Joshua Mayers schreibt den besten amerikanischen Fußball-Blog The Beautiful Game. Wir wollten wissen, was er von Landon Donovan und seinem Umzug zu Bayern München hält.
American Arena: Als Landon zum zweiten Mal aus Leverkusen in die USA zurückgekehrt ist, wurde er von vielen verspottet. Sie sahen in seiner Haltung einen Mangel an Durchhaltewillen. Er sagte in einem Interview: "Ich wollte mich nicht elend fühlen. Ich bin 23. Ich muss das nicht haben." Stimmt meine Einschätzung, was die Reaktion der Fans angeht? Und hat sich sein Image gewandelt?
Joshua Mayers: Ich denke, dass die Art und Weise wie Landon nach seinem Versagen in der Bundesliga dargestellt wurde, gerechtfertigt war. Es ist klar, dass er mental nicht ganz auf der Höhe war, um mit Widrigkeiten fertig zu werden. Er hatte die Kritik verdient. Seine Reaktion war die eines Teenagers. Da war es berechtigt, ihn entsprechend zu behandeln, bis er das Gegenteil beweist. Allerdings glaube ich wirklich, dass er reifer geworden ist und diesmal mit den Herausforderungen umgehen kann. Er ist Spielführer der amerikanischen Nationalmannschaft geworden und ein Botschafter für Major League Soccer. Ich glaube, diesmal passt alles viel organischer zusammen. Und seine Leistung wird das zeigen.
American Arena: Was du vermutlich nicht weißt: Landon spricht überraschend gut Deutsch. Das habe ich bei einem Interview mit ihm im Juni festgestellt, und es hat meine Einschätzung seiner Person auf einen Schlag verändert. Er spricht sehr gut Spanisch. Welchen Eindruck von ihm gewinnst du aus seinen englischen Interviews?
Joshua Mayers: Landon ist ein sehr ehrlicher Mensch. Ich lese aus seinen Interviews heraus, dass er unverfälscht und glaubwürdig ist. Das Zitat aus der ersten Frage spiegelt die Ehrlichkeit wider. Er sagt, was ihm durch den Kopf geht. Vermutlich in jeder Sprache.
American Arena: Wie beurteilst du ihn als Fußballspieler, sein technisches Können, seinen Blick fürs Spielgeschehen?
Joshua Mayers: Ich habe ihn als Spieler immer sehr verehrt. Manchmal schient es schwierig zu sein, die beste Position für ihn zu finden. Und er kämpft darum, einen großen Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Davon mal abgesehen wird er immer der Star in seiner Mannschaft sein, egal ob in der Liga oder in der Nationalmannschaft. Er musste immer alles machen. Ich glaube sein Leistungsvermögen wird sich deutlicher in einer Mannschaft mit überragenden Talenten und geringeren Erwartungen zeigen. Im Zusammenspiel mit Leuten wie Toni und Klose wird Donovan nach meinem Gefühl zu einem besseren Spieler.
American Arena: Wird man ihn in der MLS vermissen?
Joshua Mayers: Ich denke, man wird ihn der MLS ein bisschen vermissen. Wahre amerikanische Fußballfans allerdings wollen, dass sich die besten US-Spieler in Europa weiterentwickeln. Wir wissen, er ist ein großartiger Spieler und wollen erleben, dass er auf einem höheren Niveau Erfolg hat. Es ist zwar traurig, ein Toptalent gehen zu sehen, die meisten werden jedoch erkennen, dass dies besser für den amerikanischen Fußball ist.
American Arena: Millionen von jungen Amerikanern spielen Fußball, aber die besten Talente legen eine Einstellung an den Tag, die von dem im Rest der Welt abweicht. Was für ein Typus spielt in den USA eigentlich Fußball (und nicht Basketball oder Football)? Der intelligentere Typ? Jemand, der weniger streit- und rauflustig ist?
Joshua Mayers: Ich bin nicht sicher, ob ich eine genaue Einschätzung darüber abgeben kann, welche Jugendlichen sich für Fußball entscheiden. Ich denke, die Attraktivität der Sportart besteht darin, dass jeder mitmachen kann. Wenn ich raten soll, würde ich sagen: die Sportart zieht generell eher kleinere und aggressivere Kinder an.
Nachtrag: Das Fußball-Establishment stuft Donovans Erfolgsaussichten eher niedrig ein und sagt das auch klar und deutlich – bei ESPN. Hier der Schnipsel:
Jürgen Klinsmann sieht das anders und erklärt es ganz locker auf Englisch:
Beide Links bei The Beautiful Game gefunden.
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22. November 2008
19. August 2008
John Carlos – oder die Geschichte eines Interviews
Man trifft im Laufe der Jahre in den USA viele Athleten, weil man sich mit ihnen über ihre Karriere, ihre Ambitionen und ihre Einschätzung der Welt unterhalten möchte. Im Regelfall heißt das, man muss einen kleinen Parcours von Managern, Agenten, PR-Leuten im Umfeld durchlaufen, aber erhält am Ende sehr zuverlässig exakt das, was vereinbart wurde. Das erleichtert die Arbeit.
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man jemanden wie John Carlos um einen Gesprächstermin bittet. Der Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele in Mexico City ist nicht Teil dieses Systems aus Geben und Nehmen, aus dem ein Großteil der Sportberichterstattung besteht. Der Mann, der zu einer Symbolfigur für Politik und Rassendiskriminierung wurde, als er und sein Mannschaftskollege Tommie Smith bei der Siegerehrung die geballte Faust zum Black-Power-Gruß in den Himmel reckten, braucht keine Publicity. Und die Geschichte über die Protestaktion damals hat er oft genug erzählt. Man kann ihn auch nicht damit beeindrucken, dass man bereit ist, sich auf den weiten Weg nach Palm Springs in Kalifornien zu machen, an seinen Wohnort, um ihn dort zu treffen. So wusste ich selbst einen Tag vor dem vereinbarten Termin nicht, ob es zu dem Gespräch kommt. Denn er war nicht zu erreichen, um das Vereinbarte zu bestätigen. Ich saß in San Diego, über 200 Kilometer weit weg, und befürchtete, dass der ganze Plan ins Wasser fallen würde. Einen Tag danach konnte ich ihn dann doch erreichen, und wir trafen eine neue Verabredung. Würde er kommen? Würde er mich sitzen lassen? Er kam, sogar etwas früher als besprochen, und schlenderte entspannt durch die Lobby des Hotels. "Dr. Carlos", wie er am Telefon betont hatte. Ein Mann von 63 Jahren mit weißen Haaren und weißem Hemd und weißer Hose, der sich als Gegenleistung nichts anderes erbeten hatte, als dass ich ihn zum Frühstück einlade. Wir haben uns eine Stunde unterhalten. Und er hat erklärt, weshalb er sich mit seinem Kollegen Tommie Smith zerstritten hat, dem er damals das Rennen und den Sieg geschenkt hat. Und weshalb er im Jahr 2008 einen Athleten-Boykott der Spiele in China ablehnte, obwohl er 1968 eine solche Initiative der schwarzen US-Sportler für notwendig ansah. Die Reise und das Warten hatten sich gelohnt.
Morgen abend stehen in Peking die 200 Meter auf dem Programm. Diesmal mit einem Läufer, der schon über die 100 Meter gezeigt hat, dass er die olympische Bühne vor allem nur für ein Anliegen nutzen will: zu einer Form der Selbstdarstellung, bei der man die Konkurrenz öffentlich vorführt und das Herz der Sponsoren und der eigenen Landsleute erfreut. Da ist es gut, sich daran zu erinnern, dass es auch schon mal andere Athleten gab. Die ausführliche Version des John-Carlos-Interviews wurde vor den Spielen in der FAZ veröffentlicht. Einen Radio-Beitrag zum Thema hat der Deutschlandfunk am Sonntag gesendet.
Übrigens: In der morgigen Ausgabe der FAZ wird ein Interview mit einem weiteren Teilnehmer des Endlaufs von 1968 zu lesen sein. Gesprächspartner: Jochen Eigenherr, der in Mexico City den Europarekord einstellte und als Zeitzeuge die Ereignisse von damals einordnet.
Mehr zum Thema: Ein Video mit dem Titel John Carlos Fist of Freedom gibt es hier. Und hier einen Trailer zum Dokumentarfilm Salute, den Matt Norman, der Neffe des Australiers Peter Norman, gedreht hat. Der belegte damals den zweiten Platz und trug bei der Siegerehrung ebenfalls einen Button der Menschenrechtsorganisation Olympic Project for Human Rights.
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man jemanden wie John Carlos um einen Gesprächstermin bittet. Der Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele in Mexico City ist nicht Teil dieses Systems aus Geben und Nehmen, aus dem ein Großteil der Sportberichterstattung besteht. Der Mann, der zu einer Symbolfigur für Politik und Rassendiskriminierung wurde, als er und sein Mannschaftskollege Tommie Smith bei der Siegerehrung die geballte Faust zum Black-Power-Gruß in den Himmel reckten, braucht keine Publicity. Und die Geschichte über die Protestaktion damals hat er oft genug erzählt. Man kann ihn auch nicht damit beeindrucken, dass man bereit ist, sich auf den weiten Weg nach Palm Springs in Kalifornien zu machen, an seinen Wohnort, um ihn dort zu treffen. So wusste ich selbst einen Tag vor dem vereinbarten Termin nicht, ob es zu dem Gespräch kommt. Denn er war nicht zu erreichen, um das Vereinbarte zu bestätigen. Ich saß in San Diego, über 200 Kilometer weit weg, und befürchtete, dass der ganze Plan ins Wasser fallen würde. Einen Tag danach konnte ich ihn dann doch erreichen, und wir trafen eine neue Verabredung. Würde er kommen? Würde er mich sitzen lassen? Er kam, sogar etwas früher als besprochen, und schlenderte entspannt durch die Lobby des Hotels. "Dr. Carlos", wie er am Telefon betont hatte. Ein Mann von 63 Jahren mit weißen Haaren und weißem Hemd und weißer Hose, der sich als Gegenleistung nichts anderes erbeten hatte, als dass ich ihn zum Frühstück einlade. Wir haben uns eine Stunde unterhalten. Und er hat erklärt, weshalb er sich mit seinem Kollegen Tommie Smith zerstritten hat, dem er damals das Rennen und den Sieg geschenkt hat. Und weshalb er im Jahr 2008 einen Athleten-Boykott der Spiele in China ablehnte, obwohl er 1968 eine solche Initiative der schwarzen US-Sportler für notwendig ansah. Die Reise und das Warten hatten sich gelohnt.
Morgen abend stehen in Peking die 200 Meter auf dem Programm. Diesmal mit einem Läufer, der schon über die 100 Meter gezeigt hat, dass er die olympische Bühne vor allem nur für ein Anliegen nutzen will: zu einer Form der Selbstdarstellung, bei der man die Konkurrenz öffentlich vorführt und das Herz der Sponsoren und der eigenen Landsleute erfreut. Da ist es gut, sich daran zu erinnern, dass es auch schon mal andere Athleten gab. Die ausführliche Version des John-Carlos-Interviews wurde vor den Spielen in der FAZ veröffentlicht. Einen Radio-Beitrag zum Thema hat der Deutschlandfunk am Sonntag gesendet.
Übrigens: In der morgigen Ausgabe der FAZ wird ein Interview mit einem weiteren Teilnehmer des Endlaufs von 1968 zu lesen sein. Gesprächspartner: Jochen Eigenherr, der in Mexico City den Europarekord einstellte und als Zeitzeuge die Ereignisse von damals einordnet.
Mehr zum Thema: Ein Video mit dem Titel John Carlos Fist of Freedom gibt es hier. Und hier einen Trailer zum Dokumentarfilm Salute, den Matt Norman, der Neffe des Australiers Peter Norman, gedreht hat. Der belegte damals den zweiten Platz und trug bei der Siegerehrung ebenfalls einen Button der Menschenrechtsorganisation Olympic Project for Human Rights.
15. Mai 2008
Kotau vor Kahn
Einem dankenswerten Hinweis von nolookpass folgend, habe ich gerade die beiden empfohlenen Texte von Henning Sussebach gelesen. Bei denen handelt es sich rein vordergründig um zwei sehr bemerkenswerte Versuche, die Seelenlandschaft eines Torwarts zu vermessen. Tatsächlich, so stellt sich heraus, offenbart die Arbeit von Sussebach etwas sehr viel Interessanteres: Den Stand der Dinge im Verhältnis deutscher Printmedien zu Interviewpartnern von einem gewissen gesellschaftlichen Kaliber. Sie haben Angst. Sie knicken ein. Sie machen sich zu Handlangern einer Propaganda-Industrie, die ohne ihre liebedienerischen Bemühungen gar nicht existieren würde. Sussebach hat damals noch ganz gut beackert, das aufgepfropfte Dilemma, für das er nichts konnte. "Jede Zeile ist mit dem Rechtsanwalt der ZEIT abgestimmt", schrieb er, ehe er uns ein Interview präsentierte, das nur seine Fragen publizierte. Das Drucken der Antworten hatte sich Oliver Kahn verbeten.
In welchem Gesetz in Deutschland steht eigentlich, dass ein Gesprächspartner das Recht hat, die Aufzeichnungen eines Medienarbeiters vor Veröffentlichung gegenzulesen? Gegebenfalls zu verändern? Oder gar rechtsverbindlich zu erklären: "Ja, doch, es sei so geredet worden, wie es nun aufgeschrieben sei, alles authentisch, nur dürfe das niemand lesen. Nicht vor seinem Karriereende, das müsse man verstehen"?
Man muss vielleicht mal darauf aufmerksam machen, dass es so etwas in Ländern wie den USA oder Großbritannien nicht gibt. Dieses Abstimmen und Autorisieren von Gesprächen im Print-Journalismus. Gesagt ist gesagt. Man teilt schon mal hin und wieder ein paar Sätze und Gedanken "off the record" mit und kann und darf erwarten, dass der Journalist das nicht verwendet. Man bekommt manchmal Informationen auch nur "on background" oder "deep backgrund". Aber das heißt nur, dass man im Falle des Zitierens die redende Person so verschleiern muss, dass niemand die wahre Identität erkennen kann. Das Protokoll eines kompletten Gesprächs blockiert niemand. Buyer's remorse geht auf die Kappe des Befragten nicht auf Kosten der Leser einer Publikation, deren verdammte Aufgabe es sein sollte, das aufgesetzte Antlitz eines Selbstdarstellers abzuarbeiten und dahinter zu schauen.
Es geht bei diesem Thema gar nicht um diesen Einzelfall, zumal Sussebach nach Kräften Öffentlichkeit hergestellt und den Fall, so gut es ging, transparent gemacht hat. Tatsächlich häufen sich die Eingriffe wie man an Diskussionen in Medienblogs wie dem von Stefan Niggemeier erkennen kann. Hier ein anderes Beispiel im Nachklang eines spektakulären Interviewfalls: Reporter interviewt Geiselnehmer per Telefon in der Bank. Kuriosität am Rande: Der Reporter selbst will hinterher sein Gespräch mit einem Medienvertreter nicht autorisieren, während er vermutlich den Geiselnehmer nie um so etwas gebeten hätte.
Die Meinungsbeiträge auf dieser Seite der Akademie für Publizistik in Hamburg zeigen, wie weit die Kotau-Gesellschaft vorangeschritten ist. Große hohle Worte wie Medien-Ethik flattern da herum, um ein Verhalten zu rechtfertigen, dass in der Konsequenz die Grundsätze der Medienarbeit aushöhlt. Eine der merkwürdigsten Gedankenansätze zu diesem Thema ist die Behauptung von Bernhard Debatin, es gebe ein "Gebot der Autorisierung von Interviews (Pressekodex Ziffer 2)". Den Pressekodex, aufgestellt vom Presserat, kann jeder selber nachlesen. Da steht das blanke Gegenteil: "Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden." Sie werden aber entstellt und verfälscht, wenn Gesprächspartner hinterher entscheiden können, ob ihre Aussagen veröffentlicht werden dürfen oder nicht. Mit anderen Worten: Wem etwas an der Wahrheit liegt, der lässt keine Interviews autorisieren. Woraus sich zwingend ergibt, dass er nicht vorher sein Recht auf freie Berichterstattung freiwillig aufgibt und vorab einer Autorisierung zustimmt. Mehr dazu in den Richtlinien.
Wer jetzt noch Lust auf das zweite, aktuelle Stück von Sussebach verspürt, sollte es ebenfalls lesen. Und vielleicht auch mal mit dem ersten vergleichen. Und überlegen, wieviel Aufwand ein Autor treiben muss, der einst an die Kandarre genommen wurde, um am Ende einen so uninteressanten Menschen wie Oliver Kahn zu porträtieren. Und was unterm Strich herauskommt. "Aber die Leere, die dann kommt, die muss ich aushalten lernen.", hatte der Torwart über die Zeit nach dem Ende seiner Karriere gesagt. Zapperlot, wie tief.
In welchem Gesetz in Deutschland steht eigentlich, dass ein Gesprächspartner das Recht hat, die Aufzeichnungen eines Medienarbeiters vor Veröffentlichung gegenzulesen? Gegebenfalls zu verändern? Oder gar rechtsverbindlich zu erklären: "Ja, doch, es sei so geredet worden, wie es nun aufgeschrieben sei, alles authentisch, nur dürfe das niemand lesen. Nicht vor seinem Karriereende, das müsse man verstehen"?
Man muss vielleicht mal darauf aufmerksam machen, dass es so etwas in Ländern wie den USA oder Großbritannien nicht gibt. Dieses Abstimmen und Autorisieren von Gesprächen im Print-Journalismus. Gesagt ist gesagt. Man teilt schon mal hin und wieder ein paar Sätze und Gedanken "off the record" mit und kann und darf erwarten, dass der Journalist das nicht verwendet. Man bekommt manchmal Informationen auch nur "on background" oder "deep backgrund". Aber das heißt nur, dass man im Falle des Zitierens die redende Person so verschleiern muss, dass niemand die wahre Identität erkennen kann. Das Protokoll eines kompletten Gesprächs blockiert niemand. Buyer's remorse geht auf die Kappe des Befragten nicht auf Kosten der Leser einer Publikation, deren verdammte Aufgabe es sein sollte, das aufgesetzte Antlitz eines Selbstdarstellers abzuarbeiten und dahinter zu schauen.
Es geht bei diesem Thema gar nicht um diesen Einzelfall, zumal Sussebach nach Kräften Öffentlichkeit hergestellt und den Fall, so gut es ging, transparent gemacht hat. Tatsächlich häufen sich die Eingriffe wie man an Diskussionen in Medienblogs wie dem von Stefan Niggemeier erkennen kann. Hier ein anderes Beispiel im Nachklang eines spektakulären Interviewfalls: Reporter interviewt Geiselnehmer per Telefon in der Bank. Kuriosität am Rande: Der Reporter selbst will hinterher sein Gespräch mit einem Medienvertreter nicht autorisieren, während er vermutlich den Geiselnehmer nie um so etwas gebeten hätte.
Die Meinungsbeiträge auf dieser Seite der Akademie für Publizistik in Hamburg zeigen, wie weit die Kotau-Gesellschaft vorangeschritten ist. Große hohle Worte wie Medien-Ethik flattern da herum, um ein Verhalten zu rechtfertigen, dass in der Konsequenz die Grundsätze der Medienarbeit aushöhlt. Eine der merkwürdigsten Gedankenansätze zu diesem Thema ist die Behauptung von Bernhard Debatin, es gebe ein "Gebot der Autorisierung von Interviews (Pressekodex Ziffer 2)". Den Pressekodex, aufgestellt vom Presserat, kann jeder selber nachlesen. Da steht das blanke Gegenteil: "Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden." Sie werden aber entstellt und verfälscht, wenn Gesprächspartner hinterher entscheiden können, ob ihre Aussagen veröffentlicht werden dürfen oder nicht. Mit anderen Worten: Wem etwas an der Wahrheit liegt, der lässt keine Interviews autorisieren. Woraus sich zwingend ergibt, dass er nicht vorher sein Recht auf freie Berichterstattung freiwillig aufgibt und vorab einer Autorisierung zustimmt. Mehr dazu in den Richtlinien.
Wer jetzt noch Lust auf das zweite, aktuelle Stück von Sussebach verspürt, sollte es ebenfalls lesen. Und vielleicht auch mal mit dem ersten vergleichen. Und überlegen, wieviel Aufwand ein Autor treiben muss, der einst an die Kandarre genommen wurde, um am Ende einen so uninteressanten Menschen wie Oliver Kahn zu porträtieren. Und was unterm Strich herauskommt. "Aber die Leere, die dann kommt, die muss ich aushalten lernen.", hatte der Torwart über die Zeit nach dem Ende seiner Karriere gesagt. Zapperlot, wie tief.
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28. Dezember 2007
Der Klingelbeutel: Arm und Rich
DIRK NOWITZKI ist bekanntermaßen meistens nicht sehr auskunftsfreudig, wenn es um sein Privatleben geht. Aber dem Plain Dealer in Cleveland ist es gelungen, ihm ein paar Details abzuringen. Das Interview zeigt aber auch, wofür sich amerikanische Journalisten und amerikanische Zeitungsleser interessieren: dafür, welches der berühmteste Name in seinem Kurzwahlverzeichnis im Mobiltelefon ist. Profaner geht's nicht.
DIE NFL HAT SICH LANGE GEZIERT, aber dann doch klein beigegeben. Das eigentlich bedeutungslose Spiel der New England Patriots gegen die New York Giants am Samstag, das ursprünglich exklusiv auf dem ligaeigenen NFL Network laufen sollte, kommt nun auch über terrestrische Kanäle. Das Nachgeben war zwangsläufig. Halb Amerika interessiert sich für das Match. Wegen der statistischen Facette an dem Match. Es geht für die Patriots darum, ungeschlagen die reguläre Saison zu beenden.
WENN SICH DAS DURCHSETZT, werden wir im amerikanischen Sport eine neue Ära in Sachen Vertragstreue erleben. Denn wenn ein Coach 4 Millionen Dollar Konventionalstrafe zahlen muss, weil er aus einem laufenden Vertrag ausgesteigt, überlegt er sich das alles vielleicht etwas gründlicher. Die Person, um die es konkret geht, heißt Rich Rodriguez, war bislang Football-Trainer an der Universität West Virginia und hat vor kurzem den gleichen Posten bei der Prestige-Uni Michigan in Ann Arbor angenommen. Die Verhandlungen liefen ohne das Wissen seines Arbeitgebers ab, der nach Bekanntgabe der Verpflichtung mal das Kleingedruckte in der schriftlichen Übereinkunft mit Rodriguez studiert hat. Und siehe da: Rich scheint sich über die Konsequenzen seines Schritts nicht ganz klar gewesen sein. Oder er hat geglaubt, man würde ihm den Abgang nachsehen.
DIE NFL HAT SICH LANGE GEZIERT, aber dann doch klein beigegeben. Das eigentlich bedeutungslose Spiel der New England Patriots gegen die New York Giants am Samstag, das ursprünglich exklusiv auf dem ligaeigenen NFL Network laufen sollte, kommt nun auch über terrestrische Kanäle. Das Nachgeben war zwangsläufig. Halb Amerika interessiert sich für das Match. Wegen der statistischen Facette an dem Match. Es geht für die Patriots darum, ungeschlagen die reguläre Saison zu beenden.
WENN SICH DAS DURCHSETZT, werden wir im amerikanischen Sport eine neue Ära in Sachen Vertragstreue erleben. Denn wenn ein Coach 4 Millionen Dollar Konventionalstrafe zahlen muss, weil er aus einem laufenden Vertrag ausgesteigt, überlegt er sich das alles vielleicht etwas gründlicher. Die Person, um die es konkret geht, heißt Rich Rodriguez, war bislang Football-Trainer an der Universität West Virginia und hat vor kurzem den gleichen Posten bei der Prestige-Uni Michigan in Ann Arbor angenommen. Die Verhandlungen liefen ohne das Wissen seines Arbeitgebers ab, der nach Bekanntgabe der Verpflichtung mal das Kleingedruckte in der schriftlichen Übereinkunft mit Rodriguez studiert hat. Und siehe da: Rich scheint sich über die Konsequenzen seines Schritts nicht ganz klar gewesen sein. Oder er hat geglaubt, man würde ihm den Abgang nachsehen.
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11. Dezember 2007
Jack Nicholson: Der Drive lässt nicht nach
Der Mann ist 70 und kann inzwischen auch entspannt auf solche Zwischenfälle in seinem Leben zurückblicken wie die Aktion im Jahr 1994, als er am Steuer seines Autos sass und ausflippte und mit einem Golfschläger die Windschutzscheibe eines anderen Verkehrsteilnehmers zerschmetterte. Die Affäre wurde außergerichtlich geregelt. Nicholson zahlte angeblich eine halbe Million Dollar, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Bislang nicht geklärt war die Frage, mit welchem Schläger ging er dabei zu Werke. "Ich ging an meinen Kofferraum und suchte bewusst einen Schläger aus, den ich auf dem Platz noch nie benutzt hatte: ein Zweier-Eisen." Der Mann hat selbst in solchen Situationen noch alles im Griff.
17. September 2007
Der kleine General fängt an zu nerven
Der kleine General verlebt einen ruhigen Sommer. So als hätte es das frühe Aus in der ersten Playoff-Runde gegen die Golden State Warriors, das er in aller erster Linie zu verantworten hatte, gar nicht gegeben. So als sei das Leben einfach weitergegangen. Neulich hat ihn die Dallas Morning News aufgestöbert und das Gespräch in der heutigen Ausgabe dann auch noch gedruckt. Typisch Dallas und das Denken im Umfeld der NBA: Man verliert kein Wort darüber, dass Dirk Nowitzki gerade in Spanien viel arbeiten musste, um die deutsche Nationalmannschaft ins Peking-Programm zu hieven. Und dass sich das auf die Saison auswirken kann (im letzten Sommer hatte er eine WM zu absolvieren und kam dadurch ebenfalls auf eine Mehrbelastung, die weit über das hinausgeht, was die NBA-Profis in der hochtalentierten US-Mannschaft bringen müssen).
Aber Avery Johnson wäre nicht Avery Johnson, wenn er nicht trotzdem einen Plan für Dirk hätte: "Dirk kann besser werden. Da sind einige Dinge, in denen sich Dirk verbessern kann, die nichts mit Basketball zu tun haben. Dirk kann auf dem Platz und außerhalb besser werden. Es mag da um die Führungsrolle gehen...Er ist der amtierende MVP." Mit anderen Worten: Der schwarze Peter geht vor Beginn des Trainingslagers an den Unterfranken, der gar nicht der Typ ist, eine Mannschaft als seine Mannschaft zu betrachten. Und nicht der Mann, der die Spieler um ihn herum in deren Pflicht nehmen wird. Wenn er ein konfliktbereiter Sportler wäre, hätte er sich längst aus Frust aus Dallas wegtraden lassen. In ein Milieu, wo man seine Qualitäten mit besseren Talenten abstützt. Zum Beispiel mit einem Center, der seinen Namen verdient hat. Und einem Trainer, der nicht dauernd versucht, aus seinem besten Mann, dem man die Nebenleute Nash und Finley weggenommen hat, noch mehr herauszuholen, als der geben kann. Dass Nowitzki am Limit spielt, weil er alles gibt, was er hat, kann doch jeder sehen. Aber auch diesmal wird dem Deutschen wohl keine standesgemäße verbale Retourkutsche einfallen, die signalisieren würde: Hey, Avery, du Klugscheißer, wann wirst du eigentlich endlich besser? Wann leistest du endlich deinen Beitrag, dass uns in der ersten Runde der Playoffs nicht eine solche Panne passiert? Und dass wir nicht eine Finalserie an die Wand fahren wie vor einem Jahr?
Aber Avery Johnson wäre nicht Avery Johnson, wenn er nicht trotzdem einen Plan für Dirk hätte: "Dirk kann besser werden. Da sind einige Dinge, in denen sich Dirk verbessern kann, die nichts mit Basketball zu tun haben. Dirk kann auf dem Platz und außerhalb besser werden. Es mag da um die Führungsrolle gehen...Er ist der amtierende MVP." Mit anderen Worten: Der schwarze Peter geht vor Beginn des Trainingslagers an den Unterfranken, der gar nicht der Typ ist, eine Mannschaft als seine Mannschaft zu betrachten. Und nicht der Mann, der die Spieler um ihn herum in deren Pflicht nehmen wird. Wenn er ein konfliktbereiter Sportler wäre, hätte er sich längst aus Frust aus Dallas wegtraden lassen. In ein Milieu, wo man seine Qualitäten mit besseren Talenten abstützt. Zum Beispiel mit einem Center, der seinen Namen verdient hat. Und einem Trainer, der nicht dauernd versucht, aus seinem besten Mann, dem man die Nebenleute Nash und Finley weggenommen hat, noch mehr herauszuholen, als der geben kann. Dass Nowitzki am Limit spielt, weil er alles gibt, was er hat, kann doch jeder sehen. Aber auch diesmal wird dem Deutschen wohl keine standesgemäße verbale Retourkutsche einfallen, die signalisieren würde: Hey, Avery, du Klugscheißer, wann wirst du eigentlich endlich besser? Wann leistest du endlich deinen Beitrag, dass uns in der ersten Runde der Playoffs nicht eine solche Panne passiert? Und dass wir nicht eine Finalserie an die Wand fahren wie vor einem Jahr?
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21. Januar 2007
Wer hat das gesagt? Das Arena-Ratespiel - Thema heute: Irak-Krieg
Heute das erste American-Arena-Ratespiel - mit ernstem Hintergrund. Welcher Sportler, der sein Geld in den USA verdient, nimmt hier Stellung zu einem brisanten politischen Thema?
Frage: Du warst einer der ersten und einzigen stark beachteten Athleten, der sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hat, ehe er begann. Hast du dir keine Sorgen über eine Gegenreaktion seitens des Publikums gemacht?
Antwort: Nein. Ich wusste, dass ich ein starkes Gefühl zu dieser Situation hatte. Ich habe mich in der Erwartung von Gegenreaktionen oder negativen Haltungen durchaus wohl gefühlt.
Frage: Hast du das Gefühl, dass du rechtbehalten hast?
Antwort: Nein. Es ging nicht um Rechthaben. Ich wollte wirklich nur, dass Leute besser informiert sind und sich einmischen. Ich hatte das Gefühl, dass viele der Medien ihre Berichte verzerren. Es war betäubend...Ich habe meine Gefühle artikuliert, aber es war mehr ein Versuch, die Leute dazu zu bewegen, sich einzumischen, mitzudiskutieren und sich stärker zu informieren.
Frage: Du warst einer der ersten und einzigen stark beachteten Athleten, der sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hat, ehe er begann. Hast du dir keine Sorgen über eine Gegenreaktion seitens des Publikums gemacht?
Antwort: Nein. Ich wusste, dass ich ein starkes Gefühl zu dieser Situation hatte. Ich habe mich in der Erwartung von Gegenreaktionen oder negativen Haltungen durchaus wohl gefühlt.
Frage: Hast du das Gefühl, dass du rechtbehalten hast?
Antwort: Nein. Es ging nicht um Rechthaben. Ich wollte wirklich nur, dass Leute besser informiert sind und sich einmischen. Ich hatte das Gefühl, dass viele der Medien ihre Berichte verzerren. Es war betäubend...Ich habe meine Gefühle artikuliert, aber es war mehr ein Versuch, die Leute dazu zu bewegen, sich einzumischen, mitzudiskutieren und sich stärker zu informieren.
22. Dezember 2006
Rocky Balboa - das American-Arena-Interview
Rocky Nummer sechs ist unter dem Titel Rocky Balboa in die Kinos gekommen. Aber leider war noch keine Zeit, ihn anzuschauen. Deshalb hier eine American-Arena- Premiere der besonderen Art: das erste Interview dieses Blogs. Und zwar mit Craig Zablo vom Rocky Balboa Blog, eine absolute Kapazität, der in Florida zuhause ist.American Arena: Um was für einen Film handelt es sich? Einen Boxfilm? Ein Melodrama? Und was ist gut dran?
Craig Zablo: Es ist ein altmodisches Drama. Gut daran ist, dass es den Kreis schließt, was die Figur Rocky Balboa angeht. Es ist das perfekte Gegenstück zum Original.
American Arena: Welchen Rang gibst du dem Film im Vergleich zu den anderen Rocky-Folgen? Und nach welchen Kriterien gehst du da vor?
Craig Zablo: Ich würde die Rocky-Filme in dieser Rangfolge einordnen: 1, 6 (Rocky Balboa), 3, 2, 4 and 5. Meine Kriterien sind meine Gefühle.
American Arena: Wollen wir wirklich einen 60jährigen Schauspieler sehen, wie der einen Boxer spielt? Wie plausibel ist das?
Craig Zablo: Sehr plausibel. Vergiss nicht: Dies ist SCHAUSPIELEREI. Da Sly viel jünger aussieht als 59 (sein Alter während der Dreharbeiten), ist es egal, wie alt er wirklich ist. Hauptsache, es funktioniert auf der Leinwand. Und das tut es.
American Arena: Sylvester Stallone hat in dieser Serie neben seiner Arbeit als Schauspieler immer auch das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt. Hätte er sich nicht auf seine Aufgabe als Darsteller beschränken sollen, um diesen Aspekt zu verbessern?
Craig Zablo: Überhaupt nicht. Schau dir den Film an und du wirst verstehen weshalb. Sly wird als Regisseur unterschätzt.
American Arena: Welche Hinweise würdest du Zuschauern in Deutschland geben, die Rocky Balboa nur in einer synchronisierten Fassung sehen werden. Was wird ihnen an seiner schauspielerischen Leistung entgehen?
Craig Zablo: Mein Rat ist, sich den Film, wenn möglich, in Englisch mit deutschen Untertiteln anzuschauen. Sly spielt in eienigen Szenen so gut wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.
American Arena: Stell dir vor, dass seine Stimme vermutlich von Thomas Dannenberg gesprochen wird, der auch Arnold Schwarzenegger synchronisiert. Wie kurios findest du das, wenn es um Authentizität geht?
Craig Zablo: Das kann ich nur schwer beurteilen, da ich ihn noch nie gehört habe. Es schon ziemlich lustig, dass der selbe Typ Sly und Arnold spricht.
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