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2. November 2008

Der Klingelbeutel: Tendenz rot

Wir haben heute nacht eine dringend benötigte Extra-Stunde auf die Uhr bekommen und haben dann gleich das Gefühl, mehr Zeit zu haben. Mehr Zeit zum Schreiben, zum Lesen und zum Staunen. Heute über die Kreativität von Fans der Universität Ohio State, die sich mit Michigan und Florida um den inoffiziellen Titel der sportverrücktesten Bildungseinrichtung des Landes streitet. Dies ist das neueste Resultat einer etwas zu intensiven Beschäftigung mit dem Thema: Das T-Shirt (Bild oben links), das so aussieht, als trage einer ein Polohemd und einen ärmellosen Pullover drüber. Die Idee ist eine Verbeugung vor Ohio-State-Football-Coach Jim Tressel (Bild oben rechts). Die Uni, die das Recht hat, den Gebrauch des Logos zu sanktionieren, sah in dem Kleidungsstück nur Gutes und gab dem Erfinder eine Lizenz. Mehr als 10.000 Leibchen sind bereits verkauft.

• A propos Geld: Baseball-Profi Manny Ramirez hat in Los Angeles ein Angebot der Dodgers abgelehnt, das ihn zum höchstbezahlten Spieler der Liga (und in allen Mannschaftssportarten der USA) gemacht hätte. 30 Millionen Dollar im Jahr sind ihm zu wenig.

• Das kommt davon, wenn man monströse Sportanlagen baut und dem Spruch aus dem Baseball-Film Field of Dreams glaubt ("When you build it, they will come"): In Texas wird man an diesem Sonntag beim NASCAR-Rennen auf einem Teil der Karten für das 160.000 Zuschauer fassende Oval sitzen bleiben. Die ersten Anzeichen für eine schleichende Krise im Stock-Car-Geschäft gab es, als im Frühjahr die Öl- und damit auch die Benzinpreise explodierten. Jetzt wird man die heraufdräuende Rezession für die Abstinenz von tausenden verantwortlich machen. Wie wär's mit einer anderen Erklärung? Vielleicht hat das Nudeltopf-Rennformat einfach das Ende des Wachstums erreicht und langweilt immer mehr Leute?

7. Januar 2007

College-Football: Zahltag für Tressel

Mehr Football heute abend mit dem Finale der Studentenmeisterschaft, bei dem eigentlich nur Prestige und Prahlrechte auf dem Spiel stehen. Aber der Blog The Sports Economist hat noch einen anderen Aspekt aufgespürt: Sollte Ohio State die Bowl Championship gegen Florida gewinnen, wird der Vertrag von Trainer Jim Tressel ungültig. Wie das? Tressel hatte diese Provision für den Erfolgsfall ausgehandelt, damit er dann entweder mehr Geld von seinem gegenwärtigen Arbeitgeber einfordern oder sich elegant zu neuen Ufern aufmachen kann. Die Konstellation könnte nicht besser für ihn sein: Alabama hat mit dem Anheuern von Nick Saban, der die Miami Dolphins sitzen liess, die Preisspirale nach oben gedreht. Dass ein wirklich erfolgreicher Coach wie Tressel mindestens ebenso viel Geld verdienen will wie der Schwätzer Saban, wird ihm niemand als Gier auslegen. Für Ohio State mögen 4 Millionen Dollar im Jahr allerdings den Rahmen sprengen. Dort pflegt man aus Tradition noch andere Sportarten, die ebenfalls Geld kosten. Was macht Tressel? Wie wär's mit einem Sprung in die die NFL? Zur Zeit stehen dort ein paar attraktive Positionen zur Disposition.

First things first: Eigentlich sollte Ohio State das Ding gegen Florida ohne viel Aufwand gewinnen und nicht so schummelig wie vor vier Jahren das Ding gegen Miami im Fiesta Bowl, als der umstrittene Sieg den Ausschlag für den Gewinn des Titels gab. Dann wird gefeiert und kurz darauf auch schon gefeilscht. Die Delegation aus der Politik des Staates Ohio im Stadio in Glendale ist riesig. Es wurden zwei Flugzeuge gechartert, um das Gefolge nach Arizona zu bringen. Eine normale Eintrittskarte in der Kategorie um 180 Dollar kann man nach Angaben des Cleveland Plain Dealer auf dem Schwarzmarkt für das zehnfache losschlagen.