Ein paar Leute, die für namhafte Publikationen arbeiten (Die Welt, Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Zeitung, Tagesspiegel) hatten es registriert und daraufhin den 20jährigen Baseball-Pitcher Rodney Gessmann aus Regensburg ausführlich nach Florida verabschiedet. Man kennt den Tenor: In solchen Geschichten schwingt immer auch die latente (und übertriebene) Hoffnung mit, dass die Tatsache an sich - der Wechsel in das System eines Major-League-Clubs - schon etwas Besonderes sei. Sicher: Minnesota Twins klingt gut. Klingt nach großer, weiter, anspruchsvoller Baseball-Profi-Welt. Und entsprechend wird in den Geschichten immer so getan, als fehle nicht viel und der Junge kommt in Amerika ganz groß raus (mit Überschriften wie "Vor dem großen Wurf"). Die wichtigeren Informationen stehen weiter hinten: "Einer von 60 Neuen bei den Twins, eines von 1500 Talenten, die in diesem Jahr im US-Baseball neu getestet werden." (Tagesspiegel). "Der Weg ins Stammteam der Twins in der Major League Baseball (MLB) ist weit. Vier kleinere Ligen muss er durchqueren. Rein statistisch schafft es einer von knapp 20.000 Spielern in die Profiliga. Und erst dort gelangt man zu Ruhm und Geld." (Die Welt)
Die letzte Aussage - einer von 20.000 - scheint übertrieben, aber sie verdeutlicht die Crux. Das haben schon mehrere junge Deutsche herausfinden können, wie die Süddeutsche nachgehalten hat. Und alle sind spätestens nach dem zweiten Jahr wieder in die Heimat zurückgekehrt. Nach oben ist keiner geklettert. DAS ist die Realität: Im Baseball wachsen in Deutschland keine Nowitzkis, keine Krupps, nicht mal Ritzmanns heran oder solche Figuren wie Benjamin Becker, die am College in den USA mit Erfolg an ihrer Tennis-Karriere arbeiten.
Selten genug machen die Reporter vor Ort mal eine Stichprobe. Ich hatte vor ein paar Jahren die Gelegenheit und habe Mitch Franke in Phoenix besucht und ausführlich interviewt, der damals im System der Milwaukee Brewers spielte. Einen ähnlichen Text, der 2001 in der FAZ erschien und die Desillusion und die Anstrengung im Kampf um die große Chance einfing, könnte man heute vermutlich wieder schreiben. Aber es gibt ja YouTube. Und eine fleißige Videographin namens Dianna, die in Blog-Form und mit ein paar anderen Anhängern im Webseiten-Format das Schicksal der Fort Myers Miracle dokumentiert, dem Rookie League Club, in dem Gessmann derzeit spielt. Dianna hat Ende April in einem Spiel eine Arbeitseinheit von Gessmann mit den simplen Mitteln einer stationären Kamera eingefangen. Man sollte ein bisschen von Baseball verstehen, um zu erkennen, worin das Problem in diesem Spiel besteht, in dem der Nachwuchs-Pitcher aus Deutschland - Spitzname "The German Kid" - in einem desaströsen Inning fünf Walks, 2 Singles und einen Home Run produzierte. Der große Wurf?
Zu dem Video gibt es noch einen zweiten Teil. Hier.