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4. August 2009

US-Fußballer wollen mehr Geld

Das Fußvolk der Spieler in Major League Soccer hat lange genug still gehalten und die Verzerrungen akzeptiert, die sich in der Gehaltslandschaft der Liga etabliert haben. Aber der alte Tarifvertrag läuft aus. Weshalb sich allmählich klare Fronten in einer Auseinandersetzung entwickeln, die in anderen Ligen (auch dank gerichtlicher Entscheidungen) längst geklärt waren. Die amerikanischen Kicker wollen Free Agency und garantierte Verträge haben. Das beste Druckmittel, das sie haben, ist gar nicht mal, mit einem Streik zu drohen. Das geht inzwischen viel eleganter, nachdem europäische Clubs erkannt haben, wie preisgünstig und ehrgeizig die jungen Amerikaner sind. Sollte MLS die Spieler im Rahmen eines Tarifstreits aussperren, wären sicher nicht mal Transferzahlungen fällig, um sich die Rechte der Kandidaten zu sichern.

Was am Ende bei einem Konflikt herauskommt, lässt sich schwer abschätzen. Es wäre keine Überraschung, wenn die Gewerkschaft zunächst einmal die Sache mit den garantierten Verträgen durchdrückt (etwas was zum Beispiel in der NBA und in Major League Baseball gibt, nicht jedoch in der NFL). Denn gegen einen solchen Fortschritt werden sich vermutlich die Clubeigentümer nicht sträuben, wenn sie sehen, dass sich auf dem internationalen Transfermarkt trotzdem gutes Geld mit den Spielern verdienen lässt (Kenny Cooper ging jetzt für rund eine Million Dollar zu TSV 1860 München, was knapp der Hälfte des Gehaltsbudgets der gesamten Mannschaft entspricht).

5. Juli 2009

Ja, bei der Post geht's nicht so schnell

Die realtiv kompliziert angelegten Tarifverträge im amerikanischen Mannschaftssport kennen ein Relikt aus der guten alten Zeit, durch das einem Spieler der erhoffte Ortswechsel vermasselt werden kann. Das ist der Status des sogenannten restricted free agent. Free ist daran nur soviel, dass eine andere Mannschaft mit viel Geld um den Profi buhlen kann, dass aber der alte Club, wenn er sein Angebot auf den gleichen Betrag erhöht, automatisch das Rennen macht. Vor einer Weile gab es um diese Regel in der NHL schon mal Stunk, weil die Edmonton Oilers auf der Suche nach interessanten jungen restricted free agents die Preise nach oben trieben. Sie bekamen nicht die Leute, die sie sich ausgeguckt hatten, aber die anderen Clubs mussten tief in die Tasche greifen, um ihre Spieler zu behalten.

Viel kurioser ist das, was jetzt in Chicago passiert ist, wo das Management die notwendigen schriftlichen Erklärungen an die eigenen Spieler kurz vor Ablauf der Frist in die Post gesteckt haben. Die amerikanische Post ist nicht besonders schnell. So kamen alle Briefe zu spät an. Einer wartet noch immer auf den Bescheid. Formal juristisch haben damit die Blackhawks ihren Zugriff auf die fraglichen Profis verwirkt. Die können jetzt mit jedem verhandeln. Natürlich auch mit Chicago – einem Team, das zuletzt zum ersten Mal seit Äonen wieder richtig unter Dampf stand und gegen die Detroit Red Wings ein Türchen vor dem Stanley-Cup-Finale aus dem Rennen geworfen wurde.

Die Panne spricht nicht für die Leute, die bei den Blackhawks das Sagen haben. Schon ein Fax hätte genügt. Andernfalls wäre FedEx die bessere Route gewesen und alle mal das extra Geld wert, das die kosten.

2. Juli 2009

Ron Artest sagt: Er geht zu den Lakers

Ron Artest sagt, er wechselt von den Houston Rockets zu den Los Angeles Lakers. Die offizielle Bestätigung steht noch aus. Wenn es sich bewahrheitet, ist das ein erstaunlicher Schachzug des amtierenden Meisters, der dem Team die Chance gibt, die eigene Position in der Liga zu konsolidieren. Die Rockets hätten beinahe die Lakers in den Playoffs aus dem Rennen geworfen. Die Auswirkungen der vielen Rochaden, die zur Zeit in der NBA ablaufen, sind nicht ganz leicht zu prophezeien. Nicht jede Mannschaft, die sich neue Leute holt, wird durch die Anschaffung besser. Hauptaugenmerk von dieser Stelle aus: Was machen die Portland TrailBlazers, das beste Nachwuchsteam der Liga? Basteln die auch? Oder setzen sie auf Kontinuität? Aktionismus prägt das Bild in Detroit und Milwaukee, wobei man den Pistons zutrauen kann, dass sie durch die Bewegungen besser werden. Die Bucks sind und bleiben ein Lottery-Team.

1. Juli 2008

Der Baron nimmt seinen Hut

Kopfschütteln allerorten heute über eine Entscheidung von Baron Davis, die vordergründig betrachtet keinen Sinn macht. Der quirlige Spielmacher der Golden State Warriors hat die vertragliche Option genutzt und sich ein Jahr vor dem Auslaufen seiner Vereinbarung mit dem Club zum Free Agent erklärt. Auf dem Tisch blieben mehr als 17 Millionen Dollar brutto liegen. Mehr Geld als die allermeisten Spieler in der NBA verdienen. Weil Davis keine Anstalten macht, seinen Schritt zu erklären, wachsen Spekulationen wie Schimmelpilze auf feuchtem Brot – schnell und dunkel in der Farbe. Deadspin glaubt, Davis habe seinen Kummer mit Coach Don Nelson nicht vergessen. Die New York Times sieht alles im Zusammenhang mit den Geschehnissen bei den Los Angeles Clippers, wo sich gleich zwei Top-Leute in die Free Agency abgemeldet haben. Darunter der Filmproduzent Elton Brand.

Davis hat übrigens gar nicht so viele neue Optionen auf einen langfristigen, hochdotierten Vertrag bei einer Mannschaft mit Titelchancen. Es sei denn, es kommt zu einer sogenannten Sign-and-Trade-Lösung, bei der das alte Team den Spieler vertraglich ausstattet und ihn gegen einen Posten Spieler von einem anderen Team tauscht. Wie sagt man so schön? Da muss man wohl abwarten, wie's weitergeht und welche Dominosteine noch fallen. So hat zum Beispiel Gilbert Arenas von den Washinton Wizards noch keinen neuen Vertrag. Profis, die lieber das letzte Jahr weitermachen wollen und auf Nummer sicher setzen, sind Ron Artest (Sacramento Kings) und Shawn Marion (Miami Heat). Sie wären gute Kandidaten für etwaige Tauschaktionen.

30. Juni 2007

NBA: Das Feilschen und Pokern beginnt

Der alljährliche Draft-Abend in der NBA ist ein konsumierbares Fernsehereignis, bei dem - in der ersten Runde - der Herr Commissioner persönlich alle paar Minuten aus einem Raum hinter der Kulisse durch ein Tor und an ein Mikrophon tritt und die Entscheidung des Clubs verkündet. Er liest vom Blatt ab und schaut mindestens dreimal genau hin: Wenn er sagen muss, um welchen Pick es sich handelt, wenn er den Namen des Clubs nennt und wenn er den Namen des Spielers verlautbart. Das ist spätestens ab Pick Nummer 10 nicht mehr sonderlich spannend, besitzt aber eine formaltheatralische Konsequenz. Und wir alle sind Zeugen.

Ab heute nacht läuft das komplette Gegenstück ab. 130 Spieler (also etwa ein Viertel von allen) werden in diesem Augenblick auf einen Schlag und offiziell vertragsfrei und können mit jedem Club verhandeln, der ihnen ein Angebot macht. Das läuft ohne Commissioner, ohne Bühne und ohne Kameras ab. Man muss sich das mehr so vorstellen wie in einem Bienenstock. Viel Gesumme, viel Flügelschlag, aber alles im Dunkeln. Und jeder hofft, dass am Ende Honig dabei herauskommt.

Mal abgesehen davon, dass sich zu diesem Zeitpunkt keine Spekulation darüber lohnt, wie das Geschiebe und Geschacher ausgehen wird - soviel steht fest: Der Effekt der Free-Agent-Transaktionen ist größer als der der Verpflichtung von hoch eingeschätzten Nachwuchsspielern. Mit anderen Worten: Die Draft-Show ist im Prinzip mehr Augenauswischerei als alles andere. Eine Art von Theater, das den publizistischen und kommerziellen Stellenwert einer Sportinstitution wie der NBA dokumentiert und darin mit dem All-Star-Weekend zu vergleichen wäre. Der größte Unterschied: Die All-Star-Veranstaltungen wandern durchs Land. Die Draft hat einen festen Standort: New York. Madison Square Garden. Mit dem lauten New Yorker Publikum, das sich gelegentlich unmissverständlich zu Wort meldet (diesmal als der Trade mit Portland bekannt wurde, der Zach Randolph zu den Knicks bringt und Steve Francis an die Westküste expediert).

Wer einen Überblick über die Free-Agent-Situation gewinnen möchte, dem sei dieser Artikel in der New York Times empfohlen, in dem die vertragslosen Gesellen etwas abschätzig als pawns (die Bauern im Schachspiel) charakterisiert werden. Die Analogie ist schief. Bauern haben wirklich kein Mitspracherecht bei der Wahl ihrer Einsatzzone. Und die wenigsten schaffen es bis zur Grundlinie und zu einer Umwandlung in einen Offizier. Free Agents haben Wahlmöglichkeiten (längere Verträge/kürzere Verträge, Meisterschaftsaspiranten/Aufbauprojekte). Und vor allem können sie sich ihre Agenten und Berater vorher aussuchen. Das heißt: Sie stehen nicht einfach nur so dumm da.

Aber es ist schon klar, was Times-Mann Howard Beck sagen will: Am Ende sind die meisten Spieler einfach nur Gestaltungsmasse in den Plänen irgendwelcher Manager und Trainer. Und da sich die nicht in ihre Karten schauen lassen, entwickeln die Profis (und die Öffentlichkeit) das Gefühl, dass da immer mehr an geheimnisvollen Machenschaften im Spiel ist, als tatsächlich der Fall sein dürfte.

Über den interessantesten Freien haben wir neulich schon gesprochen. Chauncey Billups kann ganze Kaskaden an neuen Trades auslösen - je nachdem, wo er landet. (Dallas wäre gut beraten, ihn zu holen). Rashard Lewis von den Seattle SuperSonics braucht man das nicht zuzutrauen. Landet er bei den Lakers (als Friedensangebot an Kobe Bryant, weil sie Kevin Garnett nicht bekommen) oder bei den Miami Heat, wo man nachrüsten muss, um im Osten mithalten zu können, dürfte das keine großen Wellen schlagen.