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21. Februar 2010

Der Olympische Klingelbeutel: Tod, wo ist dein Schatten?

Heute mal ein bisschen Bückware zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver, die in den USA trotz des Fehlens vorher hinreichend hochgejubelter Sportler eine leise Euphorie auslösen. Wenn die eigenen Leute dauernd gewinnen, dann möchte man schließlich selbst irgendwann wissen, wer das ist: die Vonn, die Mancuso, der White und der Ohno. NBC arbeitet wie in den letzten Jahren auch: attraktive Wettbewerbe werden tagsüber einfach nicht gezeigt, sondern erst abends entkorkt. Und dort werden sie in ein Magazinformat eingegossen, das dem Regisseur erlaubt, geschickt von Austragungsort zu Austragungsort zu springen und dabei all den Plunder wegzulassen oder zu umschiffen, für den sich der amerikanische Fernsehzuschauer so gar nicht interessiert. Lieber wird ein Fünf-Minüter über die Ausbildung zur Royal Canadian Mounted Police eingestreut als eine Schilderung der Hintergründe der Ausbildung zum Goldmedaillengewinner, wie man sie in Deutschland praktiziert.

Natürlich gibt es Gründe, weshalb die besser gewordenen amerikanischen Bobfahrer und Rodler noch immer nicht ganz oben auf dem Treppchen landen. Aber statt sie kritisch unter die Lupe zu nehmen, reduzieren die Reporter an der Bande das Geschehen auf Gewicht, Kraft, Reaktionsschnelligkeit und den emotionalen Quark, der in der Sportberichterstattung den ganzen ungeklärten Rest erklären soll.

Was die Fernsehleute so gerne links liegen lassen, bleibt jedoch trotzdem ein Thema. Hier eine Auswahl an Geschichten:

• Die schlimmsten Spiele aller Zeiten? Eine Verteidigungsrede aus kanadischer Sicht mit ein paar Hinweisen zu Sachverhalten, die längst vergessen sind: So starben 1964 vor und bei den Spielen in Innsbruck zwei Athleten: ein Rodler und ein Skifahrer (der prallte beim Training gegen einen Baum neben der Strecke).

• Wie hat sich ein Bronzemedaillengewinner zu verhalten, solange er mit dem Bembel um den Hals herumspaziert? Nicht so. Meister Lago wurde deswegen nach Hause geschickt. Auf gut Amerikanisch nennt man das "risqué". Was bekanntlich ein französisches Wort ist. Und in diesem Zusammenhang mit "anzüglich" übersetzt werden darf, obwohl es meistens oft unter "schlüpfrig" läuft. Ja, und überhaupt....die frechen Snowboarder.

• Jaromir Jagr liebäugelt mit einer Rückkehr in die NHL. Er wäre nach dem ersten Eindruck in Vancouver eine Bereicherung. "Jungs, es ist nicht einfach, hier zu spielen", sagte er über den Alltag in der russischen Liga. "Man trainiert sehr viel härter als in der NHL. Manchmal spiele ich in zwei Linien. Sollte ich zurückkehren, werde ich ich vermutlich ein besserer Spieler sein als zu dem Zeitpunkt, als ich gegangen bin."

• Die personifizierte Langeweile: Frauen-Eishockey wird von zwei Mannschaften dominiert. Extrem dominiert. Dabei spielen die USA und Kanada auf einem sehr ansehnlichen Niveau und werden auch immer besser. Aber der Rest der Welt... Wann verschwindet die Sportart aus dem Programm?

• Wir hatten dann noch diesen Fall des niederländischen Eisschnellläufers Sven Kramer, der nach dem Gewinn der Goldmedaille über 5000 Meter die Interviewerin von NBC mit der Gegenfrage auskontert: "Sind Sie doof?" Das Original-Video der Szene ist inzwischen wieder aus den YouTube-Archiven getilgt. Dafür gibt es hier die Aufarbeitung des Themas im NL-Fernsehen – mit englischen Untertiteln.


• Ach, ja. Und dann waren da noch die großen Träume der Verantwortlichen aus dem Veranstalterland. Sie wollten die meisten Medaillen bei diesen Spielen abräumen. Sieht nicht gut aus.

21. Januar 2010

Der Klingelbeutel: Nicht alles im Griff

Die Ambitionen von David Beckham, sich über den Winter in Mailand für die englische WM-Mannschaft zu empfehlen, produzieren immer wieder ein paar widrige Nachrichten. In der vergangenen Saison gab es das Tauziehen über seine Rückkehr zu Los Angeles Galaxy. Das wurde beigelegt. Nun musste er sich von einer Italienerin fürs Fernsehen das Gemächt begrapschen lassen. Warum? Weil sich aufgrund der Emporio-Armani-Unterwäsche-Anzeigen und eines (mutmaßlich getürkten) Nacktfotos, das online kursiert, das Gerücht hält, Becks habe schwer zu tragen. Die Dame brüllte vor laufender Kamera: Das sei alles nicht halb so wild. Der Fußballer war über solch eine Attacke entsetzt und stürmte davon.

• Nichts Genaues weiß man nicht, aber das kann sich noch ändern: Nachdem die NBA als erste US-Liga die Vermarktugsmöglichkeiten in anderen Erdteilen entdeckte und die NFL nach einer Reihe von gescheiterten Experimenten den Pflichtspiel-Abstecher nach London installierte und die NHL ihre Fühler nach Europa ausstreckte und nun vor Beginn der Saison zwei Teams schickt, sucht Major League Baseball noch immer nach einer eigenen Lösung für ein Schaufenster zur Welt. Was schwierig ist angesichts der Großwetterlage. Mittelamerika und Venezuela sowie Japan im fernen Asien sind die einzigen Länder, in denen man wirklich Widerhall erzielen kann. Nun wurde eine alljährliche Begegnung zwischen dem amerikanischen World-Series-Sieger und dem japanichen Meister ins Gespräch gebracht. Da man die "Welt" bereits in den USA intern als Namensgeber gepachtet hat, dürfte es vor allem an der passenden Bezeichnung hapern. Unter "global" oder "Universum" dürfte es nicht abgehen.

• Der Stanley Cup ist viel unterwegs. Denn jedes Mannschaftsmitglied des Siegerteams kann den riesigen Pott einen Tag bei sich zuhause vorzeigen. Egal, in welchem Land zuhause ist. Manchmal wird das Ding aber auch falsch verladen und landet dann am falschen Ort. So wie jetzt, als der Transport von Newark nach Vancouver gehen sollte. Ausgeladen wurde der Cup in Toronto. Was irgendwie verständlich ist. Denn dort ist die Hall of Fame. Und die ist sein zuhause (via The Big Lead).

30. Dezember 2009

Winter Classic: Wir basteln uns eine Spielfäche

Für alle, die einst mit dem Stabilbaukasten oder den Lego-Steinen herumgebastelt haben und dabei nie eine Eishockey-Spielfläche hinbekommen haben: Hier zeigt uns das Time-Lapse-Video, wie's in echt geht. Der Ort: Fenway Park in Boston. Der Anlass: die dritte Auflage vom Winter Classic am 1. Januar zwischen den Boston Bruins und den Philadelphia Flyers, jenem publikumswirksamen NHL-Projekt unter freiem Himmel, das 2008 in Buffalo in einem Footballstadion begann. Vor einem Jahr war die Liga in Wrigley FIeld in Chicago. Die Wetterprognose verspricht übrigens Schnee. Es hat nur drei Jahre gedauert, bis die Veranstalter den Namen der Veranstaltung an einen Titelsponsoren verhökern konnten. Die japanische Reifenfirma Bridgestone machte das Rennen. Die wird sich über Schnee freuen. (Disclosure: fahre vorne auf dem Passat zwei All-Wetter-Schluffen von denen).

Blick zurück: Ausführliche Vorschau in der FAZ auf das Ereignis vor einem Jahr in Chicago mit Informationen zum Erfolg der Veranstaltung

8. Dezember 2009

Die Nationale Hybris League baut Potemkinsche Dörfer

Gary Bettman Press Conference
Zunächst denkt man ja, das H in NHL steht für die Sportart, die allen anderen Hockeyarten zum Trotz in Nordamerika bekanntlich nicht Ice Hockey heißt (sonst hieße der Laden, von dem hier die Rede ist, vermutlich NIL – wie die Zigarettenmarke mit dem parfürmierten Tabak). Aber je länger Gary Bettman als Commissioner am Ruder ist, wäre es wohl besser, bei dem Buchstaben an Hybris zu denken. Und an Hohn. An Hackenschuss. Und an Holy Shit. Hier der neueste Beleg für die realitätsferne Betrachtungsweise jenes Herrn, der über Wohl und Wehe einer darbenden Liga wacht: Er will nicht etwa kranke Clubs wie in Phoenix, Tampa, Columbus oder Nashville umquartieren in Städte, die sich über Zuwachs freuen. Nein, die jetzigen Standorte sollen alle ihre Minusmacher behalten und durchfüttern. Wenn Winnipeg und Quebec City neuerdings wieder Lust auf Profi-Eishockey der ersten Kategorie haben sollten, dann würde die Liga einfach ausgebaut. Von jetzt 30 Teams auf eine ungenannte höhere Zahl.

Das klingt lachhaft, wenn man sieht, was für einen Fernsehvertrag die NHL auf die Beine bekommt, bei dem pro Club nur sehr wenig hängen bleibt. Woher soll das Geld von rund 50 Millionen Dollar für die Gehälter pro Saison aber kommen, um die schnellen Jungs aus Europa zu bezahlen, ohne die man in Nordamerika kein attraktives Eishockey auf die Beine bekommt? Und wenn das Fernsehen nicht zahlt, dann braucht man Zuschauer in der Arena. Ich war letzte Woche bei einem Heimspiel der New Jersey Devils in der neuen Halle in der Innenstadt von Newark. Angeblich wurden für das Match gegen die Vancouver Canucks um die 13.000 Karten verkauft (von 17.600). Wenn man sich genau umschaute, saßen bestenfalls 10.000 in den Rängen. Die Stimmung war entsprechend.

Abgesehen davon wirken insbesondere die Anstrengungen der russischen Liga KHL wirkungsvoll genug, um der NHL gute Spieler abspenstig zu machen oder sie gar nicht erst über den Atlantik zu lassen. Was die Liga braucht, ist ein Schrumpfungsprozess auf die vitalsten Städte des Kontinents, wo die Fans sitzen, die nicht nur in die Halle gehen, sondern auch Spiele im Fernsehen verfolgen. Alles andere ist ein Potemkinsches Dorf. Und das sieht in der Bettman-Optik so aus: Das Geschäft verläuft in Zyklen. Und Teams in Anaheim, Dallas, Tampa, North Carolina hätten in den letzten Jahren den Titel gewonnen, also in Städten, in denen es entweder nie oder so gut wie nie schneit. Ja, wenn das so ist... Wie wär's mal mit Meisterschaftserfolgen in Toronto, Edmonton, Calgary und Chicago? Würde das nicht die Fans wirklich entzücken?

1. Dezember 2009

Wenn man seinen Ärger am eigenen Torwart auslässt

Jetzt sind die Torleute in der NHL nicht mal mehr vor ihren eigenen Verteidigern sicher:

Thomas Vokoun von den Florida Panthers kassiert zuerst einen Treffer, weil er den frei herumliegenden Puck nicht orten kann, und danach einen Schlag von seinem Mannschaftskameraden, der ziemlich sauer gewesen sein muss (via Deadspin). Vokoun musste vom Eis getragen werden und erlitt eine Schnittwunde am Ohr. yahoo sports erinnert in dem Zusmamenhang an einen ähnlichen Fall aus dem Mai, als bei den Montreal Canadiens der Haussegen schief hing. Da war Tomas Surovy gegen Tormann Jaroslav Halak tätlich geworden. Nach dem achten Tor.

26. November 2009

Problemfall: Leistungsdruck

Womit junge Eishockeyspieler aus Europa zu kämpfen haben, wenn sie nach Nordamerika gehen: Leistungsdruck. Zitat aus einem Interview von Spox mit Sascha Goc, der inzwischen für die Hannover Scorpions spielt:

SPOX: Sie sprechen aus eigener Erfahrung. Sie wurden früh von den New Jersey Devils gedraftet, konnten sich aber nie richtig durchsetzen.

Goc: Stimmt, ich habe das alles am eigenen Leib erfahren. Ich war 19 Jahre alt, als ich rüber gegangen bin. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich vielleicht lieber noch zwei Jahre hätte warten sollen. Der Schritt in die USA ist schon gewaltig. Da gibt es so viele gute Spieler, die in die Mannschaft wollen. Einen derartigen Leistungsdruck ist man als junger deutscher Spieler überhaupt nicht gewöhnt. Die Kanadier kennen das schon aus der Jugend. Um dagegen anzukommen, sollte man schon eine gewisse Reife besitzen

23. November 2009

Denver feiert die Uwe-Krupp-Nacht

Avalanche v Panthers
Für Denver war es ein besonderes Ereignis, die Nacht im Juni 1996 in Miami, als Uwe Krupp das Tor schoss, mit dem die Colorado Avalanche den Stanley Cup gewannen. Das kann man verstehen. Und irgendwie auch nicht. Denn wenn eine Mannschaft einen Gegner in einer Best-of-Seven-Serie so dominiert wie damals das Team von Krupp die Florida Panthers beherrschte, dann sollte einem der Verstand sagen: Alles nur eine Frage der Zeit. Irgendeiner der Jungs wird es schon hinbekommen. Bitte um etwas Geduld. Und wenn es bis zur dritten Verlängerung dauert.

Aber die Projektionen, mit denen Fans und Sportreporter ihr Leben füttern, um sich an der "schönsten Nebensache der Welt" zu delektieren, bestehen meistens nur aus Scheinrationalität und aus Scheinargumenten. Im Prinzip suchen sie sich das Objekt ihrer Fixierung am liebsten frei Schnauze. Im Zweifel ist das Objekt dann eben jemand wie Uwe Krupp, der damals dank seiner hervorragenden, aber unauffälligen Arbeit im Gefüge dieser Mannschaft so oder so mit guten Worten hätte überschüttet werden müssen. Warum mochte ihn der Reporter der Denver Post? Weil er "sehr intelligent" war und man sich mit ihm auch über andere Themen unterhalten konnte als Eishockey. Weil er eine zynische Ader hatte und keine Furcht hatte, mit seinen Auffassungen gegen den Strich zu bürsten.

Heute abend werden sie diesen Kerl und die Erinnerungen an ihn in der Halle in Denver noch einmal zelebrieren. Das hat was (via gamesmustgoon). Und wir wollen auch gar nicht zynisch sein und vermuten, dass diese kleine Feier etwas damit zu tun haben könnte, dass die Avalanche die Halle nicht mehr voll bekommen. Kein Regen auf diese Parade. Nicht von von dieser Stelle aus.

Nachtrag: Die Denver Post hat über den Abend ein paar Zeilen verloren. Eine Kleinigkeit am Ende der Meldung fiel auf: Krupps Sohn Björn, der in Kalifornien geboren wurde und im Nachwuchsprogramm der USA-Nationalmannschaft gefördert wurde, hat einen entry-level-Vertrag bei den Minnesota Wild unterschrieben. Er spielt noch in Kanada in der Ontario Hockey League.

18. Oktober 2009

Eishockey: Torontos Misere macht US-Olympiateam zu schaffen

Die Toronto Maple Leafs haben mit ihrer gestrigen Niederlage gegen die New York Rangers einen relativ alten Rekord eingestellt. So schlecht wie in dieser Saison (sechs Niederlagen in sieben Spielen) haben sie erst einmal eine Spielzeit begonnen. Das war vor fast zwanzig Jahren. Man kann allerdings nicht behaupten, dass die Mannschaft seit damals sehr viel vorzuweisen hätte. Der Mangel an Erfolgen in DER Eishockey-Metropole des ganzen Kontinents klebt wie eine Seuche an den Spielern und Trainern, die kommen und gehen. Eine Zeitlang haben sie im Club das Problem mit Geld attackiert, was vor der Einführung der strikten Salary Cap kein Problem war. Denn Geld haben die Maple Leafs ohne Ende. Mittlerweile muss man mit Grips und Intuition arbeiten. So wie die anderen Teams auch. Das macht die Lage schwieriger. Nun braucht man eine kluge Draft- und Scouting-Politik, muss junge Leute mit Potenzial finden und sie fördern und behalten. Und so etwas braucht Zeit. Zeit, die man in Pittsburgh hatte. Zeit, wie man sie bei den Carolina Hurricanes hatte. Aber die hat man in Toronto nicht, weshalb man dort immer die gleichen Rochaden spielt. Man sucht sich angesehene Autoritätsfiguren, deren Reputation stark genug ist, um den täglichen Kampf mit hartnäckigen Zeitungen und den Erwartungen eines kompetenten Zuschauerpools zu bestreiten. Reputation produziert keine Erfolge. Und so ist bei den Maple Leafs eine bemerkenswerte Situation eingetreten. Der neue Clubmanager Brian Burke und Trainer Ron Wilson werden sich nicht mehr lange aneinander festhalten können, wenn die Mannschaft nicht gewinnt. Das sind die beiden Männer, die in der nach Gutsherrenart betriebenen Verwaltung der amerikanischen Eishockeynationalmannschaft für die Vancouver die gleichen Positionen besetzen. Weshalb die langsam um sich greifende Nervosität demnächst auch in den USA zu spüren wird. Denn auch wenn man in den Vereinigten Staaten die meiste Zeit völlig darauf pfeift, woher die Spieler kommen - bei den Olympischen Spielen sieht die Sache ganz anders aus. Dann schleppt jede Mannschaft, die mit dem aufgenähten Sternenbanner antritt, die mit der Nostalgie des Miracle on Ice von 1980 in Lake Placid verbundenen Ansprüche mit sich. Aber nur eine gut zusammengesetzte und hochmotivierte Truppe dürfte gegen Kanadier, Russen und vor allem gegen die Schweden eine Chance auf die Goldmedaille haben. Ist Ron Wilson dazu wirklich der richtige Mann?
USA Olympic Men's Ice Hockey Orientation Camp

13. Oktober 2009

Die nackte Wahrheit: Zuschauerschwund bei viel zu vielen NHL-Clubs

Die Krankenakte der National Hockey League ist eine Statistik, die man bei espn.com schön übersichtlich zusammengetragen hat. Das Material besteht aus zwei Werten: den reinen Zuschauerzahlen pro Club und der Kapazitätsauslastung der Arenen. Stand: letzte Saison. Die Situation scheint sich für die am stärksten betroffenen Clubs nicht zu verbessern. Die Nashville Predators waren vor ein paar Tagen nicht mal in der Lage, das Eröffnungsspiel der neuen Spielzeit auszuverkaufen. Was an dem Datenpaket auffällt: Abgesehen von den New York Islanders handelt es sich bei den am schlimmsten betroffenen Teams allesamt um Neuschöpfungen aus der Expansionsphase der Liga. Am schlimmsten dran sind die Atlanta Thrashers, die bei ihren Heimspielen auf eine Auslastung von 78,9 Prozent kamen. Die anderen Patienten vegitieren in Nashville, Phoenix (mit den im klassischen Sinn als Umzugsclub aus Winnipeg schon etwas länger existierenden Coyotes), Columbus, Miami (Florida Panthers). Eine Überraschung ist das erlahmende Interesse an den Colorado Avalanche, die noch vor ein paar Jahren als Musterbeispiel herhalten konnten. Wer will, kann aus den Zahlen nur noch einen Schluss ziehen (denn mit einem Umzug in andere, nicht größere Städte kann der Mangel an Interesse nur kaschiert werden): Die Liga muss schrumpfen und einen Weg finden, die am schlimmsten leidenden Clubs aus dem Verkehr zu ziehen. Was früher immer als Gegenargument herhielt – die Ambotionen auf einen lohnenden US-Fernsehvertrag, haben sich ohnehin längst als Fata Morgana erwiesen. Obendrein zeigen die Ansetzungen auf NBC, welche Clubs überhaupt für Quoten sorgen. Die kranken Clubs tun es nicht, sondern die in New York, Philadelphia, Chicago, Boston und Detroit.

5. Oktober 2009

Der Klingbeutel: Recht so

Für Oakland-Raiders-Coach Tom Cable sieht es nicht gut aus. Die Attacke gegen seinen Assistenten könnte zu seiner Verhaftung führen.

• Der Besuch einer New Yorker Zeitung im Gefängnis bei Plaxico Burress (einst der Held der New York Giants)

• Die Polizei hat einen Verdächtigen in der Video-Affäre um Erin Andrews festgenommen. Die Ermittlungsergebnisse wurden von Deadspin publiziert. Sie zeigen, wie detailliert sich die Behörden mit solchen Dingen wie kleinen Gucklöchern in Hoteltüren beschäftigen.

• Ein kanadischer Eishockey-Blog nimmt Toronto Maple Leafs Trainer Ron Wilson hops. Seine zu Papier gebrachten Motivationssprüche entlarven einen hochsimplen Arbeitsansatz. Jeder Sportfan käme auf solche Ideen.

30. September 2009

Coyote-Konkurs: Kein Umzug nach Kanada

Noch immer nicht endgültig, aber schon ziemlich nahe dran: Die Entscheidung des Konkursrichters im Insolvenzverfahren der Phoenix Coyotes gegen den Investor mit dem großen Portemonnaie stellt sicher, dass der Club in Arizona bleibt. Aber die NHL muss ihr Angebot über 140 Millionen Dollar nachbessern, sonst bekommt sie nicht den Zuschlag. Die Liga muss einen Weg finden, wie sie die Ansprüche der beiden Gläubiger Wayne Gretzky und Club-Besitzer Jerry Moyes aus der Kaufsumme ebenso bedient wie andere Geschäftsleute, die noch Geld von den Coyotes zu bekommen haben. Der Richter meinte, dass sei im Prinzip keine große Hürde, verweigerte aber der NHL erstmal den Zuschlag.

Blick zurück: Das Geheul rund um die Coyotes

25. September 2009

Gretzky gibt auf

Die Nachricht von gestern lautete: Wayne Gretzky hat in Phoenix die Kelle abgegeben und den Trainerposten der Coyotes verlassen. Die erste Reaktion darauf: Was die Coyotes hatten einen Trainer? Braucht man, um in den NHL die Playoffs nicht zu schaffen und in einer halbleeren Halle zu spielen, einen Coach?

Hier die Bilanz von vier Jahren und mehr als 300 Spielen in der regulären Saison: 143 Siege, 166 Niederlagen. Für diese Leistung wurden ihm 6,5 Millionen Dollar Gehalt pro Jahr vom Club zugestanden. Trainer, die weniger verdienen, wären in anderen Clubs angesichts solcher Mißverhältnisse schon vor langer Zeit rausgeworfen worden. Aber Gretzky hatte es besser. Einem Miteigentümer setzt man nicht den Stuhl vor die Tür.

Mehr über die Verhältnisse, vor dem großen Bankrott, kann man hier lesen. Zum letzten Stand des Konkursverfahrens, das sich weiter hinzieht, weil der Schuldner und Ex-Besitzer Jerry Moyes keine Ruhe gibt, hat die Hockey News vor ein paar Tagen alles zusammengetragen. Aus dem Hickhack nach der vom Gericht durchgeführten Auktion (das Resultat ist offiziell noch nicht bekannt), muss man schließen, dass der Richter den Club in Glendale halten will und damit den Willen der Liga erfüllt. Wenn auch sicher aus anderen Gründen. Die Stadt Glendale ist als Besitzer der Hauptgeschädigte, wenn die Coyotes nach Kanada abwandern.

6. September 2009

NHL-Blog trotz Erfolg auf der Kippe

Die New York Islanders haben vor einem Jahr ein Experiment probiert: Sie haben den Blog eines ehemaligen Mitarbeiters aus der Presseabteilung finanziert, dem Mann aber inhaltlich freie Hand gelassen. Obwohl das NHL-Team grottenschlecht spielte, war Islanders Point Blank ein Erfolg – mit rund 500.000 Besuchern im Monat hatte kaum jemand gerechnet. Die Islanders, die im Großraum New York im Schatten der Rangers und der Devils spielen, haben nun dem Blogger die wirtschaftliche Unterstützung entzogen. Der sucht zur Zeit nach neuen Finanziers. Das Experiment steht auf der Kippe.

28. August 2009

Ehrhoff zu den Vancouver Canucks

Christian Ehrhoff ist der beste deutsche Eishockeyspieler in der NHL (auch dann, wenn Marco Sturm nicht verletzt ist). Und die San Jose Sharks waren in den lezten Jahren eine der besten Mannschaften in der Liga. Aber solche Feststellungen müssen Spieler und Teams in jedem Frühjahr auf dem Eis unter Beweis stellen. Und da haben die beiden – der Verteidiger mit dem enormen Angriffspensum und sein Club – am Ende stets gepatzt. Diese Serie ging gestern mit einer für den nordamerikanischen Sport typischen Maßnahme definitiv zu Ende. Ehrhoff wurde zusammen mit dem Mannschaftskollegen Brad Lukowich im Tausch für zwei jüngere und billigere Spieler an die Vancouver Canucks abgegeben. Geld war ganz offensichtlich das Hauptproblem. Denn die harte Salary Cap der NHL zwingt die Manager vor jeder Saison zm Rechnen. Ehrhoff hat einen Vertrag, der ihm für die nächsten beiden Jahre jeweils 3,1 Millionen Dollar garantiert. US-Dollar wohlgemerkt, völlig unabhängig davon, wo der Wechselkurz zum kanadischen Dollar gerade steht.

Mehr über Ehrhoffs Zeit in San Jose stand im Frühjahr in diesem Artikel in der FAZ.

Nachtrag: Die San Jose Mercury News konnte mit Ehrhoff reden, der zu dem Tausch sagte: "Ich war nicht total überrascht, aber natürlich bis du erstmal geschockt, wenn du getradet wirst." Vancouver ist übrigens eine angenehme Stadt mit viel Lebensqualität. Die Olympischen Spiele im nächsten Jahr wirbeln bei den Canucks das Programm durcheinander. Das liegt nicht an der Spielpause, die den NHL-Profis gestattet, für ihre Nationalmannschaften anzutreten, sondern daran, dass die Mannschaft wochenlang am Stück auswärts antreten muss. Die Halle gehört zu den Veranstaltungsorten der Winterspiele und muss vorher mit zahlreichen Umbaumaßnahmen auf olympisches Niveau gebracht werden. "Auswärts" ist für ein Team wie Vancouver mit ellenlangen Reisen verbunden. Eine längere, aber kompakte Zeit unterwegs sorgt allerdings dafür, dass man in jedem Fall im Vergleich zum klassischen Reiseplan, weniger Zeit im Flugzeug verbringt. Nur mal als Anhaltspunkt für Leute, die denken, Aserbeidschan liegt weit weg : Flugzeit Vancouver - New York: fünf Stunden.

Marcel Goc, der vor einem Jahr in San Jose nicht mehr als einen Ein-Jahres-Vertrag herausholen konnte, spielt in der kommenden Saison auch für einen neuen Club. Er wechselt zu den Nashville Predators. Viel Geld gibt es nicht. 550.000 Dollar im Rahmen eines Two-Way-Vertrages bedeutet: Wenn er ins Farm Team muss, reduziert sich die Apanage noch mehr.

25. August 2009

Reinsdorf zieht Coyotes-Kauf-Angebot zurück

Die von der NHL favorisierte Lösung in Sachen Phoenix Coyotes ist geplatzt. Jerry Reinsdorf, der Besitzer der Chicago Bulls und Chicago White Sox, hat sein ursprüngliches Angebot zur Übernahme des Clubs vom Tisch genommen. Hauptgrund: das Manöver der Anwälte des bankrotten alten Besitzers, die Verhandlungen von Reinsdorf mit der Stadt Glensdale, dem Hallenbesitzer, um Subventionen an die Öffentlichkeit zu bringen. Man darf davon ausgehen, dass der Anwalt, der Michael Jordan Zeit seiner Karriere ziemlich schlecht bezahlte und Scottie Pippen obendrein, nicht empfindlich ist und mit solchen Enthüllungen leben kann. Das Problem: Die Stadtverwaltung saß plötzlich mit roten Ohren da und musste sich die Frage gefallen lassen: Warum müssen wir eigentlich Multimimillionäre aus fernen Städten mit Steuergeldern beschenken?

Was bedeutet das alles? Schwer zu sagen. Die NHL hat zunächst mal reagiert und dem Konkursrichter ein neues Angebot unterbreitet, wonach die Liga den Club übernehmen will. Wieviel Geld sie hinzublättern bereit ist, wurde auf die Schnelle noch nicht bekannt. Es wird sicher ein Betrag in der Größenordnung von dem sein, was Reinsdorf ausgeben wollte. Also etwa 148 Millionen Dollar.

Blick zurück: Gar nichts okay am O. K. Corral

18. August 2009

Der Klingelbeutel: Magazine zu verschenken

Die Kanadier hatten enorme Schwierigkeiten, ein Trikot für ihre Olympia-Eishockeynationalmannschaft zu entwerfen. Es gab fünf Versuche. Und das obwohl man in Kanada normalerweise nur mit zwei Farben und einem Symbol (dem Ahornblatt) arbeitet. Das IOC will außen drauf keine Logos der Hersteller mehr sehen. Da will man als Veranstalterland natürlich nicht unangenehm auffallen. Trotzdem wird in Geschichten über solche Dinge gerne der Name der Firma genannt, die die Produkte herstellt. Das muss an Werbung reichen.

• Schwer zu sagen, ob solche Methoden die Moral im Trainerstab der Los Angeles Raiders kurz vor Beginn der neuen NFL-Saison verbessert. Aber ernsthaften Gerüchten zufolge hat der neue Cheftrainer Tom Cable einem Assistenten eine gesemmelt. Der musste daraufhin ins Krankenhaus. Im Club tut man so, als seien solche Dinge reine Privatangelegenheit. Mal sehen...

ESPN The Magazine schien lange auf einem unwiderstehlich erfolgreichen Weg und zu einem gewissen Teil verantwortlich für den langsamen Abstieg von Sports Illustrated. Das Cross-Branding und der knapper und und frischer anmutender journalistischer Auftritt kamen zwar sehr koffeinhaltig rüber, aber im letzten Jahr kletterte man auf eine Auflage von stattlichen 2 Millionen verkauften Exemplaren. Seitdem muss das Blatt die Grenze des Wachstums erreicht haben. Die neuesten Supersonderangebote an die Abonnenten klingen so, als habe man keine Angst die Postille wie ein Postwurfsendung zu verschleudern. Für einen Dollar für ein ganzes Jahr – mithin über 120 Dollar weniger als der nominelle Preis für alle 26 Ausgaben zusammen, der pro Ausgabe behi 5 Dollar liegt – ist man dabei. Zwar werden in den USA die Zeitschriftenabonnements traditionell sehr billig abgegeben, um auf diese Weise die Auflage nach oben zu bringen und so das Anzeigengeschäft anzukurbeln. Aber solch eine ruinöse Preispolitik kann sich kein Verlag leisten. Das sieht so aus, als ob man bei ESPN Geld aus anderen Abteilungen nehmen würde und das Magazin subventionieren. Finanziell möglich ist das durchaus. Die Disney-Tochter erwirtschaftet pro Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Gewinn. Ob solche Dumpingaktionen überhaupt vom amerikanischen Wettbewerbsrecht her erlaubt sind, kann ich nicht beurteilen. In Deutschland ginge das jedenfalls nicht (via The Big Lead).

• Die Zahl der Ausländer in den Baseball Minor Leagues ist gewaltig angeschwollen. Der Hintergrund ist ein Gesetz, das unter Präsident Bush verabschiedet wurde und die Visa-Restriktionen aufhob, die einst für ein ziemlich knappes Kontingent an Zuwanderern gesorgt hatte. Über die jungen deutschen Spieler, die davon profitieren, demnächst mehr.

6. August 2009

Olympia-Aspiranten nicht versichert

Die NHL-Profis, die sich für einen Platz in den Nationalmannschaften von Kanada und den USA bei den Olympischen Spielen in Vancouver interessieren, spielen mit einem unkalkulierbaren Risiko. Die Trainingslager werden nicht von den Versicherungspolicen der Clubs gedeckt. Die Verbände haben keine Zusatzversicherungen. Und so kann eine Verletzung erhebliche Folgen haben. Man wird es deshalb wohl langsam und vorsichtig angehen lassen. Zumal Steve Yzerman, Chefmanager des kanadischen Teams, die Aspiranten zu beruhigen versucht hat: "Das Trainingslager ist kein Leistungstest. Das wäre nicht fair. Es geht darum, sich zu organisieren. Die Auswahl der Spieler findet auf der Basis ihrer Leistungen während der NHL-Saison statt."

3. August 2009

Gar nichts okay am O.K. Corral

Es "diente als Vorbild zahlreicher Western und ist ein Symbol für den ständigen Kampf zwischen Recht und Gesetz auf der einen sowie offenem Banditentum auf der anderen Seite in den Grenzstädten des Wilden Westens, wo die Spannungen des Sezessionskrieges nachwirkten und Strafverfolgung oftmals nur spärlich stattfand". Ort der Handlung: Tombstone, ein unbebautes Grundstück hinter dem örtlichen Mietstall. Die Bilanz: 30 Schüsse, drei Tote.


Tombstone liegt rund 250 Kilometer südöstlich von Phoenix, wo man dieser Tage zwar nicht mehr ganz so schnell schießt, aber immer noch genügend Morde passieren (mehr jedenfalls als im Schnitt der USA). Und es liegt mit seinem Platz in der Mythologie der Cowboy-Kultur außerhalb der normalen Begriffsvermögens. Aber man braucht nur sehr wenig Fantasie, um sich angesichts der "Spannungen des Sezessionskriegs" rund um die Phoenix Coyotes vorzustellen, dass ein paar der Beteiligten vielleicht gerne die Sache in einem einzigen Showdown erledigen würden. Mit gezogener Waffe, versteht sich.


Waffen müssen aber nicht gleich töten. Es gibt auch andere Wirkungstreffer. Nehmen wir den kleinen Formfehler der Anwälte des bankrotten Eigentümers der Coyotes, die den Inhalt von Akten, die eigentlich als Verschlusssache behandelt werden sollten, mit ein wenig Geschick in die Öffentlichkeit bugsiert haben. Die vertraulichen Informationen betrafen die besonderen Anstrengungen des Kaufinteressenten Jerry Reinsdorf aus Chicago, der versprochen hat, nach einer Übernahme des Clubs nicht eine Sekunde lang an Umzug zu denken. Reinsdorf, dem die Chicago Bulls und die Chicago White Sox gehören, ist bekannt für sein Kostenbewusstsein. Er besitzt allerdings auch Ideen. Hier wollte er die Stadt Glendale, die den Coyotes die teure Halle gebaut hat, in eine komplexe Steuergeschenke-Geschichte verwickeln. Dazu wäre es vermutlich auch gekommen, wenn die Sache nicht aufgeflogen wäre. Denn niemand braucht die Coyotes so dringend wie Glendale.


Reinsdorf muss in Chicago wie das HB-Männchen an die Decke gegangen sein, als er erfuhr, dass sein Schachzug nicht mehr geheim ist. Sonst hätte er nicht damit gedroht, seine Offerte zurückzuziehen, die erst vor ein paar Tagen von der Liga-Führung abgenickt worden war. Die Entscheidung des Konkursrichters, der theoretisch auch die Abwanderung des Clubs nach Kanada in Erwägung ziehen könnte, wurde angesichts der neuen Entwicklungen verschoben. Was Reinsdorf macht, der jetzt wie ein Bösewicht und nicht mehr wie der große Retter aussieht, wissen wir nicht (via allesaussersport, der die News getwittert hatte).

2. August 2009

Blackhawks: Liga nimmt Hossa-Vertrag unter die Lupe

Bei den Chicago Blackhawks läuft vieles nicht richtig rund. Die Panne mit den Briefen an die restricted agents war hier neulich schon ein Thema. Aber diese Geschichte zeigt, dass man sich Löcher, in denen man sitzt, ohne Probleme auch noch tiefer graben kann. Die NHL hat nämlich eine Untersuchung eingeleitet, in der geklärt werden soll, ob der neue Vertrag mit Marian Hossa (Laufzeit: 12 Jahre, Gesamt-Gehaltsvolumen 62,8 Millionen Dollar) gegen die Salary-Cap-Regeln verstößt. Der Kontrakt ist nicht nur extrem lang (Hossa wäre 42 Jahre alt, wenn die Vereinbarung ausläuft), sondern auch auf eine Weise strukturiert, dass ihm in den ersten sieben Jahren 55,3 Millionen Dollar ausgezahlt werden. Für die Salary-Cap-Thematik ist folgender Aspekt wichtig: Ein Sieben-Jahres-Vertrag mit Hossa über 55,3 Millionen Dollar würde jedes Jahr mit 7,9 Millionen Dollar gegen die Salary Cap gerechnet. Sollte der Zwölf-Jahres-Deal von der Liga akzeptiert werden, müssen die Blackhawks nur 5,23 Millionen Dollar anrechnen – den Durchschnittswert aus der Laufzeit. Für den Unterschied bekommt man einen einzelnen, ziemlich guten Spieler mehr in den Kader.

Die Faktenlage legt demnach nur eine Vermutung nahe: Der Club hat kreativ getrickst. Ob das gegen die Regeln der NHL verstößt, werden wir bald erfahren.

Hossa ist übrigens jener geniale Taktiker, der im letzten Jahr von den Pittsburgh Penguins zu den Detroit Red wings wechselte, weil er sich dort eine bessere Chance auf den Gewinn des Stanley Cup ausrechnete. Wir wissen inzwischen, wie die Sache ausging: Die Penguins schlugen die Red Wings und Hossa in sieben Spielen.

29. Juli 2009

Es ist zum Heulen: Tanz um die Coyoten geht weiter

Das Aufsichtsgremium der National Hockey League hat soeben per Beschluss den Kaufantrag von Jerry Reinsdorf und seinen Freunden abgenickt und dem Mitbewerber Jim Balsillie einen Korn gegeben. Die Entscheidung, die unterstreicht, dass die anderen Clubs in der Liga dafür sind, dass die Phoenix Coyotes in Arizona bleiben, zwingt den Konkursrichter, der in Phoenix das Insolvenzverfahren vorantreibt, zu gar nichts. Der kann zum Beispiel sagen, dass die Offerte von Reinsdorf zu niedrig ist, um alle Gläubiger hinreichend zufrieden zu stellen. Aber sie ist ein klares Signal. Denn wenn sich der Richter am Ende für den fast dopelt so viel Geld bietenden Balsillie und einen Umzug des Club nach Kanada aussprechen sollte, müsste die Liga ihre Einwilligung geben. Und dazu ist sie nicht geneigt. Damit kommt eine dritte Lösung wieder ins Visier: die komplette Liquidation des Clubs verbunden mit einem Regress auf ligaeigene Geldquellen, um die Schulden abzudecken.