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14. Juni 2009

Kobe hat's geschafft

Es ist vollbracht. Kobe Bryant gewinnt den Titel – zum vierten Mal in seiner Karriere und zum ersten Mal ohne Shaquille O'Neal. Wenn man bedenkt, dass der Mann erst 30 Jahre alt ist, kann man sich leicht ausmalen, dass wir uns inmitten der Kobe-Ära befinden und nicht etwa schon an ihrem Ende. Im fünften Spiel der Serie – 99:86 für die Los Angeles Lakers – wirkten die Orlando Magic wie Schlafwandler und nicht wie motivierte Herausforderer. Ihr Trainer klagte, dass die Spieler im entscheidenden Moment mit dem Ball in der Hand die falschen Entscheidungen getroffen hatten. Sein Gegenüber Phil Jackson klagte gar nicht, sondern hatte meistens ein wissendes zartes Grinsen auf dem Gesicht. Dies ist sein zehnter NBA-Titel (sechs mit den Chicago Bulls und vier mit den Los Angeles Lakers), womit ihm Platz eins in der ewigen Tabelle der Trainer gehört. Anders als damals in Chicago, als viele ihm den letzten Respekt verweigerten, weil er Michael Jordan zur Verfügung hatte, werden die Leute wohl diesmal anerkennen müssen, dass er für den Erfolg hart arbeiten musste. Trotz der beachtlichen Überlegenheit in der letzten Zeit (Finalteilnahme gegen Boston vor einem Jahr) sollte man nicht annehmen, dass die Lakers in der kommenden Saison wieder gewinnen. Der Trend der letzten Jahre spricht dagegen. Selbst in ihren Championzeiten so gute Teams wie die Detroit Pistons und die San Antonio Spurs schafften die Zugabe nicht. Im Westen ist Portland auf dem Sprung. Und im Osten wird sich Cleveland wieder zu Wort melden.

11. Juni 2009

Wie einst im Juni 2006

Dies ist die erste ziemlich gründliche Betrachtung über die laufende NBA-Finalserie, die mit einem Hinweis auf den Ausgang des Vorgängermodells anno 2006 zwischen den Dallas Mavericks und den Miami Heat arbeitet. Und was ist das Resultat der Betrachtung? Orlando Magic wird Meister. Wir erinnern uns: Damals sahen Dirk Nowitzki und seine Mannschaft nach zwei Begegnungen wie der sichere Sieger aus. Alles kippte im dritten Match in Miami, das Dallas knapp verlor. Die Mavericks fanden anschließend keine Mittel mehr, um die alte Überlegenheit zu rekonstituieren und gingen mit 2:4 unter. Paul Peszko vom Bleacher Report hat noch eine andere Beobachtung angestellt. Kobe Bryant setzt seine Nebenleute nicht gezielt genug ein. Was die wiederum verunsichert und verwirrt. Heute abend nach dem vierten Spiel werden wir alle ein wenig schlauer sein.

Nachtrag: Orlando verliert zum zweiten Mal in dieser Serie nach Verlängerung, nachdem die Mannschaft zum zweiten Mal hervorragende Chancen besaß, das Spiel im Rahmen der regulären Spielzeit zu gewinnen. Da kommt eine besondere Form von fehlendem Können zum Tragen. Ein Problem der Magic: Center Dwight Howard ist ein grottenschlechter Freiwurfschütze, steht aber ganz oft an der Linie, weil er oft gefoult wird. Der Zwischenstand von 1:3 wirkt wie ein Nagel im Sarg. Wie soll diese Mannschaft drei Begegnungen in Folge für sich entscheiden? Und das müsste sie nun hinbekommen. Ja, ganz knapp daneben ist auch vorbei.

Fazit: Die Serie läuft nicht so ab wie im Jahr 2006. Orlando ist nicht so stark besetzt wie es damals Miami war.

10. Juni 2009

Showtime in Orlando

In Orlando haben sie am Dienstagabend nach dem ersten Sieg der Heimmannschaft in der Finalserie um den NBA-Titel Konfetti von der Hallendecke herunterregnen lassen. Das war nicht nur deshalb deplatziert, weil Orlando Magic noch gar nichts gewonnen hat (der Zwischenstand der Serie steht jetzt bei 2:1 für die Los Angeles Lakers). Es war auch deshalb verfrüht, weil das Match noch gar nicht zu Ende war. Die Schiedsrichter die parallel zur Schlusshupe ein Foul von Kobe Bryant an Rasheed Lewis ahnden wollten, drehten anschließend die Uhr auf noch zu spielende zwei Zehntelsekunden zurück. Während alle auf die noch auszuführenden Freiwürfe warteten, mussten hilfreiche Menschen die Papierschnipsel vom Hallenboden auflesen, weil der mit dem Abfall zu einer Verletzungsfalle für die Spieler werden kann.

Zu der Serie lassen sich zwei Dinge erwähnen: Der Artikel in der Sonntagszeitung der FAZ über Kobe Bryant und die Lakers, der am Montag online ging, ist noch nicht überholt. Denn LA bleibt auch weiterhin der Favorit auf den Titel. Bryant selbst wird allerdings trotz aller Erfolge eines nicht abschütteln können: siehe sein Vernehmungsprotokoll von Kobe Bryant bei der Polizei in Colorado, in dem er sich – ohne Anwalt an seiner Seite – über jenen Fall äußert, der beinahe seine Karriere beendet hätte. Es ist ein erstaunliches Stück Zeitgeschichte, nicht weil es pikante Details über seine sexuellen Vorlieben enthält, sondern weil es zeigt, wie genau der 30-jährige damals wusste, was für ihn auf dem Spiel steht, und alles nur wegen ein paar Minuten vermeintlich harmloser Interaktion. Es gibt die gleiche Geschichte auch aus der Perspektive der betroffenen Frau.

Das Thema kam vor kurzem in der Blogosphäre hoch, weil ein Rap-Video auftauchte, in dem angeblich die besagte Frau mit Bryant abrechnet. Inzwischen wurde das Ganze als Parodie identifiziert. Man könnte auch sagen: ein übler Scherz.

31. Mai 2009

Kobe vs. LeBron: Schön wär's gewesen

Beim Schuhhersteller Nike haben sie darauf gesetzt, dass LeBron James und die Cleveland Cavaliers und Kobe Bryant und die Los Angeles Lakers in den nächsten zehn Tagen den neuen NBA-Meister ausspielen. Während der gestrigen Übertragung aus Orlando, wo die Cavaliers im sechsten Spiel aus dem Rennen geworfen wurden, wurde ein Teil dieser Werbespots ausgestrahlt und wirkte ein wenig deplatziert. Cleveland hatte das ganze Match über keine Schnitte, und LeBron konnte nichts dran ändern. Aber weil die Umsetzung der Idee – LeBron und Kobe als Muppet-Puppen, die zusammen wohnen - sehr gelungen ist, wollen wir sie dem werten Publikum nicht vorenthalten. Wer weiß, ob die beiden noch mal in einer Finalserie aufeinandertreffen?





28. Mai 2009

Wenn Kobe arbeitet

Das jüngste Werk von Spike Lee hat verhältnismäßig wenig Wirbel produziert. Was sicher auch auch daran liegt, dass es nicht im Stil einer Kinopremiere hochgepeitscht wurde, sondern auf ESPN lief. Einfach so, ohne Werbeunterbrechung. Von dieser Stelle aus wird es zu dem Streifen keinen Kommentar geben, weil mich die Hagiographie von Sportlern nicht interessiert. Nur so viel: Spike Lee ist neben Woody Allen der berühmteste Basketballfan der New York Knicks, seine Filme spiegeln die Lebensumstände und die historischen Figuren des schwarzen amerikanischen Alltags wieder. Seine Rolle als Gestalter von frühen Michael-Jordan-Spots für die Schuhe der Firma Nike half dem jungen Jordan, aber auch dem Regisseur. Sein neues Ding, der Kobe-Bryant-Film mit dem Titel Kobe Doin' Work ist die Nachahmung einer Idee, in der Zinedine Zidane aufwändig mit vielen gleichzeitig auf ihn gerichteten Kameras porträtiert wurde.

Aber weil wir gerade Playoffs haben und die Lakers gestern mit 3:2 in der Serie gegen Denver in Führung gingen und Kobe damit nur noch einen Sieg braucht, um in die Finalserie zu kommen, wollen wir das Thema nicht verschweigen. Hier ein ausführlicher Text vom Dienstag, der in seiner überschrift die Prämisse verrät. Er heißt Defending Kobe Doin' Work. Man kann zu dem Thema aber auch die Abhandlung von Bill Simmons auf ESPN lesen, die das Projekt im Kontext würdigt und verreißt: "Das ist die Art und Weise, wie man die Medien nutzt. Kontrolliere den Zugang, nutze einen eigenen Filter, sage nichts Grundlegendes, spiele eine Rolle, schlachte die Erträge aus."

24. Oktober 2008

Kobe spielt Tom Cruise


...und dann waren da noch Kobe Bryant, Michael Phelps, Alex Rodriguez und ein Drummer mit einem Helm, die von der Firma Guitar Hero für einen Werbespot zusammengetrommelt wurden. Kann man machen. Aber die Original-Szene mit Tom Cruise im Film Risky Business (Deutscher Titel: Lockere Geschäfte) war origineller.
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Die Musik ist übrigens von Bob Seeger. Das Link hat The Big Lead gefunden und damit der viralen Marketing-Kampagne den bislang fehlenden Startschuss gegeben.

27. Juni 2008

Shaqs Show


Shaquille O'Neal hat neulich seinen Ex-Mitspieler Kobe Bryant bei einem Rap-Auftritt in New York als Arschkriecher lächerlich gemacht. Die Geschichte machte nachrichtlich bereits die Runde. Hier das Video, das der Videoweb-News-Anbieter TMZ aufgespürt hatte. Als Dreingabe die Geschichte des leicht angeditschten Verhältnisses der beiden, die vor drei Jahren getrennte Wege gingen. O'Neal gewann in Miami den NBA-Titel. Bryant versuchte in diesem Jahr nachzulegen. Er scheiterte an den bärenstarken Boston Celtics. Shaq spielt inzwischen in Phoenix, ein Wechsel, der seiner neuen Mannschaft nicht gut tat. Die Suns trennten sich von Trainer Mike D'Antoni, der einen neuen Job bei den New York Knicks fand.

24. April 2008

Ansichten über Kobe

Auf den Sportseiten von faz.net geben nur wenige Leser in den Kommentaren ihre Meinung zum Besten. Das mag an den Artikeln liegen. An den Lesern. Oder an beidem. Umso mehr überrascht es einen, wenn sich gleich fünf Menschen zu Wort melden, weil sie etwas an der Tendenz eines Textes über einen Basketballspieler auszusetzen haben. Fünf – das wirkt wie ein Tsunami. Das Thema? Kobe Bryant und Gedanken zur MVP-Wahl, bei der er vermutlich in diesem Jahr zum ersten Mal in seiner Karriere gewonnen haben dürfte (Das Ergebnis steht längst fest, wird aber von der NBA erst in ein paar Tagen offiziell verkündet). Die oberflächliche Auswertung der Beschwerden ergibt, dass Bryant es geschafft hat, sich auch fern seiner Heimat den Ruf eines herausragenden Spielers zu erarbeiten. Und dass die Beschwerdeführer jede Form eines sachten Zurechtrückens der neuen Kleider des Basketball-Kaisers als Majestätsbeleidung empfinden. Wer selbst lesen und kommentieren will: Hier geht's lang.

11. April 2008

MVP-Mauschelei um Kobe

Die Lobbyisten aus dem journalistischen Umfeld der NBA sind an der Arbeit. Jeder zweite scheint Kobe Bryant zum MVP hochschreiben zu wollen. Der Versuch ist nicht strafbar, aber extrem dämlich. Denn wenn man für die Wahl überhaupt irgendwelche Kriterien anwendet, zum Beispiel jene, die bei der Wahl von Dirk Nowitzki im letzten Jahr eine Rolle spielten (bester Mann im besten Team der regulären Saison), dann kommt Bryant nicht in Frage. Dann wäre Kevin Garnett an der Reihe, der in Boston für das Wunder mit verantwortlich ist, über das kam noch jemand schreibt, weil es inzwischen als Normalzustand empfunden wird (Nach dem Motto: Hey, Jesus, kannst du diesen Wein mal auf Flaschen ziehen, den du da immer aus diesem Wasser in Kana machst? Der schmeckt gut. Davon hätten wir gerne mehr. Denn an den haben wir uns ziemlich schnell gewöhnt). Oder Chris Paul bekommt den Zuschlag, weil man einen Spieler in der stärkeren Western Conference auszeichnen möchte. New Orleans ist nicht nicht nur besser als die Lakers. Es hat auch den längeren Weg aus dem Keller der Tabelle hinter sich. Oder denken die Leute, dass der ganze Erfolg der Hornets auf die Rechnung von Byron Scott geht? Das wäre dann aber Grund genug, ihn zum Coach des Jahres ernennen. Ehrlich gesagt: Dass das passiert, ist kaum zu erwarten. Auch Scott fehlen die Lobbyisten, die im Moment wohl eher Doc Rivers von den Celtics favorisieren, obwohl der nun wirklich nicht viel macht - außer die Mannschaft spielen zu lassen, ohne groß zu stören.

Nicht in diesem Zusammenhang, aber trotzdem eine Erwähnung wert: Die Dallas Mavericks haben sich für die Playoffs qualifiziert. Der Knöchel von Dirk Nowitzki scheint unverwüstlich. Und es sieht für die erste Runde nach einer Auseinandersetzung gegen die Lakers oder die San Antonio Spurs aus. Eine Niederlage wäre nicht so blamabel wie die Chose im letzten Jahr.

28. März 2008

Dankschreiben

Gestern gab es Post aus Wien, von wo aus Nikolaus Panny solche Outlets wie sportnet.at und das große, bunte, monatliche Sport-Magazin bedient. Manchmal kommt ihm dabei American Arena als Inspirationsquelle zu Hilfe, wie er schrieb. Denn er hatte in einem Beitrag über Kobe Bryant den Hinweis auf einen Schweizer und sein Enthüllungsbuch gefunden. Darin wird der Basketballprofi beschuldigt, einen Mordauftrag gegeben zu haben. Panny war so nett und bedankte sich für die Fährte, nachdem er den Mann gefunden und das gewünschte Interview erhalten hatte. Einen Ausschnitt kann man bei sportnet.at lesen. Für die gesamte Konversation muss man sich das Heft besorgen.

5. Februar 2008

Pau-Wow in La-La-Land

Der zweite massive Trade der Saison in der NBA zeigt ganz direkt und deutlich Wirkung. Pau Gasol war in seinem ersten Spiel nach dem Wechsel von den Memphis Grizzlies zu den Los Angeles Lakers ein wichtiger Faktor. 105:90 gegen die New Jersey Nets. Produktionsanteil: 24 Punkte.

Gasol sieht zwar in diesem Halbgalopp immer so aus, als ob er kurz davor ist, über sein eigenen Beine zu stolpern oder als ob er den eckigen Gehstil von seinem neuen, hüftlahmen Trainer Phil Jackson imitiert. Aber der Eindruck täuscht. Der Mann hat ein Auge für seine Nebenleute und einen guten Zug zum Korb. Man nennt so etwas einen hohen Basketball-IQ. Und der Spanier passt in die Mischung. Die Western Conference hat damit einen klaren neuen Favoriten erhalten. Die Lakers sind in dieser Kombi in den Best-of-Seven-Playoff-Serien nicht zu schlagen. Fernsehmann Marv Albert, der das Spiel gegen die New Jersey Nets übertrug, berichtete hinterher, dass Kobe happy ist. "Es gibt einen Gott", soll er gesagt haben. Das muss dann der gleiche Gott sein, der Shaq nach Miami transferierte und jetzt die Ungerechtigkeit seines Tuns einsieht. Oder gibt es am Ende doch mehrere?

Gasol ist 2,13 Meter groß und erst ganze 27 Jahre alt. In Memphis wäre er versauert. Jetzt kann er wirklich zeigen, was er kann.

25. November 2007

Keiner sieht den freien Mann

Das Spiel zwischen den New York Knicks und den Chicago Bulls am Samstag war nicht zum Anschauen. Während man in Manhattan darauf wartet, dass entweder Isiah Thomas endlich gefeuert wird oder Stephon Marbury abgegeben (oder beides) - immer nach dem Motto: je lauter das Theater, desto lieber - muss man sich in Chicago fragen, wieso eine ziemlich eingespielte Mannschaft nicht besser kombiniert und harmoniert. Man muss sich fragen: Was macht Coach Scott Skiles im Training mit seinen Leuten? Probiert er jeden Tag irgendetwas Neues aus, was dann im Match gegen einigermaßen motivierte Gegner nicht funktioniert? Oder sieht er etwas, was wir nicht sehen? Grotesk, wie oft und unbelehrbar einzelne Spieler am Ende vieler Spielzüge die Übersicht verlieren und den freien Mann nicht sehen, sondern im Alleingang auf den Korb zusteuern (und ihn nicht treffen). Vielleicht wollen die Bulls aber auch einfach nur den Herrn Hollinger blamieren, die vor der Saison das Team zum besten in der Eastern Conference hochschrieb und, ohne auch nur mit der Wimper zu zu zucken, eine Niederlagenprojektion von 27 anbot. Die Bulls stehen nur Zeit bei 2:9, haben also nach elf Begegnungen schon ein Drittel dessen eingefahren, was ihnen Hollinger zugetraut hatte.

Den gleichen Stand haben übrigens auch die Houston Rockets erreicht: Hollinger kalkulierte eine Saisonbilanz von 61:21. Der Zwischenstand derzeit: 7:7 (also bei den Niederlagen ebenfalls ein Drittel).

Zurück zu den Bulls: Es kann nicht an Luol Deng alleine liegen, dass die Mannschaft derartig aus den Fugen geraten ist. Der saß am Samstag mit Rückenproblemen auf der Bank. Und es kann auch nicht an den Diskussionen rund um Kobe Bryant und einen möglichen Tausch mit den Los Angeles Lakers liegen, der lange Zeit die Diskussionen beherrschte und dann verstummte. Damals konnte man noch behaupten: Ein Trade würde die Chemie eines guten jungen Teams belasten. Angesichts der gegenwärtigen Schieflage, kann man eigentlich nur eines sagen: ein Bryant-Trade wäre mehr als eine Hilfe. Er wäre eine Offenbarung.

9. November 2007

Kobe vs. A-Rod: Die Abrechnung

Ich bin sicher, es gibt reichlich American-Arena-Leser, die sich sehr gut in den Katakomben des amerikanischen Sportalltags auskennen und die sich dann vermutlich auch für solche Analysen interessieren wie die von Jemele Hill auf Page 2. Genauso wie für die Replik eines Bloggers, der der Dame das ganze Gedankengebäude aus den Angeln nimmt. Mir gefallen solche Dispute - erstens - weil es so etwas in der Vor-Blog-Zeit gar nicht gab. Da bekam man als Autor allenfalls einen spitzfindigen Leserbrief und der lieferte meistens nur eine angehäufte Form von Ärger und Zorn nach dem Motto: Man habe keine Ahnung und schlimmer ging's wohl nicht. Das war geistig nicht sehr anregend. Zweitens produzieren sie erfrischende Gedanken. Ich bin noch immer ganz begeistert von diesem Spruch über Baseball im Kontext zweier moralphilosophischen Theorien, der von Ayn Rand und von Adam Smith:
"Baseball ist großartig, weil es die einzige Sportart ist, bei der sich jeder Spieler auf dem Platz völlig eigennützig verhalten kann und das tun, was ihren persönlichen Wert auf ein Maximum steigert, und das dann auch noch im Interesse der Mannschaft ist. Jede andere Sportart produziert eine Nullsumme, bei der jeder Schuss von einem Spieler einem Mannschaftskollegen die Chance auf seine Möglichkeit nimmt. Im Baseball gibt du mit einem Hit einem Mannschaftskollegen eine Chance...Wenn Ayn Rand und Adam Smith gefickt hätten, hätte sie einen Baseball zur Welt gebracht."
Womit wir bei dem dritten Aspekt sind: Andere Menschen - wie unsereins - können dann auch noch an diesen öffentlichen Streitgesprächen teilhaben und darüber schreiben.

Um was geht es? Eigentlich um nichts Geniales. Frau Hill hat die Verhaltensmuster und Persönlichkeitsmerkmale des Basketballers Kobe Bryant und des Baseballers Alex Rodriguez miteinander verglichen, die beide als ziemlich eitle Individuen gelten (und als Top-Typen in ihren Sportarten, was sich im Fall von Bryant übrigens leicht wiederlegen lässt). Und dabei kommt sie zu dem Schluss, dass Bryant der bessere Mensch sei, weil von seinen Anstrengungen und seinem Ehrgeiz seine Mannschaft - die Los Angeles Lakers - profitieren, während A-Rods Leistungen angeblich zeigen, dass Teams wie die Seattle Mariners, Texas Rangers und präsumptiv dann auch demnächst die New York Yankees ohne ihn besser dran sind.

Fire Jay Mariotti (benannt nach dem aufgeblähten Egomanen, der mehrfach die Woche in der Chicago Sun-Times schreibt und hin und wieder in ESPNs Around the Horn auftaucht), zersägt diese Behauptung auf eine bravouröse Weise (wenn auch nicht immer sehr gentlemanhaft geschrieben). Das schönste steht gleich am Anfang des Beitrags: Rodriguez verdient gar nicht mehr Geld als Bryant, wie immer angenommen wird, wenn man nur die Gehälter vergleicht. Bryant ist der Absahner von den beiden. Und so geht es munter weiter: mit Hinweisen darauf, dass Rodriguez nicht die Bälle pitcht, die dann von den Gegnern zu Home Runs verwertet werden. Und darauf dass A-Rod zwischendurch signalisiert hat, dass er unter bestimmten Umständen sogar auf einen Teil seines Honorars verzichten würde. Und dass die Lakers, seit Bryant Shaquille O'Neal weggebissen hat, rein gar nichts Bemerkenswertes auf die Beine gestellt haben.
Blick zurück: Ein anderer Fall von ESPN-Sense: Scoop Jackson

7. November 2007

Schöner Wohnen

Wir berichten selten genug über die Immobiliengeschäfte der Stars, obwohl das sicher viele Leute interessiert. Wegen Geld und Glamour und so. Aber da wir vor einer Weile den Versuch von Shaquille O'Neal erwähnt haben, seine Riesen-Villa in Miami loszuschlagen (wie sich später herausstellte, hatte das mit der Scheidung zu tun), soll dann auch diese Meldung zur Komplettierung nachgereicht werden: Alex Rodriguez, der Golden Boy des amerikanischen Sportgeschäfts, der soeben seinen Vertrag mit den New York Yankees sausen ließ (weil er sich ausmalt, dass er woanders noch mehr bekommt als 25 Millionen Dollar im Jahr) wird Shaq wohl den Palast von der Hand nehmen. Der Preis ist auf rund 25 Millionen Dollar gefallen. A-Rod hat bislang ein pied-à-terre in Miami, das nur halb so groß ist. Welche Gründe Kobe Bryant haben könnte, sich für das riesige Anwesen von Michael Jordan zu interessieren (Foto: siehe hier), das sich außerhalb von Chicago befindet, ist nicht klar. Es sei denn, er weiß etwas, was sonst noch niemand weiß: daß er demnächst für die Bulls spielt, die momentan so aussehen, als ob sie einen Weckruf gebrauchen könnten. Auch Jordan hat eine Scheidungssache laufen und braucht die Anlage nicht mehr.

Die Nachricht des Tages rund um Alex Rodriguez allerdings hat nichts mit schöner Wohnen zu tun, sondern mit Vertragsrecht. Die Yankees überlegen gerade, ob sie nicht einfach die Rechte an ihrem Third Baseman im Rahmen eines Schiedsgerichtsverfahrens (arbitration) beanspruchen sollen, was aufgrund des Tarifvertrags theoretisch möglich ist. Der Spieler wiederum kann das ablehnen. In einem solchen Fall aber bekämen die Yankees zwei Draftplätze von dem Team, das mit Rodriguez handelseinig wird. Es kann sogar theoretisch noch zu einer anderen Lösung kommen. Aber weil das alles wirklich viel zu hypothetisch und zu kompliziert ist, empfehlen wir unentwegten Baseballkundigen die Lektüre dieses Artikels in der New York Post.

5. November 2007

Dauerlutscher

Die NBA-Saison hat begonnen. Die ersten Spiele zeigen Tendenzen, mit denen man so nicht rechnen konnte (Hat Cleveland keine Lust? Wie schlecht sind die Washington Wizards? Wie gut die Indiana Pacers?) Man spürt aus allen Ecken der Liga eine Aufbruchstimmung, die ob ihres leichten Prickelns Vergnügen macht. Aber eine Angelegenheit steht immer noch zäh im Raum: Die Personalie Kobe Bryant. Das liegt auch daran, dass er es geschafft hat, sich selbst zum besten Spieler der NBA hochzuhypen. Alle nehmen Anteil. Dabei ist er bei genauem Hinsehen allenfalls der populärste und bisweilen vielleicht sogar der highlightigste. Aber das ist nicht das gleiche wie spielentscheidend, titeltauglich, wirkungsvoll. Mannschaften, die mehr wollen als nur das eine oder andere Tandteil an der Kirmesbude abschießen, sind also gut beraten, sich bei einem eventuellen Tausch nicht von den Lakers austricksen zu lassen. Da das Bryant-Thema zu einem Dauerlutscher geworden ist, schien es an der Zeit, die Sache in der FAZ etwas umfassender abzuhandeln. Der Text ist heute in der Print-Ausgabe erschienen und steht inzwischen auch bei faz.net im Regal.
Blick zurück: Die Bryant-Szenarien betreffend Dallas und die Bulls
Blick zurück: Was Nowitzki davon hätte, gegen Bryant getauscht zu werden

27. Oktober 2007

Verdirkte Welt

Nächste Woche beginnt die neue NBA-Saison, auf die man sich allmählich auch im deutschsprachigen Raum einstimmt. Am Sonntag gibt es in der FAZ einen Text, der sich mit dem merkwürdigen Verhältnis von Avery Johnson und Dirk Nowitzki in Dallas beschäftigt, das der Grundstein dafür ist, dass der Trainer ständig so tut, als habe er lernbedürftige Schüler zu betreuen, die nicht richtig Basketball spielen können. Der MVP wiederum denkt gar nicht daran, die Verantwortung zu übernehmen und drückt sich vor dem dringend notwendigen Aufstand gegen Johnson. Die beiden werden auf diese Weise noch viel Spaß aneinander haben. Zumal Nowitzki dem Spiegel (via NBA-Blog) deutlich gemacht hat, dass er ganz offensichtlich das Kernproblem gar nicht erkennt. Er habe zwar nach der Saison alles in Frage gestellt - "sogar die ganze Karriere". Aber alles, was am Ende dabei herauskam, war die Feststellung: "Wir haben auch so eine gute Mannschaft, die stark genug ist." Eine Mannschaft, die auf keiner Position verstärkt wurde, in der er keine Nebenleute hat, die ihn in der Rolle des Scorers zuverlässig unterstützen können. Und keinen vernünftigen Center, der unterm Korb die Arbeit macht. Das soll reichen? Wer macht hier eigentlich wem was vor?

Der andere Text wird in der SonntagsZeitung in der Schweiz erscheinen und die Chicago Bulls und Boston Celtics behandeln, die nach Expertenansicht die stärksten Rivalen um den Top-Platz in der Eastern Conference sein werden. Die Bulls liegen den Schweizern natürlich auch deshalb nahe, weil dort Nationalspieler Thabo Sefolosha spielt, dessen Option auf ein drittes Vertragsjahr soeben von Chicago wahr genommen wurde.

Sowohl Dallas als auch Chicago sind noch immer die vielversprechendsten Kandidaten für einen Deal mit den Los Angeles Lakers in Sachen Kobe Bryant. Die Signale sind aber eher schwach. Die Bulls müssten sich wohl von Luol Deng verabschieden, dem sie gerade ein maßvolles Angebot für einen langfristigen Vertrag gemacht haben. Die Offerte sollte man auf keinen Falls als Trade-Hinweis deuten, sondern eher als Teil einer konsequenten jahrelangen Gehaltspolitik, bei der man sich an der Salary Cap orientiert und nicht an dem Wettrennen von solchen Verschwendern wie den New York Knicks oder den Dallas Mavericks.

Dallas und Kobe Bryant bleibt ein Thema, das vor allem von den texanischen Zeitungen hochgepeitscht wird. Der Bewegungsspielraum für Dallas ist minmal. Es sei denn, sie geben Josh Howard und Devin Harris ab. Dagegen spricht - siehe Boston - erst mal gar nichts. Außer dass die Mannschaft bei einem solchen Trade dringend das Loch in der Mitte stopfen müßte. Erick Dampier und die anderen Center haben nicht das Format, um einer Mannschaft mit Bryant und Nowitzki als Dreh- und Angelpunkt die Arbeit zu erleichtern.

18. Oktober 2007

Wir denken das Undenkbare: Nowitzki im Tausch gegen Bryant

Es ist allmählich an der Zeit, das Undenkbare zu denken: Kobe Bryant zu den Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki zu den Los Angeles Lakers. Alles Gerede, was man bisher vernommen hat, ging immer nur in eine Richtung: Cuban hält an Nowitzki fest, alle anderen Spieler hingegen stehen für einen Tausch zur Disposition. Warum das so sein soll, sagt kein Mensch. Dirk ist keine Statue mit Betonsockel und einem riesigen Stahlstift, den man nicht an einen anderen Ort verpflanzen könnte. Und er hat mit diesem Umfeld und dieser Mannschaft gar keine Chance auf einen Titel in Dallas. Das hatte er nicht, als Steve Nash noch da war. Und auch nicht im Finale gegen die Heat (in das sie nur mit ein bisschen Schiedsrichterhilfe kamen, sonst hätten sie nicht die Siebener-Serie gegen San Antonio gewonnen). Was im letzten Frühjahr in der ersten Playoff-Runde abgegangen ist, haben wir noch frisch in Erinnerung: Mavericks-Coach Avery Johnson wird von seinem Ziehvater nach Strich und Faden vorgeführt.

Für Nowitzki wäre jeder Wechsel von Nutzen. Vor allem, wenn er bei einem Club landet, der seine Spieler nach Kriterien zusammensucht, die nowitzki-kompatibel sind. Wenn er auf einen Trainer trifft wie Phil Jackson, der ihm mehr beibringen kann als die üblichen Hinweise darauf, er möge doch bitte mehr den Korb attackieren und die Sprungwürfe vernachlässigen. Nowitzki hat in Dallas bereits alles geleistet, was man leisten kann, und dazu beigetragen, dass aus der schlechtesten Mannschaft der NBA eine Art von Titelaspirant wurde. Er sollte begreifen, dass es an der Zeit ist, so eigensinnig wie Wilt Chamberlain zu denken und sich selbst für einen Trade ins Gespräch bringen. Wie man das am Geschicktesten macht, können ihm seine Berater bei der Firma Nike bestimmt verraten. Normalerweise fängt man erst mal mit einem Dementi an. Und dann schaut man weiter.

17. Oktober 2007

Kobe und das Kaugummi

Man wünscht sich an solchen Tagen den Zauber eines Prinzen in einem Märchen der Gebrüder Grimm, der mit einem Streich, mit einem Kuss, mit einem Ritt über den Regenbogen ganze Königreiche umwandelt. Er möge kommen, von irgendwo her und endlich dieses alte durchgekaute Kaugummi durchschneiden, auf dem sie in Los Angeles herumkauen. Und poof: Kobe Bryant wäre bei seinem neuen Club. Und wir könnten uns auf die Frage konzentrieren: Wie wirkt sich das alles auf die kommende Saison aus?

Aber vielleicht gibt es diese Prinzen gar nicht. Wenn man liest, auf welche Weise die um das Trainingslager herumlungerende Meute in Los Angeles diesen Schnitt herbeischreibt, hat man eher das Gefühl, das noch ganze Bulldozer und Megamaschinen gebraucht werden, um den absurden Tanz zu beenden. Beim Training mit der Mannschaft tritt Kobe Bryant nicht auf. Er arbeitet mit Maschinen und Gewichten - allein. Ein Zeichen? Seinen Schrank in der Umkleidekabine hat er nur AUFgeräumt und nicht AUSgeräumt, aber alles war bereits in heller Aufregung. Ein Zeichen? Die Autoren, die die Tauschmöglichkeiten analysieren und sagen, dass die Chicago Bulls das beste Gegenangebot machen können - ein Zeichen?

Sagen wir mal so: Die Lakers tun sich schwer. So schwer wie selten zuvor, als sie irgendwie immer einen Weg gefunden haben, bei anderen Teams die Top-Leute zu kapern (Wilt Chamberlain und Kareem Abdul-Jabbar und später Shaquille O'Neal) oder hübsch an sich zu binden (Trainer Phil Jackson). Da war das Management immer der Aggressor und Jäger. Nun sitzen sie ohne Handlungsspielraum da und müssen sich an den Gedanken gewöhnen, dass man selbst als Manager der Lakers von einem überragenden Einzelspieler der Liga in die Ecke getrieben werden kann. Nach meiner Vermutung geht es im Moment nur noch um die Feinheiten eines mehrstufigen Tausches. Die Lakers wollen herausfinden, wie man den Tradeertrag aus Chicago (oder Phoenix) in einer zweiten Transaktion mit einem Club in sinnvolle Verstärkungen umwandeln kann. Denn egal was man aus Chicago (oder Phoenix) auch bekommt - nichts passt wirklich zusammen.

Die andere Seite der Medaille: Ich vermute übrigens, dass Andrej Kirilenko noch immer auf dem Markt ist und damit ein paar theoretisch eher geradlinige Gespräche verkompliziert wurden. Denn auch der passt wie Bryant mit seinem teuren Vertrag wirklich nicht überall hin.

Während wir auf den Schnitt waren, hier ein Moment mit dem Schweizer Nationalspieler, der mit Sicherheit von den Bulls abgegeben würde, wenn sie sich auf einen Trade einlassen: Thabo Sefolosha. Er hat einen hübschen Spielzug gelernt: den Dunk, den man sich selbst vorlegt.

4. September 2007

Gedanken zum Labor Day - nachträglich

Wenn man liest,
dass Kobe Bryant zum Abschluss des Basketballturniers in Las Vegas im Wynn Champagner für 21.000 Dollar bestellt hat und
dass Roger Federer beim Friseur in Manhattan 800 Dollar lässt, damit sein Nike-Stirnband auf dem Tennisplatz besser zur Geltung kommt,
dann weiss man gleich wieder, dass man in einer anderen Liga spielt. Und das man die Bedeutung des amerikanischen Labor Day noch immer nicht richtig verstanden hat.

3. Juli 2007

NBA: Shirley und der Sinnquotient

Viele ehemalige amerikanische Profisportler landen nach ihrer Karriere beim Fernsehen oder im Radio, wo man ihren Sachverstand bei Live-Übertragungen anzapft und herausfindet, wie weit ihr Horizont reicht. Eine neuere Kategorie von pensionierten Athleten tummelt sich in den Studio-Sendungen vor, zwischen und nach wichtigen Spielen, in denen sie vor allem gebraucht werden, um irgendwelches Blech zu reden - Hauptsache es klingt nach Fachmann, wichtig ist Meinung, Attitüde, Selbstbewusstsein, fester Blick, einigermaßen telegenes Aussehen und, ja, noch mehr Selbstbewusstsein. Niemand fragt nach dem Sinnquotient.

Um so erfrischender ist die Arbeit von Paul Shirley, der bereits als Buchautor angenehm aufgefallen ist und inzwischen beim Online-Magazin Slate zu lesen ist. Sein jüngstes Stück hat all die Qualitäten, die man sich als Leser wünscht, wenn man etwas mehr über Basketballer wie Kobe Bryant oder Kevin Garnett wissen will. Die Prämisse ist zwar überspannt, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen: Was wäre wenn Garnett bei den Lakers landet und mit Bryant in einem Team spelen würde? Der Beitrag ist sehr zu empfehlen.