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17. September 2009
Boston-Celtics-Mann will nach Washington – in den Kongress
Als Nachfolger für den unlängst verstorbenen Edward Kennedy im amerikanischen Senat bewerben sich zahlreiche Interessenten. Zu denen gehört auch der Miteigentümer der Boston Celtics. Der Mann heißt Stephen Pagliuca und ist Mitglied der Demokratischen Partei, deren Kandidaten in Massachusetts traditionell die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen. Mit anderen Worten: Die eigentliche Hürde für den Multimillionär, der nebenbei in den Vorständen von fünf anderen Firmen sitzt, sind deshalb die parteiinternen Vorwahlen. Seine Gegner sind langjährige Politiker. Im Kongress wäre Pagliuca nicht der einzige NBA-Mann. Dort sitzt seit 1988 Herb Kohl, der Besitzer der Milwaukee Bucks. Auch er ist Mitglied der Demokratischen Partei.
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17. Juni 2009
Sosa in der Falle
Sammy Sosa ist in Schwierigkeiten. Denn nachdem die New York Times gestern die begründete Vermutung publizierte, dass der Baseball-Profi 2003 genauso wie Alex Rodriguez bei anonym durchgeführten Dopingtests mit einem positiven Resultat erwischt wurde, interessiert sich der Kongress für ihn. Warum? In jenem legendären Hearing im Abgeordnetenhaus im Jahr 2005, als mehrere Spieler unter Eid aussagen mussten, hatte der ehemalige Home-Run-Held schlichtweg folgendes erklärt: “Ich habe mir nie etwas injiziert oder wurde von niemanden mit etwas injiziert. Ich habe weder die Gesetze der Vereinigten Staaten gebrochen noch die der Dominikanischen Republik [sein Heimatland]. Ich bin zuletzt 2004 getestet worden, und ich bin sauber." Des weiteren mimte er den Ausländer mit dem kräftigen spanischen Akzent, dem man verzeihen möge, dass er nicht alles richtig versteht und sich nicht in jedem Fall sehr gut ausdrücken kann.
Die Sätze klingen im Nachhinein ziemlich messerscharf gewählt. Vor allem dann, wenn sich Sosa statt per Spritze den Stoff oral verabreicht haben sollte, was man einst in der DDR hinreichend praktizierte. Dann hätte er nicht mal gelogen. Und die Feststellung, dass er keine Gesetze gebrochen habe, müsste man ihm als legitime Meinungsäußerung durchgehen lassen. Auch wenn der Besitz von nicht verordneten Anabolika in den USA damals strafbar war. Ein positives Testresultat aus dem Jahr 2003 wäre aber zumindest die Basis für den Vorwurf, dass er die Politiker unter Eid bewusst an der Nase herumgeführt haben könnte. In wie weit das justiziabel ist, wird man sehen.
In der Zwischenzeit sei die Lektüre dieser Kolumne von Rick Reilly anempfohlen, in der der ehemalige Sports-Illustrated-Autor beschreibt, wie er im Jahr 2002 Sosa in der Umkleidekabine ansprach und ihm anbot, mit ihm zu einem Labor zu gehen. Ziel: Herauszufinden, ob der Baseballprofi wirklich so sauber ist, wie er immer behauptet hatte. Was war an der Konfrontation so ungewöhnlich? Sosa hatte zuvor öffentlich posaunt, man könne ihn jeder Zeit testen. Reilly wurde jetzt noch einmal zu dieser Geschichte befragt, die damals viel Staub aufwirbelte.
Die Sätze klingen im Nachhinein ziemlich messerscharf gewählt. Vor allem dann, wenn sich Sosa statt per Spritze den Stoff oral verabreicht haben sollte, was man einst in der DDR hinreichend praktizierte. Dann hätte er nicht mal gelogen. Und die Feststellung, dass er keine Gesetze gebrochen habe, müsste man ihm als legitime Meinungsäußerung durchgehen lassen. Auch wenn der Besitz von nicht verordneten Anabolika in den USA damals strafbar war. Ein positives Testresultat aus dem Jahr 2003 wäre aber zumindest die Basis für den Vorwurf, dass er die Politiker unter Eid bewusst an der Nase herumgeführt haben könnte. In wie weit das justiziabel ist, wird man sehen.
In der Zwischenzeit sei die Lektüre dieser Kolumne von Rick Reilly anempfohlen, in der der ehemalige Sports-Illustrated-Autor beschreibt, wie er im Jahr 2002 Sosa in der Umkleidekabine ansprach und ihm anbot, mit ihm zu einem Labor zu gehen. Ziel: Herauszufinden, ob der Baseballprofi wirklich so sauber ist, wie er immer behauptet hatte. Was war an der Konfrontation so ungewöhnlich? Sosa hatte zuvor öffentlich posaunt, man könne ihn jeder Zeit testen. Reilly wurde jetzt noch einmal zu dieser Geschichte befragt, die damals viel Staub aufwirbelte.
1. April 2009
Tour d'horizon: Vom Boxweltmeister zum Sportswriter (über den Umweg Lolita)
Aus aktuellem Anlass ein Video über Jack Johnson, den ersten schwarzen Boxweltmeister im Schwergewicht (1908 bis 1915). Er saß ein Jahr im Gefängnis, weil er mit einer weißen Frau sexuelle Beziehungen hatte. Mit seiner eigenen Frau. Er wurde mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Senator John McCain, der im November die Wahl um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten gegen Barack Obama verloren hatte, kam auf die Idee, dass Johnson begnadigt werden soll, und will eine entsprechende Beschlussvorlage im Kongress einbringen. Das Projekt kommt ziemlich spät. Johnson starb 1946 im Alter von 68 Jahren.
Johnson war übrigens der erste Mensch, der wegen des Gesetzes (Mann Act, benannt nach dem Politiker, der es eingebracht hatte) verurteilt wurde. Die Erläuterungen zu diesem Gesetz auf der deutschen Wikipedia-Seite sind etwas knapp geraten (auch wenn die den interessanten Hinweis auf Chuck Berry und seine Verurteilung in den sechziger Jahren enthält). Ich empfehle zum besseren Verständnis der Thematik den englischsprachigen Eintrag. Er beschreibt die Erfahrungen von noch mehr, auch weißen Figuren wie Charlie Chaplin. Und er beschäftigt sich mit der Vermutung, dass Vladimir Nabokovs Roman Lolita möglicherweise auf einem echten Fall basiert, in dem ebenfalls der Mann Act eine Rolle spielte. Weltliteratur und das amerikanische Recht – was für eine Kombi...
An dieser Stelle möchte ich gerne abschweifen, weil mich die Recherchen zu Nabokov auf etwas gebracht haben, was mich ehrlich gesagt mehr fasziniert als ein weiterer klassischer Fall von Rassismus in den USA. Ich bin nämlich zu der Webseite des ehemaligen ZEIT-Redakteurs Dieter E. Zimmer gelangt, der sich intensiv mit dem Schriftsteller und noch akribischer mit Lolita beschäftigt hat. So bemüht er sich seit einigen Jahren darum, die fiktiven amerikanischen Orte in dem Roman (und davon gibt es sehr, sehr viele, weil die Figuren in der Geschichte enorm viel herumreisen) mit US-Echtorten abzugleichen. Das Angenehme an seiner Arbeit (und am Internet): Heute konnte ich zum ersten Mal sehen, dass auch Schauplätze darunter sind, die ich sehr gut kenne: das Interlaken Inn in Lakeville und die sehr ländlichen Litchfield Hills, in denen ich mich gewöhnlich am Wochenende aufhalte, um dem nervigen Dauergeräusch namens New York zu entkommen.
Die Gegend hat es nicht in viele Romane von Rang geschafft. Ich erinnere mich daran, wie Richard Ford den Landstrich im Sportreporter (Originaltitel: The Sportswriter) abgewatscht hat. Er verspottete unsere Gegend als "indecisive Judas country" und nur etwas für "second-rate editors and agents of textbook writers". Und so schickte er seine Hauptfigur, Richard Bascombe, bei seiner Haussuche aus Connecticut wieder weg und nach New Jersey. In einen Ort namens Haddam, der fiktiv ist, aber wohl die Universitätsstadt Princeton zum Vorbild hat.
Eine Kritikerin sah übrigens Grund, in ihrer Besprechung von Richard Fords drittem Buch seiner Bascombe-Trilogie (The Lay of the Land), Nabokov und Ford zueinander in Beziehung zu bringen. Ford und sein "dirty realism" schneiden nicht gut ab:
"Nabokov’s Humbert can drag Lolita up and down highways, into the beds of random hotel rooms, and his villainy is endlessly transfixing. Bascombe, on the other hand, is more like the windbag neighbor you dread running into at the curb while picking up your newspaper. Extending his own metaphor: Ford should’ve cracked the whip harder."
Ende der Tour d'horizon? Fast. Nur noch schnell zu Richard Ford, dessen Arbeit ich sehr schätze. Sein Großvater war Profiboxer. Und auch er hat in seiner Jugend geboxt. Als Journalist arbeitete er für das Magazin Inside Sports und widmete sich dem Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten, als das Magazin zumachte und er nicht von Sports Illustrated angeworben wurde. Er fungierte später als Autor der Einleitung des Bildbands The Fight.
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26. Februar 2008
Washington und Doping: Wird Sportbetrug gesetzlich definiert?
Es ist nicht ganz leicht, die Umstände und Entwicklungen rund um die Doping-Anhörungen im amerikanischen Kongress in einem Atemzug zusammenfassend und en detail zu beschreiben. Denn derzeit steht vor allem ein Mann im Schaufenster: Pitcher Roger Clemens, der damit rechnen muss, sich eine Anklage wegen Meineids einzufangen. In seinem Fall geht es weniger um die Frage, wie verbreitet war (und ist) Doping im Baseball, sondern um die moralische Dimension: Wer lügt? Clemens? Oder sein ehemaliger Fitnesstrainer, dessen Aussagen im Mitchell-Report eine großen Stellenwert erhalten haben?
Die Dynamik dieses Einzelfalls überschattet leider - ganz nach typischer Medienlogik - jede andere wichtige Facette des Themas. Selbst die großen amerikanischen Zeitungen werden in solchen Momenten von der alten Krankeheit befallen. Man möchte eher die Neugier anregen und lenken, anstatt sie durch vernünftige Sachinformationen zu befriedigen. Dabei brütet Bobby Rush, Demokrat aus Chicago und Vorsitzender eines Unterausschusses für Handel, Wirtschaft und Verbraucherschutz, derzeit einen Gesetzentwurf aus, dessen Einzelheiten nicht bekannt sind, die aber logischerweise nur in eine Richtung weisen können: dass Sportbetrug in den USA rechtlich definiert und gleichzeitig in den Stand eines Offizialdelikts erhoben wird.
Das nächste Hearing am morgigen Mittwoch wird uns vielleicht etwas mehr Einblick in die Rush'sche Gedankenarbeit geben. In Washington vorgeladen sind die Chef-Manager der großen Sportligen und ein paar Figuren aus der Ecke der Olympischen Sportarten. Zur Einstimmung sollte man vielleicht die Geschichte lesen, die in der gedruckten Ausgabe der FAZ erscheinen wird.
Die Dynamik dieses Einzelfalls überschattet leider - ganz nach typischer Medienlogik - jede andere wichtige Facette des Themas. Selbst die großen amerikanischen Zeitungen werden in solchen Momenten von der alten Krankeheit befallen. Man möchte eher die Neugier anregen und lenken, anstatt sie durch vernünftige Sachinformationen zu befriedigen. Dabei brütet Bobby Rush, Demokrat aus Chicago und Vorsitzender eines Unterausschusses für Handel, Wirtschaft und Verbraucherschutz, derzeit einen Gesetzentwurf aus, dessen Einzelheiten nicht bekannt sind, die aber logischerweise nur in eine Richtung weisen können: dass Sportbetrug in den USA rechtlich definiert und gleichzeitig in den Stand eines Offizialdelikts erhoben wird.
Das nächste Hearing am morgigen Mittwoch wird uns vielleicht etwas mehr Einblick in die Rush'sche Gedankenarbeit geben. In Washington vorgeladen sind die Chef-Manager der großen Sportligen und ein paar Figuren aus der Ecke der Olympischen Sportarten. Zur Einstimmung sollte man vielleicht die Geschichte lesen, die in der gedruckten Ausgabe der FAZ erscheinen wird.
1. Februar 2008
Senator will Antworten von der NFL
Nachdem gerade Major League Baseball mal wieder mitbekommen hat, wie ärgerlich und prestigeschädigend die Politiker in Washington sein können, wenn sie sich die schmutzige Wäsche einer Liga aus dem Korb angeln und daran herumschnüffeln, ist jetzt die NFL an der Reihe. Der Republikaner Arlen Specter, ein Senator aus dem Justizausschuss, will Aufklärung über die Werkspionage der Patriots und weshalb die NFL die fraglichen Videobänder vernichtet hat. Die Aktion wirkt ziemlich pedantisch, macht aber deutlich, dass die Liga eine enorme wirtschaftliche Macht besitzt. Der Kongress hat ihr eine Ausnahmestellung im Kartellrecht eingeräumt, die es für andere Unternehmen nicht gibt. Natürlich könnten die Abgeordneten dieses Privileg jeder Zeit wieder abschaffen. Specter drohte nicht damit, aber machte Andeutungen. Er sitzt ohnehin in der Minderheit und hat keine Handlungsvollmacht. Im US-Kongress sind die Ausschussvorsitzenden die Alleinherrscher in allen Belangen der Tagesordnung.
P.S.: In der Samstagausgabe der FAZ gibt es eine Betrachtung über Bill Belichick und die Patriots verbunden mit einem Hinweis zu einem Buch (Education of a Coach) von David Halberstam. Nachtrag: Inzwischen kann man die Geschichte auch online lesen.
P.S.: In der Samstagausgabe der FAZ gibt es eine Betrachtung über Bill Belichick und die Patriots verbunden mit einem Hinweis zu einem Buch (Education of a Coach) von David Halberstam. Nachtrag: Inzwischen kann man die Geschichte auch online lesen.
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11. Oktober 2007
Angst vor ansteckenden NASCAR-Fans
Macht NASCAR krank? Auf eine bestimmte Art wahrscheinlich schon. Sonst hätte der Kongressausschuss, der für das Department for Homeland Security zuständig ist, nicht seinen Mitarbeitern vorgeschrieben, sie müssten sich impfen lassen, ehe sie zwei Renntermine besuchen. Homeland Security - das sind die Leute, die für Amerikas innere und äußere Sicherheit verantwortlich sind. Das sind die, die Millionen von illegalen Einwanderern finden und abschieben sollen, aber nicht wissen, wo sie damit anfangen sollen. Das sind die, die Besuchern aus dem Ausland an der Grenze die Fingerabdrücke nehmen und die unsereins bei der Rückkehr immer fragen, wie lange man abwesend war. Die haben jetzt anscheinend auch die Rednecks an der Piste im Visier. Wovor gilt es sich zu fürchten? Hepatitis A, Hepatitis B, Tetanus, Diphterie und Grippe. Sollten da nicht auch die Zuschauer geimpft werden? (via Deadspin)
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