10. Juni 2009

Showtime in Orlando

In Orlando haben sie am Dienstagabend nach dem ersten Sieg der Heimmannschaft in der Finalserie um den NBA-Titel Konfetti von der Hallendecke herunterregnen lassen. Das war nicht nur deshalb deplatziert, weil Orlando Magic noch gar nichts gewonnen hat (der Zwischenstand der Serie steht jetzt bei 2:1 für die Los Angeles Lakers). Es war auch deshalb verfrüht, weil das Match noch gar nicht zu Ende war. Die Schiedsrichter die parallel zur Schlusshupe ein Foul von Kobe Bryant an Rasheed Lewis ahnden wollten, drehten anschließend die Uhr auf noch zu spielende zwei Zehntelsekunden zurück. Während alle auf die noch auszuführenden Freiwürfe warteten, mussten hilfreiche Menschen die Papierschnipsel vom Hallenboden auflesen, weil der mit dem Abfall zu einer Verletzungsfalle für die Spieler werden kann.

Zu der Serie lassen sich zwei Dinge erwähnen: Der Artikel in der Sonntagszeitung der FAZ über Kobe Bryant und die Lakers, der am Montag online ging, ist noch nicht überholt. Denn LA bleibt auch weiterhin der Favorit auf den Titel. Bryant selbst wird allerdings trotz aller Erfolge eines nicht abschütteln können: siehe sein Vernehmungsprotokoll von Kobe Bryant bei der Polizei in Colorado, in dem er sich – ohne Anwalt an seiner Seite – über jenen Fall äußert, der beinahe seine Karriere beendet hätte. Es ist ein erstaunliches Stück Zeitgeschichte, nicht weil es pikante Details über seine sexuellen Vorlieben enthält, sondern weil es zeigt, wie genau der 30-jährige damals wusste, was für ihn auf dem Spiel steht, und alles nur wegen ein paar Minuten vermeintlich harmloser Interaktion. Es gibt die gleiche Geschichte auch aus der Perspektive der betroffenen Frau.

Das Thema kam vor kurzem in der Blogosphäre hoch, weil ein Rap-Video auftauchte, in dem angeblich die besagte Frau mit Bryant abrechnet. Inzwischen wurde das Ganze als Parodie identifiziert. Man könnte auch sagen: ein übler Scherz.

An Mayo verschluckt: Trainer geht

Das erste Opfer, wenn auch spät in der Affäre rund um das kurze Jahr an University of Southern California, hat einen Namen: Es ist Trainer Tim Floyd, dem nachgesagt wird, er habe dem jungen Basketballspieler 1000 Dollar zustecken lassen, damit er bei ihm unterschreibt. Die Sache hatte nämlich einen Haken. Collegesport ist purer Amateursport mit ganz heiklen Regeln zum Thema Geld. Zumindest auf dem Papier (und meistens sogar in der Realität). Dazu gab es bereits vor einer Weile einen ausführlichen Beitrag hier. Ich habe in einem früheren Text zum gleichen Fall zwar schon solche Probleme angedeutet, aber dabei in die falsche Richtung gezeigt. Mayo selbst, inzwischen in der NBA bei den Memphis Grizzlies, wo er seine erste Saison absolviert hat, muss sich keine Gedanken über etwaige Sanktionen machen. Die betreffen allein die Bildungseinrichtung. Floyd hat jetzt nach nur vier Jahren seinen Rücktritt vom Traineramt erklärt. In den neunziger Jahren hatte er schon einmal eine fürs Ego extrem unangenehme Phase. Damals übernahm er nach dem zweiten und endgültigen Weggang von Michael Jordan (und dem von Phil Jackson und von Scottie Pippen etc.) die Chicago Bulls und häufte eine traurige sportliche Bilanz an.

9. Juni 2009

Auf eigenem dünnen Eis

Wenn man durch dieses ständige Psycho-Gerede von Motivation und Emotion und Willenskraft pieksen will, durch das in Mannschaftssportarten dank der Trainer, der Medien und über Eck auch dank der geistig oft ziemlich ausgelaugten Spieler dauernd ein Nebel aus Erklärungsmustern erzeugt wird, die gar nichts erklären, schon gar nicht den Erfolg einer Mannschaft, steht man bei den Analyseversuchen rasch ziemlich allein da. Statistische Informationen können bei der Auswertung einzelner Aspekte durchaus helfen, besonders wenn sie mit jener Akribie betrieben wird wie das in Amerika von Professoren wie David Berri angegangen wird. Aber spätestens in einer Playoff-Serie sind solche Betrachtungen nicht mehr besonders hilfreich, weil sie nur funktionieren und Trendaussagen erlauben, wenn man möglichst viele Zahlen einspeist. In einer Best-of-Seven-Serie ist das Fundament eher dünn. Und selbst wenn man eine gesamte Playoff-Leistung zu Rate zieht, wie sich das in diesen Tagen aus Anlass des Stanley-Cup-Finales anbietet, bleibt man auf dünnem Eis. Die Basisdaten aus fünfzehn, sechzehn, siebzehn Spielen können nicht so einfach verallgemeinert werden. Trotzdem verdienen sie Beachtung. Und deshalb ist diese aktuelle Geschichte auf der Webseite des kanadischen Fernsehsenders TSN empfehlenswert. Sie deutet an, dass bei Eishockey auf dem derzeitigen sehr hohen Niveau wie zwischen den Detroit Red Wings und den Pittsburgh Penguins und mit einer geringeren Zahl an Unterbrechungen eine Auffälligkeit nicht vom Tisch zu fegen ist: Zuhause spielen sie besser, auswärts hingegen schlechter. Wer das mit den üblichen Fisimatenten erklären will – Stimmung und Lautstärke des Publikums, Reisestress der Auswärtsmannschaft – der ignoriert auf eigene Gefahr wie lakonisch Profis heutzutage ihrer Arbeit nachgehen und wie unbeeindruckt sie von Dingen sind, mit denen sie jeden Tag umgehen. Ich muss da immer an die beknackten Zuschauer bei Basketballspielen denken, die bei Freiwürfen des angereisten Gegners in der Blickachse des betreffendern Spielers hinter dem Korb sitzen und herumturnen und mit Gegenständen wedeln. Nichts von dem beeinflusst den Werfer, aber kein Zuschauer würde die Hoffnung aufgeben, dass es etwas bringt.

Im Eishockey dagegen gibt es eine Besonderheit, die sich auswirken kann: Die Heimmannschaft hat das Recht bei einer Unterbrechung des Spiels ihre fünf Spieler erst dann aufs Eis zu schicken, wenn das Auswärtsteam komplett ausgewechselt hat. Mit anderen Worten: Anders als in anderen Sportarten, kann der Trainer ganz konkret auf sogenannte Match-Ups achten und sich ständig Gedanken darüber machen, wen er gegen wen bringen will. Ein guter Trainer wird diese Regel konsequent und mit Nachhaltigkeit für sich ausschlachten. Aber er wird natürlich nicht während einer Meisterschaft öffentlich zugeben, wie gut (oder wie schlecht) es ihm gelingt. Statt dessen wird er das Ganze eher vernebeln wollen. So wie Penguins-Coach Dan Bylsma, der am Montag sagte: "Ich glaube nicht, dass es die Match-Ups sind. Ich denke, wir reden über zwei Mannschaften, die hart und mit talentierten Spielern arbeiten. Das ist ausgeglichen genug, um einen Heim-Eis-Vorteil zu produzieren."

Wenn wir das Thema etwas klarer und bewusst versimpelt anpacken wollen, kommen wir zu folgendem Resultat: Spiel sechs heute abend geht an Pittsburgh. Spiel sieben (wieder in der Joe Louis Arena in Detroit) an die Red Wings. Es sei denn Bylsma findet bei Sydney Crosby endlich den Knopf zum Einschalten.

8. Juni 2009

Riecht wie Team Spirit

Die beiden Ligen, die weltweit am meisten Geld über den Geschäftsbereich Fernsehlizenzen erzielen, beschnuppern sich zur Zeit, um herauszufinden, ob sie zusammen nicht noch viel stärker auftreten können. Die eine Institution ist die Premier League und die andere die National Basketball Association. "Die Premier League ist uns ein bisschen voraus", sagte NBA-Commissioner David Stern laut der Financial Times und klang wie ein bescheidener Kaufmann, der zugibt, dass er noch das eine oder andere lernen kann. Die Geschichte skizzierte keinerlei Aktivitäten, weshalb die ersten Gespräche genausogut auch zu gar nichts führen könnten. Aber angesichts der Schwierigkeiten von Setanta, die sich offensichtlich schwer verhoben haben, und den sich daraus ergebenden neuerlichen Optionen für ESPN, sich doch noch stärker in Europa zu engagieren, wird die Trendlinie in Richtung Globalisierung immer prägnanter.

Naturgemäß kommen Leute, die gar nicht erst einen Übersetzer anheuern müssen, um sich kompetent zu unterhalten, schneller zueinander. Die gewachsene Affinität von amerikanischen Ligen für den Standort London ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sich zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich trotz ausgeprägter kultureller Unterschiede viele Dinge leichter einfädeln lassen. Man denke im Vergleich dazu an die Achse Major League Soccer - Bundesliga. Die beiden haben 2007 ein Abkommen geschlossen, das keine nennenswerten Ergebnisse zutage gefördert hat. Im letzten Jahr sagte Borussia Mönchengladbach ein Trainingslager in Denver wieder ab, weil man die Anlagen nicht gut genug fand.

7. Juni 2009

Coyote-Konkurs: Bettman ackert

NHL-Commissioner Gary Bettman hat vermutlich gar keine Zeit, sich das Stanley-Cup-Finale reinzuziehen (in dem die beiden Mannschaften auf eine für das Playoff-Format typische Weise von Spiel zu Spiel abwechselnd ihre Stärken und ihre Schwächen abarbeiten - zur Zeit 3:2 für Detroit, nachdem das Team zwischendurch schon ziemlich ausgelaugt wirkte). Er muss die Coyoten in Phoenix wieder beatmen. Und das macht der ziemlich kleine Kerl, den man sich so gar nicht auf Schlittschuhen und mit einem Eishockeyschläger in der Hand vorstellen kann, mit mit aller Kraft. Inzwischen hat er vier Interessenten aufgetrieben, die alle den hoch verschuldeten Club kaufen und in Arizona lassen wollen. Die vier Aspiranten werden zur Zeit von der Liga auf ihr wahres wirtschaftliches Potenzial hin durchleuchtet ("due diligence") und dann dem Konkursrichter vorgeführt. Angesichts von – theoretisch – vier Offerten wird es diesem Herrn schwer fallen, den Club an jemanden abzugeben, der zwar mehr Geld bietet, aber dafür die Eigentümer der Halle – sprich den Steuerzahler – in Glendale um die Chance bringt, den Bau des Schuppens jemals zu refinanzieren. Der größte Teil der Kohle des Hamilton-Mannes würde an den gegenwärtigen Besitzer gehen. Und der hat nicht bewiesen, dass er das verdient hätte.

5. Juni 2009

Podcast-Projekt in der Diskussion

Bei den deutschen Fußballbloggern tut sich was. Alles nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stärker" entsteht gerade unter der Federführung von probek ein Podcast-Projekt, für das sich im Handumdrehen eine ganze Reihe von Mitwirkenden aus allen Teilen der Republik gemeldet haben. Die technische und organisatorische Herausforderung ist beachtlich, auch wenn sich heutzutage Magazinformate mit vielen Beteiligten über beachtliche Entfernungen hinweg einfacher umsetzen lassen als je zuvor. Die Idee klingt jedoch vielversprechend. Nicht nur wegen des spürbaren Enthusiasmus, sondern auch weil die jüngsten Nachrichten aus der Nischenelt der deutschen Sportbloggerei zeigen, dass abseits der klassischen Outlets mit ihren sehr viel größerem Publikum nicht nur Medienkompetenz heranreift, sondern dass der ganz langsam erwachende Sinn für Zusammenarbeit einen Sprung von der Quantität zur Qualität bedeuten kann. So hatte probek in den Wochen zuvor eine Diskussion über einen nicht näher definierten Zusammenschluss von Bloggern angeschoben, bei dem solche Fragen wie Rechtsschutz und gegenseitige Solidarität im Vordergrund standen.

Von hier aus wird es immer mal wieder die eine oder andere Wasserstandsmeldung geben.

2. Juni 2009

Musst du gucken

Die Mutterfirma hinter dem Fernsehsender NBC heißt Universal und ist ein Multi im Mediengeschäft. Multis arbeiten manchmal auch an kleinen Dingen. Wie dieser Entwicklung, die noch im Beta-Stadium steckt: Ziemlich gute Sportfotos in handlichen Galerien. Die eigentliche Entdeckung: Es geht mehr um die olympischen Sportarten und weniger um die Disziplinen und Ereignisse, die bei ABC, ESPN, CBS und FOX abgehandelt werden. Anders als die typischen Klickstrecken der deutschen Zeitungsseiten, kann man sich auch über kleine Thumbnails fortbewegen. Hier ein Link zu einem Beispiel vom Zehnkampf am Wochenende in Götzis.

Männer auf hohen Hacken

Irgendjemand, auf den sie hört, sollte Danica Patrick mal sagen, dass nicht jeder Werbespot mit jeder Firma und für jedes Produkt lustig ist, nur weil
1) sie mitmacht
2) das Thema über irgendein merkwürdiges Frauending abgewickelt wird
3) dass sie endlich mal wieder ein Rennen gewinnen sollte.

P.S.: Die Musik ist gut und würde besser zur Geltung kommen, wenn in dem Spot nicht so viel gequasselt würde.

Zahlensalat: Wohl bekomm's

Auch nach mehrfachem Lesen dieser Geschichte im Toronto Star ist mir nicht klar geworden, welche Zahlen in welchem Zusammenhang und auf welche Weise relevant sind. Sicher ist nur: Es geht um die Phoenix Coyotes und ihr Konkursverfahren und das Angebot zweier Käufer, den Club zu übernehmen. Es geht auch irgendwie um Wayne Gretzky und das Geld, das er in der Wüste in den Sand gesetzt hat (haben könnte). Dafür wie scheinbar informativ dieser Text daher kommt, ist er ziemlich löchrig. Die seltsamen Zahlen in der Übersicht:

Wert des Clubs (laut dem derzeitigen Besitzer): 67 Millionen Dollar
Verbindlichkeiten des Clubs: 244 Millionen Dollar
Kaufangebot einer amerikanischen Interessenengruppe rund um Jerry Reinsdorf (will das Team in Arizona lassen): 130 Millionen Dollar
Kaufangebot von Jerry Balsillie (verbunden mit dem Umzug nach Hamilton): 215 Millionen Dollar
Geld, das Wayne Gretzky zusteht: 9,3 Millionen Dollar (davon 8 Millionen aus gestundeten Honoraren – mutmaßlich in seiner Rolle als Trainer der Mannschaft)
Geld, das Wayne Gretzky bekommen könnte, wenn er als Trainer zurücktritt: 14,5 Millionen Dollar
Geld, das Wayne Gretzky als Anteilseigner im Rahmen einer Pleite verliert: nicht beziffert.

Erklärung dafür, weshalb Wayne Gretzky sich nicht für den der Verkauf an Balsillie und den Umzug nach Kanada einsetzt, in einen Ort in der Nähe seiner Heimatstadt, obwohl ihn das doch viel Geld kosten könnte, weil Balsillie ihn doch angesichts dieser Daten besser entschädigen würde als Reinsdorf: Keine

Warum ist das interessant? Wenn Wayne Gretzky keinen Wert auf das viele Geld legt und lieber in Arizona bleiben will, muss er für den Verzicht ein starkes Motiv haben. Ist es Geld? Ist es sein mangelndes Interesse daran, in sein Heimatland zurückzukehren, wo man ihn einst in den Himmel gehoben hat?

Ach und übrigens – hier ist noch ein Körnchen, das so wirkt, als ob der Schreiber schon geistig in der Kneipe war, ehe er den Text ablieferte:
"The NHL is owed about $34 million – although the league says the true number is closer to $13 million – as the first secured creditor."
Ja, was gilt denn nun? Das Wort der Liga?

1. Juni 2009

Das schreiende Kind geht Zuschauern auf die Nerven

Die French Open haben einen Namen aus dem Frauensegment nach oben gespült, den man sich nicht so einfach merken kann: Michelle Larcher de Brito aus Portugal via Nick Bollettieris Knüppelschule in Florida. Aber was man sich durchaus merken kann, sind die seltsamen Schreie, die dieses 16-jährige Tenniskind bei jedem Schlag aus sich herauspresst. Es handelt sich um eine Zumutung, die nicht nur den Gegnerinnen auf die Nerven geht. Die Londoner Times berichtet von Zuschauerreaktionen an den Fernsehapparaten in Australien. Da wurden von verständnislosen Zuschauern gleich reihenweise die Apparate abgeschaltet. Die Zeitung berichtet aber auch über das eigenartige Regelverständnis des Hauptschiedsrichters von Roland Garros, der trotz mehrerer Proteste einer Gegnerin nichts unternahm, um den Lärm abzustellen. Gegen die Portugiesin ist übrigens die ebenfalls unerträgliche Maria Scharapowa ein Waisenkind. Hier ein Larcher-Fund von einem Turnier in Montreal im letzten Jahr, der das Problem klar und vernehmlich einfängt.).