup gewonnen. Es wurde in Sonoma/Kalifornien auf einer Strecke ausgetragen, die gewisse Ähnlichkeiten mit einer Formel-1-Piste besitzt. Das war jedoch nicht der entscheidende Faktor. NASCAR-Fahrer, die sonst meistens auf Ovals fahren, haben durchaus mehr drauf, als nur links herum brettern. Montoya gewann mit seinem Dodge, weil er die skeptischen Sprit-Kalkulationen seiner Crew nicht eintrafen. Er hatte am Ende mehr Sprit im Tank als gedacht und musst nicht mehr an die Boxen beziehungsweise kam im Ziel an, während einigen Rivalen um die Spitze der Saft ausging. Die Leistung von Montoya, war trotzdem bemerkenswert, weil er kein konservatives Rennen fuhr, sondern kontiniuerlich attackierte und sich dabei durchaus auch mal verbremste. NASCAR-Teams benutzen drei verschiedene Chassis im Laufe einer Saison - neben dem für die Mehr-Kurven-Strecke sind es eins für die kleinen Ovale und eins für die High-Speed-Pisten. Mit anderen Worten: Der Sieg bedeutet erstmal noch gar nichts in der Karriere der Nummer 42. Einmal ist keinmal.
16. Mai 2007
Mal reinhören: NASCAR im deutschsprachigen Radio
11. April 2007
Er kommt einfach nicht in Fahrt: NASCAR-Mann Waltrip schläft am Steuer ein
Kein gutes Jahr wie NASCAR-Fahrer Michael Waltrip: Erst die Geschichte mit der manipulierten Treibstoffzufuhr beim Daytona 500, was zu einem heftigen Punkteabzug führte und zu einer Sperre auf unbefristete Dauer seines Teamchefs. Seit dem ersten Rennen konnte er sich mit seinem Toyota für kein Rennen mehr qualifizieren. Und nun dies: Nachts auf einer öffentlichen Straße in der Nähe seines Hauses in North Carolina brachte er es am Wochenende fertig, seinen dicken Land Cruiser-SUV gegen einen Telefonmasten zu fahren und sich anschließend zu überschlagen. Statt die Polizei zu alarmieren, lief er zu Fuß nach Hause. Was immer ganz gut ist, falls man mal einen über den Durst getrunken hat. Die Ordnungshüter kamen erst Stunden später zu Besuch und gaben ihm nur ein Knöllchen, weil er den Unfall nicht gemeldet hatte. Er sei am Steuer eingeschlafen, erklärte er. Er war mit ein paar Hautabschürfungen davon gekommen.
26. Mai 2007
Sarah, Danica, Milka - es geht um Milch, nicht um Schokolade
Sonntag in Indianapolis auf dem Programm: ein ellenlanges Autorennen, bei dem jede Menge Äthanol verheizt wird und niemand richtig weiß, um was es geht. Sicher. Der Sieger muss am Ende immer eine Flasche Milch köpfen. Und das ist bekanntlich gesund. Aber der Rest ist reine Selbstbefriedigung. Man kann sich das auch einreden, dass ein Fahrer, der noch nie die Indy 500 gewonnen hat, in der Geschichte des Automobilrennsports als Versager gilt. Man kann sich auch einreden, dass es eine besondere Leistung ist, was Robby Gordon schon häufiger getan hat: morgens in Indianapolis fahren, dann ins Flugzeug und anschließend irgendwo im NASCAR-Land noch ein Rennen anhängen. Und man kann auch so tun, als ob das irgendeine Aussagekraft besitzt: dass diesmal drei Frauen im Feld der 33 Teilnehmer an den Start gehen. Denn das gab es bekanntlich auch noch nicht. Aber das zeigt nur, dass man immer wieder neu auf die jeweiligen aktuell PR-gesteuerten Themen hereinfällt (wozu ich mich schuldig bekenne). Die drei Frauen heißen: Sarah Fischer (zum sechsten Mal dabei, bestes Resultat: 21. Platz, Startplatz: 21), Danica Patrick (dritte Teilnahme, zehrt noch immer davon, dass sie beim ersten Start vor zwei Jahren mal kurzfristig in Führung lag, Startplatz: 8) und Milka Duno aus Venezuela, die mit 35 Jahren sehr viel älter ist als die beiden anderen Frauen, aber in Südamerika bereits die flotten Pontiac-Werbespots dreht. Sie fuhr in der Qualifikation einen Wagen zu Schrott, steht aber auf dem 29. Startplatz. Duno ist keineswegs die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt. Sie ist vor allem deshalb interessant, weil von der Benzinmarke Citgo gesponsert wird, die dem venezolanischen Staat gehört, und weil dieser Staat mitsamt seinem Präsidenten Hugo Chavez von der politischen Elite Amerikas dämonisiert wird. Milkas Nachname sprechen die Amerikaner aber aus einem anderen Grunde immer falsch aus: ihre allgemeine Ignoranz gegenüber den Ausspracheregeln von Vokalen in anderen Sprachen lässt einfach nicht zu, dass sie auch nur probieren, es richtig zu machen.
Es gibt übrigens sehr sachkundige Beobachter der 500 Meilen von Indianapolis, die nicht daran glauben wollen, dass es irgendwann mit dieser Art von Rennen zu Ende geht, bei dem alle einen Motorenlieferanten haben (Honda) und einen Chassis-Hersteller (Dallara). Hier sind die Gedanken eines Kommentators auf foxsports.com, die zeigen,
was alles verbessert werden kann/müsste.
Nachtrag: Frauen im Motorsport haben einfach kein Glück. Bei manchen kommt dann aber auch noch Pech dazu. Man denke nur an Fatemah Angela Harkness, die es fertig gebracht hat, einer Bank in Texas eine Millionen Dollar abzuschwatzen, um ihr eigenes NASCAR-Team auf die Beine zu stellen. Die Sache ging nicht mit rechten Dingen zu. Jetzt muss die 31jährige Frau, die mal als Stripperin angefangen hatte, für 40 Monate ins Gefängnis. Den Schuldspruch kassierte sie bereits, aber weil sie dann ins Ausland floh und erst vor wenigen Wochen in Dubai von amerikanischen Strafverfolgern festgenommen wurde, kam die Angelegenheit jetzt wieder hoch und wurde mit der Verkündung des Strafmaßes abgeschlossen (via deadspin)
Es gibt übrigens sehr sachkundige Beobachter der 500 Meilen von Indianapolis, die nicht daran glauben wollen, dass es irgendwann mit dieser Art von Rennen zu Ende geht, bei dem alle einen Motorenlieferanten haben (Honda) und einen Chassis-Hersteller (Dallara). Hier sind die Gedanken eines Kommentators auf foxsports.com, die zeigen,
was alles verbessert werden kann/müsste.Nachtrag: Frauen im Motorsport haben einfach kein Glück. Bei manchen kommt dann aber auch noch Pech dazu. Man denke nur an Fatemah Angela Harkness, die es fertig gebracht hat, einer Bank in Texas eine Millionen Dollar abzuschwatzen, um ihr eigenes NASCAR-Team auf die Beine zu stellen. Die Sache ging nicht mit rechten Dingen zu. Jetzt muss die 31jährige Frau, die mal als Stripperin angefangen hatte, für 40 Monate ins Gefängnis. Den Schuldspruch kassierte sie bereits, aber weil sie dann ins Ausland floh und erst vor wenigen Wochen in Dubai von amerikanischen Strafverfolgern festgenommen wurde, kam die Angelegenheit jetzt wieder hoch und wurde mit der Verkündung des Strafmaßes abgeschlossen (via deadspin)
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9. Dezember 2009
Jetzt offiziell: Danica zieht um
Danica Patrick will das Ganze.... hüstel, hüstel... langsam angehen lassen. Den Wechsel in die NASCAR-Rennwelt. Die laufenden IndyCar-Verpflichtungen lassen nichts anderes zu als einen Einstieg in die Nationwide-Serie. Einen Termin für einen ersten Start gibt es noch nicht. Wieviele Rennen sie bestreiten wird, steht auch noch nicht fest. Dafür aber gibt es ein Auto und – noch viel wichtiger – eine Nummer. Einen Chevrolet mit der Ziffer 7 und dem Sponsoren-Logo von GoDaddy.com, einem Domain-Händler, der seit einiger Zeit ihr Werbepartner ist. Demnächst mehr in diesem Theater.Blick zurück: Publikumsschwund bei NASCAR
Blick zurück: Danicas erster und bisher einziger Rennsieg
27. September 2007
Wenn Dale jr. etwas enthüllt
Braucht jemand ein Synonym-Wörterbuch für den Begriff "devot"? Nicht im amerikanischen Sport. Da ist er - so geradlinig wie die Starrachse eines in Detroit gebauten Autos die Hinterräder verbindet - mit einem Begriff direkt verschweißt: NASCAR-Fans. Wie das kommt? Die lange Geschichte ist wirklich lang. Jahrelang. Die kurze geht so: Als Getränkehersteller Pepsi neulich eine Pressekonferenz veranstaltete, um zu verkünden, dass sie ab der kommenden Saison das Logo ihrer Marke AMP Energy Drink dick und breit auf das Auto von Dale Earnhardt jr. kleben, saßen 277.000 Zuschauer an ihren Fernsehgeräten und verfolgten die Übertragung live auf dem Speed Channel. Weitere 200.000 saßen am Computer und sahen die Veranstaltung über Streaming Video auf nascar.com. Major League Soccer wäre froh, wenn so viele Leute einschalten, um David Beckham spielen zu sehen. Von der National Hockey League, die an diesem Wochenende in London die neue Saison einläutet, gar nicht zu reden. "Das waren fast 500.000 Leute am Morgen irgendeines Wochentages, die bereits wussten, was er sagen wird und trotzdem einschalteten", fasst der FanHouse-Blog von AOL zusammen, wo wir diese Info gefunden haben. Wie langweilig war die Veranstaltung, bei der das Auto mit der Nummer 88 enthüllt wurde (das noch mit einem Co-Sponsor fährt - der Militäreinheit namens National Guard)? Wer zwei Minuten Zeit hat, sollte mal hier klicken.
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1. Juli 2009
Der Klingelbeutel: Wenn man nicht zählen kann
Die Boston Red Sox zeigen einen interessanten Fall von Regelkenntnis. Sie traben in einem Inning gegen die Baltimore Orioles bereits nach zwei Outs vom Feld. Der Fernsehkommentator sagt, so was habe er noch nicht gesehen. Musst du gucken.
• Im Automobilrennsport haben Familien und deren patriarchalischen Strukturen schon immer einen Einfluss auf die Geschäfte gehabt. Man denke an die Familie France und NASCAR auf der Organisatorenseite oder an die Pettys und Earnhardts und Andrettis auf der Fahrerseite. Auf diese Weise wurde dann auch Familienmitglied Tony George in Indianapolis zum Chef in Sachen Speedway. Er spaltete CART, holte NASCAR und die Formel 1 auf die langweilige Rennstrecke (in deren Innenraum sich immerhin Teile eines ganz ordentlichen Golfplatzes befinden) und strickte weiter an dem völlig überkandidelten Anspruch, dass die Stadt der Nabel der PS-Welt sei. Was selten vorkommt (und ein hübsches Echo auf die ganze Mosley-Geschichte in der Formel 1 darstellt): Jetzt wurde George, obwohl jahrelang erfolgreich und noch jung an Jahren aus dem Amt hinausbefördert. Quelle: die Ortszeitung.
• Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der NBA wird wohl ab der kommenden Saison einen Gang zurück schalten. Phil Jackson soll aus gesundheitlichen Gründen die Reisen der Lakers nicht mehr mitmachen. Das sind eine Menge Spiele, denn die NBA hat eine Tabellenrunde mit 82 Begegnungen. Die Andeutungen, die es dazu gibt, haben Spekulationen verursacht, dass man in Los Angeles einen Nachfolger installieren will – und zwar niemand anderen als Coach K, den Mann aus Duke und Trainer der US-Nationalmannschaft, die sich in Peking rehabilitieren konnte. Der Herr mit dem unaussprechlichen Namen verneint. Er gehört nicht mehr zu den Jüngeren und hat finanziell längst ausgesorgt. Allein die Uni zahlt ihm reichlich. Nicht zu reden von seinen anderen Einnahmequellen. In diesem Wikipedia-Eintrag gibt es übrigens eine Unterweisung, wie man seinen Namen auf Polnisch phonetisch korrekt ausspricht. Das hätte man sich für diesen deutschen Wikipedia-Beitrag auch gewünscht und nicht diesen Unfug, er habe einen "komplizierten" Nachnamen.
• Falls es Leser des Blogs noch nicht gemerkt haben sollten: Das Schicksal von Moneyball und dem Versuch, das Buch zu verfilmen, geht uns nach. Über die jüngste Entwicklung hatten wir bereits berichtet. Dieser Nachklapp soll die Sache denn auch nur abrunden. Die Chefproduzentin von Sony erläutert, weshalb sie Regisseur Steven Soderbergh in den Arm gefallen ist und das Projekt gestoppt hat. Der Mann hatte doch tatsächlich versucht, einen kunstvollen Film zu drehen und den Anspruch formuliert, dass der Inhalt mit der Realität übereinstimmt. Nein. Realität im Kino, das geht nun echt zu weit.
• Im Automobilrennsport haben Familien und deren patriarchalischen Strukturen schon immer einen Einfluss auf die Geschäfte gehabt. Man denke an die Familie France und NASCAR auf der Organisatorenseite oder an die Pettys und Earnhardts und Andrettis auf der Fahrerseite. Auf diese Weise wurde dann auch Familienmitglied Tony George in Indianapolis zum Chef in Sachen Speedway. Er spaltete CART, holte NASCAR und die Formel 1 auf die langweilige Rennstrecke (in deren Innenraum sich immerhin Teile eines ganz ordentlichen Golfplatzes befinden) und strickte weiter an dem völlig überkandidelten Anspruch, dass die Stadt der Nabel der PS-Welt sei. Was selten vorkommt (und ein hübsches Echo auf die ganze Mosley-Geschichte in der Formel 1 darstellt): Jetzt wurde George, obwohl jahrelang erfolgreich und noch jung an Jahren aus dem Amt hinausbefördert. Quelle: die Ortszeitung.
• Der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der NBA wird wohl ab der kommenden Saison einen Gang zurück schalten. Phil Jackson soll aus gesundheitlichen Gründen die Reisen der Lakers nicht mehr mitmachen. Das sind eine Menge Spiele, denn die NBA hat eine Tabellenrunde mit 82 Begegnungen. Die Andeutungen, die es dazu gibt, haben Spekulationen verursacht, dass man in Los Angeles einen Nachfolger installieren will – und zwar niemand anderen als Coach K, den Mann aus Duke und Trainer der US-Nationalmannschaft, die sich in Peking rehabilitieren konnte. Der Herr mit dem unaussprechlichen Namen verneint. Er gehört nicht mehr zu den Jüngeren und hat finanziell längst ausgesorgt. Allein die Uni zahlt ihm reichlich. Nicht zu reden von seinen anderen Einnahmequellen. In diesem Wikipedia-Eintrag gibt es übrigens eine Unterweisung, wie man seinen Namen auf Polnisch phonetisch korrekt ausspricht. Das hätte man sich für diesen deutschen Wikipedia-Beitrag auch gewünscht und nicht diesen Unfug, er habe einen "komplizierten" Nachnamen.
• Falls es Leser des Blogs noch nicht gemerkt haben sollten: Das Schicksal von Moneyball und dem Versuch, das Buch zu verfilmen, geht uns nach. Über die jüngste Entwicklung hatten wir bereits berichtet. Dieser Nachklapp soll die Sache denn auch nur abrunden. Die Chefproduzentin von Sony erläutert, weshalb sie Regisseur Steven Soderbergh in den Arm gefallen ist und das Projekt gestoppt hat. Der Mann hatte doch tatsächlich versucht, einen kunstvollen Film zu drehen und den Anspruch formuliert, dass der Inhalt mit der Realität übereinstimmt. Nein. Realität im Kino, das geht nun echt zu weit.
26. November 2006
Neues bei NASCAR
Im Nextel-Cup der NASCAR-Serie werden erstmals seit langem markante Änderungen der Rennwagen umgesetzt. Von oben angeordnet, versteht sich. Und in Schüben, damit sich die Teams an die Neuerungen gewöhnen können. Mit dem Auftauchen von Toyota wurde der Zwang zur Einheitlichkeit noch stärker. Nun wird es wohl Heckspoiler geben und eine leicht modifizierte Silhouette. Der Formel1-Blog hat alles en detail. Besser kann man es nicht zusammenfassen.
21. Dezember 2009
Federer kommt in den USA auf keinen grünen Zweig
Auch der Pool der von der Nachrichtenagentur AP befragten Kunden kann sich einfach nicht vorstellen, dass man Roger Federer zum "Sportler des Jahres" ausrufen sollte, wenn man diese Auszeichung ernst nehmen will. Die Abstimmung ergab, dass man lieber den amerikanischen NASCAR-Fahrer Jimmie Johnson auf den ersten Platz setzt. Das Besondere: ein Automobilrennfahrer wurde im Rahmen dieser Wahl noch nie ausgezeichnet.
Man darf wohl annehmen, dass man früher nicht im Traum darauf gekommen wäre, die Leistung eines Menschen zu würdigen, der stundenlang links herum im Oval herumdüst. Sicher, die Ausdauerleistung eines NASCAR-Piloten über den Verlauf eines stundenlangen Rennens verlangt gewisse körperliche Fitness. Aber sie verlangt beim besten Willen nicht annähernd so viel Geschick und Talent wie die eines Weltklassetennisspielers. Von den besonderen Qualitäten eines Roger Federer gar nicht zu reden. Man darf davon ausgehen, dass hier genauso wie bei Sports Illustrated schlichtweg die nationalistischen Interessen den Ausschlag geben und nicht sportanalytische Intelligenz. Natürlich kann man auch über Johnson eine Menge Gutes sagen, nicht zuletzt, dass er in den letzten vier Jahren den Sprint Cup gewonnen hat, also eindeutig der beste Pilot der Serie ist. Aber bis zu der Chase-Phase hatte er in diesem Jahr ganze drei Rennen gewonnen (von 24). Das sah nun wirklich nicht überragend aus. Wenn Federer so schlecht abschneiden würde, wäre allenfalls Zehnter der Weltrangliste. So streng sind im Tennis die Bräuche.
Man darf wohl annehmen, dass man früher nicht im Traum darauf gekommen wäre, die Leistung eines Menschen zu würdigen, der stundenlang links herum im Oval herumdüst. Sicher, die Ausdauerleistung eines NASCAR-Piloten über den Verlauf eines stundenlangen Rennens verlangt gewisse körperliche Fitness. Aber sie verlangt beim besten Willen nicht annähernd so viel Geschick und Talent wie die eines Weltklassetennisspielers. Von den besonderen Qualitäten eines Roger Federer gar nicht zu reden. Man darf davon ausgehen, dass hier genauso wie bei Sports Illustrated schlichtweg die nationalistischen Interessen den Ausschlag geben und nicht sportanalytische Intelligenz. Natürlich kann man auch über Johnson eine Menge Gutes sagen, nicht zuletzt, dass er in den letzten vier Jahren den Sprint Cup gewonnen hat, also eindeutig der beste Pilot der Serie ist. Aber bis zu der Chase-Phase hatte er in diesem Jahr ganze drei Rennen gewonnen (von 24). Das sah nun wirklich nicht überragend aus. Wenn Federer so schlecht abschneiden würde, wäre allenfalls Zehnter der Weltrangliste. So streng sind im Tennis die Bräuche.
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30. November 2007
Der Klingelbeutel: NFL auf Dänisch
Zwei Mitangeklagte von Michael Vick im Tierquäler-Prozess wissen jetzt, was gefängnistechnisch auf sie zukommt. Der eine bekam 18 Monate, der andere 21. Und das obwohl sie als erste im Verfahren gestanden hatten und der Staatsanwaltschaft helfen wollten, den Quarterback als Hauptübeltäter zu fingern. Vick kann deshalb damit rechnen, dass seine Strafe noch höher ausfällt. Er marschierte bereits vor ein paar Tagen freiwillig in eine Strafanstalt und erhält als Belohnung noch ein getrenntes Verfahren des Staates Virginia an den Hals. Dass der einstige NFL-Star so etwas nicht hat kommen sehen und eine andere Freizeitbeschäftigung finden konnte, bleibt das große Mysterium.
Ein US-Blogger hatte den Mut, die dänische Version der gestrigen Übertragung vom NFL-Top-Spiel Dallas gegen Green Bay anzuschauen und sie zu beschreiben. So verwegen und so bedürftig waren manche, um das Spiel anzuschauen, das in den Vereinigten Staaten unter Ausschluss eines großen Teils der Öffentlichkeit stattfand.
Wenn NASCAR-Manager nach einer Erklärung dafür suchen sollten, wieso der enorme Publikumszuwachs der letzten Jahre abrupt zum Stoppen gekommen ist, sollten sie mal die Motorhaube öffnen und diesen Umstand reparieren: Seit fünf Jahren gewinnt ein Mann die Wahl zum populärsten Fahrer, der nicht die Spur einer Chance auf den Nextel Cup (demnächst Sprint Cup) hat. Was da passiert, nennen wir auf gut Englisch: disconnect. Wie funktioniert das? Dale Earnhardt jr. ist zwar in der Lage, einen Tross von Fans für sich einzunehmen - charmant und gut mit Werbeverträgen ausgestattet, wie er nun mal ist - aber die schalten nicht ein, solange er nicht vorne mitfährt. Die New York Times, die nur selten die Rennserie ausführlich unter die Lupe nimmt, vermerkte vor ein paar Tagen dieses überraschende Resultat: Das letzte Rennen aus Homestead außerhalb von hatte einen jämmerlichen 79. Platz in der Wochentabelle der Einschaltquoten produziert. Für die gesamte Saison meldete Bloomberg News dieses Resultat: Alle außer sieben Rennen von insgesamt 36 haben in der abgelaufenen Saison Zuschauereinbußen hinnehmen müssen. Natürlich könnte sich das ändern, falls Earnhardt in der nächsten Saison mal wirklich vorne mitjagt, und die Basis dafür ist mit seinem Teamwechsel auch gelegt. Aber die Konkurrenz pennt nicht und fährt vermutlich einfach besser Windschatten.
Blick zurück: Welche Themen die NASCAR-Welt in Fahrt bringen
Ein US-Blogger hatte den Mut, die dänische Version der gestrigen Übertragung vom NFL-Top-Spiel Dallas gegen Green Bay anzuschauen und sie zu beschreiben. So verwegen und so bedürftig waren manche, um das Spiel anzuschauen, das in den Vereinigten Staaten unter Ausschluss eines großen Teils der Öffentlichkeit stattfand.
Wenn NASCAR-Manager nach einer Erklärung dafür suchen sollten, wieso der enorme Publikumszuwachs der letzten Jahre abrupt zum Stoppen gekommen ist, sollten sie mal die Motorhaube öffnen und diesen Umstand reparieren: Seit fünf Jahren gewinnt ein Mann die Wahl zum populärsten Fahrer, der nicht die Spur einer Chance auf den Nextel Cup (demnächst Sprint Cup) hat. Was da passiert, nennen wir auf gut Englisch: disconnect. Wie funktioniert das? Dale Earnhardt jr. ist zwar in der Lage, einen Tross von Fans für sich einzunehmen - charmant und gut mit Werbeverträgen ausgestattet, wie er nun mal ist - aber die schalten nicht ein, solange er nicht vorne mitfährt. Die New York Times, die nur selten die Rennserie ausführlich unter die Lupe nimmt, vermerkte vor ein paar Tagen dieses überraschende Resultat: Das letzte Rennen aus Homestead außerhalb von hatte einen jämmerlichen 79. Platz in der Wochentabelle der Einschaltquoten produziert. Für die gesamte Saison meldete Bloomberg News dieses Resultat: Alle außer sieben Rennen von insgesamt 36 haben in der abgelaufenen Saison Zuschauereinbußen hinnehmen müssen. Natürlich könnte sich das ändern, falls Earnhardt in der nächsten Saison mal wirklich vorne mitjagt, und die Basis dafür ist mit seinem Teamwechsel auch gelegt. Aber die Konkurrenz pennt nicht und fährt vermutlich einfach besser Windschatten.
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