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18. Juli 2007

"Mord" und "Attentäter" in der Sommer-Liga

Man muss sich wirklich nicht immer gleich zu allem und jedem rund um die NBA äußern. Schon gar nicht zur Summer League in Las Vegas und solchen Ereignissen wie der Mandeloperation von Greg Oden (Draft-Pick #1) und den verlorenen Spielen von Kevin Durant (Draft-Pick #2). Bei sovielen jungen Bäumen verliert man leicht den Wald aus dem Blick. Bei diesem Wald handelt es sich um eine Liga, deren Veränderungsprozesse mit dem Tempo eines Gletschers vonstatten gehen. Was ein Neuling in einem ersten Auftritt unter Profibedingungen abliefert (oder auch nicht), ist wirklich unerheblich.

Dies ist kein Preisrätsel, sondern eine Ermahnung, sich zu erinnern: Im wievielten Jahr seiner Karriere gewann Michael Jordan den ersten Titel mit den Bulls? Wie lange musste Dirk Nowitzki rackern, bis er auch nur im Finale stand? Was ist aus Glenn Robinson geworden, dessen exorbitantes Gehalt 1994 als Liga-Neuling (zehn Jahre Laufzeit, 68 Millionen Dollar) der Auslöser für die Rookie-Gehaltsbeschränkungen war? Aber zurück zur Summer League, an der eine Vertretung der Golden State Warriors teilnahm, die erfrischend aus dem Rahmen fiel (so ähnlich wie das Team, das die Mavericks aus dem Playoffs kegelte). Es trat an mit einem Spieler, der erst neulich nach abgesessener Haftstrafe wegen Einbruch aus dem Gefängnis kam, einer der den Spitznamen "Attentäter" trägt, einer mit dem Rufnamen "Mord", dazu ein baumlanger Absolvent von der Harvard-Universität, wo schon lange keiner mehr mit den anderen Colleges um sportlichen Glanz kämpft und ein ehemaliger Top-Pick des Jahres 2006, der an der Uni jeden Sommer in der Küche eines italienischen Restaurant arbeiten musste und jetzt noch mehr schwitzen muss, um die Hoffnungen einzulösen, die sich Manager Chris Mullin und Trainer Don Nelson gemacht haben. Typen und Charaktere also und damit genau das, was David Roth dazu brachte, für das Online-Magazin Slate einen animierten Artikel zu schreiben, der die Übersicht bewahrt. Die Lektüre kann man nur empfehlen, vor allen jenen, die nach Art von Kaffeesatzlesern aus solchen Veranstaltungen irgendeinen Aussagewert ableiten wollen.

Ich habe ein paar Spiele der Knicks-Sommerburschen aus Las Vegas im Fernsehen gesehen. Aufschlussreich waren die nicht. Genausowenig wie die neuerlichen Artikulationsversuche von Stephon Marbury in einem Blog der New York Post. Diesmal kündigte der geborene New Yorker an, nach Auslaufen seines Vertrages in zwei Jahren nach Italien ziehen zu wollen und den Jungs dort das Basketballpielen beizubringen. Er muss in letzter Zeit zuviel von David Beckham gesehen haben, der ständig erklärt, er sähe seine Aufgabe darin, in den USA dem Fußball weiter auf die Beine zu helfen. Irgendjemand sollte Starbury mal sagen, dass in Italien die zweitbeste Profi-Basketballliga der Welt entstanden ist und dass er dort mit seinem eigensinnigen Spielverständnis nicht sehr weit kommen wird. Aber der hört bestimmt nicht zu. "Wir sind neulich nach Italien geflogen", schrieb er. "Und das hat mein Leben verändert."

11. Juli 2007

Sommertheater Marke NBA: Die Brüder Artest in Las Vegas

Man darf davon ausgehen, dass der Basketballspieler Daniel Artest nur deshalb so viel Beachtung findet, weil er der kleine Bruder von Ron Artest ist. Das heißt: mit 140 Kilo Kampfgewicht dürfte er eher so etwas wie der größere Bruder sein. Aber das heißt nicht, das es sich nicht lohnen würde, sich mit einem solchen Sportler zu beschäftigen, der einst in Saarlouis ein Gastspiel gegeben hatte ("...wurde wieder entlassen. Aufgrund seiner Ansprüche bester europäischer Spieler zu werden, aber mangelndem spielerischen Vermögen und Teamverständnis..." schrieb ein Kommentator vor knapp einem Jahr an dieser Stelle.) Und beschäftigen - das hat Washington-Post-Blogger Dan Steinberg denn auch in seiner unvergleichlich zart sarkastischen Weise getan. Der Anlass: ein NBA-Summer-League-Spiel der Washington Wizards gegen die Sacramento Kings in Las Vegas. Was der Bursche kann, konnte er nicht überprüfen. Artest jr. hat nicht gespielt. So gut ist er nicht - egal, was sein Bruder von ihm hält.

Ach, ja, der Bruder. Natürlich wollen die Gerüchte über einen Wechsel nach New York nicht verstummen, solange man bei den Knicks den Eindruck bestehen lässt, als würde man gerne mit den Sacramento Kings tauschen. Aber da man im Madison Square Garden auf Hoffnungträger wie Center David Lee und Forward Renaldo Balkman nicht verzichten will, sondern nur Ballast abwerfen will, müsste den Kings das Thema Artest schon sehr auf die Nerven gehen. Aber danach sieht es nicht aus. Zumal er im Vergleich zu anderen NBA-Profi seiner Spielstärke relativ preiswert besoldet wird.

Andere Baustelle: In den ersten Betrachtungen über Nick Fazekas, die Zweitrunden-Neuerwerbung der Dallas Mavericks, menschelt es vor allem. Kein Wunder. Der Großvater floh aus dem kommunistischen Ungarn in die USA. Und Anti-Kommunisten finden in Amerika immer ein williges Publikum. Die Projektion, dass der Neue schon bald als zuverlässiger Reservist hinter Dirk Nowitzki parat stehen soll, wirkt nach den ersten Spielen in der Summer League eher gewagt. Die Mavericks scheinen sich nicht sehr stark für den Markt der Free Agents zu interessieren. Gut möglich, dass sie mit den Spielern in die kommende Saison starten, die sie haben. Das die Verhandlungen mit Devin Harris gut ausgehen werden, darf man den Erfahrungen des letzten Jahres mit Josh Howard einfach annehmen.