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21. Januar 2010

Der Klingelbeutel: Nicht alles im Griff

Die Ambitionen von David Beckham, sich über den Winter in Mailand für die englische WM-Mannschaft zu empfehlen, produzieren immer wieder ein paar widrige Nachrichten. In der vergangenen Saison gab es das Tauziehen über seine Rückkehr zu Los Angeles Galaxy. Das wurde beigelegt. Nun musste er sich von einer Italienerin fürs Fernsehen das Gemächt begrapschen lassen. Warum? Weil sich aufgrund der Emporio-Armani-Unterwäsche-Anzeigen und eines (mutmaßlich getürkten) Nacktfotos, das online kursiert, das Gerücht hält, Becks habe schwer zu tragen. Die Dame brüllte vor laufender Kamera: Das sei alles nicht halb so wild. Der Fußballer war über solch eine Attacke entsetzt und stürmte davon.

• Nichts Genaues weiß man nicht, aber das kann sich noch ändern: Nachdem die NBA als erste US-Liga die Vermarktugsmöglichkeiten in anderen Erdteilen entdeckte und die NFL nach einer Reihe von gescheiterten Experimenten den Pflichtspiel-Abstecher nach London installierte und die NHL ihre Fühler nach Europa ausstreckte und nun vor Beginn der Saison zwei Teams schickt, sucht Major League Baseball noch immer nach einer eigenen Lösung für ein Schaufenster zur Welt. Was schwierig ist angesichts der Großwetterlage. Mittelamerika und Venezuela sowie Japan im fernen Asien sind die einzigen Länder, in denen man wirklich Widerhall erzielen kann. Nun wurde eine alljährliche Begegnung zwischen dem amerikanischen World-Series-Sieger und dem japanichen Meister ins Gespräch gebracht. Da man die "Welt" bereits in den USA intern als Namensgeber gepachtet hat, dürfte es vor allem an der passenden Bezeichnung hapern. Unter "global" oder "Universum" dürfte es nicht abgehen.

• Der Stanley Cup ist viel unterwegs. Denn jedes Mannschaftsmitglied des Siegerteams kann den riesigen Pott einen Tag bei sich zuhause vorzeigen. Egal, in welchem Land zuhause ist. Manchmal wird das Ding aber auch falsch verladen und landet dann am falschen Ort. So wie jetzt, als der Transport von Newark nach Vancouver gehen sollte. Ausgeladen wurde der Cup in Toronto. Was irgendwie verständlich ist. Denn dort ist die Hall of Fame. Und die ist sein zuhause (via The Big Lead).

20. September 2009

Podcast-Premiere: "Baseball zieht in den Krieg"


In Europa läuft zur Zeit eine bemerkenswerte Veranstaltung, die in mehreren Ländern parallel stattfindet und in der ersten Phase unter anderem in Regensburg Station machte: Der World Cup 2009 der IBAF – die Baseball-Weltmeisterschaft. Das Kürzel steht für den Internationalen Baseballverband, der gemerkt hat, dass man das stark wachsende Interesse an der Sportart östlich vom Atlantik vor allem dann weiter anschieben kann, wenn man dem Publikum das ganze Spektrum bietet: Spieler aus den Hochburgen und Talentschmieden und aus den aufstrebenden Baseball-Ländern. Angereichert mit einer Prise Nationalstolz.

Bei dem Versuch, den Zuschauern den World Cup schmackhaft zu machen, sind die Produzenten eines Werbevideos in Italien, wo das Finale stattfindet, jedoch weit über das Ziel hinausgeschossen. Sie inszenierten in Anspielung an eine der blutigen Schlachten des Zweiten Weltkriegs in Italien eine Landeoperation für die Kamera. Die Baseballspieler kommen vom Meer und stürmen – nur mit Baseballschlägern bewaffnet – den mit Panzersperren und Stracheldraht übersäten Strand. Vermutlich haben sich die Macher an der Auftaktsequenz des Films Saving Private Ryan (deutscher Titel: Der Soldat James Ryan, spielt in der Normandie) orientiert und fanden das militaristische Sujet irgendwie passend (hergestellt von der italienischen Werbeagentur Link, Regisseur Mauro Mancini).

Tatsächlich ist die Darstellung nichts anderes als eine Verhöhnung all jener, die von ihren Generälen in den Kugelhagel geschickt wurden, um das von den Nazis besetzte Europa zu befreien. Die Webseite The Daily Tube meinte über den Missgriff, bei dem am Ende im Stile der Reality-TV-Serie Survivor ein Baseball-Schläger als Fackel über dem leeren Strand lodert, das Video zeige "eine generelle Unfähigkeit".

Der eingeblendete englische Text am Anfang des Videos lautet:
"Am 22. Januar 1944 landeten 36.000 Soldaten an der italienischen Küste zwischen Anzio und Nettuno südlich von Rom. Sie wurden in eine der berühmtesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In diesem Jahr machen sich Wettkämpfer aus allen Teilen der Welt bereit, über dasselbe Feld der Ehre zu laufen."

Die historischen Fakten: Die Landeoperation, an der auf alliierter Seite Truppen aus den USA, Kanada und Großbritannien beteiligt waren, wurde vor allem deshalb berühmt, weil sie als abschreckendes Beispiel für einen militärischen Fehlschlag gilt. Sie führte zu monatelangen Gefechten auf engstem Raum und kostete auf beiden Seiten knapp 10.000 Soldaten das Leben. Die Zahl der Verwundeten lag bei über 30.000.

Es geht auch anders, wie ein zweiter Werbefilm aus dem gleichen Haus zum gleichen Anlass zeigt: Hier ließ man sich von einem der erfolgreichsten Baseballfilme aller Zeiten inspirieren: Field of Dreams (Feld der Träume, Hauptrolle Kevin Costner), der in den Maisfeldern von Iowa spielt und die Sportart und einen ihrer Traditionsclubs mythologisiert.

Über beide Videos und den Baseball World Cup (der noch bis Ende September läuft) geht es im ersten America-Arena-Podcast. Gesprächspartner ist der deutsche Baseball-Journalist Philipp Würfel, der unter anderem für die Webseite Mister Baseball und den MLB Insider schreibt.

Den Podcast wird es von jetzt ab regelmäßig geben – zu unterschiedlichen Themen und aktuellen Anlässen. Ziel ist nicht, einfach nur geschriebene Texte zu vertonen oder zu bebildern, sondern die vielen technischen Möglichkeiten da zu nutzen, wo sie sich anbieten: um Impressionen und Atmosphären einzufangen, wie man sie sonst nur aus dem Radio oder dem Fernsehen kennt. Der inhaltliche Anspruch? Alles aus dem weiten Feld der Themen, die American Arena seit den Anfängen abdeckt.

Feedback? Sehr willkommen.

P. S. Zu einem gewissen Grad geht die Inspiration zu diesem Podcast auf die ambitionierte und vielversprechende Arbeit einer Gruppe von Fußballbloggern in Deutschland zurück, die soeben – noch immer im Stadium des Experimentierens (deshalb auch der Arbeitstitel Nullnummer) die vierte Ausgabe aufgenommen hat. Diesmal auch mit einem kleinen Beitrag von dieser Stelle aus. Federführend ist probek in München, der am Montag übrigens zum ersten Mal im Alleingang eine Produktion gefahren hat und das hervorragend hinbekommen hat. Zu seinem Live-Mitschnitt in seiner Küche schalten sich regelmäßig Blogger aus anderen Städten über einen parallel laufenden Chat ein. Die Mitstreiter wiederum können die Studioarbeit über Stream live im Netz per Video verfolgen. Auf probeks Blog laufen auch die Kommentare ein. Reinhören lohnt sich.

15. Juni 2009

Der Klingelbeutel: Tote fahren länger

Vielleicht könnte das überall passieren, aber geschehen ist es in Mexiko, wo es eine separate NASCAR-Serie gibt. Da wurde der im Rennen führende Carlos Pardo auf der letzten Runde von hinten gerammt, der Wagen bei 190 km/h in eine Begrenzung geschleudert und so schwer zertrümmert, dass der Mann am Steuer 45 Minuten später an den Verletzungen starb. Er wurde trotzdem zum Sieger erklärt.

...ein Blogger, der sich vom Imperium NBC inhalieren lässt, verspricht auch weiterhin Unabhängigkeit und rattenscharfe Infos. Man wird sehen, ob ProFootballTalk das auch wirklich hinbekommt. Denn bekanntlich ist NBC einer der Finanziers der NFL und zeichnet sich hauptsächlich durch eine interessenidentische Cheerleader-Haltung aus (via The Big Lead).

...die Zeitung mit der Nase für das Thema war die New York Times. Unsereins hängt sich da nur dran. Allerdings freut man sich, wenn man mit Nachklappern immer noch vor den anderen Krach schlägt. So früh, dass ich heute morgen auf der Straße in New York dem aus Kalabrien stammende Hausbesitzer von schräg gegenüber von Guiseppe Rossi aus New Jersey erzählen konnte. Rechtzeitig vor dem Spiel Italien gegen USA und rechtzeitig vor dem ersten großen Auftritt dieses jungen Signore Rossi, der nach einem Bericht der FAZ "Weltmeister Italien gegen zehn Amerikaner vor einem Fehlstart beim Confederations Cup bewahrt" hat. Die Mannschaft gewann mit 3:1. Ob die Amerikaner gewonnen hätten, wenn der geborene Amerikaner Rossi für sie gespielt hätte, werden wir nie erfahren. Aber vielleicht gibt es mal irgendwann Computerspiele, mit denen man solche Unwägbarkeiten abwägen kann.

...ein Hinweis in eigener Sache. Der abschließende Bericht zum Meisterschaftserfolg der Los Angeles Lakers ist hier erschienen und steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Was die Printausgabe nicht bieten kann, sind Kommentare unter den Artikeln. Ich möchte aus gegebenem Anlass aber mal auch auf den Kommentar unter diesem Artikel hinweisen. Sehr lesenswert, weil voller guter Informationen. Davon wünscht man sich als Autor noch sehr viel mehr.

11. Juni 2009

Wege zum Ruhm

Die New York Times hat eine hübsche Geschichte über einen jungen amerikanischen Fußballspieler, der es im Alter von 13 vorzog, nach Italien in das Land seiner Vorväter zu ziehen, wo er sich ganz allmählich in die Nationalmannschaft hochgehangelt hat. Niemand weiß, ob er in den USA auch nur annähernd so gut geworden wäre. Aber klar ist auch, dass die Amerikaner angesichts solcher Geschichten keine guten Karten haben, um jemals eine eigene starke Mannschaft aufzubauen. Denn nicht mal die beachtlichen Bemühungen von Schuhfirmen und Firmen wie IMG, die in Florida eine Schule für Sportlernachwuchs betreibt, können einen solchen Drang eindämmen.

Wo wir gerade bei der Fußballberichterstattung der Times sind. Ebenfalls lesenswert: das jüngste Stück von Rob Hughes über die Möglichkeit, dass nicht nur Ronaldo bei der WM im kommenden Jahr fehlen wird, sondern auch Messi. Mit anderen Worten: der wichtigsten Veranstaltung der Sportart könnten eine Reihe von herausragenden Stars fehlen. Der Gedankengang dahinter ist nicht besonders brilliant. Ist etwas mit dem Modus falsch, wenn sich die Nationalmannschaften mit diesen Herrschaften im Team nicht durch diesen löchrigen Käse namens Qualifikation fressen können? Wohl kaum. Entscheidend ist bekanntlich auf dem Platz. Andersherum gefragt: Ist vielleicht etwas mit dem Blickwinkel von Leuten falsch, die die Mannschaftssportart Fußball als Plattform für Auftritte einzelner Zirkusartisten umdeuten? Schon eher. Der Trend ist sicher nicht aufzuhalten. Weshalb auch weiterhin gute Torleute und solide Verteidiger kaum Beachtung finden werden und unter Wert eingestuft werden, aber Leute mit Vorwärtsdrang in dieser einäugigen Art des Fußballkonsums immer sehr viel besser abschneiden.

Nur hin und wieder – und das ist jetzt ein Verweis auf das gleiche Phänomen im amerikanischen Basketball, wo die Startümelei völlig gaga ist – schaut jemand genauer hin und erzählt eine Geschichte über einen Sportler, dessen Wirkungsgrad ganz erheblich ist, dessen Profil in der Öffentlichkeit im Vergleich dazu sehr dünn ausfällt. Dies ist eine ausführliche Geschichte über Shane Battier von Michael Lewis – ebenfalls in der New York Times (aber schon ein paar Monate alt). Über Lewis und sein verblüffendes Talent, Perlen im Schweinetrog zu finden, war schon mal hier und hier die Rede. Sein Buch Moneyball wird tatsächlich verfilmt. Das kann man sich zwar nur schwer vorstellen. Aber das ist Steven Soderberghs Problem. Und der hat schon ganz andere Sachen hinbekommen.

8. Februar 2007

Italienischer Fußball ein Wirtschaftsfaktor?

Fundsache in der in den USA sehr populären Wochenzeitschrift The Economist, aufgespürt vom Blog The Sports Economist: Nach Angaben von Aldo Spinelli, dem Präsidenten von Livorno, ist Fußball der drittgrößte Wirtschaftszweig in Italien. "Falls ja," schreibt der Blogger, dann ist Italiens Wirtschaft in großen Schwierigkeiten." Und die anderen Branchen, die laut Wikipedia so bedeutend schienen - Torismus, Maschinenbau, Eisen- und Stahlindustrie, Chemie, Lebensmittelindustrie, Auto, Bekleidung, Schuhe und Keramik sind es dann wohl auch. Denn die müssen wohl abgesackt sein.