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25. September 2008

Der Klingelbeutel: Weihnachtsmänner im September

• Gestern hat Lance Armstrong in New York an der Seite von Bill Clinton und anschließend bei einer Pressekonferenz seine Absichten erläutert, noch einmal in den Sattel zu steigen. Man hätte eigentlich über Bono schreiben sollen, der bei der Gelegenheit mal wieder ein richtiges Fass aufgemacht hat, um das Land anzurempeln, in dem man locker mal 700 Milliarden Dollar auftreibt (10.000 Dollar pro Privathaushalt), um die Weihnachtsmänner von Wall Street zu beschenken, aber fast nichts für die Armen im Rest der Welt. Aber die Aufgabenstellung war eine andere: Es ging darum, über den Auftritt des Sportlers zu berichten.

• Die Entwicklung Richtung Internet im amerikanischen Livesport schreitet voran. USA Today beschäftigt sich mit der Entwicklung in Sachen Streams in der National Football League und der National Hockey League.

• Stephon Marbury tut so, als könne er nicht nur den Knicks noch viel Gutes tun, sondern dem ganzen Planeten. Von den 22 Millionen Dollar, die ihm für die kommende Saison laut Vertrag zustehen, wird er natürlich auch nichts abgeben. Selbst wenn er auf den Bank versauert. Er sollte mal mit Allen Iverson reden, den in der klaren, kühlen Höhenluft am Fuß der Rocky Mountains eine Vision erreicht hat, die nichts anderes sagt als: Basketballer sind ersetzlich. Selbst solche, die ohne jeden Selbstzweifel durchs Leben gehen.

23. September 2008

Abschied von Marbury

Das Abarbeiten von Altlasten bei den New York Knicks geht weiter. Stephon Marburys Tage beim Club scheinen gezählt. Es wird zwar teuer, aber hilft vor allem dem neuen Trainer bei dem Versuch, der Mannschaft neue Hoffnung und neue Ideen einzuatmen. Marburys Abgang wird dafür sorgen, dass seine einmalige Serie intakt bleibt: Noch jedes Team, das er verlassen hat, spielte hinterher besser und erfolgreicher. Egal ob Minnesota, Phoenix oder die Nets.

13. Juli 2008

Starbury-Schuh-Firma hat Konkurs angemeldet

Die Idee hatte etwas Verführerisches: Eine Firma bringt einen extrem preiswerten, tauglichen Basketballschuh für 15 Dollar auf den Markt, arbeitet mit einem bekannten NBA-Spieler als Werbefigur und eröffnet einen Laden nach dem anderen, um Sportbekleidung und Sportmode für Leute mit ganz, ganz niedrigem Einkommen zu verkaufen. Die Idee scheint auf falschen Voraussetzungen aufgebaut gewesen zu sein. Steve & Barry's, das Unternehmen hinter dem Starbury-Schuh, hat Konkurs angemeldet. Die Entwicklung betrifft auch andere Vertragspartner wie etwa Venus Williams. Die Chefs der Company schieben ihre Probleme auf den gegenwärtigen wirtschaftlichen Abschwung in den USA, der die Zielgruppe in den Niedrigeinkommen-Schichten stärker betrifft als die Prestige- und Luxusklientel. Vor allem die stark gestiegenen Benzin-Preise schneiden in vielen Familien ins Budget. Aber theoretisch sollte dies sogar ein Pluspunkt für die Kette sein, die mehr als 200 Läden betreibt. Denn für Schnäppchen-Produkte gibt es auch in schlechen Zeiten einen Markt. Nur kommen die Kunden dann aus etwas besser situierten Kreisen.

Sogenannte Analysten im Umfeld von Wall Street sind denn auch der Auffassung, dass es sich hierbei um eine Ausrede handelt. Vermutlich konnte das ganze Konzept nie funktionieren, weil die Margen nicht da waren. Wie Steve & Barry's trotzdem die Banken beschwatzt haben, um Geld für ihre Expansionspläne zu bekommen, ist noch nicht bekannt. Sie stehen mit 135 Millionen Dollar in der Kreide. Ein Konkursverfahren bedeutet nicht zwingend das Ende einer Firma. Wenn die Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten oder (in der Hoffnung auf eine spätere Tilgung) umschulden, hat eine Firma eine Überlebenschance. Genauso wie Stephon Marbury, der ein Jahr vor dem Ablauf seines Vertrages mit den New York Knicks, vermutlich noch immer für den einen oder anderen NBA-Club interessant sein wird. Nicht aus sportlichen Gründen – jede Mannschaft, zu der Marbury stößt, spielt schlagartig schlechter – aber aus salary-cap-technischen Gründen. Die spannende Frage der nächsten Wochen wird deshalb lauten: Wieviel an Gegenwert werden die Knicks bei einem Trade erhalten? Und ab wann akzeptieren sie das Unvermeidliche? Dass sie für ihren Point Guard so gut wie nichts Brauchbares bekommen werden (via SportsByBrooks).

1. März 2008

Falten im Gesicht

Dem Elend, das sich mit dem Namen New York Knicks verbindet, meißelt die Geschichte regelmäßig neuen Falten ins Gesicht. Die jüngste besteht in der Personalpolitik von General Manager und Trainer Isiah Thomas, der seinem teuersten Spieler den Zutritt zu Heimspielen im Madison Square Garden verwehrt und ihn mit der Auflage belegt hat, nicht mit Journalisten zu sprechen. Stephon Marbury, der seit Januar an einer Knöchelverletzung leidet und zuerst deshalb nicht mehr aufgeboten werden konnte, scheint auch in der Zukunftsplanung der Mannschaft nicht mehr vorzukommen. Das Problem: Marbury ist nur dann etwas wert, wenn man ihn an einen anderen Club abgeben kann, der für den Spielmacher im Tausch ein paar brauchbare Basketballer abgibt. Ansonsten müssten ihn die Knicks aus seinem Vertrag herauskaufen, was ungefähr ebenso teuer ist, wie Isiah Thomas wegen Erfolglosigkeit zu entlassen. Sich von beiden zu trennen, wäre ein Millionengrab in Rekordgröße. Das Thema dürfte als nächstes eher zäh dahinplätschern, denn der Trade-Termin in der NBA ist vor kurzem verstrichen. Aber genausogut kann der keimende Zwist wie ein Feuerwerk explodieren. Die Zeit ist reif.
Blick zurück: Isiah und Starbury - zwei, die einander verdient haben

28. November 2007

Marbury gegen Garnett: Das Prickeln vor dem Spiel

Stephon Marbury und Kevin Garnett haben schon oft gegeneinander gespielt, seitdem sich der eine aus Minneapolis verabschiedete und der andere bei den Timberwolves das Unmögliche probierte: die Mannschaft zu einem Meisterschaftsanwärter zu machen. Aber selten war eine Begegnung so interessant wie die heute abend. Marbury und die Knicks gegen Garnett und die Celtics. Der eine, der Beweis dafür, dass die Mannschaftssportart Basketball nicht floriert, wenn einer dabei ist, der ausschließlich seinen eigenen Stiefel spielt. Der andere endlich auf dem Weg Richtung Titel. Man muss über Marbury nicht mehr viele Worte verlieren. Der ist auf diesen Seiten schon mehrfach hinreichend präsentiert worden. Und auch über Garnett, den besten und effektivsten Spieler der NBA, braucht man nicht viel zu sagen. Nur soviel: Wo Marbury weg geht, werden die Mannschaften besser, wo er hingeht werden sie schlechter. Und er ist ein egozentrischer Neidhammel erster Güte. Die Boston Celtics (mit KG) sind das beste Team der Saison. Die New York Times hat die Beziehung (oder besser: Nicht-Beziehung) der beiden in einer ausführlichen Geschichte nachgezeichnet. Es lohnt sich die zu lesen.

19. November 2007

Von einem anderen Planeten

Während der Stern von Herrn Starbury in den USA langsam, aber sicher sinkt und dabei auch noch die Karriere von Knicks-Manager und Trainer Isiah Thomas mit nach unten ziehen dürfte, hat die Bekleidungsfirma Steve & Barry's, die vor einem Jahr die Starbury-Schuhe auf den Markt brachte, einen neuen Aushängesportler gefunden. Es handelt sich um Venus Williams und die neue Serie EleVen. Wir nehmen mal an, dass dieses etwas bemühte Wortspiel um die Zahl 11 und den Vornamen der Tennisspielerin in Zukunft noch besser erklärt wird als so: "Das ist die Hausnummer von unserer ersten Adresse in Kalifornien. Und es ist, wie ich zu leben versuche. Als 11, besser als eine 10, besser als die Besten." (Anmerkung: Die Zehner-Skala ist eine alte amerikanische Sitte ähnlich der deutschen Zeugnisnoten. Wer den Film dazu sehen will, sollte sich den Namen Bo Derek merken. Und sollte sich nicht wundern, dass die Dame schon Perlen im Haar hatte, ehe Venus Williams einen Tennisschläger halten konnte.)

Wie die Amerikanerin in den neuen Billigklamotten aussieht, kann sich jeder selber ausmalen oder die Webseite dazu anklicken. Wie sie allerdings zusammen mit ihrem Golfer-Freund Hank Kuehne aussieht, nur schwer. Es gibt Fotos von den beiden zusammen. Und ein paar Geschichten - wie etwa hier.

14. November 2007

Ein Sack tätowierte Idiotie

Es war einmal ein Basketballspieler, den fanden eigentlich alle ganz toll. Er fand sich selbst am allermeisten toll und ließ das auch immer wieder jeden wissen. Aus irgendeinem komischen Grund lief es dann aber nicht wie im Märchen, wo nur böse Schwiegermütter, herrische Könige (und Väter attraktiver Prinzessinnen) und ein paar Geisteskranke ausrasten. Sondern es lief wie in einer Comedy-Show, denn der Basketballspieler erweckte permanent den Eindruck, er und nur er müsse auf dem Platz und außerhalb die Points und die Pointen im Alleingang produzieren.

Über Stephon Marbury haben wir im Laufe der letzten Monate zum Beispiel hier und hier und hier berichtet. Den sportlichen Werdegang, eine Art Abstiegskontinuum, haben wir bereits in der Zeit davor, im Januar 2006, in der FAZ, dokumentiert. Was soll man dem noch hinzufügen? Dass dieser Sack extrem verspielte, tätowierte Idiotie jetzt endlich auch auch den Verantwortlichen der New York Knicks auf den Keks geht? Das muss man wohl - der Vollständigkeit halber - tatsächlich berichten. Mit einer gewissen Schadenfreude allerdings. Andere Blogs haben sich bereits hier und hier mit dem aktuellen Fall beschäftigt. Ein Fall von Arbeitsverweigerung. Aber was darin etwas zu kurz kam, ist die offensichtliche Frivolität des Mannes: "Ich weiß so viel über Isiah", sagte er der New York Daily News in einer Anspielung an den Prozess von neulich und drohte auszupacken. "Ihr habt keine Ahnung, was ich weiß."

In einer solchen Atmosphäre wird alles hochgespült: die schmutzige Wäsche und sogar der Verdacht, dass Thomas und Marbury auf dem Flug der Mannschaft nach Phoenix vor zwei Tagen ein Handgemenge hatten (von einem Teamsprecher inzwischen dementiert). Was kommt als nächstes? Ein Tausch mit einem anderen Team? Wer braucht Stephon Marbury?

25. September 2007

Marbury hat ein wirklich großes Herz für Praktikantinnen

Wer geglaubt hatte, die Praktikantin der New York Knicks, die sich damals von Basketballer Stephon Marbury zu einer kleinem Sexeinlage in sein Auto locken ließ, habe Mitleid verdient, der muss sich eines besseren belehren lassen. Ms. Kathleen Decker wurde wenig später vom Club-Management MSG Sports mit einem richtigen Job bedacht. Und nicht nur das. Vor sechs Wochen erhielt sie eine Beförderung. Was das mit ihrer Zeugenaussage im laufenden Prozess zu tun hat? Das wissen wir noch nicht. Aber Spekulationen sind erlaubt. Vielleicht macht man in einem Männerverein alter Prägung immer noch am besten auf die Decker-Tour Karriere. Jedenfalls nicht so wie Anucha Browne Sanders (Bild hier), die den Laden verklagt hat, weil sie nach einer internen Beschwerde wegen sexueller Nötigung ihren gut bezahlten Job verlor. Deckers Auftritt am Montag als Zeugin der Verteidigung warf aber auch ein schlechtes Licht auf die Klägerin. Das interessanteste Detail (denn die meisten bisher vor Gericht zitierten Protagonisten - Isiah Thomas, Chefmanager Steve Mills und Browne Sanders sind schwarz) : Decker ist weiß.

13. September 2007

Knicks Gutes: Sexuelle Nötigung à la Madison Square Garden

Es muss ein angenehmes Gefühl sein, für einen Arbeitgeber zu arbeiten, der mit Geld nur so um sich schmeißt. Zumindest wenn man einen Vertrag mit der Basketballabteilung hat und männlichen Geschlechts ist. Dann steht man in der Gunst der Oberen des Madison Square Garden und macht im Profitcenter New York Knicks ein Vermögen. Ganz egal wie gut die sportlichen Resultate sind. Wehe aber man ist eine Frau, vielleicht noch ein bisschen selbstbewusst und nicht einverstanden, mit der Art und Weise, wie die weiblichen Beschäftigten behandelt werden, dann wird die Atmosphäre rasch ziemlich unangenehm. Die Details kann man dieser Tage den Berichten aus einem New Yorker Gerichtssaal entnehmen, wo eine ehemalige Angestellte den ganzen Laden und den Knicks-Trainer und General Manager Isiah Thomas im besonderen wegen sexueller Nötigung verklagt. Angesichts der Einzelheiten, die unter anderem dokumentieren, dass ein Spieler wie Stephon Marbury keine Schwierigkeiten hat, eine Knicks-Praktikantin für eine kleine Sexkapade in sein Auto zu lotsen (auch wenn die eigentlich gar nicht möchte, aber dem Druck nicht standhalten kann), bleibt die zentrale Frage: Wieso war man in der Top-Etage von Madison Square Garden nicht bereit, sich in aller Stille auf einen Vergleich einzulassen und hoffte statt dessen, dass man angesichts solcher Enthüllungen billiger davon kommt? Geht den Eigentümern das Geld aus, das sie aufgrund der Luxury Tax der NBA wie eine Fontäne übers ganze Land versprühen? Oder hatten sie gedacht, dass der Anwalt von Anucha Browne Sanders (Bild hier) die Zivilklage vorgebracht hat, zu blöd ist, um den Fall den Geschworenen möglichst plastisch vorzuexerzieren?

Wohl das letztere. Denn auf dem Papier sahen die Vorwürfe eher dünn aus. Nun zeigt sich jedoch, dass die Prozesstaktik sehr viel kraftvoller ist: Browne Sanders, die einst einen guten bezahlten Posten in der Marketingabteilung der Knicks bekleidete und rausgeworfen wurde, nachdem sie sich über die Behandlung und die verbalen Attacken von Thomas beschwert hatte (angeblich, weil sie sich in die durch ihre Beschwerde ausgelösten hausinternen Ermittlungen eingemischt hatte), konnte bislang sehr gut dokumentieren, wie das Top-Management damals reagierte, als es von den Klagen von betroffenen Frauen erfuhr: mit der typischen Ignoranz eines Männerladens und feindselig.

Man darf davon ausgehen, dass Isiah Thomas die konkreten Vorwürfe im Zeugenstand bestreiten wird. Denn wenn es für die Gespräche zwischen ihm und Browne Sanders keine Zeugen gab, steht danach Aussage gegen Aussage. Die Indizien allerdings bleiben bestehen. Die ehemalige Angestellte verlangt Schadensersatz in Höhe von 9,6 Millionen Dollar. Was sie im Gerichtssaal wirklich nur überzeugend darlegen muss, ist die Sache mit ihrem Rauswurf. Das amerikanische Arbeitsrecht ist alles andere als arbeitnehmerfreundlich - außer beim Thema sexuelle Nötigung. Da reicht es bereits, wenn einer Beschwerdeführerin gekündigt wird und die Kündigung als eindeutige Revanchehandlung interpretiert werden kann, um die Person einzuschüchtern und sie zum Schweigen zu bringen.

18. Juli 2007

"Mord" und "Attentäter" in der Sommer-Liga

Man muss sich wirklich nicht immer gleich zu allem und jedem rund um die NBA äußern. Schon gar nicht zur Summer League in Las Vegas und solchen Ereignissen wie der Mandeloperation von Greg Oden (Draft-Pick #1) und den verlorenen Spielen von Kevin Durant (Draft-Pick #2). Bei sovielen jungen Bäumen verliert man leicht den Wald aus dem Blick. Bei diesem Wald handelt es sich um eine Liga, deren Veränderungsprozesse mit dem Tempo eines Gletschers vonstatten gehen. Was ein Neuling in einem ersten Auftritt unter Profibedingungen abliefert (oder auch nicht), ist wirklich unerheblich.

Dies ist kein Preisrätsel, sondern eine Ermahnung, sich zu erinnern: Im wievielten Jahr seiner Karriere gewann Michael Jordan den ersten Titel mit den Bulls? Wie lange musste Dirk Nowitzki rackern, bis er auch nur im Finale stand? Was ist aus Glenn Robinson geworden, dessen exorbitantes Gehalt 1994 als Liga-Neuling (zehn Jahre Laufzeit, 68 Millionen Dollar) der Auslöser für die Rookie-Gehaltsbeschränkungen war? Aber zurück zur Summer League, an der eine Vertretung der Golden State Warriors teilnahm, die erfrischend aus dem Rahmen fiel (so ähnlich wie das Team, das die Mavericks aus dem Playoffs kegelte). Es trat an mit einem Spieler, der erst neulich nach abgesessener Haftstrafe wegen Einbruch aus dem Gefängnis kam, einer der den Spitznamen "Attentäter" trägt, einer mit dem Rufnamen "Mord", dazu ein baumlanger Absolvent von der Harvard-Universität, wo schon lange keiner mehr mit den anderen Colleges um sportlichen Glanz kämpft und ein ehemaliger Top-Pick des Jahres 2006, der an der Uni jeden Sommer in der Küche eines italienischen Restaurant arbeiten musste und jetzt noch mehr schwitzen muss, um die Hoffnungen einzulösen, die sich Manager Chris Mullin und Trainer Don Nelson gemacht haben. Typen und Charaktere also und damit genau das, was David Roth dazu brachte, für das Online-Magazin Slate einen animierten Artikel zu schreiben, der die Übersicht bewahrt. Die Lektüre kann man nur empfehlen, vor allen jenen, die nach Art von Kaffeesatzlesern aus solchen Veranstaltungen irgendeinen Aussagewert ableiten wollen.

Ich habe ein paar Spiele der Knicks-Sommerburschen aus Las Vegas im Fernsehen gesehen. Aufschlussreich waren die nicht. Genausowenig wie die neuerlichen Artikulationsversuche von Stephon Marbury in einem Blog der New York Post. Diesmal kündigte der geborene New Yorker an, nach Auslaufen seines Vertrages in zwei Jahren nach Italien ziehen zu wollen und den Jungs dort das Basketballpielen beizubringen. Er muss in letzter Zeit zuviel von David Beckham gesehen haben, der ständig erklärt, er sähe seine Aufgabe darin, in den USA dem Fußball weiter auf die Beine zu helfen. Irgendjemand sollte Starbury mal sagen, dass in Italien die zweitbeste Profi-Basketballliga der Welt entstanden ist und dass er dort mit seinem eigensinnigen Spielverständnis nicht sehr weit kommen wird. Aber der hört bestimmt nicht zu. "Wir sind neulich nach Italien geflogen", schrieb er. "Und das hat mein Leben verändert."

4. Juli 2007

Marbury hat die Zukunft gesehen. Die Vergangenheit soll ruhen


Es ist schwer zu sagen, wer sich eigentlich mehr über die Tauschaktion gefreut hat, die Zach Randolph von den Portland TrailBlazers nach New York gebracht hat: Knicks-Spielmacher Stephon Marbury oder Randolphs Nachbarn in dem kleinen Vorort von Portland, die seit drei Jahren dem lauten nächtlichen Treiben im Haus und Garten nebenan hilflos ausgeliefert waren. Dass Marbury glaubt, dass mit Randolph alles besser wird, kann man verstehen. Er ist der Mann, der offensichtlich gemerkt hat, dass die Clubs, die ihn unter Vertrag hatten, ohne ihn stets besser spielten als mit ihm. Jetzt freut er sich über jeden Strohhalm. Als Cousin des Waffennarren Sebastian Telfair (Boston Celtics) ist er nicht nur Kummer gewohnt, sondern findet es nachgerade unterstützenswert (das Zitat dazu findet man weiter unten im Text). Vielleicht hätte er auch Verständnis für die Art und Weise, wie seine Mitspieler ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigen. Wozu Zach Randolph fähig scheint, zeigt diese Klageschrift in allen pikanten Details (die HTML-Version gibt es hier).

Wir wollen das nicht ausbreiten, zumal dies eine einseitige Darstellung ist. Aus der lässt sich nicht verbindlich ableiten, was zwischen den beteiligten Personen tatsächlich passiert ist. Aber man darf es sicher anreichern mit Archivmaterial wie diesem: eine Geschichte, in der es um Hundkämpfe geht und um Gewaltandrohungen. Zach Randolph, der seinem Mannschaftskollegen Ruben Patterson (kein Kind von Traurigkeit) 2003 ins Gesicht schlug, könnte tatsächlich der Typ sein, der zu Marbury passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Ein Mann von 25, der schon in seiner Schulzeit mit einer ganzen Liste von Gesetzesverstößen aufgefallen ist und eine Entourage um sich geschart hat, die mutmaßlich auf seine Kosten leben und unter dem Namen Hoops Family die Züge einer Gang angenommen haben.

Die New Yorker Boulevard-Journalisten, die gewöhnlich ziemlich herbe zupacken, wenn ihnen etwas nicht in den Kram passt, wirkten eher zahm, als ihnen der Typ mit dem runden freundlichen Gesicht gegenüberstand. Der fand nämlich, es sei besser in die Zukunft zu schauen und nicht länger in der Vergangenheit herumzuwühlen. Und das würde man in New York, wo vor einer Weile der notorische Trainerwürger Latrell Sprewell relativ erfolgreich integriert werden konnte, denn auch gerne tun.

A propos Sprewell: sein Opfer, P. J. Carlesimo, wird wohl der neue erste Mann bei den Seattle SuperSonics, nachdem er zuletzt als zweiter Mann hinter Gregg Popovich beim Meisterteam San Antonio Spurs gearbeitet hatte.

Blick zurück: Zach Randolph war schon mal Thema hier. Der MTV-Mitschnitt ist leider von YouTube gelöscht worden

7. März 2007

Die teuerste Mannschaft der NBA und ihr Publikum

Gestern abend nach langer Zeit zum ersten Mal wieder bei einem Basketballspiel im Madison Square Garden. Da konnte man das New Yorker Publikum erleben, das sich von dem in anderen Sportpalästen in den USA so wohltuend abhebt. Es ist verwöhnt, anspruchsvoll, sachkundig. Ein Drittel sucht sich erst den Sitzplatz, nachdem das Spiel angefangen hat. Zwischendurch spannungslose Atmosphäre und Zuschauer, die nur dann - ein wenig - in Stimmung kommen, wenn die Knicks City Dancers die zusammengerollten T-Shirts in die Menge katapultieren. Knapp zwei Minuten vor dem Ende kommen die New York Knicks auf zwei Punkte heran, nachdem sie während des ganzen Spiels gegen die Seattle SuperSonics ziemlich überfordert aussahen. Da explodiert der Laden förmlich. Alle springen auf, brüllen, fordern die Mannschaft auf. Der Garden vibriert. Weniger als eine Sekunde vor der Schlusshupe hat Stephon Marbury zwei Freiwürfe, um auszugleichen und eine Verlängerung zu erzwingen. Die NBA hat mal wieder gezeigt, wie man Spannung inszeniert und die anspruchsvollen New Yorker Fans sind zufrieden. Nicht mit dem Resultat. Denn Marbury verwandelt den zweiten Wurf nicht. Seattle gewinnt 100:99. Aber mit dem Abend. Die teuerste Mannschaft der NBA war schließlich in ihrer eigenen Halle fast so gut wie eine der schwächsten Mannschaften in der Liga. Das lässt hoffen.