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4. Oktober 2008

NHL-Saisonauftakt in Europa: Das Ego reist mit

Die NHL-Saison hat offiziell begonnen. In Stockholm und Prag. Das Konzept sieht jeweils zwei Begegnungen vor. In Schweden sind es die Pittsburgh Penguins und die Ottawa Senators, die sich beharken. In Tschechien die New York Rangers und Tampa Bay Lightning. Was die Kernfrage angeht – Was soll das, was bringt der Trip nach Europa? – halten sich die Gazetten und Internetseiten hierzulande eher zurück und haben sich entschieden, vor allem über die Action auf dem Eis zu berichten (Auftakt-Siege für New York und Pittsburgh). Und wenn sie mal etwas weiter ausholen, dann greifen sie wiederum nur in die Kiste mit den vielen Klischees. Wie meinte doch noch der Schwede Daniel Alfredsson, der bei den Senators den Captain gibt, über die Reise nach Göteborg und Stockholm? "Es ist unglaublich. Das wird vermutlich erst in Ottawa nächste Woche so richtig sacken, wenn ich ein bisschen entspannen und es genießen kann. Es war bisher eine großartige Erfahrung, ein enormer Ego-Trip für mich." Na, wie erhellend.

Auch Tampas Tscheche Vaclav Prospal schwärmt: "Das ist ein besonderes Gefühl, ein NHL-Spiel in meinem Heimatland und vor meinen Familienmitgliedern und allen Freunden auszutragen." Ja, prima. Gut für dich, Vaclav. Zumal es für ihn das Größte an der Reise sei, dass seine Mannschaftskollegen "eine Gelegenheit erhalten, um sehen zu können, woher wir kommen, und ein bisschen die Tschechische Republik kennenzulernen". Ja, stehen denn auch Ausflüge nach Theresienstadt, Lidice und Pilsen auf dem Programm? Werden Nachfahren des Prager Frühlings den Profis einen Vortrag über die Zeit damals halten? Oder hat sich vielleicht sogar ein Verwandter von Jan Palach gemeldet?

Unwahrscheinlich. Unwahrscheinlicher jedenfalls als die Ausdehnung der NHL nach Europa, worüber seit ein paar Tagen mal wieder gemurmelt wird. Die Verlockungen und Visionen sind ähnlich wie bei der NBA, die wirtschaftlich sehr viel stärker ist, aber im Vergleich einen geringeren Zufluss von Spielern aus Europa hat. Die Argumente gegen und für werden in beiden Fällen durch den gleichen Leierkasten gedreht.

Tatsächlich basieren die Wunschvorstellungen auf null Basisrecherchen. So bieten die denkbaren Landeplätze für beiden Ligen nicht annähernd die Ertragsaussichten, wie man sie in den amerikanischen Metropolen hat. 7 Millionen Schweden, 7 Millionen Schweizer, 10 Millionen Tschechen (wenn wir mal nur von den virustechnisch am stärksten angestochenen Ländern ausgehen), sollen die Fernsehgelder auftreiben, die man braucht, um solche Pläne zu finanzieren? Wer baut die modernen riesigen Hallen? Wie kann man verhindern, dass der Abzug/die Heimkehr von europäischen Talenten nicht gleichzeitig das Niveau der Mannschaften in Nordamerika reduziert? Fragen über Fragen. Schon jetzt fehlen der NHL der Nachschub der jungen Russen, die keinen Grund mehr sehen, ihre Heimat zu verlassen.

17. April 2008

Kasperletheater in Ottawa


Das Kasperletheater von Ottawa zeigt, was passiert, wenn man Profi-Sport als Gladiatorenveranstaltung verkaufen will. Wieso die Senators an dieser seltsamen Krankheit leiden, kann man schwer sagen. Es beginnt schon damit, dass sie ein Logo haben, das keinen römischen Senator darstellt, sondern einen Centurion der römischen Legion. Das heißt, statt sich an das geistige Niveau eines Senats der Ära Cicero heranzurobben, spielt man Krieg. Das wurde in diesem Jahr auf die einzig wahre Weise abgewimmelt: Durch die jungen Pittsburgh Penguins in der ersten Playoff-Runde, die Ottawa viermal klar das Heft (und die Kelle und das Schwert und den anderen Driss) aus der Hand nahmen. Für Christoph Schubert und Martin Gerber, die beiden Vertreter vom D-A-CH-Verband, heißt das: Jetzt sind Ferien.

28. Februar 2008

Wegen Erfolg gefeuert

Wenn das der neue Maßstab für das Leistungsvermögen von Trainern werden sollte, dann sollten sich schon mal einige ganz warm anziehen, die Mütze fest an den Kopf drücken und den Fallschirm falten. Was ist passiert? Die Ottawa Senators haben ihren Trainer John Paddock aus dem Stuhl gehievt, obwohl die Mannschaft in der Eastern Conference ganz weit oben rangiert. Aber nicht weit genug, wie der letztjährige Trainer meint, der nach dem Ende der Saison zum General Manager avancierte. Also kommandierte Bryan Murray sich selbst hinter die Bande und übernahm die gesamte Verantwortung für das Team, das mit Christoph Schubert im letzten Jahr bis ins Stanley-Cup-Finale kam. Kapitän Daniel Alfredsson war erst einmal ziemlich geschockt. Kein Wunder. Normalerweise werden Coaches wegen Erfolglosigkeit gefeuert.

27. Januar 2008

NHL-Gruppenreise nach Europa: Das Programm steht

Auf dogfood bei allesaussersport (wo wir uns die Infos geholt haben) wirkt das Programm für den nächsten Abstecher der NHL relativ rund. Die Kernansetzungen stehen: Pittsburgh Penguins gegen die Ottawa Senators in Stockholm und die New York Rangers gegen Tampa Bay Lightning in Prag (am 4. und 5. Oktober) und davor noch das erste Spiel um den neuen Victoria Cup zwischen den Rangers und Metallurg Magnitogorsk in der Schweizer Hauptstadt Bern (wo vorher noch ein Freundschaftsspiel zwischen den Rangers und dem SC Bern stattfinden soll). Im Gespräch ist wohl auch noch ein Match von einem Mitglied der Reisegruppe in Berlin. Mal sehen.

Was die Auswahl der Teams und der Spielstandorte angeht, wurden erstmals ganz vernünftige Kriterien berücksichtigt. Jagr und seine Landsleute bei den Rangers dürfen vor ihrem alten Heimpublikum spielen. Und zum ersten Mal wurd eauch die Schweizer Eishockeyleidenschaft belohnt. Die hat zwar bislang nur Torleute von nennenswertem Format für die NHL produziert, dürfte aber trotz mangelnder Durchsetzungskraft ihrer Abgesandten in der besten Liga der Welt dank ihrer Fans die ideale Zwischenstation für durchreisende Eishockeyclubs jedweder Art sein.

Ein Match (in der Schweiz ist das Match übrigens maskulin und heißt der Match) wie das gegen Bern wird allerdings auch einen ungeheueren optischen Kontrast produzieren. Europäische Eishockeyspieler wie die in Bern sind mit Werbeaufdrucken geradezu zugekleistert. Die Rangers tragen nur ein Logo: das der Rangers.

Zur Zeit wird das Problem: "Was hält die Spielergewerkschaft von den extracuriccularen Aktivitäten?" besonders in Kanada hochgespielt. Angeblich wurde bisher noch nicht mal der Victoria Cup von der Gewerkschaft abgesegnet. Kein Wunder, dass die Liga da erst mal vorgeprescht ist und nun die peinliche interne Kritik an ihrem Verhalten über sich ergehen lassen muss. Vernünftige Argumente, um das Projekt aufzuhalten, haben die Arbeitnehmervertreter nicht. Aber Klappern gehört zum Handwerk.

11. November 2007

NHL: Nächstes Jahr in Stockholm und Prag?

Die neue NHL-Saison ist erst ein paar Wochen alt (und hat erstaunlicherweise in New York für ein leichtes Einschaltquotenplus gesorgt), da spekulieren die ersten bereits über die Auslandsabstecher Anfang der nächsten Spielzeit. Die Ottawa Senators in Stockholm gegen? Die New York Rangers in Prag gegen? Die Überlegungen sind simpel: In Ottawa ist Daniel Alfredsson, ein Schwede, der Kapitän. In New York Jaromir Jagr. Dazu kommen seine Landsleute Marty Straka, Marek Malik, Michal Rozsival und Petr Prucha. Der Madison Square Garden ist sozusagen die Außenstelle der tschechischen Nationalmannschaft (via Deadspin und Going Five Hole).

Bei den Rangers erlebt der österreichische Verteidiger Thomas Pöck übrigens seine zweite Durststrecke innerhalb von zwei Jahren. Nachdem er zu Saisonbeginn meistens nur herumsaß und zuschauen musste, steht er mittlerweile im Farm Team in Hartford auf dem Eis. Ob das wirklich besser ist? Sein Landsmann Thomas Vanek, der jeden Monat die Dollars mit der Schubkarre abtransportiert, leidet in aller Öffentlichkeit. In Buffalo erwartet man, dass er Tore schießt. Was tut er? Er steht viel zu oft auf dem Eis, wenn die Sabres Tore kassieren.
Blick zurück: Der Monster-Vertrag für Thomas Vanek

6. November 2007

Wann geht der Junge endlich heim?

Es gibt Eishockeykarrieren in Nordamerika, die sind von Anfang nicht weiter bemerkenswert. Sicher, Hoffnungen machen sich alle. Aber irgendwann nimmt bei jedem die realistische Einschätzung des eigenen Könnens und der Umstände zu, und dann heißt es: geschickt pokern, planen und Leistung zeigen. Ich bin in der Vergangenheit schon häufiger Schweizer Spielern nachgereist - erst zu Michael Riesen nach Edmonton, dann zu David Aebischer nach Denver und schließlich - im Stanley-Cup-Jahr zu Martin Gerber nach Raleigh und den Carolina Hurricanes. Aber nirgendwo gab es die ganz große Erfolgsgeschichte. Riesen stand nur kurz in der ersten Mannschaft und wurde abgehalftert, obwohl er klug spielte. Seine Torquote war nicht gut genug. Aebischer wurde nach dem Rücktritt von Patrick Roy bei den Colorado Avalanche zuerst - nicht ohne Vorbehalte - zur Nummer eins ausgerufen. Es dauerte nicht lange, und er gehörte zu den Opfern einer knallharten Wirtschaftspolitik. Erst machte ihm die saisonlange Aussperrung einen Strich durch die Verhandlungskalkulationen. Und dann wurde er über Montreal nach Phoenix durchgereicht, wo er neulich einen 600.000-Dollar-Vertrag unterzeichnen konnte und kurz danach in die Farm-Team-Welt von San Antonio abgegeben wurde. Martin Gerbers Situation ist hier schon mal angeklungen. Er kämpft noch immer um seine Reputation, nachdem man ihm finanziell bei den Carolina Hurricanes und den Ottawa Senators ganz gut versorgt hat. Wie lange wird sich zeigen. Je mehr er (gut) spielt, desto wahrscheinlicher wird ein Tausch mit einem Westküsten-Club.

Aebischers Geschichte ist besonders traurig. Denn der 29-jährige hat fast seine gesamte Profikarriere vom Erfolg geträumt, musste viel Geduld üben und muss nun erleben, wie man ihn auf die kalte Art entsorgt. Kein Wunder, dass er sich Gedanken macht, in die Schweiz zurückzukehren. Obwohl: Mangel an guten Torleuten gibt es dort nicht. Meinen alten Bericht über ihn aus Facts findet man hier. Das Internet ist eine Fundgrube...

22. September 2007

Der Klingelbeutel: Trikottausch? Nicht möglich

Jemand, der die Philadelphia Eagles so sehr verehrt, dass er sich das Trikot auf die Haut pinseln lässt und nicht im Fanartikel-Laden kauft, wird es akzeptieren, dass die Mannschaft so schlecht ist wie schon lange nicht mehr. Am Sonntag geht es nach zwei Auftaktniederlagen gegen die Detroit Lions, die ein ganzes Jahrzehnt total Banane waren, aber derzeit mit zwei Siegen aus zwei Begegnungen ziemlich gut aussehen. Dieses Trikot kann man nicht gegen das der Lions tauschen, höchstens abwaschen (via The 700 Level).

Christoph Schubert ist zu gut für die Ottawa Senators. Nein, wirklich. Erst geben sie ihm einen Vertrag über drei Jahre und 2,65 Millionen Dollar, was lächerlich anmutet, wenn man sieht, was andere bekommen (und wofür). Jetzt schieben sie ihn einfach nur herum. Am liebsten würde er in der Verteidigung spielen. Aber er muss meistens erneut im Sturm ran. Im ersten Spiel der Vorsaison gegen die Montreal Canadiens hatte er zwei Vorlagen.

Dafür scheinen sie in Ottawa endlich einen Club gefunden zu haben, bei dem sie den Emmentaler Torwart Martin Gerber los werden können. Der Schweizer sitzt seit Monaten auf einem finanziell gut gepolsterten Stuhl und wartet darauf, wohin die Reise geht. Er hatte die ihm zugedachte Position des Torhüters Nummer eins verloren und ist mit 4,75 Millionen Dollar Gehalt pro Jahr als Ersatzmann zu teuer für die Senators, die an allen Ecken und Enden sparen müssen, um die Salary Cap nicht zu überschreiten. Das neue Team? Unbestätigt, aber wahrscheinlich die Los Angeles Kings. Damit wäre Gerber wieder ziemlich genau dort, wo er mal angefangen hat - als Nummer zwei bei den Anaheim Mighty Ducks (inzwischen nur noch Ducks genannt).

Krisenfall Notre Dame stürzt im College-Football weiter ins Nichts. Nach drei erbärmlichen Niederlagen in Folge zu Beginn der Saison (ohne einen von der Offensive produzierten Touchdown), folgte heute gegen Michigan State Lektion Nummer vier (14:34). Was kommt als nächstes? Purdue, UCLA, Boston College und USC, ehe die Marineoffiziersanwärter der Navy aus Annapolis anreisen. Was wird passieren? Notre Dame wäscht Trainer Charlie Weis, weißer geht' nicht.

Foto: flickr/creativecommons/bearklektor

24. Juli 2007

Gerber sitzt und wartet. Sparprogramm für Schubert

Die NHL kämpft wirklich um jeden Zuschauer. Ab der kommenden Saison auch im Internet, wo man für eine nicht bekannt gegebene Gebühr die Spiele verfolgen kann und anderen Video-Content anschauen. Nicht jeder kämpft um jeden. Der Schweizer Nationaltorhüter Martin Gerber zum Beispiel, der zur Zeit bei den Ottawa Senators unter Vertrag ist, aber auf der Bank versauert, würde gerne zu einem Team wechseln, das ihn als Nummer eins zwischen die Stangen stellt. Clubs in Kalifornien, wo Gerber bereits als Ersatzmann im Einsatz war, und Arizona wurde er bereits angeboten. Aber man lehnte dankend ab. Das Problem scheint vor allem das Gehalt zu sein. Dem Mann aus dem Emmental stehen für die nächsten zwei Jahre noch insgesamt 7,4 Millionen Dollar zu. So gut und teuer hatte man ihn eingeschätzt, nachdem er vor einem Jahr mit den Carolina Hurricanes (als Ersatzmann) den Stanley-Cup gewonnen hatte. Die unangenehme Situation für die Senators: Sie einigten sich soeben - unter dem Druck eines anberaumten Schiedsgerichtsverfahrens - mit ihrem ihren ersten Mann Ray Emery und garantierten ihm für die nächsten drei Jahre 9,5 Millionen Dollar. Zwei derart teure Goalies kann sich kein Team im Zeitalter der Salary Cap leisten. Weshalb Christoph Schubert auf ein Sparprogramm gesetzt wurde. Sein neuer Drei-Jahres-Vertrag sichert ihm insgesamt nur vergleichsweise läppische 2,65 Millionen Dollar zu. Wie hart Schubert für sein Geld arbeiten muss, zeigt dieses Video:

6. Juni 2007

Entenhausen steht Kopf: Anaheim gewinnt den Cup

Dies wäre der Ordnung halber zu vermelden, weil damit die NHL-Saison zu Ende ging: Die Anaheim Ducks besiegen im fünften Match der Serie in eigener Halle die Ottawa Senators mit 6:2 und holen sich den Pott. Ottawa mag zwar in der Auseinandersetzung qua Geographie als das kanadische Team gelten. In Wirklichkeit sind die Ducks (die am Anfang der Saison das Wort "Mighty" eingebüßt hatten) die kanadische Mannschaft. Kein NHL-Club beschäftigt soviele Profis aus dem Mutterland des Sports wie Anaheim. Scott Niedermayer wurde zum MVP ernannt. Er war der einzige, der den Stanley Cup schon mal gestemmt hatte (in New Jersey). Ausnahmetalente wie Teemu Selänne und Chris Pronger, denen auf ihren bisherigen Stationen der Erfolg verwehrt geblieben war, können nun ebenfalls beruhigt ihr Pferd besteigen und in den Sonnenuntergang reiten.

Hier noch ein Schlenker zu Ottawa, wo man nun vom nächsten Jahr träumt. Die Passage ist aus einem Text, der vor Beginn des Finales durch die Ritzen fiel:
"Wenn die Anhänger einer Sportmannschaft in Nordamerika nach eine Erklärung dafür suchen, weshalb ihr Club seit Jahrzehnten keinen Titel mehr gewonnen hat, kommt schon mal Aberglauben in Spiel. Es ist so viel einfacher, sich vorzustellen, dass ein Fluch auf einem Team lastet, als die tausend Gründe aufzulisten, die für den Mangel an Erfolg verantwortlich sind. In Ottawa, wo einst die besten Eishockeyspieler des Kontinents einen Stanley-Cup nach dem anderen gewannen, ist man deshalb irgendwann auch auf eine solche Vorstellung verfallen. Denn kaum hatten die Senators anno 1930 ihren überragenden Verteidiger Francis “King” Clancy (Foto) an ihren größten Rivalen, die Toronto Maple Leafs, verkauft, da gingen sie auch schon pleite. Und es dauerte bis 1992, ehe man in der kanadischen Hauptstadt wieder das Geld zusammen hatte, um eine Mannschaft für die National Hockey League auf die Beine stellen zu können.

Den Fluch soll damals der kleine Clancy ausgesprochen haben, weil er sich ärgerte, dass sein alter Club für ihn mehr Geld bekam, als er selbst verdiente. “Ich werde zwanzig Jahre tot sein, ehe ihr wieder den Cup stemmen könnt”, soll er Ottawas damaligem Trainer vor seiner Abreise zugerufen haben.

Den neuen Senators mit dem Emblem eines wehrhaften altrömischen Soldaten auf der Brust dürfte das nur Recht sein. Die zwanzig Jahre sind - nachdem Clancy 1986 gestorben war - vor kurzem abgelaufen."
Memo nach Ottawa: Kommt Zeit, kommt Cup.

5. Juni 2007

Alle, die mit uns auf Kaperfahrt gehen, müssen Männer mit Bärten sein...

Die Ottawa Senators haben nicht das Zeug zum Stanley-Cup-Sieger. Das konnte man in den ersten vier Spielen der Serie deutlich genug erkennen. Am Montag war es ganz besonders grausam. Da fehlte den Anaheim Mighty Ducks wegen einer Spielsperre Chris Pronger, einer ihrer besten Verteidiger, und trotzdem wirkten die Burschen aus der kanadischen Hauptstadt meistens klar schwächer. Körperlich schwächer und aufgrund mangelender Energiereserven auch mental und stocktechnisch schwächer. Das ist schade für den Münchner/Straubinger Christoph Schubert, der eine hervorragende Saison gespielt und die ihm zugeteilte Rolle als umgeschulter Angreifer im vierten Sturm sehr gut gelöst hat. Was den Senators auf gar keinen Fall hilft, sind ihre Playoff-Bärte, die sie natürlich genauso tragen wie die Mighty Ducks. Seit dreißig Jahren machen Eishockey-Profis das schon und hören nach dem Ende der Tabellenrunde mit dem Rasieren auf. Eine Form von Aberglauben, die längst ihren tieferen Sinn eingebüßt hat und nur noch lächerlich wirkt.

Zu den Ottawa Senators gab es am Montag in der Printausgabe er FAZ einen Beitrag von dieser Stelle aus. Kernzitat (mit leicht hellseherischen Andeutungen):
"Aber selbst eine Zwangspause von einem Match für Pronger wird den Senators nicht genügen, um der ruppigsten Mannschaft der gesamten Saison, die die meisten Strafminuten auf dem Konto hat, den Cup streitig zu machen. Ottawas Probleme manifestieren sich meistens dann, wenn das Team mit einem oder sogar mit zwei Mann mehr auf dem Eis Chancen herausarbeiten soll. Gegen die geschickte Verteidigung der Mighty Ducks findet sich kaum mal für Sekundenbruchteile eine Lücke für einen Schlagschuss aufs Tor."
Zum Thema Bärte und vor allem zu dem zunehmenden Angebot an Barbieren in den USA, die einem eine perfekte Nassrasur verabreichen, gab es neulich ebenfalls einen Text. Der lief zuerst in der Zeitschrift Capital und später in der Sonntagsausgabe der Südostschweiz, einer Zeitung, die in Chur herausgegeben wird. Dort kann man die Online-Version zwar auch nur lesen, wenn man sich die pdf-Datei herunterlädt. Aber es soll ja Menschen geben, die sich für ein Thema derart intensiv interessieren, dass sie das in Kauf nehmen.

26. Mai 2007

Stanley-Cup-Hoffnungen: Der Gerber-Effekt

Man kann den Stanley-Cup nicht auf so viele unterschiedliche Arten und Weise gewinnen. Hier eine kurze Liste: Man muss in den Playoffs 16 Spiele (in vier Runden) für sich entscheiden. Man darf sich von Niederlagen nicht beeindrucken lassen. Man muss endlos Energie mitbringen. Man darf sich nicht sehr viele herbere Verletzungen einhandeln. Man darf nicht so viele dumme Fouls begehen. Man muss Nerven für die Sudden-Death-Verlängerungen besitzen. Man braucht einen Torwart, der genau in dieser Phase unbezwingbar scheint. Und - so sagen ein paar Spötter- man braucht Martin Gerber auf der Ersatzbank. Das hat den Carolina Hurricanes im letzten Jahr sehr geholfen, die nach einem spannenden Halbfinale die verletzungsgeplagten Buffalo Sabres aus dem Weg räumten und dann wenig Federlesen mit den Edmonton Oilers machten. Martin Gerber sitzt in diesem Jahr bei den Ottawa Senators auf der Ersatzbank. Wieder ist der Mann aus dem Emmental der bestbezahlte Torwart im Team. Wieder hat er seine Position als Nummer eins an einen Jüngeren verloren. Diese Rolle scheint Gerbers Schicksal zu sein. Schon auf seiner ersten NHL-Station in Anaheim kam er an Stamm-Goalie Jean-Sebastian Giguere nicht vorbei (die schafften mit Gerber auf der Bank immerhin ins Finale). Übrigens: Mit zwei verschiedenen Clubs in zwei Jahren nacheinander den Pott zu gewinnen ist eine Kunst. Ab Montag geht es gegen die Anaheim Mighty Ducks. Ganz Kanada hofft...
Foto: flickr/creativecommons/robgrau

20. Mai 2007

Wenn ein Sender nicht mitzieht: NHL-Fans schauen dumm aus der Wäsche

"Man kann es nicht anders nennen: Das war extrem peinlich für die Liga. Ein entscheidendes Spiel in der Conference-Final-Serie, das fallen gelassen wurde, damit Leute über ein Pferd reden können, das letztes Jahr gestorben ist, und das Wetter in Pimlico." So lautete das vernichtende, wenn auch leicht kryptisch getextete Urteil auf der Webseite von Sports Illustrated über einen selten rüden Akt des Managements eines Medienunternehmens. Aber der Reihe nach:
Die Liga? Die National Hockey League.
Das entscheidende Spiel? Buffalo Sabres gegen Ottawa Senators um den Einzug ins Stanley-Cup-Finale.
Das Pferd? Barbaro - nicht vor einem Jahr gestorben, aber an selbiger Stelle aufgrund schwerster Knochenbrüche unrettbar verletzt und Monate später in der Klinik eingeschläfert.
Pimlico? Der Name der Rennbahn in Baltimore, auf der eines der bedeutendsten Galopprennen in den USA stattfindet - das Preakness, das zur Triple Crown gerechnet wird.
Das Medienunternehmen? Der Fernsehsender NBC, der seit Jahr und Tag die Olympischen Spiele überträgt und immer versucht, so etwas wie Klasse und Stil zu projizieren. Der aber die NHL nur für den Futtertrog der leeren Sendeplätze an Wochenenden bereit hält.
Das Problem - Teil 1? Die Sabres und Senators sind nach der regulären Spielzeit noch nicht fertig mit ihrem Match. In Baltimore warten die Reporter auf eine Schaltung. NBC gibt den Rest der Übertragung - und damit den wirklich spannenden Teil - an den Kabelkanal Versus ab, der seit zwei Jahren der Hauptabspielsender für Eishockey in den USA ist.
Das Problem - Teil 2? NBC kann jeder empfangen, Versus gibt es allenfalls in der Hälfte aller amerikanischen Haushalte, wenn nicht in noch weniger. Die Zuschauer nahe der kanadischen Grenze (etwa in Detroit oder auch in Buffalo) konnten auf kanadisches Fernsehen umschalten. So blieben ein paar übrig, die dumm aus der Wäsche schauten.

Wem soll man nun die Schuld an Angelegenheit geben? Bei SI hat Kollege Allan Muir das rasch bestimmt: Das hat die Liga verbockt, die den Spielplan leicht gestreckt hatte, um vom Freitag (keine NBC-Übertragungsmöglichkeit) auf den Samstag zu gehen und darauf zu hoffen, dass das Spiel in dem zugestandenen Zeitfenster bis zum Galopprennen entschieden ist. Der Liga kann man vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie eine Chance vertan hätte. Ihr Status bei den großen Sendern rangiert kurz über Bettler. Die Quoten sind seit Jahren nicht der Rede wert. Eishockey leidet - abgesehen von seinem unumstrittenen enormen Stellenwert in Kanada - im Rest von Nordamerika unter einem ganz normalen Symptom. Es interessieren sich immer nur die Menschen in den betroffenen Städten und Regionen für die Clubs, die im Fernsehen auftauchen. Der Rest der Nation reagiert mit Gähnen - selbst, wenn es wie am Samstag richtig spannend zugeht und das Spielniveau hoch ist. Als die Liga nach dem langen Tarifstreit die Vereinbarung mit NBC traf, konnte sie nicht mehr herausholen als dieses: NBC zahlt keine Garantien, sondern nur Anteile an den erzielten Werbeeinnahmen. So hatte man bei der NHL diesmal gar keine andere Wahl: Entweder man schiebt die Senators und Sabres ins Schaufenster und kassiert mit. Oder man verschenkt die Gelegenheit komplett und geht gleich ins Halbdunkel des Kabelsenders Versus.

Wie wird das in den kommenden Wochen beim Finale aussehen? Commissioner Bettman sagt, es sei kein Problem. Er habe mit NBC gesprochen. Die paar tausende Leute in den USA, die das betrifft, werden es ihm glauben müssen.

14. Mai 2007

Buffalos Säbel stumpf wie schon lange nicht mehr

Die Buffao Sabres haben sich die denkbar schlechteste Zeit des Jahres ausgesucht, um sich von einem Gegner wie den Ottawa Senators den Schneid abkaufen zu lassen. Nach zwei knappen Niederlagen zu Hause gab es heute abend Schlappe Nummer 3 - ein 0:1. So wie die Sache sich entwickelt, fährt die auf dem Papier beste Mannschaft der Saison in zwei Tagen aus Kanada zurück über die Grenze und kann nur noch die leeren Hände wringen. Im letzten Jahr war ebenfalls eine Runde vor dem Stanley-Cup-Finale Endstation (gegen den späteren Sieger Carolina Hurricanes). Diesmal sieht es nach dem gleichen Resultat aus. Wirtschaftlich ist das für den Club zu verschmerzen, obwohl ein paar mehr Heimspiele noch ein paar Millionen Dollar gebracht hätten. Denn das Team steht nach einer jahrelangen Krise inzwischen finanziell auf guten Fundamenten. Was sie im Sommer angesichts der engen Grenzen der Salary Cap tun werden und von wem sie sich trennen werden, lässt sich nicht abschätzen. D-A-CH-Verbandmäßig sieht die Sache so aus: Schubert (D) und Gerber (CH) spielen um den Cup. Vanek (A) und Hecht (D) können sich auf die Ferien freuen. Auf den Gegner werden die Senators noch eine Weile warten müssen. Zwischen den Detroit Red Wings und den Anaheim Mighty Ducks steht es 1:1. Und beide Mannschaften sind ausgeglichen genug, um die Serie in die Länge zu ziehen

6. Mai 2007

"Jouken Häscht" mit zwei Toren: Buffalo ist weiter

Für Thomas Vanek hatte Trainer Lindy Ruff am Ende nicht mehr viel übrig. Sein schneller Stürmer aus Graz brachte sich in der körperlich höchst anspruchsvollen Auseinandersetzung mit den New York Rangers einfach nicht genug ein und musste zuschauen. Dafür glänzte für die Buffalo Sabres ein gewisser Jochen Hecht aus Mannheim, der in den USA immer "Jouken Häscht" genannt wird. Zwei Tore zum 5:4-Erfolg, darunter ein abgefälschter halbhoher Schuss, bei dem er wie ein Zirkusartist geschickt seinen Stock ins Spiel brachte, waren sein Beitrag zu einem Spiel, das ein guter Test für die nächste Aufgabe war: Das Conference-Finale gegen die Ottawa Senators. Die Sabres haben mit ihrem 4:2 über die Rangers exakt das geschafft, wozu sie auch im letzten Jahr fähig gewesen waren - einem Platz unter den letzten vieren im Kampf um den dicken Pott. Vor zwölf Monaten litten sie ganz außerordentlich unter den verletzungsbedingten Ausfällen mehrerer Stammverteidiger. Diesmal können sie sich darauf nicht hinausreden, wenn es nicht klappt. Ottawa hat übrigens zwei Spieler vom D-A-CH-Verband: Martin Gerber im Tor, der seit Monaten nur noch von der Bank zuschaut, und Verteidiger Christoph Schubert, der zum Leistungsträger geworden ist. Wenn sich die Burschen nun noch rasieren würden. Aber damit ist nicht zu rechnen. Dieser unsinnige Brauch gehört zu den NHL-Playoffs einfach dazu. "Häscht" sieht in dieser Verkleidung aus wie ein Sohn von Mephisto.