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28. November 2009

Frau Woods ist aus anderem Holz

Es gab da in diesem Hause schon vor ein paar Tagen den Verdacht, dass die Nachricht von der angeblichen Tiger-Woods-Liaison mit einer New Yorkerin nicht auf kleiner Flamme weiterkochen würde. Aber dass es gleich im Krankenhaus enden würde, war nun wirklich nicht zu erwarten. Wieder unter Vorbehalt, aber überhaupt nicht auszuschließen: Die Klatsch-Webseite tmz.com hat folgende Version der Ereignisse in der Nacht zum Samstag in der Reichenenklave Isleworth außerhalb von Orlando zusammengestöpselt: Demnach hat sich der Golfer die Gesichtsverletzungen, von denen gestern die Rede war, nicht beim Zusammenstoß mit einem Baum zugezogen, sondern die wurden ihm angeblich von seiner Gattin bei einem Disput zugefügt. Und die Information, wonach die gute Dame ihn dadurch gerettet habe, dass sie mit einem Golfschläger ein Fenster zertrümmerte (angeblich weil Woods anders nicht aus dem Auto zu befreien war), bekommt jetzt auch einen anderen Dreh. Demnach sei Elin Nordegren ihrem Ehemann mit besagtem Schläger in der Hand hinterher gelaufen und habe schlecht gelaunt das Auto attackiert. Der Angriff wiederum habe den besten Golfer der Welt beim Fahren aus dem Konzept gebracht. Folge: grobe Fahrfehler wie das Zertrümmern eines wehrlosen Hydranten am Straßenrand und die Bruchlandung am Baum.

Vielleicht werden wir irgendwann den Ablauf der Ereignisse offiziell mitgeteilt bekommen. Aber bis dahin wirkt das wie eine ziemlich sinngerechte Interpretation der Faktenlage. Jede andere hingegen – wie etwa, dass jemand aus seiner eigenen Einfahrt herauskommt und einfach nicht weiß, wo die Straße ist und mit weniger als 50 km/h derart herbe gegen einen Baum fährt – eher dünn. Zumal niemand die Frage beantwortet hat: Was hatte Tiger Woods eigentlich nachts um 2:30 Uhr vor, als er ganz allein sein Haus verließ? Einfach nur den Cadillac spazierenfahren? Oder ein Kaltgetränk am Convenience Store kaufen? Der gleiche Tiger Woods, der gewöhnlich früh abends ins Bett geht und morgens um 6 Uhr Richtung Fitness-Studio marschiert?

P.S. Inzwischen gibt es mehrere Stellungnahmen von Rachel Uchitel, die zur gleichen Zeit im selben Hotel in Melbourne war wie Tiger Woods, in denen sie eine Affäre mit dem Golfer kategorisch dementiert.
Blick zurück: Die Nachricht über den Verdacht auf Seitensprung
Blick zurück: Familienangelegenheit – Tiger nicht zur Taufe

29. Juni 2009

Die Agentur und der Unfalltod eines deutschen Journalisten

Vor ein paar Tagen kam aus Südafrika die Meldung über einen schweren Autounfall. Solche Nachrichten wirken auf viele Menschen bestürzend, nicht nur auf jemanden wie unsereins, der ebenfalls oft in fremden Landen unterwegs ist. Die einzige nachvollziehbare Kerninformation, die der Text enthielt, lautete, dass es sich bei den Betroffenen um vier Sportjournalisten handle, die auf dem Weg zum Fußballspiel der USA gegen Spanien waren. Deutsche Sportjournalisten wohlgemerkt. Denn über andere berichtet dpa vermutlich gar nicht.

Dass zunächst keine Namen mitgeliefert wurden, konnte man noch verstehen. Es ist schließlich nicht immer ganz leicht, vor Ort etwas zu recherchieren. Die Nachricht von heute allerdings ist traurig und bizarr zugleich: "Nach dem schweren Unfall von vier deutschen Sportjournalisten in Südafrika ist einer der Verunglückten am Montag gestorben. Das teilte die deutsche Botschaft in Pretoria mit." Aber wieder wurde kein Name genannt, nachdem in einer vorausgegangenen Depesche zumindest dieser scheinbar pietätvolle Hinweis eingehäkelt worden war: "Nähere Angaben wurden zum Schutz der Privatsphäre der Opfer nicht gemacht."

Deutlicher kann man gar nicht zeigen, dass man keinen Respekt vor dem Schicksal von Menschen hat. Was sind das für Meldungen, in denen die Opfer nicht genannt werden, aber das Mitgefühl der Oligarchen abgefeiert wird? Worin besteht da die Verhältnismäßigkeit? Weshalb hat man keine Zeit und keinen Platz für eine kurze Würdigung des verstorbenen Journalisten und einen Abriss seiner Karrierestationen? Er war schließlich nicht irgendjemand, sondern der ehemalige Ressortleiter des Berliner Tagesspiegel Wolfgang Jost. Ein Mann mit Profil: Er hat nach meinen Recherchen mindestens an einem Buch mitgeschrieben. Macht das zuviel Arbeit, das herauszufinden und es in knappen, klugen Worten zu formulieren? Ist es zuviel verlangt, zu recherchieren und festzustellen, dass der Verband der deutschen Sportjournalisten einen Spendenfonds für die Hinterbliebenen des Freiberuflers einrichten will? Soll das alles ungenannt bleiben, um eine nicht näher begründete Privatsphäre zu schützen?

Normalerweise nicht. Solche Informationen werden bei Menschen aus anderen beruflichen Sphären tagtäglich publiziert. In kleinen und in großen Blättern. Ausgerechnet bei einem Journalisten spielt man Omertà? Der Tagesspiegel sah das zum Glück anders.

Es geht übrigens auch auf diese Weise. Hier die Reuters-Meldung aus Südafrika.

Nachtrag am 1. Juli: Vor wenigen Minuten wurde bei SpOn eine Geschichte gepostet, die Informationen über den Unfall und die medizinische Versorgung der Opfer liefert. Wolfgang Jost hatte selbst die Risiken seiner Reise in Südafrika in einem Beitrag kurz vor dem Unfall für die Augsburger Allgemeine thematisiert. Sie spricht zudem Ereignisse detailliert an, die zeigen, dass im "kriminellsten Land der Erde" (Jost) Journalisten nicht nur im Straßenverkehr hochgradig gefährdet sind. Die Allgemeine hat es übrigens fertig gebracht, diesen Text grußlos mit der schon angesprochenen ersten dpa-Meldung über den Unfall zu verlinken. Mehr war wohl nicht drin, um den Lesern der Online-Ausgabe dieser Zeitung die traurige Nachricht zu bringen, dass der Mitarbeiter des Blattes und Autor jener ahnungsvollen Zeilen in der Ausübung seines Berufs tödlich verunglückt war.

15. Juni 2009

Der Klingelbeutel: Tote fahren länger

Vielleicht könnte das überall passieren, aber geschehen ist es in Mexiko, wo es eine separate NASCAR-Serie gibt. Da wurde der im Rennen führende Carlos Pardo auf der letzten Runde von hinten gerammt, der Wagen bei 190 km/h in eine Begrenzung geschleudert und so schwer zertrümmert, dass der Mann am Steuer 45 Minuten später an den Verletzungen starb. Er wurde trotzdem zum Sieger erklärt.

...ein Blogger, der sich vom Imperium NBC inhalieren lässt, verspricht auch weiterhin Unabhängigkeit und rattenscharfe Infos. Man wird sehen, ob ProFootballTalk das auch wirklich hinbekommt. Denn bekanntlich ist NBC einer der Finanziers der NFL und zeichnet sich hauptsächlich durch eine interessenidentische Cheerleader-Haltung aus (via The Big Lead).

...die Zeitung mit der Nase für das Thema war die New York Times. Unsereins hängt sich da nur dran. Allerdings freut man sich, wenn man mit Nachklappern immer noch vor den anderen Krach schlägt. So früh, dass ich heute morgen auf der Straße in New York dem aus Kalabrien stammende Hausbesitzer von schräg gegenüber von Guiseppe Rossi aus New Jersey erzählen konnte. Rechtzeitig vor dem Spiel Italien gegen USA und rechtzeitig vor dem ersten großen Auftritt dieses jungen Signore Rossi, der nach einem Bericht der FAZ "Weltmeister Italien gegen zehn Amerikaner vor einem Fehlstart beim Confederations Cup bewahrt" hat. Die Mannschaft gewann mit 3:1. Ob die Amerikaner gewonnen hätten, wenn der geborene Amerikaner Rossi für sie gespielt hätte, werden wir nie erfahren. Aber vielleicht gibt es mal irgendwann Computerspiele, mit denen man solche Unwägbarkeiten abwägen kann.

...ein Hinweis in eigener Sache. Der abschließende Bericht zum Meisterschaftserfolg der Los Angeles Lakers ist hier erschienen und steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Was die Printausgabe nicht bieten kann, sind Kommentare unter den Artikeln. Ich möchte aus gegebenem Anlass aber mal auch auf den Kommentar unter diesem Artikel hinweisen. Sehr lesenswert, weil voller guter Informationen. Davon wünscht man sich als Autor noch sehr viel mehr.

6. April 2008

Rechtsrum gegen die Wand


Es ist keine gute Idee, auf einer NASCAR-Rennbahn in den USA nach rechts zu steuern. Die normale Fahrtrichtung auf den Ovalen ist linksherum. Hier hat ein Neuling beim Training offensichtlich wissen wollen, was passiert, wenn man den Grundsatz ignoriert. Das Verblüffende: Er stieg nach diesem Ritt gegen die Wand bei etwa 250 km/h und einer irren Saltoserie aus dem Auto aus und winkte den Zuschauern freundlich zu. Ob das beim nächsten Mal auch so gut ausgeht? Kaum anzunehmen.

10. Februar 2008

Schnitt mit dem Schlittschuh


Man braucht starke Nerven, wenn man die Szene sehen möchte, bei der am Sonntag dem Eishockeyprofi Richard Zednik von den Florida Panthers vom Schlittschuh eines Mannschaftskameraden die Halsschlagader aufgeschlitzt wurde. Der Sportunfall passierte beim Spiel in Buffalo. Der 32jährige Slowake wurde ins Krankenhaus gebracht und operiert. Nach Angaben der Ärzte geht es ihm trotz des Blutverlusts einigermaßen. Die Amerikaner nennen das "stable condition" (via Two Minutes For Blogging).

27. August 2007

Der Sturzweltmeister

Es lebe der Sport. Er ist gesund und macht uns hart: Drei Österreicher sind nach Osaka geflogen, um bei der Leichtathletik-WM das Banner der Alpenrepublik hochzuhalten. Einer wird in die Heimat zurückkehren, ohne sich an das Ereignis zu erinnern: Günther Weidlinger. Der hatte bei einem Crash mit einer Hürde das Bewusstsein verloren. Hier die entscheidende Szene aus dem 3000-Meter-Hindernis-Rennen mit einem Kommentar, der schwer nach Schwedisch klingt.


Der Standard in Wien kletterte ins Archiv und hackte ruckzuck eine riesenlange Geschichte zusammen, die zeigt, dass Weidlinger, der mit Platzwunden davon kam, die genäht wurden, die Hindernisstrecke eher meiden sollte:
"Mit Unfällen hat Günther Weidlinger jedenfalls Erfahrung. So auch in der finalen WM-Vorbereitung am 28. Juli. Fünf Sekunden nach dem Start musste er mit einer blutenden Wunde am Knöchel, die ein Mitläufer ihm zugefügt hatte, aufgeben. Einige Male hat es ihn noch schlimmer erwischt. Am 17. Juni 2001 riss er sich bei einem Sturz beim Wassergraben die rechte Achillessehne und musste die WM in Edmonton sowie die Hallen-EM 2002 in Wien auslassen. Schon 1998 bei der WM in Budapest hatte er im Vorlauf vor einem Hindernis einen Rempler bekommen, war gestürzt und hatte sich Muskelfaserrisse im Knie und eine Gehirnerschütterung zugezogen. 2002 in München stieg ihm im Finale ein Konkurrent auf den Fuß, Weidlinger krachte in ein Hindernis und kämpfte sich als Zwölfter und Letzter ins Ziel. Diagnose: Teilabriss im Quadrizeps des linken Oberschenkels. 2003 war dann diesbezüglich ein einziges Desaster: Bei der Hallen-WM in Birmingham stolperte der HSZ-Soldat im Finale über 3000 Meter über einen Gegner und verletzte sich die linke Schulter. Auf der Gugl ging er mit einem Kreislaufkollaps zu Boden, den Lauf bei der WM in Paris beendete er ebenfalls vorzeitig nach einem Sturz.

11. April 2007

Er kommt einfach nicht in Fahrt: NASCAR-Mann Waltrip schläft am Steuer ein

Kein gutes Jahr wie NASCAR-Fahrer Michael Waltrip: Erst die Geschichte mit der manipulierten Treibstoffzufuhr beim Daytona 500, was zu einem heftigen Punkteabzug führte und zu einer Sperre auf unbefristete Dauer seines Teamchefs. Seit dem ersten Rennen konnte er sich mit seinem Toyota für kein Rennen mehr qualifizieren. Und nun dies: Nachts auf einer öffentlichen Straße in der Nähe seines Hauses in North Carolina brachte er es am Wochenende fertig, seinen dicken Land Cruiser-SUV gegen einen Telefonmasten zu fahren und sich anschließend zu überschlagen. Statt die Polizei zu alarmieren, lief er zu Fuß nach Hause. Was immer ganz gut ist, falls man mal einen über den Durst getrunken hat. Die Ordnungshüter kamen erst Stunden später zu Besuch und gaben ihm nur ein Knöllchen, weil er den Unfall nicht gemeldet hatte. Er sei am Steuer eingeschlafen, erklärte er. Er war mit ein paar Hautabschürfungen davon gekommen.

21. November 2006

Montoya in den USA: Feuer unterm Hintern


Beim ersten Auftritt von Ex-Formel-1-Pilot Juan Pablo Montoya in der obersten NASCAR-Kategorie ging es heißer her, als es ihm lieb sein konnte. In der 252. von 267 Runden bei den Miami 400 in Homestead außerhalb von Miami, dem allerletzten Rennen der Saison, bei dem Jimmie Johnson den Nextel-Cup gewann, touchierte der Dodge des Kolumbianers erst die Mauer und rutschte dann wie ein Fackel über die Piste. A warm welcome nennen die Amerikaner so etwas.