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26. Juni 2008

Draft-Tag mit vielen Querpässen

Brook Lopez ging mit dem zehnten Pick zu den New Jersey Nets, sein Zwillingsbruder Robin als Nummer 15 zu den Phoenix Suns. Und beide waren zufrieden. Wer in der ersten Runde der NBA-Draft gezogen wird, hat erst mal ausgesorgt. Ob die Golferin Michelle Wie ebenso gut gelaunt war, ließ sich in der Eile nicht ermitteln. Anzunehmen ist es nicht. Nach ihrem respektablen Resultat bei den Ladies German Open außerhalb von München produzierte sie heute bei den US Open eine häßliche Kennziffer. Dank eines Super-Dooper-Fünffach-Bogeys am vierten Loch (eine neun an einem Par 4) kam sie mit einer 81 ins Clubhaus. Sie liegt auf Platz 146 von 156 Teilnehmern (Bettina Hauert liegt drei Schläge besser auf Platz 124 und hat zumindest theoretisch noch eine Chance auf den Cut).

Was hat Wie mit der NBA zu tun? In den USA nennt man das Dating. Was viel und wenig heißen kann, solange keiner der beiden - weder Michelle noch Robin - offiziell zum Stand der Dinge Stellung nimmt. Das Foto in diesem Blog aus dem März kann man nur als Scheinbeweis bezeichnen. Wo soll ein so langer Lulatsch wie der ehemalige Center von Stanford seinen Arm hintun, wenn er neben einer nicht gerade kleinen Frau bei einer Veranstaltung sitzt und sie sich an ihn lehnt? Aber, der fleißige espn.com-Kolumnist Andy Katz hat neulich Robin gefragt und herausgefunden, dass zumindest mal etwas an der Klatschgeschichte dran gewesen sein muss. Derzeit befinde sich die Beziehung in einem Schwebezustand.

Das ist sicher auch das beste Wort für Mannschaften wie die New Jersey Nets, die nach Jason Kidd (jetzt in Dallas) heute Richard Jefferson abgaben, um sich den Chinesen Yi Jianlian aus Milwaukee zu holen, der damit endlich in die Nähe einer ordentlichen Chinatown zieht – in Lower Manhattan. Sein neuer Kollege, Robins Zwillingsbruder Brook, ebenfalls ein Center, gilt übrigens als der bessere und fleißigere der beiden Lopez-Burschen. Das Wort Schwebezustand könnte man auch auf die New York Knicks anwenden, die das Kunststück fertig brachten, den Sohn eines ehemaligen Mannschaftskameraden des neuen Trainers zu verpflichten. Das liegt daran, dass Coach Mike D'Antoni einst in Mailand spielte, wo ein gewisser Vittorio Gallinari sein Nebenmann war. Der Trainer denkt europäisch und will Tempo spielen, etwas was die New York Daily News heute schon vorausgeahnt hatte. Und so kam's Danilo Gallinari, ein 19-jähriger Small Forward, ging an Nummer sechs weg.

Aber die Michelle-Wie und die Italian Connection waren nicht mal hübscheste Verbindung der NBA in andere Bereiche. Das Attribut repräsentierte gestern Kevin Love. Sein Vater Stan spielte vier Jahre in Baltimore und bei den Lakers in der Liga. Sein Onkel Mike Love ist der Sänger der Beach Boys.

9. November 2007

NBA: Hunderte von Millionen Chinesen können nicht irren

Wenn Dirk Nowitzki spielt und Premiere die Begegnung nachts überträgt, dann versammeln sich etwa 7500 Menschen in Deutschland vor ihren Fernsehapparaten. Wenn heute Yao Ming mit den Houston Rockets zum ersten Mal auf Yi Jianlian und die Milwaukee Bucks trifft, darf man mit folgenden Größenordnungen rechnen: Mit einem neuen Rekord von mehr als 220 Millionen Fernsehzuschauern, der seit dem ersten Match von Yao gegen Shaquille O'Neal bei dieser Marke steht. Yi's erster Auftritt in dieser Saison verfolgten rund 100 Millionen Chinesen. Warum nur so wenige? Weil zur gleichen Zeit ein Rockets-Spiel auf einem anderen Kanal ausgestrahlt wurde. Mehr über das Massenphänomen im Houston Chronicle. Anders als in den USA, wo das Spiel in Freitagabend in der Prime-Time läuft, muss man in China am Samstagvormittag die Zeit finden, die NBA-Partie zu verfolgen.

29. August 2007

Die China-Kohl-Connection funktioniert

Das Tauziehen zwischen den Milwaukee Bucks und den Beratern des chinesischen Basketballers Yi Jianlian ist zu Ende. Allerdings war eine Reise von Teambesitzer Herb Kohl nach Hongkong notwendig, um die Unterschrift des Spielers zu bekommen, der sich seit dem Drafttag zierte, für eine Mannschaft spielen zu sollen, die in einer abgelegenen kleineren Großstadt im Norden der USA liegt, sportlich nichts auf die Beine bekommt und wohl nur über eine Handvoll (schlechte) chinesische Restaurants verfügt. Der Vertrag selbst enthält vermutlich keine besonderen Klauseln. Rookies werden in der NBA, abhängig vom Draftrang, ziemlich gleich behandelt. Nun kann sich Kohl wieder wichtigeren Aufgaben widmen. Er ist Demokratischer Senator in Washington, wo seine Partei allmählich aufgewacht ist und der Bush-Regierung das Leben schwer macht. Weiter ungeklärt bleibt die Altersfrage. Aber vielleicht wird Kohl jetzt dafür sorgen, dass die amerkanischen Behörden sich dafür nicht weiter interessieren. Am Ende ist schließlich egal, wie alt er ist. Entweder er hat das Format, als Center in der Liga mitzuhalten, oder nicht.
Blick zurück: Yi geht bei der Draft an Nummer sechs weg
Blick zurück: Die Altersfrage - ungeklärt

28. Juni 2007

NBA-Draft: Bastelstunde für Visionäre und blinde Angler

Ray Allen von Seattle nach Boston (Verblüffung bei allen, denn einen solchen Deal hatte keiner in dem allgemeinen Kobe Bryant/Kevin Garnett-Getöse auf dem Zettel), Zach Randolph von Portland zu den New York Knicks (Begeisterung bei den Fans im Madison Square Garden, weil damit der ungeliebte Steve Francis endlich aus der Stadt verschwindet). Joakim Noah zu den Chicago Bulls, die sich aus allen Tauschgeschäften herausgehalten haben. Da sollten die Los Angeles Lakers auch irgendwie zu Potte kommen, oder? Nicht heute abend.

Der lange Chinese Yi Jianlian geht an Nummer sechs weg und landet in Milwaukee weitab vom Schuss (sehr zum Leidwesen seiner chinesischen Entourage, die wahrscheinlich gar nicht weiß, wo diese sportlich unbedeutende Stadt eigentlich liegt). Don Nelson holt den Italiener Marco Belinelli (echte 21 Jahre alt) aus Bologna zu den Golden State Warriors, weil der wie die schwarze Gang vor Ort von allen Ecken aus schießen kann. Der Vater von Mike Conley jr. gewöhnt sich langsam daran, dass er als Mike Conley sr. mit einer Goldmedaille im Dreisprung bei den Spielen 1992 in Barcelona, nur noch der Vater eines Basketballprofis ist, der bei den Memphis Grizzlies in die NBA einsteigt. Sein Trost: Er ist der Agent seines Sohnes und der von Greg Oden, der als Nummer eins in Portland gelandet ist. Mit anderen Worten: Mike sr., ist der eigentlichge Sieger dieser Draft. Ach ja. Und die Los Angeles Lakers, die mit einem unmotivierten Kobe Bryant geschlagen sind, kamen keinen Schritt voran. Aber das sagten wir schon.

Die Philadelphia 76ers, die drei Erst-Runden-Picks hatten, fanden für dieses Bündel keinen Interessenten. Komisch eigentlich, angesichts des Umstands, dass weder die Denver Nuggets noch die Toronto Raptors noch die Indiana Pacers einen Pick hatten. Dafür zogen sie an 30 einen Finnen. Gut für ihn. Denn damit hat er einen Drei-Jahres-Vertrag sicher und wurde Minuten später nach Portland geschickt - für einen Erst-Runden-Pick in der Zukunft und Bargeld. Und die Los Angeles Lakers...

Das größte Talent des Abends - Kevin Durant - ging übrigens nach Seattle, wo man noch immer keinen Coach gefunden hat. Die Namen, die derzeit zirkulieren, klingen wie ein Witz. Aber vielleicht zucken die besseren Aspiranten mit den Achseln angesichts der Aussicht eines Umzugs der Mannschaft in die tiefe Provinz. Detlef Schrempfs Vertrag mit dem Club als Assistenztrainer läuft am kommenden Samstag aus: "Ich habe keine Ahnung, mit wem sie reden", meinte er vor ein paar Tagen am Rande seines Promi-Golf-Turniers, mit dem er jedes Jahr Geld für karitative Zwecke sammelt. "Keiner weiß etwas. Das ist alles geheim." Wenige Tage vorher hatte er sich ungewohnt offen und kritisch über seinen Arbeitgeber geäußert: "Das war aus meiner Sicht eine schlecht gemanagte Organisation und war am Ende beschämend für jeden." Wenn sich nichts ändert, habe er kein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit.

Ach so. Und Mitch Kupchak sah fast magenkrank aus, als er von ESPN interviewt wurde. Ob das an Kobe Bryant liegt?