Posts mit dem Label Stadionbau werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Stadionbau werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

9. Dezember 2009

Auf'm Bau

Die neue Videowelt, die sich langsam aber sicher online breit macht, führt bei klassischen Blättern und ihren Ablegern im Netz noch immer zu kuriosen Resultaten. Man nehme dieses Produkt des Guardian, der aus nicht näher erklärbaren Gründen eine Produktion übernommen hat, in der man die Baustelle des neuen Fußballstadions in Harrison außerhalb von New York bewundern kann. Nicht mal die Überschrift ergibt Sinn. Ein "erster Blick" auf die Arena ist es gar nicht. Den haben schon andere geliefert. Und fertig ausgebaut ist sie auch nicht.

Okay: Viele Leute bis hinauf zum Commissioner Don Garber von Major League Soccer stehen abwechselnd vor der Kamera und singen das Hohe Lied auf die neuen amerikanischen Arenen, die alle auf eine Größenordnung von knapp unter 30.000 Zuschauern ausgelegt sind, weil nichts die Begeisterung für eine Sportart stärker dämpft als Leere auf den Rängen. In den Stadien der NFL-Clubs (70.000 Plätze und mehr) wirken die US-Kicker denn auch jedes Mal auf verlorenem Posten. Noch schlimmer: Während der Football-Saison durften Spieler sich besoffen sehen an den Kreidestrichen der anderen Sportart. Für die Zuschauer war's ein Grauen.

Dass man im fernen England solche Stadienprojekte für nachrichtenwertig hält, muss denn aber doch überraschen. Es sei denn, man malt sich auf der Meta-Ebene die Konkurrenzsituation rund um die Bewerbung für die Austragung der WM 2018 aus, für die auch die USA ihren Hut in den Ring geworfen haben. Aber das wäre irgendwie noch kurioser. Denn weshalb sollten Blatters Buben die Veranstaltung nach dem Abstecher in Brasilien schon wieder nicht an eine Bastion in Europa geben, sondern an das Entwicklungsland Vereinigte Staaten?

Die Frage bleibt also unbeantwortet. Zumal man für das Video nicht auf Material aus dem Computer zurückgegriffen hat, das – wenn auch in Form einer Animation – zeigt, wie das lobgepriesene Ding am Ende tatsächlich aussieht. Deshalb hier das informative Video. Ist auch so etwas wie Propaganda. Aber wirkt irgendwie ehrlicher.

31. August 2009

Der Klingelbeutel: Wenn die guten Geister ausbleiben

Nach einer Schulteroperation und einer langen Pause hat Maria Scharapowa Mühe, den Ball ins Spiel zu bringen. Mehr Doppelfehler denn je. Ihre Probleme haben mit einem veränderten Bewegungsablauf beim Aufschlag zu tun. Der soll gesünder sein für die lädierte Schulter. Das Wall Street Journal hat eine Statistik zum Thema und vergleicht die Werte unterschiedlicher Tennis Ladies miteinander. Der Name Lisicki steht auch auf der Liste. Ach, ja: Heute beginnen die US Open.

• Die Eigentümer der New York Giants haben ein Loch in der Tasche, durch das ihnen 300 Millionen Dollar abhanden gekommen sind. Sie gehören zu den Gläubigern der Konkurs gegangenen New Yorker Investmentbank Lehman Bros., mit deren Hilfe sie Geld zur Finanzierung des neuen Stadions (1,6 Milliarden Dollar) auftreiben wollten. Lehman ging in den ersten Tagen der Finanzkrise unter (und pumpte dadurch die akuten Ängste der Anleger weltweit in nervöse Höhen, während andere Finanzinstitute von der amerikanischen Regierung und der Bundesbank mit enormen Mitteln über Wasser gehalten wurden. Die finanzielle Unterstützung tröpfelt mittlerweile wieder in den Staatshaushalt zurück. Die New York Times berichtet, dass sich der Gewinn für den Steuerzahler bislang auf 4 Milliarden Dollar beläuft. Was aus der angeschlagenen CitiBank (Namensgeber für das neue Stadion der New York Mets) und der noch krankeren Versicherung AIG wird, muss man abwarten. Dort könnte der amerikanische Staat weiter mehr verlieren, als er bisher gewonnen hat.

Das Stadion der Giants ist übrigens kein mit guten Geistern ausgestattetes Projekt. Man erinnere sich an die Episode rund um die Namensrechte für die deutsche Firma Allianz. Selbst mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs, werden Unternehmen, die einst vom Holocaust profitiert haben, nicht den Schattender Vergangenheit los.

• Nach ein paar Wochen der Twitter-Lektüre des geistigen Outputs von Sportlern wie Ian Poulter, Brad Ocho Cinco, Shaquille O'Neal und Shawn Marion zeigt sich: je extrovertierter desto nichtiger. Spannend ist es nur bei Leuten, bei denen nicht klar ist, ob sie's wirklich sind oder ob jemand unter ihrem Namen dummes Zeug fabriziert.

16. März 2009

Was kostet der Name einer U-Bahn-Station?

New York bekommt in diesem Frühjahr gleich zwei neue Baseball-Stadien. Die beiden Kessel wurden gleich neben den alten Betontöpfen errichtet. Für Unsummen von Geld. Zu den Mets, die ihr städtisches Shea Stadium zurückließen, das derzeit ebgetragen wird, führt ebenso die U-Bahn wie zu den Yankees (dort sind es sogar zwei Linien). Die Station der Linie 7 hieß bislang Willets Point/Shea Stadium. Aber das konnte man nicht so stehen lassen. Denn der neue Baseball-Schuppen (Gesamtkosten 800 Millionen Dollar) nennt sich CitiField, wofür eine der größten und fast-pleitesten amerikanischen Banken 20 Millionen Dollar pro Jahr über 20 Jahre zusicherte. Ein Teil der Werbestrategie ist nicht aufgegangen. Die Verkehrsbetriebe von New York (genannt Metropolitan Transportation Authority weigern sich>, neue Schilder mit dem werbeträchtigen Namen aufzuhängen oder die U-Bahn-Pläne entsprechen umzutexten. Sie hatten erwartet, dass sich die Bank vielleicht an solchen Umbenennungskosten beteiligt und vielleicht einen Anteil leistet, um den ziemlich heruntergekommen Bahnhof aufzufrischen. Daraus wurde nichts. Die Bank hängt derzeit am Tropf der Steuerzahler (45 Milliarden Dollar aus dem großen Rettungspaket). Und also sprach die MTA: "Wir sind schon bereit, eine Station mit einem Firmennamen zu versehen, aber nur gegen eine Entschädigung." Der Stopp heißt nun erst einmal einfach "Mets/Willets Point".

(Foto: Joe Shlabotnik/flickr/Creative Commons License)

20. Januar 2009

Nackenschlag für die Soccer-Liga

In alle Stille hat ESPN den Wert von Major League Soccer für die unmittelbare Zukunft des Senders dokumentiert: Das Spiel der Woche, das im Rahmen des vor zwei Jahren abgeschlossenen Fernsehvertrags mit der Liga als Plattform für die Popularisierung der Sportart angesehen wurde, gibt es nicht mehr. Mit einem Einschaltquotenschnitt von 0,2 (was einer Zahl von 253.000 Haushalten entspricht), kann man keine Werbepartner motivieren. Die höchste Quote kam bei einem der ersten Beckham-Spiele zustande, als 658.000 Haushalte reinzappten.

Beckham ist in mehr als einer Hinsicht ein Problem für die Liga. Durch seine Verpflchtung in Los Angeles stiegen Erwartungen, die nichts mit Fußball, aber sehr viel mit den Prinzipien von Public Relations zu tun haben. Vermutlich hätte sich das Bild aufgehellt, wenn Galaxy auch nur eine Spur von Leistungsplus gezeigt hätte. Tatsächlich verpasste die Mannschaft zweimal die Playoffs, was in der MLS bei so wenigen Clubs eine Kunst für sich ist.

Trotzdem muss man wohl vorsichtig sein und kann nicht einfach von einer Fehlkalulation sprechen (die damit beginnt, dass Amerikaner glauben, dass ein Fußballer, der einen ordentlichen Freistoß schießen kann, eine schlechte Mannschaft besser macht). Denn der Aufmerksamkeitswert, den der Wechsel von Madrid nach Kalifornien produziert hat, war sicher auch ein Faktor, um die Entwicklung der Liga und den Bau von kleineren Fußballstadien hinzubekommen. Ohne solche Arenen mit einem Fassungsvermögen zwischen 20.000 und 30.000 fehlt dem Profi-Fußball in den USA schlichtweg das Rückgrat, um die eigene Fanbasis auszubauen. Als Gast in riesigen, aber leeren Football-Stadien kann man nicht eine Spur von Stimmung erzeugen. Natürlich gibt es Leute, die sich beschweren, dass nun auch außerhalb von Philadelphia solch ein Stadion entsteht. Aber die Klage kommt von Leuten, die nichts von Fußball verstehen. Und von der besonderen Begeisterung für die Sportart schon gar nichts.

13. Oktober 2008

"Das ist Amerika. Wir sind fett"

Das alte Stadion mit dem Namen Cotton Bowl in Dallas wurde soeben aufgehübscht. Für 57 Millionen Dollar. Es ist die neuntgrößte Arena in den USA (Fassungsvermögen: 92.000). Nicht groß genug für alle Zuschauer. Oder besser gesagt, nicht breit genug. Am Wochenende gab es Beschwerden. "Es ist zu eng, um sitzen zu können", sagte eine Besucherin. "Was soll das? Das ist Amerika. Wir sind nicht klein. Wir sind fett."

28. September 2008

Abschied vom Shea Stadium

In New York werden demnächst gleich zwei Baseball-Stadien dem Erdboden gleich gemacht. Über das eine hat man diesen Sommer einiges gehört (Deutschlandfunk-Reportage vom 22. Juni 2008 mit O-Tönen von den zwei Schmeling-Kämpfen) und gelesen. Kein Wunder. Es ist schon ziemlich alt und hat den Leuten hier das eine oder andere grandiose Spektakel serviert, an die sich mehrere Generationen von Menschen gerne erinnern. Für den anderen Betontopf interessiert sich nur eine Minderheit, was auch an dem Team liegt, das dort spielt: die New York Mets, der ungeliebte ferne Verwandte, das expansion team der sechziger Jahre, das nie wirklich jenes Loch in den Herzen der Fans füllen konnte, das die Brooklyn Dodgers bei ihrem Umzug nach Los Angeles und die New York Giants durch ihren Wechsel nach San Francisco hinterlassen hatten. Ja...vielleicht, wenn sie erfolgreicher gewesen wären....

Um ein bisschen Stimmung im Shea Stadium einzufangen, ehe es ab gerissen wird, ist Corey Kilgannon von der New York Times in die Arena gegangen und hat einen lesenswerten Beitrag geschrieben und gleichzeitig eine irritierende Frage aufgeworfen: Kann man wirklich als Journalist in Amerika sang- und klanglos aus dem Stadion geworfen werden, wenn man mit Zuschauern und Bierverkäufern spricht? Die Antwort: Ja, man kann.
Blick zurück: Die Beatles waren besser als die Mets

21. September 2008

Wenn ein Unternehmen von seiner Geschichte eingeholt wird

Kleiner Hinweis zu einem Thema, das vor etwas mehr als einer Woche in New York interessierte Kreise beschäftigte. Es ging darum, ob der deutsche Versicherungskonzern Allianz mit seiner Geschichte während des Dritten Reichs die Möglichkeit erhalten würde, vor den Toren von New York seinen Namen an ein Stadion zu heften. Die Jets und Giants planen eine neue Arena, die 1,6 Milliarde Dollar kosten wird. So teuer wie noch kein Sportkomplex. Die Assekuranz hatte die Idee ernsthaft erwogen, über eine Laufzeit von Jahren insgesamt 750 Millionen Dollar beizusteuern. Nach den guten Erfahrungen mit der Allianz Arena in München (90 Millionen Euro für die Namensrechte) sah dieses Vorhaben ziemlich attraktiv aus. Doch daraus wird nichts. Die Allianz hat Gebäude und Personal in den Konzentrationslagern Auschwitz und Dachau versichert. Als diese Information in den Medien auftauchte, wurde die Firma von der Vergangenheit eingeholt.

In New York und Umgebung leben tausende jüdischer Einwanderer, die der Nazi-"Endlösung" knapp entkommen sind und die Erinnerung an den Holocaust wach halten wollen. Aber manche fragten sich im gleichen Atemzug, ob nicht andere Unternehmen mit Interesse an den Namensrechten unter dem Tisch eine geschickte Kampagne losgetreten hatten. Wir werden sehen, welche Firma für wieviel Geld den Zuschlag bekommt. In der heutigen Sendung Sport am Sonntag im Deutschlandfunk habe ich das Thema beleuchtet.

11. Oktober 2007

Steuerzahler subventionieren die Sport-Millionäre im großen Stil

Das eine ist die Einsicht, ist der Verstand, ist die Logik, ist Recherche, ist...ein ungetrübter Blick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von kommerziellem Sport. Das andere ist das Spiel, das die Betreiber von Ligen und Clubs um solche Dinge spielen wie Loyalität, Ortsverbundenheit und mit der Behauptung garnieren: Major-League-Sport sei eine Lokomotive für eine Stadt oder zumindest den heruntergekommenden Teil, in dem eine neue Halle oder Stadion gebaut werden soll. Denn basierend auf dieser Behauptung werden Steuerzahler und Lokalpolitiker immer wieder dazu gebracht, diese teuren Immobilien zu errichten und damit bedroht, das Team werde andernfalls woandershin verpflanzt. Wer am Ende wirklich verdient, sind die Clubeigentümer und vor allem die Sportler, deren Gehälter auch deshalb in dne letzten Jahren massiv gestiegen sind.

Aber lassen wir jemanden zu Wort kommen, die das ganze genauer studiert hat: die Harvard-Professorin Judith Grant Long. Sie hat ermittelt, dass zwischen 1990 und 2006 die öffentliche Hand in den USA zusammen rund 12 Milliarden Dollar in den Bau von Arenen investiert hat. Wobei das die geschönte Zahl ist. Wenn man wirklich alles einrechnet, kommt man auf 18,5 Milliarden und auf dieses Fazit: "Es gibt absolut keine Indizien dafür, dass seit 1990 18,5 Milliarden Dollar als Ertrag für die öffentliche Hand herausgesprungen sind, um den Betrag wett zu machen." Mit anderen Worten: die amerikanischen Steuerzahler subventionieren Unternehmen der Entertainment-Industrie, obwohl die gesamte Politik darauf ausgerichtet ist, möglichst gar nichts zu subventionieren - schon gar nicht den Kulturbetrieb, der ja vielleicht noch einen produktiven Beitrag für den gesellschaftlichen Hormonhaushalt leisten würde.

Die Gegenmaßnahme aus Sicht des Kongresses, wo das Thema auftauchte: Man verbietet die mündelsicheren Schuldverschreibungen, die Städte, Counties etc. für solche Zwecke aufnehmen. Das bringt das auf Pump ausgelegt Finanzierungskonzept durcheinander. Ob es an der Situation etwas ändert, lassen wir mal dahingestellt.