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11. Februar 2011

Der Vorhang fällt

Es ist an der Zeit – nach langer Stille – wieder einmal geräuschvoll zu klappern und ein paar Worte zum guten Schluss zu schreiben. Obwohl: viel ist dem, was ich in diesem etwas älteren Eintrag ausgebreitet habe, nicht hinzuzufügen. Außer dass sich inzwischen dieser Punkt ("Ich bin noch immer nicht sicher, was als nächstes anliegt. Und Ungewissheit lähmt.") erledigt hat (Zu dem, was anliegt, steht weiter unten im Text etwas mehr).

Ich danke allen, die sich vier Jahre lang die Mühe gemacht haben, sich hierherzubewegen, zu lesen, zu kommentieren, zu zitieren, zu empfehlen, zu verlinken. Es war eine sehr, sehr gute Erfahrung, nicht nur einfach ständig in den Online-Wald hineinzurufen, sondern auch Echomeldungen zu empfangen. Der Zählerstand: 2010 Einträge (ja wirklich: zweitausendzehn). Kaum zu glauben, aber wahr. Vielleicht waren sogar ein paar Highlights dabei. Oder auch die eine oder andere witzige Überschrift.

Ich habe von dieser Art der täglichen Beschäftigung mit den Ereignissen aus dem Sport profitiert. Ein Beispiel: Nachdem mir Martin Kaymer aus der Ferne bereits in seinem ersten Profijahr aufgefallen war, habe ich ihn beständig verfolgt und ihm schon früh genau das prophezeit, was er wenig später tatächlich erreicht hat. Ohne dieses intensives Interesse hätte ich ihn nie getroffen und in zwei Printgeschichten (für Capital und im letzten Herbst für die Zeit) sowie in einem Radiobeitrag für den Deutschlandfunk porträtiert. Das hätte sich einfach nicht ergeben. So aber haben wir im Laufe der Zeit zweimal zu längeren Gesprächen zusammengesessen. Zuletzt im Oktober auf der Insel Bermuda nach seinem sensationellen Erfolg bei der PGA Championship und dem Sieg der europäischen Mannschaft im Ryder Cup.

Es gab da noch ein anderes Thema, das mich stark beschäftigt hat: der Versuch eines steuerbefreiten Fußballverbandes, eine ganz hervorragende Idee zur Förderung des Amateurfußballs zu killen. Die Hartplatzhelden waren mutig und stark genug, den Weg bis nach Karlsruhe vor den Bundesgerichtshof zu gehen, wo sie exakt das bestätigt bekamen, was ich und andere schon früh deutlich genug skizziert hatten: Der Verband hatte sich etwas herausgenommen, wozu er kein Recht hatte.

Die Hartplatzhelden haben uns dadurch allen geholfen. Nicht nur den Bloggern. Während ich Oliver Fritsch vor allem mit vollbackigem publizistischen Rückenwind zu unterstützen versuchte (verspottet vom Justiziar des fraglichen Verbandes, aber schließlich sogar von der Deutschen Presse-Agentur nach dem denkwürdigen Grundsatzurteil zitiert) war in anderen Fällen (ich rede von den juristischen Tritten des DFB gegen Jens Weinreich und der Abmahnung einer Klamottenfirma an die Adresse von Trainer Baade) auch mal eine kleine Geldspende angesagt. Die Solidarität auf dem kleinen Dienstweg von vielen, die war gut. Und sie half, in beiden Fällen die Übergriffe zu stoppen.

Ich konnte von so weit weg noch eine weitere Initiative unterstützen, die ich für vielversprechend hielt, die aber dann leider wieder eingeschlafen ist: Der Podcast der Fußball-Blogger, der 2009 in einer Münchner Küche aus der Taufe gehoben wurde.

Weil man in diesem Milieu nicht nur Einzeltäter, sondern auch Gruppentier ist, habe ich gerne immer wieder einen Teil der Talente der Sportblogger-Zunft persönlich kennengelernt. Eine Erfahrung, die mich enorm bereichert hat. Es ist gut, in ganz persönlichen Gesprächen herauszufinden, dass diese kleine Pflanze des ganz anderen, persönlichen Schreibens über Sport von vielen guten Händen gepflegt und behutsam groß gezogen wird. Einige stellen irgendwann ihre Bemühungen wieder ein. Andere kehren nach einer Pause wieder zurück. Das ist der Lauf der Dinge.

Ich denke, ich werde – als Solist und ohne Aussicht auf wirtschaftliche Erträge – keinen Sport-Blog mehr betreiben. Das war ein Experiment. Es wäre dumm gewesen, es nicht zu probieren. Aber das Experiment ist vorbei.

Weil ich die Marke American Arena allerdings nicht einfach aufgeben möchte, läuft das nächste Experiment ebenfalls unter diesem Namen. Um was handelt es sich?

Es ist eine komplett andere Baustelle. Wer mehr darüber wissen möchte, der findet eine ausführliche Visitenkarte unter americanarena.net. Einen Blog gibt es auch – als Teil der Strategie, mit der ich mich als hauptberuflicher freier Journalist mit einem ziemlich breiten Themenspektrum in der kommenden Zeit gründlich beschäftigen werde. Es gibt noch keine griffigen Wörter für diese Art der Arbeit. Ich halte mich an ein paar hier in den USA, die es New Media Journalism nennen, und meine damit eine neue Arbeitsleistung im Medienmix, in der man als klassischer Reporter für Print und Radio bei seinen Reisen und Recherchen eine Videokamera mitnimmt und die Resultate zusätzlich zum konventionellen Arbeitsergebnis online bereitstellt. Wir reden nicht von hastig zusammengefummelten, verwackelten Interviews mit der kleinen flip-Kiste, sondern von ansprechenden Filmen, die mit den Ansprüchen mithalten, die man an Fernsehproduktionen stellt.

Manchmal heißt das, dass man bei einem Job wirklich alles alleine bestreitet – wieder so ein Sololauf wie das Bloggen. Man ist Kameramann und Tonmann in einem, führt die Interviews, dreht B-Roll-Szenen und führt das Ganze am Schluss in FinalCut Pro zusammen. Das wird hoffentlich die Ausnahme bleiben. Denn wenn man zu zweit loszieht, sorgt das einfach für viel bessere Resultate. Da ist der Fotograf für die Textstrecke gleichzeitig Kameraperson und nimmt die Bewegtbilder auf), und der Autor nimmt den Ton auf, stellt die Produktion fertig und schreibt das Lesestück für die Printversion.

American Arena
soll in Zukunft als Markenname für diese reichhaltigere und eindrucksintensivere Form des Journalismus stehen. Das zumindest ist der Plan.

Also fällt hier der Vorhang. Macht's gut. Wir sehen uns. Ganz bestimmt. Die Welt ist klein. Ciao und herzlichen Dank fürs Lesen.

P.S.: Die hier archivierten Texte und der gesamte Auftritt (mit der mutmaßlich längsten Tag-Liste der Blog-Welt) werden nicht gelöscht. Schon aus Eigennutz: Ich würde selbst gerne hier vorbeikommen können, um das eine oder andere nachzulesen.

2. November 2009

Trainer Baade: Das Exklusiv-Interview

Am 1. September hat dogfood von allesaussersport ein bisschen Mediengeschichte geschrieben. Und "geschrieben" ist in dem Zusammenhang nicht nur im übertragenen Sinne gemeint. Sein ausführlicher Blogbeitrag mit dem Titel Wie JAKO anderen Leuten das letzte Hemd auszieht bestand aus mehr als 2000 Wörtern und war damit dreimal so lang und dreimal so ausführlich und dezidiert wie ein herkömmlicher Artikel in einer Tageszeitung. Der Text begann so:
"Die Art und Weise wie der Sportartikelhersteller JAKO AG und die Rechtsanwaltskanzlei Horn & Kollegen derzeit gegen den Fußballblogger Trainer Baade vorgehen, stellt für mich einer der Tiefpunkte dar, die ich in meinen 8-9 Jahren Bloggerei und Schreiberei über Blogs erlebt habe. Es ist einer der Momente wo man ein Gefühl der Ohnmacht bekommt."

Heute stehen unter diesem Post mehr als 800 Kommentare. Und von einem Gefühl wie Ohnmacht ist vermutlich nicht mehr die Rede. Denn dogfood trat mit seinen Informationen über die Abmahn- und Abstrafaktivitäten der besagten Firma ein kleineres Lawinenbrett los. Das Thema wurde von mehr als hundert Blogs aufgegriffen, landete kurzfristig bei Twitter in den Top-Tags und erlangte auf diese Weise jenen Stellenwert, den klassische Medien für hinreichend hoch erachteten, um darüber zu berichten. Die Auseinandersetzung "mittelgroße Firma gegen kleinen Blogger", "Rechthaberei gegen gutes Recht" schlug sich innerhalb weniger Tage auf den Seiten des Handelsblatt, der Süddeutschen Zeitung, der taz, auf Spiegel Online und am Ende sogar in einem Hörfunk-Bericht des Bayrischen Rundfunks nieder. JAKO hatte sich den Streisand-Effekt eingehandelt und ruderte denn auch langsam wieder zurück. Wer sich einen Überblick über die Angelegenheit verschaffen möchte: probek.net hat die Links archiviert.

Während sich Blogger und ihre Leser über den Ausstatter des Bundesliga-Clubs Eintracht Frankfurt entrüsteten, bekam Trainer Baade auf seiner Seite sehr viel Besuch. Die Zahl seiner Twitter-Follower stieg rapide. Und das obwohl er mit keinem Wort auf die Angelegenheit einging. Er hatte beschlossen, nicht auch noch Öl ins Feuer zu gießen, wie er sagt, auch wenn er sich im Prinzip gar nichts vorzuwerfen hatte. Den beanstandeten Beitrag hatte er aus dem Netz genommen, als er von der Abmahnung der Firma erfuhr. Dafür, dass ein tschechischer Newsaggregator den alten Text noch immer im Speicher hatte, konnte man ihn nicht verantwortlich machen. Genausowenig wie für das Echo aus dem Netz, das den Abmahnwahn deutscher Unternehmen und Rechtsanwälte mit Grausen erlebt und eine heftigere Tonlage erreicht, je ungerechfertigter und vermessener die Anwaltschreiben klingen.

Trainer Baade ist eine Kunstfigur. Hinter ihr verbirgt sich Frank Baade, der seit ein paar Jahren im Netz schreibt und die besten Fußball-Glossen in Deutschland verfasst. Seine Sprache und sein Humor liegen – leider – nicht jedem. Was hauptsächlich mit dem Milieu der klassischen Sportberichterstattung zu tun hat. Dort wird wenn überhaupt, eher nur nach Gutsherrenart gewitzelt. Selbstironie ist so gut wie unbekannt. Sprachliche Klischees und angebliches Expertenwissen bestimmen das Bild.

Über all das und den Fall JAKO haben Frank Baade und ich uns neulich ausführlich unterhalten – in seinem ersten Interview überhaupt seit dem besagten 1. September. Hier ein Vorgeschmack auf den Mitschnitt des Gesprächs.

Die ausführliche Fassung von rund 30 Minuten Länge gibt es als Teil der neuen und siebten Ausgabe des Ballpodder-Podcasts, eine Gemeinschaftsproduktion einer Gruppe von Fußballbloggern, die seit ein paar Monaten alle zwei Wochen veröffentlicht werden. Hier geht's zum Podcast. Kommentare auch bitte gerne dort bei probek.

6. September 2009

NHL-Blog trotz Erfolg auf der Kippe

Die New York Islanders haben vor einem Jahr ein Experiment probiert: Sie haben den Blog eines ehemaligen Mitarbeiters aus der Presseabteilung finanziert, dem Mann aber inhaltlich freie Hand gelassen. Obwohl das NHL-Team grottenschlecht spielte, war Islanders Point Blank ein Erfolg – mit rund 500.000 Besuchern im Monat hatte kaum jemand gerechnet. Die Islanders, die im Großraum New York im Schatten der Rangers und der Devils spielen, haben nun dem Blogger die wirtschaftliche Unterstützung entzogen. Der sucht zur Zeit nach neuen Finanziers. Das Experiment steht auf der Kippe.

3. September 2009

Der Klingelbeutel: Da kommt nichts nach

Im Leben von Dirk Nowitzki werden seit heute die Karten wieder neu gemischt. Die ehemalige Freundin, die vor kurzem zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, ist nicht schwanger. Er muss kein Kind im Sololauf aufziehen.
Blick zurück: Fünf Jahre Strafe für Crystal Taylor wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen

• In der Auseinandersetzung zwischen der Firma JAKO und Blogger Trainer Baade hat es eine neue Entwicklung gegeben. Nachdem das Unternehmen tagelang ohne jeden öffentlichen Kommentar dabei zuschaute, wie ein Sturm negativer Public Relations in der deutschen Medienlandschaft aufbrauste und den Namen des Sportausrüsters in Verruf brachte, meldete sich Firmengründer und Chef Rudi Sprügel heute mit einer Stellungnahme. Die Kernaussage lautet, dass Sprügel sich dafür einsetzen will, "dass Baade aus dieser Auseinandersetzung 'keine finanziellen Nachteile erwachsen'". Eine Zusage, die so klingt, als verzichte man auf die Abmahngebühren und anderen Forderungen, die in einer zweiten Runde ins Gigantische gewachsen waren.

Der Trainer hat sich zu dem neuesten Stand der Dinge noch nicht geäußert. Bis kurz vor der Verlautbarung von JAKO schienen sich die Verhandlungen zwischen den beiden Seiten um eine Formalie der Verhaltenskultur zu drehen. Danach sollte Baade um seines lieben Friedens willen einen Text in seinen Blog stellen, der dem Unternehmen gute Führung bescheinigt.

Wer in dem enormen Aufkommen an Reaktionen zu dem Fall den Überblick behalten will, sei an allesaussersport verwiesen, wo der Stein ins Rollen kam, als Blog-Betreiber dogfood die Sachlage und die Pressionen auf Baade en detail schilderte. Das wäre schon jetzt aus meiner Sicht der Blogbeitrag des Jahres, wenn es eine solche Abstimmung noch mal geben sollte. Ebenso hilfreich ist die Arbeit von probek, der die aktualisierte Liste der Blogbeiträge und Zeitungsveröffentlichungen pflegt. Zu den Alpha-Medien, die das Thema aufgegriffen haben, gehören die Süddeutsche Zeitung, die taz, das Handelsblatt und SpOn.

Noch eine Anmerkung zur Medienkompetenz von JAKO-Meister Sprügel und der Süddeutschen Zeitung: Beide scheinen zu glauben, dass es sich beim Blogger um einen Fußballtrainer handelt. Und nicht um die Kunstfigur eines Autors, der die besten Fußball-Glossen in ganz Deutschland schreibt. Vielleicht liegt das auch daran, das seine Webseite gestern zwischendurch aufgrund exorbitanten Leserinteresses nicht zu erreichen war. Inzwischen kann man ihn wieder im Original lesen (minus den gelöschten JAKO-Beitrag). Viele von denen, die nicht durchkamen, trugen sich offensichtlich als Follower seiner Tweats bei Twitter ein. Diese Zahl wuchs um ein paar hundert. Die alle warten geduldig auf ein Wort. Darunter befinden sich übrigens nicht nur neue Fans, sondern auch neugierige Anwalts- und PR-Kanzleien.

2. September 2009

Trainer und Twitter

Bei den US Open im Tennis werden die Spieler von offizieller Seite davor gewarnt, nicht zuviel zu twittern. Angeblicher Grund: Die Gefahr, dass sie auf diesem Weg Informationen ins Netz hinausposaunen, die von Zockern, die auf den Ausgang von Tennisspielen Geld setzen, ausgewertet werden können. Andy Roddick war nicht zufrieden. Das sei "lahm", sagte er.

Stichwort Twitter: Die Resonanz auf die Veröffentlichung von allesaussersport in der Angelegenheit JAKO vs. Trainer Baade ist beeindruckend. Nicht nur, was die Quantität angeht. Nachdem der Twitter-Traffic dem Sportartikler aus dem Schwäbischen den ersten Platz der Rangliste bescherte und tonnenweise Empörung dazu und Blogger zahlreiche Beiträge schrieben, gingen auch erste Profi-Medien auf das Thema ein. SpOn und Handelsblatt beschäftigten sich ausführlich und sachlich vor allem mit einer Dimension der Geschichte: Der fehlenden Medienkompetenz auf Seiten des Unternehmens, das bis zur Stunde noch keine offizielle Stellungnahme formuliert hat.

Was durchschimmert: Es scheint eine Einigung zwischen beiden Seiten in Sicht. Zu einem weitergehenden Aspekt des aktuellen Falles – dem Abmahn-Wahn und seinen Risiken für den Meinungsstreit – habe ich bei CARTA einen Beitrag gepostet. In dem Text findet sich auch ein Querverweis zu einem Post von Jens Weinreich auf seinem Blog. Er hat dort eine Abrechnung der Spendenaktion vorgelegt, die ihm half, sich gegen den Feldzug des DFB zu wehren. Die wichtigste Zahl: 17.000 Euro. Soviel kosteten nur die Anwälte im Streit mit jemandem, der larmoyant von sich behauptet hatte, er sei kein Prozesshansel. Weinreich, der obendrein Zeit- und Verdienstausfall hatte, aber dafür nicht in die Spendenkasse griff, will den Überschuss an eine neue Organisation freiberuflicher Journalisten weitergeben – an die Freischreiber. Die Berufsgruppe, die von den existierenden Standesorganisationen nicht hinreichend unterstützt wird, kann jeden Support gut gebrauchen.

Die aktuelle Übersicht über das Echo in Sachen JAKO vs. Trainer Baade findet man übrigens bei probek, der vor kurzem ein informelles Netzwerk von deutschen Sportbloggern angeschoben hatte.

5. August 2009

Der Klingelbeutel: Listen und Pläne

Die Liste der NBA-Spiele, die in der kommenden Saison amerikaweit übertragen werden, kam in dieser Woche heraus. Sie zeigt ein wunderliches Bild vom Stellenwert einzelner Clubs. So tauchen die Houston Rockets bei den mehr als 70 Sendeterminen (meistens zwei Spiele pro Abend) gar nicht auf dem Plan auf. Die Phoenix Suns, obwohl zuletzt deutlich schwächer und nicht mal in den Playoffs im letzten Frühjahr, scheinen die Darlings des Planungsstabes zu sein. Die Dallas Mavericks sind gut vertreten mit Übertragungen von Begegnungen mit (unter anderem) den Los Angeles Lakers, San Antonio Spurs, New Orleans Hornets und Boston Celtics.

• Das Blog-Ranking bei wikio produziert im Monatstakt auch im Themensektor Sport eine Rangliste. Wie es funktioniert und wer dabei am besten abschneidet, erfährt man hier. Um's nicht zu spannend zu machen: Jens Weinreich, allesaussersport und Trainer Baade stehen ganz oben.

• Ein Mann, der Adolf Hitler als einen "großartigen Führer" lobt, kann in den USA durchaus noch Karriere machen. Auch in der Politik. Und erst recht im Fall von Lou Holtz, dem ehemaligen College-Football-Trainer und mittlerweile Fernsehkommentator. Der denkt laut über eine Kandidatur für den amerikanischen Kongress nach. Seine Partei: die Republikaner, die in diesen Tagen die politischen Bemühungen von Präsident Obama und des Kongresses in Washington abwechselnd als Weg in den Sozialismus und dann wieder in den Faschismus bezeichnen und deren politischen Freunde Horden von übergewichtigen Menschen bezahlen, um in öffentlichen Veranstaltungen von demokratischen Abgeordneten zum Thema Gesundheitsreform die Redner niederzubrüllen.
The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Master Rebators - The Crank Cycle
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political HumorSpinal Tap Performance

Holtz passt in diese Landschaft vermutlich sehr gut hinein. Mehr über das Urgestein, dessen Ruhm mit Erfolgen bei der Universität Notre Dame verknüpft ist, in diesem Film:

15. Juni 2009

Der Klingelbeutel: Tote fahren länger

Vielleicht könnte das überall passieren, aber geschehen ist es in Mexiko, wo es eine separate NASCAR-Serie gibt. Da wurde der im Rennen führende Carlos Pardo auf der letzten Runde von hinten gerammt, der Wagen bei 190 km/h in eine Begrenzung geschleudert und so schwer zertrümmert, dass der Mann am Steuer 45 Minuten später an den Verletzungen starb. Er wurde trotzdem zum Sieger erklärt.

...ein Blogger, der sich vom Imperium NBC inhalieren lässt, verspricht auch weiterhin Unabhängigkeit und rattenscharfe Infos. Man wird sehen, ob ProFootballTalk das auch wirklich hinbekommt. Denn bekanntlich ist NBC einer der Finanziers der NFL und zeichnet sich hauptsächlich durch eine interessenidentische Cheerleader-Haltung aus (via The Big Lead).

...die Zeitung mit der Nase für das Thema war die New York Times. Unsereins hängt sich da nur dran. Allerdings freut man sich, wenn man mit Nachklappern immer noch vor den anderen Krach schlägt. So früh, dass ich heute morgen auf der Straße in New York dem aus Kalabrien stammende Hausbesitzer von schräg gegenüber von Guiseppe Rossi aus New Jersey erzählen konnte. Rechtzeitig vor dem Spiel Italien gegen USA und rechtzeitig vor dem ersten großen Auftritt dieses jungen Signore Rossi, der nach einem Bericht der FAZ "Weltmeister Italien gegen zehn Amerikaner vor einem Fehlstart beim Confederations Cup bewahrt" hat. Die Mannschaft gewann mit 3:1. Ob die Amerikaner gewonnen hätten, wenn der geborene Amerikaner Rossi für sie gespielt hätte, werden wir nie erfahren. Aber vielleicht gibt es mal irgendwann Computerspiele, mit denen man solche Unwägbarkeiten abwägen kann.

...ein Hinweis in eigener Sache. Der abschließende Bericht zum Meisterschaftserfolg der Los Angeles Lakers ist hier erschienen und steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Was die Printausgabe nicht bieten kann, sind Kommentare unter den Artikeln. Ich möchte aus gegebenem Anlass aber mal auch auf den Kommentar unter diesem Artikel hinweisen. Sehr lesenswert, weil voller guter Informationen. Davon wünscht man sich als Autor noch sehr viel mehr.

11. Juni 2009

Die Hügel der Maulwürfe sind unübersehbar

Setzen Sportblogs in den USA jetzt schon die Themen? Vielleicht noch nicht oft. Aber man wird den Verdacht nicht los, dass wir bald so weit sein werden. Zumindest wenn man sich anschaut, wie und auf welche Weise eine Generalverdachtsgeschichte zum Thema Doping in Philadelphia hochgespült wurde. Der Sportler, um den es geht, ist Baseballprofi Raul Ibanez von den Philadelphia Phillies, dessen Leistungswerte auffällig besser geworden sind – im stolzen Alter von 37 Jahren. Das wurde im Blog Midwestsportsfans thematisiert und nahm von dort aus ziemlich schnell Fahrt auf. Beim Philadelphia Inquirer, der alteingesessenen Tageszeitung, spitzte man die Sache zu, ließ Ibanez zu Wort kommen und watschte den Blogger ab. Von dort aus wanderte die Geschichte in die Fernsehsendung Outside The Lines bei ESPN, wo man sich anstrengt, kritische Gedanken zum Sport aufzugreifen.

Natürlich dient die Ereigniskette in erster Linie einem politischen Zweck: Die etablierten Medien zeigen den nachwachsenden jungen Medien bei einer solchen Gelegenheit gerne, dass sie das Verantwortungsbewusstsein in Person sind und weit davon entfernt wären, Gerüchte welcher Art auch immer in die Welt zu streuen. Aber mal abgesehen davon, dass die Etablierten viel und lange schlafen, wenn es um kritische Berichterstattung geht und darüberhinaus ebenso gerne Gerüchte fabrizieren, gibt einem diese Auseinandersetzung das Gefühl, dass sich die tektonischen Platten verschieben. Niemand wäre gezwungen gewesen, das Thema überhaupt zu vertiefen oder aufzuwerten. Aber in diesen Tagen, in denen Zeitungen schließen oder Stellen abbauen, kann man sich offensichtlich nicht mehr leisten, heiße Eisen nach Wunsch zu ignorieren. Denn so viel steht fest: Die Frage, ob Ibanez gedopt ist und ob die Tests in der Baseball-Liga wirklich viel bringen, ist legitim.

5. Juni 2009

Podcast-Projekt in der Diskussion

Bei den deutschen Fußballbloggern tut sich was. Alles nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stärker" entsteht gerade unter der Federführung von probek ein Podcast-Projekt, für das sich im Handumdrehen eine ganze Reihe von Mitwirkenden aus allen Teilen der Republik gemeldet haben. Die technische und organisatorische Herausforderung ist beachtlich, auch wenn sich heutzutage Magazinformate mit vielen Beteiligten über beachtliche Entfernungen hinweg einfacher umsetzen lassen als je zuvor. Die Idee klingt jedoch vielversprechend. Nicht nur wegen des spürbaren Enthusiasmus, sondern auch weil die jüngsten Nachrichten aus der Nischenelt der deutschen Sportbloggerei zeigen, dass abseits der klassischen Outlets mit ihren sehr viel größerem Publikum nicht nur Medienkompetenz heranreift, sondern dass der ganz langsam erwachende Sinn für Zusammenarbeit einen Sprung von der Quantität zur Qualität bedeuten kann. So hatte probek in den Wochen zuvor eine Diskussion über einen nicht näher definierten Zusammenschluss von Bloggern angeschoben, bei dem solche Fragen wie Rechtsschutz und gegenseitige Solidarität im Vordergrund standen.

Von hier aus wird es immer mal wieder die eine oder andere Wasserstandsmeldung geben.

16. Mai 2009

Gestrichen

Hier stand ein paar Stunden lang ein Text, der das Thema Abmahnung streift. Den habe ich aus Takt- und taktischen Gründen wieder entfernt. Mehr dazu, wenn es wirklich mehr zu berichten gibt.

22. April 2009

Karriereweg: Blogger

Nachdem die Bloggerei jahrelang von den Kollegen in den etablierten Medien als irrelevant heruntergespielt wurde und in dem einen oder anderen Fall sogar die Zahlen über den Leserzuspruch falsch und viel zu niedrig angegeben wurden, spürt man jetzt den Umkehrtrend. Bloggen wird von Leuten in den Elfenbeintürmen zum lukrativem Berufsbild ausgerufen. Und natürlich entspricht auch das nicht der Realität. Der Mangel an Präzision in der Bewertung der Entwcklung betrifft noch nicht mal die Tatsache, dass der Blogosphäre gerne neue Informationsdienstleister zugeordnet werden, die lupenrein betrachtet dort gar nicht hingehören. So wie etwa die außerordentlich populäre Huffington Post, wo man sich an den Nachrichtenfluss der klassischen Produzenten anhängt, oder wie Talking Points Memo, wo scharfsinniger News-Journalismus mit vielen eigenen Recherchen angeboten wird und man den Aktualitätsanspruch von Nachrichtenagenturen mit dem Schreibstil und dem Themenesprit der Politmagazine kombiniert. Es geht auch diesmal wieder um Zahlen. Genauer: um die Einkommenssituation. Wieder haben sie nichts mit der Wirklichkeit zu tun, wie innerhalb kurzer Zeit gleich an mehreren Stellen als Reaktion auf diesen Artikel im Wall Street Journal angemerkt wurde. Es scheint so, als ob die Systematik des Denkens bei Themen, die etwas schwieriger zu recherchieren sind, nicht weiter reicht als irgendwelche Kennziffern aufzutreiben und von ihnen gewagte Schlussfolgerungen abzuleiten.

18. April 2009

Auf dem College gewesen. Nicht viel gelernt

Eines der herberen Schimpfworte in einer ernsthaften Diskussion mit einem feinfühligen Amerikaner lautet, man sei "condescending". Das lässt sich ganz gut mit "herablassend" übersetzen. Was nach meinem Gefühl etwas schwerer wiegt als "arrogant". Natürlich ist das mit der condescension eine Frage des Blickwinkels. Als dummer Mensch lässt man sich nicht gerne von seinem Gegenüber in einem Gespräch sagen, dass der eigene Mangel an Bildung das Niveau der Auseinandersetzung nach unten zieht. Der Vorwurf der Herablassung hat hauptsächlich die Funktion, dem besser argumentierenden Gegenüber nicht recht geben zu wollen. Die klassische Formulierung, mit der solche Debatten zu Ende gehen, lautet: "Everybody is entitled to his opinion". Ja, auch der Dumme darf eine Meinung haben.

Unter dieser Überschrift lässt sich dann besser ertragen, was ein – studierter – Footballspieler aus den USA zur Zeit über seine Erfahrungen in Österreich zum Besten gibt. Nein. Er kann die Sprache der Einheimischen nicht. Nein. Das stört ihn nicht. Nein. Er kennt die Gebräuche in der örtlichen Sauna nicht. Aber das reicht, um sich darüber lustig zu machen. Nein. Er versteht nicht die Feinheiten einer politischen Kultur, in der auch ein amerikanischer Politiker wie Barack Obama eine Symbolfigur werden kann. Aber das macht nichts. Denn die Leser seines Blogs und die von Deadspin (wo man nicht mal den Namen der fraglichen österreichischen Stadt richtig schreiben kann) werden das einfach nur lustig finden.

Frage: Was ist eigentlich schlimmer – die Herablassung der Dummen? Oder die der Intelligenten?

22. März 2009

Geht auf die Galle

Kai Pahl von allesaussersport, der unter dem Namen dogfood bloggt, hat notgedrungen seinen Laden schließen müssen, weil ihm die Ärzte dringend eine Operation an der Galle nahegelegt haben. Von den Untersuchungen im Krankenhaus hat er noch fleißig Twitter-Meldungen abgesetzt. Die bislang letzte von gestern lautete: "In den nächsten Minuten geht es unters Messer. Good-Bye Samstag, Gold-bye Galle." Nun warten wir auf die nächste – hoffentlich gute – Nachricht. Und das nicht nur, weil damit die Aussicht auf eine schnelle Gesundung verbunden ist. Wenn Kai nicht bloggt, fehlt im deutschen Medienwald eine wichtige Stimme. Das betrifft zuerst einmal die pure Qualität seiner Arbeit, aber ebenso die enormen Quantitäten, die er fast täglich bewältigt. So wickelte er zuletzt ein riesiges Pensum zum College-Basketball ab, für das sich in Deutschland eine erstaunliche Menge an Sportkonsumenten interessieren.

Eine solche Leistung nötigt mir jedes Mal sehr viel Bewunderung ab, weil ich abschätzen kann, wieviel Wissen und Energie man braucht, um so etwas auf die Beine zu stellen. In der Kommentarspalte von allesaussersport hat sich aber zuletzt eine Diskussion entwickelt, die den Eindruck erzeugt, dass selbst intensive Leser des Blogs kaum zu schätzen wissen, was ihnen da mit steter Regelmäßigkeit serviert wird. Kostenlos serviert wird, wohlgemerkt. Da wurden lautstark und in einem seltsam kessen Ton Bemühungen von anderen Informationsdienstleistern schlecht gemacht, nur weil sie womöglich eines Tages durch ihre Arbeit ein bisschen Geld verdienen könnten.

Das Internet verdirbt demnach nicht nur die Preise, sondern womöglich auch die Sitten. Der Anspruch, den eine lautstarke Gruppe von Konsumenten vor sich her trägt: dass sie nur lupenreine Idealisten unterstützen wollen. Der Rest wird als "kommerziell" eingestuft und geschmäht.

Mich erinnert diese Haltung an Debatten aus der Zeit, als die ersten Stadtillustrierten aufkamen und einigermaßen Auflagen erzielten. Es ist die elende Diskussion aus dem Umfeld der taz, deren Mitarbeiter sich für die gute Sache jahrelang extrem selbst ausgebeutet haben. Damals wurde von den Lesern am Ende zwar dann doch der jeweilige Copy-Preis bezahlt (was blieb den Usern auch anders übrig, wenn sie die Infos haben wollten?). Aber das Gegrummel über Anzeigenpreise und angebliche und tatsächliche Profite war nicht zu überhören. Und die Leute, die mit viel Engagement und so manchem Risiko die Blätter auf die Beine gestellt hatten und Arbeitsplätze für junge Journalisten und andere Kreative schufen, befanden sich in einem ständigen Rechtfertigungsnotstand. Man nahm ihnen übel, dass sie mit ihren Projekten Geld verdienen wollten.

Die Crux an der Sache ist gar nicht mal, dass es Menschen mit hohen Ansprüchen an den Rest der Welt gibt (hoffentlich lösen sie den auch immer ein, wenn sie selbst an der Reihe sind). Sondern dass da viel zu vieles durcheinander geht. So gehört zu den beliebten unterschwelligen Schmähworten der Begriff des "Geschäftsmodells". Das klingt gut, führt aber im Fall der Medien auf eine völlig falsche Fährte. Medien sind nicht von ungefähr Teil des Grundrechtskonzepts in der Verfassung und werden nicht von ungefähr in eigenen Gesetzen (Pressegesetze, Telemediengesetz, nicht zu vergessen das Urheberrecht) besonders definiert und gesellschaftlich eingeordnet. Sie sind nämlich zuerst einmal überhaupt kein Geschäft, weil Information (und Meinung), genauso wie Wasser und Luft, zu den unerlässlichen Lebensmitteln gehört. Wer an der Arbeit der Medien zuerst einmal nur den wirtschaftlichen Aspekt sieht und nicht deren Aufgabe und Rolle im gesellschaftlichen Kräftespiel, ist ganz bestimmt kein Idealist, sondern entweder ein rettungsloser Zyniker oder ein Wirrkopf.

Kai Pahl, der für seine imposante Bloggerarbeit keinen Pfennig bekommt, war übrigens angesichts des Niveaus der Kommentare zu diesem Thema reichlich ungehalten, was nicht nur an dem Zustand seiner Galle gelegen haben kann. Er deutete an, dass er angesichts solcher Meinungen in einer Situation, in dem womöglich er selbst wegen der von ihm publizierten Informationen oder Ansichten von Machtkartell-Typen aus Verbänden oder Industrie juristisch unter Druck käme, seinen Blog einfach schließen würde. In den nächsten Tagen haben seine Leser Zeit, sich schon mal auszumalen, was ihnen fehlt, wenn es allesaussersport nicht mehr gibt.

16. Januar 2009

Vorsätze

Viele Leute nehmen sich in der Silvesternacht viel vor und stellen wenig später fest, dass die guten Vorsätze nie mehr waren als das. Ich habe mir trotzdem diesmal so einiges vorgenommen. Und das betrifft nicht die Klassiker: Ich rauche seit 20 Jahren nicht mehr. Abgewöhnen nicht nötig. Ich trinke Alkohol in Maßen. Und ernsthafte Gewichtsprobleme habe ich nicht.

Auch wenn man irgendwann feststellt, dass man sich zuviel vorgenommen hat, sollte sich in diesem Fall das eine oder andere tatsächlich umsetzen lassen. In meinen Plänen geht es vor allem um Dinge aus meinen unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Da haben sich im Laufe der Zeit einige Sachen angehäuft – entweder als Idee, als Wunschvorstellung oder als halbwegs konkretes Projekt. Wenn man solche Stapel nicht irgendwann abträgt, bleibt man der Gefangener seiner eigenen Carrera-Bahn. Dort mag man zwar auf Touren kommen, aber fährt immer nur auf einer Schiene und nur im Kreis.

Jetzt und hier über ungelegte Eier zu reden, macht allerdings auch keinen Sinn. Die Zeit dafür wird kommen. Nur soviel für alle, die sich vielleicht gefragt haben, weshalb hier in den letzten Tagen absolut gar nichts los war: Der wichtigste Programmpunkt zur Zeit ist ein Buchprojekt, das mich zeitweilig fast komplett absorbiert hat. Und das nicht nur weil man 200 Seiten nicht einfach aus dem Ärmel schütteln kann. Zur Veröffentlichung soll ein Video entstehen, das erst in Ansätzen fertig ist. Termin? In zwei Monaten.

Nebenbei müssen immer auch aktuelle Geschichten geschrieben und produziert und neue Themen vorbereitet und umgesetzt werden. Die Jahreswende brachte überdies das zweifelhafte Vergnügen mit sich, mal wieder eine völlig neue Software lernen zu müssen/wollen. Es handelt sich um Logic Studio, das exzellente Programm von Apple für Musiker, Komponisten und Produzenten, denen die kleinen Schuhe von Garageband nicht mehr passen. Die ersten Resultate sind ermutigend. Besonders, was die Klangqualität der einzelnen Instrumente angeht. Wenn man im Rahmen der Blogger-Software Tondokumente einstrippen könnte, würde ich durchaus mal ein paar Hörbeispiele anbieten. Aber das geht nicht (es sei denn man inszeniert die Musik als Video. Videos kann man hier auch ohne den Umweg über YouTube hochladen, aber dann muss man auch noch an der Optik basteln, und das nur wegen der Musik, au weia, wie anstrengend.)

Womit wir bei dem Dauerlutscher dieses Blogs und den hier eingebauten Problemen sind: Die Migration zu Wordpress und einer neuen Domain ist einfach unausweichlich. Das ist fest vorgenommen für das kommende Jahr. Und diesmal wird es auch gemacht. Versprochen.

16. Dezember 2008

Schlechte Zeiten – gute Zeiten

Ich nehme an, dass hier eine Reihe von Lesern vorbeikommen, die sich durchaus für die Entwicklungen der Bloggerei interessieren. Und vor allem über das Potenzial dieser neuen Form einer irgendwie unstrukturierten, aber dennoch unablässigen Mitteilsamkeit. In den USA sind das inzwischen Millionen. Von denen sitzen hunderttausende an ihren Computern und schreiben. Der Rest sitzt an Computern und liest und fügt Kommentare hinzu.

Ja, Millionen. Wenn man die Bloggerei nur aus dem Blickwinkel der deutschen Medienentwicklungen betrachtet, erhält man hingegen ein ganz anderes Bild. Da kann man bestenfalls von Zehntausenden reden. Irgendetwas an der deutschen Mitteilsamkeit (die sich an und für sich von der amerikanischen überhaupt nicht unterscheidet) produziert das Milieu des kleinen Kreises. Was ist damit gemeint? Das sind zuallererst Salonmedien, in denen Menschen mit inhaltlichen Ansprüchen etwas inszenieren, in dem sich nur ein gewisser, gehobener Ausschnitt des Publikums mit seinen Interessen widergespiegelt sieht. Dagegen spricht ganz und gar nichts. Das Kommunizieren im kleinen Kreis hat sogar seine Qualitäten. Es sind schließlich Gehversuche. Und die werden nur Leuten gelingen, die einen Sinn für mediale Hin und Her haben. Aber auf große Klickraten kommt man auf diese Weise nicht.

Das Phänomen erinnert einen an unterschiedliche Phasen in der Nachkriegszeit. An die mageren Jahre bemühter (west)deutscher Schriftstellerei in den Siebzigern und Achtzigern, die von den zwangskasernierten Autoren in der DDR qualitativ um Längen leicht und locker geschlagen wurde. Und an die irrsinnige Blüten treibende Zeit des deutschen Autorenfilms, der damals von Fernsehgeldern und Steuersubventionen getragen wurde und Filme entstehen ließ, die auf dem Papier und in den entscheidenden Gremien Wirkung entfalteten. An der Kinokasse waren mehr als 90 Prozent lupenreine Flops. Es kursierte damals die Geschichte von einem Film (dessen Titel mit beim besten Willen nicht mehr einfällt), der nach weniger als einer Woche und keinen hundert Zuschauern total für immer aus der Distribution verschwand. Viele dieser Arbeiten waren einfach nur bemüht, wenn nicht sogar regelrecht schlecht und sorgten dafür, dass sich irgendwann der einflussreiche Kritiker der Zeit, Hans-Christoph Blumenberg, nachdem er sich das Treiben lange mit sehr viel Wohlwollen angeschaut hatte, an die Schreibmaschine setzte und die längst fällige Abrechnung zusammentippte. (Blumenberg wurde später selber Regisseur und gehört heute zu den besten im Land. Damals wurde er von vielen Subventionskünstlern verrissen). Zehn Jahre waren da bereits ins Land gezogen. Zehn verlorene Jahre.

Bücher und Filme kann man mit der Bloggerei auf der fundamentalen Ebene überhaupt nicht vergleichen. Man braucht keine Finanziers, man hat keine technischen Herstellungskosten und und muss sich nicht durch die klassischen Vertriebswege plagen. Aber auf einer anderen Ebene sind die drei Medienkonstellationen durchaus miteinander zu vergleichen. Ohne ein zahlenmäßig nennenswertes Publikum können sie sich nicht durchsetzen. Nicht im Buchmarkt, nicht in den Kinos. Und nicht im Internet.

Das ist besonders in diesen Tagen von Belang. Denn die massive wirtschaftliche Flaute bietet vielen low-cost-Produzenten enorme Chancen auf exakt diesem Markt. Nehmen wir New York. Klar, Wall Street entlässt hochbezahlte Leute. Die Auswirkungen von dort auf andere Branchen sind deutlich zu spüren. Die Autobranche leidet auch. Shops mit teuren Klamotten machen zu. Aber meine Pizzeria um die Ecke in New York meldet mehr Kundschaft. Wal-Mart, der billige Jakob mit dem Schund aus China, hat Umsatzzuwächse in einer Größenordnung von zehn Prozent. Merke: Wenn die Zeiten schlecht sind, substituieren Verbraucher und weichen auf preiswertere Anbieter von Waren und Dienstleistungen aus. Ich wette, Aldi, die bereit smit tausend Filialen im Land sind, und die ebenfalls Aldi gehörende qualitativ darüber angesiedelte Kette Trader Joe, haben Expansionspläne. Sie bieten die Preise, die Leute zu zahlen bereit sind. Und die Qualität ist in den meisten Fällen durchaus akzeptabel.

Zurück zu diesem Thema: Blogger sind die kostengünstigsten Informations- und Meinungslieferanten im Medien-Mix. Und als Konsequenz sicher auch die preiswertesten im Anzeigen/Werbegeschäft. Und so profitieren sie in den USA tatsächlich in einem kleinen, aber auffälligen Rahmen von der Krise (während die Riesenverlage Leute entlassen müssen, weil die Anzeigenumsätze einbrechen und aufgrund der krassen Sparmaßnahmen zunehmend schwächere Produkte herstellen). Man kann davon ausgehen, dass sich dieses Phänomen auch in Deutschland zeigen wird. Dass Werbeagenturen anfangen werden, ihre Kunden auf neue und preiswertere Wege einzunorden, um die Botschaften und Slogans unters Volk zu streuen.

Natürlich passieren solche Umwälzungen nicht von heute auf morgen und bedeuten, dass sich Blogger der Werbewirtschaft öffnen müssen (genauso wie die Werbewirtschaft begreifen muss, dass sie über Blogs ein intelligentes, neugieriges Publikum erreichen kann, dass die für das gleiche Geld nirgendwo sonst antreffen wird). Aber ich dachte, so kurz vor Weihnachten, wäre es schon mal ganz gut, etwas Optimistisches zu verbreiten.

22. November 2008

Rosen in Dosen

Ein bisschen Feedback aus besonderem Anlass: Der Text vom vergangenen Wochenende mit dem Titel Wenn Vasen wackeln hat etwas weitere Kreise gezogen, als das gewöhnlich mit American Arena-Beiträgen passiert. Das lag sicher nicht nur am hochbrisanten Hintergrund dieser Betrachtung, dem Disput zwischen dem Deutschen Fußballbund und dem Journalisten Jens Weinreich, der mittlerweile ein ganz erhebliches Medienecho ausgelöst hat. Sondern vermutlich an einem besonderen Umstand. Der Text lief auch bei Carta, dem neuen Mehr-Autoren-Blog, der sich stark auf Medienstoffe eingeschossen hat und ein anderes Publikum anspricht. Dort entdeckten ihn die Netzeitung, der Medieninformationsdienst Turi2 und Sportjournalist Erik Eggers, der podcastet und hier (zweiter Audio-Beitrag auf der Seite) zu hören ist. Direkte Links und Leseempfehlungen gab es auch – darunter vom Direkten Freistoß, dem Ground-Zero-Blog in Sachen Zwanziger vs. Weinreich, vom Wesen der Dinge, vom Cleveland-Cavaliers-Blog und vom Onezblog.

Die Kernaussage war: Deutsche Blogs führen in diesen Tagen rund um den aktuellen Fall den etablierten Medien vor, dass sie eine ganz wesentliche Rolle im neuen Medienalltag spielen können. Damit verbunden war die Klage darüber, dass viele klassische Journalisten noch immer nicht kapieren wollen, was die Medienentwicklung – ob mit oder ohne sie – produziert. Nur am Rande erwähnte ich den New Yorker Professor Jay Rosen und seine Arbeit. Umso schöner, dass SpOn ein paar Tage später ein Interview mit Rosen parat hat.

Was er sagt, sollte sich irgendwann in ganz Deutschland herumsprechen. Zum Faktor Online-Medien: "Wir leben in einer neuen Ära von Konkurrenz und Innovation. Es gibt eine Vielzahl neuer Wettbewerber, wir können aber auch mehr ausprobieren. Jeder kann heute mit den Werkzeugen der Medienproduktion umgehen, das macht diese neue Phase für die Presse so spannend."

Und was wird aus den Journalisten, die noch immer daran glauben, dass ihnen ein Big Daddy-Verleger den Arbeitsplatz bereitstellt und die teuren Gerätschaften, damit sie loslegen können? "Sie werden viele Dinge ändern müssen, vor allem ihre Einstellung zur Technologie. Früher mussten Journalisten bloß die Schreibmaschine bedienen, um alles Weitere hat sich eine andere Abteilung gekümmert... Zudem müssen sie lernen, von Lesern gelieferte Informationen zu nutzen, um ihre Berichterstattung und ihre Recherche zu optimieren.... Schließlich müssen Journalisten bereit sein, sich selbst neu zu erfinden. Die guten alten Zeiten sind vorbei, in denen man in einer stabilen Organisation eine Position ausfüllen konnte – das gibt es in der heutigen Medienwelt nicht mehr." Danke, Herr Professor. Besser kann man es nicht sagen.

16. November 2008

Wenn Vasen wackeln

Man entdeckt Blogs meistens nicht zufällig, sondern auf der Suche nach Informationen, die man nicht in den klassischen Quellen findet. Mein Aha-Erlebnis liegt schon eine Weile zurück. Es war im Sommer 2005, als es die amerikanische Journalistin Judith Miller vorzog, monatelang ins Gefängnis zu gehen, anstatt sich zu einer Zeugenaussage in einem Ermittlungsverfahren zu bequemen, durch das ein ganz besonders infames Beispiel des Machtmissbrauchs der amerikanischen Regierungsspitze aufgeklärt werden sollte – die Preisgabe der Identität der hochrangigen CIA-Mitarbeiterin Valerie Plame. Die allgemeine Informationslage im Mainstream war damals von Zurückhaltung geprägt, insbesondere bei der New York Times, bei der Miller in Lohn und Brot stand. Das Vakuum war groß, aber es wurde von einer Reihe von Blogs gefüllt, darunter von dem des Journalismus-Professors Jay Rosen von der Columbia University in New York.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass in der letzten Woche in Deutschland in einem etwas anderen Themensegment und auf etwas niedrigerem Niveau etwas ähnliches passiert ist: Dass viele Menschen, die sich für Fußball und für Sportmedien interessieren, entdeckt haben, was Blogs leisten können. Ich bin mir zwar sicher, dass die Autoren vom Spiegel, die neulich in einem ausführlichen Artikel über das "Blog-Entwicklungsland" Deutschland gelästert haben ("Hier regieren allenfalls Beta-Blogger statt massenmediale Alphatiere") diesen Vorgang genauso abtun werden wie das auch in anderen, sogenannten Qualitätsmedien gerne geschieht. Aber ich nehme das schon länger nicht mehr ernst. Solche Darstellungen entspringen dem mangelhaften Neugierverhalten in deutschen Redaktionen, wo das Vergnügen der (fest angestellten) Journalisten daran, sich mit dem eigenen Bauchnabel und dem Status Quo zu beschäftigen, größer ist als das Interesse daran, die Verschiebung der tektonischen Platten unter ihren eigenen Füßen zu vermessen.

Andere Leute werden trotzdem gespürt haben, was da am Wochenende – einem leichten Erdbeben gleich – in der deutschen Medienlandschaft passiert ist. Sie haben gesehen, wie da ein paar Vasen im Regal gewackelt haben, als sie beim Spaziergang durch das alternative Informationsangebot die Geschichte rund um das Vorgehen des Deutschen Fußballbundes gegen einen kritischen Journalisten zusammengetragen haben. Das Wackeln könnte noch stärker werden, wenn der Hauptbetroffene, der Kollege Jens Weinreich, die Attacke der DFB-Spitze mit rechtlichen Schritten beantwortet. Denn wenn der Fall eine Gewissheit produziert hat, dann diese: Die Machtmenschen aus Frankfurt, gewohnt nach alten Medienregeln mit der undifferenzierten Kraft eines King Kong herumzuwüten, haben in diesem (von ihnen ohne Not aufgeworfenen) öffentlichen Streit ganz schlechte Karten. Sie müssen aufgrund ihres eigenen Mangels an Realitätssinn einen ziemlich starken Imageverlust befürchten.

Und alles nur wegen dieser neuen Kommunikationsplattform namens Blogs, die vom Establishment so gerne belächelt oder ignoriert werden. Blogs sollten hiermit dem letzten Skeptiker eine ernsthafte Lektion in Sachen Medienrealität erteilt haben: Ohne sie hätte die ganze Sache nie begonnen, wäre sie nicht öffentlich abgehandelt worden und wäre die verlogene Kampf- und Kampagnenmentalität der DFB-Spitze wohl kaum aufgedeckt worden. Ich weiß nicht, wieviele tausende von Lesern sich auf Blogs wie diesem oder diesem oder diesem oder diesem oder meinetwegen auch bei American Arena einen Eindruck von der Geschichte gemacht haben und anschließend den Links gefolgt sind, um die Dokumente, die Screenshots, die Argumente und die Kommentare zu verfolgen. Aber ich habe durchaus eine gewisse Vorstellung von der Zahl der Neugierigen und von ihrem Interesse am Thema. Auch hier kamen schließlich viel mehr Leser als sonst vorbei.

Das würde sich qualitativ kaum messen lassen, würde man nur den Mainstream auswerten. Es gab bislang nur Geschichten in der Financial Times, der Frankfurter Rundschau und ein Kommentar im Deutschlandfunk. Und sie alle haben einen entscheidenden medienimmanenten Mangel: So ausführlich und detailliert sie auch sein mögen, sie stellen nicht jene Transparenz her, die durch die Arbeit von Jens Weinreich selbst produziert wurde. Die Argumentation des Landgerichts Berlin gegen Zwanzigers Antrag auf Einstweilige Verfügung (kann man hier finden). Der Vorfall in Gießen (Zwanziger wirft einem Journalisten "demagogische Fragen" vor) wird hier abgehandelt und verlinkt. Die Frage, ob Weinreich tatsächlich eine irgendgeartete Erklärung abgegeben hat, die Zwanziger dazu brachte, von der geplanten Klage abzusehen – kann man anhand dieser Kopie eines Schreibens seines Anwalts sehr viel besser beantworten. Das alles setzt einen neuen Standard für Belegarbeit im kritischen Journalismus. Genauso wie die Informationen, die man aus dem ausführlichen Interview von Oliver Fritsch mit Theo Zwanziger destillieren konnte. Genauso wie Stefan Niggemeiers Analyse der am Freitag von Generalsekretär Wolfgang Niersbach losgetretenen Kampagne gegen Jens Weinreich.

Ohne diese Arbeit hätte die Presseerklärung des DFB am Freitag vermutlich eine Flut von Agenturberichten und eine beachtliche Resonanz in den Zeitungen ausgelöst. Welche nicht weiter involvierten Sportjournalisten hätten schon das Wort des mächtigen Fußballverbands angezweifelt und die infame DFB-Aktion durch eigene Recherchen und Telefonate auseinandergepflückt? In den USA gibt es ein altes Zitat aus dem Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch, das sehr gut illustriert, was die neue Medienrealität leisten kann (und in den USA bereits nach Kräften leistet, siehe Wahlsieg von Barack Obama): "Sonnenlicht ist das beste Desinfizierungsmittel". Geprägt wurde der Spruch von Verfassungsrichter Louis Brandeis, der damit unter anderem meinte: die glaubwürdigsten und am meisten respektierten Organisationen arbeiten in einer Atmosphäre bewusster Offenheit. Da wo das nicht geschieht, muss die Transparenz von anderen hergestellt werden.

14. November 2008

"Elf Anwälte müsst ihr sein..."

Ich überlege seit ein paar Minuten, ob ich mir ein T-Shirt drucken lassen soll mit der Aufschrift: "Elf Anwälte müsst ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen". Denn wenn man so etwas und so etwas liest....

8. November 2008

Der gütige Oligarch

Die erste Reaktion von Menschen, die sehen, mit was für einer läppischen Beschwerde ein studierter Jurist wie DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger (Bild) einen Journalisten vor Gericht zerrt, pendelt zwischen Überraschung und Verständnislosigkeit. Es liegt hauptsächlich an dem Streitpunkt: der Interpretation eines Begriffs, den der ehemalige CDU-Politiker und Steuerinspektor Zwanziger auf Teufel komm raus mit der Geschichte des Dritten Reichs verbindet.

Dieser Teil der Geschichte ist allerdings schon vor einer Weile passiert und wäre im Prinzip längst abzuhaken. Aber seit ein paar Tagen hat die Angelegenheit ganz andere Dimensionen erhalten. Die Chronologie:

In einem ersten Durchlauf wurde dem Fußball-Funktionär von zwei von ihm angerufenen gerichtlichen Instanzen ausführlich erklärt, dass er falsch liegt. Nicht nur habe er das Recht von Jens Weinreich (Bild links) zu akzeptieren, ihn als "unglaublicher Demagoge" zu bezeichnen. Sondern vermutlich auch noch sehr viel mehr: Ein Kritiker dürfe im öffentlichen Meinungskampf einer freiheitlichen Demokratie "seine Meinung grundsätzlich auch dann äußern, wenn sie andere für 'falsch' oder für 'ungerecht' halten", schrieb das Landgericht Berlin, als es den Antrag auf eine einstweilige Verfügung ablehnte. Weinreichs Charakterisierung sei eine "zulässige Meinungsäußerung..., die keinen schmähenden Charakter hat".

Diesen Rückschlag kann Dr. Zwanziger nicht akzeptieren. Weinreich soll gefälligst zu Kreuze kriechen oder einen Prozess in Kauf nehmen und mit beidem in die Enge getrieben werden. Das wissen wir, weil der DFB-Präsident Oliver Fritsch (Bild rechts), dem Betreiber des Blogs Direkter Freistoß, auf dessen Seiten der Kommentar publiziert wurde, ein ausführliches Interview gegeben hat. In dem gab der Fußball-Funktionär deutlich zu erkennen, dass er rechts- und beratungsresistent ist. Was viele Gründe haben kann, nicht nur den, dass er trotz allen behaupteten Nachschlagens nicht herausfand, wie der von ihm zitierte Duden den Begriff "Demagoge" tatsächlich erklärt (mehr dazu bei Stefan Niggemeier).

Man ist geneigt zu sagen: Dr. Zwanziger muss ein schrulliger Typ sein. Doch irgendetwas an seinem Verhalten gibt einem das Gefühl, dass da mehr im Busch ist. Es gibt Hinweise darauf, dass er als Inhaber eines Prestigeamtes ein Exempel statuieren möchte, das mit der vorliegenden Sache gar nichts zu tun hat.

Indiz eins: Seine Anwalts- und Prozesskosten übernimmt der DFB, auch wenn er den Rechtsstreit verliert. Er trägt also nur ein Risiko, und das ist klein: dass er sich lächerlich macht. Wogegen er sich prophylaktisch schon mal mit dem Fritsch-Interview zu schützen versuchte. Wie? In dem er sich selbst zum Opfer stilisierte und als großzügiger, ehrenwerter Herr. Schuld an allem sei der Journalist, suggerierte Zwanziger: "Wenn Herr Weinreich nicht will, dass ich mich von ihm als Volksverhetzer denunziert verstehe, dann soll er mir zwei Zeilen schreiben, dann ist die Sache vom Tisch. Und dann können wir uns gerne zum Interview treffen, und er kann mir die kritischsten Fragen stellen." Anmerkung: Einen Volksverhetzer hatte Weinreich den DFB-Präsidenten überhaupt nicht genannt. Was soll also die Aufforderung zum Kniefall?

Indiz zwei: Dr. Theo Zwanziger weiß, wie Medien funktionieren. Sonst würde er nicht mit dem Begriff der "Kommunikationsherrschaft" herumhantieren, den er in diesem Sommer offensichtlich zum ersten Mal eingesetzt hat ("Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.") Er hat im Fritsch-Interview die erbetene Erläuterung sehr schwammig formuliert. Und wir dürfen also auch weiterhin annehmen, dass er mit dem Begriff "Herrschaft" eine Deutung verbindet, wie sie der Soziologe Max Weber formuliert hat: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden." Gehorsam wäre mithin der Gegenentwurf von Herrschaft.

Ich schrieb dazu in einem Kommentar im Oktober im Direkten Freistoß: "Wir haben es hier übrigens nach meiner Einschätzung mit der Geschäftspolitik von Oligarchen und ihrer Anmaßung zu tun, unbotmäßigen Kritikern und Kreativen das Leben schwer zu machen, damit die irgendwann die Lust verlieren." Und malte schon mal schwarz an die Wand: "Da es so viele unterbeschäftigte Anwälte gibt, sollte man davon ausgehen, dass da über die juristische Schiene noch viel mehr kommt." Ich bin kein Hellseher. Aber ein paar Tage später wurde die Prophezeiung wahr: Der Doktor der Jurisprudenz will weiter prozessieren.

Indiz drei: Das Verhalten und das Verhältnis von Dr. Theo Zwanziger zur Person Dietmar Hopp, in dessen Bundesliga-Club sein Sohn Ralf beschäftigt ist und dessen noch zu bauendes Stadion in Sinsheim bereits den Zuschlag für die Frauen-Fußball-WM 2011 erhalten hat. Es gibt in der Öffentlichkeit keine Belege für unsaubere Absprachen. Aber das Geflecht beginnt einer Interessensgemeinschaft zu ähneln, wie sie für machtpolitisch gefestigte Oligarchien bezeichnend ist. Was der Rest der Welt zu den gegenseitigen Gefälligkeiten sagt, wird kommunikationsherrschaftlich plattgebügelt. Und sei es mit einer Gegenfrage: "Warum eigentlich diese Unterstellung?"

Ja, warum eigentlich? Warum muss sich ein gütiger Oligarch, der einen steuerbefreiten Verband leitet und sich selbst für eine reine Seele hält (Zitat: "Ich bin ein Mensch, der seine Aufgaben gewissenhaft angehen möchte.") eigentlich vor der Öffentlichkeit rechtfertigen – über die Redlichkeit seines Tuns, über seine Erwerbstätigkeit, über seine Ansichten zur Meinungsfreiheit und seine Rolle auf dem Verschiebebahnhof millionenschwerer Sportbusiness-Interessen? Wie konnten wir so anmaßend werden, ihm andere als die von ihm postulierten Absichten zu unterstellen? Warum kann er nicht von uns allen ohne jede Skepsis auf dem Schild getragen werden, auf dem sich Oligarchen der eigenen Standortbestimmung nach so gerne häuslich einrichten wollen (bis der geriatrische Super-GAU oder der Tod sie aus dem Amt befördert)?

Auf Dr. Theo Zwanziger, der als Fußball-Funktionär immer hübsch nach oben gerutscht ist, muss die ganze Geschichte erheblich Eindruck gemacht haben. Er hat nämlich laut einem Zeitungsbericht, der von Anwesenden im Kern bestätigt wurde, bei einer Podiumsdiskussion am 6. November in Gießen Fragen des Moderators, Deutschlandfunk-Sportredakteur Herbert Fischer-Solms, mit einem Wort belegt, dass er als Anspielung an die Nazi-Zeit versteht. Mit dem Wort "demagogisch". Der Vorgang wäre Indiz vier für die Arbeitshypothese, die wir uns seit ein paar Tagen zusammenbasteln: Dr. Theo Zwanziger, der ambitionierte Kommunikationsherrscher, möchte Worte als ehrverletzend einstufen lassen, wenn er von anderen kritisiert wird, aber sie jeder Zeit nach eigenem Gutdünken benutzen. Das Muster kennen wir schon. Es ist so ähnlich wie die „verlogene Argumentation des deutschen Fußballkartells“ (Weinreich) in Sachen Fernsehrechte.

2. September 2008

Wer die Wahl hat....

Basketballprofis in den USA haben ihre Ansichten. Mit denen über Politik halten sie gerne hinterm Berg. Die alte Angst, dass sie damit eine Gruppe von Sportfans mit ihrer Meinung vor den Kopf schlagen könnten, lässt sich nicht ausrotten. Umso bemerkenswerter: die beiden Blogger Gilbert Arenas, der bereits über seine privaten Verhältnisse sehr offen geschrieben hat, und Baron Davis, der ab der kommenden Saison bei einem anderen Club spielt: den Los Angeles Clippers. Es sind keine Geniestreiche, was die beiden verzapfen, aber kleine Farbtupfer in einer Welt, die eben einfach aus mehr besteht als nur aus dem quietschenden Geräusch von Schuhen auf Hallenböden und dem dumpfen Klang eines Balls beim Dribbling (via The Big Lead). Die Begründung von Arenas, dass er nicht wählt, weil er nicht registriert werden will, damit er nicht als Geschworener in einem Prozess herangezogen werden kann, ist übrigens von keiner Sachkenntnis getrübt. Obwohl nur amerikanische Staatsangehörige wählen und sich registrieren und nur amerikanische Staatsangehörige als Geschworene zum Einsatz kommen dürfen, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das regional zuständige Gericht seine Benachrichtungsschreiben auch an Leute richtet, auf die diese Kriterien nicht erfüllen. Sie müssen ihre Namenslisten also aus anderen Quellen beziehen. Ich würde sehr gerne mal die Erfahrung machen und in einer Jury sitzen und mit anderen zusammen Recht sprechen. Aber leider....