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2. Juli 2010

Dirks Taktik: Hinhalten

Dirk Nowitzki spielt seit Tagen ein Spiel, das er noch nie gespielt hat: showboating. Während ihm sein Club die Karten komplett auf den Tisch gelegt und das tarifvertragliche Maximalgehalt für ein Vier-Jahres-Vertrag über 96 Millionen Dollar geboten hat, entschied er sich erneut dafür, dem Club-Manager Donnie Nelson nicht in die Augen zu schauen. Ursprünglich hatte er die Rückkehr aus Würzburg nach Dallas zum Verhandlungsgespräch für Donnerstag angekündigt. Nach dem Zwischenstopp in New York gab er Freitag als neuen Termin durch. Auch der wurde inzwischen verschoben. Nun soll es am Samstag klappen. Hat Dirk Nowitzki womöglich Wind von einer Rochade, die ihn zu den Miami Heat bringen könnte, die heute in Cleveland offiziell um LeBrons Hand angehalten haben (während Dwayne Wade nach einem Abstecher in Chicago bei den New York Knicks vorbeigeschaut hat).

Die Entwicklung wird übrigens von amerikanischen Sportsendern auf intensivste Art gecovert. Geredet wird viel. Nichts Genaues weiß keiner.

5. März 2007

NBA-Notizen: Artest verhaftet, Wade nicht unters Messer, Lob für McHale

Ron Artest (Sacrament Kings) wurde in seinem Haus wegen Körperverletzung verhaftet. Die Polizei sagt nicht, wer das Opfer war, weil das formaljuristisch in Kalifornien nicht gestattet ist. Wir nehmen an: Es handelt sich um seine Frau. Ein Polizeisprecher erwähnt in der Pressekonferenz, dass die Ordnungshüter schon häufiger gerufen wurden. Aber bei jenen Gelegenheiten wurde keine Anzeige erstattet. Artest wurde von Sacramento Kings vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Seine bislang berühmtester Ausraster passierte 2004 bei einem Spiel mit den Indiana Pacers in Detroit. Damals stürmte er auf die Tribüne und versuchte, einen Zuschauer zu verprügeln. Seine Strafe damals: 73 Spiele Sperre und eine finanzielle Einbuße von 5 Millionen Dollar.

Dwayne Wade will seine ausgekugelte Schulter nicht gleich operieren lassen, sondern mit Hilfe einet intensiven Therapie für Muskeln und Bänder rechtzeitig zu den Playoffs wieder neben Shaquille O'Neal bei den Miami Heat auf dem Platz stehen. Offensichtlich rechnet man sich in der Mannschaft Chancen aus, den Titel mit Erfolg zu verteidigen. Falls es nicht klappt, wenigstens die schwache Eastern Conference zu gewinnen. Das würde etwa zehn mehr ausverkaufte Heimspiele für den Club bedeuten. Auch so etwas zählt.

Chefmanager Kevin McHale von den Minnesota Timberwolves wurde von der Wirtschaftszeitschrift Forbes als beste Führungsfigur im amerikanischen Ligasport ausgerufen. Das Magazin hat einen guten Ruf wegen seiner Listen, in denen sie die Reichen und Einflussreichen der Welt hochrechnen. Der Versuch, die Topleute in Major League Baseball, National Football League, National Basketball Association und National Hockey League, gegeneinander abzuwägen und in ein Ranking einzuordnen, muss als gescheitert angesehen werden. Das entscheidende Kriterium für die Qualitäten eines Verantwortlichen ist die sportliche Bilanz unter seiner Regie im Vergleich zu seinem Vorgänger. McHale, in den achtziger Jahren bei den Boston Celtics wichtiger Nebenmann von Larry Bird, übernahm den Club einige Jahre, nachdem der als Expansion-Team klassisch ganz unten angefangen hatte. Er draftete Kevin Garnett, etablierte die Mannschaft in der Western Conference als Playoff-Aspirant. Aber mehr hat er in elf Jahren im Amt nicht auf die Beine gestellt. Mindestens zwölf Teams haben für die gleiche Zeit bessere Resultate vorzuweisen. Darunter die Dallas Mavericks (Donnie Nelson, Rang 40), die Utah Jazz (Kevin O'Connor, Rang 74) und besonders eklatant die Los Angeles Lakers (Mitch Kupchak, Rang 78)

10. Februar 2007

Der böse Wade: Cuban verteidigt sein Führpferd

Alle Afficionados der NBA schielen bereits seit Tagen nach Las Vegas, wo am kommenden Wochenende das All-Star Weekend stattfindet. Die Veranstaltung hat ihren Reiz. Schon deshalb, weil sie ein anderes Publikum anlockt, das gemütlich und neugierig zugleich durch die Lobbys der Hotels stromert und T-Shirts kauft und Autogramme jagt: All-Star Weekend ist Sammelpunkt für schwarze Fans aus den USA, also die, die sich die normalen, sehr teuren Eintrittskarten zu den normalen Spielen nicht leisten können. Sportlich wirft die Geschichte nichts ab. Innenpolitisch auch nicht. Die Fans wählen, die Trainer wählen, und wenn aus den ersten zwei Kategorien Spieler aus Verletzungsgründen nicht antreten, dann wählt auch noch David Stern, el maximo leader, persönlich.

Natürlich ist so gewährleistet, dass auch Dirk Nowitzki dabei ist. So kann er im Rennen in der MVP-Wertung mithalten, wozu er vor allem bei Journalisten einen guten Eindruck machen muss. Das kleine publizistische Fernduell um seine Anführerqualitäten wird ihn nach Nevada begleiten. Das wurde ausgelöst, als Dwyane Wade vor ein paar Tagen dem Deutschen vorhielt, der habe im Finale im Juni im entscheidenden Moment von seiner Rolle im Team abgedankt und so den Miami Heat auf diese Weise das Gewinnen leichter gemacht. Da knurrte Mark Cuban in seinem Blog so laut er konnte (ohne eine Strafe von David Stern zu riskieren) und stempelte den erstklassigen Spieler Wade zu einem zweitklassigen Rhetor und einer drittklassigen Werbefigur ab.

Nowitzki schweigt erst mal. Er ist dafür bekannt, die Leistung anderer anzuerkennen und sich selbst sehr kritisch einzuschätzen. Oft vermutlich sogar zu kritisch. Hier eine kleine Rückblende zu einem Statement, das er über den Italiener Andrea Bargnani gemacht hatte, als der als erster Europäer über den ersten Draft-Platz zu den Toronto Raptors geholt wurde (und gerne mit ihm verglichen wurde): "Er ist ein besserer Spieler als ich mit 19 oder 20 war. Er wird mal ein toller Spieler. Er ist ein bisschen athletischer als ich damals war. Er attackiert ein bisschen besser mit dem Ball als ich."

Der Blog The Wages of Win hat mal mit seinen statistischen Methoden die beiden ausgewertet. Die Tabelle hat einen praktischen Vorteil: Sie bietet eine Übersicht über die gesamte NBA-Karriere des Würzburgers. Bargnani wird auch in Las Vegas sein. Er spielt in der Rookie-Mannschaft, die gegen ein Team aus Spielern antritt, die bereits in ihrem zweiten NBA-Jahr sind.
Blick zurück: Welchen Rang hat Nowitzki zur Zeit in der Liga - ein Vergleich an Hand von Zahlen

7. Dezember 2006

Erste Kritik an Magazin-Entscheidung gegen Federer

Die ersten kritischen Stimmen über die katastrophale Entscheidung von Sports Illustrated, nicht Roger Federer zum Sportsman of the Year zu küren, sondern Dwyane Wade von den Miami Heat (siehe hier), werden selbst in den USA laut. Das zwang Chefredakteur Terry McDonnell heute dazu, sich in der populären New Yorker Radio-Talk-Show Mike and the Mad Dog zu rechtfertigen. Zuhörer wie der Blogger von The Big Lead waren ohne Schwierigkeiten in der Lage, durch die lahme Rechtfertigungsrede ("Aber hat er den Grand Slam gewonnen?") zu schauen. Federer wurde aus folgenden Gründen nicht genommen: Mit ihm auf der Titelseite gibt es keinen Blumentopf an den Kiosken in den Vereinigten Staaten zu gewinnen, weil Tennis inzwischen eine Randsportart ist. Er kann aus Termingründen auch offensichtlich nicht zur Party des Magazins im Dezember antreten. Also suchte man nach jemand anderem.

Miami im Dezember: Regennass und sportlich trüb

Eine andere amerikanische Stadt. Eine andere Perspektive? Ja und nein. Es ist schwül warm in Miami heute abend. Und ab und an fallen ein paar Regentropfen, was sich ganz angenehm auf der Haut anfühlt. DAS ist der Hauptunterschied zu Buffalo, wo ich vor knapp zwei Wochen auf den Spuren des neuen österreichischen Eishockey-Stars Thomas Vanek war (das Resultat der Reise erscheint demnächst ausführlichst im Sport-Magazin in Wien, wo man sich sehr viel Mühe gegeben hat, das Riesentalent zum ersten Mal im großen Stil seinen Lesern vorzustellen).

Das heißt: Es gibt noch einen anderen Unterschied zwischen Miami und Vaneks Team - die Buffalo Sabres, bei denen auch der Deutsche Jochen Hecht spielt - gewinnen. Miamis Mannschaften hingegen verlieren meistens: Ob im Eishockey (Panthers), Football (Dolphins) oder selbst bei den Titelverteidigern im Basketball (Heat), überall sieht man nur, dass es klemmt. So musste der Miami Herald, die große Tageszeitung, heute seinen Sportteil mit lauter negativ angehauchten Geschichte füllen. Niemand ist happy, außer Dwayne Wade, der von Sports Illustrated zum Sportler des Jahres ausgerufen wurde, was in der Ausgabe dieser Woche groß zelebriert wird.

Das einflussreiche Magazin gibt sich immer relativ viel Mühe, eine Figur mit Strahlkraft auszusuchen und anschließend in einer Auflage von mehr als 2 Millionen Exemplaren die Ehrung unters Volk zu bringen. Angesichts der jüngsten Entscheidung GEGEN einen wirklich überragenden Sportler wie den Tennisspieler Roger Federer und FÜR einen leichtfüßigen Zirkusartisten, darf man getrost anzweifeln, ob die Leute bei SI eine Ahnung von Sport haben. Ist der Verkauf von Heften das einzige Kritierium? Selbst Tiger Woods wäre eine triftigere Wahl gewesen. Man muss sich nur mal vorstellen: Gewinnt Dallas Spiel drei der letzten NBA-Finalserie, kann Miami einpacken. Und Wade gleich mit.

Kein Wunder, dass der Miami Herald die Nachricht nicht als Aufmacher gebracht hat, sondern relativ klein unten rechts auf der ersten Sportseite. Wahrscheinlich schämen sie sich hier in Süd-Florida angesichts solcher Entscheidungen. Oder sie finden sie nicht weiter bemerkenswert - angesichts soviel sportlichem Elend.