An der Wort- und Gedankenwahl sind zwei Dinge bemerkenswert: In den USA hat es selbst in den Südstaaten, wo man bis in die sechziger Jahre ein gewisses Maß an Rassentrennung praktizierte, keine Apartheid gegeben. Das ist ein Burenwort aus Südafrika und beschreibt eine offizielle Politik des Staates, der Rassentrennung perfektioniert hatte. Anti-Apartheid war eine politische Bewegung und ein internationaler Kampf gegen diese Politik. In der NFL gab es keine Rassentrennung, sondern allenfalls eine von Vorurteilen besetzte Benachteilung schwarzer Spieler und Trainer. Diese Haltung konnte mit einem Eingriff seitens des Ligamanagements Schritt für Schritt abgebaut werden. Dass man solche fragwürdigen Formulierungen auch herausstreichen kann, zeigt die Berliner Morgenpost. Die hat den gleichen Text übernommen, aber die Passage weggelassen. Wenn Redakteure mitlesen...
Der zweite Fall kam heute auf den Tisch. Da schrieb Torsten Krauel unter dem Titel "Super Bowl mit Gottes Hilfe":
"Es gab einen Moment, an dem auch sonst Gegensätze spürbar wurden. Als die Spieler über die Stadionlautsprecher vorgestellt wurden, kam die Reihe auch an den Receiver Muhsin Muhammad. Augenblicklich verwandelte sich der Applaus des Stadions in merkliches Buhen. Es galt nicht dem Spieler, es galt dem Namen – der 11. September warf seinen düsteren Schatten."Auch dies ist ein Beispiel für seltsamen Umgang mit einem falsch verstandenen Faktum und die daraus folgende unzulässige Zuspitzung. Tatsächlich buhen die Fans der Chicago Bears Muhammad nicht aus. Sie rufen "Muuuuuu" - eine Sympathiebekundung, die es schon für andere Spieler in anderen Clubs gegeben hat. Die Überschrift ist auch nicht gerade vom Feinsten, um nicht zu sagen blasphemisch. Wer glaubt denn wirklich, dass eine Instanz aus anderen Sphären den Sieg bei einer Sportveranstaltung zuteilt? Das glaubt nicht mal der tiefgläubige und sehr intelligente Colts-Trainer Tony Dungy. Denn dann würde er ja auch glauben, dass derselbe Gott etwas gegen die Chicago Bears hätte (wegen des Moslems in der Mannschaft?). Dungy spricht meistens von einer ganz anderen Dimension, wenn er seine Religiösität anführt: dass Glaube möglich macht, Schwierigkeiten und Herausforderungen zu meistern und sich wie ein netter Mensch zu verhalten. Er spricht von der Arbeit an sich selbst. Nicht von Geschenken aus dem Himmel.