Ein gewisser Jürgen Schnitgerhans hat neulich bei einem In-Italiener erst ins Glas und dann Fußballtrainer Huub Stevens tief in die Augen geschaut (oder vielleicht auch andersherum). Und dann hat er etwas gesehen: ein Schimmern - und zwar "ein wenig feucht". Oder vielleicht auch nicht. "Habe ich mich getäuscht?" fragte der Sport-Chef von BILD-Hamburg sich und seine Leser. Wie sollen die das wissen, wenn er es nicht weiß?
Und trotz allen Nichtwissens (er kannte zum Beispiel auch noch nicht den Unterschied zwischen Holländern und Niederländern): Es handelte sich um eine dieser Sternstunden des deutschen Sportjournalismus. Denn der Huub war "so ehrlich wie selten". Merke: "Aber so ist er eigentlich." Die Frage, die sich daraus ergibt, hat der Schnitgerhans den Lesern allerdings nicht mehr mit serviert? Wie ist er eigentlich? Selten ehrlich? Oder "ehrlich wie selten".
Auf jeden Fall hat er diese Frage - Hat es Sie überrascht. dass der HSV so lange einen Nachfolger suchen musste? - so richtig ehrlich beantwortet. Mit der besten allen Möglichkeiten: "Ja, vielleicht."
Man kann auch ganz anders mit Huub Stevens reden. Wie Tim Jürgens von 11 Freunde, lang und breit. Wie ehrlich Stevens dabei war, wissen wir nicht. Es war auch nicht so wichtig. Denn irgendetwas von Belang hat er nicht gesagt. Was man schon an der Überschrift ablesen kann: "Am liebsten bin ich zu Hause". Wer ist das nicht? Dem Jürgens hat der Stevens dann aber doch noch etwas anvertraut, was er dem Schnitgerhans womöglich nie gesteckt hätte: Dass er - "ich sage Ihnen ganz ehrlich" – Angst hat. Angst nämlich vor einer Zukunft, in der "Sponsoren oder Medien in die Kabine kommen, um sich dort aufzuhalten und zu berichten." Wenn der Fußball zum Big-Brother-Camp wird, ist Huub Stevens nicht mehr dabei."
Vielleicht weiß der Huub das nicht, dass so etwas in den USA der ganz normale Alltag ist. Und dass es einen simplen Grund hat, weshalb man in den Mannschaftssportarten in den Vereinigten Staaten - auch im Fußball - den akkreditierten Journalisten Zutritt zu den Umkleideräumen gestattet. Damit sie die Gelegenheit haben, mit den Spielern zu reden. Und zwar ganz nach Gusto und eigenem Gutdünken. Der Zugang zur Kabine ist ein wohlverstandener logistischer Kompromiss. Wo sonst soll ein Medienmensch einen Spieler sprechen? Es heißt nicht, dass die Spieler deshalb intelligentere Sachen sagen als in Deutschland. Aber mit Big Brother hat das Ganze nichts zu tun. Entsprang dieser TV-Quatsch nicht ebenfalls der Phantasie eines Holländers? Oder war es ein Niederländer? (Dank an Trainer Baade für den Hinweis).
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17. Mai 2008
4. November 2006
Klinsmann-Watch: Lesen im Kaffeesatz
Wir lesen bei Eurosport, dass die Bild-Zeitung meldet, dass Jürgen Klinsmann die Absicht hat, das Angebot des amerikanischen Fußballverbandes abzulehnen. Wir finden die gleiche Meldung aber nicht bei Bild online. Und in den USA gibt es es überhaupt keine Andeutung darüber, dass die Kiste binnen Kürze an die Wand gefahren wird. Hier zirkuliert die AP-Geschichte von gestern, in der sich die Kollegin Nancy Armour ausmalt, was für eine Macht die Vereinigten Staaten werden können, wenn sie Herrn K. die Zügel in die Hand geben (und als Werbeonkel zusätzlich David Beckham und Ronaldo ins Land holen). Frage: Wer liest bei wem im Kaffeesatz? Oder auch: Wer telefoniert mit wem und sendet über die Medien Signale an die andere Seite? Da Klinsmann den Springer-Leuten schon immer kühl gegenüber stand und schlau genug ist, zu wissen, dass ein über die Hamburger Bande gespielter Ball in Amerika niemanden interessiert, kommen wir zu diesem Ergebnis: Bild weiß gar nichts (siehe hier), muss aber den Irrtum mit einem nachvollziehbaren Kurswechsel gerade ziehen - auf die Gefahr hin, dass bei diesem Schlingerkurs schon wieder Unsinn herauskommt (angeblich soll das Honorar der casus knaxus sein). AP weiß nur zu gut, dass Klinsmann gerne würde (siehe hier) und fände das auch ganz toll und macht nun Verbandspräsident Sunil Gulati durch die Hintertür klar, was die Fans besonders entzücken würde: die Aussicht mit dem Schwaben zum powerhouse heranzuwachsen. Demnächst mehr.Ergänzung: Wie zuverlässig ist der Kölner Express, wenn es um Pikantes geht? Keine Ahnung. Das wurde vor ein paar Minuten bei yahoo auf die Seite gestellt (Quelle: Sportinformationsdienst): "Nach den Spekulationen über seine angeblich zu hohen Gehaltsvorstellungen an den US-amerikanischen Fußball-Verband hat sich Jürgen Klinsmann nun zur Wehr gesetzt. 'Unsinn. Die Spekulationen stimmen, wie üblich, nicht. Die Summen wurden frei erfunden', sagte der ehemalige Bundestrainer dem Kölner Express. Auch US-Verbandspräsident Sunil Gulati dementierte, dass er mit Klinsmann bereits über finanzielle Dinge gesprochen habe: 'Wir haben weder ein Angebot gemacht, noch eine Entscheidung getroffen.'"
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3. November 2006
Altbackenes über Bäcker Klinsmann
So kann man es seit dem 30. Oktober in der Arena lesen: "Jetzt wissen wir auch, warum Jürgen Klinsmann in der vergangenen Woche so freigiebig in Form von Andeutungen geplaudert hat. Das Tauziehen hat begonnen." Seit heute wissen es auch die Bild-Leser: "Die Verhandlungen drohen zu scheitern! Das berichten übereinstimmend englische Medien." Die Arbeiter an der Hamburger Schlagzeilen-Maschine konnten sich wohl nicht mehr länger auf die Zunge beißen, nachdem sie schon vor einer Woche so getan hatten, als hätte Herr K. den Posten des Nationaltrainers der Amerikaner bereits in der Tasche.
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