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16. März 2007

Das jüngste Gerücht: NBA-All-Star-Wochenende 2009 in Europa

Zur Zeit ist es nicht mehr als ein Gerücht, das die kalifornische Tageszeitung Sacramento Bee am Donnerstag in Umlauf gebracht hat. Aber es ist ein Gerücht, das Sinn macht. Es lautet: Im Jahr 2009 will die NBA ihr All-Star-Wochenende in Europa ausrichten. Gespräche mit Ausrichtern hat es offensichtlich bereits gegeben. Entscheidungen wurden noch nicht getroffen. Das Thema war durch die Ereignisse am Rand der alljährlichen Veranstaltung in Las Vegas aufgetaucht, als der Kolumnist und AOL-Blogger Jason Whitlock der Liga die Empfehlung gab, im nächsten Jahr nicht wie geplant nach New Orleans zu gehen - in eine Stadt, die noch immer auf der Nase liegt und die seiner Ansicht nach zum idealen Magneten für Zuhälter, Gangster, Prostituierte und Drogenhändler werden würde. Die NBA habe so "die perfekte Entschuldigung, um das All-Star-Spiel nach Deutschland, China, England zu verlegen".

An 2008 New Orleans will allerdings niemand rütteln. Besonders nicht, um der vom Hurricane Katrina gebeutelten Metropole nicht die Einnahmen aus dem Geschäft mit den Besuchern vorzuenthalten und um den Stand der Hornets zu stärken, die in der nächsten Saison aus dem Notquartier Oklahoma City zurückkehren werden. Aber für 2009 gibt es noch keine verbindlichen Pläne, nur ein paar lose Absichtserklärungen unter anderem von den Dallas Mavericks.

Mitten in der Saison nach Europa zu gehen, wirft ein paar logistische Schwierigkeiten auf, wo zu auch der Jet-Lag gehört. Aber das sollte sich durch ein paar Tage Extrapause regeln lassen. Die Delegation würde nicht nur aus Amerikanern bestehen. Dirk Nowitzki wäre dabei. Sicher auch der Italiener Andrea Bargnani. Vielleicht auch der eine oder andere Franzose. London, so schreibt die Zeitung, wäre der aussichtsreichste Kandidat - da hat man die Hotels, die Non-Stop-Flugverbindungen für die Besucher aus den USA und eine neue Arena, in der die Minnesota Timberwolves und Boston Celtics vor Beginn der nächsten Saison ein Freundschaftsspiel austragen werden. Die Halle spricht gegen Paris, wo man keine adäquate Arena anbieten kann. Köln und Athen kommen wohl aus verkehrstechnischen Gründen nicht in Frage. Als Alternative wird San Juan, die Hauptstadt von Puerto Rico, angedacht. Es wuare kein Slam-Dunk. Denn dort erreicht man nicht die internationale Fangemeinde.

20. Februar 2007

Las Vegas im Rückspiegel: "Der perfekte Sturm der Ghettofabelhaftigkeit"

Wenn man den Einfluss und das Selbstverständnis schwarzer Sportler, ihre Hip-Hop-Connections und ihre Ausraster verstehen will, lohnt es sich, hin und wieder Jason Whitlock zu lesen. Er hat nicht nur die Hautfarbe (sprich: Zugang und Einfühlungsvermögen), sondern vor allem auch den Grips und die Schreibe, um sehr unterhaltsame und zugleich distanziert vorgetragene Texte zu produzieren. Die charakterisieren ein Milieu, für das ein weißer Betrachter weder den richtigen Blick noch die richtige Ausgangslage hat. Das schwarze Amerika ist angesichts der politischen und gesellschaftlichen Geschichte nicht besonders empfänglich für Vorhaltungen, die auch nur einen kleinen Hauch nach racial profiling riechen. Whitlock schafft den Slalom aus Kritik und Faszination hingegen wie kaum ein anderer.

Ein Beispiel: seine Erlebnisse beim All-Star-Wochenende in Las Vegas. hier ein paar Auszüge:
"Das All-Star-Wochenende ist das Freaknik dieses Jahrtausends, ein einst populäres, alljährliches Straßenfest. Als Atlantas Freaknik 1999 an selbstzugefügten Wunden starb - an Plünderungen und Gewalt - wurde die NBA-Show in der Mitte der Saison bei Schwarzen beliebt, die nach einer alljährlichen Ausrede dafür suchten, um im großen Stil zu feiern. Das All-Star-Wochenende ist jetzt der perfekte Sturm..."

"Das All-Star-Wochenende hat ein riesigen Vorzug gegenüber dem Super Bowl, der anderen Sportveranstaltung, die große Partys bietet. Dieses Wochenende ist ebenso eine Frauenveranstaltung, wenn nicht sogar überwiegend. Das ist vermutlich das Resultat der Tatsache, dass das Basketballspiel eine totale Nebenangelegenheit ist. Beim Super Bowl ist das Spiel immer noch die größte Attraktion, weshalb Wetter und Hardcore-Footballfans die Partys, die Werbespots und die Show in der Halbzeit akzeptieren, in der Hoffnung ein spannendes Spiel zu sehen.... Bei einer typischen Super-Bowl-Party kommt eine Frau auf zehn Männer. Bei den Partys beim All-Star-Wochenende ist es halbe-halbe....Nicht zu vergessen, wir reden über den perfekten Sturm der Ghettofabelhaftigkeit - Alkohol, attraktive Frauen, Zocken, Stars, ein Dunk-Wettbewerb und keine Polizeistunde. Du konntest den Ruf des All-Star-Wochenendes in Vegas aus dem Inneren deines Bauches vernehmen und aus Gegenden, die noch etwas weiter unten sitzen."
Hier der Link zum Text.

Nachtrag: Whitlock hat darüberhinaus einen Posten beim AOL Fanhouse als Kolumnist, wo er heute noch viel kräftiger aufgetischt hat. Er warnte, dass die Entwicklung beim All-Star-Wochenende Richtung Gesetzlosigkeit und Kriminalität, mit immer mehr Zuhältern, Gangstern, Prostituierten und Drogenhändlern, seit ein paar Jahren eskaliert und New Orleans 2008 Militär einsetzen muss, wenn im French Quarter nicht alles zusammenbrechen soll. Sein Rat an Commissioner David Stern: in den nächsten Jahren die Veranstaltung in ferne Länder zu verlegen, dorthin wo die "Bloods und Crips und Nutten und Huren nicht ohne Reisepass und Flugticket hinkönnen". Wenn Stern auch weiterhin die internationale Attraktion des Spiels steigern wolle, habe er "die perfekte Entschuldigung, um das All-Star-Spiel nach Deutschland, china, England zu verlegen".

In der Washington Post gab Kolumnist Ivan Carter seine Eindrücke zum besten. Dies die Passage, die auf den Punkt bringt, welche Stimmung auf dem Strip herrschte, auf dem nichts ging, kein Straßenverkehr, kein Fußgängerverkehr, weil die ganze Gegend voller Leute war. Und was man erleben konnte, wenn man nicht zu den exklusiven Partys eingeladen war:
"Nun, vergesst nicht, dass in Vegas rund zwei Drittel der Besucher schwarz waren. Und im MGM, dem Palms und anderen Treffpunkten auch mehr. Wie dem auch sei. Ich gehe durch das New York, New York [ein Casino-Hotel], um dringend eine Stelle zu finden, wo ich ein Bier trinken kann und kam an einem Irish Pub vorbei, der gleichzeitig als Pianobar fungierte. Ich glaube, jeder Weiße in der Stadt hing dort ab, um Harp zu trinken, schlechte Achtziger-Jahre-Musik zu hören und kitschige Bar-Lieder wie Sweet Caroline und, oh, um zu tanzen. Wenn man das so nennen kann. Der Laden war weißer als die NHL. Ein paar Schwarze gingen vorbei, schauten hinein, wussten nicht, was sie damit anfangen konnten und liefen weiter. Lustig, das Ganze."

Nach der Show fielen Schüsse: Polizei in Las Vegas schwer im Einsatz

Ein paar Tage schien die Polizei in Las Vegas alles in den Griff zu bekommen, damit die NBA-All-Star-Gäste eine unbeschwerte Zeit genießen konnten. Kaum war die Veranstaltung am Sonntagabend zu Ende, ging es los: Zwei Schießereien - eine in der Parkgarage des riesigen MGM Grand-Hotel, eine an einem Strip Club. Es gab eine Prügelei im Nachtclub des neuen Wynn Hotel. Und involviert waren Rapper, Gangs und auch ein namhafter Football-Profi von den Tennessee Titans, dem das gefährliche Leben auf den Fersen ist, als wäre er nicht ein Defensive Back sondern ein Kick Returner auf dem Weg Richtung Endzone (via The Big Lead). Bei der Ballerei im MGM Grand-Komplex wurde offensichtlich jemand von einer Kugel getroffen (meldet TrueHoop). Unbeteiligte mussten stundenlang in der Garage ausharren, ehe die Situation von der Polizei geklärt werden konnte (berichtet der örtliche Fernsehsender KLAS). Nach ersten Schätzungen hatte das All-Star-Party-Programm 250.000 Besucher angelockt, ein Ansturm, den die Stadt nicht gewöhnt ist.

19. Februar 2007

NBA-All-Star-Spiel: "Jambalaya der Mittelmäßigkeit"

Meine Betrachtungen zum All-Star-Spiel am Sonntag stehen morgen in der Printausgabe FAZ und sind nicht halb so respektvoll wie die Agenturgeschichte, die heute von faz.net aufgegriffen wurde. Denn den Basketballanhängern wurde nichts anderes geboten als eine Art Trainingsspiel, bei dem alles mögliche probiert wird, aber das wenigste funktioniert ("Jedes reguläre Spiel zweier besserer NBA-Mannschaften hat mehr Atmosphäre.") TrueHoop-Blogger Henry Abbott hatte denn auch in seinem Debüt auf espn.com nicht viel Gutes zu sagen. Er war aber geschickt genug, seine Meinung mit einem Zitat von Chauncey Billups (Detroit Pistons) abzustützen:
"Wenn ich mein hart verdientes Geld ausgebe, um KG und Kobe und Wade zu sehen, dann will ich sehen, dass sie wirklich spielen. Verstehst du? Nicht trainieren. Ich will sie spielen sehen."
Abbott gab der Veranstaltung das Etikett: eine "Jambalaya der All-Star-Mittelmäßigkeit". Zum näheren Verständnis: Jambalaya ist ein Eintopf mit Reis und Fisch (oder Hähnchenfleisch) und Gemüse, der in Louisiana auf den Tisch kommt.

17. Februar 2007

Sport in Las Vegas: Eine kipplige Geschichte

Foto: flickr/creative commons/Tim Parkinson

Es sieht immer stärker danach aus, dass die beiden Maloof-Brüder die Sacramento Kings in jene Stadt transferieren werden, in der sie wirtschaftlich weit mehr engagiert sind als an Arnolds Schwarzeneggers Regierungssitz: nach Las Vegas. Das All-Star-Wochenende wird inzwischen von vielen als eine Art Testveranstaltung gesehen, um zu erkunden, ob sich die Mehrheit der Clubeigentümer mit einem solchenm Umzug anfreunden könnten. Es gibt ein paar Kinken: In Las Vegas kann man bislang auf alles legal wetten, auch auf NBA-Basketball. Das riecht nicht gut. Und es gibt noch keine Halle von dem Format, wie man sie heute in der Liga braucht - mit all den Luxus-Suiten etc. Der Steuerzahler in Nevada ist nicht dafür bekannt einzuspringen, wenn es um solche Projekte geht. In Las Vegas kommen die Steuern aus den Taschen der Besucher und werden aufgefangen von den Klimperhallen in den Casinos. Alles wird also davon abhängen, ob sich ein paar Casinos für das NBA-Projekt stark machen und die Baumaßnahme finanzieren.

Las Vegas und Sport - das ist eine Partnerschaft, die nie von langer Dauer scheint. Am besten funktionieren noch die Weltmeisterschaftskämpfe im Boxen, weil sie jeweils hochgehypte Einzelereignisse sind, die traditionell High-Roller und andere Leute mit Geld anziehen. Wäre Andre Agassi nicht in Las Vegas aufgewachsen, er hätte sich dort vermutlich nicht mit Frau Steffi und Kindern niedergelassen. Und wie lange Steffi das dort aushält, muss man sehen. Ein Golfturnier der PGA-Tour und eines der LPGA kriegt man ebenfalls auf die Beine. Das ist schließlich nur eine Frage des Sponsorengeldes. Was ebenfalls funktioniert, ist der Speedway. Trotzdem will man am 8. April die ChampCar-Serie auf einem Straßenkurs im Stadtzentrum antreten lassen - ein Novum für Las Vegas, das 1981 und 1982 Formel-1-Rennen auf einem Casino-Parkplatz ausgerichtet hatte.

Hier ein Überblick über die Versuche, in der Millionen-Metropole Teams aus den Mannschaftssportarten anzusiedeln. Die Liste zeigt, dass es nicht immer nur an Las Vegas liegt, wenn es nicht funktioniert. Die Stadt scheint traditionell gerne bei Projekten mitzumachen, die nur wenig Aussichten auf Erfolg haben. Das muss an der Zockermentalität liegen. Las Vegas ist zwar inzwischen eine ziemlich große Stadt (1,9 Millionen Einwohner), aber ihr fehlt ein Speckgürtel, der in anderen Teilen des Landes die Sportveranstalter übers Fernsehen mitstützt. So steht man nur auf Platz 51 der amerikanischen Fernsehmärkte, noch hinter Hartford und Albuquerque.

Las Vegas Thunder, 1993 bis 1999, spielte in der International Hockey League als Farm Team für Clubs wie Phoenix Coyotes in der NHL und Lokomotive Jaroslawl in der russischen Super League. Das Thomas and Mack Center mit einer Kapazität von 17 000 Zuschauern war zu groß. Der Club wurde dicht gemacht, als die Liga einpackte.

Las Vegas Wranglers, 2004 bis heute, spielt in der ECHL (früher mal Eastern Hockey League genannt), zwei Stufen unter der National Hockey League als Farm Team für die Calgary Flames (NHL) und die Omaha Ak-Sar-Ben Knights in der American Hockey League.

Las Vegas 51s, eine Namensneuschöpfung des örtlichen AAA-Baseball-Teams, nachdem es aus dem Farm-Team-System der San Diego Padres ausscherte und in das der Los Angeles Dodgers wechselte. Die Mannschaft geht in zwei Monaten in ihre 25. Saison. Es hatte vorher immer wieder Versuche gegeben, Minor League Baseball in der Stadt zu installieren, aber das war immer wieder nach kurzer Zeit gescheitert. Sicher auch wegen des Wetters. Auch wenn in der Sommerhitze in der Wüste die meisten Spiele abends ausgetragen werden, hat man es schwer den klimaanlagenverwöhnten Bewohnern der Metropole einen Besuch im Stadion schmackhaft zu machen. Das Team kommt urprünglich aus Spokane, einer Stadt im Osten des Bundessstaats Washington. Es wurde 1982 verpflanzt.

Las Vegas Posse, eines der schlechtesten Teams, die je in der Canadian Football League mitgemischt haben. Die Verantwortlichen für das Spiel mit den etwas anderen Regeln, das im Nachbarland im Norden praktiziert wird, hatten in den neunziger Jahren einen Blick über die Grenze geworfen, und fühlten sich stark, ähnlich zu expandieren wie Major League Baseball und die NBA, die Teams in Toronto haben. Die Posse spielte nur einen Sommer (1994). Ein Versuch, den Club nach Mississippi zu verlagern, scheiterte.

Las Vegas Outlaws gehörte zur XFL, dem Versuch von Wrestling-Unternehmer Vince McMahon und dem Fernsehsender NBC, im Jahr 2001 eine Pseudokonkurrenz zur NFL auf die Beine zu stellen. Das Experiment wurde nach einer Saison beendet. Immerhin: Die Liga hatte höhere Einschaltquoten als die NHL.

Las Vegas Gladiators, ein Club der amerikanischen Arena Football League, der seit 2001 in der Stadt zu Hause ist, nachdem Investoren die Überbleibsel einer Franchise in New Jersey kauften und transferierten. Arena Football hat sich in den USA im Laufe der Zeit neben der NFL etablieren können, da der Spielplan jede Kollision vermeidet.

Las Vegas Strikers, 2003 gegründet und Mitglied der National Premier Soccer League (NPSL), die vierte Liga im amerikanischen Fußball. Das Team ist ein fernes Echo der Las Vegas Dustdevils, die zwischen 1993 und 1997 in der Continental Indoor Soccer League antraten. Das Problem: die Liga fiel im Streit unterschiedlicher Interessen auseinander.

16. Februar 2007

Vor dem NBA-All-Star-Weekend: Pippen will's noch mal wissen

Der Vorbericht auf das All-Star-Weekend der NBA für die FAZ ist online gestellt. In der FAS wird es eine Geschichte über Gilbert Arenas geben. Ob und wann die auf faz.net zu lesen sein wird, ist schwer zu sagen. Die Online-Redaktion wählt nach eigenen Kriterien aus den Texten für die Printausgabe aus. Und dann noch dies: Scottie Pippen will mit 41 Jahren wieder in die NBA zurück. Er sei extrem fit, berichtet Sam Smith von der Chicago Tribune über den Dream-Team und Chicago-Bulls-Kampfgenossen von Michael Jordan in einer ausführlichen Geschichte. Was er wirklich noch drauf hat, wird man sehen, falls ein Team anbeißt. Smith spekuliert bereits, wer sich für ihn interessieren könnte. Was nichts bedeutet. So gut sind seine Quellen schon lange nicht mehr.

13. Februar 2007

NBA-All-Star-Spiel in 3D

Die NBA will ihrem Ball einen neuen Drall geben. Das All-Star-Spiel am Sonntag mit Dirk Nowitzki ist das erste Sportereignis in der Fernsehgeschichte, das in 3D-High-Definition übertragen wird. 3D-High-Definition, was ist das? Eine Weiterentwicklung der 3D-Technologie mit digital aufgezeichneten Bildern. Das existierende System, das seit mehr als zehn Jahren in einigen IMAX-Kinos läuft, funktioniert noch auf Filmbasis. Wer die Spiele auf diese Weise sehen will, muss sich nach Las Vegas bewegen. Die Liga hat zwei Kinos im Mandalay Bay Hotel eigens umrüsten lassen. Zuschauer erhalten spezielle Brillen, ohne die das Gehirn die Illusion einer räumlichen Empfindung nicht abbilden kann. Die treibende Kraft ist der amerikanische Kamerahersteller Pace, der hofft, in Zukunft mehr 3D-Projekte umsetzen zu können (via Sportsmediawatch und cnet).

10. Februar 2007

Der böse Wade: Cuban verteidigt sein Führpferd

Alle Afficionados der NBA schielen bereits seit Tagen nach Las Vegas, wo am kommenden Wochenende das All-Star Weekend stattfindet. Die Veranstaltung hat ihren Reiz. Schon deshalb, weil sie ein anderes Publikum anlockt, das gemütlich und neugierig zugleich durch die Lobbys der Hotels stromert und T-Shirts kauft und Autogramme jagt: All-Star Weekend ist Sammelpunkt für schwarze Fans aus den USA, also die, die sich die normalen, sehr teuren Eintrittskarten zu den normalen Spielen nicht leisten können. Sportlich wirft die Geschichte nichts ab. Innenpolitisch auch nicht. Die Fans wählen, die Trainer wählen, und wenn aus den ersten zwei Kategorien Spieler aus Verletzungsgründen nicht antreten, dann wählt auch noch David Stern, el maximo leader, persönlich.

Natürlich ist so gewährleistet, dass auch Dirk Nowitzki dabei ist. So kann er im Rennen in der MVP-Wertung mithalten, wozu er vor allem bei Journalisten einen guten Eindruck machen muss. Das kleine publizistische Fernduell um seine Anführerqualitäten wird ihn nach Nevada begleiten. Das wurde ausgelöst, als Dwyane Wade vor ein paar Tagen dem Deutschen vorhielt, der habe im Finale im Juni im entscheidenden Moment von seiner Rolle im Team abgedankt und so den Miami Heat auf diese Weise das Gewinnen leichter gemacht. Da knurrte Mark Cuban in seinem Blog so laut er konnte (ohne eine Strafe von David Stern zu riskieren) und stempelte den erstklassigen Spieler Wade zu einem zweitklassigen Rhetor und einer drittklassigen Werbefigur ab.

Nowitzki schweigt erst mal. Er ist dafür bekannt, die Leistung anderer anzuerkennen und sich selbst sehr kritisch einzuschätzen. Oft vermutlich sogar zu kritisch. Hier eine kleine Rückblende zu einem Statement, das er über den Italiener Andrea Bargnani gemacht hatte, als der als erster Europäer über den ersten Draft-Platz zu den Toronto Raptors geholt wurde (und gerne mit ihm verglichen wurde): "Er ist ein besserer Spieler als ich mit 19 oder 20 war. Er wird mal ein toller Spieler. Er ist ein bisschen athletischer als ich damals war. Er attackiert ein bisschen besser mit dem Ball als ich."

Der Blog The Wages of Win hat mal mit seinen statistischen Methoden die beiden ausgewertet. Die Tabelle hat einen praktischen Vorteil: Sie bietet eine Übersicht über die gesamte NBA-Karriere des Würzburgers. Bargnani wird auch in Las Vegas sein. Er spielt in der Rookie-Mannschaft, die gegen ein Team aus Spielern antritt, die bereits in ihrem zweiten NBA-Jahr sind.
Blick zurück: Welchen Rang hat Nowitzki zur Zeit in der Liga - ein Vergleich an Hand von Zahlen

28. Januar 2007

Wenn die Kommunisten wählen: All-Star-Politik in der NBA

Mark Cubans Mavericks müssen bis zum All-Star-Wochenende noch ein bisschen arbeiten, weshalb sie sich noch nicht mit dem Karneval beschäftigen, den die NBA alljährlich veranstaltet. In diesem Jahr geht es übrigens erstmals nach Las Vegas, wo es zwar jede Menge Hotelkapazität gibt, um für die Veranstaltung Besucher aus aller Welt unterzubringen, aber kein NBA-Team. Die anreisenden Basketballprofis veranstalten allerlei Mätzchen, gekrönt von einem Spiel zwischen den Abgesandten der Western Conference gegen die Abgesandten der Eastern Conference (am 18. Februar). Wer in der Startformation antreten darf, das bestimmen die NBA-Fans, und zwar seit ein paar Jahren mit Hilfe einer Abstimmung per Internet. Auf diese Weise kommen auch die Geschmacksvorstellungen von Menschen aus entfernten Ländern zur Geltung. Dass die so wahnsinnnig viel von Basketball verstehen, lässt sich nicht erkennen. Schon eher, dass sie von anderen Vorstellungen gelenkt werden. So machte im Westen kein anderer als Yao Ming von den Houston Rockets das Rennen, weil man zuhause in China schamlos seinen Namen in den Computer füttert. Die Popularität des Spitzenreiters im Osten hat vermutlich auch eher etwas mit einer Form von manipulativem Marketing zu tun: LeBron James ist die Vorzeigefigur von Schuhhersteller Nike geworden, die ihn im Herbst mit einer Reihe von erfolgreichen Werbespots ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gepusht haben. Um wieviele Stimmen geht's da so? LeBron James erhielt nach Angaben der NBA 2 516 049, was knapp hinter dem Rekord von Ming aus dem Jahr 2005 liegt (2 558 278). Der Chinese kam diesmal auf 2 451 718. Das Reglement sieht vor, dass die fünf Positionen auf dem Spielfeld jeweils einzeln ermittelt werden. Hier die Aufstellungen:
Eastern Conference
Forwards: LeBron James (Cleveland), Chris Bosh (Toronto)
Center: Shaquille O’Neal (Miami)
Guards: Dwyane Wade (Miami), Gilbert Arenas (Washington)
Western Conference
Forwards: Kevin Garnett (Minnesota), Tim Duncan (San Antonio)
Center: Yao Ming (Houston)
Guards: Kobe Bryant (L.A. Lakers), Tracy McGrady (Houston)

Was an den Namen in der Western Conference auffällt: Zwei Spieler fehlen, die zur Zeit als potenzielle MVP-Kandidaten gehandelt werden – Steve Nash (Phoenix Suns) und Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks). Ihnen fehlt nicht nur die Unterstützung aus ihren Heimatländern Kanada und Deutschland. Ihnen fehlt ganz offensichtlich das Charisma, um ganz gewöhnliche amerikanische Fans zu beeindrucken.

Das hat Mavericks-Besitzer Mark Cuban aufgebracht ("Es ist eine internationale Abstimmung, und jede Menge Kommunisten haben gewählt. Die wählen immer, was die Partei vorgibt."). Und es hat die Dallas Morning News dazu gebracht, diese verquere Betrachtungsweise auch noch abzudrucken. Nash und Nowitzki werden trotzdem dabei sein. Weil das Trainer-Team der Western Conference (angeführt von Suns-Coach Mike D'Antoni) den Rest der Kaderplätze festlegt.