Der NOK-Chef der Vereinigten Staaten hat in Berlin im Gespräch mit IOC-Chef Jacques Rogge einen taktischen Rückzieher gemacht. Das wird aus einer E-Mail deutlich, die soeben kurioserweise vom Chicagoer Bewerbungskomitee herausgegeben und an die Journalisten im Verteiler verschickt wurde. Man wolle nichts ohne die Zustimmung der IOC machen, versicherte Larry Probst, der Vorsitzende des NOK.
Der Streit dreht sich um eine Initiative der Amerikaner, in den USA zusammen mit dem Kabelanbieter Comcast einen eigenen Sportfernsehkanal zu eröffnen, der Olympic Network heißen soll. Als das Projekt vor einem Monat bekannt wurde, gab es nicht nur Widerspruch von NBC, dem Sender, der seit vielen Jahren für extrem viel Geld die amerikanischen Übertragungsrechte von den Olympischen Spielen besitzt. Auch beim IOC meldeten sich die Beschwerdeführer, die darauf aufmerksam machten, dass ein NOK (egal welches) aus eigener Kraft und im Alleingang so gut wie gar nichts darf, sobald die Markenrechte des IOC betroffen sind.
Die Angelegenheit wäre für sich genommen nur halb so interessant, wenn da nicht diese anhaltende Kontroverse um die Verteilung der Sponsoren und Fernsehlizenzen wäre, die den Amerikanern einen überproportional relativ hohen Anteil zubilligt (Begründung: aus den USA kommt auch überproportional mehr Geld in den großen Topf). Die anderen NOKs wollen mehr. Das USOC will nichts abgeben. Verkompliziert wird die Angelegenheit noch dadurch, dass sich Chicago um die Austragung der Sommerspiele 2016 bemüht und jedweder Gegenwind die Kandidatur gefährdet, Die Entscheidung wird im Oktober in Kopenhagen getroffen.
Hinweis in eigener Sache: Mehr zum Hintergrund der Entwicklungen und der Idee eines eigenen Fernsehkanals in einem Radiobeitrag, den ich im Juli für den Deutschlandfunk produziert habe.