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16. Januar 2009

Zwei-Tage-Marathon

Die Idee ist an und für sich ganz löblich, wenigstens einen offiziellen Feiertag zu haben, an dem man in den USA daran erinnert wird, wie stark die Geschichte des Landes mit der Geschichte der Sklaverei verknüpft ist und mit dem Kampf für Gleichberechtigung. Auch wenn man sich fragt: Wie wäre es dann mit einem Gedanktag für die Indianer und Ureinwohner anstatt dieses komischen Columbus Day im Herbst? Und warum ausgerechnet ein Tag zu Ehren von Martin Luther King? War der wirklich von allen herausragenden schwarzen Amerikanern der alles Überstrahlende?

Aber der Hinweis auf solche Ungereimtheiten ist keine Beschwerde, sondern Ausgangspunkt für einen Programmpunkt der nächsten Woche: den Zwei-Tage-Marathon, den der Kalender produziert hat. Zuerst Martin Luther King Day am Montag. Und dann Barack Obama Day aus Anlass seiner Einschwörung als Präsident am Dienstag. Auch bei ESPN wurde man offensichtlich schon eingeschworen. Der Sender will zwei Tage lang ins Archiv steigen und bahnbrechende Sportlerkarrieren präsentieren, die alle eines gemeinsam haben: Den Beteiligten gelang es jeweils, ein Stück Diskriminierung hinter sich zu lassen, unter dem der Sport in den USA einst genauso litt wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche.

ESPN geht allerdings sogar noch weiter und überträgt den offiziellen Teil aus Washington am Dienstag live und will seine Mikrofone Sportlern unter die Nase halten, die sich eigens für Feierlichkeiten auf den Weg in die Hauptstadt machen werden. Am Tag danach muss der neue Präsident dann wohl die Ärmel aufkrempeln und damit anfangen, den Stall auszumisten, den sein Vorgänger hinterlassen hat.

28. August 2008

Damals nur ein Traum

Gleich live der Abschluss des Parteitags der Demokraten: Barack Obama in einem Football-Stadion in Denver vor ungefähr 70.000 Zuschauern, wo er die Rede hält, mit der der Wahlkampf richtig in Fahrt kommt. Viele Kommentatoren sehen sich veranlasst, an diesem Tag an den 28. August vor 45 Jahren zu erinnern, als Martin Luther King auf den Stufen des Lincoln Memorial in Washington seine berühmte Rede hielt, die als I have a dream speech in die Geschichte einging. King erinnerte damals vor hunderttausenden von Demonstranten daran, dass hundert Jahre nach Abschaffung der Sklaverei in den USA de facto in vielen Teilen des Landes, insbesondere im Süden, von Gleichberechtigung nicht die Rede sein konnte. Rassentrennung war an der Tagesordnung. Schwarze wurden aktiv bedroht und behindert, wenn sie versuchten zu wählen. Ihre wirtschaftliche Lage war elend. Es gab erste Versuche seitens der Kennedy-Regierung, mit Hilfe von Armeeeinheiten die Öffnung der Schulen durchzusetzen, die ein Jahrzehnt vorher durch eine Entscheidung des Supreme Court dekretiert worden war. Dies ist das Video-Dokument von damals:

Hier kann man den Text nachlesen.
Ein Kommentator der Baltimore Sun hat noch einen weiteren Jahrestag ausgegraben, der zu diesem Thema passt: Der 28. August 1945 ist der Tag, an dem der schwarze Baseballprofi Jackie Robinson den Mann traf, der ihn später bei den Brooklyn Dodgers als ersten dunkelhätuigen Athleten in eine Profimannschaft aufnahm. Damals spielten die schwarzen Baseballspieler in der sogenannten Negro League vor schwarzem Publikum.