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17. Oktober 2009

Tyson entschuldigt sich bei Holyfield

Es ist keine aufregende Episode in der Geschichte einer brutalen Sportart. Aber irgendwie trotzdem bemerkenswert. Denn dass sich Frauen als Friedensstifter einmischen und ihr Millionenpublikum mit solchen Szenen abfüllen, hat es noch nicht gegeben. Also dann: Mike Tyson entschuldigt sich bei Evander Holyfield in der Talk-Show von Oprah Winfrey. Wir erinnern uns: Tyson hatte vor vielen Jahren Holyfield im Ring ein Stück vom Ohr abgebissen.

Ich habe mich eine Weile danach mit dem Ringrichter des Kampfs in Las Vegas unterhalten. Hier Auszüge aus dem Interview mit Mills Lane, der nach seinem Rücktritt als aktiver Kampfrichter eine erfolgreiche Gerichtssendung mit dem Titel Judge Mills Lane hatte:

Haben Sie jemals gedacht, Sie wuerden sich eines Tages mitten in einer Kontroverse befinden, über die die ganze Welt spricht?

MILLS LANE: Nein. Aber du spielst im Leben die Karten, die ausgeteilt worden sind, und machst das beste daraus.

Sie sind damals kurzfristig nominiert worden, nachdem das Tyson-Lager einen Ihrer jüngeren Kollegen abgelehnt hat.

MILLS LANE: Ja. Er hat verzichtet, weil er nicht wollte, dass er im Mittelpunkt steht.

Vermutlich eine gute Idee...

MILLS LANE: Er wäre in einer schwierigen Situation gewesen.

Zum Glück stand mit Ihnen einer der besten Ringrichter in Amerika zur Verfügung.

MILLS LANE: Ich halte mich nicht für den besten, aber ich gehöre sicher zu den Top-Leuten. Und ich war körperlich und mental in Form.

Haben Sie eine Ahnung, weshalb Boxer im Ring durchdrehen?

MILLS LANE: Nein. Aber in meiner aktiven Zeit habe ich erlebt, wie es einem ergehen kann, wenn man einen Kopfstoß abbekommt und die Augen zuschwellen. Es tut weh.

Tyson war die rechte Augenbraue aufgeplatzt. Er behauptete hinterher, Holyfield habe ihn bewusst verletzt. Wie haben Sie den Kampf gesehen?

MILLS LANE: Es ging ziemlich rauh zu. Aber der Kopfstoß war meiner Meinung nach unabsichtlich. So etwas passiert bei Leuten mit dem Box-Stil von Tyson und Holyfield andauernd.

Was sagen Sie zu Tysons Rechtfertigung?

MILLS LANE: Nur soviel: Nach solch einem Kampf kommt der wahre Charakter eines Menschen sehr schnell ans Tageslicht.

Haben Sie mal mit ihm über den Vorfall geredet?

MILLS LANE: Nein. Als Ringrichter hält man so viel Abstand wie möglich von den Boxern und ihrem Umfeld.

Ein Boxer wie Tyson fasziniert die Zuschauer. Weshalb eigentlich?

MILLS LANE: Boxen ist das Grundmodell für jede Form von Auseinandersetzung. Einer gegen einen. Faust um Faust. Es entspricht einem Grundverständnis im Menschen.

Aber ohne den dritten Mann im Ring geht es nicht.

MILLS LANE: Absolut. Jemand muss dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden und die Integrität des sportlichen Zweikampfs gewahrt bleibt. Ohne den Ringrichter wäre das Ganze nur eine Wirtshausschlägerei.

Post scriptum: Mills Lane erlitt 2002 einen Gehirnschlag und kann seitdem kaum sprechen.

1. April 2009

Tour d'horizon: Vom Boxweltmeister zum Sportswriter (über den Umweg Lolita)


Aus aktuellem Anlass ein Video über Jack Johnson, den ersten schwarzen Boxweltmeister im Schwergewicht (1908 bis 1915). Er saß ein Jahr im Gefängnis, weil er mit einer weißen Frau sexuelle Beziehungen hatte. Mit seiner eigenen Frau. Er wurde mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Senator John McCain, der im November die Wahl um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten gegen Barack Obama verloren hatte, kam auf die Idee, dass Johnson begnadigt werden soll, und will eine entsprechende Beschlussvorlage im Kongress einbringen. Das Projekt kommt ziemlich spät. Johnson starb 1946 im Alter von 68 Jahren.

Johnson war übrigens der erste Mensch, der wegen des Gesetzes (Mann Act, benannt nach dem Politiker, der es eingebracht hatte) verurteilt wurde. Die Erläuterungen zu diesem Gesetz auf der deutschen Wikipedia-Seite sind etwas knapp geraten (auch wenn die den interessanten Hinweis auf Chuck Berry und seine Verurteilung in den sechziger Jahren enthält). Ich empfehle zum besseren Verständnis der Thematik den englischsprachigen Eintrag. Er beschreibt die Erfahrungen von noch mehr, auch weißen Figuren wie Charlie Chaplin. Und er beschäftigt sich mit der Vermutung, dass Vladimir Nabokovs Roman Lolita möglicherweise auf einem echten Fall basiert, in dem ebenfalls der Mann Act eine Rolle spielte. Weltliteratur und das amerikanische Recht – was für eine Kombi...

An dieser Stelle möchte ich gerne abschweifen, weil mich die Recherchen zu Nabokov auf etwas gebracht haben, was mich ehrlich gesagt mehr fasziniert als ein weiterer klassischer Fall von Rassismus in den USA. Ich bin nämlich zu der Webseite des ehemaligen ZEIT-Redakteurs Dieter E. Zimmer gelangt, der sich intensiv mit dem Schriftsteller und noch akribischer mit Lolita beschäftigt hat. So bemüht er sich seit einigen Jahren darum, die fiktiven amerikanischen Orte in dem Roman (und davon gibt es sehr, sehr viele, weil die Figuren in der Geschichte enorm viel herumreisen) mit US-Echtorten abzugleichen. Das Angenehme an seiner Arbeit (und am Internet): Heute konnte ich zum ersten Mal sehen, dass auch Schauplätze darunter sind, die ich sehr gut kenne: das Interlaken Inn in Lakeville und die sehr ländlichen Litchfield Hills, in denen ich mich gewöhnlich am Wochenende aufhalte, um dem nervigen Dauergeräusch namens New York zu entkommen.

Die Gegend hat es nicht in viele Romane von Rang geschafft. Ich erinnere mich daran, wie Richard Ford den Landstrich im Sportreporter (Originaltitel: The Sportswriter) abgewatscht hat. Er verspottete unsere Gegend als "indecisive Judas country" und nur etwas für "second-rate editors and agents of textbook writers". Und so schickte er seine Hauptfigur, Richard Bascombe, bei seiner Haussuche aus Connecticut wieder weg und nach New Jersey. In einen Ort namens Haddam, der fiktiv ist, aber wohl die Universitätsstadt Princeton zum Vorbild hat.

Eine Kritikerin sah übrigens Grund, in ihrer Besprechung von Richard Fords drittem Buch seiner Bascombe-Trilogie (The Lay of the Land), Nabokov und Ford zueinander in Beziehung zu bringen. Ford und sein "dirty realism" schneiden nicht gut ab:
"Nabokov’s Humbert can drag Lolita up and down highways, into the beds of random hotel rooms, and his villainy is endlessly transfixing. Bascombe, on the other hand, is more like the windbag neighbor you dread running into at the curb while picking up your newspaper. Extending his own metaphor: Ford should’ve cracked the whip harder."

Ende der Tour d'horizon? Fast. Nur noch schnell zu Richard Ford, dessen Arbeit ich sehr schätze. Sein Großvater war Profiboxer. Und auch er hat in seiner Jugend geboxt. Als Journalist arbeitete er für das Magazin Inside Sports und widmete sich dem Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten, als das Magazin zumachte und er nicht von Sports Illustrated angeworben wurde. Er fungierte später als Autor der Einleitung des Bildbands The Fight.

25. März 2009

Der Klingelbeutel: Schluck aus der Pulle

• Der Schlüsselbeinbruch von Lance Armstrong, den er sich am Montag bei einem Sturz in Spanien zugezogen hatte, ist etwas komplizierter als zunächst diagnostiziert und muss operiert werden. Trotzdem will der Amerikaner den Giro fahren.

• Kai Pahl von allesaussersport twittert schon wieder mit einer Energiestufe, als wäre ihm im Krankenhaus in Hamburg ziemlich langweilig. Der Mann, der unter dem Aliasnamen dogfood bloggt, hat zwar bisher nur angedeutet, wie massiv der Eingriff war, dem er sich unterziehen musste. Aber aus den Andeutungen lässt sich schlussfolgern, dass es keine simple laparoskopische Operation gewesen ist, wie sie bei schlichteren Gallenproblemen vorgenommen wird. Der Mann, dessen Blog-Motto lautet "Gepinkelt wird nur in der Halbzeit", hat im Hospital eine neue Erfahrung gesammelt. Gepinkelt wird da nach Operationen vor allem im Bett – in eine sogenannte Urin-Ente. Und zwar auch dann, wenn plötzlich Besucher ins Zimmer kommen. Abgesehen von solchen Situationen: Weiterhin gute Besserung von dieser Stelle aus.

• Die Parallele, die Klaus Höltzenbein in der Süddeutschen Zeitung zwischen den Problemen im Profisport und denen in der Finanzindustrie skizziert hat ("...beide Geschäftsmodelle wucherten über viele Jahre hinweg nahezu unkontrolliert: das Modell der Banker, das niemand mehr verstand, und das der Sportfürsten, die das obskure Privileg genossen, sich untereinander kontrollieren zu dürfen - ohne Furcht vor Prüfung von außen"), hat mehr Aufmerksamkeit verdient. Vielleicht nicht sofort, denn Wall Street und seine Satelliten weltweit absorbieren momentan ein erhebliches Maß an Energie und Aufmerksamkeit (und Geld). Aber möglichst bald. Vermutlich befindet sich der Sport in einem weit schlimmeren Zustand als AIG und Konsorten, deren Fehlleistungen allmählich immer klarer werden (ich habe just zu dem Thema einen Beitrag für das Magazin FELDHommes geschrieben, das in ein paar Tagen an die Kioske kommen wird). Denn es mangelt an einem Minimum an Aufsicht. Pleitegeier sind bereits im Anflug. Hübsch die Nachricht aus Arizona von den Phoenix Coyotes, die (noch) in der NHL spielen. Da gibt man inzwischen auf die kurioseste Art und Weise Eintrittskarten ab. Zum Beispiel an Leute, die eine Flasche Wodka kaufen.

• Japan hat das Länderturnier namens World Baseball Classic gewonnen, das ein paar Trends andeutete: Kuba hat nachgelassen. Und die Niederlande sind in der Lage, eine Mannschaft wie die aus der Baseball-Hochburg Dominikanische Republik zu schlagen. Sogar zweimal. Über die amerikanische Mannschaft muss man nicht viele Worte verlieren. So kurz vor Beginn der Saison in der MLB nimmt kaum jemand den Wettbewerb ernst. Nicht die guten Spieler. Und auch nicht das Publikum. Ja, wenn A-Roid gespielt hätte....

• Witali Klitschko hat sich mit seinem Sieg vom Wochenende wieder in den USA ins Gespräch gebracht. Das müde Box-Business braucht dringend Buzz. Aber eine solche Diskussion wird solche Geräusche wohl nicht provozieren.

29. Dezember 2008

Der Klingelbeutel: Wo sich die Balken biegen

• Ein paar Jahre, nachdem die NBA und die NFL ihren eigenen Fernsehkanal an den Start gebracht haben, kommt MLB Network. Ab dem 1. Januar. Und angeblich in 50 Millionen amerikanischen Haushalten. 1. Januar? Seit wann ist das ein wichtiger Termin im Baseball-Kalender?

• EPO und Anabolika im Boxen, was kaum jemand bestreiten würde, aber gerne unter den Teppich gekehrt wird. Diesmal fliegen wahrscheinlich sogar die Fetzen. Victor Conte, der einst als BALCO-Betreiber die erste und beste Adresse für dopende Sportler aus allen Disziplinen war, muss sich diesmal gegenüber Shane Mosley wehren. Vor Gericht.

• Wind im Winter produziert kuriose Bilder aus der Welt des Sports. Das Foto der Woche entstand in Buffalo, wo sich die Goalposts verbogen. Zuviel Wind.

17. Juli 2008

Erinnerungen an ein Denkmal der Sportgeschichte

Das All-Star-Spiel im Baseball am Dienstag war Anlass für eine Reminiszenz auf das Yankee Stadium, das nach dem Ende der Saison irgendwann im kommenden Winter abgerissen wird. Den Text gibt es hier. Es hätte noch sehr viel mehr zu erzählen gegeben. Denn das Stadion ist uralt und war der Austragungsort für eine enorme Menge von unterschiedlichen Veranstaltungen. So fehlen denn auch Hinweise auf Muhammad Ali oder den College-Football mit dem Duell zwischen Army und Navy. Man hätte auch erwähnen können, wie das erste Spiel der Yankees nach dem Doppelanschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 die Stimmung und das Gemeinschaftsgefühl in der Stadt widerspiegelte. Aber Zeitungsartikel sind keine Buchbeiträge.

Bei den Recherchen fiel mir auf, dass es übrigens gar nicht so abwegig ist, die Arena in die Reihe mythischer ausländischer Sportstätten mit markantem deutschen Bezug mit Wankdorf (WM-Finale 1954) und Wembley (WM-Finale 1966) zu stellen. Und das gar nicht mal, weil die Halbgötter der Yankees – Babe Ruth und Lou Gehrig – deutscher Abstammung waren. Es sind eher die beiden Boxkämpfe zwischen Jou Louis und Max Schmeling 1936 und 1938, die beide live im Radio über Kurzwelle nach Deutschland gingen und damals von Millionen verfolgt wurden, die diesen Bezug nahelegen. Zum zweiten Fight, bei dem es um die Weltmeisterschaft ging, hat der amerikanische Journalist David Margolick 2005 ein Buch veröffentlicht, das auch auf Deutsch erschienen ist. Titel: Max Schmeling und Joe Louis - Kampf der Giganten - Kampf der Systeme.

Ich habe Margolick damals getroffen und wir haben uns angeregt über seine Arbeit unterhalten. Darin schildert er nicht nur en detail die Begleitumstände des Kampfes von 1938, bei dem Schmeling in der ersten Runde KO ging. Sondern er kratzt ganz erheblich am Lack der in Deutschland üblichen unkritischen Verehrung für das Boxidol. Ein Ausschnitt aus dem Interview, das damals in der FAZ erschien (nicht online verlinkt):

Es gibt kaum einen populäreren deutschen Sportler als Max Schmeling. Was haben die Amerikaner für Probleme mit ihm?

MARGOLICK: Erstens war er der erste Schwergewichtsweltmeister, der seinen Titel gewann, indem er auf dem Rücken lag und sich beschwerte. Er galt als illegitimer Champion. Zudem wurde Schmeling als Hitlers Lieblingsboxer gesehen, ein Nazisympathisant, wenn nicht sogar ein Nazi. Im Ring wirkte er teutonisch, methodisch, langweilig. Dieser Mythos hielt sich bis nach dem Krieg, als ihm jahrelang die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert wurde. In der jüngeren Vergangenheit ist dann der dritte Mythos entstanden: das Klischee des rechtschaffenen Menschen, eine Stauffenberg-Figur, der sich gegenüber Hitler behauptete, seinen jüdischen Manager behielt und alle möglichen Juden rettete. Das alles sind Klischees, und sie sind alle falsch.

Was ist denn Ihre Analyse, nachdem Sie mehrere Jahre lang Zeitungsarchive ausgewertet und Zeitzeugen interviewt haben?

MARGOLICK: Ich sehe ihn als Chamäleon. Erst ist er ein Held der Intellektuellen in der Weimarer Republik. Als die fliehen, paßt er sich an Nazi-Deutschland an. Und nach dem Krieg wird er zur Verkörperung des Wirtschaftswunders und zum Millionär. Es gibt nicht viele Menschen, die sich so mühelos von einem Kulturkreis zum anderen bewegen können.

Mit anderen Worten ein klassischer Mitläufer?

MARGOLICK: Ja. Aber er war besser als jeder andere Deutsche seiner Generation in der Lage, sich öffentlich zu äußern. Er war einer der berühmtesten Sportler der Welt. Er verdiente sein Geld in Amerika. Er hatte viele jüdische Freunde. Aber kaum war Hitler an der Macht, hat Schmeling ihn reingewaschen. Er hat die amerikanische Presse angelogen, als er erklärte, er habe noch nie Hitler getroffen. Nur wenige Wochen nach der Machtübernahme kam er herüber und sagte, alles sei bestens. Jeder habe Arbeit. Deutschland sei ruhig. Als die Amerikaner kurz davor standen, die Olympischen Spiele 1936 in Berlin zu boykottieren, hat er sich für das Regime verbürgt.

24. Februar 2008

Boxfans wandern ab zu Ultimate Fighting

Auf seine eigene hässliche Weise ist Randy Couture eine Legende. Das liegt nicht an seinem Namen. Der erinnert an weiche Stoffe und feminine Züge und wäre deshalb in seinem Milieu eher ein Grund zum Spott. Es liegt an der Art, wie er andere Männer behandelt. Wie etwa im August, als er nach wenigen Minuten in einem Kampf einen jüngeren Gegner hochhob und als sei er ein kraftstrotzender Kerl aus einem Videospiel einfach zu Boden schleuderte und gleich noch mit einem Kopfstoß die Nase brach. Der Amerikaner, der einst als Ringer im Griechisch-Römischen Stil angefangen hatte, ist zwar bereits 44 Jahre alt. Aber mit seiner Technik und seiner Kraft wirkt er auch heute noch in der Auseinandersetzung mano-a-mano so gut wie unbezwingbar.

Den Eindruck muss auch sein Promoter Dana White gewonnen haben. Sonst hätte er nicht vor kurzem vor einem Gericht in Las Vegas eine Klage gegen seinen besten Mann eingereicht. Couture hatte sich öffentlich darüber beschwert, dass er nicht genug Geld bekommt, wenn er sich für den erfolgreichen Manager und dessen Ultimate Fighting Championship in den Ring begibt. Und wenn es einen Grund gibt, weshalb sich Randy Couture im Training quält, dann ist es dieser: Dollars und zwar im großen Stil. Bei dem Streit geht es aber nicht nur um Millionen, sondern auch um die Wahrheit. Und um das Image von Ultimate Fighting, einem Phänomen, das am dunklen Rand des Sportgeschäfts in den USA einen erstaunlichen Erfolg erlebt.

Ein Teil der Wahrheit lautet: Allein im vergangenen Jahr schalteten bei den UFC-Veranstaltungen, bei denen riesige und bärenstarke Männer in einem achteckigen Drahtkäfig aufeinandertreffen, im Schnitt mehr als 800 000 Amerikaner aus der von der Werbewirtschaft so begehrten Altersgruppe der 18- bis 34-jährigen ihre Fernsehapparate ein, um die blutigen Prügeleien zu verfolgen. Ein Wert, der vergleichbare Zahlen der National Basketball Association aus der regulären Saison übertrifft.

Ein anderer Teil der Wahrheit ist: Die genaue Bezeichnung der Disziplin ist nebulös. Die meisten nennen sie Mixed Martial Arts oder auch kurz MMA, weil in ihr eine eigenartige Mischung von Kampfstilen zusammenkommt: Boxen, Kickboxen, Judo und Ringen. Schläge und Tritte sind genauso erlaubt wie Würgegriffe. Seit seinen kruden Anfangen vor knapp 20 Jahren wurden die Regeln präzisiert (kein Beißen, keine Attacken auf Augen, Fingergelenke und die Genitalien). Und es wurden Gewichtsklassen eingeführt, um Chancengleichheit herzustellen. So ist Couture der amtierende Schwergewichtsweltmeister.

Aber an der Prämisse hat sich nichts geändert. Das Risiko, das einem der Gegner mit seinen fingerlosen leichten Handschuhen die Zähne einschlägt oder einen Arm auskugelt, ist nachwievor groß, und sicher einer der Gründe, weshalb immer mehr Neugierige Eintrittskarten kaufen und vom Boxen abwandern, das seit langem in den USA eine wirtschaftliche Durststrecke erlebt. Wie stark die zehrt, zeigte sich am Samstag beim Kampf von Wladimir Klitschko im Madison Square Garden von New York. Nicht nur war die Arena nicht ausverkauft. Der Ukrainer aus Deutschland hatte mal wieder so geboxt, "ohne dass ihm auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre", berichtete Boxkenner Hans-Joachim Leyenberg in der FAZ aus New York unter der Überschrift "Pfiffe und Buhrufe für den Weltmeister". Auch diese Zuschauer wandern demnächst sicher in Richtung Ultimate Fighting ab. Denn dort wird noch richtig zugeschlagen.

Der Erfolg erinnert viele Beobachter an den Boom der Automobilrennserie NASACR. Was jedoch bei solchen Vergleichen gerne verschwiegen wird: Mixed Martial Arts bietet ähnlich wie NASCAR vor allem weiße Protagonisten auf. Die amerikanische Boxwelt hingegen ist das Zuhause von schwarzen Kämpfern - und in den unteren Gewichtsklassen von Latinos.

Es gibt mittlerweile drei Verbände - Ultimate Fighting Championship (UFC), Bodog Fight und die International Fight League. Die bekannteren Kämpfer verfügen über hinreichend Renommee, um ihre eigenen Nahrungsergänzungsmittel oder Bekleidungslinien auf den Markt zu bringen. Aber trotz des wachsenden Publikumszuspruchs hängt der Disziplin noch immer ein schlechter Geruch an. So weigert sich etwa die New York State Athletic Commission die Duelle offiziell zu sanktionieren. Und Boxexperten schauen von ihrem hohen Ross auf den vermeintlich kleinen Bluts-Bruder herab. Weltmeister Floyd Mayweather Jr. prahlte neulich, dass jeder begabte Boxer einen Ultimate Fighter K.O. schlagen würde. “Die können nicht boxen. Deshalb sind sie in der UFC.”

Die Betroffenen nehmen solche Kommentare meistens mit einer erstaunlichen Gelassenheit. “Kurioserweise betrachtet man MMA oft als unkomplizierten Sport”, sagt Greg Jackson, der in Albuquerque eine Gruppe von Kämpfern managt. “Es ist eher so etwas wie dreidimensionales Schach.” Worauf er anspielt, sind die Grundlagen, die austrainerte Ultimate Fighter besitzen müssen. Matt Hughes, ein ehemaliger UFC-Weltergewichts-Champion, beschreibt das Training so: “Man läuft einen Marathon, während man auf einem Stier reitet." Die besten verfügen über enorme Ausdauer, Zähigkeit, Furchtlosigkeit und ein explosive Schlagkraft. Selbst einflussreiche Politiker wie Harry Reid, der Senator aus Nevada, der im Senat in Washington als Fraktionsvorsitzender der Demokraten amtiert und einst als Amateurboxer im Ring stand, entwickeln Sympathien für die Ausübung solch roher Gewalt: “Das ist besser, als ich dachte”, sagte er letzten Sommer, nachdem er in der ausverkauften Arena des Mandalay Bay Casino-Hotels in Las Vegas zusammen mit 11 000 Zuschauern zum ersten Mal einen Kampf verfolgt hatte.

Die UFC-Promoter wollen angesichts der wachsenden Popularität denn auch neue Märkte in Europa erobern. Der Boden dafür scheint bereits mancherorts gut gedüngt. So hat eine aus Japan stammende Variante der Schlag-Show namens “Shidokan” in Deutschland Fuß gefasst. Sie produziert sogar Weltmeister wie Peter Angerer, ein ehemaliger Polizeibeamter aus Baden-Württemberg. Der hatte mit Taekwondo und Karate angefangen und sich anschließend in Japan und den USA getummelt. Inzwischen versteht er sich als Missionar der Disziplin, baut Trainingszentren und fördert Talente. Seinen Titel verlor er im letzten Sommer.

Dass der Vorzeige-Kämpfer Randy Couture allerdings bei dieser Kampagne dabei sein wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Nicht weil er und die UFC-Leute zur Zeit zerstritten sind. So etwas gehört zu den rohen Sitten des Milieus und kannn jederzeit gekittet werden. Doch in seinem Alter stoßen selbst die Stärksten irgendwann an die Grenzen der Biologie.

23. Dezember 2007

Abgestellt auf dem Nebengleis


Unbesiegt. Das ist im Profiboxen der Goldstandard für aufkeimende Hoffnungen, hochfliegende Träume und die ganze heiße Luft dazwischen. Unbesiegt ist das, was Manager brauchen, um sich irgendwann eine Chance auf einen großen Zahltag gegen einen Titelträger auszurechnen. Weshalb bei der Karriereplanung schon früh immer ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl der richtigen Gegner gelegt wird. Widerstandsfähig sollen sie sein, aber auch schlagbar.

In Berlin lebt ein Boxer namens Manuel Charr (eigentlich Machmoud Omeirat Charr), der nach dieser Formel im Schwergewicht noch nach ganz oben kommen will. Er hat als Kickboxer angefangen, ist dann aber vor zwei Jahren zu Ulli Wegener gewechselt - ins klassische Metier - und hat seitdem sieben Gegner abgefertigt. Das Problem sind aber nicht die Kämpfer im Ring. Charr ist der Sohn illegaler Einwanderer aus dem Libanon und darf offiziell in Deutschland gar nicht arbeiten. Und so hat er in den bisherigen Kämpfen zwar viel Schweiß lassen müssen, aber entlohnt wurde er dafür nicht.

Dann wurde er auch noch im letzten Jahr in eine Messerstecherei verwickelt. Das sei inzwischen abgehakt, sagte er in einem Interview mit der amerikanischen Boxer-Webseite Eastside Boxing. Trotzdem darf er offensichtlich nicht das Land verlassen ("wegen meiner Reisepass-Probleme"). So stehen die Ambitionen des 22jährigen vorläufig auf einem Nebengleis. Seit 18 Monaten gab es keinen Fight mehr für ihn. Inzwischen hat er den Sauerland-Boxstall verlassen und ist zur Konkurrenz von Universum abgewandert. Da lässt er jetzt die beiden musculi pectoralis major tanzen und macht Eindruck im Gym. Mehr geht nicht, um die die Amerikaner zu beeindrucken, die sich über einen Araber bestimmt sehr freuen würden. Nichts kann man besser vermarkten als Bösewichter im Boxen.

23. Oktober 2007

Der Klingelbeutel: Ali und ein Humidor für Basebälle

Die Amateur-Box-WM in Chicago hat angefangen. Muhammad Ali kam zur Eröffnung. In der heutigen FAZ gab es aus diesem Anlass einen Artikel, der beschreibt, weshalb die Veranstaltung in den USA gelandet ist: Chicago sprang ein, als sich Moskau als überfordert erwies. Der Grund: Die Stadt bewirbt sich für Olympia 2016 und will zeigen, dass sie eine Großveranstaltung aus dem Ärmel schütteln können. Morgen in der FAZ: Ein Bericht über den jungen General Manager der Boston Red Sox namens Theo Epstein zum Auftakt der World Series gegen die Colorado Rockies. Es ist nicht der erste Baseball-Artikel der letzten Tage. In der vergangenen Woche erschien der Bericht über den Humidor, in dem man in Denver die Bälle bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent lagert. Warum? Die Luft in der Höhe von Colorado ist so trocken, dass man ohne diese Maßnahme die Bälle andere Flug- und Abpralleigenschaften besitzen. Das Problem ist dabei nicht mal die extreme Situation in Denver, sondern dass die Spieler der Rockies sich auswärts immer umstellen mussten, ehe diese Neuerung eingeführt wurde. Man darf spekulieren. Aber womöglich hat der anhaltende Erfolg der Mannschaft auch damit zu tun, dass sie seit ein paar Jahren mit diesen feucht gehaltenen Bällen spielt. Der Erfinder des Systems war der Hauselektriker.

14. Oktober 2007

Holyfield: Das wird nichts mehr

Vielleicht fängt Evander Holyfield jetzt endlich an, sich auf seine wirklichen Probleme zu konzentrieren. Nachdem er seinen Wagen nicht bei eBay los wurde und ihn die Staatsanwaltschaft in Sachen Doping am Wickel hat. Denn das mit dem WM-Titel wird ja wohl nichts. Holyfield verlor in Moskau gegen Sultan Ibragimow - nach Punkten. Jemand, der den Kampf gesehen hat, schrieb: Der Amerikaner, der nächste Woche 45 Jahre alt wird, habe nie eine Chance gehabt, das Ding zu gewinnen.

19. September 2007

Der Klingelbeutel: Boxer, Bierbrauer, Baseball und ein Spiel im Freien

Es war schon länger mal an der Zeit, eine Rubrik einzuführen, die den Kleinkram einfängt, der sonst unter den Tisch fällt. Die Kollekte derselben nennen wir in American Arena den Klingelbeutel. Heute ging er zum ersten Mal herum und fing folgende Themen ein:

EIGENTLICH ist es nur fair, dass in der Coors Arena in Boulder Colorado kein Bier der Brauerei Coors verkauft werden darf (und auch kein anderes Bier). In der Allianz Arena in München werden ja auch keine Versicherungen verkauft.

MAN FRAGT SICH, wieviel Karten hätten die Buffalo Sabres eigentlich losgeschlagen, wenn das Football-Stadion der Buffalo Bills größer wäre? Die Eishockey-Mannschaft spielt am 1. Januar nicht in der eigenen Halle, sondern zieht unter freiem Himmel ihr Spiel gegen die Pittsburgh Penguins auf. Alle 40.000 frei verkäuflichen Eintrittskarten gingen innerhalb weniger als einer Stunde über den Internet-Makler Ticketmaster weg. Die 30.000 Jahreskarten-Besitzer der beiden Teams bekommen den Rest. Alle wollen (durch ihr Fernrohr) Thomas Vanek sehen. Und Sydney Crosby. Und sich dabei das Gesäß abfrieren. Buffalo im Winter ist schweinekalt.

BISLANG LIEF DIE SAISON bei den Dallas Cowboys ganz gut. Terrell Owens hat noch keinen Weg gefunden, den Laden aufzumischen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Der frisch verpflichtete Ex-Sträfling Tank Johnson, der von den Chicago Bears heraus geworfen wurde, wird schon einen Weg finden, die innere Balance des Teams zu kippen. Wenn nicht in diesem Monat, dann im nächsten.

DIE VOR-PLAYOFF-PHASE in Major Leage Baseball ist so spannend wie schon lange nicht mehr. Das liegt auch daran, dass die Chicago Cubs ihrer Tradition zufolge kurz vor Schluss einen Durchhänger haben. Die New York Mets am laufenden Band verlieren und die Boston Red Sox sehr wenig tun, um sich die verhassten New York Yankees vom Hals zu halten. Vor allem die Cubs würden uns mit ihrem Formabtief einen Gefallen tun. Wir wollen sehen, ob die Fans der Milwaukee Brewers ihrem Gelübde folgen und sich in die Hose machen, wenn ihr Team die Division gewinnt.

WER WEISS, auf welche Ideen Leute kommen, der Beruf darin besteht, sich für viel Geld die Birne weich kopfen zu lassen? Im Fall von Oscar de la Hoya war es Cross-Dressing in Netz-Outfit. Und nun - dank x17 online - weiß es auch der Rest der Welt (via SportbyBrooks und Deadspin). Nachtrag: De la Hoyas Manager hat sich gemeldet und gesagt, die Bilder seien eine Fälschung und zusammengedoktert. Dann sind als nächstes wohl die Beschaffer der Fotos am Zug. Denn denen droht eine Klage.

25. Juli 2007

K.O. in der Tiefe


Wenn man sich bei der wirklich verdienstvollen Webseite Smoking Gun tummelt, kann man nicht nur ihre Sammlung an Fahndungsfotos bestaunen. Neuerdings haben sie auch eine kuriose Sammlung an Videos am Start. Darunter eine längere Version dieses Schnipsels aus den fünfziger Jahren, als Unterwasserboxen (mit weiblichem Ringrichter) es sogar bis in die Wochenschau im Kino schaffte.
Blick zurück: Ein Foto aus dem Fundus von Smoking Gun: Basketballer Jason Kidd
Blick zurück: Tief getaucht wird immer noch

10. Mai 2007

Gut gebucht und gut eingebuchtet - bei HBO versteht man unter Boxen einfach mehr

Im Vergleich zu dem Schlagabtausch (symbolisch gesprochen) zwischen den Utah Jazz und den Golden State Warriors war der Kampf zwischen Oscar De La Hoya und Floyd Mayweather Jr. eher matt. Auch wenn es richtige Haue gab und deshalb Sieger Mayweather am ersten Tag der Talk-Show-Tour im US-Fernsehen eine Sonnenbrille trug. Aber so ist Boxen. Dies jedoch ist die wirklich heiße Nachricht rund um die Veranstaltung, die der Golden Boy mit sicherer Nase fürs Geschäftliche eigenhändig auf die Beine gestellt hatte: Der Termin hat einen neuen Pay-Per-View-Rekord aufgestellt. 2,15 Millionen Zuschauer hatten bei HBO gebucht und die Bruttoeinnahme auf stattliche 120 Millionen Dollar hochgetrieben. Das liegt klar über der alten Bestmarke von 1,99 Millionen Kunden für das Ding zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield anno 1999 und über dem alten Einnahmerekord von 112 Millionen Dollar für die Auseinandersetzung zwischen Tyson und Lennox Lewis im Jahr 2002. Wer jetzt noch denkt, es gäbe keinen Rückkampf zwischen den beiden Super-Weltergewichtlern, der sollte seine Sonnenbrille absetzen. Schneller kann man Geld kaum drucken.

Übrigens: De La Hoya soll als populäres Zugpferd für die Niederlage 45 Millionen Dollar erhalten haben, sein Gegner etwas mehr als 20 Millionen Dollar. Die Börsen für den sehr wahrscheinlichen Rückkampf werden die Verhältnisse sicher
gerade ziehen (via International Herald Tribune wo die AP-Meldung erschien).

Für HBO war das nicht nur ein guter Tag. Der Chef des Fernsehkanals, der zum Imperium von Time-Warner gehört, hat gekündigt, nachdem er wegen des Verdachts auf Körperverletzung verhaft wurde. Chris Albrecht war ebenfalls in Las Vegas, wo er wenige Stunden nach dem Kampf auf dem Parkplatz des Ausrichterhotels seine Freundin attackierte. Solche Kampfeslust scheint er nicht zum ersten Mal entwickelt zu haben. Inzwischen wurde bekannt, dass sein Arbeitgeber bereits 1991 in einem ähnlichen Fall (damals war wohl eine HBO-Angestellte die Empfangs-Dame seiner Hartnäckigkeit) den Vertuschungsapparat abgestaubt und eingesetzt hatte. Die Frau musste gehen und bekam 400 000 Dollar. Mr. Albrecht machte Karriere. Er sei Alkoholiker, gab er inzwischen zu, und habe nach langer Abstinenz seit kurzem hin und wieder ins Glas geschaut.

HBO hat noch einen Dokumentarfilm in der Dose über die vier Wochen vor dem Kampf zwischen De La Hoya und Mayweather. Hier ist der Trailer:

17. April 2007

Vorschlag für die Over-the-Hill-Gang: Maske gegen Ottke

Während alle in Staunen darüber ausbrechen, dass Virgil Hill nach einer Weile lauter und deutlicher als neulich in München nach dem Kampf um eine Revanche nachsucht, kam ein Box-Kommentator aus den USA auf eine viel griffigere Idee: "Ich hoffe eigentlich, dass in Henry Maske noch ein Fight steckt", schrieb Chris Rold von BoxingScene.com. "Ich hoffe, dass der Fight gegen Sven Ottke stattfindet. Das sind zwei alte Typen, die sich gegenseitig nicht weh tun können. Und es wäre genau das Richtige für die deutsche Boxöffentlichkeit, sich zwölf Runden anzuschauen, die wahrscheinlich von den Punktrichtern nur auf der Basis der meisten Finten gezählt würden." Aua...

1. April 2007

Maske-Quote kann sich sehen lassen. Besonders hoch in den Altersheimen der Nation

Jens Schröder, der als popkulturjunkie bloggt und unter seinem richtigen Namen für den Mediendienst kress.de schreibt, hat die Einschaltquoten vom Münchner Boxabend gepostet: "15,99 Mio sahen den Henry-Maske-Sieg am Samstagabend, darunter 7,20 Mio 14- bis 49-Jährige. Nur zwei Maske-Kämpfe hatten in den 90er Jahren mehr Zuschauer: einer gegen Graciano Rocchigiani und der vorerst letzte Kampf gegen Virgil Hill 1996....Der Maske-Kampf hatte damit auch deutlich mehr Zuschauer als der Stefan-Raab-gegen-Regina-Halmich-Klamauk am Freitagabend. Dort sahen den eigentlichen Kampf 7,74 Mio, darunter 4,32 Mio Werberelevante - ebenfalls eine sehr gute Quote." Wie er auf den Vergleich kommt, ist schwer zu sagen. Entweder er hält beides fur Sport oder beides für Klamauk.... Was auffällt: Die Kernzielgruppe, für die sich die Werber interessieren, lag bei Maske-Hill bei weniger als der Hälfte. Mit anderen Worten: Der 43jährige muss eine besondere Attraktion für Frührenter und noch ältere Fernsehkonsumenten in den Altersheimen der Nation gewesen sein.

31. März 2007

In Hills Heimat sieht man den Maske-Kampf mit ganz anderen Augen

North Dakota ist ein dünn besiedelter Bundesstaat. Ein halbe Million Einwohner und jede Menge plattes Land. Da reichen fünf Zeitungen, von denen die populärste - das Forum in Fargo - an einem normalen Tag auf knapp 50 000 Auflage kommt. Das ist weniger als das Oberbayerische Volksblatt in Rosenheim unter die Leute bringt. Viele berühmte Sportler hat man da oben an der Grenze zu Kanada nicht. Aber das heißt nicht, dass man großen Wind um den einen Mann macht, der zumindest einen respektablen Titel trägt: Virgil Hill, Weltmeister im Boxen. Das Forum stieg am Donnerstag mit einem dürren Stimmungsbericht aus München in die Berichterstattung vom Maske-Kampf ein, nachdem Reporter Jeff Kolpack mit dem Hill-Trainer in Deutschland telefoniert hatte. Die Überschrift versprach mehr ("München in Ekstase wegen Hill-Kampf"), als der Artikel hielt. Hills sportlicher Ratgeber schien halt beeindruckt: "Du würdest ncht glauben, wie groß diese Veranstaltung hier ist. Die Zeitungen, alle Medien. Jeder ist in Ekstase." Das war wohl ein bisschen dick aufgetragen. Denn mehr stand nicht in dem Bericht über das Theater drumherum. Auch nichts über den gar nicht so euphorischen Kartenverkauf. Nichts über die Sorge, dass RTL womöglich mit seinen hohen Einschaltquotenerwartungen daneben liegt. Dafür einiges über Virgil Hill. Darunter: Der Mann fühlt sich dieser Tage im Training bisweilen wie ein richtig alter Mann. Das lässt einen für Henry Maske hoffen.

Die Bismarck Tribune aus Hills Heimatort war sogar noch karger und defätistischer, Überschrift: "Hill sagt, er hat Ringrost". Der Artikel selbst war nach 30 Zeilen zu Ende und enthielt eine falsche Information. Der Amerikaner riskiert gegen Maske nicht seinen Weltmeistertitel. Was soll man daraus schlussfolgern? Dass die rund 50 Fans in der schläfrigen Welt von North Dakota die ganze Sache offensichtlich ziemlich gelassen betrachten. Vielleicht ist das die beste Einstellung überhaupt.
Blick zurück: Die herbe Musik-Parodie auf den Gentleman
Blick zurück: Wie der letzte Maske-Kampf gegen Virgil Hill in den deutschen Medien präsentiert wurde
Blick zurück: Was Virgil Hill diesmal vor dem Kampf sagte
Blick zurück: Wie Henry Maske in den USA sein Glück mit einem amerikanischen Trainer versuchte

28. März 2007

Wo wohnen die meisten Maske-Fans?

Wo in Deutschland sitzen eigentlich die meisten Fans von Henry Maske? Eine rein theoretische Frage. Denn nicht mal der Google-Trend-Computer kann das verbindlich sagen. Obwohl: er spuckt zumindest - auf der Basis der Suchanfragen - eine Liste aus. Und die sieht so aus:
1. Leipzig
2. Köln
3. München
4. Berlin
5. Erfurt
6. Essen
7. Ulm
8. Hamburg
9. Bonn
10. Dortmund
Blick zurück: Die herbe Musik-Parodie auf den Gentleman
Blick zurück: Wie der letzte Maske-Kampf gegen Virgil Hill in den deutschen Medien präsentiert wurde
Blick zurück: Was Virgil Hill diesmal vor dem Kampf sagte
Blick zurück: Wie Henry Maske in den USA sein Glück mit einem amerikanischen Trainer versuchte

Ma-Ma-Maske: Wi-Wi-Widerlich


Das Ding hier schreit nach Kommentaren, Widerspruch, Rezensionen. Gefunden auf der Webseite von Spex: die musikalische und videographische Arbeit von Jacques Palminger über Henry Maske. Der ehemalige Schlagzeuger der Punkband “Dackelblut" und heutige Songschreiber für die Gruppe “Universal Gonzalez", Hörspielautor der WDR-Produktion “Einschlafgeschichten für Männer" und Schauspieler (das kann man alles hier lesen) ist eigentlich ein klarer Fall für den Ring, für den Kampf und für die Faust aufs Auge. Etwa so wie der deutsche Regisseur Uwe Boll, der seine Kritiker zum Schlagabtausch mit Handschuhen aufforderte und ihnen allen etwas auf die Nuss gab. Vielleicht hat Henry nach dem Treffen mit dem Puncher Virgil Hill noch die Energie und fordert Palminger heraus.

Nachtrag: Dist ist die YouTube-Version. Die Quicktime-Version, die hier ursprünglich stand, startete immer automatisch und hat zu allergischen Reaktionen geführt (siehe Kommentare)

27. März 2007

Der letzte Maske-Ball - ein Meer von Tränen

Der letzte Maske-Kampf ist lange her. Aber die beteiligten Personen, die sich am Samstag in der Münchner Olympiahalle gegenüberstehen, sind noch immer die gleichen. Mit einem Unterschied: Sie haben körperlich den Zenit überschritten. Weshalb sollte deshalb die erneute Begegnung zwischen den beiden eigentlich anders verlaufen und attraktiver werden? Zur Einstimmung ein Blick zurück:

VOR DEM KAMPF

Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung vom 12. November 1996:
"Ein paar Schläge in die Luft, ein paar an den Körper des Sparringspartners, ein bisschen Hüpfen mit dem Seil, dann versammelt sich die Pressemeute und reckt Mikrophone an Stativen in den Ring. Maske spricht herab zum Volk wie ein Prophet zu den Pilgern; ein Prophet in Radlerhosen, der keine frohe Botschaft verkünden kann. Der Kampf werde sein letzter sein, keine Verlängerung, keine Draufgabe. Ich habe gesagt, 1997 stehe ich nicht mehr im Ring. Dabei wird es bleiben, sagt er, und dass halt irgendwann für jeden die Zeit gekommen sei, ade zu sagen."
Hans-Joachim Leyenberg am 21. November 1996 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
"Erst signierte Maske ein Porträt von sich in Öl, dann erzählte er von Hill, "der mir schon über zehn Wochen im Kopf herumschwirrt". Er horche in sich hinein. Die wahren Antworten auf alle Fragen werde er am Samstag praesentieren. Alle Gedanken, die sich um den Abschied vom Ring ranken, "schiebe ich von mir. Irgendwann muss das Ende kommen, ich habe es fuer mich gewählt. Wenn du einen Ring betrittst", so gab er eine alte Boxerweisheit zum besten, "bist du den Titel los." Die Fortsetzung sparte er aus: Du kannst ihn dir in spätestens zwölf Runden wieder holen. Maskes Manager Wilfried Sauerland, der in den vergangenen Tagen mit interpretierbaren Äußerungen zum bevorstehenden Rücktritt zitiert worden war, rückte mit einem Satz alle Spekulationen zurecht: "Ich bin mehr als glücklich, dass er diesen Zeitpunkt gewählt hat." Es wird die zwölfte Weltmeisterschaft seines Zugpferdes. Sauerland sagt: "Wie man einsteigt, soll man aussteigen." Mit einem Sieg also. Wie damals, als Maske im März 1993 "Prince" Charles Williams entthronte. Hill hörte amüsiert zu, mit der Tochter auf dem Schoß. Natürlich sei er gekommen, um den Weltmeistertitel mit in die Vereinigten Staaten zu nehmen. Wenn dem anders wäre, "hätte ich meinen Beruf verfehlt." Als er gefragt wurde, ob das nicht arrogant sei, belehrte er den Fragesteller: "Das Boxen ist Business.""
Peter Unfried in der TAZ vom 23. November 1996:
"Rechtsausleger Maske hat im Sparring versucht, seine Stärken auf Hill "einzustellen". Hills Stärke ist der linke Jab, mit dem er seine Kämpfe zu diktieren pflegt. Das weiß Maske. Das Periodikum Boxing Monthly rät Hill, gegen Maske gelegentlich auch die rechte Schlaghand zu bringen. Das ahnt Maske natürlich auch. Fragen zum Kampfverlauf blockt er, wie immer, ab. "Sie können nicht kalkulieren", sagt der Kalkulator, "sie können nicht sagen, in Runde 3 mach'ich dies, in Runde 5 das." Aber: Gedanken hat er sich doch gemacht? Sofort drückt er den Kopf des Fragenden herunter und schießt eine Rechte ab: "Habe ich den Eindruck erweckt, dass ich mir keine Gedanken mache?" Dann setzt er nach: "Er macht sich ja auch Gedanken."

NACH DEM KAMPF

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 24. November 1996:
"Hill blieb aber ein jederzeit gefährlicher Gegner. Das bekam Maske am Ende der neunten Runde zu spüren, als ihn der Amerikaner empfindlich traf. Verbissen wurde der anfangs stilistisch einwandfreie Kampf zu Ende weitergeführt. Hill suchte immer wieder seine Chance im Clinch, um die Reichweitenvorteile von Maske nicht zur Geltung kommen zu lassen. Dies behagte dem Deutschen hingegen nicht. Am Ende der elften Runde waren beiden die Strapazen deutlich anzumerken. Nicht schün - so dies bei einem Boxkampf überhaupt möglich ist - aber spannend blieb der Kampf, in dem sich die beiden Weltmeister manchmal wie in einem Ringkampf beharkten. Über den möglichen Sieger schienen sich nicht nur die Kämpfer nicht einig zu sein - zwei der drei Ringrichter entschieden sich zum Ärger der Zuschauer für Virgil Hill."
NZZ am 25. November 1996:
"Der deutsche Vorzeigeboxer - das wurde bereits in der Vorbereitungsphase klar - wollte seinen bereits vor geraumer Zeit bekanntgegebenen Rücktritt mit einem großen Kampf krönen. Im Ring selber aber wirkte Maske vom ersten Moment an verkrampft. Er fand nie die richtige Einstellung, blieb statisch, ergriff zu selten die Initiative und ließ fast jede Aggressivität vermissen. Und er tat seinem Namen Gentleman Henry jede Ehre an: Auf die kleinen Fouls seines Herausforderers wirkte er hilflos und amateurhaft."
Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung vom 25. November 1996:
"Dann entschuldigt er sich, und seine Stimme schlingert ein wenig, dann sagt er, dass es auch ohne ihn weitergehen werde mit dem Boxen in Deutschland, obwohl die Amerikaner die Deutschen jetzt ja wieder dort haetten, wo sie ihrer Meinung nach hingehörten: in der boxerischen Zweitklassigkeit. Das ist ein dummer Vorwurf an die Offiziellen, aber ein schlechter Verlierer ist er deshalb nicht. Manchmal fällt es leichter, eine Niederlage anzunehmen, wenn man sich erstmal von ihr entfernt, indem man anderen die Schuld daran gibt.

Danach trottet er durch den Ring, ein paar Tränen laufen ihm die Wangen herunter, der ganze Mann ein Bild des Jammers. Er setzt sich auf den Boden, das Mikro noch immer in der Hand, fast verschwindet er im weiten Boxermantel, wie ein Kind, das nicht mehr weiter weiß und die Bettdecke ueber sich zusammenzieht. Es bebt ein wenig unter dem Mantel. Henry Maske weint. Vorm Ring heulen Männer und Frauen."
Focus 2. Dezember 1996:
"Der Tränenfluss beim letzten Maske-Ball war schnell versickert. Wer in der Münchner Olympiahalle leise live mitgeschluchzt oder daheim vor seinem TV-Geraet feuchte Augen hatte, war tags darauf wieder ganz realistisch. Es war nämlich ein "furchtbares Gewürge und Gerangel", kommentierte beispielsweise Graciano Rocchigiani.

Maskes Abschiedsvorstellung gegen den Amerikaner Virgil Hill sei eines WM-Fights nicht würdig, sondern allenfalls geeignet gewesen, bei der Kandidatenkür fuer den Friedensnobelpreis weit vorn zu liegen, spotteten viele Boxfans. Außerdem habe Henry im Einzeltraining bei Sponsorin Margarethe Schreinemakers gelernt, wie man dekorativ flennt. Sogar drei Männer aus Maskes engstem Umfeld ließen ihren langjährig verhätschelten und umjubelten Star im Tal der Tränen allein. Manager Wilfried Sauerland und sein Technischer Leiter Jean-Marcel Nartz sowie Trainer Manfred Wolke verkündeten noch Tage nach dem Münchner Spektakel nahezu wortgleich, so schlecht, so schwach und so einfallslos habe ihr Henry noch nie geboxt. Das Kapitel Maske war für sie abgehakt, nachdem sie mit dem Mann aus Frankfurt/Oder in den vergangenen Jahren viele Millionen verdient hatten."

25. März 2007

Virgil Hill: Maske "steht unter sehr viel Druck"

Er hat Basketball, Baseball und Football gespielt, war Ringer und hat Leichtathletik gemacht. Aber weil er in seinem Abschlussjahr an der High School bereits bis in die amerikanische Boxnationalstaffel geschafft hatte, blieb er dabei: Er wurde Boxer. Als Amateur hatte er einen Kampfrekord von 288 zu 11, denn er stand jedes Wochenende im Ring. Manchal sogar am Freitag, Samstag und Sonntag. 1984 war er Teil der Olympiamannschaft, in der solche junge Boxer standen wie Evander Holyfield, Pernell Whitaker, Mark Breland und Tyrell Biggs. Für Gold reichte es jedoch nicht. Virgil Hill war 20 Jahre alt, als er Profiboxer wurde. Und 23, als er den ersten Weltmeistertitel errang. Heute ist er 42 und kämpft noch immer.

Vor zehn Jahren nahmen die deutschen Boxsportanhänger erstmals Notiz von dem Mann aus Bismarck/North-Dakota, als er in einem Titelkampf um seinen WBA-Gürtel und Henry Maskes IBF-Gürtel "Sir" Henry abservierte. "Das war eine wunderbare Erfahrung", sagte er im letzten Jahr in einem Interview mit Eastside Boxing. "Ich war überrascht, dass er den Kampf überhaupt annahm. Sie hatten Henry vorher ziemlich gut beschützt."

Im Blick auf den Revanchekampf am kommenden Samstag sagte er nur: "Ich unterschätze niemanden. Er steht unter sehr viel Druck. Er hat mit der Niederlage sehn Jahre lang gelebt. Wenn er wieder verliert, wird das für ihn schlimmer als je zuvor."

11. März 2007

Holyfield will die Dopinggeschichte selber aufklären

Alles halb so schlimm mit der großen Dopingfahndung, sagt Evander Holyfield, der als Kunde einer in die Affäre verwickelten Urologen und einer Apotheke in Alabama benannt wurde. Er wird das alles aufklären. Ganz alleine Und dabei sicher auch solche Ungereimtheiten aus dem Weg räumen, wie das, was das amerikanische Magazin Sport Illustrated neulich beschrieb:
"Ein Patient namens "Evan Fields" fiel den Beamten ins Auge. "Field" hat dasselbe Geburtsdatum wie Holyfield - der 19. Oktober 1962. Und die angegebene Adresse für "Fields" lautet 794 Evander, Fairfield, Ga. 30213. Holyfield hat eine sehr ähnliche Adresse. Als wir die Telefonnummer anwählten, die nach Angaben der Dokumente zu den Rezepten für "Fields" gehört, hob Holyfield ab."
Holyfield boxt am 17. März, weil er mit 44 Jahren noch einmal Weltmeister werden will. Sein Aufwärmgegner ist Vinny Maddalone.
Blick zurück: Der Tag, an dem der Dopingring platzte