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16. November 2009

Das Fourth-Down-Syndrom: Schelte für Belichick

New England Patriots v Indianapolis ColtsMan kann solange über diese Entscheidung diskutieren, bis einem die Puste ausgeht. Sollte man wenige Minuten vor dem Ende eines Football-Spiels beim vierten Down, wenn einem zwei Yards fehlen, den Punter auf den Platz schicken? Oder sollte man seinen Quarterback draußen lassen und die Angriffsformation die Aufgabe lösen? Wir kennen die Alternativen: Es sind zwei.

1. Lösung Punter: Fast hunderprozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner den Ball bekommt, wenn auch nahe an dessen Tor.

2. Zwei-Yard-Raumgewinn mit einem Quarterback wie Tom Brady herausarbeiten: Etwa fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit (dieser Mann sagt sogar: 60prozentige), dass man den ersten Down schafft. Problem: Gelingt einem das nicht, geht das Angriffsrecht an diesem Ort an den Gegner über. Und der steht dann nicht tief hinten auf seiner eigenen Seite, sondern in diesem Fall 30 Yards vor der eigenen Touchdown-Linie.

Bill Belichick hat sich am Sonntagabend beim Stand von 34:28 für die New England Patriots für Möglichkeit zwei entschieden. Er hatte seine Gründe. Denn mit einem First Down hat die Mannschaft den Sieg in der Tasche. Weil seiner Mannschaft am Ende bei dem Spielzug aber ein paar Zentimeter fehlten und sie den Ball abgeben musste, kippen jetzt die Neunmalklugen von der Seitenauslinie den Spott über dem besten Coach der National Football League aus. Denn die Patriots kassierten anschließend den einen entscheidenden Touchdown und verloren die Begegnung gegen die Indianapolis Colts mit 34:35. Ja, ja: Genie sieht anders aus.

Ehe wir uns weiter mit der Belichick-Schelte beschäftigen hier nur am Rande: Das Spiel war hochklassig und zeigte erneut eines: Sebastian Vollmer hat das Zeug zu einem erstklassigen Offensive Lineman, denn er reduzierte auf seiner Seite der Angriffslinie den hoch eingeschätzten Dwight Freeney zu einem Statisten.

Nun zurück zu den Vorwürfen an den Patriots-Trainer, der Tom Brady in dieser Situation einen Spielzug ausriefen ließ, an dem außer einer Kleinigkeit nichts falsch war. Der Pass erreichte Kevin Faulk an einer Stelle, an der man ihm normalerweise den ersten Down geben würde. Da er allerdings beim Fangen vom Verteidiger zurückgedrängt wurde und er den Ball nicht gleich komplett unter Kontrolle bekam, ging der Plan nicht auf. Nun könnte man argumentieren: Warum packen die Patriots nicht ein Running Play aus oder ein Passspiel, bei dem man ein paar Yards Pufferzone einbaut. Aber das wäre auch schon alles. Der Rest an der Kritik ist aufgeblasen. Zumal die Colts danach erst noch die Verteidigung der Patriots bezwingen mussten, um einen Touchdown zu erzielen. Und dass Peyton Manning das gelingt – dafür gab es keine Garantie.

Der Ausgang des Spiels stärkt natürlich wieder all jenen das Kreuz, die im Football immer auf Nummer sicher gehen wollen, obwohl solches Verhalten weder statistisch begründbare Vorteile hat noch den Zuschauern etwas bietet. Die Angst der NFL-Trainer vor risikovollen Entscheidungen ist übrigens legendär und wurde bereits hier ausführlich abgehandelt. Ihre Triebfeder: Furcht vor dem Jobverlust. Zum Glück braucht sich jemand wie Bill Belichick über so etwas keine Gedanken zu machen.

5. Oktober 2009

Der Klingbeutel: Recht so

Für Oakland-Raiders-Coach Tom Cable sieht es nicht gut aus. Die Attacke gegen seinen Assistenten könnte zu seiner Verhaftung führen.

• Der Besuch einer New Yorker Zeitung im Gefängnis bei Plaxico Burress (einst der Held der New York Giants)

• Die Polizei hat einen Verdächtigen in der Video-Affäre um Erin Andrews festgenommen. Die Ermittlungsergebnisse wurden von Deadspin publiziert. Sie zeigen, wie detailliert sich die Behörden mit solchen Dingen wie kleinen Gucklöchern in Hoteltüren beschäftigen.

• Ein kanadischer Eishockey-Blog nimmt Toronto Maple Leafs Trainer Ron Wilson hops. Seine zu Papier gebrachten Motivationssprüche entlarven einen hochsimplen Arbeitsansatz. Jeder Sportfan käme auf solche Ideen.

29. September 2009

Raiders: Heimliche Tipps vom suspendierten Assi

Bei Hertha BSC wurde gestern ein Trainer gefeuert, der nach Ansicht seines Co-Trainers das Opfer des sabotierenden Verhalten einiger Leistungsträger wurde. Der Alltag eines Fußballkaders und das Resultat einer oft zitierten, aber dann doch nie wirklich erklärten Chemie im Mannschaftssport. Solche Geschichten schreiben sich leicht und schnell, vor allem wenn man jemanden zitieren kann, dem die Galle überläuft. Ganz anders sieht es aus, wenn folgendes passiert, dann muss man weiter ausholen. Im wörtlichen Sinne. Erst mal zum Sachverhalt: Da haben Spieler der Oakland Raiders neulich doch tatsächlich einen Club-Computer mit Informationen über Spielzüge und taktische Feinheiten einem Assistenztrainer zukommen lassen, damit der ihnen wichtige Tipps gibt. Der Assistenztrainer heißt Randy Hanson und war der Empfänger eines Fausthiebs von Cheftrainer Tom Cable, durch den er – dem Vernehmen nach – den Bruch seines Unterkiefers erlitt.

Seit dem Zwischenfall war Hanson vom Dienst suspendiert und durfte nicht mehr aufs Trainingsgelände, erhielt aber weiter sein Gehalt. Inzwischen ermittelt die Polizei. Nicht ausgeschlossen, dass die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Körperverletzung erhebt. Das Resultat der geheimen Computer-Aktion: Die Defensive Back spielten besser. Nun muss Cable um seinen Job fürchten.

25. September 2009

Gretzky gibt auf

Die Nachricht von gestern lautete: Wayne Gretzky hat in Phoenix die Kelle abgegeben und den Trainerposten der Coyotes verlassen. Die erste Reaktion darauf: Was die Coyotes hatten einen Trainer? Braucht man, um in den NHL die Playoffs nicht zu schaffen und in einer halbleeren Halle zu spielen, einen Coach?

Hier die Bilanz von vier Jahren und mehr als 300 Spielen in der regulären Saison: 143 Siege, 166 Niederlagen. Für diese Leistung wurden ihm 6,5 Millionen Dollar Gehalt pro Jahr vom Club zugestanden. Trainer, die weniger verdienen, wären in anderen Clubs angesichts solcher Mißverhältnisse schon vor langer Zeit rausgeworfen worden. Aber Gretzky hatte es besser. Einem Miteigentümer setzt man nicht den Stuhl vor die Tür.

Mehr über die Verhältnisse, vor dem großen Bankrott, kann man hier lesen. Zum letzten Stand des Konkursverfahrens, das sich weiter hinzieht, weil der Schuldner und Ex-Besitzer Jerry Moyes keine Ruhe gibt, hat die Hockey News vor ein paar Tagen alles zusammengetragen. Aus dem Hickhack nach der vom Gericht durchgeführten Auktion (das Resultat ist offiziell noch nicht bekannt), muss man schließen, dass der Richter den Club in Glendale halten will und damit den Willen der Liga erfüllt. Wenn auch sicher aus anderen Gründen. Die Stadt Glendale ist als Besitzer der Hauptgeschädigte, wenn die Coyotes nach Kanada abwandern.

18. August 2009

Käufmännisches Rechnen

Weshalb sich in deutschen Medien ziemlich stabil die Idee hält, dass ein ehemaliger Leichtathletik-Bundestrainer im Falle eines Prozesses, der ihm theoretisch 15 Jahre Gefängnis einhandeln kann, nur mit einem abgekürzten Nachnamen genannt werden darf, ist und bleibt ein Rätsel. Übereinstimmenden Berichten zufolge hat der Mann inzwischen sogar ein Geständnis abgelegt – und zwar über den hundertfachen sexuellen Missbrauch junger Menschen. Wir reden also nicht mehr von bloßen Anschuldigungen und Vorwürfen, die ein Angeklagter in einem Strafprozess bekanntlich theoretisch entkräften kann. Wir reden von einem Serientäter, der zugegeben hat, systematisch (und bis zu seiner Festnahme) ohne weitere Konsequenzen Kindern das Leben zur Hölle gemacht hat. Nicht irgendein Mensch in der Provinz war das. Sondern ein Mann auf der Lohnliste des Deutschen Leichtathletikverbandes. Ein Mann, der im Rahmen seiner Arbeit und seiner Rolle als Coach einen Weg fand, seine Opfer zum Schweigen zu bringen. Und dann noch das: "In 15 Fällen fügte der Mann seinen Opfern auch körperliche Verletzungen zu", liest man bei SpOn.

Der Mann hat natürlich einen Namen. Er heißt nicht Ewald K., sondern Ewald Kaufmann. Er hat natürlich auch eine Biographie. Und er hat Spuren in der deutschen Presselandschaft hinterlassen, die man heutzutage immerhin im Internet finden und nachverfolgen kann. Ewald K. wurde er da nie genannt.

Hier zwei Links, die auf Berichte in der Süddeutschen Zeitung zurückgehen:
http://www.lg-telis-finanz.de/2003_berichte/2003-06-26_kaufmann.htm
http://www.lg-telis-finanz.de/2003_berichte/2003-06-11_talentschule.htm
Hier ein Foto, das nach Angaben der Leichathletik Coaching Academy jenen Mann zeigt, der sich vor Gericht eine Kladde vor den Kopf halten durfte, um sein Gesicht nicht in den Zeitungen wiederzufinden.

Die Frage, die einem angesichts solch einer frivolen Angst vor Bloßstellung einfällt, ist: Welches Interesse hat eine Gesellschaft daran, einen solchen Menschen nicht bloßzustellen? Wie weit reicht die Zurückhaltung, wenn doch deutsche Richter durchaus einen Unterschied machen:
"Dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit über schwere Straftaten kommt [...] im Rahmen der aktuellen Presseberichterstattung, also im unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Tat und einem Strafverfahren, der Vorrang gegenüber dem Persönlichkeitsrecht des Täters unter dem Gesichtspunkt des Anonymitätsinteresses, zu."

Wem dient aber die Anonymisierung? Und was bezweckt sie?

9. Juni 2009

Auf eigenem dünnen Eis

Wenn man durch dieses ständige Psycho-Gerede von Motivation und Emotion und Willenskraft pieksen will, durch das in Mannschaftssportarten dank der Trainer, der Medien und über Eck auch dank der geistig oft ziemlich ausgelaugten Spieler dauernd ein Nebel aus Erklärungsmustern erzeugt wird, die gar nichts erklären, schon gar nicht den Erfolg einer Mannschaft, steht man bei den Analyseversuchen rasch ziemlich allein da. Statistische Informationen können bei der Auswertung einzelner Aspekte durchaus helfen, besonders wenn sie mit jener Akribie betrieben wird wie das in Amerika von Professoren wie David Berri angegangen wird. Aber spätestens in einer Playoff-Serie sind solche Betrachtungen nicht mehr besonders hilfreich, weil sie nur funktionieren und Trendaussagen erlauben, wenn man möglichst viele Zahlen einspeist. In einer Best-of-Seven-Serie ist das Fundament eher dünn. Und selbst wenn man eine gesamte Playoff-Leistung zu Rate zieht, wie sich das in diesen Tagen aus Anlass des Stanley-Cup-Finales anbietet, bleibt man auf dünnem Eis. Die Basisdaten aus fünfzehn, sechzehn, siebzehn Spielen können nicht so einfach verallgemeinert werden. Trotzdem verdienen sie Beachtung. Und deshalb ist diese aktuelle Geschichte auf der Webseite des kanadischen Fernsehsenders TSN empfehlenswert. Sie deutet an, dass bei Eishockey auf dem derzeitigen sehr hohen Niveau wie zwischen den Detroit Red Wings und den Pittsburgh Penguins und mit einer geringeren Zahl an Unterbrechungen eine Auffälligkeit nicht vom Tisch zu fegen ist: Zuhause spielen sie besser, auswärts hingegen schlechter. Wer das mit den üblichen Fisimatenten erklären will – Stimmung und Lautstärke des Publikums, Reisestress der Auswärtsmannschaft – der ignoriert auf eigene Gefahr wie lakonisch Profis heutzutage ihrer Arbeit nachgehen und wie unbeeindruckt sie von Dingen sind, mit denen sie jeden Tag umgehen. Ich muss da immer an die beknackten Zuschauer bei Basketballspielen denken, die bei Freiwürfen des angereisten Gegners in der Blickachse des betreffendern Spielers hinter dem Korb sitzen und herumturnen und mit Gegenständen wedeln. Nichts von dem beeinflusst den Werfer, aber kein Zuschauer würde die Hoffnung aufgeben, dass es etwas bringt.

Im Eishockey dagegen gibt es eine Besonderheit, die sich auswirken kann: Die Heimmannschaft hat das Recht bei einer Unterbrechung des Spiels ihre fünf Spieler erst dann aufs Eis zu schicken, wenn das Auswärtsteam komplett ausgewechselt hat. Mit anderen Worten: Anders als in anderen Sportarten, kann der Trainer ganz konkret auf sogenannte Match-Ups achten und sich ständig Gedanken darüber machen, wen er gegen wen bringen will. Ein guter Trainer wird diese Regel konsequent und mit Nachhaltigkeit für sich ausschlachten. Aber er wird natürlich nicht während einer Meisterschaft öffentlich zugeben, wie gut (oder wie schlecht) es ihm gelingt. Statt dessen wird er das Ganze eher vernebeln wollen. So wie Penguins-Coach Dan Bylsma, der am Montag sagte: "Ich glaube nicht, dass es die Match-Ups sind. Ich denke, wir reden über zwei Mannschaften, die hart und mit talentierten Spielern arbeiten. Das ist ausgeglichen genug, um einen Heim-Eis-Vorteil zu produzieren."

Wenn wir das Thema etwas klarer und bewusst versimpelt anpacken wollen, kommen wir zu folgendem Resultat: Spiel sechs heute abend geht an Pittsburgh. Spiel sieben (wieder in der Joe Louis Arena in Detroit) an die Red Wings. Es sei denn Bylsma findet bei Sydney Crosby endlich den Knopf zum Einschalten.

17. März 2009

NFL: Junge Cheftrainer

Nicht jede Anhäufung von singularen artverwandten Sachverhalten ist gleich ein Trend. Denn das würde voraussetzen, das sich in den Köpfen der Entscheidungsträger jeweils ähnliche Gedanken abspielen. Was wiederum zwingend voraussetzen würde, dass sich in diesen Köpfen überhaupt etwas abspielt.

Aber auffällig ist das schon, dass man in der NFL neuerdings ganz gerne ziemlich junge Leute auf die Position des Head Coach beruft. Josh McDaniels in Denver und Raheem Morris in Tampa sind 32 Jahre alt. Lane Kiffin, der neulich ein unerfreuliches Intermezzo bei den Oakland Raiders erlebte und jetzt das Traditionsfootballprogramm an der University of Tennessee leitet, war 31, als er den Zuschlag bekam. Zur Jugendbewegung gehören fraglos Mike Tomlin von den Pittsburgh Steelers, der mit 34 den Job übernahm und ziemlich rasch danach einen Super-Bowl-Gewinner produzierte, und auch Eric Mangini, der ebenfalls mit 34 auf den Chef-Posten der New York Jets berufen wurde (inzwischen nach dem Misserfolg mit Brett Favre und dem Rauswurf in Cleveland unter Vertrag).

Die Sache ist deshalb interessant, weil wir gerade im Football und dort viel stärker als in anderen Mannschaftssportarten noch ziemlich alte Trainer in Lohn und Brot sehen. Da wurde zwischendurch Joe Gibbs in Washington wieder aus der Rente geholt (ein Mann in den Sechzigern). Da durfte Marv Levy bis in die Siebziger bei den Buffalo Bills arbeiten. Dick Vermeil hatte ein halbes Altersheim an Assistenten um sich versammelt, als mit den St. Louis Rams den Super Bowl gewann. Er selbst war damals 63. Don Shula war fast Mitte 60, als ich ihn nach einem Spiel der Miami Dolphins in New York fragte, ob er nicht bald ans Aufhören denkt. Er hat mich strafend angeschaut und erklärt: "Über so etwas denke ich nicht nach. "

Alter an und für sich ist irrelevant. Die Frage ist immer: Was bringen Head Coaches auf die Waagschale? Aber genau das lässt sich angesichts ständig wachsender Bataillone von Assistenten gar nicht mehr so genau sagen. Wir sehen sie zwar immer an der Seitenlinie herumhampeln, in ihre Mikrofone murmeln und auf die Referees einreden. Aber das ist nicht mal die Spitze des Eisbergs. Das sind nur jene kurzen Momentaufnahmen, in denen sich eine Spur der Persönlichkeitsstruktur der jeweiligen Person offenbart. Und die sagt sehr wenig über die Football-Intelligenz und den Erfolg der Managementleistung dieser Herren. Denn so viel ist klar: Es führen viele Wege nach Rom, nicht nur die, die die aggressiven Schreihälse so gerne beschreiten, wenn sie ihre Spieler herunterputzen und immer so tun, als säße die Macht, die sie ausüben, in ihren Stimmbändern und nicht zwei Handbreiten höher.

Profi-Football hat immer auch den Stil der stilleren Typen akzeptiert, die sich nicht als Zampanos inszenieren, sondern in Gesprächen vor und nach dem Spiel ihre Erkenntnisse vermitteln und die ihren Stab zu motivieren verstehen. Das liegt daran, dass die im Football ausentwickelte extreme Arbeitsteiligkeit – sowohl was die Spieler auf dem Platz betrifft als auch die die Arbeit der Trainer – einen Führungsstil verlangt, der einem modernen Unternehmen ähnelt. Die vielen Rädchen greifen nur dann synchron in einander, wenn konsequent kommuniziert wird. Profi-Football hat allerdings auch immer eine mönchische und asketische Hingabe der Trainer ans Analytische gefördert. Man schaut sich in diesem Job jeden Tag stundenlang auf Video aufgezeichnete Spielzüge von Gegnern und eigenen Formationen an, um darin Ansätze für neue Ideen zu finden. Das ist kein gesundes Arbeiten. Denn es befreit nicht, sondern blockiert die Synapsen mit tausenden von vorgefundenen Details. Und es lenkt ab von anderen Aufgaben.

Jüngere Trainer sind besonders in diesem Bereich im Vorteil, weil sie noch ohne viel Gepäck reisen und offener sind, wenn es ums Ausprobieren geht. Das heißt nicht, dass ihre Entscheidungen in kritischen Momenten profunder sind. Aber es bedeutet, dass die besseren unter ihnen der Spielkultur Impulse geben werden. Nehmen wir Bill Belichick, dem besten und prägendsten Coach der letzten Jahre. Der war mit Ende 30 noch zu feucht hinter den Ohren, um bei den damaligen Cleveland Browns (heute Baltimore Ravens) als Hauptveranwortlicher viel auszurichten. Aber wenige Jahre später hatte er in New England die Puzzlestückchen zusammen und zeigte in der entscheidenden Phase der Saison mit seinem Votum für den jungen Quarterback Tom Brady und gegen den erfahrenen Drew Bledsoe, dass er solchen Aspekten wie Alter und Erfahrung nur wenig beimisst.

Bei den Denver Broncos geht Belichick-Zögling Josh McDaniels zur Zeit offensichtlich einen anderen Weg. Er verunsichert erst mal seinen Quarterback Jay Cutler, der als Erstrunden-Pick anno 2006 vermutlich eher uneinsichtig auf Kritik an seinen Leistungen reagiert. In jenem Jahr wurden Matt Leinart und Vince Young vor ihm ausgewählt, die seitdem auf unterschiedliche Weise dokumentiert haben, dass es blendend auch ohne sie geht. Cutler auf der anderen Seite hat in den letzten beiden Spielzeiten hinreichend bewiesen, dass es mit ihm nicht geht. Kein Wunder, dass man ihm abgeben wollte. Die ersten Trade-Gespräche im Februar führten zu keinem Resultat. Jetzt ist Cutler sauer und will nicht mehr in Denver bleiben. Wir werden sehen, aus welchem Holz der junge McDaniels gebaut ist.

16. Oktober 2008

Vitamin B(easley)

Nichts gegen Assistenztrainer am College. Schon gar nicht gegen gute. Aber 420.000 Dollar im Jahr als Gehalt an einer staatlichen Bildungseinrichtung für einen Job in der Basketballabteilung? Ist das nicht ein wenig exzessiv? Das sind ja fast schon Wall-Street-Dimensionen. Der Mann, der soviel kassiert, heißt Dalonte Hill. Sein Ticket bei Kansas State war seine gute Beziehung zu Michael Beasley, der soeben in die NBA verduftet ist. Hier gibt es eine vergleichende Statistik mit der Bezahlung von Assistenztrainern an anderen Universitäten mit erfolgreichen Basketballmannschaften. Ein Augenöffner. Die meisten verdienen mehr als die Professoren, die den Studenten wirklich etwas beibringen. Und zwar in den Fächern, in denen die Studenten am Ende auch noch einen Abschluss machen. Hill ist noch nicht lange in Manhattan (Kansas), aber lange genug, um sich eine kleine Alkohol-am-Steuer-Sache einzuhandeln. Wie lange war Beasley in Kansas State? Keine zwölf Monate. Wie lange wird Hill der Uni noch auf der Tasche liegen? Mehrere Jahre.

P. S. Das alles passiert unter demselben Dach, unter dem die beiden deutschen Basketball-Talente Lucca Staiger (Bild) und Fabian Böke mit einer einjährigen Sperre belegt wurden, weil sie in Deutschland in der zweiten Liga einer Mannschaft mit (schlecht bezahlten) Profis gespielt haben. Zumindest in seiner Heimat hat Staiger noch Freunde. Der Verband hat ihn eingeladen, sich in diesem Winter um einen Platz in der Nationalmannschaft zu bemühen. Das Problem: die Sichtung trifft genau in jene Zeit, in der er am College Iowa State gebraucht wird.

14. September 2008

Neuer Spielwitz in der NFL?

Heute mal andere Töne als immer die alte Leier von den Coaches in der NFL, die kein Risiko eingehen wollen und von den den Spielern, die während eines Spielzugs nicht auf die Idee kommen, den Ball abzugeben.

Der erste Fall: Mike Shanahan von den Denver Broncos stand am Sonntagabend im Match gegen die San Diego Chargers wenige Sekunden vor dem Schluss beim Spielstand von 37:38 vor der Frage: Schicke ich den Field Goal Kicker und setze auf den Ausgleich und eine Verlängerung? Oder lasse ich meine Angriffsreihe auf dem Platz, um eine Two-Point-Conversion zu probieren? Der Conversion-Versuch ist das theoretisch riskantere Projekt. Der Point-After-Versuch eine sichere Sache. Shanahan, dessen Angreifer mit Mühe und Not in einem 4th and Goal den Touchdown geschafft hatten, ohne den das ganze Thema obsolet gewesen wäre, signalisierte mit zwei Fingern quer über den Platz: Wir wollen die Conversion. Cutlers Pass landete in der Endzone. Fall erledigt. Spiel gewonnen.

Den überraschenden Lateral-Pass lieferte Anthony Gonzalez von den Indianapolis Colts im Metrodome gegen die Minnesota Vikings. Und der war dringend nötig. Die Colts hatten mehr als die Hälfte der Begegnung wie eingeschlafene Füße. Der Ball ging an Reggie Wayne. Und der schleppte ihn noch bis an die One-Yard-Linie. Indianpolis kam auf 7:15 heran, glich später nach einem Touchdown und einer Two-Point-Conversion aus und gewann das Spiel durch ein Field Goal kurz vor Schluss mit 18:15.

Wir sind erst in der zweiten Woche. Ob so etwas eventuell ansteckend ist?
Blick zurück: Überraschungselement angetäuschtes Field Goal – im College-Football, wo man einen Hauch riskanter spielt
Blick zurück: Fremdwort Risiko

13. September 2008

Repressiv meets depressiv

Man sollte annehmen, dass die Verantwortlichen im College-Football andere Sorgen haben. Man denke nur an die grotesken Entwicklungen bei der Vergabe von Stipendien an Studenten, die vermutlich nicht mal richtig lesen und schreiben können, aber trotzdem von den Universitäten zugelassen werden. Aber wahrscheinlich ist das Problem wirklich lesen und schreiben. Sonst hätte das Athletic Department der University of Virginia nicht das Ausbreiten von selbst produzierten Schrifttafeln, Bannern, großen Zetteln etc. bei Spielen der Football-Mannschaft im eigenen Stadion verboten. Repressiv meets depressiv. Oder so.

Zum ersten Thema empfiehlt sich die Lektüre dieses Artikels im Indianapolis Star und das Herunterladen der dort verlinkten pdf-Datei. Denn sie zeigt das ganze Ausmaß der verkappten Manipulation, mit dem mit Steuergelder finanzierte Bildungseinrichtungen den eigenen Auftrag mit Football-Füßen und Stollenschuhen treten. Die Entschuldigung für das Verhalten ist überall die gleiche: Footbal produziert angeblich Überschüsse für den gesamten Sportbetrieb an den jeweiligen Division-I-Universitäten. Und wenn nicht Überschüsse (bei den Trainergehältern, Stpendien, Reisekosten, Baukosten für Stadien und Trainingsgelände sowieso ziemlich unwahrscheinlich), dann eben Prestige. Football-Universitäten sind berühmt und haben höheren Zulauf von High-School-Absolventen, lautet die Kalkulation, die zwar im Prinzip sicher stimmt, aber nirgendwo genau über eine ehrliche Buchhaltung durchgerechnet wird.

Die Football-Stipendiaten, die nicht genug in der Birne haben, um die eingeschlagenen Studiengänge abzuschließen, sind in dieser Maschine nur billiger Treibstoff. Sie kommen und schnüren die Stiefel, weil sie hoffen, von den NFL-Scouts entdeckt zu werden und irgendwann ihre Knochen für Geld hinzuhalten. Tatsächlich ist das Nadelöhr für den Nachwuchs ungeheuer klein. Keine zehn Prozent bekommen einen Profivertrag in einer Liga, die wiederum überhaupt kein Interesse daran hat, dass sich etwas ändert. Die NFL kann sich das Geld für jede Form des Unterbaus und der Nachwuchsarbeit sparen. Das Förderband finanzieren die Hochschulen, also der Steuerzahler und die Nicht-Sport-Studenten mit ihren inzwischen extrem hohen Gebühren.

Dass diese Manipulation kaum jemanden weiter aufregt und nicht mal die Professoren in den anderen Fakultäten auf die Straße und mit Protestbannern in die Stadien bringt, ist der eigentliche Skandal. Denn intellektuell hätten diese Hochschullehrer durchaus die Kapazität, den Mechanismus und die epidemische Systemerkrankung zu analysieren und zu desavouieren. Aber unter denen kommt es bestenfalls hin und wieder zu Einzelaktionen. Der Status Quo ist nun mal der Lieblingszustand der Mehrheit. Eine Haltung, die nur so lange funktioniert, wie das Schiff nicht Leck schlägt, auf dem man sitzt.

Dazu passt die jüngste Übersicht aus dem Wall Street Journal mit den Gehältern der College-Footballtrainer. Die Liste wird angeführt mit Boob Stoops von Oklahoma, der 3,6 Millionen Dollar im Jahr verdient. Sie stellt übrigens einen ziemlich kruden Versuch dar, die Gehälter für die Trainer gegen ihre Erfolgsbilanz aufzurechnen (man nimmt die Zahl der Stimmen aus dem AP-Poll als Rechengrundlage). Diese vermeintlich so neutrale Betrachtungsweise stellt jedoch überhaupt nicht den Wahnsinn in Frage, der als Grundströmung heutzutage College-Football beherrscht: Nämlich: Was soll das Ganze? Und wie kann es weitergehen?

Aus der Liste lässt sich folgende Hitparade der teuersten Fachkrâfte destillieren:

1. Bob Stoops, Oklahoma, 3,6 Millionen Dollar
2. Urban Meyer, Florida, 3,25 Millionen Dollar
3. Mack Brown, Texas, 2,8 Millionen Dollar
3. Pete Carroll, USC, 2,8 Milionen Dollar
5. Tom Tuberville, Auburn, 2.6 Millionen Dollar
5. Jim Tressel, Ohio State, 2,6 Millionen Dollar
7. Phillip Fulmer, Tennessee, 2,05 Millionen Dollar
8. Frank Beamer, Virginia Tech, 2,008 Millionen Dollar
9. Mark Richt, Georgia, 2.0 Millionen Dollar
10. Mike Bellotti, Oregon, 1,9 Millionen Dollar

7. Juni 2008

Keiner will zu den Bulls

Irgendwann nach dem Abschied von Michael Jordan muss sich in der NBA das Gefühl breit gemacht haben, dass ein Wechsel zu den Chicago Bulls kein guter Karriereschritt ist. Sonst wäre nicht Mike D'Antoni neulich von einer Quasi-Zusage abgesprungen und zu den New York Knicks gegangen. Und sonst hätte Doug Collins nicht zu Club-Besitzer Jerry Reinsdorf gesagt: Lass uns Freunde bleiben und diese Freundschaft nicht unnötig durch meine Arbeit als Trainer aufs Spiel setzen. D'Antoni, der kurz zuvor bei den Phoenix Suns auf die Straße gesetzt wurde, hatte zumindest einen überzeugenden Grund: New York zahlt mehr als der als knauserig verschriene Reinsdorf. Collins, der in Chicago in den achtziger Jahren rausgworfen hätte, ehe mit Phil Jackson am Ruder die Titelflut einsetzte, hätte jedoch als Trainer weit mehr verdient als in seiner gegenwärtigen Rolle als Fernsehkommentator. So läuft dann alles auf eine Verpflichtung von Avery Johnson hinaus. Der hatte schon in Dallas bewiesen, dass seine Theorien von der Beeeinflussung eines Spielerkaders so platt sind wie der Hallenboden im American Airlines Center.

13. Mai 2008

NHL: Rauswurf für Ron Wilson in San Jose

Wenn es so etwas wie einen deutschen Club in der NHL gibt, dann sind es die San Jose Sharks. Nachdem Marco Sturm dort jahrelang als Stürmer rackerte, wurde Christian Ehrhoff als Verteidiger zum Stammspieler. Und auch wenn sich Marcel Goc wahrscheinlich in diesem Jahr aus der Mannschaft gespielt hat, sind da noch die beiden deutschen Torleute Thomas Greiss und Dimitri Pätzold im Farm-Team in Worcester an der Ostküste, die immer mal wieder in der NHL auf der Ersatzbank Platz nehmen durften. Darüberhinaus hatte man lange Zeit die Rechte am Rosenheimer Goalie Patrick Ehelechner (die wurden im Sommer 2006 allerdings an die Pittsburgh Penguins weitergereicht).

Wie sehr diese Pipeline etwas mit Ron Wilson zu tun haben könnte, lässt sich schwer beurteilen. Ein NHL-Team beschäftigt Scouts. Und die endgültigen Entscheidungen über die Verpflichtung von Spielern trifft der General Manager. Aber auf irgendeiner Meta-Kommunikations-Ebene darf man wohl vermuten, dass der Coach eine Affinität zum deutschen Nachwuchs besitzt. Und das, obwohl er durch seine Jahre als Spieler in der Schweiz eher eine Affinität für die Eisgenossenschaft haben sollte.

Gestern hat Ron Wilson seinen Posten als Cheftrainer der Sharks verloren.
Der Mann war zwar der beste Regular-Season-Coach der letzten Jahre, aber so etwas beindruckt im niemals eiskalten Kalifornien schon länger niemanden mehr. In Silicon Valley will man endlich den Pott Und weshalb auch nicht? Das Potenzial ist da. Was in den letzten Jahren fehlte, war die Durchsetzungskraft und der X-Faktor. Und am Ende muss man für solche Defizite einen Trainer in die Pflicht nehmen (Einschub: Siehe Dallas Mavericks, wo man soeben mit Rick Carlisle einen bemerkenswerten Nachfolger für Avery Johnson gefunden hat. Einen Game Coach, wie er im Buche steht. Einen Mann, der endlich eine Mannschaft rund um Dirk Nowitzki herum aufbauen und auf ihn einkalibrieren wird und der nicht versuchen wird, Nowitzki zu einem anderem Spieler zu machen, als er tatsächlich ist. Einschub Ende).

Wilson ist 52 Jahre alt und muss sich nach Trainer-Stationen in Anaheim, Washington und zuletzt San Jose keine Sorgen machen, einen neuen Job zu finden. Um dort sein altes Karriereziel weiterzuverfolgen, das er mir bei einem anregenden Interview vor ein paar Jahren so beschrieben hat: "Mein Vater und mein Onkel haben ihn gewonnen. Ihre Namen stehen auf dem Cup. Ich kann mir nichts Befriedigenderes vorstellen, als meinen Namen auch darauf wiederzufinden."

1. Mai 2008

Die cuban-ische Lösung

Mark Cuban hat uns endlich den Wunsch erfüllt, den wir schon lange gehegt haben. Er hat das eigentliche Problem der Dallas Mavericks in Angriff genommen: die Position des Cheftrainers. Der Abschied von Avery Johnson passierte sehr schnell nach der Niederlage und war natürlich Grund genug, sich um das Thema zu kümmern.

23. April 2008

Vorsicht, Reißleine

Die Leute, die die Webseite fireisiah.com betrieben haben, sind nicht wirklich fies. Sie haben nur noch einen einzigen Satz gepostet: "No need for this site anymore - he's toast". Finito la musica. Kurz und knapp. Dafür kommt man bei fireavery.com zur Zeit richtig in Schwung. Man sollte sich durchaus die Zeit nehmen und die Kommentare durchstöbern, um den geballten Volkszorn zu spüren. Denn die Berichterstattung in den deutschen Zeitungen auf der Basis von Agenturmeldungen und ein paar sehr bemühten, sich an den Spielstatistiken entlang hangelnden "Analysen", vermittelt nicht einen Hauch jener Emotionalität, die in Dallas hochkocht und die zum ersten Mal auch von Journalisten - etwa in der Dallas Morning News - die Arbeitsplatzsituation des Trainers Avery Johnson zum Gesprächsthema machen. Der Umschwung kommt ziemlich spät. Dass Johnson ein zentrales Problem der Mavericks ist, konnte man schon lange erkennen. Aber diese Schwäche wurde mit dem Gerede zugedeckt, wonach Dirk Nowitzki angeblich nicht in der Lage sei, im entscheidenden Moment den Ball in den Korb zu legen. Da Nowitzki beim besten Willen nicht für die beiden blamablen Niederlagen in New Orleans gestern und Samstag verantwortlich gemacht werden kann, rückt endlich der Zampano himself in den Vordergrund. Prognose: Cuban wird in ein paar Wochen ein paar Reißleinen ziehen. Und zwar heftig.

Eine Lösung wie für Isiah Thomas in New York wird dabei wohl nicht herauskommen. Der Ex-Chefmanager und Ex-Trainer ist noch immer Angestellter vom Madison Square Garden, und bekommt ein ordentliches Gehalt.

28. Februar 2008

Wegen Erfolg gefeuert

Wenn das der neue Maßstab für das Leistungsvermögen von Trainern werden sollte, dann sollten sich schon mal einige ganz warm anziehen, die Mütze fest an den Kopf drücken und den Fallschirm falten. Was ist passiert? Die Ottawa Senators haben ihren Trainer John Paddock aus dem Stuhl gehievt, obwohl die Mannschaft in der Eastern Conference ganz weit oben rangiert. Aber nicht weit genug, wie der letztjährige Trainer meint, der nach dem Ende der Saison zum General Manager avancierte. Also kommandierte Bryan Murray sich selbst hinter die Bande und übernahm die gesamte Verantwortung für das Team, das mit Christoph Schubert im letzten Jahr bis ins Stanley-Cup-Finale kam. Kapitän Daniel Alfredsson war erst einmal ziemlich geschockt. Kein Wunder. Normalerweise werden Coaches wegen Erfolglosigkeit gefeuert.

11. Januar 2008

Abschied von Klinsmann

Wir hatten uns sehr an Jürgen Klinsmann gewöhnt und daran, dass er hin und wieder einen kleinen Beitrag wert sein würde. Aber heute erreicht uns die traurige Nachricht, dass der Fußballlehrer aus Huntington Beach demnächst das Amt des Übungsleiters beim Bayern München übernimmt. Und so gilt es nun Abschied nehmen. Mit einer Zusammenstellung all jener Posts, in denen er eine gewisse Rolle spielte. Film ab:

Klinsmann auf der Liste der besten Fußballer aller Zeiten

Die ungelöste Frage: Wieviele Bandscheiben hat er?
Ein Gerücht in Sachen Beckham Damals war sein Akku schon wieder voll und er suchte nach neuen Aufgaben
Der Job, von dem alle glaubten, dass er ihn machen wird, war eine Seifenblase
Die ersten Anzeichen einer Entwicklung, die sich später im Sand von Huntington Beach verlief

8. Januar 2008

Gibbs gibt ab

Joe Gibbs hängt die Trainermütze endgültig an den Nagel. Wir warten noch auf die Pressekonferenz, die am Nachmittag in Washington abgehalten wird. Aber die Anzeichen sind klar. Mit 67 hat man wohl auch andere Gedanken, als einen ganzen Stall mit 20 Assistenten und 53 Spielern zu managen und einem manischen Clubeigentümer Rede und Antwort zu stehen. Für die Redskins, die zuletzt ohne Erfolg eine ganze Reihe von Figuren ausprobiert hatten, stellt sich damit erneut die gleiche Frage: Wie finden Sie einen Mann, der's kann? Der Markt an Aspiranten ist ziemlich leer. Der attraktivste Name: Bill Cowher, der vor einem Jahr bei den Steelers in Pittsburgh in den Sack gehauen hatte und zur Zeit fürs Fernsehen arbeitet.

6. Januar 2008

Hirnhauptentzündung

Schon mal überlegt, was ein Coach oder Offensive Coordinator von der Seitenauslinie oder oben unterm Dach dem Quarterback in die Kopfhörer im Helm pustet? Stark verschlüsselte Bezeichnungen für Spielzüge aller Art. Schon mal überlegt, ob weshalb das die einzige Sportart ist, die sich mit Hingabe diesem quasimiltärischen Antispionage-Wahn hingibt, anstatt einfach dem Quarterback den Ball zu geben, damit er den freien Mann bedient? Weil die Trainer die ganze Woche lang Videos analysieren, Spielzüge scripten und das Gefühl haben, codierte Informationen sind genialer als simple taktische Anweisungen. Schon mal überlegt, wieso der Zuschauer diese Genieleistung nicht nachvollziehen kann? Damit wir denken, Football sei ein hoch kompliziertes Tagewerk, in dem jeder eine vorgegebene Aufgabe hat, aber ohne die Geistesarbeiter im Hintergrund nicht zu erledigen. Schon mal überlegt, weshalb wir trotz soviel Vorbereitung und Planung statt dessen immer wieder soviele nicht gelungene Spielzüge, Fehlpässe, verschossene Field Goals, Strafen für Halten und andere Regelwidrigkeiten sehen? Weil das Spiel selbst dann nicht kaputt zu kriegen ist, wenn man es wie ein Schach-Match betreibt, bei dem Matt Hasselbeck nur ein nützlicher Idiot ist.

20. Dezember 2007

Der große Thunfisch bei den Delphinen

Es gibt wichtigere Fragen, auf die wir in diesen Tagen nach einer Antwort suchen, als diese. Aber diese steht im Raum und so wollen wir uns ihr widmen: Warum will sich Bill Parcells noch einmal um eine NFL-Mannschaft kümmern? Die Frage beschäftigt einen auch deshalb, weil wir es hier mit einem ziemlich außergewöhnlichen Mann zu tun haben. Ist vielleicht mal jemandem aufgefallen, dass der ehemalige Head Coach der New York Giants, der New England Patriots, der New York Jets und der Dallas Cowboys noch nie irgendwo rausgeworfen wurde? Oder dass er schon mehrfach erklärt hat, er habe innerlich mit der Rolle als Football-Coach abgeschlossen (und dann immer wieder einen neuen Anlauf genommen hat)?

Parcells Ruf basiert auf zwei Super-Bowl-Erfolgen (mit den Giants) und dem Nachweis, dass er Mannschaften in die Playoffs bringt, die vor seinem Auftauchen immer schon im November an die Ferienplanung gedacht haben. Man sollte ihm auch die Karriereentwicklung eines gewissen Bill Belichick zugute halten. Sowie den Modellfall des modernen Linebackers, der in seiner Ägide in der Person von Lawrence Taylor seine ganze Gefährlichkeit und Brutalität entfaltete (und dabei zum Beispiel die Laufbahn von Redskin-Quarterback Joe Theisman vorzeitig beendete). Mit anderen Worten: Parcells hat seinen Platz in der Hall of Fame in Canton verdient. Aber offensichtlich ist das immer noch nicht jedem klar.

Vielleicht hat er deshalb soeben offiziell den Posten als Verantwortlicher für den Footballbetrieb bei den Miami Dolphins angenommen, von wo aus er jeder Zeit ins Geschäft eingreifen kan . Denn was soll es sonst sein? Ein Bedürfnis, mit 66 noch einmal gegen Belichick zu coachen, der in derselben Division arbeitet, was zwei Spiele pro Saison garantiert, kann es nicht sein. Obwohl das reizvoll wirkt.

Die eigentliche Verwunderung besteht darin: Wieso hat Parcells Anfang des Jahres den Job in Dallas hingeworfen, nachdem sein Team wirklich nur durch einen extrem dummen Fehler von Tony Romo aus den Playoffs flog? Die gleiche Mannschaft, die er auf Vordermann gebracht hatte, zeigt in diesem Jahr all ihre Qualitäten und muss als ziemlich heißer Super-Bowl-Aspirant gehandelt werden. Soviel steht fest: Alles andere, als sich aktiv in den Footballbetrieb einzumischen, muss ihn langweilen. Vielleicht fällt er eines Tages tot an der Seitenlinie um.

Der Mann, den die Big Tuna nennen, ist bisweilen nur schwer zu ertragen. Besonders Journalisten leiden unter seinen - nennen wir sie vorsichtig - Stimmungen. Aber er hat eine Menge zu bieten: zum Beispiel solche Gedanken:

8. November 2007

Pannendienst aus Übersee: Gullit wird Beckhams Trainer


Offensichtlich kam der soeben in New York entlassene ehemalige Nationaltrainer Bruce Arena für eine derartig feinfühlige Position nicht in Frage. Und andere Amerikaner gab es anscheinend nicht. Also hat Alexi Lalas von den Los Angeles Galaxy mal schnell in Europa herumtelefoniert und dort den Mann gefunden, der die Beckham-Bagage im nächsten Jahr auf Vordermann bringen soll. Er heißt Ruud Gullit und wartet seit zwei Jahren auf einen Trainerposten. Zeit, die er als Fernsehkommentator zugebracht hat. Seine Vita als Übungsleiter war nach Ansicht des Daily Telegraph in London bislang "nicht besonders erfolgreich". Dann kommt die zukünftige Aufgabe ja gerade richtig. Die Erwartungen an die Resultate in der nächsten Saison sind nicht besonders hoch. Ein Platz in den Playoffs wäre schon eine Leistung. Der Vertrag soll über drei Jahre gehen und den Gegenwert von etwa 10 Millionen Dollar wert sein. Die Zahl klingt sehr hoch. Übrigens war auch Jürgen Klinsmann für den Posten im Gespräch. Dass Gullit ihm vorgezogen wurde, mag man sich nicht vorstellen. Der Holländer war sicher eher so etwas wie zweite Wahl.