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4. Juli 2010

Ein Spiel, das mir nicht vertraut ist

Heute ein paar Anmerkungen über die Ereignisse im fernen Südafrika, wo eine deutsche Fußballnationalmannschaft einen Fußball spielt, dem man mit einer Anleihe aus dem amerikanischen Golf am nächsten kommt. Es ist der Satz, mit dem der legendäre Bobby Jones den jungen Jack Nicklaus beschrieb und den der alte Jack Nicklaus zitierte, als er über Tiger Woods sprach: ''He plays a game which I am not familiar with."

Es wäre schön, wenn wir im deutschen Fußball auch solche Grandseigneure hätten, die mit derart einfachen Mitteln den Generationen- und Klassenunterschied beschreiben würden, der sich in einer Golfnation wie den USA etwa alle dreißig Jahre abspielt. Aber in der Fußballnation Deutschland wird das kollektive Gedächtnis im entscheidenden Moment von Männern wie Franz Beckenbauer usurpiert. Dessen One-Liner sind bestenfalls zum Kichern und inzwischen Stoff für Parodisten.

Dabei waren mal gerade dieser Franz Beckenbauer und die ziemlich junge deutsche Mannschaft bei der WM 1966 eine ähnliche Offenbarung wie Jogis Jungs von 2010. Qualifiziert hatte man sich nur knapp (in Beckenbauers allererstem Länderspiel). Aber beim Turnier in England nahm diese auch taktisch modernisierte Mannschaft (im 4-3-3) Fahrt auf. Heute reden alle nur noch vom Wembley-Tor. Man wünschte sich, die Leute würden mehr von Beckenbauers Toren und von Helmut Hallers Blick fürs Spiel und seine Nebenleute reden. Und davon, dass diese Mannschaft einer Once-in-a-Lifetime-Gruppe von erlesenen englischen Spielern mehr als ebenbürtig war. Wolfgang Overath war damals 22, genauso wie Horst-Dieter Höttges. Sigi Held war 23 und hatte erst im Frühjahr 1966 zum ersten Mal eine Berufung erhalten. Wolfgang Weber war ebenfalls erst 23. Es war der Ausgangspunkt für jene kleine Fußball-Sinfonie, die mit dem Europameistertitel 1972 und dem WM-Titel 1974 ihre ganz beachtlichen Schlussakkorde produzierte.

Zurück zur Gegenwart (aber mit einem kleinen Schlenker). Der Sieg gegen Argentinien zeigte einen ähnlichen Quantensprung im deutschen Fußball an wie der Auftritt jener Mannschaft Mitte in den sechziger Jahren. Diese neue Generation von Spielern und die verantwortlichen Leute im Hintergrund haben das Zeug, sich nicht nur den Titel zu holen, sondern das auch noch mit Glanz zu tun (anders als diese grauenvoll anzusehenden Zweckmäßigkeits-Kicker der Jahre 1982, 1986, 1990 (und auch 2002). Zu den Weltmeistern von 1990 fällt mir immer nur diese eine Anekdote aus Hawaii ein, wo ich ein paar Jahre danach zufällig mit Pierre Littbarski im selben Hotel wohnte und im Interview den Faux-Pas produzierte und ihm sagte, er habe ja leider noch nie einen WM-Titel gewonnen. Natürlich hat er protestiert. Und ich war der Blamierte. Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, weshalb mir das passiert war: Diese Mannschaft von 1990 hatte einfach nichts geleistet, was einem im Gedächtnis hängen geblieben war.

Wenn übrigens jemand schon nach diesen zwei Erfolgen gegen England und Argentinien davon spricht, es handle sich um die beste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten, der sollte bitte mal ins Archiv gehen und nach den Filmen von 1954 fahnden. Das Team besiegte damals im Halbfinale in Lausanne die favorisierten Österreicher mit 6:1 und produzierte im Endspiel in Bern gegen Ungarn eine phänomenale Leistung. Sollten Jogis Jungs allerdings ebenfalls Weltmeister werden, kann man die Vergangenheit auch ruhen lassen. Dann gehören sie sicher auf Platz eins in der ewigen Bestenliste.

Was in den vielen Betrachtungen über die Spiele und die Leistungen des Teams untergeht: Die FIFA-Statistiken zeigen an, dass keine Mannschaft schneller läuft. Das wäre abgesehen von der exzellenten Ballbeherrschung sicher einer der Gründe, weshalb man Gegner mit schwacher Antizipation schlecht aussehen lässt. Auffällig allerdings auch: Im Spiel gegen Ghana auf knapp 2000 Metern Höhe in Johannesburg wirkten alle müde. Auf Meereshöhe in Kapstadt und Durban scheinen sich hingegen die roten Blutkörperchen richtig gut auszutoben. Das Quartier liegt auf rund 1300 Metern. Da holt man sich die Reserven.

Übrigens haben andere Mannschaften diese Ausgangslage sicher auch im Blick gehabt. Argentinien hatte sein Quartier ebenfalls auf 1300 Meter Höhe. Und auch Spanien residiert in dieser Zone. In der Vorbereitung gingen die Mannschaften unterschiedlich mit der Herausforderung um. Eines der Probleme eines ständigen Pendelns zwischen oben und unten, sagt Dr. Andreas Rosenhagen, angeblich laut Die Welt ein Experte für Höhentraining im Profisport (was sich über Google irgendwie nicht abstützen lässt): "Wer aus der Höhe ins Tal kommt, kann die Leistungsfähigkeit nach ein bis zwei Tagen abrupt abfallen." (sic!)

Von der Höhe, auf der Thomas Müller gerade spielt, scheint er nichts gewusst zu haben.

P.S.: Die WM hat eine neue Generation von Fußballbegleitberichterstattung etabliert, die sich schon seit einer Weile anbahnte und ankündigte. Die neue Qualität: Es geht nicht mehr ohne das Rundum-Programm von allesaussersport, die Hintergrundinformationen von Jens Weinreich und die Einschätzungen von Spiel und Mannschaft aus der Feder von Oliver Fritsch auf Zeit Online.

12. Januar 2010

Es wird ernst: Deutsche Ryder-Cup-Bewerbung gegen starke Konkurrenz

In ein paar Tagen wird sich herausstellen, ob die deutsche Bewerbung für den Ryder-Cup 2018 gut genug war. Oder ob die Konkurrenz aus Ländern wie Frankreich und Schweden die besseren Offerte vorgelegt haben. Für die deutsche Bewerbung spricht einiges: Man schickt Bernhard Langer als treibende Kraft ins Rennen. Der Mann hat als Spieler und als Captain eine beeindruckende Bilanz in dem alle zwei Jahre stattfindenden Kontinental-Wettkampf aufzuweisen. Mit Martin Kaymer dürfte das Land auch noch in den nächsten Jahren wieder einen Publikumsmagneten haben, der sich für das Cup-Team qualifizieren kann. Zum ersten Mal sollte ihm das in diesem Jahr bei der Neuauflage in Wales gelingen. Außerdem lassen sich in Deutschland rund ums Golfspiel lukrative Sponsoren auftreiben, vor allem aus dem Kreis der darunter die Großbanken und die Autofirmen. Die großen Fragezeichen sind der Platz und die Infrastruktur. In den Wettbewerb wird dieses Gelände in Neuburg an der Donau geschickt. Offensichtlich kamen existierende Clubanlagen wie der hervorragende von Nick Faldo entworfene Links Course in Bad Saarow im Umfeld von Berlin nicht in Frage. Der Parcours selbst müsste noch baulich angepasst und ausgebaut werden, was der hochgelobte Architekt Thomas Himmel übernehmen wird.

Der amerikanische Golf-Autor Gary Van Sickle spottet übrigens über das Auswahlverfahren und zitiert einen Artikel aus Golfweek. Er sagt: Man sollte es eine Auktion nennen. Der Ryder-Cup stehe bei solchen Gelegenheiten schlichtweg zum Verkauf.

Der Wettkampf fand bislang nur in den USA und auf den britischen Inseln statt. Ausnahme: der Abstecher 1997 ins spanische Valderrama. Traditionell standen sich beim Ryder-Cup nur Spieler aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien gegenüber. Das Kontingent wurde in den siebziger Jahren auf Teilnehmer aus ganz Europa ausgedehnt, um der Dominanz der Amerikaner ein Gleichgewicht entgegenzustellen. Seitdem führten die Europäer die US-Golfer regelmäßig vor. Selbst der Weltranglistenerste Tiger Woods wirkte im Matchplay-Format besiegbar. Geht man nach Ländern außerhalb der britischen Inseln mit dem stärksten Nachschub an Talenten wäre sicher Schweden der attraktivste Kandidat für die Ausrichtung des 2018-Wettkampfs. Ob sie und die Holländer oder Portugiesen, die sich ebenfalls bewerben, beim Thema Geld mithalten können, muss man bezweifeln. Bleiben also allenfalls die Franzosen als ernsthafter Aspirant.

Nachtrag: Artikel von Wolfgang Scheffler auf faz.net

26. Dezember 2009

Florida-Coach Urban Meyer tritt zurück

Der Rücktritt von Urban Meyer als Coach der Footballmannschaft der University of Florida hat ganz viel Luft aus dem Bowl-Getöse herausgesaugt, mit dem um diese Zeit des Jahres die College-Football-Saison austrudelt. Wie immer, wenn mit abgezirkelten Formulierungen durchsetzte schriftlichen Erklärungen das Nachrichtenbild prägen, arbeiten die Reporter wie die Schaufelbagger. Alle wollen wissen: Wie krank ist Urban Meyer, der erfolgreichste Coach der letzten Jahre, dass er zu diesem Zeitpunkt in den Sack haut? Ehe die Geräuschkulisse zu laut wird: Hier der Hinweis auf ein exzellentes Lesestück, das unlängst S. L Price in Sports Illustrated abgeliefert hat (Hat-Tip an Lee Jenkins und The Big Lead für den Retweet). Der Text erinnert einen an eine Zeit, als dieses Magazin hauptsächlich aus solchen Reportagen bestand und sich Sportautoren (zwecks wegen der Inspiration) und Leser jede Woche genüsslich die Zeit für die neueste Ausgabe gönnten. Und er öffnet ein kleines Schatzkästchen über die Abstammung des erst 45-jährigen Trainers.

Seine Mutter Gisela, geborene Gumpert, wanderte Ende der fünfziger Jahre aus Oberfranken in die USA aus. Ihre Familie aus dem benachbarte Thüringen hatte zuvor die Heimat verlassen, nachdem ihr Vater von den Sowjets nach Sibirien verschleppt wurde. Die Schlussredaktion des Magazins hat dabei einen kleinen Schreibfehler produziert, wie er mit deutschen Namen in amerikanischen Medien an der Tagesordnung ist. Man fummelt gerne noch irgendwo einen Buchstaben ein oder lässt einen weg. Die Gumperts waren aus Mupperg nicht Muppberg. Und Mupperg liegt nicht in Bayern, sondern ganz nah an der Grenze.

Übrigens: Solche Stammbäume haben fast keine der herausragenden Figuren im US-Sport. Aber hier wären zumindest zwei Namen: Football-Coach Herm Edwards (Mutter Martha aus dem hessischen Gelnhausen). Die Familie von Lou Gehrig (Heinrich and Christina Gehrig). Beide waren aus Deutschland in die USA ausgewandert. Lou, geboren in New York, hieß eigentlich Ludwig Heinreich.

Als Nachschlag: Ein Video, in dem Urban Meyer seine Philosophie beschreibt – ein Leistungswahnsinn, der vermutlich nirgendwo im Sport so angedockt ist wie im Football.

Nachtrag: Die New York Times berichtet über eine Gesundheitskrise bei Meyer nach dem Spiel neulich gegen Alabama, als er ins Krankenhaus musst. Die Info kommt wohl vom Coach persönlich.

12. Oktober 2009

"Eine lebendige Subkultur"

Für Sports Illustrated war die anhaltende Begeisterung vieler Deutscher für das amerikanische Football-Spiel eine Reise und eine ziemlich lange Geschichte wert. Zitat: "...eine lebendige Subkultur hat das amerikanische Spiel für sich entdeckt. In Deutschland allein gibt es hunderte von Mannschaften, tausende von Spielern und zehntausende von Fans, die aufmerksam das Geschehen in der deutschen Football-Liga verfolgen. Einige dokumentieren diese Zahlen – auch wenn sie im Vergleich zum Fußball sehr klein sind – die Zukunft der Sportart." Hat Tip an Show Me the Moneyyy.

5. April 2009

Auf ewig falsch

Ein paar wahre Worte aus der Feder eines Journalisten in Worcester/Massachusetts: Er versteht nicht, dass die populären amerikanischen Sportarten so heißen wie sie heißen. Wo doch die Namen der Spiele überhaupt nicht wiedergeben, um was es dabei geht. Baseball? Nur wer die Home Plate erreicht, kann punkten. Football? Wenn jemand dauernd den Ball in der Hand hat und nur selten kickt, wie kommt man dann auf einen solchen Ausdruck? Basketball? Mal abgesehen von den legendären Pfirsichkörben, die der Erfinder damals aufhängte, warum tauft man so etwas nicht korrekt um, wenn die Körbe doch Netze sind? Ja, warum nicht? Weil wir nicht in Preußen sind, wo man die Realität wahrscheinlich viel genauer beschreibt als in den USA, wo es sich mehr um eine gefühlte und gewünschte Realität handelt. Zu den Befindlichkeitsunterschieden passt ein hübscher Beitrag aus der New York Times von heute, den Nicholas Kulish geschrieben hat, der seinen Job als Deutschland-Korrespondent aus meiner Sicht übrigens hervorragend macht.

24. Juni 2008

Tag der deutschen Einheit

Eigentlich sollte man den 25. Juni noch rasch zum Tag der deutschen Einheit ausrufen. Oder was wäre sonst zum Fußball-Länderspiel Deutschland-Türkei ernsthaft zu sagen? Vermutlich aber bleibt das ein Traum. So wie in anderen Ländern, wo es ähnlich schlecht um die Integration von Migranten bestellt ist. Fußball bringt zusammen. Und Fußball trennt. Es wird statt dessen wahrscheinlich wieder eine Nacht des Autokorsos werden, eine neue Form der Stimmungsmache, die im Land der Fackelzüge und Lichterketten endlich wenigstens eine Minderheit integriert, die sonst immer zu kurz kommt: die Übergewichtigen. Die können hier bequem mitmachen.

Extempore Anfang: Und die Dicken nehmen zu. Ich habe letzte Woche in Carson, der Teilstadt von Los Angeles, in der David Beckham seinem Beruf nachgeht, zum ersten Mal kapiert wie viele es mittlerweile in einigen Teilen der USA sind. An einem etwas größeren Tisch in einem ganz normalen Restaurant saß mittags eine Gruppe von neun, von denen sieben extrem übergewichtig waren (ich schätze: 50 bis 80 Prozent über Normalgewicht). Beim Rest der Gäste lag der Anteil der Fettleibigen, denen man ansieht, wie schwer ihnen das Gehen fällt, bei 50 Prozent. Das kann nicht gesund sein. Aber ich schweife ab. Extempore Ende.

Wie kommt man von dort zurück auf EM-Fußball – Deutschland gegen Türkei? Das will ich sagen: Ich musste bei meinen letzten Reisen ins Sauerland den McDonald's von Meinerzhagen ansteuern, weil man anderswo nicht mit seinem Laptop ins Netz kommt. Widerwillig ansteuern. Denn McDonald's gehört nicht zu meinem Speiseplan. Bei der Gelegenheit ist mir aufgefallen, dass, was in Carson die Schwarzen sind, in Meinerzhagen die Türken sind – jene Bevölkerungsgruppe, die in der Fast-Food-Welt den größten Teil der Bedienung und einen großen Teil der Besucher stellt. Auffallend viele attraktive sind darunter (und nicht annähernd so viele, die aus dem Leim gehen, wie sie das in Kalifornien tun), also Menschen, von denen man denken würde, dass es ihnen leicht fallen sollte, sich in einem so überschaubaren Provinznest mitten in Deutschland in einen neuen Orientierungsrahmen hineinzufinden und sich als Deutsche zu fühlen. Sollte man meinen. Ist aber nicht so.

Was wurde aus dem besten Fußballspieler, den Meinerzhagen je hervorgebracht hat? Ein Mitglied der türkischen Nationalmannschaft, der in Basel nicht im Kader ist, weil der Trainer auf alte Leute setzt. Der Bursche heißt Nuri Sahin, ist bei Borussia Dortmund unter Vertrag und spielt bei Feyenoord Rotterdam, an die er ausgeliehen wurde, weil Trainer Bert van Marwijk ihn haben wollte.

Wenn man ein bisschen herumgoogelt, findet man einen wirklich bescheuerten Werbefilm von Nike mit Sahin, in dem der Hang gezeigt wird, auf dem der 19-jährige als kleiner Junge herumgekickt hat. Ich weiß, wo der Hang ist: schräg gegenüber von McDonald's, in dem Dreh, wo sich auch der Fußballplatz des örtlichen Vereins befindet. Aber der Hang von Nuri Sahin führt ihn in eine andere Richtung. So schreibt er auf seiner deutschsprachigen Webseite: "Bei meinem ersten A-Länderspiel hieß der Gegner ausgerechnet Deutschland, und dann habe ich auch noch ein Tor erzielt: Das war einfach Wahnsinn! Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich ausgerechnet gegen den großen Oliver Kahn ein Tor gemacht habe. Ich konnte nicht mehr denken vor lauter Glück."

Und ich kann nicht mehr denken vor lauter Verwirrung. Wer hat dieses Talent aus den Klauen des DFB gelassen? Wer hat ihm gesagt, dass seine Zukunft und seine Identität in einem Land liegt, das er nur von Ferienreisen her kennt? Bestimmt nicht der Bürgermeister von Meinerzhagen. Der war sogar neulich bei der Hochzeit in Düsseldorf dabei.

Es ist schwierig – das mit der deutschen Einheit. Wie sagte die Filmschauspielerin Sibell Kekilli in einem Interview in der ZEIT auf die Frage: "Nuri Sahin, der Jungstar von Dortmund, ist in der Türkei ein Star, weil er sich gerade gegen die deutsche und für die türkische Nationalmannschaft entschieden hat. Was könnte dafür den Ausschlag gegeben haben?"
"Wenn der Vater noch den türkischen Pass hat, türkisch eingestellt ist wird er natürlich sagen: Mein Kind spielt für unser Land, obwohl es in Lüdenscheid lebt. [Hinweis: Sahin wurde in Lüdenscheid geboren wie fast alle Kinder aus Meinerzhagen und wird dort großspurig als Sohn der Stadt geführt, aber dort ist er nicht aufgewachsen]. Da sind aber zum Teil auch die Deutschen schuld. Ich merke das auch immer wieder. Anfangs habe ich nur türkische Rollen angeboten bekommen. Mir wurde sogar schon ein Drehbuch zugeschickt und dazu geschrieben: Wir haben für dich die Rolle in eine Türkin umgewandelt. Fragt man mich, ob ich das möchte? Wo leben wir denn? Ich kann perfekt Deutsch. Seitdem ich in der Öffentlichkeit stehe, merke ich es noch mehr. Es heißt immer, ich sei Türkin oder Deutschtürkin. Aber als wir den Goldenen Bären gewonnen haben, war es dann eher doch deutsch. Die Erfolge werden immer gerne mitgenommen. Ich fühle mich da immer mehr ausgeschlossen."

Nuri Sahin wird vermutlich in der kommenden Saison wieder in Dortmund sein. Sein Mentor übernimmt die niederländische Nationalmannschaft. Mit anderen Worten: Die Zeit bleibt nicht stehen. Nicht mal in Meinerzhagen, wo sie beinahe einen deutschen Nationalspieler hervorgebracht hätten. Aber die Integration tritt auf der Stelle.

22. August 2007

Ein Adler und drei Löwen

Auch wenn es heute abend in Wembley um nichts geht: für die Engländer geht es natürlich in einem Match gegen Deutschland immer um etwas. Wie man an diesem Klassiker unschwer erkennen kann kann. Und damit geben wir ab nach London:

Mehr zur Geschichte des Songs ("Three Lions") und zu dieser Video-Version aus dem Jahr 1998 findet man hier. Eine sehr gute Zusammenstellung über die Vorberichterstattung zum Spiel gibt es bei indirekter-freistoss.de

13. Juli 2007

WM in Japan: Amerikaner machen deutsches Footballteam flach

Was soll man sagen? Außer dass Defensive End Jason Hoffschneider das alles bereits vorausgesehen und folgendermaßen formuliert hatte:"Wir sind so viel größer, so viel schneller, und wir verstehen Football sehr viel besser. Deshalb glaube ich, dass wir total dominieren werden." Und so nahmen die Amerikaner mit Hoffschneider (in diesem Sommer bei den Hamburg Blue Devils, siehe Kommentar) ihre deutschen Gegner bei der Football-WM am Donnerstag in Japan denn auch auseinander. Sicher, wenn Quarterback Joachim Ullrich nicht so oft gepatzt und Punter Steffen Dölger keinen Fehler gemacht hätte, wäre das Match vielleicht noch spannend geworden. So aber kassierten die Deutschen im Vorrundenspiel gegen die USA eine klar 7:33-Niederlage und dürfen nun um den dritten Platz gegen Schweden spielen. Die Vereinigten Staaten haben es bei ihrem ersten Auftritt bei einer WM mit Titelverteidiger Japan zu tun.