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25. November 2007

Gedopten Profis aus dem Ausland droht eine Extra-Sperre: der Rauswurf aus den USA

Man hat sich daran gewöhnt, dass ein erheblicher Teil der Profis in den amerikanischen Ligen aus anderen Ländern kommt. Den größten Anteil der Gastarbeiter beherbergt traditionell die National Hockey League, in der einst die Kanadier dominierten und nun Spieler aus Europa. Die NBA hat zuletzt ganz erheblich Verstärkung aus Übersee getankt, und im Baseball kommt das Reservoir neuer Kräfte hauptsächlich aus dem Süden, der Karibik und den Ländern, die sie einrahmen. Insbesondere im Baseball gibt es regelrechte Pipelines für Talente, die aus Zentren etwa in der Dominikanischen Republik über die Rookie Leagues in Arizona und Florida hinauf in die besser bezahlten Leistungskategorien führen. Das dauert meistens Jahre und führt dazu, dazu sich in Ausländer in diesem Mischmasch-Land der Einwanderer aus aller Herren Länder irgendwann so vorkommt, als gehöre er dazu.

Dabei fehlt nicht viel, um zu begreifen, dass man als Mensch mit einem speziellen Visum oder auch einer Greencard ruckzuck aus den USA ausgesperrt werden kann. Wer zum Beispiel straffällig wird, landet ganz rasch wieder in seiner Heimat. Mehr als 12 Millionen illegalen Einwanderern in diesem Land scheint das offensichtlich nichts auszumachen. Die sind ohnehin abgetaucht, arbeiten mit gefälschten Papieren und Führerscheinen und überleben - irgendwie - im Schatten einer Lohndrückerwelt, die man in den Vereinigten Staaten auf eine fadenscheinige Weise akzeptiert hat, weil man dadurch im großen Stil Gewerkschaften aushöhlen und das Aufkommen neuer Wehrhaftigkeit unterlaufen konnte.

Aber das ist keine Option für einen Baseballprofi aus dem dem Ausland, der in dem riesigen Dopingskandal auffällig wird, der dieser Tage vom ehemaligen Senator George Mitchell untersucht wird. Das Problem besteht nicht mal darin, dass der Report öffentlich Namen von Spielern nennen könnte, die als Anabolika-Verbraucher auffällig geworden sind. Das kitzlige Detail besteht im Wesen eines Visums- oder Greencard-Antrags: Wer hierbei Dinge gefragt wird, die irgendwann mal rechtsrelevant sein könnten und sie aus Angst vor Konsequenzen dazu unwahr Stellung bezieht und später als Lügner geoutet wird, kann daraufhin auf Lebzeiten aus den USA ausgesperrt werden. Nicht weil er verbotenerweise ohne Rezept verschreibungspflichtige Medikamente genommen hat, sondern weil er die Einwanderungsbehörden betuppen wollte.

Eine derartige Strafe geht weit über das hinaus, was eine Liga oder ein Verband tun kann. Denn deren einem Berufsverbot gleichkommenden Sperren sind befristet und halten jemanden nicht davon ab, in der Zwischenzeit in einem anderen Metier Geld zu verdienen. Sie sind auch härter als die kurzen Gefängnisstrafen, die Athleten wie amerikanische Marion Jones und Barry Bonds gewärtigen. Denn hier wurden Strafermittler angelogen, die versucht haben, einen ganzen Sumpf trocken zu legen. Ein Baseballspieler, der nie wieder legal in die USA einreisen kann, darf einpacken. Oder muss versuchen, sich in Japan zu verdingen. Dem einzigen Land, wo man in der Sportart einigermaßen bezahlt wird.

Während die Geschichte in der New York Times zum Thema so tut, als sei das alles hauptsächlich das Problem von Mitchell, darf man sicher als jemand, der als Gast in den USA verweilt und lange auf seine Aufenthaltserlaubnis warten musste, folgendes sagen: Wer denkt, er, brauche sich nicht an die Gesetze dieses Landes zu halten, sollte sich hinterher nicht wundern, wenn er rausgeworfen wird. Und wer ein bisschen schlauer geworden ist, sollte vielleicht die Finger von Drogen lassen. Ist das Schwert der Einwanderungsbehörden endlich eine Abschreeckungsmaßnahme, die wirkt?

24. August 2007

Die Beckham-Oper, Knöchelverzeichnis Nr. 5: Das falsche Sendungsbewusstsein

Der Worldwide Leader in Sports (so die Eigenwerbung), den meisten unter dem Kürzel ESPN bekannt, hatte am Donnerstagabend auf seinem zweiten Kanal ESPN 2 ein Problem, das es nicht zu lösen gab. Eingeschaltet hatten die, die der nächsten Arie in der Beckham-Oper beiwohnen wollten. Serviert wurden ihnen erstmal eine nach der anderen Verlängerung in der Playoffs der WNBA zwischen Connectict Sun und Indiana Fever. Die beiden brauchten dreimal fünf Minuten Extra, um ein Basketballspiel zu entscheiden, das wirklich bestenfalls in den Kanaldschungel ganz hinten jenseits der Nummer 200 gehört. Aber Sendungsbewusstsein und Pflichtgefühl gegenüber der NBA ließen das nicht zu. Die Fußballfreunde mussten warten und konnten erst ab der zehnten Minute ihr Spiel sehen, das live aus dem Home Depot Center in Carson übertragen wurde.

Seit zehn Jahren gibt es Profi-Basketball für Frauen in den USA und seit zehn Jahren ist an diesem eigenartigen Konstrukt einer Sommerliga sportlich rein gar nichts besser geworden. Im athletischen Bereich überwiegen die plattfüßigen Trampler - egal wie groß oder wie schwer. Wurftechnisch gibt es keine, die auch nur einen Hauch von Eleganz und Flair verbreitet - alles sieht handgestrickt aus. Und fangen wir gar nicht erst vom taktischen Repertoire an. Wenn man nicht mal rafft, wann man einen Gegner foult und wann nicht, damit man ihn (sie) nicht unnötigerweise an die Freiwurflinie schickt, wirkt das schon sehr nach...ach, lassen wir das. Reden wir lieber von Fußball - Frauenfußball. Der hat sich in der gleichen Zeit in den USA sehr stark entwickelt. Und das nicht nur, was die Zahl der Aktiven angeht und den Aufmerksamkeitswert in der Öffentlichkeit. Die besten von ihnen schauen zur Zeit leider in die Röhre, weil das Experiment einer eigenen Liga an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten scheiterte. Für 2008 ist eine Wiederauferstehung im Gespräch. Was als Zeitpunkt gar nicht so schlecht gewählt ist. Denn die Beckham-Manie schafft Neugier, aber befriedigt sportlich keineswegs.

Das konnte man nach dem Basketball-Spiel sehen, als Los Angeles Galaxy gegen Chivas USA spielte. Obwohl: ein Mann war richtig klasse. Er heißt Maykel Galindo und ist ein gefährlicher Stürmer mit dem Auge für den Nebenmann. Galindo hatte sich vor zwei Jahren bei einer USA-Reise von der kubanischen Nationalmannschaft abgesetzt und spielt in diesem Jahr erstmals Major League Soccer - für schlappe 72 500 Dollar Gehalt. Er ist 26 Jahre alt und als Talent noch überhaupt nicht ausgetestet. am Donnerstagabend produzierte er zwei Tore und fädelte mehrere gefährliche Chancen ein.

Anmerkung: Die BILD-Zeitung hat in ihrer Berichterstattung über das Match ("Beckham: Bekommt er die Quittung für Poshs aufwendiges Leben?") mit gestrecktem Bein gearbeitet. "Beim Derby kam es jetzt nach einem Brutalo-Foul von Gegenspieler Jesse Marsch zur Fast-Prügelei", heißt es. Das war mehr als übertrieben. Es war ein Tritt, wie er ständig vorkommt, allerdings war die Stimmung zwischen Marsch und Beckham schon vorher leicht gereizt. Der Engländer hofft wohl insgeheim auf sanfte Behandlung, da er sich doch so intensiv für die Liga bemüht. Von einer Prügelei zwischen "Galaxys Harmse und Chivas' Zotinca, die mit Rot vom Platz flogen", konnte man auch nichts sehen. Die unübersichtliche Situation führte zu einer Fehlentscheidung. Zotinca hatte Harmse einen Kopfstoß ins Gesicht verpasst und hätte als einziger vom Platz gestellt werden müssen.

14. Februar 2007

Nachgereicht: Fußball-News aus den USA

Aus der Abteilung "unwichtig, aber nicht völlig belanglos" (weil alle diese Notizen von der New York Times für erwähnenswert gehalten wurden und da wollen wir nicht meckern):

• Der Fußball-Club Real Salt Lake wird bleiben, wo er ist: Der Staat Utah rückt das Geld für den Stadionbau heraus, das die Lokalpolitiker nicht spendieren wollten (siehe Beitrag). Real Salt Lake ist der neue Arbeitgeber von Freddy Adu in Major League Soccer.

• Chivas USA, das Mexiko-Baby in der MLS, hat bekannt gegeben, dass sich zu einem offenen Training 6.000 Personen angemeldet haben. 2.000 wurden akzeptiert und werden ab Freitag durchleuchtet. Das Experiment, das dem Projekt ähnelt, das Los Angeles Galaxy letzte Woche durchgeführt hatte (siehe hier) wird vom spanischsprachigen Fernsehsender als Reality-TV-Miniseriere ausgeschlachtet. Die 60 vielversprechendsten Aspiranten dürfen am 24. Februar wiederkommen. Eine Woche danach geht es mit einem auf 24 reduzierten Teilnehmerfeld weiter. Der erste Preis: ein zwei Wochen-Vertrag mit der Möglichkeit, sich im Trainingslager in den Kader zu spielen und verpflichtet zu werden.

• Die südafrikanische Regierung versteht keinen Spaß (oder was es auch immer war, weshalb Carlos Alberto Parreira und sein Assistent Jairo Lopes César glaubten, sie könnten ohne ein vernünftiges Visum im Land arbeiten und leben). Sie waren im Januar eingereist und wären fast verhaftet worden. Inzwischen haben sie die richtigen Papiere. Der Job? Die Mannschaft der Gastgeber der WM 2010 auf Vordermann bringen.

• Der Mann, der sich auf Arsenals Fersen gesetzt hat, wurde hier bei seinem ersten Auftritt in der Arena nicht hinreichend skizziert. Über Stan Kroenke, 59 Jahre alt, sollte man nämlich zumindest soviel wissen: Als Schwiegersohn des Gründer der Einzelhandelskette Wal-Mart (der größte private Arbeitgeber in den USA, in Deutschland gescheitert) konnte er die ersten Millionen Spielgeld vom Konto der Ehefrau abzweigen. Heute gehören ihm: Die St. Louis Rams (NFL), die Denver Nuggets (NBA), die Colorado Avalanche (NHL) und Hallenmannschaften in den Sportarten Lacrosse und Arena-Football. Nicht zu vergessen die Colorado Rapids. Die werden im nächsten Monat nach London fliegen, um dort zu trainieren. So groß die Entfernung auch sein sein mag. Die Annäherung hat begonnen. Das Geld für Arsenal hat er.