Die amerikanischen Teilnehmer der Olympischen Spiele haben derzeit doppelt zu tragen. Sie müssen nicht nur – so wie immer – ihre Nominierung rechtfertigen und ihre Sponsoren zufrieden stellen. Ihre perspektivisch sehr viel wichtigere Rolle ist die von Stimmungskanonen für die Zukunft der Bewegung. Warum? Das IOC hatte dereinst beschlossen, sich in den USA nicht mehr ausschließlich beim Sender NBC gütlich zu halten, sondern eine offene Bewerbung um die Fernsehrechte 2014 und 2016 anzuberaumen.
Teil eins der taktischen Überlegung ging nicht auf. Chicago bekam nicht den Zuschlag für die Sommerspiele 2016, sondern Rio de Janeiro, womit das Interesse der US-Fernsehzuschauer an der Veranstaltung automatisch um einige Ticks gesunken sein dürfte. Teil 2 funktioniert schon sehr viel besser. Die amerikanischen Sportler sind die erfolgreichsten in Vancouver und gestatten es NBC, viele patriotisch eingefärbte Bilder abzusondern. Bisheriger Höhepunkt: Der Eishockey-Sieg der USA gegen Kanada in der Vorrunde am Sonntag, übertragen vom Kabel-Ableger MSNBC, wo sich 8,2 Millionen Zuschauer die Live-Übertragung gönnten (die an der Westküste zeitversetzt ausgestrahlt wurde.)
Doch was da glänzt, ist nicht wirklich Gold. Oder sagen wir mal: Geld. 200 Millionen Dollar wird NBC bei diesen Spielen an Verlusten anhäufen, schreibt das Sports Business Journal in einem aktuellen Abriss über den Stand der Dinge. Ein Betrag, bei dem irgendwann die Top-Buchhalter einschreiten, denen man jahrelang ständig etwas vom Zusatznutzen und Werbeeffekt und Prestigewert der Spiele einreden konnte. Der hinreichend bekannte Rupert Murdoch hatte es ihnen im Herbst lange vor den Spielen und bereits laut und deutlich vorgerechnet: "Abgesehen von all der Propaganda und so – ich will niemanden einen Lügner nennen – aber keiner hat bisher damit Geld verdient." Wobei in der Welt des Kommerzfernsehens Verdienen immer so geht: Man muss Werbung verkaufen. Ganz viel Werbung. Für stolze Preise. Und das auch dann, wenn die Wirtschaft in einer Krise hängt und auf die unbeschwerte Stimmung drückt. So wie jetzt.
Kein Geld verdienen ist nicht immer ein Argument. Das zeigt man in Murdochs-Imperium in anderen Teilen der Welt: Einige seiner Sky-Töchter sind durchaus bereit, die IOC-Großveranstaltungen zu alimentieren. Aber dabei handelt es sich um Brutto-Beträge, die geringer sind als die Verluste von NBC.
Der einzige amerikanische Sender, der nicht Werbung verkaufen muss, um ein Rechtepaket von der Größenordnung des IOC-Angebots zu rechtfertigen (also auch kein Geld "verdienen" muss), ist ESPN. Der finanziert sich im wesentlichen über Gebühren, die die Kabelfernsehkunden bezahlen. Und er schwimmt nicht nur im Geld, sondern er verfügt über die Infrastruktur, eine Großveranstaltung wie die Olympischen Spiele aus dem Stand zu übertragen. Doch – und das zeigte sich bisher beim Engagement im europäischen Fußball – in der Chefetage dort spielt niemand Hasard. Man bot neulich bei den Bundesligarechten mit, aber pokerte nicht besonders hoch. Und der Einstieg in das Geschäft mit der Premier League kam über einen Umweg zustande. Über die Pleite des Rechteinhabers Setanta, der sich verkalkuliert hatte. So etwas spart viel Geld.
In diesem Zusammenhang sind die Signale aus dem Sports-Business- Journal-Artikel in Sachen IOC denn auch unübersehbar. ESPN scheint interessiert, demnächst beim IOC ein Angebot abzugeben. Aber nicht um jeden Preis. Denn vorher könnte ein ganz anderes Paket auf den Tisch kommen: Das extrem populäre College-Basketball-Meisterschaftsturnier, das seit Jahr und Tag von CBS betreut wird. Offensichtlich macht sich die NCAA Gedanken, ob sie nicht im April aus dem laufenden Elf-Jahres-Vertrag aussteigen soll (obwohl ihr für die kommenden drei Jahre 2,1 Milliarden Dollar garantiert sind) und die Sache neu ausschreiben. Irgendjemand muss den Collegesport-Verantwortlichen gesteckt haben, dass in diesem kompakten Rechtestapel noch sehr viel Luft nach oben ist. Kommt es dazu, saugt die NCAA allerdings automatisch Milliarden aus dem amerikanischen Markt der Sportfernsehrechte, der trotz aller andersgelagerten Hoffnungen zur Zeit nicht weiter wächst.
Die Auswirkungen auf die Gebote für die Spiele 2014 und 2016 kann man sich ausmalen. Statt eines Einnahmeanstiegs, wie ihn sich Jacques Rogge erhofft, wird es bestenfalls ein Null-Wachstum geben. Wenn nicht sogar ein Absinken. So wie die Spiele de facto nur noch ausgerichtet werden können, weil die Steuerzahler vor Ort die Rechnung bezahlen (und vorher jeweils von den örtlichen Bewerbungskomitees düpiert werden, die immer wieder behaupten, die Veranstaltung würde Profit abwerfen), so zeigt sich nun, dass andere Teile des Finanzierungskonzepts "Olympische Spiele" nicht länger aufgehen werden. Es sei denn, aus bevölkerungsreichen Ländern wie China und Indien kommen demnächst enorme Zuwächse aus dem Fernsehrechte-Topf. Theoretisch möglich. Aber ziemlich unwahrscheinlich.
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23. Februar 2010
18. Juli 2009
Chicago das Opfer der Kabale?
In eigener Sache: Der Deutschlandfunk hat heute einen ausführlichen Bericht über den Streit zwischen dem Nationalen Olympischen Komitee der USA (hierzulande gerne USOC genannt) und dem IOC ausgestrahlt. Es geht ums Geld. Und um einen eigenen Fernsehkanal, den die Amerikaner ohne NBC und notfalls auch ohne das Wohlwollen von NBC auf die Beine stellen wollen.
Die Gemengelage ist inzwischen derart kitzlig, dass man das Gefühl nicht los wird, dass womöglich Chicago zum Opfer der Kabale wird. Die Stadt tritt gegen Madrid, Rio de Janeiro und Tokio bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 an. Die Entscheidung fällt am 2. Oktober in Kopenhagen. Eigentlich handelt es sich um eine Dreiecksgeschichte, bei der die Rolle des Dritten, des Senders NBC, von purem Eigennutz getrieben ist. Das taktische Verhalten der NOK-Führung, die erst vor kurzem neu besetzt wurde, wirkt dagegen vergleichsweise generös, allerdings auch ungeschickt. Mal wieder besonders dubios sind die Signale aus den Reihen des IOC, wo man sich wohl offensichtlich von dem Schock der letzten Jahre der Samaranch-Ära erholt hat, als man sich angesichts von zahllosen Korruptionsfällen vor dem Zorn des mächtigen amerikanischen Kongresses fürchten musste, der über allerlei Daumenschrauben verfügt, um die grandiose olympische Idee auf ein kleineres Format zusammenzustauchen.
Das wurde durchgestanden. Der Salt-Lake-City-Skandal wurde abgearbeitet. Samaranch ging in den Ruhestand. NBC zahlte Milliarden und stach dabei dank der gut geölten Kontakte die inneramerikanischen Konkurrenten aus. Nun verlangt der Sender wohl den return on investment aus Lausanne: eine harte Haltung gegenüber dem NOK in Sachen Fernsehprojekt. Der Medienkonzern hat dabei seine beste Karte bereits gespielt, als er dafür sorgte, dass die Vergabe der Fernsehrechte für 2016 bis nach Kopenhagen vertagt wurde. Ich sah das zu seiner Zeit als interessantes Druckmittel an, um den IOC-Mitgliedern aus dem Rest der Welt durch die Blume zu sagen: Wenn ihr wieder viel Geld wollt, solltet ihr uns (NBC) die Spiele in Chicago geben.
Mittlerweile könnte angesichts des Fehlens eines jeden echten quid pro quo sicher auch jemand anderer das Rennen machen. Und NBC würde sich möglicherweise aus der Olympiaberichterstattung zurückziehen. Dick Ebersol, dem Chef, wäre das sicher auch egal, ob er die Rechte hat oder nicht, wenn die Spiele 2016 in Tokio stattfinden. Er hat das Ende seiner Karriere erreicht.
Die Gemengelage ist inzwischen derart kitzlig, dass man das Gefühl nicht los wird, dass womöglich Chicago zum Opfer der Kabale wird. Die Stadt tritt gegen Madrid, Rio de Janeiro und Tokio bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 an. Die Entscheidung fällt am 2. Oktober in Kopenhagen. Eigentlich handelt es sich um eine Dreiecksgeschichte, bei der die Rolle des Dritten, des Senders NBC, von purem Eigennutz getrieben ist. Das taktische Verhalten der NOK-Führung, die erst vor kurzem neu besetzt wurde, wirkt dagegen vergleichsweise generös, allerdings auch ungeschickt. Mal wieder besonders dubios sind die Signale aus den Reihen des IOC, wo man sich wohl offensichtlich von dem Schock der letzten Jahre der Samaranch-Ära erholt hat, als man sich angesichts von zahllosen Korruptionsfällen vor dem Zorn des mächtigen amerikanischen Kongresses fürchten musste, der über allerlei Daumenschrauben verfügt, um die grandiose olympische Idee auf ein kleineres Format zusammenzustauchen.
Das wurde durchgestanden. Der Salt-Lake-City-Skandal wurde abgearbeitet. Samaranch ging in den Ruhestand. NBC zahlte Milliarden und stach dabei dank der gut geölten Kontakte die inneramerikanischen Konkurrenten aus. Nun verlangt der Sender wohl den return on investment aus Lausanne: eine harte Haltung gegenüber dem NOK in Sachen Fernsehprojekt. Der Medienkonzern hat dabei seine beste Karte bereits gespielt, als er dafür sorgte, dass die Vergabe der Fernsehrechte für 2016 bis nach Kopenhagen vertagt wurde. Ich sah das zu seiner Zeit als interessantes Druckmittel an, um den IOC-Mitgliedern aus dem Rest der Welt durch die Blume zu sagen: Wenn ihr wieder viel Geld wollt, solltet ihr uns (NBC) die Spiele in Chicago geben.
Mittlerweile könnte angesichts des Fehlens eines jeden echten quid pro quo sicher auch jemand anderer das Rennen machen. Und NBC würde sich möglicherweise aus der Olympiaberichterstattung zurückziehen. Dick Ebersol, dem Chef, wäre das sicher auch egal, ob er die Rechte hat oder nicht, wenn die Spiele 2016 in Tokio stattfinden. Er hat das Ende seiner Karriere erreicht.
15. Juni 2009
Der Klingelbeutel: Tote fahren länger
Vielleicht könnte das überall passieren, aber geschehen ist es in Mexiko, wo es eine separate NASCAR-Serie gibt. Da wurde der im Rennen führende Carlos Pardo auf der letzten Runde von hinten gerammt, der Wagen bei 190 km/h in eine Begrenzung geschleudert und so schwer zertrümmert, dass der Mann am Steuer 45 Minuten später an den Verletzungen starb. Er wurde trotzdem zum Sieger erklärt.
...ein Blogger, der sich vom Imperium NBC inhalieren lässt, verspricht auch weiterhin Unabhängigkeit und rattenscharfe Infos. Man wird sehen, ob ProFootballTalk das auch wirklich hinbekommt. Denn bekanntlich ist NBC einer der Finanziers der NFL und zeichnet sich hauptsächlich durch eine interessenidentische Cheerleader-Haltung aus (via The Big Lead).
...die Zeitung mit der Nase für das Thema war die New York Times. Unsereins hängt sich da nur dran. Allerdings freut man sich, wenn man mit Nachklappern immer noch vor den anderen Krach schlägt. So früh, dass ich heute morgen auf der Straße in New York dem aus Kalabrien stammende Hausbesitzer von schräg gegenüber von Guiseppe Rossi aus New Jersey erzählen konnte. Rechtzeitig vor dem Spiel Italien gegen USA und rechtzeitig vor dem ersten großen Auftritt dieses jungen Signore Rossi, der nach einem Bericht der FAZ "Weltmeister Italien gegen zehn Amerikaner vor einem Fehlstart beim Confederations Cup bewahrt" hat. Die Mannschaft gewann mit 3:1. Ob die Amerikaner gewonnen hätten, wenn der geborene Amerikaner Rossi für sie gespielt hätte, werden wir nie erfahren. Aber vielleicht gibt es mal irgendwann Computerspiele, mit denen man solche Unwägbarkeiten abwägen kann.
...ein Hinweis in eigener Sache. Der abschließende Bericht zum Meisterschaftserfolg der Los Angeles Lakers ist hier erschienen und steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Was die Printausgabe nicht bieten kann, sind Kommentare unter den Artikeln. Ich möchte aus gegebenem Anlass aber mal auch auf den Kommentar unter diesem Artikel hinweisen. Sehr lesenswert, weil voller guter Informationen. Davon wünscht man sich als Autor noch sehr viel mehr.
...ein Blogger, der sich vom Imperium NBC inhalieren lässt, verspricht auch weiterhin Unabhängigkeit und rattenscharfe Infos. Man wird sehen, ob ProFootballTalk das auch wirklich hinbekommt. Denn bekanntlich ist NBC einer der Finanziers der NFL und zeichnet sich hauptsächlich durch eine interessenidentische Cheerleader-Haltung aus (via The Big Lead).
...die Zeitung mit der Nase für das Thema war die New York Times. Unsereins hängt sich da nur dran. Allerdings freut man sich, wenn man mit Nachklappern immer noch vor den anderen Krach schlägt. So früh, dass ich heute morgen auf der Straße in New York dem aus Kalabrien stammende Hausbesitzer von schräg gegenüber von Guiseppe Rossi aus New Jersey erzählen konnte. Rechtzeitig vor dem Spiel Italien gegen USA und rechtzeitig vor dem ersten großen Auftritt dieses jungen Signore Rossi, der nach einem Bericht der FAZ "Weltmeister Italien gegen zehn Amerikaner vor einem Fehlstart beim Confederations Cup bewahrt" hat. Die Mannschaft gewann mit 3:1. Ob die Amerikaner gewonnen hätten, wenn der geborene Amerikaner Rossi für sie gespielt hätte, werden wir nie erfahren. Aber vielleicht gibt es mal irgendwann Computerspiele, mit denen man solche Unwägbarkeiten abwägen kann.
...ein Hinweis in eigener Sache. Der abschließende Bericht zum Meisterschaftserfolg der Los Angeles Lakers ist hier erschienen und steht morgen in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Was die Printausgabe nicht bieten kann, sind Kommentare unter den Artikeln. Ich möchte aus gegebenem Anlass aber mal auch auf den Kommentar unter diesem Artikel hinweisen. Sehr lesenswert, weil voller guter Informationen. Davon wünscht man sich als Autor noch sehr viel mehr.
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2. Juni 2009
Musst du gucken
Die Mutterfirma hinter dem Fernsehsender NBC heißt Universal und ist ein Multi im Mediengeschäft. Multis arbeiten manchmal auch an kleinen Dingen. Wie dieser Entwicklung, die noch im Beta-Stadium steckt: Ziemlich gute Sportfotos in handlichen Galerien. Die eigentliche Entdeckung: Es geht mehr um die olympischen Sportarten und weniger um die Disziplinen und Ereignisse, die bei ABC, ESPN, CBS und FOX abgehandelt werden. Anders als die typischen Klickstrecken der deutschen Zeitungsseiten, kann man sich auch über kleine Thumbnails fortbewegen. Hier ein Link zu einem Beispiel vom Zehnkampf am Wochenende in Götzis.
8. August 2008
Am Nasenring durch die Manege
Ah, schöne neue Welt des verwalteten, exklusiven Senderechts. Während sich der Rest der Erdbevölkerung entweder interessiert oder grimmig oder auch nur ganz ambivalent die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking anschaut, warten wir in den USA auf den heutigen Abend. NBC hat zwar Reporter vor Ort, darunter die Pappnasen, die jeden Morgen (unserer Zeit) stundenlang die Today Show moderieren. Die reden live und vor ausgewähltem Pekinger Hintergrund über alles mögliche, aber zu zeigen haben sie nichts.
Warum ist das bizarr? Weil nach jedem Unglück an einer Kohlengrube in West Virginia oder Utah stundenlang auf allen News-Kanälen Reporter vor Ort vor der Kamera stehen und jedes bisschen Information, jedes Gerücht, jede Menschenseele, die sich entäußern möchte, über die Sender jagen. Und zwar stundenlang, unterbrochen von Werbung und Interviews mit zugeschalteten Experten. Jede Polizeiverfolgung auf der Autobahn in Los Angeles wird aus dem Hubschrauber ausgedehnt live gezeigt. Bei O. J. Simpsons Fahrt damals wären sich die Helikopter fast gegenseitig ins Gehege gekommen. Beim Tsunami im Indischen Ozean haben sich alle überschlagen, Amateur-Videos aufzutreiben, um das Unglück so schnell und so illustrativ wie möglich nachzeichnen zu können. Bei jedem Krieg der Amerikaner sind die Reporter dabei, ob eingebettet oder solo. Sie liefern Bilder, Eindrücke, O-Töne. Sie liefern das Abbild von Ereignissen.
Auf diese Weise ist die Medien-Arbeitsphilosophie der digitalen Welt entstanden: schneller, lauter, permanenter und zwar auf mindestens drei Kanälen (CNN, MSNBC, Fox News) gleichzeitig. Oder wie im Fall der rauchenden und wenig später kollabierenden World Trade Center Türme im September 2001 in New York auf mindestens zehn Kanälen. Natürlich hat diese Informationskultur längst den Medienverbraucher geprägt. Der weiß inzwischen ganz genau: Was wirklich wichtig ist, läuft auf allen Kanälen, gleichzeitig und wird mit einer besonderen Darstellungsenergie präsentiert. Auf diese Weise wurde Amerika darüber informiert, dass die Regierung die armseligen Menschen im überfluteten New Orleans ignoriert hatte. Die Reporter und ihre Kameras waren da. Die Hilfsorganisationen waren sonstwo.
Was hat das mit den Olympischen Spielen zu tun? Ganz einfach. Die sind dabei, sich angesichts einer veränderten Medienlandschaft zumindest in den USA ihr eigenes Grab zu schaufeln. Es mag zwar rechnerisch und wirtschaftlich für NBC noch immer aufgehen, dem IOC 800 Millionen Dollar zu überweisen, um exklusiv senden zu können. Aber NBC wird auf diese Weise und trotz der aktuellen Strategie, auf vielen Kabelkanälen des Konzerns Live-Bilder auszustrahlen, nicht mehr dem Anspruch der Veranstaltung gerecht, etwas Besonderes zu sein. Das kommt davon, wenn man andere Sender aussperrt und ihnen nicht gestattet, das Ereignis mit hochzuhypen.
Ein Beispiel: Als Football-Quarterback Brett Favre vor ein paar Tagen durch die Lande tingelte und niemand wusste, bei welchem Club er landen würde, hatte ESPN eine ganze Handvoll von Leuten im Einsatz. Foxsports schaffte den Scoop: Favre zu den New York Jets. Natürlich war der Aufwand trotzdem gerechtfertigt, denn die ganze gossip-verwöhnte Sportnation USA wollte diese Soap Opera genüsslich auflecken. Live-Bilder von der Ankunft des Favre-Flugzeugs in New York wurden bei MSNBC als "Breaking News" ausgetrahlt. MSNBC ist ein News-Kanal im NBC-Verbund. Ja, auch der spielte mit bei diesem Spiel. So absurd es sein mag: Favre ist unter News-Gesichtspunkten betrachtet wichtiger als die kompletten Olympischen Spiele. Letzter Beleg für diese These: Was machte Comedy Central in der Daily Show? Es beschäftigt sich mit dem Overkill im Fall Favre, nicht mit Olympia.
Selbst die PGA Championship in Bloomfield Township bekommt im Fernsehen (auch dank des Golf Channel) mehr Aufmerksamkeit als die Olympische Spiele. All das absorbiert Neugier und Interesse und wird ganz bestimmt nicht von der Arbeit der Zeitungen und ihren Korrespondenten aufgewogen. Die wirken vor dieser medialen Kulisse bestenfalls wie die unentwegten Artisten und Dompteure mit ihren Tieren, die der Zirkus immer vorschickt und durch die Straßen der Stadt laufen lässt, ehe er sein Zelt aufbaut. Natürlich werden in den kommenden Wochen ein paar Millionen in den USA die Olympischen Spiele im Fernsehen einschalten. Aber die werden nichts spüren von der behaupteten Magie und dem angeblichen Geist der Spiele, auch wenn sie von den Programmmachern von NBC am Nasenring durch die Manege geführt und mit der Vorstellung gefüttert werden, dass Jacques Rogges Festival ein Spektakel von Belang sein soll. Es mögen ja 10.000 Sportler in Peking sein und 25.000 Journalisten und 2 Millionen Sicherheitskräfte. Aber diese Dimension kann man heutzutage nur dann vermitteln. wenn man die geballte Macht der Bilder inszeniert, mit Hubschraubern, Zuschaltungen von Reportern über News-Kanäle und dem ständigen Geräusch aus der Gerüchtekammer von ESPN und seinen fleißigen Rechercheuren. Das Monopol ist tot. Nur der Termin für seine Beerdigung steht noch nicht fest.
Warum ist das bizarr? Weil nach jedem Unglück an einer Kohlengrube in West Virginia oder Utah stundenlang auf allen News-Kanälen Reporter vor Ort vor der Kamera stehen und jedes bisschen Information, jedes Gerücht, jede Menschenseele, die sich entäußern möchte, über die Sender jagen. Und zwar stundenlang, unterbrochen von Werbung und Interviews mit zugeschalteten Experten. Jede Polizeiverfolgung auf der Autobahn in Los Angeles wird aus dem Hubschrauber ausgedehnt live gezeigt. Bei O. J. Simpsons Fahrt damals wären sich die Helikopter fast gegenseitig ins Gehege gekommen. Beim Tsunami im Indischen Ozean haben sich alle überschlagen, Amateur-Videos aufzutreiben, um das Unglück so schnell und so illustrativ wie möglich nachzeichnen zu können. Bei jedem Krieg der Amerikaner sind die Reporter dabei, ob eingebettet oder solo. Sie liefern Bilder, Eindrücke, O-Töne. Sie liefern das Abbild von Ereignissen.
Auf diese Weise ist die Medien-Arbeitsphilosophie der digitalen Welt entstanden: schneller, lauter, permanenter und zwar auf mindestens drei Kanälen (CNN, MSNBC, Fox News) gleichzeitig. Oder wie im Fall der rauchenden und wenig später kollabierenden World Trade Center Türme im September 2001 in New York auf mindestens zehn Kanälen. Natürlich hat diese Informationskultur längst den Medienverbraucher geprägt. Der weiß inzwischen ganz genau: Was wirklich wichtig ist, läuft auf allen Kanälen, gleichzeitig und wird mit einer besonderen Darstellungsenergie präsentiert. Auf diese Weise wurde Amerika darüber informiert, dass die Regierung die armseligen Menschen im überfluteten New Orleans ignoriert hatte. Die Reporter und ihre Kameras waren da. Die Hilfsorganisationen waren sonstwo.
Was hat das mit den Olympischen Spielen zu tun? Ganz einfach. Die sind dabei, sich angesichts einer veränderten Medienlandschaft zumindest in den USA ihr eigenes Grab zu schaufeln. Es mag zwar rechnerisch und wirtschaftlich für NBC noch immer aufgehen, dem IOC 800 Millionen Dollar zu überweisen, um exklusiv senden zu können. Aber NBC wird auf diese Weise und trotz der aktuellen Strategie, auf vielen Kabelkanälen des Konzerns Live-Bilder auszustrahlen, nicht mehr dem Anspruch der Veranstaltung gerecht, etwas Besonderes zu sein. Das kommt davon, wenn man andere Sender aussperrt und ihnen nicht gestattet, das Ereignis mit hochzuhypen.
Ein Beispiel: Als Football-Quarterback Brett Favre vor ein paar Tagen durch die Lande tingelte und niemand wusste, bei welchem Club er landen würde, hatte ESPN eine ganze Handvoll von Leuten im Einsatz. Foxsports schaffte den Scoop: Favre zu den New York Jets. Natürlich war der Aufwand trotzdem gerechtfertigt, denn die ganze gossip-verwöhnte Sportnation USA wollte diese Soap Opera genüsslich auflecken. Live-Bilder von der Ankunft des Favre-Flugzeugs in New York wurden bei MSNBC als "Breaking News" ausgetrahlt. MSNBC ist ein News-Kanal im NBC-Verbund. Ja, auch der spielte mit bei diesem Spiel. So absurd es sein mag: Favre ist unter News-Gesichtspunkten betrachtet wichtiger als die kompletten Olympischen Spiele. Letzter Beleg für diese These: Was machte Comedy Central in der Daily Show? Es beschäftigt sich mit dem Overkill im Fall Favre, nicht mit Olympia.
Selbst die PGA Championship in Bloomfield Township bekommt im Fernsehen (auch dank des Golf Channel) mehr Aufmerksamkeit als die Olympische Spiele. All das absorbiert Neugier und Interesse und wird ganz bestimmt nicht von der Arbeit der Zeitungen und ihren Korrespondenten aufgewogen. Die wirken vor dieser medialen Kulisse bestenfalls wie die unentwegten Artisten und Dompteure mit ihren Tieren, die der Zirkus immer vorschickt und durch die Straßen der Stadt laufen lässt, ehe er sein Zelt aufbaut. Natürlich werden in den kommenden Wochen ein paar Millionen in den USA die Olympischen Spiele im Fernsehen einschalten. Aber die werden nichts spüren von der behaupteten Magie und dem angeblichen Geist der Spiele, auch wenn sie von den Programmmachern von NBC am Nasenring durch die Manege geführt und mit der Vorstellung gefüttert werden, dass Jacques Rogges Festival ein Spektakel von Belang sein soll. Es mögen ja 10.000 Sportler in Peking sein und 25.000 Journalisten und 2 Millionen Sicherheitskräfte. Aber diese Dimension kann man heutzutage nur dann vermitteln. wenn man die geballte Macht der Bilder inszeniert, mit Hubschraubern, Zuschaltungen von Reportern über News-Kanäle und dem ständigen Geräusch aus der Gerüchtekammer von ESPN und seinen fleißigen Rechercheuren. Das Monopol ist tot. Nur der Termin für seine Beerdigung steht noch nicht fest.
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3. August 2008
Konturen im Smog
Das richtig Harte an der Tour, die der Deutsche Olympische Sportbund vor einer Weile mit dem Saftblog praktizierte, bestand aus der Vorgehensweise. Da wurde ein ganz kleiner Fisch im großen Teich von einem riesigen Hai attackiert und schamlos in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Der Overkill bestand in dem willkürlich angesetzten Streitwert von 150.000 Euro. Es gab eine Solidaritätsaktion und eine gütliche Einigung. So weit so gütlich?
Wohl kaum. Vor allem, wenn man weiß, was der Blogger getan hatte: sich die fünf Ringe auszuleihen, um seine Gedanken zum Thema Sport zu illustrieren. Man hätte dem Blogger vermutlich mit einem netten Brief die weitere Verwendung des geschützten Markenzeichens ganz locker ausreden können. Aber der DOSB hat andere Sorgen als nett und freundlich zu sein. Woher soll denn sonst das viele Sponsoren-Geld kommen, wenn man nicht die Leute einschüchtert, die für eine Nutzung keinen Cent bezahlen wollen? Und abgesehen davon: Es gibt ein Sonder-Gesetz, das den Anspruch zementiert. Aus den Versuchen von neulich das Gesetz abzuschaffen, ist nichts geworden.
In den USA stellt das amerikanische NOK den Leuten nicht minder nach, wenn die Rechtsabteilung – recherchemäßig sehr einfach über das Internet – Verstöße gegen das Markenrecht findet. Hier dreht es sich seltener mal um die fünf Ringe als vielmehr um die Verwendung des Wortes Olympics. Das finden viele Menschen griffig und eindeutig genug, um es im Rahmen von Veranstaltungen aller Art einzusetzen. Zu Unrecht, wie ein höchstrichterliches Urteil zum Thema Gay Olympic Games aus dem Jahr 1987 verbindlich erklärte. Olympics ist ein schützenswertes Spezifikum. Das kann sich nicht einfach jeder unter den Nagel reißen oder verballhornen (Olympigs, Bibleympics). Der Unterschied: Der Brief vom Anwalt ist im amerikanischen Rechtsalltag so etwas wie eine Gelbe Karte im Fußball. Nur wer die ignoriert, muss mit verschärften Forderungen rechnen.
Was da allerdings jenseits der Sprachkultur geschützt werden soll, wird in Peking gerade prima vorgeführt. Die Partner der Veranstaltung: ein Unterdrückungsregime, das als neue Wirtschaftsmacht glänzen will, Fernsehsender, die den Sport als hübsche (legale) Droge einsetzen, um im Milliarden-Maßstab die Werbeflächen der Bewusstseinsindustrie zu verhökern, und die Funktionäre, die das alles willig und brav organisieren. Das kommt kompakt und stromlinienmäßig rüber. Es ist ein fertiges Produkt. Das perfekteste Produkt der Leistungsfabrik "Globalisierung", die auch nachwievor den Konsumenten nicht als Gesprächspartner für gesellschaftliche und andere Fragen betrachtet, sondern als passiven Verbraucher irgendwelcher Sinnesreize.
Das soll so weitergehen? Nach 112 Jahren Endlosschleife, die ohnehin ein ziemlich langer Zeitraum für eine Phantasievorstellung waren, die in einer anderen Epoche entstanden war - in der Zeit vor Kino, vor Fernsehen, vor Videospielen, vor Doping, vor Nike und Adidas und McDonald's und Visa und vor dem Markenrecht?
Man sollte sich nicht wundern, wenn die über hundert Jahre vonstatten gegangene Aushöhlung und Umdeutung der alten Idee, die in diesen Tagen im Smog von Peking als perfekte Vision brutal klar ihre Konturen zeigt, ungewollte Konsequenzen haben wird. Man kann erste Spuren eines Rezeptionswandels in den USA erkennen, wo ein erstaunliches Desinteresse an der Veranstaltung herrscht. Und das ausgerechnet in dem Land, das über den Fernsehsender NBC den größten Teil der TV-Lizenzen bezahlt, ohne die die Mammutveranstaltung nicht durchzuführen wäre.
Der Sender ist bestens präpariert und wird tausende von Stunden live auf mehreren Kanälen und im Internet zeigen. Er hat dafür gesorgt, dass die Schwimmer ihre Endläufe morgens austragen, damit die Zuschauer in den Vereinigten Staaten die Wettbewerbe als Highlights im Abendprogramm serviert werden können. Er geriert sich rechtsmächtig als Monopolist der alten Schule und verhindert mit aller Kraft, dass etwa Webseiten von US-Fachverbänden und deren Booster eigenes Videomaterial mit Interviews von Olympia-Qualifikanten online stellen können.
In dem Bedürfnis nach absoluter Exklusivität und Abschottung und Kanalisierung des kostbarsten Gutes – den bewegten Bildern – steckt jedoch genau das Problem: Wer nicht teilen kann, kann auch nicht mitteilen. Und wer nicht mitteilen kann, verhindert auf Dauer jedwede freudige Erwartung oder gar Euphorie.
Da sollte es gar nicht mehr so lange dauern, bis die Herren der Ringe von einem neuen Gefühl beseelt sein werden: von der Freude darüber, wenn sich nette Blogger überhaupt noch die Mühe machen, sich mit dem Thema Olympia zu beschäftigen. Das Leben geht schließlich weiter. Ob mit Jacques Rogge oder Thomas Bach oder ohne.
Andere Stimmen und Infos zu diesen Spielen (sehr zu empfehlen): allesaussersport, Jens Weinreich, faz.net.
Die NBC Online Arbeit sollte man sich auch mal zu Gemüte führen. Vor allem, wenn man die Infrastruktur einer solchen außerordentlich komplexen Präsentation studieren will. Das Angebot geht nicht nur thematisch in Breite (wo liest man schon ein Interview mit der 16jährigen, die es in die US-Mannschaft im Modernen Fünfkampf geschafft hat), sondern auch in eine regionale Tiefe. Wer seine amerikanische Postleitzahl eingibt und den örtlichen NBC-Sender benennt, bekommt Informationen über Olympia-Teilnehmer aus der jeweiligen Region. Alles wird mit viel Werbung garniert und mit Rubrikenzeilen, die entweder als Markenzeichen registriert sind (®) oder bereits angemeldet (™). Zur Qualität der Darbietungen demnächst ein bisschen mehr.
Nachtrag: Zum Thema wo und wie überall auf der Welt das Interesse an den Olympischen Spielen zurückgeht, sollte man sich dieses Radiointerview im Deutschlandfunk vom Sonntag gönnen. Der Experte: Stephan Schröder von Sport+Markt, einem führenden Sportbusinessberatungsunternehmen in Köln.
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27. Mai 2008
Geplänkel und Schönfärberei
Man springt gerne zu irgendwelchen Schlussfolgerungen. Besonders als Konsument von amerikanischen Nachrichtenquellen. Warum auch nicht? Die Meldungen sind fundiert und sachgerecht und die Einschätzungen lassen sich nachvollziehen. Aber dann gibt es solche Dinge wie die NHL, eine länderübergreifende Liga, die aus dem amerikanischen Blickwinkel immer wieder wahre Zerrbilder produziert. Vor allem, was das Interesse der Zuschauer angeht. Jüngtes Beispiel: die Meldung, dass die Einschaltquoten vom Stanley-Cup-Finale beim Kabelsender Versus so auffallend hoch geschnellt sind. Kaum jemand fragt sich, ob das wirklich etwas mit einer flackernden US-Begeisterung für die Sportart zu tun hat oder vielleicht einfach nur mit den beteiligten Mannschaften. Dass die Hockeytown Detroit mehr Fans mobilisiert als Vorjahresmeister Anaheim dürfte wohl jedem klar sein. Und auch Pittsburgh hat Anhänger - amerikanische Anhänger. Im letzten Jahr kamen die Neugierigen des Gegners aus Ottawa. Das ist die Hauptstadt von Kanada. Und dort schaut man CBC. Natürlich werden diese Nasen nicht von Nielsen in den USA gezählt.Auf der anderen Seite sollte man bei der Beschäftigung mit just diesem Thema (und der über die ganze Saison erkennbaren leichten Quotenverbesserung des amerikanischen Networksenders NBC) nicht vergessen: Wenn die die Zahlen wirklich so gut wären, würde die Liga demnächst bombige Fernsehverträge abschließen können. Tatsächlich schenkt sie die Rechte nachwievor weg. In Kanada hingegen steigt die Lizenz alsbald von 75 Millionen Dollar pro Saison auf 100 Millionen Dollar. Was keine schlechte Kennziffer ist, wenn man bedenkt, wieviele kanadische Clubs in der NHL übers Eis tanzen: sechs. Oder schlappe 20 Prozent. Erst wenn irgendwann die anderen 80 Prozent auch 80 Prozent der Fernseheinnahmen generieren (das wären 400 Millionen Dollar pro Jahr), sollte man jede Diskussion über das Interesse der Amerikaner an Eishockey neu führen. Vorher ist alles nur Geplänkel und Schönfärberei.
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8. August 2007
Peking-Spiele ausgiebig im Internet
Die New York Times hat heute gemeldet, dass der amerikanische Fernsehsender NBC im nächsten Jahr mehr als 2000 Stunden von den Olympischen Spielen in Peking im Internet übertragen wird. Die Webseite heißt www.nbcolympics.com. Das Quantum kommt zu den mehr als tausend Stunden dazu, dass im Fernsehen auf einer ganzen Reihe von Kanälen laufen wird.
20. Mai 2007
Wenn ein Sender nicht mitzieht: NHL-Fans schauen dumm aus der Wäsche
"Man kann es nicht anders nennen: Das war extrem peinlich für die Liga. Ein entscheidendes Spiel in der Conference-Final-Serie, das fallen gelassen wurde, damit Leute über ein Pferd reden können, das letztes Jahr gestorben ist, und das Wetter in Pimlico." So lautete das vernichtende, wenn auch leicht kryptisch getextete Urteil auf der Webseite von Sports Illustrated über einen selten rüden Akt des Managements eines Medienunternehmens. Aber der Reihe nach:
Die Liga? Die National Hockey League.
Das entscheidende Spiel? Buffalo Sabres gegen Ottawa Senators um den Einzug ins Stanley-Cup-Finale.
Das Pferd? Barbaro - nicht vor einem Jahr gestorben, aber an selbiger Stelle aufgrund schwerster Knochenbrüche unrettbar verletzt und Monate später in der Klinik eingeschläfert.
Pimlico? Der Name der Rennbahn in Baltimore, auf der eines der bedeutendsten Galopprennen in den USA stattfindet - das Preakness, das zur Triple Crown gerechnet wird.
Das Medienunternehmen? Der Fernsehsender NBC, der seit Jahr und Tag die Olympischen Spiele überträgt und immer versucht, so etwas wie Klasse und Stil zu projizieren. Der aber die NHL nur für den Futtertrog der leeren Sendeplätze an Wochenenden bereit hält.
Das Problem - Teil 1? Die Sabres und Senators sind nach der regulären Spielzeit noch nicht fertig mit ihrem Match. In Baltimore warten die Reporter auf eine Schaltung. NBC gibt den Rest der Übertragung - und damit den wirklich spannenden Teil - an den Kabelkanal Versus ab, der seit zwei Jahren der Hauptabspielsender für Eishockey in den USA ist.
Das Problem - Teil 2? NBC kann jeder empfangen, Versus gibt es allenfalls in der Hälfte aller amerikanischen Haushalte, wenn nicht in noch weniger. Die Zuschauer nahe der kanadischen Grenze (etwa in Detroit oder auch in Buffalo) konnten auf kanadisches Fernsehen umschalten. So blieben ein paar übrig, die dumm aus der Wäsche schauten.
Wem soll man nun die Schuld an Angelegenheit geben? Bei SI hat Kollege Allan Muir das rasch bestimmt: Das hat die Liga verbockt, die den Spielplan leicht gestreckt hatte, um vom Freitag (keine NBC-Übertragungsmöglichkeit) auf den Samstag zu gehen und darauf zu hoffen, dass das Spiel in dem zugestandenen Zeitfenster bis zum Galopprennen entschieden ist. Der Liga kann man vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie eine Chance vertan hätte. Ihr Status bei den großen Sendern rangiert kurz über Bettler. Die Quoten sind seit Jahren nicht der Rede wert. Eishockey leidet - abgesehen von seinem unumstrittenen enormen Stellenwert in Kanada - im Rest von Nordamerika unter einem ganz normalen Symptom. Es interessieren sich immer nur die Menschen in den betroffenen Städten und Regionen für die Clubs, die im Fernsehen auftauchen. Der Rest der Nation reagiert mit Gähnen - selbst, wenn es wie am Samstag richtig spannend zugeht und das Spielniveau hoch ist. Als die Liga nach dem langen Tarifstreit die Vereinbarung mit NBC traf, konnte sie nicht mehr herausholen als dieses: NBC zahlt keine Garantien, sondern nur Anteile an den erzielten Werbeeinnahmen. So hatte man bei der NHL diesmal gar keine andere Wahl: Entweder man schiebt die Senators und Sabres ins Schaufenster und kassiert mit. Oder man verschenkt die Gelegenheit komplett und geht gleich ins Halbdunkel des Kabelsenders Versus.
Wie wird das in den kommenden Wochen beim Finale aussehen? Commissioner Bettman sagt, es sei kein Problem. Er habe mit NBC gesprochen. Die paar tausende Leute in den USA, die das betrifft, werden es ihm glauben müssen.
Die Liga? Die National Hockey League.
Das entscheidende Spiel? Buffalo Sabres gegen Ottawa Senators um den Einzug ins Stanley-Cup-Finale.
Das Pferd? Barbaro - nicht vor einem Jahr gestorben, aber an selbiger Stelle aufgrund schwerster Knochenbrüche unrettbar verletzt und Monate später in der Klinik eingeschläfert.
Pimlico? Der Name der Rennbahn in Baltimore, auf der eines der bedeutendsten Galopprennen in den USA stattfindet - das Preakness, das zur Triple Crown gerechnet wird.
Das Medienunternehmen? Der Fernsehsender NBC, der seit Jahr und Tag die Olympischen Spiele überträgt und immer versucht, so etwas wie Klasse und Stil zu projizieren. Der aber die NHL nur für den Futtertrog der leeren Sendeplätze an Wochenenden bereit hält.
Das Problem - Teil 1? Die Sabres und Senators sind nach der regulären Spielzeit noch nicht fertig mit ihrem Match. In Baltimore warten die Reporter auf eine Schaltung. NBC gibt den Rest der Übertragung - und damit den wirklich spannenden Teil - an den Kabelkanal Versus ab, der seit zwei Jahren der Hauptabspielsender für Eishockey in den USA ist.
Das Problem - Teil 2? NBC kann jeder empfangen, Versus gibt es allenfalls in der Hälfte aller amerikanischen Haushalte, wenn nicht in noch weniger. Die Zuschauer nahe der kanadischen Grenze (etwa in Detroit oder auch in Buffalo) konnten auf kanadisches Fernsehen umschalten. So blieben ein paar übrig, die dumm aus der Wäsche schauten.
Wem soll man nun die Schuld an Angelegenheit geben? Bei SI hat Kollege Allan Muir das rasch bestimmt: Das hat die Liga verbockt, die den Spielplan leicht gestreckt hatte, um vom Freitag (keine NBC-Übertragungsmöglichkeit) auf den Samstag zu gehen und darauf zu hoffen, dass das Spiel in dem zugestandenen Zeitfenster bis zum Galopprennen entschieden ist. Der Liga kann man vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie eine Chance vertan hätte. Ihr Status bei den großen Sendern rangiert kurz über Bettler. Die Quoten sind seit Jahren nicht der Rede wert. Eishockey leidet - abgesehen von seinem unumstrittenen enormen Stellenwert in Kanada - im Rest von Nordamerika unter einem ganz normalen Symptom. Es interessieren sich immer nur die Menschen in den betroffenen Städten und Regionen für die Clubs, die im Fernsehen auftauchen. Der Rest der Nation reagiert mit Gähnen - selbst, wenn es wie am Samstag richtig spannend zugeht und das Spielniveau hoch ist. Als die Liga nach dem langen Tarifstreit die Vereinbarung mit NBC traf, konnte sie nicht mehr herausholen als dieses: NBC zahlt keine Garantien, sondern nur Anteile an den erzielten Werbeeinnahmen. So hatte man bei der NHL diesmal gar keine andere Wahl: Entweder man schiebt die Senators und Sabres ins Schaufenster und kassiert mit. Oder man verschenkt die Gelegenheit komplett und geht gleich ins Halbdunkel des Kabelsenders Versus.
Wie wird das in den kommenden Wochen beim Finale aussehen? Commissioner Bettman sagt, es sei kein Problem. Er habe mit NBC gesprochen. Die paar tausende Leute in den USA, die das betrifft, werden es ihm glauben müssen.
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