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12. Januar 2010

Patriots im Tief – aber vermutlich nicht lange

Baltimore Ravens v New England Patriots - Wild Card Round
Wenn eine Mannschaft wie die New England Patriots von dem strikten Regime der Salary Cap in der NFL in die Mangel genommen wird, dann kommt irgendwann der Tag, an dem man die Auswirkungen mit Händen greifen kann: Raus in der ersten Playoff-Runde, ohne die Spur einer Chance. Ein Team von dieser Güteklasse mit drei Super-Bowl-Erfolgen und einer weiteren Super-Bowl-Teilnahme kann man nämlich nicht ewig zusammenhalten. Genauso wie man nicht den alten Trainerstab bezahlen kann, wenn von anderen Clubs lukrative Angebote an die Assistenten eintreffen. Angebote mit dem hochdekorierten und bestens bezahlten Posten des Head Coach.

Trotz des ständigen Talentabflusses hat der ewige Griesgram Bill Belichick seinen Laden auf erstaunliche Weise jahrelang in Schuss gehalten. In manchen Phasen generierte er die Überlegenheit aus klugem und genau getaktetem Tun, vor allem in der Defensive. Dann griff er nach Spielern, die woanders als untrainierbare Diven in die Ecke gestellt worden waren und nicht halb so viel kosteten, wie sie in seinem gut geölten Spielschema wert waren (man denke an Randy Moss 2007 für einen Viert-Runden-Draftplatz oder an Corey Dillon für einen Zweit-Runden-Pick 2004 oder auch an Wes Welker, der 2007 aus Miami kam und sich seitdem auf Platz eins der Wide Receiver in der Liga in der Kategorie Receptions vorgearbeitet hat).

Und dann waren da noch jene couragierten und konsequenten Entscheidungen gegen den Strich eines konventionellen Football-Wissens. Man kann mit dem Namen Tom Brady das eine Ende der Zeitachse markieren. Und mit dem Namen von Sebastian Vollmer das andere Ende. Niemand gab nur einen Rattenschiss auf Vollmer, als vor ein paar Monaten die Draft anstand. Und niemand, der das Team und den Trainer einigermaßen zu kennen glaubte, konnte sich ausmalen, was Belichick an dem relativ unbeschriebenen deutschen Blatt gesehen hatte. Die Saison der Patriots ging am Sonntag in der kalten Brise des Gillette Stadium zu Ende. Vollmer war die Offenbarung schlechthin. Er spielte absolut fehlerfrei, ließ keinen Ravens-Spieler an sich vorbei und zeigte nach einem von Baltimore abgefangenen Brady-Wurf, dass er im Falle einer Interception nicht den Stecker aus dem mentalen Stromnetz zieht. Er war einer der beiden Tackler, der sich lang machte und sich dem Gegner entgegenwarf, um das Schlimmste zu verhindern.

Ein Vollmer ist natürlich nicht genug. Schon gar nicht an einem Tag, an dem man mindestens zwei gebraucht hätte. Und obendrein einen motivierten Randy Moss, einen gesunden Wes Welker und einen Tight End, der besser blockt. Aber warum sollte Belichick nicht im Frühjahr den einen oder anderen Nachwuchsspieler von Format aus dem Topf ziehen? Wieder mal scheinen die Patriots vorbereitet – auch auf dieses zwangsläufige Formtief einer unabwendbaren zyklischen Entwicklung – mit dem die Buffalo Bills, die Detroit Lions, die Kansas City Chiefs und andere nicht umgehen können. Sie haben für die beiden kommenden Jahre eine ganze Reihe von guten Draftplätzen gehortet. 2010 sind dies zwei zusätzliche Picks in der zweiten Runde. 2011 ist es ein zusätzlicher Pick in der ersten Runde und zwar der von den Oakland Raiders, die noch immer schlecht genug sind, um daraus einen Spitzenplatz werden zu lassen.

Ehemalige Belichick-Assistenten, die sich woanders den Chefposten sichern konnten und die beim letzten Super-Bowl-Erfolg der Patriots 2004 noch zu Belichicks Stab gehörten, wirken nachträglich weniger als Aderlass, wie man das annehmen durfte. Unterm Strich: Alle vier haben ohne Belichick nichts für ihren Ruf tun können. Nur ihr Bankkonto sieht inzwischen sehr viel besser aus.

• Romeo Crennel, vier Jahre bei Cleveland Browns – kein einziges Mal in den Playoffs. Im letzten Jahr entlassen und ersetzt durch

• Eric Mangini, der vorher die New York Jets trainiert hatte, die ohne ihn endlich wieder in Fahrt gekommen sind und am Wochenende gegen die San Diego Chargers spielen.

• Charlie Weis wurde soeben nach vier Jahren in Notre Dame entlassen, nachdem er kein besonders gutes Bild abgegeben hatte. Was nicht an seiner Leibesfülle lag.

• Josh McDaniels, der zu Beginn der laufenden Saison die Denver Broncos übernahm und nach einem Blitzstart aus dem Ruder laufen ließ.

Noch ein paar Namen aus der Zeit, als Belichick in Cleveland amtierte: Dort hatte er Rex Ryan als Linebacker-Coach, jetzt hauptverantwortlich für das Defensivmonster in Grün besser bekannt als New York Jets. Dazu: Jim Schwartz (Detroit Lions) und die College-Cheftrainer Nick Saban (Alabama), Kirk Ferentz (Iowa), Pat Hill (Fresno State) and Al Groh (Virginia).

14. Dezember 2009

Vollmer vielseitig auf rechts und links im Einsatz

Sebastian Vollmer hat am Sonntag wieder ein gutes Pensum in der Offensive Line der New England Patriots abgeliefert. Und zwar, wie zu vermuten war, diesmal hauptsächlich auf der rechten Seite (aber mitunter auch auf der linken). Denn der Left Tackle, dessen Stammplatz er auf der linken Seite zwischendurch besetzt hatte, Matt Light, spielt nach einer Verletzung wieder. Vollmer hatte neulich eine Kopfverletzung erlitten, die ihn zum Aussetzen zwang. Was es genau war, ist noch immer nicht bekannt. Er kam am Sonntag in der ersten Hälfte gegen die Carolina Panthers erstmals zum Einsatz und machte einen besseren Eindruck als Starter Nick Kaczur. Nur einmal versemmelte er einen Angriffszug, bei dem es Quarterback Tom Brady an die Wäsche ging. Trainer Bill Belichick war zufrieden, mit der Rotation und dem Rookie, den er in der zweiten Runde gedraftet hatte: "Wir haben versucht, Sebastian wieder einzuarbeiten und das ist ihm mit einer einer guten Anzahl von Spielzügen gelungen."

4. Dezember 2009

Vollmer trainiert wieder

Sebastian Vollmer steht vor dem nächsten Spiel der New England Patriots gegen Gruppenrivalen Miami Dolphins noch immer als "fraglich" in der Verletztenliste seiner Mannschaft. Aber kehrte inzwischen zum Training zurück. Es gibt keine Informationen darüber, welche Verletzung er hatte. Es darf allerdings angenommen werden, dass es sich um eine Gehirnerschütterung handelt. Und dass er aufgrund einer neuen strengen Regelung der NFL zum Schutz der Spieler zu einer Pause gezwungen wurde. Gehirnerschütterungen und deren Folgeschäden für die Gesundheit der Footballprofis wurden in dieser Saison erstmals intensiv thematisiert. Liga- und Gewerkschaftsvertreter waren sogar zu einem Hearing im Kongress geladen, bei dem auch Mediziner aussagten. Die Begegnung war ursprünglich als Monday Night Football-Termin geplant, wurde aber von der Liga auf den regulären Sonntagstermin vorgezogen.

28. November 2009

Vollmers Kopfverletzung: Belichick schweigt

Sebastian Vollmer hat sich am Sonntag im Spiel der Patriots gegen die Jets verletzt. Er kehrte zwar nach einer Pause auf den Platz zurück. Aber seit Montag hat man ihn nicht mehr beim Training gesehen. Der offizielle Report des Clubs spricht von einer Kopfverletzung. Trainer Bill Belichick ließ sich am Samstag bei der Pressekonferenz nach dem letzten Training vor der Abreise nach New Orleans (am Montagabend findet dort die Begegnung gegen die noch ungeschlagenen Saints statt) nicht abringen, was den deutschen Footballprofi plagt. "Es ist das, was in dem Verletzungsbericht steht", sagte er und lächelte dabei. "Ist das eine Hilfe?"

Natürlich ist es keine. Aber so sind die Verhältnisse in der NFL (und auch in anderen Ligen wie der NHL). Die Mannschaften müssen keine genauen Angaben machen, nur sagen, ob der Einsatz eines verletzten Spielers wahrscheinlich oder fraglich ist. Das sind keine Informationen für den Gegner oder die Fans, sondern für die Buchmacher. Denn das gehört zu den Grundsätzen in der National Football League, dass man den Zockern gerne so weit entgegen kommt wie möglich.

Zurück zu Vollmer, der bereits in seiner ersten Profi-Saison in der Abwesenheit des verletzten Matt Light durch pure Leistung seinen Anspruch auf einen Stammplatz auf der Left-Tackle-Position unterstrichen hatte. Es spricht vieles dafür, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten hat und dass man ihn wegen der neuen Aufmerksamkeit für solche medizinischen Probleme und der Gefahr für Dauer- und Spätschäden lieber schont. Light trainierte in dieser Woche zum ersten Mal.

16. November 2009

Vollmer ohne Fehl und Tadel

New England Patriots 2009 Headshots
Die Niederlage der New England Patriots gegen die Indianapolis Colts war kein Beinbruch. Aber medienpsychologisch gesehen war sie auf jeden Fall von Nachteil für einen Mann: Sebastian Vollmer. Denn alle Berichte beschäftigten sich mit der Entscheidung von Bill Belichick, kurz vor Schluss beim Fourth Down in der eigenen Hälfte nicht den Punter und das Special Team einzusetzen. Hätten die Patriots das Match gewonnen, hätte man unweigerlich nach den Vätern des Sieges geforscht und wäre dabei immer wieder auf einen Mann gekommen: die Numer 76 aus Kaarst. Denn während sein Mannschaftskollege Nick Kaczur auf der rechten Seite oft dem Ansturm seines Gegenüber nicht genug entgegensetzte und zwei Sacks auf dem Gewissen hatte, schirmte Vollmer links gegen Dwight Freeney alles ab. Der gleiche Freeney, der zur statistisch gesehen besten Verteidigungsreihe der laufenden Saison gehört, mühte sich redlich. Aber der Liga-Neuling schob ihn wie der Kran von Schifferstadt im griechisch-römischen Stil jedes Mal von Tom Brady weg. Jemand vom Providence Journal, der die Mannschaft ständig beobachtet, mutmaßte nach diesem Auftritt, dass die eigentliche Nummer eins auf der Position, der am Knie verletzte Matt Light, womöglich seinen Stammplatz eingebüßt hat. Von da bis zu der Spekulation, dass der sehr viel teurere Light in der nächsten Saison aus Salary-Cap-Gründen von Belichick abgegeben wird, ist dann nur noch ein kurzer Weg.

Eine Alternative, die in dem Artikel nicht angesprochen wird: Vollmer wurde unter anderem auch deshalb gedraftet, weil er ebenso als Right Tackle eingesetzt werden kann und auch dort einen guten Ausputzer abgeben würde. Deshalb mal von dieser Stelle folgende Prognose: Sobald Matt Light wieder fit ist, wird man bei den Patriots den Rookie auf rechts testen.

Das Fourth-Down-Syndrom: Schelte für Belichick

New England Patriots v Indianapolis ColtsMan kann solange über diese Entscheidung diskutieren, bis einem die Puste ausgeht. Sollte man wenige Minuten vor dem Ende eines Football-Spiels beim vierten Down, wenn einem zwei Yards fehlen, den Punter auf den Platz schicken? Oder sollte man seinen Quarterback draußen lassen und die Angriffsformation die Aufgabe lösen? Wir kennen die Alternativen: Es sind zwei.

1. Lösung Punter: Fast hunderprozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner den Ball bekommt, wenn auch nahe an dessen Tor.

2. Zwei-Yard-Raumgewinn mit einem Quarterback wie Tom Brady herausarbeiten: Etwa fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit (dieser Mann sagt sogar: 60prozentige), dass man den ersten Down schafft. Problem: Gelingt einem das nicht, geht das Angriffsrecht an diesem Ort an den Gegner über. Und der steht dann nicht tief hinten auf seiner eigenen Seite, sondern in diesem Fall 30 Yards vor der eigenen Touchdown-Linie.

Bill Belichick hat sich am Sonntagabend beim Stand von 34:28 für die New England Patriots für Möglichkeit zwei entschieden. Er hatte seine Gründe. Denn mit einem First Down hat die Mannschaft den Sieg in der Tasche. Weil seiner Mannschaft am Ende bei dem Spielzug aber ein paar Zentimeter fehlten und sie den Ball abgeben musste, kippen jetzt die Neunmalklugen von der Seitenauslinie den Spott über dem besten Coach der National Football League aus. Denn die Patriots kassierten anschließend den einen entscheidenden Touchdown und verloren die Begegnung gegen die Indianapolis Colts mit 34:35. Ja, ja: Genie sieht anders aus.

Ehe wir uns weiter mit der Belichick-Schelte beschäftigen hier nur am Rande: Das Spiel war hochklassig und zeigte erneut eines: Sebastian Vollmer hat das Zeug zu einem erstklassigen Offensive Lineman, denn er reduzierte auf seiner Seite der Angriffslinie den hoch eingeschätzten Dwight Freeney zu einem Statisten.

Nun zurück zu den Vorwürfen an den Patriots-Trainer, der Tom Brady in dieser Situation einen Spielzug ausriefen ließ, an dem außer einer Kleinigkeit nichts falsch war. Der Pass erreichte Kevin Faulk an einer Stelle, an der man ihm normalerweise den ersten Down geben würde. Da er allerdings beim Fangen vom Verteidiger zurückgedrängt wurde und er den Ball nicht gleich komplett unter Kontrolle bekam, ging der Plan nicht auf. Nun könnte man argumentieren: Warum packen die Patriots nicht ein Running Play aus oder ein Passspiel, bei dem man ein paar Yards Pufferzone einbaut. Aber das wäre auch schon alles. Der Rest an der Kritik ist aufgeblasen. Zumal die Colts danach erst noch die Verteidigung der Patriots bezwingen mussten, um einen Touchdown zu erzielen. Und dass Peyton Manning das gelingt – dafür gab es keine Garantie.

Der Ausgang des Spiels stärkt natürlich wieder all jenen das Kreuz, die im Football immer auf Nummer sicher gehen wollen, obwohl solches Verhalten weder statistisch begründbare Vorteile hat noch den Zuschauern etwas bietet. Die Angst der NFL-Trainer vor risikovollen Entscheidungen ist übrigens legendär und wurde bereits hier ausführlich abgehandelt. Ihre Triebfeder: Furcht vor dem Jobverlust. Zum Glück braucht sich jemand wie Bill Belichick über so etwas keine Gedanken zu machen.

10. November 2009

Vollmer im Mittelpunkt

Sebastian Vollmer hat erst drei komplette Spiele in der NFL abgewickelt. Aber wie er das gemacht hat, überrascht so einige, die die New England Patriots von Berufs wegen ganz genau beäugen. Schließlich ist dies sein erstes Jahr in der Liga. Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass er meistens draußen am Spielfeldrand steht und von seiner Chance träumt. Ich habe ihn vor zwei Wochen im Stadion in Foxborough getroffen und mich länger mit ihm unterhalten. Daraus ist ein Text für die FAZ geworden, der in der letzten Woche zuerst gedruckt wurde und dann auch online lief. Dass man in in seiner Heimat an dem Werdegang des 25-jährigen aus Kaarst Interesse hat, liegt auf der Hand. Es gibt außer ihm keinen NFL-Profi aus dem Football-Entwicklungsland Deutschland. Obendrein war er der erste Bundesbürger, der gedraftet wurde und einen Mehr-Jahres-Vertrag bekam (3,105 Millionen Dollar Volumen, davon 1,76 Millionen garantiert). Dass jetzt auch die Amerikaner immer wieder Vollmer-Geschichten produzieren, ist schon sehr viel bemerkenswerter. Das jüngste Beispiel heute im Blick auf das bevorstehende Match gegen die Indianapolis Colts kommt von der Online-Redaktion des lokalen Bostoner Sportkanals NESN.

Der Artikel geht auf eine Besonderheit ein, mit der Vollmer am Sonntag in Stadion der Colts zum ersten Mal konfrontiert werden wird. Die enorme Lautstärke der Zuschauer, die versuchen, den Snap Count der gegnerischen Angriffsreihe zu ersticken. Für eine eingespielte Angriffsreihe ist eine solche Ausgangslage schon schwierig genug. Einen Neuling muss es geradezu nervös machen. Das Problem: Wer zu schnell loslegt, verursacht womöglich eine Strafe, bei der die Mannschaft an Yards verliert. Wer von den Offensive Linemen zu langsam reagiert, so Coach Bill Belichick, kommt einen halben Schritt zu spät: "Das bedeutet nicht nur Tackles und Sacks, sondern gewöhnlich Ballverlust."

Das Match findet am Sonntagabend Ortszeit statt und wird von NBC übertragen. Indianapolis ist noch ungeschlagen. Die Patriots haben von ihren acht Partien zwei verloren.

Bild: New England Patriots

26. Oktober 2009

NFL in London: Vogelscheuchen und rostige Messer

Die griffigste Depesche zum diesjährigen Ausflug der NFL nach London, wo die New England Patriots eine Demonstration ihrer Sportart gaben (und bei der Gelegenheit die Tampa Bay Buccaneers als Versammlung an ziemlich unbeweglichen Vogelscheuchen entlarvten), kann man heute in der Online-Ausgabe des Wall Street Journal lesen:

"Wir sind sehr für eine Expansion, aber das London-Spiel kommt einem wie der alljährliche Besuch beim Onkel vor: Pflicht, unbeeindruckend und kaum zu erklären. Trotz all dem Getöse um den guten Eintrittskartenverkauf – das Wembley-Stadion verkaufte angeblich die ersten 20.000 Tickets innerhalb von sieben Minuten, was uns glaube machte, das Spiel sei als Partie zwischen New England und Robbie Williams und der Königin angepriesen worden – sah es im dritten Viertel bereits so aus, als hätte ein Großteil der Zuschauer bereits vor ihrem Bier im Pub gesessen. Wer könnte es ihnen verübeln? Die Patriots nahmen die Rostigen-Messer-Piraten von Beginn an auseinander und gewannen 35:7. Amerikaner behaupten gerne, dass ihre Football-Version im Fernsehen sehr viel funkelnder aussieht. Aber wir schauen uns lieber an, wie Wayne Rooney eine Stunde lang seinen Kopf gegen den Torpfosten rammt als die Buccaneers."

Enough said.

28. September 2009

ESPN erobert Boston: Kraft mit Freude

Die Konzentration aufs Wesentliche sieht im Sport bisweilen so aus: Ein reicher Unternehmer investiert in einen oder mehrere Clubs. Und damit die Einnahmemöglichkeiten optimiert werden, kümmert er sich auch noch um die Medienauswertung. Beispiel: Robert Kraft und die New England Patriots (Football) und New England Revolution (Fußball).

Die Konzentration auf das Wesentliche sieht aber bisweilen gleichzeitig auch noch so aus: Der Mega-Medienkonzern Disney, der mit ESPN das Informationsangebot im Sport beherrscht und der als Nächstes in den lokalen Märkten der amerikanischen Großstädte den Zeitungen das Wasser abgräbt, arbeitet hier und da mit den Betreibern solcher Clubs eng zusammen. In diesem Fall: Mit der Kraft Sports Group, die in Boston das Anzeigengeschäft für die neue Web-Initiative des Konzerns übernehmen wird.

Eine mögliche Folge: Noch mehr Gegenwind für den Boston Globe, der ohnehin schon beinahe pleite gegangen wäre. Welche Eisen noch geschmiedet werden, um die Konkurrenz zu schwächen? Wir werden sehen.

5. September 2009

Einer kam durch: Sebastian Vollmer im Kader der Patriots

Das schrieb der Boston Globe vor drei Wochen über den "überraschenden Aufstieg von Sebastian Vollmer":

"Als die Patriots mit ihrem letzten Zweit-Runden-Pick Offensive Tackle Sebastian Vollmer von der University of Houston drafteten, wurde das von vielen Fachleuten als weit hergeholt eingestuft. Vollmer war nicht mal zur Combine eingeladen worden, an der mehr als 300 Aspiranten teilnehmen. Aber mit seinen 2,03 Meter und 140 Kilogramm besitzt er die Körpergröße, die Armlänge und das athletische Vermögen, um Left Tackle zu spielen und die Härte, um Right Tackle zu spielen. Gegenwärtig rechnet man damit, dass er als Swing Man zum Einsatz kommt und auf beiden Positionen als Ersatzmann eingewechselt wird. Aber er wird in Spielen beweisen müssen, dass er das kann."

Die Chance hat er. Vollmer, 25 Jahre alt, geboren in Düsseldorf und in Neuss zur Schule gegangen, überstand das Trainingslager der New England Patriots und gehört zum Kader für die Saison, die in einer Woche beginnt. Er ist der erste Deutsche, der es über die Draft in die NFL geschafft hat. Der letzte, der zumindest einen Vertrag als Free Agent hatte, war Constantin Ritzmann. Seine sportliche Bilanz war jedoch nicht der Rede wert.

21. September 2008

Neue Kreativität in der NFL – diesmal: Direct Snap

Nach den Überraschungen der letzten Woche in der NFL, die den Verdacht nahe legen, dass Coaches endlich kreativ werden, kommt heute die Nachricht aus Foxboro: die Miami Dolphins probieren sechsmal in einem Match einen selten eingesetzten Trick und schaffen viermal einen Touchdown. Wie heißt der Spielzug? Direct snap: der Ball wird vom Center direkt an den Running Back gereicht. Der Quarterback bewegt sich so, als habe er das Ei, was zusätzlich die Verteidigung verwirrt. Die New England Patriots waren mehr als verwirrt. Sie wussten überhaupt nicht, wie ihnen geschah, und verloren das Heimspiel haushoch mit 13:38. Merke: Es ist nicht immer entscheidend, ob Tom Brady mitmacht oder nicht. Wenn die Defensive ausgetrickst wird, mag er an der Seitenlinie stehen, aber ändern kann er nichts.

22. April 2008

Die Patriots haben Ambitionen

Die New England Patriots geben nicht auf. Sie haben zwar den Super Bowl verloren und damit diese bis dahin unbefleckte Saison bekleckert, die mit 19:0 als perfekt hätte bezeichnet werden können und historisch all so was. Aber das heißt nicht, dass nicht eines Tages doch noch etwas ähnlich hinbekommen wollen. Und dann haben sie mit einem eingetragenen Warenzeichen für die Begriffe "19:0" und "19:0 The Perfekt Season" gleich die richtigen Mittel in der Hand, um Leute abzumahnen, die mit diesen Marken ebenfalls Geld verdienen wollen. The Smoking Gun weiß mehr.

29. Februar 2008

Der Unterhosenträger

Nicht nur Gisele Bündchen ist hinter Tom Brady, dem Quarterback der New England Patriots, her. Calvin Klein will ihn auch haben - für die Unterwäschewerbung. Wahrscheinlich weil die Marketing-Experten diesen Sketch der Comedy-Show Saturday Night Live gesehen haben - eine Parodie auf die Schwarz-Weiß-Lehrfilme der 50er Jahre.
(via si.com)

6. Februar 2008

Kopfweh

Was wurde eigentlich aus dem Mann, der sich vor dem Super Bowl den Kopf tätowieren ließ, weil er dachte, dass sei eine prima Idee, seine Solidarität mit den New England Patriots zu demonstrieren? Er hatte einen neuerlichen Auftritt - in der Ortszeitung in New Hampshire, wo man wahrscheinlich nicht genug bekommt von Leuten, die im Rahmen ihrer ausgeprägten Zuneigung zum Football eine Deformation des Hirns erleben. Nach der Super-Bowl-Niederlage hatte er sich erst mal temporär den Rest des Verstands matt gesoffen. Aber Leute wie er schauen nicht Casablanca ("We'll always have Paris..."), sondern die schauen nach vorn.

4. Februar 2008

17 Punkte


Tom Brady wurde in der Woche vor dem Super Bowl zu der Prognose von Giants-Wide-Receiver Plaxico Burress gefragt, der einen Sieg seiner Mannschaft mit 23:17 angekündigt hatte. Der Patriots-Quarterback war mit einer Zuteilung von 17 Punkten nicht ganz einverstanden. Warum auch? Seine Mannschaft hatte in diesem Jahr im Schnitt doppelt so viel zusammengeballert. Am Ende waren es nicht mal 17. Wenn es Brady tröstet: Auch die Giants blieben hinter den Erwartungen von Burress zurück. Die Vince Lombardi Trophy dürfen sie aber trotzdem behalten.

3. Februar 2008

Eli Manning...wie zu erwarten

Es wird gerade offiziell bestätigt: Eli Manning ist der Most Valuable Player. Die Entscheidung durfte man vorausahnen. Auf solche eine Weise tritt das Komitee der MVP-Wähler komplett die Leistung der Giants-Verteidigung in die Tonne. Wieviele Pässe hat Randy Moss gefangen? Wieviele kamen nicht an? Wer hat Patriots-Quarterback Tom Brady ständig unter Druck gesetzt? Wie oft musste die beste und punktestärkste Hochgeschwindigkeits-Angriffsreihe der Liga nach ein paar Downs wieder vom Platz? Oft. Sie produzierte nur einen brillianten Angriffs-Drive. Der führte zur 14:10 Führung kurz vor Schluss. Aber was soll's.... Das Spiel im Kasten. Das Genie Bill Belichick hat nicht die perfekte Saison hinbekommen.

Hier noch eine Kleinigkeit: Die Giants können froh sein, dass sich Jeremy Shockey im Laufe der Saison das Wadenbein gebrochen hat und ausfiel. Manchmal erzielt man im Sport Addition durch Subtraktion. Zwei Rookies Kevin Boss und Ahmad Bradshaw konnten sich dadurch rechtzeitig ins Gefüge hineinspielen.

Super Bowl: Giants schlagen die Patriots

Wer ist der MVP von solch einem Spiel, in dem keiner richtig herausragt? Nicht die Quarterbacks. Nicht die Wide Receiver (sieht man ab von Wes Welker von den Patriots, dessen Mannschaft verloren hat). Nicht die Running Backs, niemand von den Special Teams. Also werden sie wahrscheinlich Eli Manning zum Helden erklären. Es braucht ja einen, auch wenn ich Tom Coughlin dazu erklären würde. 17:14 für die New York Giants in Super Bowl XLII. Mehr später.

1. Februar 2008

Senator will Antworten von der NFL

Nachdem gerade Major League Baseball mal wieder mitbekommen hat, wie ärgerlich und prestigeschädigend die Politiker in Washington sein können, wenn sie sich die schmutzige Wäsche einer Liga aus dem Korb angeln und daran herumschnüffeln, ist jetzt die NFL an der Reihe. Der Republikaner Arlen Specter, ein Senator aus dem Justizausschuss, will Aufklärung über die Werkspionage der Patriots und weshalb die NFL die fraglichen Videobänder vernichtet hat. Die Aktion wirkt ziemlich pedantisch, macht aber deutlich, dass die Liga eine enorme wirtschaftliche Macht besitzt. Der Kongress hat ihr eine Ausnahmestellung im Kartellrecht eingeräumt, die es für andere Unternehmen nicht gibt. Natürlich könnten die Abgeordneten dieses Privileg jeder Zeit wieder abschaffen. Specter drohte nicht damit, aber machte Andeutungen. Er sitzt ohnehin in der Minderheit und hat keine Handlungsvollmacht. Im US-Kongress sind die Ausschussvorsitzenden die Alleinherrscher in allen Belangen der Tagesordnung.

P.S.: In der Samstagausgabe der FAZ gibt es eine Betrachtung über Bill Belichick und die Patriots verbunden mit einem Hinweis zu einem Buch (Education of a Coach) von David Halberstam. Nachtrag: Inzwischen kann man die Geschichte auch online lesen.

29. Januar 2008

Das Nabel-der-Welt-Syndrom

Das griechische Wort "Hybris" beschreibt auf eine kuriose Weise die Ego-Dimensionen der Leute in Boston. In der alten Stadt an der Mündung des Charles River betrachtet man sich seit ewigen Zeiten ohne jede Selbstironie als hub of the universe - den Nabel der Welt. Der Anspruch schien spätestens mit dem Niedergang des Hafens und der damit verbundenen großen Wirtschaftskrise Makulatur. Boston ist sicher ein hübsches Städtchen mit einem gediegenen Umland, aber nicht mal der Nabel der USA.

Aber Größenwahn ist vermutlich nicht heilbar. Nicht im Weichbild von Harvard, MIT, den vielen neuen High-Tech-Firmen und im Dunstkreis der Familie Kennedy. "We're proud to put the Hub into hubris", schrieb jemand vom Boston Herald heute. "Hubris" ist die englische Version von "Hybris". Als ob man das nicht schon immer geahnt hätte. Dieser Tage wirkt es nur viel krasser. Dank des in Boston entfachten Minderwertigkeitsgefühls gegenüber New York und der Begegnung der New England Patriots und der New York Giants im Super Bowl in Phoenix am kommenden Sonntag.

Kein Wunder, dass die Konkurrenz des Herald, der Boston Globe, einen Weg gefunden hat, den Wahn aus diesem Anlass noch einmal um ein paar Grad anzuheizen. Die Redaktion hat bereits ein Buch in Arbeit und an Amazon gemeldet, das möglicherweise am Sonntag gleich in die Tonne muss: 19:0: The Historic Championship Season of New England's Unbeatable Patriots.

21. Januar 2008

Brady's Helm

Wenn man möchte, dass der eigene Kopf so aussieht wie der Helm von Football-Profi Tom Brady, geht man zum Tattoo-Spezialisten. Wenn man möchte, dass der Rest von Verstand innen drin einen davon abhält, schaut man sich dieses Video an.