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4. Oktober 2008

NHL-Saisonauftakt in Europa: Das Ego reist mit

Die NHL-Saison hat offiziell begonnen. In Stockholm und Prag. Das Konzept sieht jeweils zwei Begegnungen vor. In Schweden sind es die Pittsburgh Penguins und die Ottawa Senators, die sich beharken. In Tschechien die New York Rangers und Tampa Bay Lightning. Was die Kernfrage angeht – Was soll das, was bringt der Trip nach Europa? – halten sich die Gazetten und Internetseiten hierzulande eher zurück und haben sich entschieden, vor allem über die Action auf dem Eis zu berichten (Auftakt-Siege für New York und Pittsburgh). Und wenn sie mal etwas weiter ausholen, dann greifen sie wiederum nur in die Kiste mit den vielen Klischees. Wie meinte doch noch der Schwede Daniel Alfredsson, der bei den Senators den Captain gibt, über die Reise nach Göteborg und Stockholm? "Es ist unglaublich. Das wird vermutlich erst in Ottawa nächste Woche so richtig sacken, wenn ich ein bisschen entspannen und es genießen kann. Es war bisher eine großartige Erfahrung, ein enormer Ego-Trip für mich." Na, wie erhellend.

Auch Tampas Tscheche Vaclav Prospal schwärmt: "Das ist ein besonderes Gefühl, ein NHL-Spiel in meinem Heimatland und vor meinen Familienmitgliedern und allen Freunden auszutragen." Ja, prima. Gut für dich, Vaclav. Zumal es für ihn das Größte an der Reise sei, dass seine Mannschaftskollegen "eine Gelegenheit erhalten, um sehen zu können, woher wir kommen, und ein bisschen die Tschechische Republik kennenzulernen". Ja, stehen denn auch Ausflüge nach Theresienstadt, Lidice und Pilsen auf dem Programm? Werden Nachfahren des Prager Frühlings den Profis einen Vortrag über die Zeit damals halten? Oder hat sich vielleicht sogar ein Verwandter von Jan Palach gemeldet?

Unwahrscheinlich. Unwahrscheinlicher jedenfalls als die Ausdehnung der NHL nach Europa, worüber seit ein paar Tagen mal wieder gemurmelt wird. Die Verlockungen und Visionen sind ähnlich wie bei der NBA, die wirtschaftlich sehr viel stärker ist, aber im Vergleich einen geringeren Zufluss von Spielern aus Europa hat. Die Argumente gegen und für werden in beiden Fällen durch den gleichen Leierkasten gedreht.

Tatsächlich basieren die Wunschvorstellungen auf null Basisrecherchen. So bieten die denkbaren Landeplätze für beiden Ligen nicht annähernd die Ertragsaussichten, wie man sie in den amerikanischen Metropolen hat. 7 Millionen Schweden, 7 Millionen Schweizer, 10 Millionen Tschechen (wenn wir mal nur von den virustechnisch am stärksten angestochenen Ländern ausgehen), sollen die Fernsehgelder auftreiben, die man braucht, um solche Pläne zu finanzieren? Wer baut die modernen riesigen Hallen? Wie kann man verhindern, dass der Abzug/die Heimkehr von europäischen Talenten nicht gleichzeitig das Niveau der Mannschaften in Nordamerika reduziert? Fragen über Fragen. Schon jetzt fehlen der NHL der Nachschub der jungen Russen, die keinen Grund mehr sehen, ihre Heimat zu verlassen.

5. März 2008

NBA-Expansion nach Europa: Nicht in den nächsten zehn Jahren

Image: http://etchasketchist.blogspot.com (used by permission)

Vor ein paar Wochen rotierte ein Gerücht, wonach NBA-Commissioner David Stern während des All-Star-Weekend in New Orleans seine Pläne für eine Expansion nach Europa enthüllt. Als ich am selben Wochenende in Deutschland von einer Kollegin gefragt wurde, was denn wohl an dem Gerücht dran sei, musste ich gestehen, dass ich das auch nicht weiß. Daß der amerikanische Schreiber, der das Thema lanciert hatte, aber in der Branche als unzuverlässig gilt. Und dann habe ich eine ganze Liste von Dingen heruntergerattert, weshalb die Liga KEINEN Ableger in Europa auf die Beine stellen wird.

Der wichtigste ist eine Kombination von zwei Dingen: Ohne Fernsehgelder von amerikanischem Zuschnitt (wo sollen die herkommen bei dieser dünnen Zuschauerdecke?) und ohne sogenannte expansion fees, die neue Clubs aufbringen müssen, damit sie zugelassen werden (inzwischen sicher mehr als 200 Millionen Dollar pro Team) - also ohne richtig viel Kohle ist es piepegal, ob man irgendwann in Europa große Hallen hat.

Nun gut. Der Commissioner hat in New Orleans nichts erzählt, aber dafür jetzt bei einem Abstecher nach Portland gesprochen. Hier der Dialog, der im Rahmen einer improvisierten Pressekonferenz stattfand - ausnahmsweise auf Deutsch übersetzt, um zu dokumentieren, wie vage das alles geblieben ist:

"Frage: Sie haben über die Expansion nach Europa in der Vergangenheit gesprochen. Was ist der Zeitrahmen dafür und für die Zukunftsaussichten?

David Stern: Ich habe einen Zeitrahmen von einem Jahrzehnt gesetzt, weil ich nicht denke, dass es morgen passiert. Aber es ist eine Tatsache, dass es AEG [Anschutz Entertainment Group] gibt, die das Staples Center [in Los Angeles] gebaut haben. Sie haben eine Arena in London gebaut. Sie bauen in Berlin. Sie gießen die Fundamente für eine Arena in Rom. Real Madrid und FC Barcelona haben Pläne für neue Arenen. Deshalb sehe ich eine Zeit, in der es Hallen im NBA-Stil geben wird. Ist das genug? Nein. Wir müssen dafür sorgen, dass die Zuneigung der Fans zu unserem Sport etwas wert ist, dass sie sich wirklich hinreichend dafür interessieren und dass die Einnahmesituation an den Punkt kommt, dass sie eine NBA-Mannschaft tragen kann. Sollte das alles passieren, und ich denke, ein Jahrzehnt ist im Moment der richtige Zeitrahmen, kann ich mir eine Division mit fünf Mannschaften in Europa ausmalen. Und ich meine eine Division, die spielt....das ist nicht meine Idee. Das wurde mit von einem Spanier vorgeschlagen, der gesagt hat, die Division sollte in einem Jahr im Osten spielen und im nächsten im Westen. Das macht das Reisen einfacher. Was weiß ich? Aber es eine interessante Idee. Und es ist keine große Sache von Boston nach Paris zu reisen. Ich sage dass zu einer Gruppe von Reportern, die weiß, wie weit es ist von Portland nach Orlando oder Boston ist. Das ist ziemlich interessant und anregend, darüber zu reden, über etwas, das noch ein Jahrzehnt weit weg ist, wenn man 65 ist."

Alles klar? Stern macht AEG keine Zusagen, nicht mal Versprechungen. Wenn man in Europa nicht hunderttausende von Basketballanhängern motivieren kann, wird man die Finger von der Expansion lassen. Und: Wir sollten jetzt zehn Jahre lang einfach nicht mehr spekulieren, was die NBA macht. Nicht mal in unseren Träumen...

21. Dezember 2007

ESPN: Die Zuschauer wandern ab

Während ESPN in Europa ganz, ganz langsam in Schwung kommt, steht der Sender in den USA (Eigenwerbung: "Worldwide Leader in Sports") vor einem Problem: Die Einschaltquoten für die Abendsendungen ("Prime Time") sind in diesem Jahr um 10,2 Prozent gesunken. Das Zuschauerminus umgelegt auf den ganzen Tag beträgt 5 Prozent. Solche Zahlen signalisieren keine Zufallsresultate, sie signalisieren einen Trend: Wir schätzen mal, dass nicht nur Zeitungen (junge) Leser ans Internet verlieren, sondern Fernsehsender ebenfalls. Trotzdem glaubt man beim Mutterschiff Disney, dass man die Kabelnetzbetreiber in den USA (und damit die Kabelfernsehzuschauer) noch mehr Geld aus der Tasche ziehen kann als bisher. So steigt der der Preis, den man pro zahlenden Zuschauer kassiert, Anfang 2008 von 3,26 Dollar auf 3,65 Dollar pro Monat. Irgendwo nicht mehr ganz so fern liegt eine Schallmauer für das, was Sport den anonymen Massen wert ist. Aber vermutlich macht man sich darüber in Bristol/Connecticut im Moment keine großen Gedanken. Die Unternehmensfiliale, die einst als klitzekleiner Fisch von einem mutigen Gesellen gegründet wurde und dann von größeren Fischen aufgefressen und mit beachtlichen Investitionen immer größer gemacht wurde, soll einem Marktkenner zufolge 30 Milliarden Dollar wert sein. Vielleicht versteht man angesichts solcher Zahlen, weshalb ESPN 2009 für die Rechte der Premier League mitbieten will und kann.

Dogfood hat, als er die Meldung auf allesaussersport vor ein paar Tagen kommentierte, folgendes geschrieben: "Auch wenn hinter ESPN mit Disney ein Konzern mit großen Resourcen steht, überschätzt ESPN massiv die Strahlkraft seiner Marke in Europa, ganz zu schweigen von seiner Reichweite. Den Fehler hat die NFL bereits bei Vergabe seiner TV-Rechte in Kontinentaleuropa gemacht. Noch schlimmer: ein Abrücken des Fokus auf US-Sport wird die Marke massiv verwässern."

Das fand ich einen ziemlich kräftigen Konter auf eine Nachricht, die nur Absichten formuliert, aber keine Taten mitliefert. Und die eigentlich zeigt, dass ESPN sich gar nicht als Marke versteht, sondern als Profitcenter, das außerhalb der USA wachsen muss, wenn es denn Zahlen schreiben will, die als einziges Faktum in der Konzernzentrale ernst genommen werden. Ich würde mich nicht wundern, wenn die treibenden Kräfte einer solchen Strategie dabei auch Fehler machen. Aber auf der anderen Seite zeigt das Engagement amerikanischer Investoren in der Premier League (Manchester United, FC Liverpool, Arsenal), dass die eifrigsten Sportunternehmer Amerikas schon länger keine Furcht mehr davor haben, sich am europäischen Treiben zu beteiligen.

"Wachstum in Europa ist eine Schlüsselstrategie für uns", sagte Russell Wolff, der Chef von ESPN, bereits vor einem Jahr, als der NASN-Deal bekannt wurde, für den der Sender wohl mehr als 100 Millionen Dollar verauslagt hat. Ein hoher Preis, wenn man weiß, wieviele/wie wenige Menschen NASN nutzen (6 Millionen Abonnenten). Bezahlt hat man also knapp 17 Dollar pro Kunden. Wenn man aber sieht welche Preise in den USA mittlerweile üblich sind, wirkt das nur och halb so teuer. Mit anderen Worten: Das rechnet sich.

Die andere Frage lautet allerdings: Kann ESPN glaubwürdig eine Mehr-Länder- und Mehr-Sprachen-Politik umsetzen, die jene Schwächen eliminiert, wie sie von dogfood aufgespürt wurden. Ich denke, in naher Zukunft wäre mal wieder ein Gespräch mit Wolff fällig. Wir haben uns zuletzt während der Fußball-WM miteinander unterhalten.

6. Oktober 2007

Wo ist Dirk?

Man darf davon ausgehen, dass Dirk Nowitzki solche Dinge schnurzpiepe sind. Aber vielleicht interessieren sich seine Fans dafür? Dies ist die Rangliste der meistverkauften NBA-Trikots in Europa.

1. Dwyane Wade, Miami Heat
2. Allen Iverson, Denver Nuggets
3. Tony Parker, San Antonio Spurs
4. Kobe Bryant, Los Angeles Lakers
5. LeBron James, Cleveland Cavaliers
6. Boris Diaw, Phoenix Suns
7. Pau Gasol, Memphis Grizzlies
8. Andrea Bargnani, Toronto Raptors
9. Carmelo Anthony, Denver Nuggets
10. Tracy McGrady, Houston Rockets

via startelegram.com, der Webseite des Fort Worth Star-Telegram, eine der beiden Zeitungen, die die Dallas Mavericks intensiv verfolgen.

21. Juni 2007

Abgesang auf ein Ziehkind

Es wäre schön, wenn es anders wäre. Aber es dürfte kaum Zweifel geben, dass diese Geschichte von Leonhard Kazda in der FAZ den Stand der Dinge sehr gut einfängt: das Ende der NFL Europa ist nah. 30 Millionen Dollar bezahlt die NFL für ihr Ziehkind in Europa jedes Jahr und dürfte für diesen Betrag nur wenig auf der Plusseite verbuchen können. Man darf davon ausgehen, dass die Einnahmen aus den Eintrittspreisen das Loch zu einem gewissen Teil stopfen helfen. Aber das betrifft nur die finanzielle Seite. Der erhoffte sportliche Profit ist nicht eingetroffen. Und das zählt auch. Der Ableger produziert keine Talente, die in den USA auf sich aufmerksam machen. Da ist es - im Rahmen der weltweiten Vermarktungsbemühungen - sicher sehr viel vielversprechender, reguläre NFL-Spiele in Europa auszutragen und den Rummel um solche Veranstaltungen auszuschlachten. Kostenmäßig kommt die Liga dabei sehr viel besser weg. Was die Medienpräsenz angeht ebenfalls.
Blick zurück: Miami und New York in London. Und danach Kansas City in Deutschland?

30. Oktober 2006

NBA-Einwanderer verändern den Ethnik-Mix

Eine der aktuellen NBA-Geschichten zum Saisonbeginn am 31. Oktober ist auf faz.net gepostet worden. Der Titel: "Die europäische Invasion". Man erinnere sich: In diesem Jahr wurde erstmals ein junger Basketballer aus Europa an Nummer eins gedraftet. Seine Name steht auf dem Trikot rechts. Die Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien sind schon so viele, dass man sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Aber all das bestimmte nur einen Teil des Textes. Der Artikel ist vermutlich einer der ersten in Deutschland zu diesem Thema, die einen ziemlich auffälligen Aspekt nicht unter den Tisch fallen lässt: die Hautfarbe der Spieler. Dei meisten Europäer sind weiß und haben den Ethnik-Mix in der Liga, der mal bei 80/20 lag, langsam, aber sicher leicht umgetönt. Niemand nimmt gerne zu dieser Facette Stellung. Wer gibt sich nicht am liebsten farbenblind, wenn es um solche Dinge geht? Die Realität ist natürlich anders. Mehr hier.

Übrigens: die Phoenix Suns sind nach einer Meldung der NBA das Team mit den meisten Nicht-Amerikanern. Sie haben sieben. Zu Beginn der Saison gehört eine Rekordzahl von 83 Ausländern aus 39 Ländern zu den Kadern der 30 Teams. Nur zwei Mannschaften kommen ganz ohne aus.

25. Oktober 2006

Breaking News: NFL-Match 2007 in Deutschland?

Die NFL wird ab 2007 zwei reguläre Spiele pro Saison außerhalb der USA austragen. Das haben am Dienstag die Clubbesitzer beschlossen. Mexiko, Kanada, England und Deutschland gelten als Favoriten für die Stippvisiten. Das wachsende Interesse am amerikanischen Football ist wohl so langsam auch der Liga aufgefallen. Und dieses soll jetzt bedient werden. Der neue Commissioner hat wohl nicht die Bauchschmerzen seines NBA-Kollegen David Stern, der über die Größe der Hallen jammert. Man denkt weit im voraus - auf 16 Jahre hinaus - damit jede Mannschaft zweimal an die Reihe kommt. Einmal als Heimteam und einmal als Auswärtsteam. 2005 hatte die NFL erstmals ein offizielles Spiel außerhalb des Stammterritoriums ausgetragen - da reisten die Arizona Cardinals und San Francisco 49ers nach Mexico City und spielten im Azteca Stadium vor 103,467 Zuschauern (so genau wurde gezählt). Vorbereitungsmatches haben schon des öfteren im Ausland stattgefunden. Und so ist für die New England Patriots und Seattle Seahawks nächsten August ein Abstecher nach Peking geplant.