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31. Januar 2010

Der Klingelbeutel: Obama auf Jobsuche

Mit sechzehn beim Dopen erwischt zu werden, ist für einen Baseballspieler in den USA vergleichsweise preiswert. Duanel Jones verlor zwar seinen Vertrag mit den San Francisco Giants, der ihm als hoch gehandelten jungen Third Baseman 1,3 Millionen Dollar garantierte. Aber die 50 Spieltage Sperre kann er gemütlich absitzen, sobald ihm ein neues Team eine Vereinbarung offeriert. Als Free Agent kann er mit jedem Club verhandeln. Jones kommt aus der Dominikanischen Republik, dem Land, aus dem sich Alex Rodriguez jahrelang die Anabolika besorgte.

• Wer weiß, ob er solche Anwandlungen wie sein Altersgenosse Brett Favre bekommt, der einfach nicht aufhören will und letzten Sonntag mit Minnesota nur knapp vor dem Einzug in den Super Bowl abgefangen wurde? Aber vielleicht tritt er endgültig ab? Von Kurt Warner ist die Rede, der von der Nachrichtenagentur Reuters zum Abschied mit dem Attribut "brilliant" ausgestattet wurde. Bilanz: so viele Super-Bowl-Erfolge wie Favre (einen mit den St. Louis Rams, aber mehr Auftritte im Finale – nämlich zwei weitere, einer mit den Rams und einer im letzten Jahr mit den Arizona Cardinals).

• Der Präsident der Vereinigten Staaten als Aushilfs-Fernsehkommentator beim College-Basketball mit Verne Lundquist, einem der besten der Branche. Auf dem Spielfeld Duke und Georgetown in einem Match in Washington, zu dem Barack Obama nicht weit fahren musste.
Jemand am Resultat des Spiels interessiert? 89:77 für die Hoyas. Coach K hatte seine Republikaner-Fahne wohl freiwillig vorher eingerollt.

7. April 2009

Der Klingelbeutel: Obamas Wille geschehe


So sieht's aus in den USA: Der amtierende Präsident wird von ESPN vor dem K.O.-Turnier gefragt, wie es ausgeht, und er erklärt: North Carolina wird Meister. Gestern in Detroit wurde die Sache besiegelt. North Carolina gewann die NCAA Championship im Basketball. 89:72 bedeutet: ein ziemlich schnelles Spiel, in dem beiden Seiten im Angriff nicht lange fackelten. Gegner Michigan State hatte Sympathiepunkte, die nichts mit Basketball zu tun haben. Kein Bundesstaat leidet so sehr unter der akuten Krise und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der amerikanischen Autoindustrie. Die Arbeitslosigkeit liegt über 12 Prozent.

• Die Süddeutsche hat sich einem absoluten Minderheitenthema gewidmet: Sie berichtet über den Erfolg von Lacrosse in Deutschland. "Mehr und mehr etabliert" sagen sie, nachdem sie ganze 1600 Spieler ausgemacht haben. Gut zu wissen. Es gibt eine deutsche Nationalmannschaft. Und die war auch schon mal Europameister. Leider enthält der Bericht keinen Hinweis darauf, dass das Spiel in den USA und Kanada von zehntausenden von Mädchen gespielt wird (mit leicht modifzierten Regeln, denn die Sportart ist ruppig). Hier noch ein Link für Interessenten: Auch Lacrosse hat eine Hall of Fame. In Baltimore.

• Man durfte sich all die Jahre wundern, in denen immer mehr Sportveranstaltungen auf einen Tag in der Woche wanderten, den so manche christliche Konfession zum absolut freudlosesten von allen erklärt hatte, wo bleiben die Proteste? Sie waren einfach nur verstummt. Jetzt sind sie wieder da. Zumindest mit Blick auf den kommenden Sonntag, den österlichen. Und bezogen auf England und seine Traditionen, die da einst unverrückbar lautete: Sport? "Sonntags nie". Der nächste Erzbischof von Westminister, fast so etwas wie eine Eminenz, hat das Thema in die Öffentlichkeit getragen. Seiner Beschwerde an die Premier League liegt ein heftiges Argument zu Grunde. Die Liga würde die Gefühle ihrer Angestellten verletzen. Der Erzbischof ist Liverpool-Fan.

• Man kann das Thema Anabolika im Sport auch lustig sehen (wenn man zum Beispiel nicht über die medizinischen Folgen von Missbrauch nachdenkt). Und dann entwickelt man ein Online-Spiel wie dieses (via the Big Lead).

18. März 2009

NFL: Botschafter in Dublin

Dan Rooney, der Eigentümer der Pittsburgh Steelers, hat einen neuen Job. Er wird Botschafter der Vereingten Staaten in Dublin. Es handelt sich um das Dankeschön von Barack Obama an einen Mann, der ihn schon früh im Wahlkampf unterstützt hat. Man fragt sich: Warum gibt es so etwas nicht in Deutschland? Franz Beckenbauer wäre doch ein idealer Diplomat und könnte seine Heimat doch in der Ferne viel besser vertreten und gleichzeitig der Welt erklären, wieso man in Deutschland immer noch so hervorragend Fußball spielt. Andere Figuren aus dem Sport hätten doch sicher ebenfalls das Format. Und man könnte auf diese Weise deren dann frei gewordenen Stühle wieder neu besetzen und müsste nicht warten, bis sie irgendwann im hohen Alter das Zepter abgeben.

9. März 2009

Doping: Chambers erzählt, wie's war

Nachdem in der vergangenen Woche der Meineid-Prozess gegen Barry Bonds auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, werden wir uns in Geduld üben müssen, wenn wir herausfinden wollen, wie es wirklich damals bei BALCO zuging. Auch das Buch von BALCO-Chef Victor Conte hängt noch in der Luft. Von ihm erhoffen wir uns noch ein paar hübsche Enthüllungen. Es gibt Anzeichen dafür, dass der Bonds-Prozess wie das Horneberger Schießen ausgeht. Eines der Indizien sind die Signale aus Washington, wo mit Präsident Obama und seinem neuen Justizminister Eric Holder zwei Männer an der Steuerseilen sitzen, die in Sachen Doping nichts von der starken Hand des Staates halten. Dazu mehr in einem Radiobeitrag im Deutschlandfunk, der am Sonntag über den Sender ging.

Einer der gedopten Sportler aus Contes Kundenkreis, der britische Sprinter Dwain Chambers, hat inzwischen sein eigenes Buch publiziert und erzählt davon, wie er sich vollpumpte. Chambers wurde gesperrt und musste seine Siegprämien zurückzahlen. Am Wochenende in Turin wurde er Europameister in der Halle über 60 Meter. Aber der Fall geht in die zweite Runde. Chambers hat in dem Buch zugegeben, was ihn die Doping-Mast kostete: 30.000 Dollar im Jahr. Ein happiger Kostenansatz in der Kalkulation, aber wiederum nicht so hoch, als dass er sich angesichts der Erfolge nicht auch wirtschaftlich rechtfertigen ließe. Angeblich will der Internationale Leichtathletikverband IAAF sich noch mal mit der Akte Chambers beschäftigen.

20. Januar 2009

Obama übernimmt

In ein paar Stunden wird in Washington der Mann eingeschworen, den ich gerne als meinen Präsidenten bezeichnen würde. Und das, obwohl ich kein Bürger dieses Landes bin und nicht wählen kann. Aber vor etwas mehr als einem Jahr nach einer seiner ersten Reden vor einem großem Publikum war einfach klar, dass jemand mit seinen Qualitäten gebraucht wird, um diesen anti-intellektuellen Alpdruck zu beenden, der seit langem über diesem Land liegt und der die Energie von 300 Millionen Menschen erlahmt. Vor einem Jahr sah die unmittelbare wirtschaftliche Zukunft noch nicht so hässlich aus. Aber es hatte sich genug aufgestaut. Angefangen mit der Okkupation des Irak.

Die Chancen, dass Barack Obama Präsident werden würde, sahen damals nicht besonders gut aus. Und man hätte jeden für verrückt erklärt, der den Lauf der Dinge voraussagt. Ich habe damals nur eines gesagt: Wenn Hillary Clinton nominiert wird, gewinnt John McCain. Wenn Obama der Kandidat der Demokraten wird, schlägt er den alten Mann der Republikaner. Warum? Weil man sehen konnte, auf welche Weise der Senator aus Illinois Neugierige nicht nur mobilisiert, sondern tatsächlich bewegt.

Was solch ein Resultat bedeuten würde, konnte ich mir nicht ausmalen. Wahrscheinlich ging es mir so, wie den Bewohnern von Harlem, wohin ich in der Wahlnacht ein en Abstecher mit der U-Bahn gemacht habe. Sie waren optimistisch, aber nicht euphorisch, solange man den Ausgang nur interpolieren konnte (ab 21.30 Uhr, als feststand, dass er Ohio gewonnen hatte). Erst als CNN nach der Schließung der Wahllokale im Westen gegen 23 Uhr Ostküstenzeit verbreitete, dass es keinen Zweifel gäbe und Obama als Sieger ausrief, war Amerikas schwarze Bevölkerung bereit zu feiern.

Die wahre Dimension dieser Begeisterung kann man heute in Washington erleben. 2 Millionen Menschen in der Hauptstadt, um ein Zeremoniell zu erleben, dass zur simplen Mechanik der Machtübergabe gehört. Die Wahl war der entscheidende Akt. Aber jeder projiziert in einen solchen Augenblick seine eigenen Vorstellungen von der Bedeutung dieses Vorgangs. Typisch Amerika: In einer Welt der Bilder wird diesem im Kern rein symbolische Akt sehr viel mehr Bedeutung beigemessen als dem entscheidenden Geschehen im letzten November.

Was man diesmal sogar verstehen kann: Denn ein Aspekt an der Einschwörung von Barack Obama ist überhaupt nicht Routine: Der 44. Präsident der USA mit Wurzeln in Afrika, ein Afro-Amerikaner im wahrsten Sinne des Wortes, übernimmt das Land. Wer verstehen will, welche historische Dimension hier anklingt, sollte im Internet ein paar Bilder aus der Vergangenheit der Vereinigten Staaten googlen. Zum Beispiel unter Stichworten wie Sklavenmärkte, Bürgerkrieg, Lynchszenen oder Rassentrennung. Das ist teilweise noch gar nicht so lange her. Man kann auch solche Begriffe googlen wie Blues, Soul und Jazz. Und dazu vielleicht auch die Namen der schwarzen Sportler, die wie Magic Johnson. Michael Jordan oder Tiger Woods seit ein paar Jahrzehnten demonstrieren haben, welche außergewöhnlichen Qualitäten jene Minderheit kultiviert hat, die einst mit Gewalt von den Zentren der wirtschaftlichen und politischen Macht fern gehalten wurde.

Wir werden sehen, was Obama zu leisten imstande ist. An Eides statt. Vier Jahre sind eine lange Zeit.

16. Januar 2009

Zwei-Tage-Marathon

Die Idee ist an und für sich ganz löblich, wenigstens einen offiziellen Feiertag zu haben, an dem man in den USA daran erinnert wird, wie stark die Geschichte des Landes mit der Geschichte der Sklaverei verknüpft ist und mit dem Kampf für Gleichberechtigung. Auch wenn man sich fragt: Wie wäre es dann mit einem Gedanktag für die Indianer und Ureinwohner anstatt dieses komischen Columbus Day im Herbst? Und warum ausgerechnet ein Tag zu Ehren von Martin Luther King? War der wirklich von allen herausragenden schwarzen Amerikanern der alles Überstrahlende?

Aber der Hinweis auf solche Ungereimtheiten ist keine Beschwerde, sondern Ausgangspunkt für einen Programmpunkt der nächsten Woche: den Zwei-Tage-Marathon, den der Kalender produziert hat. Zuerst Martin Luther King Day am Montag. Und dann Barack Obama Day aus Anlass seiner Einschwörung als Präsident am Dienstag. Auch bei ESPN wurde man offensichtlich schon eingeschworen. Der Sender will zwei Tage lang ins Archiv steigen und bahnbrechende Sportlerkarrieren präsentieren, die alle eines gemeinsam haben: Den Beteiligten gelang es jeweils, ein Stück Diskriminierung hinter sich zu lassen, unter dem der Sport in den USA einst genauso litt wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche.

ESPN geht allerdings sogar noch weiter und überträgt den offiziellen Teil aus Washington am Dienstag live und will seine Mikrofone Sportlern unter die Nase halten, die sich eigens für Feierlichkeiten auf den Weg in die Hauptstadt machen werden. Am Tag danach muss der neue Präsident dann wohl die Ärmel aufkrempeln und damit anfangen, den Stall auszumisten, den sein Vorgänger hinterlassen hat.

5. November 2008

Harlem feiert

Wir waren mitten Harlem, als die Fernsehsender die Nachricht brachten, dass Barack Obama die Wahl gewonnen hat. Tausende strömten in die Straßen. Hupkonzerte. Zusammenbrechender Verkehr rund um die Public-Viewing-Zone an der 125th Street. Der (schwarze und blinde) Gouverneur des Staates New York hält eine Rede und erinnert an die Geschichte der afrikanischen Sklaven und an den Kampf gegen Diskriminierung. Für McCains Ansprache aus Phoenix interessieren sich nur wenige. Als Sarah Palin auf der Leinwand auftaucht, wird gebuht. Um Mitternacht steht Barack Obama in Chicago auf der Bühne. Da sind in New York inzwischen fast so viele Leute auf den Beinen wie bei dem kommenden Mann. Harlem, wo einst zum ersten Mal eine bemerkenswerte urbane schwarze Kultur entstand, weiß, was die Stunde geschlagen hat.

4. November 2008

Wahltag

Obwohl viele Umfragen den Ausgang der heutigen Präsidentschaftswahl als klare Angelegenheit voraussagen und kein ernsthafter Demoskop John McCain vorne hat, darf man davon ausgehen, dass die Sache ziemlich knapp wird. Das liegt an der Grundstimmung in den USA, wo es ein ziemlich großes Stammpublikum für die politischen Phantasien einer Ausbeutungsphilosophie gibt, die in vielen anderen Ländern überwunden wurde.

Grob gesagt geht das Problem auf die Zeit zurück, als sich die Farmer und Plantagenbesitzer der 13 Kolonien an der Ostküste von der britischen Krone lossagten und sich im Blick nach vorn zwar von den progressiven Prinzipien Freiheit und Gleichheit leiten ließen. Solidarität jedoch – die dritte große Idee der französischen Revolution (fraternité) – stand nicht auf dem Zettel. Auch das Konzept von Gleichheit galt anfänglich nur beschränkt. Sklaverei? Kein Problem. Die Staatsgründer hatten schließlich selber welche. Indianer? Kein Problem. Kann man massakrieren und vertreiben.

Im Laufe von 200 Jahren, in denen sich die USA über den gesamten Kontinent ausdehnten, einen blutigen Bürgerkrieg um die Macht im Staat ausfochten und in mehreren Phasen Millionen von weißen Einwanderern aus landwirtschaftlich geprägten Schwerpunktländern in Europa in den Industrialisierungsprozess integrierten, produzierte die Dynamik der realpolitischen amerikanischen Innenpolitik zwar Anpassungen an eine konsequentere Vorstellung der Menschenrechte, aber der ganz reale Rassismus wurde nie ausradiert. Er ist noch heute eine der Quellen für den Anti-Obama-Wahlkampf.

Obama benutzt zwar nicht die Vokabel "Solidarität", aber in seinem Sensorium existiert zumindest eine Vorstellung davon, warum eine funktionierende Gesellschaft ein Minimum an einer über zentrale Regierungen gesteuerten Umverteilung des erwirtschafteten gesellschaftlichen Ertrags braucht. Und zwar weniger als ethischer Imperativ (wie ihn Religionsgemeinschaften sehen, die sich denn auch in den USA intensiv im karitativen Bereich engagieren), sondern als simple Rechenaufgabe. Eine Nation, die nicht in die Bedürfnisse der Schwächeren investiert und ihre Lebensverhältnisse verbessert, produziert ein schlechteres wirtschaftliches Gesamtresultat.

Es gibt in den Vereinigten Staaten mehr als nur ein bizarres Beispiel für solche Fehlsteuerungen: Das Gesundheitswesen, das pro Kopf sehr viel mehr kostet als das aller anderen Länder, aber in den Statistiken, die wirklich zählen, weit zurückliegt – Kindersterblichkeit und Lebenserwartung. Ein weiteres Beispiel: Etwa 2 Millionen Amerikaner sitzen im Gefängnis, ein Prozentsatz, der dem totalitär geführter Nationen entspricht. Die Kosten für den Unterhalt der Insassen (inklusiver ärztlicher Versorgung) und der Produktionsverlust für die gesamte Gesellschaft ist exorbitant. Dazu kommt ein Bildungswesen, das zwar an der Spitze ein paar Glitzer-Institutionen vorweisen kann (Ivy League, MIT etc.), aber unter der Decke eine verblüffende Realität verharmlost. Rund ein Drittel aller Schüler verlässt die High School vor dem Abschluss und hat (anders als etwa in Deutschland) nur wenige Möglichkeiten das Versäumte später nachzuholen. Wer ins College gehen will, muss sich aufgrund der enormen Studiengebühren ganz beachtlich verschulden. Das System hat zwar im Laufe der Jahrzehnte immer wieder enorme Entwicklungsschübe produziert (Flugzeug- und Weltraumtechnologie, Computer, Biotechnologie), aber die fanden in einer Zeit statt, in der China kein Wirtschaftsfaktor war. Im nächsten Jahr wird das Milliardenland die USA in einer Kategorie den ersten Platz abgeben, den es mehr als hundert Jahre inne hatte: nationale Industrieproduktion.

Man darf davon ausgehen, dass John McCain von all diesen Dingen nicht nur nichts versteht, sondern sich auch nicht dafür interessiert. Er hat eine reiche Frau und acht oder mehr Wohnungen und Häuser. Seine Rhetorik verrät einen kindlichen Optimismus, wonach ein stark verschuldetes Land mit enormen sozialen Lasten auch ohne eine kompetente Regierung in der Lage sein wird, für die Wohlfahrt seiner Bürger zu sorgen. Nach dem Motto: Steuern senken, Staatsausgaben senken, der Rest kommt von alleine. Man darf auf der anderen Seite davon ausgehen, dass sich Barack Obama nicht nur mit solchen Fragen beschäftigt hat, sondern den Willen besitzt, sie auch anzupacken.

Dass ein schwarzer Politiker Präsident werden kann und vermutlich auch wird, zeigt jenseits der rein symbolischen Bedeutung, wie sehr die Karre im Dreck sitzt und wie sehr die alte regierende Kaste versagt hat. Die USA brauchen dringend Leute an der Spitze, die ihre Intelligenz auf etwas anderes verwenden, als sich auf Kosten der Mehrheit zu bereichern und dies dieser Mehrheit als große politische Errungenschaft zu verkaufen. Obama wird nicht das ganze Land umbauen können, aber vermutlich neue Schwerpunkte in der Aufarbeitung der angehäuften Probleme setzen. Heute abend wissen wir noch nicht, ob das auch passsiert. Aber wir werden wissen, wer gewonnen hat. Und das ist auch schon etwas wert. Vor allem in einem Land, das bereits beim Ausrichten einer demokratischen Grundübung wie dem Wählen ihrer Repräsentanten nicht ordentlich zu zählen versteht. (Remember 2000 und Florida?)

28. Oktober 2008

Angst vor Steuer-Mann Obama

Kurz vor den Wahlen haben Milliardäre mal wieder ganz andere Sorgen als der Rest der Welt: Wayne Huizenga will den Rest der Miami Dolphins noch in diesem Jahr verkaufen, weil er Angst hat, dass er im nächsten Jahr eine höhere Kapitalertragssteuer auf den Profit zahlen muss. Der Plan geht von der Voraussetzung aus, dass Barack Obama die Wahlen in der kommenden Woche gewinnt, was sehr wahrscheinlich ist, aber nicht sicher. Huizenga sollte sich aber vermutlich mal einen Taschenrechner besorgen. Wenn er glaubt, dass er dieser Tage angesichts der Finanzkrise so viel Geld für den Football-Club bekommt wie vor einem Jahr oder sechs Monaten, dann sieht er eine Fata Morgana. Die inflationären Wertschätzungen von amerikanischen Sportclubs sind auf dem Weg nach unten. So wie bei allen anderen Luftschlössern auch. Wer in diesen Markt hineinverkauft, drückt die Preise. Die Spirale kommt zwar erst langsam in Fahrt, aber sie dreht sich.

7. Oktober 2008

LeBron an Fans in Ohio: "Gehe nirgendwohin"

LeBron James ist in Ohio aufgewachsen und spielt in Cleveland, der schwer angenagten Wirtschaftsmetropole am Lake Erie und größten Stadt im Bundesstaat. Bisweilen macht er die Fans nervös. Die würden zwar nie auf die Idee kommen, dass er demnächst nach China auswandert, weil dort zahlenmäßig betrachtet die meisten Fanartikel-Verbraucher der NBA wohnen. Aber dass er den Verlockungen von New York nicht standhalten kann und irgendwann zu den Knicks wechselt. James hat das jetzt auf seine Art dementiert, im besten Ebonics-Ghetto-Duktus: "I ain't goin' nowhere", sagte er bei einer Veranstaltung. Sein Auftritt hatte eine politische Dimension: Er will helfen, Wähler zu moblisieren und für change zu stimmen. Wir nehmen mal an, dass er damit nicht "Kleingeld" meint und auch nicht das Wortgeklingel von John McCain und der kessen Deern an seiner Seite. Er erwähnt zwar den Namen des Basketballers Barack Obama in seiner kurzen Ansprache nicht. Aber seine Einschätzung der beiden Kandidaten sollte klar sein. Sonst hätte er nicht 20.000 Dollar an die Adresse des Demokraten gespendet. Wahrlich kein Kleingeld.




28. August 2008

Damals nur ein Traum

Gleich live der Abschluss des Parteitags der Demokraten: Barack Obama in einem Football-Stadion in Denver vor ungefähr 70.000 Zuschauern, wo er die Rede hält, mit der der Wahlkampf richtig in Fahrt kommt. Viele Kommentatoren sehen sich veranlasst, an diesem Tag an den 28. August vor 45 Jahren zu erinnern, als Martin Luther King auf den Stufen des Lincoln Memorial in Washington seine berühmte Rede hielt, die als I have a dream speech in die Geschichte einging. King erinnerte damals vor hunderttausenden von Demonstranten daran, dass hundert Jahre nach Abschaffung der Sklaverei in den USA de facto in vielen Teilen des Landes, insbesondere im Süden, von Gleichberechtigung nicht die Rede sein konnte. Rassentrennung war an der Tagesordnung. Schwarze wurden aktiv bedroht und behindert, wenn sie versuchten zu wählen. Ihre wirtschaftliche Lage war elend. Es gab erste Versuche seitens der Kennedy-Regierung, mit Hilfe von Armeeeinheiten die Öffnung der Schulen durchzusetzen, die ein Jahrzehnt vorher durch eine Entscheidung des Supreme Court dekretiert worden war. Dies ist das Video-Dokument von damals:

Hier kann man den Text nachlesen.
Ein Kommentator der Baltimore Sun hat noch einen weiteren Jahrestag ausgegraben, der zu diesem Thema passt: Der 28. August 1945 ist der Tag, an dem der schwarze Baseballprofi Jackie Robinson den Mann traf, der ihn später bei den Brooklyn Dodgers als ersten dunkelhätuigen Athleten in eine Profimannschaft aufnahm. Damals spielten die schwarzen Baseballspieler in der sogenannten Negro League vor schwarzem Publikum.

26. August 2008

Die Demokraten bringen den Ball ins Spiel


Am Montagabend hatte Craig Robinson seinen bisher größten Auftritt. Der Basketballtrainer von Oregon State stellte in der riesigen Halle in Denver, in der normalerweise Colorado Avalanche und die Denver Nuggets spielen, mit einer kurzen Ansprache seine Schwester vor: Michelle Obama, die Ehefrau des Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Die Demokraten halten in dieser Woche ihren Parteitag ab, der nach monatelangem innerparteilichem Wettstreit den Wahlkampf offiziell eröffnet. Obama wird am Donnerstag die Rede halten, mit der der Startschuss fällt. Aber zurück zu Robinson, der einst an seinem zukünftigen Schwager die Theorie ausprobierte, dass man an dem Stil, wie jemand Basketball spielt, seine Persönlichkeit ablesen kann. Die New York Times hat ihn bereits 2007 interviewt und dieses Video produziert, um die Familieninterna abzufragen. Damals arbeitete er noch für die Brown University in Rhode Island. Der 46jährige Robinson war einer der besten Spieler in der Geschichte von Princeton (wie Brown eine Ivy-League-Universität) und verdiente zwei Jahre lang in Europa als Profi sein Geld.

Das Video oben zeigt ESPN-Schwatzkopf Stuart Scott im Interview mit Obama und in ein paar Szenen, in denen die beiden Basketball spielen. Wahrlich keine Offenbarung, dieses Treffen. Aber wenigstens warf Scott eine Frage auf, die wirklich von kritischer Bedeutung ist: Für welche Mannschaft ist der aus Chicago stammende Obama, falls die Cubs und die White Sox die World Series erreichen? "White Sox. That's Baseball."
Blick zurück: Der Basketballer Barack Obama hat mal klein angefangen
Blick zurück: Gedanken zum Wahlkampf

14. Juli 2008

Der Klingelbeutel: Wir nennen sie eine Gal-ionsfigur

Der ehemalige Baunternehmer Dieter Esch, der in seiner weit zurückliegenden Vergangenheit mal wegen Betrugs in Tateinheit mit Konkursverschleppung im Gefängnis saß, probiert seit Jahren die New Yorker Model-Agentur Wilhemina in die erste Reihe zu bugsieren. Das ist mit den klassischen Gesichtern für das Mode- und Kosmetikgeschäft nie gelungen. Eine neue Initiative läuft nun über die Sportschiene. Nachdem man den berühmten und geschäftlich unerhört kregelen Golf-Trainer Deavid Leadbetter (Michelle Wie, Trevor Immelman und andere) von IMG loseisen konnte, angelte man sich ein paar weniger bekannte Gesichter auf der LPGA-Tour und nannte die Gruppe die Wilhelmina 7. "Wir haben diese Initiative entwickelt, um ein Loch im Markt für schöne und sportlich talentierte Golferinnen zu füllen", erklärte Esch in der offiziellen Presseerklärung. Zu den Auserwählten gehört auch die deutsche Spielerin Sandra Gal, die von Esch für die erste Kampagne in einen Bikini gesteckt wurde. Die anderen Bilder von ihr und restlichen sechsen gibt es hier.
• Die Meldung, dass Präsidentschaftskandidat Barack Obama seine Wahlkampfkampagne auf den Sprint Cup ausdehnt, kam zu früh. Ein Sprecher dementierte die Geschichte in Sports Illustrated, die wir allzu eilig zitiert hatten.
• Es dauert immer eine Weile, bis die Persönlichkeitsmerkmale von erfolgreichen Sportlern durchschimmern. Die der 41jährigen Schwimmerin Dara Torres hat ihr Ex-Ehemann angedeutet und dabei eine hübsche Sottise verraten. Zwischen den beiden ist sozusagen viel Chlor im Wasser. Warum? Der Mann, dem die Scheidung zuzuschreiben ist und der Vater ihrer zweijährigen Tochter, war der Arzt, der Torres und ihrem Gatten vergeblich dabei geholfen hatte, schwanger zu werden. Nachtrag: Zu der Frage, was die Schwimmerin genommen haben könnte, um sich auf Olympianiveau zu trimmen, gibt es in diesem älteren Post einen hochinteressanten Kommentar von Laborant, der Argumente nennt, die für Wachstumshormone sprechen.

11. Juli 2008

Packers oder Steelers oder was?

Nachdem wir demnächst bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen auf die Zielgerade einbiegen, ist es nur verständlich, dass die beiden Kandidaten die eine oder andere Anleihe beim Sport probieren. Sportbegriffe haben die Politikersprache schon vor langer Zeit infiltriert. Jetzt kommt die nächste Phase: Kandidaten, die ein intimes Verständnis für die jeweilige Sportart und sogar regelrechtes Interesse heucheln.

Das kann natürlich in die Hose gehen, besonders wenn mit jenseits der 70 schon Gedächtnislücken hat, die so groß wie Scheunentore sind. Wie John McCain. Der erzählte neulich in Pittsburgh eine Anekdote aus der schweren Zeit seiner Gefangenschaft im von den Amerikanern spöttisch genannten Hanoi Hilton während des Vietnam-Kriegs, wo er gefoltert wurde. Wenn sie auch ganz anders klang als die Version, die er einst in seinen Memoiren zu Papier gebracht hatte. In dem Buch hatte er erzählt, dass er, ein Marine-Pilot, den man in der Luft über Nord-Vietnam abgeschossen hatte, im Verhör Angriffsspieler der Green Bay Packers heruntergespult habe, als man ihn zwingen wollte, die Namen der Kollegen aus seiner Schwadron zu verraten. Anno 2008 wurde daraus plötzlich eine Liebeserklärung an die Pittsburgh Steelers und deren Verteidigungsreihe und erzwang eine peinliche Richtigstellung.

Der Republikaner McCain kann sich an vieles nicht erinnern, auch nicht an sein Votum im Senat, wonach er zwar dafür war, Medikamente wie Viagra für Männer als verschreibungspflichtig einzustufen, aber nicht Kontrazeptiva für Frauen, obwohl die sehr oft unter rein therapeutischen Vorzeichen verordnet werden. Die selektive Wahrnehmung der Welt ist für diesen Politikertypus nichts Neues und wird sich voraussichtlich noch bei weiblichen Wählern herumsprechen. Zumal McCain dafür ist, die Entscheidungsfreiheit von schwangeren Frauen in der Frage von Abtreibungen zu beenden. Bei diesem Thema hält es der Senator aus Arizona mit dem Papst.

Aber wir waren beim Sport und wollen deshalb noch ein Gerücht vermelden, wonach McCains formidabler Gegner Barack Obama einen Teil der Spendenmillionen, die er für seinen Wahlkampf ausgeben wird, einem Rennwagen-Team in der NASCAR-Serie um den Sprint Cup in den Rachen werfen will. Sports Illustrated vermeldet, dass er zunächst nur bei einem Rennen das Auto mit der Nummer 49 bepflastern will. Vorausgesetzt der Toyota mit Ken Schrader am Steuer qualifiziert sich. Vielleicht werden daraus auch mehrere Werbeauftritte. Die Idee ist nicht neu, aber sicher ihr Geld wert. Denn ein solcher Ausflug eines demokratischen Wahlkämpfers in eine feindliche Hochburg (sowohl die Betreiber als auch die Rednecks auf den Zuschauerrängen und den benachbarten Campingplätzen haben ein anderes Weltbild als Obama) wird sehr viel an Medienecho produzieren. Und es hilft auch noch dem Gegner: Die Eigentümer von Wagen Nummer 49 sind laut SI zwei "stramme Republikaner".

6. Juli 2008

Auch ein Blogger findet mal ein Rice-Korn

In einem Interview mit der golfenden Außenministerin Condoleezza Rice hat Blog-Meister Dan Steinberg eulenspiegelhaft einen hübschen Hinweis auf einen älteren Beitrag von ihm eingebunden, der zeigt, dass Barack Obama bei Sportlern einen Sympathiebonus genießt. Man möchte an dieser Stelle noch mehr über die Frau sagen (und nicht über ihren Amtskollegen auf diesem Foto). Eine Frau, die dem amtierenden Präsidenten der USA anno 2000 eine Einweisung in die internationale Politik gab und die später vor dem Untersuchungsauschuss des Kongresses zum 11. September so tat, als sei jemand wie sie – der "Sicherheitsberater" Dr. Rice – zwar klug genug, um alles mögliche zu wissen, aber auf jeden Fall zu blöd, um eins und eins zusammenzurechnen und ein paar Terroristen das Handwerk zu legen, die seit Monaten im Land herumreisen. Aber das sparen wir uns und freuen uns auf den Tag, an dem sie endlich von der Bühne verschwindet. Rice war als Kind übrigens eine ambitionierte Eiskunstläuferin. Obama ein Basketballer.

2. April 2008

Bowling und Baseball und Barack und Bush


Es gibt Belege dafür, dass Präsidentschaftskandidat Barack Obama mal ganz gut Basketball spielen konnte. Aber der Umgang mit einem Ball ist das eine. Eine Bowling-Kugel will ganz anders ins Spiel gebracht werden. Und so hat sich Obama neulich in einer Halle in Pennsylvania ganz gut blamiert. Aber wenigstens wurde er nicht ausgebuht wie der amtierende Amtsinhaber George W. Bush, dessen Karriere als Baseball-Club-Miteigentümer in Texas die Plattform zu seiner unsäglichen politischen Karriere wurde. Bush trat am ersten Tag der Baseballsaison im neuen Stadion der Washington Nationals an und warf den zeremoniellen ersten Pitch.

28. Februar 2008

Abheben und mit beiden Händen kräftig zupacken

Morgen ist mal wieder 29. Februar. Olympisches Jahr. Schaltjahr. Das Jahr, in dem ein Mann Präsident werden könnte, der weiß, wie man mit einem Basketball umgeht. Das wollen wir festhalten. Mit einem Bild, das eine deutliche Sprache spricht. Aufgespürt hat es der Washingtoner Polit-Blog Wonkette, der das Bild auf 2006 datiert, als Barack Obama die US-Marine-Basis in Dschibuti besucht hat.
Blick zurück: Das Video von Obama als ganz junges Basketballtalent

5. Februar 2008

Zwei Tage nach dem Super Bowl: der Super Tuesday

Heute abend dürften wir und der Rest der Welt wissen, wer - mit aller größter Wahrscheinlichkeit - der nächste Präsident der USA wird. Klingt vermessen? Ja und nein. Wir werden ja im November sehen und können dann noch mal zurückblättern.

Was wir jetzt schon wissen:
Teil eins: Heute finden in mehr als 20 Bundesstaaten Vorwahlen in den beiden großen Parteien statt. Das Feld der Kandidaten ist zusammengeschmolzen. Bei den Demokraten sind es noch zwei: Präsidentengattin Hillary Clinton und Barack Obama. Bei den Republikanern sind es vier, aber mit zweien, die es unter sich ausmachen: John McCain und Mitt Romney. Da sich unter den teilnehmenden Staaten auch ein paar große befinden wie Kalifornien und New York, werden heute sehr viele Delegierte für die Nominierungsparteitage gewählt.

Teil zwei: Es zeigen sich Trends bei den Umfragen. Bei den Demokraten ein Kopf-an-Kopf. Bei den Republikanern ein entscheidender Popularitätszuwachs für John McCain, der im Jahr 2000 parteiintern gegen George W. Bush verloren hatte und damit automatisch einen Bonus haben sollte. So zeichnen sich für die Wahlen im November zwei Modelle ab: McCain gegen Clinton oder McCain gegen Obama. Die Prognose von dieser Stelle aus: im ersten Fall gewinnt McCain. Im zweiten gewinnt Obama.

Teil drei: Dubios wie so vieles am amerikanischen Wahlsystem, das inzwischen jedes Mal mehr als eine Milliarde Dollar nur an Werbung verschlingt (das meiste verdienen die Fernsehsender, die inzwischen in einer großen Koalition Wahlkämpfe im Stil von Sportveranstaltungen übertragen). Der Charakter der Auseinandersetzungen produziert die simpelsten Slogans und Wahlaussagen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn überhaupt, geht es um Persönlchkeitsmerkmale, die allerdings null mit der ideologischen Ausrichtung zu tun haben. Typisch sind Figuren wie Joe Lieberman, der vor anderthalb Jahren bei den Vorwahlen der Demokraten in Connecticut um den Posten des Senators in Washington verlor, aber das Resultat nicht akzeptierte, weil er sich erhaben fühlt. Er gewann das Mandat als unabhängiger Kandidat und unerstützt jetzt McCain. Die pikante Note: Er war vor acht Jahren der Mann neben Al Gore für das Amt des Vize-Präsidenten, wäre also, wenn alles richtig gelaufen wäre und nicht rechtens, derzeit in seiner zweiten Amtsperiode der zweite Mann im Staate. (Wer übrigens mal wissen will, wie ein Chamäleon grinst, sollte sich Videos von Lieberman anschauen.)

Teil drei: Wo ist Al Gore und warum kandidiert er nicht? Der Mann hat seine Ansprüche auf das Amt schon mehrfach verraten. Wenn es jemals so etwas hätte geben müssen wie einen Oppositionsführer (ein Posten, der aufgrund des präsidialen und parlamentarischen Systems in den USA formal nicht existiert), dann war es Al Gore, der ab 2001 vier Jahre lang nichts anderes hätte tun sollen, als den Millionen von Wählern, die für ihn gestimmt hatten (und das waren mehr als die für Bush), dass er noch da ist, dass er wieder antritt, dass er bessere politische Ideen hat und dass er sich nicht von der derzeit regierenden Junta des militärisch-industriellen Komplexes ins Bockshorn jagen lässt). Es gab keinen legitimeren Kandidaten, denn schließlich hatte er die Wahl 2000 gewonnen. Aber er ließ sich bereitwillig in eine Ecke drücken, wo ihn die Medien als schlechten Verlieren brandmarken konnten. Aus der kam er nie wirklich wieder heraus. (Ich habe mich mit Gore vor einem Jahr ausführlich in der Zeitschrift FELDhommes beschäftigt, als er zumindest theoretisch noch hätte einsteigen können ins Karussell. Den Artikel gibt es nicht online. Ich hatte den Eindruck, dass ihm auch etwas fehlt, ähnlich wie Lieberman, nur nicht ganz so schlimm).

Teil vier: Super Bowl und Super Tuesday. Nicht nur im Kalender ganz nah beieinander. Auch im geistigen Spektrum der Medien und dadurch automatisch eine Dimension für die gesellschaftliche Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang lohnt die Lektüre dieses Beitrags auf Internet und Politik: "Super Bowl vs. Super Tuesday". Dazu eine passende Kuriosität: Ausgerechnet heute werden die New York Giants ihre Konfetti-Parade am Broadway in Manhattan abhalten. Politik-Experten rechnen damit, dass so viele Zuschauer kommen, die dann wiederum keine Lust mehr haben, wählen zu gehen. Das hätte theoretisch in erster Linie einen Einfluss auf die Chancen von Hillary Clinton. Sie müsste als Senatorin von New York nämlich von den Sympathien her vorne liegen.
Blick zurück: Obama spielt Basketball

22. August 2007

Ein Kandidat mit einer sportlichen Vergangenheit


Mr. Stone Mountain von der Washington Post macht gerade Blogger-Ferien, aber hat vor seiner Reise noch ein hübsches Souvenir aus den Archiven auf seine Seite gestellt: Barack Obama, aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei und US-Senator aus Chicago, bei einer Darbietung seines Könnens als junger Basketballspieler in den siebziger Jahren (mit der Nummer 23 noch ehe Michael Jordan sie weltberühmt machte und von David Beckham für gut befunden wurde). Für die Profis reichte sein Können nicht. Da fällt einem nicht nur unweigerlich der ehemaligen New-York-Knicks-Profi Bill Bradley ein, der vor sieben Jahren nach einer erfolgreichen Zeit als Senator in Washington für das Weiße Haus kandidierte und bei den Vorwahlen der Demokraten gegen Al Gore den Kürzeren zog. Sondern man denkt - nicht zum ersten Mal - über die verblüffende Karriereachse zwischen Sport und Politik in den USA nach. Das letzte Beispiel, das Beachtung fand, war der vor kurzem verstorbene Ex-Präsident Gerald Ford, ein erfolgreicher College-Footballspieler. Man fragt sich dann aber auch: Wie sportlich war eigentlich Angela Merkel, die jetzt immer in den Fußballstadien herumlungert, wenn die Nationalmannschaft spielt? Und man denkt: Angie wurde sicher immer früh beim Völkerball rausgeballert und musste etwas richtiges lernen, um es im Leben zu etwas zu bringen.
Blick zurück: Der Kandidat und Gilbert Arenas

11. Februar 2007

Was hat Barack Obama mit Agent Zero zu tun? Jeder Außenseiter kämpft sich auf seine Art nach oben

Was die öffentlichen Sympathiebekundigungen wert sind, die jemanden dazu aninieren, sich um das Amt des amerikanischen Präsidenten zu bewerben, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Die Vorwahlen beginnen in einem Jahr. Dies ist die Zeit, um die Wassertemperatur zu testen und herauszufinden, ob man überhaupt das Geld auftreiben kann, um den Wahlkampf durchzustehen. Das gilt insbesondere für Senator Barack Obama, der am Samstag im eiskalten Springfield/Illinois offiziell seine Kampagne einläutete. Sein stärkster Gegner ist eine Frau: Hillary Clinton, ehemalige First Lady, inzwischen ebenfalls im Senat, ausgestattet mit den besten Verbindungen und einer halbgaren Position zum Krieg im Irak. Ein Umstand, der ihr innerhalb der eigenen Partei noch sehr viele Schwierigkeiten bereiten wird.

Die Obama-Euphorie hat US-Blogger Dan Shanoff inspiriert, ihn mit einem anderen neuen Sympathieträger zu vergleichen. Überschrift: "Ist Barack Obama der Gilbert Arenas der Politik? (Oder ist vielleicht Arenas der Obama der NBA?)" Arenas von den Washington Wizards ist der faszinierendste Spieler der Eastern Conference in dieser Saison und selbst ein Blogger. Das Interesse an ihm steigt permanent, seitdem ihn der Trainerstab der US-Mannschaft vor der Basketball-WM in Japan im Rahmen einer letzten Streichaktion aus dem Kader warfen (die offizielle Begründung: eine Verletzung).

Bei Coach K (siehe hier und hier) kann er sich nicht revanchieren. Der trainiert die Collegemannschaft von Duke. Braucht er auch nicht. Duke spielt in dieser Saison so schlecht wie schon lange nicht mehr. K's Assistenten allerdings werden von Arenas (Spitzname Agent Zero, eine Anspielung an seine Rückennumer 0) auf eine deutliche Weise vorgeführt: Im Dezember machte er gegen die Phoenix Suns (Coach Mike D'Antoni) 54 Punkte - eine Basketballshow ersten Ranges. Für das heutige Spiel gegen die Portland TrailBlazers (Coach Nate McMillan) hat er 50 Punkte angekündigt. (Nachtrag: Das ging schwer in die Hose. Er holte ganze neun Punkte und die Mannschaft verlor das Match.)

Zurück zu Shanoff und seiner Betrachtung über Arenas und Obama:
• "Beide werden von fast allen geliebt und respektiert" - Obamas Buch ist Nummer eins der Bestsellerliste, Arenas wurde von den Fans in die Startaufstellung der Eastern Conference beim All-Star-Spiel in Las Vegas gewählt.
• Beide wirken zugänglich und medienbewusst: Man denke nur an Arenas' spontanen Dreier-Wettstreit mit Wizards-Teamkollege DeShawn Stevenson (siehe unten), bei dem es um 20.000 Dollar ging. Mehr als 200.000 Menschen haben es bereits gesehen.

• Obama wäre der erste schwarze Präsident der USA. Gilbert Arenas nennt sich selbst The Black President auf seiner MySpace-Seite.
• Beide haben noch nicht sehr viel geleistet. Obama ist er seit zwei Jahren in Washington. Arenas hat bisher in den Playoffs noch nichts reißen können.
• Sie führen beide nicht in den Umfragen, mit denen alles steht und fällt. Obama liegt hinter Clinton zurück. Arenas ' Name fällt nichts als erstes, wenn über MVP-Ehren gesprochen wird (Steve Nash, Dirk Nowitzki, LeBron James werden höher gehandelt).

Das Wall Street Journal hat am Freitag eine ausführliche Würdigung von Arenas gebracht. Überschrift: "More Than Zero". Ein hübsches Zitat aus dem langen Beitrag: "Die Fans nennen es es 'Gilbertology'. Das Wort bezieht sich auf Mr. Arenas' weitschweifigen, auf ungewöhnliche Weise öffentlich zugänglichen Gedankenprozess, der unredigiert zum Vorschein kommt, wenn er redet." Der Artikel erhält einen Hinweis darauf, weshalb er die Nummer 0 trägt: Er hat schon immer mit Zweiflern zu kämpfen gehabt. Null Minuten, so wurde ihm prophezeit, würde er für die Mannschaft der Universität Arizona spielen. In seinem zweiten Jahr schaffte es die Mannschaft bis zu den Final Four. Arenas war die treibende Kraft.