Das bislang beste Interview mit Andre Agassi seit der Veröffentlichung seiner Autobiographie (Titel: Open) hat David Letterman auf die Beine gestellt. Weil die Enthüllungen – Drogenmissbrauch und künstliche Haare – keine Nachrichtenwert mehr haben, schlägt der Showmensch eine andere Route ein, um den ehemaligen Tennisspieler zum Reden zu bringen. Das Resultat: kleine, aber kluge Bekenntnisse zur Psychologie des Sports und den Tennisspiels im besonderen: "Da musst du nicht gut sein, sondern nur besser als der Gegner. Das ist wie bei einem Wettbewerb, bei dem man sich gegenseitig anstarrt." Agassi wäre, so sagt er, lieber Mannschaftssportler geworden, um in etwas mitwirken zu können, dass größer ist als er selbst. Sein Vater, der ihn früh in die Misere trieb, aus der er sich erst nach der großen Selbstbefragung nach der Leistungskrise der neunziger Jahre herausarbeiten konnte, hat sich über die in dem Buch enthaltene familieninterne Abrechnung nicht weiter aufgeregt. Der allzu geldfixierte Erzeuger sagte seinem Sohn: "Ich würde alles genauso machen. Mit einer Ausnahme: Ich hätte dich Baseball oder Golf spielen lassen sollen. Da ist man länger im Geschäft."
Blick zurück: Die Ankündigung der Memoiren im Jahr 2007 mitsamt den Angaben zum Autorenhonorar und einer Fehleinschätzung: Agassi hatte tatsächlich noch ein paar interessante Details aus seinem Leben auf Lager
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12. November 2009
6. September 2007
Möbel, Hotels und noch mehr: Die Agassi Graf Inc. macht von sich reden
"Eingeprägt in die Erinnerung haben sich folgende Eindrücke: Ein sternenklarer, kalter Sommerabend, wie er in der Wüste üblich ist. Zuschauer auf den Tribünen des Centre Court von La Costa, die sich in Jacken und Sweat-Shirts gehüllt haben. Motten und Mücken in dem Flutlicht, das dem Rechteck der weißen Linien auf dem graugrünen Hartplatz eine surreale Schärfe gibt. Die lauten Rufe schläfriger Linienrichter. Und das Geplänkel zweier Spielerinnen, die einander in der Manier des Damen-Tennis von jenseits der Grundlinie mit allzu monotonen Schlägen in Verlegenheit zu bringen versuchen."Mit diesen Worten habe ich später meine Eindrücke über das letzte Spiel von Steffi Graf im Sommer 1999 auf der WTA Tour für die Schweizer Sonntagszeitung beschrieben. Ein Match, aus dem sie mit einer Oberschenkelverletzung ausstieg und das wegen dieser Mischung aus Banalität und Ereignislosigkeit seltsam nachhallte. Als Graf damals aufgab, erklärte sie uns Journalisten, dass sie nach einer Rehabilitationsphase weiterspielen werde. Tatsächlich wusste sie bereits auf dem Flug nach San Diego, dass sie absolut keine Lust mehr hatte. Sie ging und wurde von niemandem bezwungen und von niemandem gefeiert. Wohl auch deshalb wirkte dieser Auftritt von Steffi Graf in der Erinnerung wie ein Stück aus jenem schlechten Film, in dem sie jahrelang gefangen schien.
Der amerikanische Fernsehsender HBO hat in seiner Senderreihe Real Sports jenen Abend noch einmal kurz gestreift - im Rahmen eines seltenen Interviews, das das Ehepaar Agassi/Graf gab. Eigentlich sind die Reminiszenzen an sein und ihr Karrierende nur Nebengeräusche für die Public-Relations-Arbeit der beiden, die sich inzwischen mit Möbeldesign und Immobilienprojekten beschäftigen. Aber mitunter entdeckt man in solchen ausführlicheren TV-Beiträgen noch etwas mehr. Die Antwort auf die Frage: Weshalb Steffi Graf anders als andere große Figuren des Sports so tonlos ihre Karriere beendete. So war sie eben. So ist sie eben. Selbst heute noch sitzt sie auf der Couch vor der Kamera neben ihrem Lebenspartner und wirkt so, als ob sie am liebsten woanders wäre.
16. April 2007
Sie küssen und sie schlagen sich
Nicht alles im Leben führt so wie bei François Truffaut zu einem melancholischen Film. Das verhindert jedoch nicht, dass einem zu jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit seine intelligenten Titel einfallen. Wie der seines Erstlingswerks "Sie küssten und sie schlugen ihn". Die Assoziation dazu ergab sich einfach nach Lektüre der Nachricht, dass Steffi Graf von ihrem Ehegatten Andre Agassi auf dem Tennisplatz in Houston vor vielen Zuschauern das Rackett ins Gesicht gepfeffert wurde. Die Wunde musste mit drei Stichen genäht werden.
Truffauts deutsche Titel waren nur selten derart kleine originelle Meisterwerke. Meistens wurden sie nur ziemlich geradlinig übersetzt. In diesem Fall war die kreative Freiheit ein Segen. Das französische Original heißt auf Deutsch nur extrem prosaisch "400 Schläge". Hier der Trailer:
Truffauts deutsche Titel waren nur selten derart kleine originelle Meisterwerke. Meistens wurden sie nur ziemlich geradlinig übersetzt. In diesem Fall war die kreative Freiheit ein Segen. Das französische Original heißt auf Deutsch nur extrem prosaisch "400 Schläge". Hier der Trailer:
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29. März 2007
Agassis Memoiren: Mehr als 5 Millionen Dollar Honorar
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