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12. Juli 2010

Stadt zwingt Team zum Bleiben: Mit riesigen Subventionen

Es wäre alles halb so schlimm, wenn amerikanische Politiker nicht dauernd ganz ganz generell gegen Subventionen wettern würden. Wenn sie Kultur und Museen und Theater fördern würden und nicht alles einfach dem kleinsten gemeinsamen Trash-Geschmacks-Nenner überlassen würden. Stattdessen schmeißen sie immer wieder den Eigentümern von Sportclubs (und damit den überbezahlten Athleten) das Geld des Steuerzahlers in den Rachen. Angeblich ist das gut für die Förderung des Lokalstolzes und soll auch Arbeitsplätze schaffen (klar: für Hot-Dog-Verkäufer und Parkwächter). Die Liste ist ellenlang und riecht nach einem System, bei dem die Wohlhabenden und Gutvernetzten den politische weniger gut Vertretenen in die Tasche fassen. Jüngstes Beispiel: die Indiana Pacers zwangen die Stadt Indianapolis, 33,5 Millionen Dollar auszugeben, um auf diese Weise die Abwanderung des Teams zu verhindern. Das Geld geht in die Unterhaltung der Halle in der Innenstadt (Conseco Fieldhouse) und riecht nach einem hübschen Geschenk. Denn der Club ist der de-facto-Manager der Arena und verdient an allem mit, was sonst noch dort auf die Beine gestellt wird. Um diese Geschäfte abzuwickeln, verlangten die Pacers einen Zuschuss und erhielten zehn Millionen Dollar pro Jahr von der Stadt.

Schon klar, wer den Schaden hat... Die Mannschaft ist auch noch extrem grottig und wird bis auf weiteres keine Rolle in der NBA spielen. Der Interessante im Team: Tyler Hansbrough, der vor einem Jahr aus dem überragenden Pool der Jungs von North Carolina gedraftet wurde.

14. April 2009

Steuer aus dem Streuer

Wir nähern uns im Kalender dem 15. April, einem wichtigen Tag im amerikanischen Lebensgefüge. Spätestens zu diesem Termin muss der Bürger seine Einkommenssteuererklärungen auf die Post bringen. Ich sagte Erklärungen. Ja, Plural. Denn in den USA führt man Abgaben nicht nur ans Finanzamt der Bundesregierung (Internal Revenue Service) ab, sondern in den meisten Bundesstaaten auch noch an die separate Steuerbehörde daselbst. Und in New York kommt noch ein drittes Formular dazu. Natürlich könnte jeder seinen Papierkram auch schon vorher erledigt haben. Genauso wie man einen Antrag auf das spätere Einreichen der Unterlagen stellen kann. Aber die Möglichkeiten nutzen erstaunlich wenige. Was man an den elend langen Schlangen in den Postämtern sehen kann. Wie die Lemminge leiden sie alle stumm und schlurfen langsam Schritt für Schritt bis zum Schalter, wo ein berufsmäßig schlecht gelaunter Fachangestellter für den Verkauf von Briefmarken schon darauf wartet, einem die nicht besonders gute Laune zu verderben.

Aber wie man gerade lesen kann, ist das gar nichts gegen das Leid der Profisportler in den großen amerikanischen Ligen. Die reisen nicht nur viel, sondern müssen jenen Teil ihres Einkommens, das sie in anderen Städten (und damit auch in anderen Bundesstaaten beziehungsweise in einem anderen Land wie Kanada, wo man wiederum im Rahmen der Provinzstruktur zusätzliche Steuererhebungen betreibt) verdienen, getrennt deklarieren. Ja, die zwei bis drei Millionen Dollar brutto pro Jahr, die der typische Mannschaftssportler in den USA kassiert, unterliegen anteilig den Steuerbestimmungen jener Rechtsterritorien, in denen er bei Auswärtsspielen antritt. Der Witz daran geht so: Die dabei anfallenden Summen sind trotz der inzwischen beachtlichen Gehälter eher klein. Die Arbeit für die Steuerberater und die damit verbundenen Kosten für die Spieler sind hingegen eher groß. So nahm der Staat Kalifornien, in dem fünf Baseball-Clubs residieren, von den im Laufe der Saison angetretenen Spielern der anderen Teams, im letzten erfassten Jahr 102 Millionen Dollar reines Geld ein.
Natürlich ist das nur ein Bruchteil, denn Kalifornien hat drei NFL-Teams, drei NBA-Mannschaften und drei Eishockey-Clubs und für alle gelten die gleichen Bestimmungen (was dieser durchaus verdienstvolle Artikel in der Los Angeles Times leider ignoriert).

Man braucht ganz bestimmt kein Mitleid mit reichen Sportlern zu haben. Schon gar nicht an einem Tag, an dem man selbst in der Schlange steht, um seine eigenen Steuersachen abzuschicken (per Einschreiben und mit Rückantwortschein, alles andere wäre wie Lotto spielen). Aber die Absurdität des Ganzen geht einem ziemlich schnell auf. Dabei ist das Prinzip gar nicht so schlecht. Warum sollte man nicht dort Steuern bezahlen, wo man einen Teil seines Einkommens generiert? Aber daraus ist Bürokratie vom Feinsten geworden. Und von der mangelhaften Rechtslogik ganz zu schweigen. Die Gehälter beziehen die Spieler schließlich nicht von den gastgebenden Clubs, sondern von denen, bei denen sie unter Vertrag sind. Und die sitzen jeweils an einem einzigen Ort und nicht an 30.

28. Oktober 2008

Angst vor Steuer-Mann Obama

Kurz vor den Wahlen haben Milliardäre mal wieder ganz andere Sorgen als der Rest der Welt: Wayne Huizenga will den Rest der Miami Dolphins noch in diesem Jahr verkaufen, weil er Angst hat, dass er im nächsten Jahr eine höhere Kapitalertragssteuer auf den Profit zahlen muss. Der Plan geht von der Voraussetzung aus, dass Barack Obama die Wahlen in der kommenden Woche gewinnt, was sehr wahrscheinlich ist, aber nicht sicher. Huizenga sollte sich aber vermutlich mal einen Taschenrechner besorgen. Wenn er glaubt, dass er dieser Tage angesichts der Finanzkrise so viel Geld für den Football-Club bekommt wie vor einem Jahr oder sechs Monaten, dann sieht er eine Fata Morgana. Die inflationären Wertschätzungen von amerikanischen Sportclubs sind auf dem Weg nach unten. So wie bei allen anderen Luftschlössern auch. Wer in diesen Markt hineinverkauft, drückt die Preise. Die Spirale kommt zwar erst langsam in Fahrt, aber sie dreht sich.

5. Juli 2008

Next Stop: Oklahoma City

Vor ein paar Tagen hat ein Vergleich, den die Stadt Seattle und die Eigentümer der Seattle SuperSonics geschlossen haben, einen Rechtsstreit um sehr viel Geld beendet und den Weg frei gemacht für die Umzugslastwagen, die in den nächsten Wochen das Mobiliar des Clubs nach Oklahoma City (Bild) transportieren werden. Die Stadt hatte eine starke Position in dieser Auseinandersetzung. Nicht nur weil sie Steuergelder ausgegeben hatte, um die Halle zu bauen und in den neunziger Jahren zu modernisieren, in der das Team seine Heimspiele austragen konnte. Sondern weil es einen verbindlichen, langfristigen Vertrag gab, aus dem der Club aalglatt herausschlüpfen wollte. Aber so etwas kostet. Die Stadt erhält 45 Millionen Dollar Garantie und weitere 30 Millionen Dollar obendrauf, wenn innerhalb der nächsten fünf Jahre kein neues NBA-Team nach Seattle kommt. Das Geld kommt von den neuen Besitzern des Clubs, die sowieso nie etwas anderes geplant hatten, als Oklahoma City, der boomenden Öl-Metropole, ein Ausstellungstück zu verpassen, ohne das man sich dort so unbedeutend vorkommt.

Angesichts der Vorgeschichte ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass man sich innerhalb der kommenden fünf Jahre in Seattle um ein Team bemühen wird. Denn dort haben die Kommunalpolitiker und die Wähler nach dieser Episode endgültig die Lust daran verloren, die seit 30 Jahren in den USA praktizierte Subventionspolitik für wohlhabende Sport-Clubs fortzusetzen. Diese Form von Sozialismus in einem Land, das gewöhnlich mehrheitlich und mit Nachdruck jede Form von ausgleichender sozialer Gerechtigkeit verschmäht (siehe das extrem teure, aber total kranke Gesundheitswesen) wird inzwischen immer stärker als jene Lüge entlarvt, die es schon immer war. Egal, was Mannschaften in den vier am stärksten beachteten Ligen NFL, Major League Baseball, in der NBA und in der NHL für den Lokapatriotismus tun: Wirtschaftlich bringen sie einer Stadt gar nichts. Bei den Umsätzen, die Sport-Teams generieren, handelt es sich nur um ohnehin herumfließendes Geld, das in einen anderen Kanal umgeleitet wird (und die enormen Gehälter der Spieler und die Profite der Club-Eigentümer finanziert). Es würde andernfalls von den Zuschauern für andere Formen der Freizeitgestaltung ausgegeben. Dass Clubs neue Arbeitsplätze schaffen, ist denn auch eine Fata Morgana. Und dass durch die von ihnen produzierte wirtschaftliche Aktivität neue und zusätzliche Steuereinahmen generiert werden, die dann in die Kassen der investiv tätigen Städte wandern, ist ein Märchen. 50 bis 60 Heimspiele trägt eine NBA-Mannschaft je nach Güteklasse in der "eigenen" Halle pro Jahr aus. Ein Jahr, das immer noch 365 Tage hat.

Das begreifen intelligente Menschen, ohne lange herumzurechnen. Weshalb es niemanden überraschen sollte, wie die Bevölkerung von Seattle denkt. Es ist ihr mehrheitlich völlig egal, wo die SuperSonics spielen und wie sie heißen (in Oklahoma City werden sie einen neuen Namen bekommen).

Vielleicht darf man an dieser Stelle daran erinnern, dass das mit den Stadien und Hallen mal ganz anders war. Sie befanden sich im Privatbesitz und die Eigentümer waren die Betreiber der Clubs. Große Hallen gab es einst nur wenige und auch nur in wirklich großen Städten, zum Beispiel in Boston, New York, Philadelphia und Detroit, den vier Orten in den USA, die in den frühen Jahren eine Mannschaft in der NHL hatten, in der damals nur sechs Teams spielten (die anderen waren Montreal und Toronto). Die Besitzer dieser Hallen waren die Inspiratoren und Wegbereiter für die NBA – nicht irgendwelche Stadtverwaltungen. Denn sie wollten ihre Hallen stärker auslasten. Die Entwicklung blieb aber nicht stehen. Und so ließen beide Ligen irgendwann immer mehr Clubs in den abgelegensten Städten zu. Und zwar unabhängig davon, ob sie wirtschaftlich überleben konnten oder nicht. Die Ausdehnung der Ligen in die Fläche zusammen mit den über die üppigen Fernsehverträge nach oben gekitzelten Spielergehältern sind die zwei Hauptgründe dafür, dass die Kosten für Clubs so sehr anstiegen, dass sie nach neuen Einkommensquellen fahnden mussten. Eine – versteckte – Quelle: Man baut keine Arena, sondern nötigt einer Stadt auf, sie zu errichten und immer wieder zu modernisieren. Das altbewährte Druckmittel: Wenn man nicht bekommt, was man haben will, zieht man in eine andere Stadt. Andere Städte, die Clubs unabhängig von den Kosten für die Steuerzahler importieren wollen, gibt es immer wieder. Zur Zeit buhlt Kansas City um Teams, weil man eine nagelneue Halle besitzt.

Dabei geht es ganz glänzend auch ohne. Das beste Beispiel ist Los Angeles, wo man seit der Rückkehr der Oakland Raiders nach Oakland kein NFL-Team mehr hat (Die Rams waren schon vorher nach St. Louis abgewandert). Das muss man sich mal vorstellen: ein Einzugsgebiet von mehr als 10 Millionen Menschen muss sonntags im Herbst und Winter ohne Identifikationssymbol auskommen. Wie schaffen die das bloß? Unter anderem dadurch, dass sie sich samstags mit den beiden College-Football-Teams beschäftigen – UCLA und USC, die direkt und indirekt hinreichend Rivalität ausstrahlen. Und dadurch, dass sie ganz cool diese Pseudo-Lokalstolz-Debatten aus anderen ziemlich armen und erbarmungswürdigen Städten an sich abperlen lassen. Man denke nur an Cleveland, dem Sitz der größten Sportvermarktungsagentur der Welt, und an das viele Geld, dass die Steuerzahler dort in den Bau in ein Baseball- und ein Football-Stadion gesteckt haben. Cleveland ist eine sterbende Stadt. Die Fixierung auf Sportclubs kaschiert dieses Gefühl zwar ganz gut, ändert aber nichts an den Realitäten.

Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang zwischen Verfall und Aufstieg, den noch niemand richtig untersucht hat. Seattle ist eine Stadt, die wirtschaftlich brummt und kulturell den einen oder anderen Ton angibt. Dort geht es aufwärts. Dort braucht man keine künstlichen Identifikationssymbole. In Cleveland, Cincinnati, St. Louis, Kansas City, Pittsburgh, Buffalo, den alten Industrie-Metropolen, nagt der Zahn der Zeit. Die wollen sich an etwas festhalten. Und sei es an einem Umzugslaster, der demnächst vorfährt und ihre Sport-Devotionalien abtransportiert.
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11. Oktober 2007

Steuerzahler subventionieren die Sport-Millionäre im großen Stil

Das eine ist die Einsicht, ist der Verstand, ist die Logik, ist Recherche, ist...ein ungetrübter Blick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von kommerziellem Sport. Das andere ist das Spiel, das die Betreiber von Ligen und Clubs um solche Dinge spielen wie Loyalität, Ortsverbundenheit und mit der Behauptung garnieren: Major-League-Sport sei eine Lokomotive für eine Stadt oder zumindest den heruntergekommenden Teil, in dem eine neue Halle oder Stadion gebaut werden soll. Denn basierend auf dieser Behauptung werden Steuerzahler und Lokalpolitiker immer wieder dazu gebracht, diese teuren Immobilien zu errichten und damit bedroht, das Team werde andernfalls woandershin verpflanzt. Wer am Ende wirklich verdient, sind die Clubeigentümer und vor allem die Sportler, deren Gehälter auch deshalb in dne letzten Jahren massiv gestiegen sind.

Aber lassen wir jemanden zu Wort kommen, die das ganze genauer studiert hat: die Harvard-Professorin Judith Grant Long. Sie hat ermittelt, dass zwischen 1990 und 2006 die öffentliche Hand in den USA zusammen rund 12 Milliarden Dollar in den Bau von Arenen investiert hat. Wobei das die geschönte Zahl ist. Wenn man wirklich alles einrechnet, kommt man auf 18,5 Milliarden und auf dieses Fazit: "Es gibt absolut keine Indizien dafür, dass seit 1990 18,5 Milliarden Dollar als Ertrag für die öffentliche Hand herausgesprungen sind, um den Betrag wett zu machen." Mit anderen Worten: die amerikanischen Steuerzahler subventionieren Unternehmen der Entertainment-Industrie, obwohl die gesamte Politik darauf ausgerichtet ist, möglichst gar nichts zu subventionieren - schon gar nicht den Kulturbetrieb, der ja vielleicht noch einen produktiven Beitrag für den gesellschaftlichen Hormonhaushalt leisten würde.

Die Gegenmaßnahme aus Sicht des Kongresses, wo das Thema auftauchte: Man verbietet die mündelsicheren Schuldverschreibungen, die Städte, Counties etc. für solche Zwecke aufnehmen. Das bringt das auf Pump ausgelegt Finanzierungskonzept durcheinander. Ob es an der Situation etwas ändert, lassen wir mal dahingestellt.