16. August 2010

Spekulationen über Kaymers Freundin

Das Zitat des Tages kommt aus dem Mund von Allison Micheletti: "Er ist einfach die mental stärkste Person, die ich kenne. In jedem Bereich seines Lebens. Er beklagt sich nie und macht das, was er tun muss." Micheletti ist die blonde Frau, die jetzt plötzlich auf Fotos aus Kohler/Wisconsin auftaucht, weil das Bild mit ihr in der Umarmung mit Martin Kaymer so viel mehr menschelt als seine etwas steife Pose mit der Wannamaker Trophy.

Da die BILD-Zeitung noch nicht alle Daten über die Amerikanerin korrekt zusammengegoogelt hat: Micheletti ist 22, kommt aus Missouri und war ein sportliches Multi-Talent, spielte Fußball und Basketball, ehe eine Knieoperation sie in Richtung Golf schob. Durch die Sportart landete sie an der Furman University in South Carolina. BILD hat amerikanische Quellen abgeschrieben und eine Frau zur Freundin erklärt, die in New York an einem College in New York als "Marketing-Expertin" arbeitet. Wenn man die im Telefonverzeichnis von Wagner aufgelistete Alison Micheletti (Vorname mit einem "l") anruft, bestätigt sie einem gerne, dass sie nicht die Freundin von Kaymer ist. Dass sie nicht gestern in Wisconsin war. Und dass sie nicht mal weiß, wer die PGA Championship gewonnen hat. Ich war ganz offensichtlich der erste, der sich überhaupt die Mühe gemacht hatte, sie zu fragen.

Mehr Bilder von der richtigen Micheletti finden sich auf amerikanischen Webseiten, die sich auf WAGs spezialisiert haben. Wer mag, kann ja hier vorbeischauen. Die Burschen haben die Lebensgefährtin übrigens schon zur Ehefrau hochgejazzt.

Der Algorithmen-Denker

KOHLER, WI - AUGUST 15: Martin Kaymer of Germany sits next to the Wanamaker Trophy while he is interviewed during a press conference after winning the 92nd PGA Championship on the Straits Course at Whistling Straits on August 15, 2010 in Kohler, Wisconsin. Martin Kaymer defeated Bubba Watson in a three-hole aggregate playoff. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Irgendwann kommt der Tag, an dem man still sich selber sagt: "Das habe ich kommen sehen." Natürlich wäre es schön, man hätte dann auch ein paar Zeugen *) aufzuweisen, die bestätigen können, dass man durchaus das Zeug zum Orakel besitzt. Aber tatsächlich liegt man mit seinen Prophezeihungen häufiger falsch als richtig. Sport ist unberechenbar. Unvorhersehbar. Und deshalb ist er faszinierend.

Golf ist an und für sich eher weniger faszinierend. Ein langsames, stilles Spiel. Etwas für Einzelgänger. Und etwas für Bewegungsästheten, die nachvollziehen können, was alles in einem Körper aufs Feinste koordiniert ablaufen muss, damit der Ball exakt dort landet, wo man ihn hinhebeln will.

Das kann man als Spieler auf zweierlei Weise probieren: Mit dem hero shot, bei dem man sein Können bis an die Grenze des Mutmaßlichen testet. Oder mit dem percentage play – die Nummer sicher sozusagen, bei dem man das Risiko möglichst ausschaltet und defensiv denkt.

In den meisten Augenblicken, wenn Martin Kaymer defensiv spielt, sieht man ihm das nicht an. Der Mann wirkt auf dem Platz zugeknöpft wie eine enge Hose. Aber die Algorhyithmen in seinem Gehirn arbeiten trotzdem weiter. Kaymer wäre wohl im Fußball nicht der Typ Torwart und nicht Ausputzer gewesen, sondern eher im vorderen Mittelfeld gelandet, wenn auch sorgfältig und vorsichtig auf den sicheren Pass bedacht. Aber Fußball hat er, obwohl als Jugendspieler richtig gut am Ball und auf dem Weg in den oberen Talentezirkel, dann lieber wieder aufgegeben. Zuviele Imponderabilien? Zuviele Verletzungsrisiken? Vielleicht. So richtig gründlich hat er das wohl nie überlegt. Es gab schließlich diese vielversprechende Alternative: Golf. Das Spiel für Self-Made-Men. Da bist du auf niemanden angewiesen.

Ich bin diesem Algorhyithmen-Denker vor zwei Jahren bei unserem ersten Gespräch ein wenig auf die Schliche gekommen, als ich ihn fragte, weshalb er sich in seinem ersten Jahr auf der European Tour keinen festen Caddie genommen hatte. Seine Antwort war das Gegenstück zu einem percentage play auf dem Platz: Er wollte tatsächlich lieber auf jeder Übungsrunde alleine den Wagen mit dem Bag über die Anlage ziehen und sich an jeder kritischen Stelle über die Besonderheiten von Grüns und Fairways Notizen machen, als sich darauf zu verlassen, dass sein Caddie alles aufschreibt und ihm im entscheidenden Moment als Information anbietet, damit er – Kaymer – abwägen kann, wie er den jeweiligen Schlag imaginiert und umsetzt. Er wollte nicht abhängig sein und nahm lieber den Mehraufwand in Kauf. Vergeblich würde dieser Aufwand nicht sein, dachte er. Er hatte den Plan, auch in den Jahren danach auf diesen, denselben Plätzen zu spielen. Jedes speicherbare Detail würde ihm irgendwann wieder zugute kommen. Er nahm sich für das Turnier dann immer einen lokalen Caddie. Einer, der den Platz kennt. Nicht einer, der Kaymer und seine Algorhyithmen kennt. Und einer, der nicht irgendwelche finanziellen Ansprüche stellen würde. Das war in manchen kippligen Situationen im Turnier von Nachteil. Aber Kaymer behauptete, ein ständiger Caddie hätte ihm nichts genützt. Nun gut. Inzwischen setzt er auf Craig Conolly (Kaymer: "Ein sehr sympathischer Kerl. Er ist Schotte. Es ist sehr lustig mit ihm auf dem Platz, und er hat sehr viel Erfahrung.")

Kaymer war – mit Conolly – am Sonntag schon früh sehr nahe am bislang größten Erfolg seiner Karriere, als er kurz vor Schluss der regulären vierten Runde der PGA Championship mit zwei Schlägen Vorsprung das Feld anführte. Aber er war danach auch wieder sehr weit weg. Selbst als er den schwierigen Fünf-Meter-Putt auf dem 18. Grün zum Par einlochte und damit den Gleichstand mit dem Amerikaner Bubba Watson erzielte, bedeutete das nicht mehr als eine hauchdünne Chance auf ein Stechen. Und dazu musste der zweite Amerikaner Dustin Johnson, der hinter ihm auf der 17 mit einem Birdie in Führung gegangen war, auf der 18 einen Fehler produzieren. Johnson produzierte tatsächlich sogar zwei (einer war sehr bizarr und führte zu zwei Strafschlägen und sorgte für den Absturz auf den fünften Platz).

Auch im Stechen gegen Watson schien Kaymer zunächst wieder weg vom Fenster. Denn Bubbas Birdie auf der 10, dem ersten Playoff-Loch, wirkte souverän. Sein Par im Vergleich dazu fast schon mühevoll. Man denkt dann: Der andere hat das Momentum. Der hat psychologisch die Oberhand. Der muss jetzt nur noch fehlerfrei weiterspielen und hat das Ding in der Tasche. Mal abgesehen davon, dass der junge Herr K. an der 17 mit einem kaltschnäuzigen Putt zum Birdie gleich zog: Die dritte Bahn im Stechen zeigte, wie er in richtig heiklen Augenblicken an die Aufgabe herangeht. Weil sein Gegner mit einem riskanten Annäherungsschlag den Ball im Bach vor dem Grün versenkte und sich so einen Strafschlag einfing, verzichtete der Rheinländer auf jede Showeinlage. Er spielte auf Supersondersicher und gewann – unspektakulär – mit einem Schlag Vorsprung.

Viel Euphorie konnte man ihm anschließend nicht anmerken. Was sicher an dem Prozess lag, der vorher in seinem Gehirn stattgefunden hatte. Der Mann lebt nicht von Endorphinen. Der lebt von... ja, von was eigentlich?

Er hat auf jeden Fall den richtigen Beruf gewählt (was man schon vor ein paar Jahren sicher sagen konnte, als auf der untersten Satelliten-Tour für junge Profis die Gleichaltrigen ziemlich alt aussehen ließ. Ich habe ihm damals bereits so etwas zugetraut wie diesen Erfolg von gestern. Genauso wie ich nach seinen ersten US Open in La Jolla gedacht habe, dass er auf einem langen, schweren Platz eher ein Major gewinnt als auf diesem aalglatten Putting-Parkett in Augusta.

Alles weitere wird sich zeigen: Platz 5 der Weltrangliste with a bullet. Ryder Cup im Oktober. Ich hatte bereits angenommen, dass er nach einem solchen Resultat auf die amerikanische PGA Tour wechselt. Wolfgang Scheffler in der FAZ zitiert ihn jetzt folgendermaßen: „Es war immer mein Ziel, Mitglied der PGA-Tour zu werden. Ich möchte mehr in Amerika spielen, weil ich weiß und fühle, dass mein Spiel besser wird, wenn ich in Amerika spiele. Ich will mehr in Florida spielen, weil ich mein Spiel auf Bermudagras verbessern will.“ Wir sehen uns also wieder. Spätestens im nächsten Jahr.

*) einstige Prophezeiungen zu Kaymer in American Arena:

"...der ... in zwei Jahren das Zeug haben wird, um sein erstes Major zu gewinnen..." (22. Juni 2008)

"Er gehört inzwischen zu den Topleuten der Branche. Und wenn man davon ausgeht, dass bei jemandem mit seinem Talent tatsächlich noch Luft nach oben ist, darf man gefahrlos Folgendes prophezeien: Dieser Typ wird sich demnächst in den Top Ten festsetzen und bei wichtigen Turnieren – den sogenannten Majors – mit einer Handvoll von Konkurrenten um die Pötte spielen..." (12. Juli 2009)

3. August 2010

Die Welt zu Gast in Akron

Tiger Woods ist in der Stadt. Die Stadt heißt Akron. LeBron James ist auch irgendwie in der Stadt. Oder besser in der Zeitung von der Stadt. Die Zeitung heißt Akron Beacon-Journal. Woods spielt im Firestone Country Club im Rahmen der World Golf Championship. Ein Termin, bei dem die Besten aus den USA und aus Europa in einem exklusiven Feld um sehr viel Geld spielen. Dass Woods in Akron ist, wäre nicht weiter bemerkenswert. Denn er spielt schrottig und hat das Plateau seiner Leistungsfähigkeit überschritten (was auch eine Altersfrage ist, denn jenseits der 35 wird es schon rein körperlich immer schwieriger, vier Tage lang mit dem Können der Nachwachsenden mitzuhalten). Aber Woods ist noch immer das meal ticket der Sportschreiber in Amerika. Wenn sie einen Dreh finden können, sich über ihn auszulassen, dann tun sie es. Warum? Nicht wegen der Sex-Affäre und ihren Folgen. Sondern, weil er an Platz eins der Weltrangliste steht. Weil man ihm zutraut, zum ersten Mal seit seiner Rückkehr wieder ein Turnier zu gewinnen. Und, ja, wenn ihm das gelänge, das wäre doch bemerkenswert, oder nicht? Akron wurde so zum Testfall ausgerufen. Schließlich hat er hier in der Vergangenheit immer dominiert. Wenn er diesmal nicht gewinnt, muss man ihn wohl endgültig zum Has-Been herunterstufen, oder nicht? So geht das seit Tagen in den Sportteilen, die auf diese Weise kostbaren Platz verschwenden, den sie ganz anderen Golf-Themen widmen könnten.

Da macht es LeBron schon besser. Er verzichtet darauf – ganz der Narziss, der er nun mal ist – den Sportteil zu behelligen. Er kauft gleich eine ganzseitige Anzeige in der Zeitung, um den Lesern zu versichern, dass sein Wechsel aus dem nahen Cleveland in das ferne Miami, nichts an seinen heimatlichen Gefühlen zu Akron ändern wird. Oder in den gedrechselten Worten von King James:

"An meine Familie, Freunde und Fans in Akron:
Ich habe mein gesamtes Leben in Akron verbracht und bin deshalb ein wirklich glücklicher Mensch. Hier habe ich gelernt, Basketball zu spielen und die Leute getroffen, die zu für mein ganzes Leben zu meinen Freunden und Mentoren wurden. Ihre Art, ihre Aufmunterung und ihre Unterstützung werden immer mit mir sein. Akron ist meine Heimat und der zentrale Brennpunkt [sic!] meines Lebens. Hier habe ich begonnen, und hierher werde ich immer wieder zurückkehren. Ihr könnt versichert sein, dass ich für diese Stadt auch weiterhin alles tun werde, was ich kann, was für meine Familie und mich so wichtig ist. Vielen Dank für die Liebe und die Unterstützung. Ihr bedeutet mir alles."

Vielleicht sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass Akron zwar viel Gummi, aber keine guten Wortschmiede produziert hat (der beste war wohl dieser Mann, ein reputierlicher Redakteur der New York Times). Und auch die Sache mit dem Gummi hat nachgelassen. Die – heute japanische – Firma Bridgestone wäre vor ein paar Jahren fast aufgrund der mangelhaften Qualität ihrer Reifen pleite gegangen.

Das mit den Anzeigen scheint übrigens Schule zu machen (und ist eine nette Geste in Richtung eines darbenden Zweigs der Medienindustrie). Der Litauer Zydrunas Ilgauskas spendierte gestern dem Cleveland Plain-Dealer eine Seite ("Dear Cleveland...."). Darin bitter er die Fans der Cavaliers um Verständnis für seine Entscheidung, in Miami neben James um den Meisterschaftserfolg zu spielen, der ihm in Ohio nicht vergönnt war. Ilgauskas war im März von den Cavaliers an die Wizards abgegeben worden, und dann als Free Agent für ein paar Groschen wieder eingekauft worden. Er hat im Laufe seiner langen Karriere in Cleveland mehr als 100 Millionen Dollar brutto abgesahnt. In Miami spielt er für 2,8 Millionen.

2. August 2010

Männer von der schnellen Truppe brauchen nur 15 Sekunden

An einem Tag wie heute, an dem mal wieder die Aktienkurse an Wall Street deutlich nach oben gezuckt sind, herrscht unter den Leuten, die durch solche Bewegungen ihren Kontostand aufbessern, gewöhnlich ziemlich gute Laune. Die Wirtschaft in unseren New Yorker Breiten hängt nämlich noch immer leicht beduselt in den Seilen. Aber es gibt Zeichen, dass zumindest in der Medienindustrie mit ihren gebeutelten Tagszeitungsverlagen wieder Schwung in die Geschäftemacherei kommt. Der unwiderstehliche Rupert Murdoch (über dessen Ambitionen mit dem Wall Street Journal ich vor ein paar Tagen im Deutschlandfunk berichtet habe) interessiert sich für die Sickergrube namens Texas Rangers, wo der FC-Liverpool-Co-Eigentümer Tom Hicks, der auch in England nichts als Schulden produziert hat, das Geld anderer Leute verbrannt hat. Übrigens: Die Tage von Hicks am Mersey River scheinen gezählt. Nicht alle Schwätzer und Marodeure haben das Zeug, auf den Wellen des Kapitalismus zu reiten. Hicks wirkte schon länger wie ein Absturzkandidat.

Sagten wir reiten? Der New Yorker Sport-Blog Deadspin nimmt auf dem Parcours der sogenannten neuen Medien schon länger weder die Wörter "Sport" noch "Blog" wahnsinnig wichtig. Das hat unter anderem mit den Hauptpersonen zu tun. A. J. Daulerio, der Nachfolger von Will Leitch im Amt des Redaktionsleiters, ist ein lupenreiner Gossip-Voyeur – je schmuddeliger, desto lieber. Unter ihm wurden Interna aus dem Leben der Mitarbeiter der Mediengroßmacht ESPN zum ständigen Thema. Und so darf man sich nicht wundern, dass er heute 2000 Dollar für die Zusendung eines ganz bestimmten Fotos auslobte, das er gerne publizieren würde. Wohl wissend, dass die Veröffentlichung dieses Fotos den Traffic nach oben peitscht.

2000 Dollar Honorar sind in der Niedriglohn- und Selbstausbeutungswelt der Blogger eine stattliche Summe. Sie sind aber auch so etwas wie ein neue Marke. Der Preis für das nächste Foto von Belang wird vermutlich mehr kosten. Vielleicht sollte man kurz den Hintergrund zu diesem Vorgang ausleuchten, damit Menschen, die weder Deadspin verfolgen noch das außereheliche Sexualleben von berühmten katholischen College-Basketballtrainern, sich ein Bild machen können.

Hier also im Schweinsgalopp: Zur Zeit findet in Louisville/Kentucky ein Prozess statt, in dem eine 50-jährige Frau namens Karen Sypher auf der Anklagebank sitzt, weil die Staatsanwaltschaft den Eindruck gewonnen hat, sie habe versucht, den besagten Trainer Rick Pitino zu erpressen. Die Sache begann mit einem Quickie in einem Restaurant in Louisville im Jahr 2003, führte zu einer Abtreibung (keiner vermag zu sagen, wer tatsächlich der Vater war, Pitino erklärte im Zeugenstand en detail, dass er nach ganzen 15 Sekunden den Coitus abruptus praktiziert habe). Dann ging es weiter mit Syphers Hochzeit mit einem Assistenztrainer von Pitino, mit einer Scheidung, mit weiteren Affären, dem besagten Prozess gegen die gesichts- und wohl auch brustkosmetisch stark behandelte Frau, und in diesem Prozess kam es Beschreibung weiterer sexueller Handlungen. Das von Deadspin gesuchte Foto zeigt angeblich Sypher beim Fellatieren ihres Scheidungsanwalts, dem sie anschließend die Rechnung schuldig blieb. Auch der Anwalt hat inzwischen ausgesagt und die Fotos penibel beschrieben. Ach, ja, und nicht zu vergessen: Sypher hat sechs Jahre nach dem Quickie den Vorgang als Vergewaltigung bezeichnet. Ein massiver Vorwurf. Bei den Berichten über das Geschehen im Gerichtssaal ist übrigens der Blog kentuckysportsradio.com nicht zu schlagen. Dessen Berichterstattung stellt den Versuch, klassischer Medien in den Schatten, ihren Lesern die bizarren Abläufe zu erklären. Und sie ist allemal besser als die aufwiegelenden Juxereien von Deadspin, die nicht eine Spur leisten, um aufzuhellen, was die bürgerlichen Schichten von Louisville miteinander und gegeneinander treiben, wenn ihnen das Leben zu langweilig wird, sie Geld brauchen und wenn sie so tun, als sei Collegesport eine der unschuldigsten Abteilungen des Sportkommerzes.

Klingt alles ein bisschen klebrig und unübersichtlich. Zumal die Frage im Raum steht: Wieso ist Rick Pitino eigentlich immer noch der Trainer der Universität Louisville und damit in einer Position, in der er ständig mit einiger Autorität jungen Spielern den Hang riskanten Leben und zu Verstößen gegen gesellschaftliche Normen ausreden muss? Aber die Normen verschieben sich ganz langsam. Hochbezahlte Heuchler müssen nicht länger um ihre Jobs fürchten, wenn sie nur die richtige Miene zum schlechten Spiel machen.

Weshalb auch junge Basketballprofis, die allzu früh das College verlassen und sich vom ersten Geld einen schnellen Schlitten aus Untertürkheim kaufen, mit Bewährung davon kommen, wenn sie die Autobahn unsicher machen und dabei die doppelte der erlaubten Geschwindigkeit fahren. Immerhin kam für die Gosspip-Voyeure ein hübsches Video dabei heraus. Geschossen wurde es vor ein paar Wochen aus der Kanzel des Polizei-Hubschraubers, der Tyreke Evans von den Sacramento Kings verfolgt und auch noch die Festnahme aufnimmt (ein Motorrad-Polizist mit gezogener Waffe). Wer ist Tyreke Evans? Der Rookie des Jahres in der NBA und theoretisch ein guter Kandidat für das Team der Amerikaner bei der WM in der Türkei, die ohne einen einzigen Olympia-Teilnehmer antreten. Evans darf zu Hause bleiben.


Blick zurück: Hicks und das Ausmaß der Probleme in Texas und Liverpool
Blick zurück: Pitino im Zwielicht

25. Juli 2010

Bitte ein Bier


Ich wusste, dass ich mir ein komisches Gesicht von der Barfrau am Flughafen in Fairbanks einfange, wenn ich sie frage: "Who would be a legal guardian of a 20-year-old?" Die Frage drängte sich zwar auf. Aber das heißt nicht, dass irgendjemandsonst in Alaska noch über den Quatsch nachdenkt, der aus einem weiträumig rund um die Theke in der Abflughalle gezogenen Kordon mit zahllosen kleinen Schildern besteht, auf denen man lesen kann: "No one under 21 allowed beyond this point without a legal guardian." Die Absperrung befindet sich knapp zehn Meter vom Ausschank entfernt, wo man eine ganze Reihe von guten in Alaska gebrauten Bieren frisch vom Fass haben kann. Zum Abschied bestellte ich ein mitteldunkles Silver Gulch aus Fairbanks, das ein Lager-Bier sein soll, aber leicht malzig und wie ein Alt-Bier schmeckt.

Jeder in den USA wird mit seinem 18. Geburtstag volljährig. Was den Konsum von alkoholischen Getränken angeht, bleibt er in den meisten Bundesstaaten ein rechtloses Wesen. Die Idiotie ist gar nicht lustig. Natürlich trinken volljährige Amerikaner Alkohol und organisieren spätestens an den Universitäten verbotene Partys, bei denen man sich solange den Kopf vollkippt, bis die Leber abwinkt und das Hirn zumacht. Binge-Drinking nennt sich das. Und ist zu einem üblen Sport geworden. Zu einem Status-Wettkampf wie die Sauferei in schlagenden studentischen Verbindungen.

Die Formulierung auf dem Schild war die Idee ihres Chefs, sagte die Bedienung, nachdem sie über die erste Verunsicherung hinweg war. Sie fragte, ob ich einen Vorschlag hätte, wie man das besser formulieren könnte. So weit geht die Liebe zu Alaska nicht, dass ich deren gesellschaftliche Hirnrisse mit mundfertigen Sätzen zukleistern könnte. Ich sagte ihr, ich sei kein Anwalt. Das einzige, was ich wisse sei: Ein Mensch ab 18 habe keinen legal guardian – also keinen Vormund. Den haben nur Kinder und entmündigte Erwachsene.

Ein paar Stunden zuvor hatte ich zum ersten Mal seit langem erlebt, wie bescheuert Gesetze sein können. Da saß ich in einem Hotelrestaurant und bestellte bei einer zierlichen Blondine ein Bier. Wenig später kam sie und ein fremder Mann zurück. Der Fremde trug das Tablett mit der Molson-Flasche und einem Glas. Die Blondine klärte mich auf. Sie sei erst 19. Sie dürfe mir keine alkoholischen Getränke servieren. Als sie das Essen brachte – eine Portion Fish and Chips, deren Kabeljau laut Speisekarte in einer Bier-Panade mit dem süffigen Alaskan Amber fritiert wird – trug sie den Teller wie selbstverständlich vor sich her. Das Bier am Fisch fand niemand bedenklich. Es war grotesk.

So grotesk wie die Frage, die zwei Abende zuvor bei den Eskimo-Indian Olympics den Kandidatinnen im Schönheitsköniginnen-Wettbewerb gestellt wurde: Ob sie, wenn sie die entscheidende Stimme hätten, dafür stimmen würden, dass in ihrem Dorf der Verkauf und Besitz von Alkohol verboten wird. Die Eskimos und Alkohol – das ist eine unendliche Geschichte. Nicht nur vertragen sie den Stoff nicht. Sie werden leichter davon abhängig. Die sozialen Folgen sind unübersehbar. Vor allem die Frauen bekommen sie ab. Da liegt schon mal die simple Forderung nah, wie sie vor hundert Jahren in den USA aufkam: Alkohol komplett verbieten. Fertig ist die schöne, klare Welt.

Die jungen Frauen auf der Bühne mühten sich redlich, dem politisch heiklen Problem auszuweichen und damit einer Haltung gegenüber dem eigentlichen Thema: Mit welchem Recht bevormundet ein Staat oder eine dörfliche Gemeinschaft ihre erwachsenen Mitbewohner? Die Eskimos haben ein Klan-Verständnis und sind keine lupenreine Demokraten. Sie werden sich mithin sehr schwer tun, die Lektion nachzubereiten, die sich mit der Prohibition verbindet, die in den zwanziger Jahren über dieses Land verhängt wurde – radikal und schön demokratisch zugleich mit einer Verfassungsänderung. Wie lautete die Lektion? Solche Verbote fördern die Kriminalität (und die Mafia) und werden von den meisten Leuten nicht eingehalten. Die Prohibition wurde 1933 nach nur dreizehn Jahren wieder abgeschafft. Die seltsame Koalition aus puritanischen Moral-Schlaumeiern, der damaligen Frauenbewegung und Freunden der Einführung einer Einkommenssteuer (bis dahin sorgte in den USA die Steuer auf Alkohol für eine enormen Anteil an den staatlichen Einnahmen), konnte ihre absurde Bevormundungspolitik zumindest im großen Stil nicht länger durchdrücken. Bis dahin war die Bierindustrie fast komplett und der Weinanbau völlig ausgemerzt worden.

Wie löste sich das Ganze wieder auf? Man überließ es den Bundesstaaten, sich ihre eigenen Gesetze auszudenken, wozu die Altersregelung gehörte, die bis in die frühen siebziger Jahre mit dem Mindestalter von 21 zumindest eine gewisse Logik besaß. Denn erst damals wurde die Volljährigkeit ähnlich wie in Deutschland zum gleichen Zeitpunkt auf 18 heruntergesetzt.

Der 19-jährigen Bedienung in der Bear Lodge, eine kluge Studentin, die sich für Politikwissenschaften interessiert, habe ich empfohlen, sich eine Strategie zu überlegen, wie sie die Einschränkung ihrer verfassungsmäßig garantierten Rechte ("right to privacy") einklagen kann. Es braucht nur jemanden, der die Energie besitzt und das Thema bis vor den Supreme Court in Washington bringt. Der dürfte analog zu einer Entscheidung über gesetzlich verbotene sexuellen Praktiken in den eigenen vier Wänden auch diesen Irrsinn beenden. Aber wo kein Kläger ist kein Richter.

19. Juli 2010

Der neue Coach von LeBron

Als der langjährige Assistent Erik Spoelstra von Pat Riley zu seinem Nachfolger als Trainer der Miami Heat ernannt wurde, kam die Beförderung aus deutscher Sicht mit einer kleinen, interessanten Marginalie daher. Spoelstra hatte nach seiner Zeit am College in Portland vergeblich versucht, einen NBA-Club von seinen Talenten als Aufbauspieler zu überzeugen und war durch ein paar Kontakte beim TuS Herten gelandet. Ich habe nach seiner Ernennung ein bisschen im Ruhrgebiet herumgefragt, ob sich überhaupt noch jemand an diese Zeit – die neunziger Jahre – und an diesen Spieler erinnern kann. Tatsächlich. Spoelstra hatte einen guten Eindruck hinterlassen, als er nach zwei Jahren wieder in sein Heimatland zurückkehrte und einen Job in Miami annahm, um dort als Videokoordinator der Heat ganz unten in der Hierarchie anzufangen. Nach der zweiten Liga in Deutschland – der Club konnte ihm inmmerhin eine mietfreie Wohnung stellen und ein kleines gebrauchtes Auto – und erstem Geld, war er dort angekommen, wo bereits sein Vater (in der Funktion eines Marketingspezialisten gearbeitet hatte): in der NBA.

Mich hat seitdem der Typ Spoelstra stark interessiert. Vor ein paar Monaten haben wir uns im Rahmen eines ausführlichen Telefon-Interviews miteinander unterhalten. Auffällig: Er sagt nicht gerne irgendetwas, was auch nur entfernt als eitel, selbstbewusst, entschieden, parteilich etc. ausgelegt werden könnte. Es war unmöglich aus diesem Mann das Bekenntnis herauszuholen, dass er auch einen Anteil daran hatte, dass Miami 2006 gegen Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks nach zwei Niederlagen und einem Rückstand von 13 Punkten im vierten Viertel des dritten Spiels die fast schon komplett versemmelte Finalserie drehte und gewann. Seiner Meinung nach handelte es sich hauptsächlich um eine Willensleitung von Dwayne Wade und das Know-how von Pat Riley. Schwer zu glauben, wenn man weiß, dass Spoelstra damals fürs Scouting und für die Taktik verantwortlich war. Aber, nun gut...

Eigentlich wollte ich über den Ex-Hertener etwas schreiben, als die Playoffs begannen, aber der wenige Platz in der FAZ ließ das nicht zu, zumal die Mannschaft früh ausschied. Der Wechsel von LeBron James und Chris Bosh nach Miami rückte Spoelstra allerdings erneut in den Vordergrund. Und so entstand dieser Text, der am Samstag in der Printausgabe erschien und heute online publiziert wurde. Jetzt macht es nichts mehr, ob Riley ihn angesichts der enormen Erwartungen früh feuert oder nicht. Der kleine Gedenkstein, den ich ihm setzen wollte, ist gepflanzt.

Ein Abstecher nach Alaska

Morgen steht mal wieder eine längere Recherchenreise an. Diesmal geht es nach Alaska. Das klingt vermutlich einen Hauch aufregender als es ist. Man sieht als Journalist unterwegs meistens sehr viel weniger von Land und Leuten als ein aufmerksamer Urlauber, der mit offenen Augen unterwegs ist. Ganz abgesehen von den vielen Stunden auf irgendwelchen Flugplätzen und in gut gefüllten Fliegern, die einem die Lust verleiden, das Unterwegssein zu genießen.

Dennoch freue ich mich ein bisschen darauf, mal wieder in einen Teil der Vereinigten Staaten zu fliegen, der zum Besten gehört, was dieses Land zu bieten hat. Die Wucht, mit der diese leere Weite auf einen wirkt – mitten im Sommer, wenn die Natur im Eilverfahren mit aller Energie aufplatzt und sich von der besten Seite zeigt – ist schwer zu beschreiben. Es dringen nicht nur die vielen intensiven Farben auf einen ein – das dunkle Blau des Ozeans, das angegraute Weiß des Gletscher-Eises, das Grün der Pflanzen und die dünnen schwarzen Asphaltstreifen Richtung Horizont. Man fühlt sich plötzlich irgendwie allein in der Welt. Selbst wenn man in einer kleineren Gruppe im Sea Kayak hinaus in die Glacier Bay paddelt und hofft, einen Orca aus dem Wasser auftauchen zu sehen. Oder wenn man mit zwei Buschpiloten und ihren Flugzeugen aufbricht und mit ein paar Freunden tief in einen Nationalpark hineinfliegt. Unter einem liegt kilometerweit wildes Land, das noch nie ein Mensch betreten hat. Und vielleicht nie betreten wird. Wenn man nur ein paar Schritte in die Wildnis macht, entdeckt man die riesigen Spuren von Grizzly-Tatzen. Man hofft unweigerlich, dass dieser Bär irgendwoanders unterwegs ist. Denn eine Konfrontation mit ihm würde man wohl kaum überleben.

Alaska ist nicht die einzige Region auf der Welt, in der man mit dem unzivilisierten Teil der Erdgeschichte konfrontiert wird. Ich habe ähnliche Verhältnisse weit im Norden der kanadischen Provinz British Columbia angetroffen und ein schwaches Echo darauf auf der Südinsel von Neuseeland. Ich kenne Leute, die von Patagonien schwärmen. Nicht zu reden vom Himalaya. Aber Alaska scheint die beste Schnittmenge aus Zugänglichkeit und Vielfalt, Staunen und Verblüffung plus dem Bekenntnis zu einer eigenen, ziemlich holperigen Geschichte. Dazu gehört auch so ein Ort wie die Hauptstadt Juneau, vernebelt, depressiv, ein Ort, den man nicht auf dem Landweg erreichen kann, sondern nur per Flugzeug oder mit dem Schiff. Oder das Hafenstädtchen Skagway, einst Ausgangspunkt für die Verrückten, die vom Goldrausch nach Norden gelockt wurden, hinauf zu den Quellgebieten des Yukon, auf dem man per Boot zum Klondike gelangen konnte.

Ich werde diesmal nur Fairbanks und Anchorage ansteuern – das urbane Alaska. Nicht Lachse angeln. Nicht auf Sandbänken landen. Ich werde mich unterwegs sicher mit ein wenig Nostalgie daran zurückerinnern, dass es da oben auch noch andere Möglichkeiten gäbe, seine Zeit zu verbringen. Aber ich werde auf dieser Weise zumindest nicht das Gefühl von einer versäumten Gelegenheit haben. Nicht nur habe ich in Alaska vieles erlebt, was einen unauslöschlichen Eindruck in mir hinterlassen hat. Ich kann ja jeder Zeit wieder hin. Ich muss es nur wollen.

Das letzte Mal hatte ich im November 2008 den Impuls, die Wahlnacht in Anchorage zu erleben. In Sichtweite des Palin-Lagers. Der Trip allerdings war nur schwer zu finanzieren. Abgesehen davon, dass man Alaskas Winter mit seinen langen Nächten nicht halb so attraktiv ist wie der Sommer. Wir sind an dem Abend in Harlem gewesen und haben erlebt, mit welcher Euphorie der Obama-Sieg in diesem Teil der Welt gefeiert wurde. Das war sicher besser, als in Alaska nur lange Gesichter zu sehen und darüber zu berichten.

Blick zurück: Vor zwei Jahren kam eine Frau aus Alaska auf die Bühne der amerikanischen Politik

18. Juli 2010

British Open: Kaymer schleicht sich an

ST ANDREWS, SCOTLAND - JULY 17: Martin Kaymer of Germany putts onto 18th hole during the third round of the 139th Open Championship on the Old Course, St Andrews on July 17, 2010 in St Andrews, Scotland. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Am 18. Grün legte Martin Kaymer am Samstag den Putt zur Annäherung an die Fahne ganz nah am Loch ab. Das Resultat: Birdie. Der Score für die Runde: eine 68. Der entscheidende Aspekt: Der Weltranglistendreizehnte arbeitete sich auf den dritten Platz der Zwischenwertung der British Open vor und geht am Sonntag mit seinem Freund Henrik Stenson und dessen Caddie Fanny Sunesson (seiner langjährigen Beraterin in Fragen der Spieltaktik) auf die entscheidende Runde. Sein Rückstand zum führenden Südafrikaner Louis Oosthuizen beträgt sieben Schläge.

Das ist durchaus eine Menge Holz. Aber auch nur dann, wenn Oosthuizen keine Fehler macht und die Nerven behält. Das gibt es im Golf jedoch so gut wie nie, dass einer vier Tage lang durch die Bank besser spielt als die Konkurrenz. Meistens kommt irgendwann der Einbruch – entweder früher oder später. Entweder weil man patzt. Oder weil man sich innerlich verspannt. Der letzte klassische Aussetzer: neulich bei den US Open, als der Amerikaner Dustin Johnson nach drei Tagen das Ding schon im Sack zu haben schien. Kollege Ron Sirak, mit dem ich einst eine Runde auf dem schweren US Open-Platz von Shinnecock gespielt habe, dem besten Links-Platz in den USA, erinnert an folgende Episoden neben Johnson:

"And how about Aaron Baddeley, who looked unbeatable in the third round of the U.S. Open at Oakmont in 2007 when he opened a two-stroke lead, and then unraveled to an 80 on Sunday that commenced with a triple bogey on the first hole? And don't forget the immortal Jean Van de Velde, who took a five-stroke lead into the final round of the 1999 British Open at Carnoustie and closed with a 77 -- including that memorable 7 on the final hole and lost the title to Paul Lawrie in a playoff."

Moral: Bei vielen Spielern, die sich zum ersten Mal in einer solchen Situation erleben, stottert irgendwann die Maschine, die drei Tage gut geölt gelaufen war.

16. Juli 2010

Irokesen: Fehl-Pass

29th November 1938:  Champion snow-shoe hurdler and racer, Prince Poking Fire, jumping over his suitcase in London, where he will be taking part in the Winter Sports to be held at Earls Court. He is the son of a native American Iroquois Chief and is seen wearing his traditional clothing.  (Photo by William Vanderson/Fox Photos/Getty Images)
Es gibt im internationalen Fußball "National"-Mannschaften aus England, Schottland, Nordirland und Wales. Man hat sich daran gewöhnt – auch daran, dass sie aus Lokalpatriotismus darauf verzichten, sich zusammen zu tun und eine stärkere gesamtbritische Nationalmannschaft auf die Beine zu stellen. Aber das ist nichts im Vergleich zu Lacrosse, wo mehrere Indianerstämme diesseits und jenseits der US-kanadischen Grenze die Nationalmannschaft der Iroquois Confederacy stellen.

Indianerstämme sind – zumindest wenn man die über Jahrhunderte entwickelte amerikanische Rechtsprechung zurate zieht – tatsächlich Nationen. Aber gleichzeitig sind sie es auch wieder nicht. Die Auswirkungen eines solchen Umgangs mit Ungereimtheiten der amerikanischen Kolonialgeschichte und der Entmündigung und Entrechtung der Ureinwohner wirken nicht immer konsequent. So haben die Indianer heute auf ihrem Reservatsgelände eine Unabhängigkeit, die der eines Staates, sagen wir mal, ähnelt. Mit eigener Polizei und eigenen Gerichten, aber auch einer zentralen Aufsicht über alle Stämme, dem Bureau of Indian Affairs, das in Washington sitzt.

Die Rechtslage bildet die Basis für die im ganzen Land entstandenen Casinos, die in vielen Fällen die Nachfahren der von den Einwanderern dezimierten Stämmen zum ersten Mal einen ansehnlichen Wohlstand verschafft hat. Steuern abführen müssen diese Wirtschaftsbetriebe nicht. Jedenfalls nicht an Washington und nicht an die Regierung des Bundesstaates, in dem sie sich befinden. Ihr wirtschaftlicher Erfolg beruht darauf, dass der weiße Mann (und die weiße Frau) – besonders im Rentenalter – eben gerne den ganzen Tag lang an den Spielautomaten in heruntergekühlten, neonbestrahlten Sälen herumdaddelt, in denen eine klimpernde Plastikmusik als Hintergrundgeräusch fungiert.

Die Iroquous Confederacy stellt übrigens ihren Bürgern Reisepässe aus. Und mit diesen Dokumenten können sie ganz offensichtlich zwischen den USA und Kanada ungestört hin und herpendeln. Aber wenn es um den Besuch anderer Länder geht, sieht die Sache etwas anders aus. Das konnte man in dieser Woche sehen, als die Nationalmannschaft in New York strandete und nicht zur Weltmeisterschaft nach England fliegen durfte. Die Briten akzeptieren die Indianer-Pässe nicht. Und vermutlich würden sich die Amerikaner bei der Rückkehr ebenfalls ziemlich anstellen. In den letzten Jahren wurden angesichts von befürchteten Terroranschlägen sehr viele Bestimmungen verschärft. So können ganz normale US-Bürger nicht länger ohne Reisepass die Grenze zwischen Kanada und den USA überqueren. Vor gar nicht so langer Zeit reichte noch ein Führerschein.

Die betroffenen Indianer, die in der Geschichte des Lacrosse einen ähnlichen Stellenwert haben wie die Schotten im Golf, betrachten die Affäre als Politikum erster Ordnung. Eines, das den Rest der Welt daran erinnert, dass die USA (und auch Kanada) voller unauflöslicher Widersprüche sind. Dass die Stämme in Nordamerika irgendwann den Rang von komplett selbständigen Staaten erwerben, scheint unwahrscheinlich. Es sei denn, sie haben mehr Erfolg vor Gericht beim Einklagen von Land, das ihnen widerrechtlich weggenommen wurde. Weiße Gerichte. Keine Tribal Courts.

Handball in den USA: Ein Tor an der Wand

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Am morgigen Samstag findet in ein als Battle of Chicago bezeichnetes Freundschaftsländerspiel zwischen Deutschland und Polen im Handball statt. Die Veranstaltung gehört zur Strategie des US-Handballverbandes, die Sportart auf den Radarschirm zu schieben. Dahinter steckt vor allem ein Mann: ein rühriger deutscher Emigrant, der sich seit einer Weile darum bemüht, Amerikaner für ein Spiel zu interessieren, das sie überhaupt nicht kennen. Chicago wurde als Austragungsort auch deshalb gewählt, weil es neben einer ganz beachtlichen Gemeinde an polnisch-stämmigen Einwohnern (manche spotten, sie sei die zweitgrößte polnische Stadt nach Warschau), auch viele Menschen mit deutschen Wurzeln hat. Ich habe im letzten Herbst kurz vor der Entscheidung über die Vergabe der Olympischen Spiele 2016 – als unter anderem auch Chicago im Rennen war und von vielen als sicherer Sieger prognostiziert wurde – mit dem Präsidenten gesprochen und über ihn und seine Bemühungen in der FAZ geschrieben. Weil der Text hinter der Bezahlschranke des Archivs verschwunden ist, mache ich ihn mal hier zugänglich.

Am vergangenen Freitag ließ der Präsident des amerikanischen Handballverbandes durchblicken, dass er ziemlich gut vernetzt ist. “Barack Obama wird selbst da sein”, sagte er und nahm damit jene hochpolitische Nachricht um ein paar Tage vorweg, die erst am Anfang der Woche offiziell bekannt gegeben wurde: Der Mann aus dem Weißen Haus will seine ganze Autorität in die Waagschale werfen, damit der IOC-Kongress am 2. Oktober in Kopenhagen Sommerspiele 2016 an Chicago vergibt.

Den einen Präsident kennt die Welt und traut ihm zu, dass er in Dänemark mit seinem Charisma dafür sorgt, dass seine Heimatstadt den erhofften Zuschlag bekommt. An den Namen des anderen Präsidenten muss man sich erst noch gewöhnen. Er heißt Horst-Dieter Esch und hat eine vergleichsweise sehr viel schwierige Aufgabe übernommen: Er will eine Mannschaftssportart, die in den USA ein stiefmütterliches Dasein wie der Moderne Fünfkampf führt, mit aller Kraft ins Scheinwerferlicht schieben.

Esch ist 66 Jahre alt und ein Unternehmer, von dem man in den Vereinigten Staaten nur soviel weiß: dass er vor zwanzig Jahren ins Land kam und die New Yorker Model-Agentur Wilhelmina kaufte, die mittlerweile auch im Bereich Sport-Management aktiv ist und aufstrebende Golfer wie Sandra Gal aus Leichlingen und den berühmten Schwungdoktor David Leadbetter unter Vertrag hat.

Eine Vergabe der Spiele an Chicago würde dieses selbst gesteckte Ziel enorm erleichtern. Denn jedes Ausrichterland darf bei den Olympischen Spielen alle Mannschaftswettbewerbe mit einem Team besetzen und ist damit automatisch qualifiziert. “Für Handball wäre es schön”, sagt Esch, ehe er Obama folgte, um in Dänemark noch ein letztes bisschen Lobby-Arbeit zu betreiben. In jenem Land, in dem vor mehr als hundert Jahren ein Lehrer und Offizier die ersten Regeln für das Spiel aufgestellt hatte.

Networking auf allen Ebenen ist für den ehemaligen Torwart der Feldhandballmannschaft des TV Weingarten unweit des Bodensee das A und O. Denn obwohl das Spiel rein vordergründig dem Interesse der meisten Amerikanern am Sport entgegenkommt – es fallen viele Tore, die Sportler sind kräftig und gehen hart zur Sache – gibt es für die Sportart auf dem Weg zu mehr Publikum überall viele Hürden zu überwinden. Das geht schon mit der Nomenklatur los. In einem Land, in dem man eine Sportart Football nennt, obwohl sie hauptsächlich mit der Hand betrieben wird, sorgt der Begriff für Verwirrung. Denn so heißt offiziell ein einst sehr beliebtes Freizeitspiel mit einer Gummikugel in der Größe eines Tennisballs, das auf Asphaltflächen an den Hauswänden in den Großstädten zuhause ist und so ähnlich funktioniert wie Squash ohne Schläger. Das hatten einst irische Einwanderer mitgebracht.

Eschs Spiel, das in seinen letzten Feinheiten Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland entwickelt wurde und in Europa seit dem Wechsel in die Halle Millionen begeistert, nennen die Amerikaner deshalb auch eher hilflos “Team Handball”. Der Begriffsunterschied ist markenmäßig nur schlecht vermittelbar. Doch das ist nur ein Teil der Crux. Probleme wie diese könnten vermutlich leicht überwunden werden, würde die Disziplin zunächst einmal überhaupt an Schulen und Colleges etabliert. Die Bildungseinrichtungen stellen nämlich das Rückgrat des organisierten Sportbetriebs in den USA: Sie haben die Spielstätten und Trainingsanlagen, die Trainer und das Geld, um Wettkämpfe auszutragen. Esch öffnete denn auch in den ersten Monaten seiner Amtszeit viele Türen an den Universitäten, um seinem Ziel näher zu kommen, 100.000 Nachwuchsspieler zu rekrutieren, die in den popularen Sportarten wie Football oder Basketball nicht zum Zuge kommen. “Das ist in krassem Gegensatz zu dem, was vorher da war. Vorher hatten wir nur die Miltärakademien in West Point und Colorado Springs.” Auch außerhalb der Collegewelt kam Bewegung ins Programm. “Als wir vor einem Jahr anfingen, hatten wir 23 Spielvereinigungen”, sagt Esch. “Heute haben wir 106.”

Verbandsintern musste der neue Mann allerdings als Außenseiter ohne entsprechende sportlichen Referenzen von Anfang an manches Sperrfeuer überwinden. Der Grund dafür waren nicht nur die Geschichte aus den achtziger Jahren von der sechseinhalbjährigen Gefängnisstrafe wegen Betrugs und Konkursverschleppung, sondern auch Ungereimtheiten im Zusammenhang mit einer Firma namens Wilhelmina Scouting Network, die ebenfalls vor Gericht ausgetragen wurden. Solche Druckstellen im biographischen Gewebe produzierten insbesondere im Internet-Forum “Team Handball News“ Verstörungen. Denn der US-Handballverband hat schlechte Erfahrungen mit seinen Managern gesammelt. Die Organisation ging vor Jahren bankrott und wurde vom amerikanischen NOK in Colorado Springs pro forma, aber ohne jeglichen Initiativgeist weitergeführt.

Mit der Ankunft von Esch, der das Büro des Verbandes an seinen Privatwohnsitz in Park City im Bundestaat Utah verlegte, wurde die Förderation wieder auf eigene Beine gestellt und hat ein Budget von rund einer Million Dollar pro Jahr. Um den Betrieb anzukurbeln, entstanden viele neue Initiativen. Dazu gehört die Partnerschaft mit den Clubs der Handball-Bundesliga, aber auch solche Werbe-Gimmicks wie eine Verlosung für neue Verbandsmitglieder, die kostenlose Flugtickets gewinnen können.

Die Basisarbeit geht weiter. Wozu unter anderem die Rekrutierung von willigen Werbepartnern und Spendern gehört. Das Fernziel ist eine Profiliga, um auf diese Weise auf den Radarschirm der sportinteressierten Öffentlichkeit zu gelangen. Junge Talente sammelt der Verband bei sogenannten Try-Outs in den Zentren der großen Städte ein, also dort, wo die amerikanische Basketballbegeisterung verankert ist. “Wir brauchen keine sensationellen Handballplätze”, sagt Esch, “wir brauchen nur ein gemaltes Tor an der Wand. Und damit kann man anfangen.”

15. Juli 2010

Armstrongs Geschichten haben kurze Beine

AVORIAZ, FRANCE - JULY 11: American Lance Armstrong with team RadioShack speaks to the media following the end of stage eight of the Tour de France July 11, 2010 in Avoriaz , France. Armstrong crashed twice and lost 11 minutes to the leading group. The 189 km route through the Alps features two first category climbs from Station Des Rousses to the small alpine town of Morzine Avoriaz. Andy Schleck of Luxembourg from team Saxo Bank won the stage while Australia's Cadel Evans took over the race leader's yellow jersey. The iconic bicycle race will include a total of 20 stages and will cover 3,642km before concluding in Paris on July 25. (Photo by Spencer Platt/Getty Images)
Wenn Leute anfangen müssen, die entscheidenden Kleinigkeiten in ihrem Leben zu vernebeln und wegzudiskutieren, tun sie das oft, weil sie sich in der Vorstufe zu einer schwierigen Lage wähnen. So produziert der Mensch beim Versuch, Dinge zu erklären, die man gar nicht erklären kann, weil sie ganz anders abgelaufen sein müssen, eine fatale Tendenz zum Umgang mit der Wahrheit oder sagen wir besser mit der Wahrhaftigkeit. So wie heute der Anwalt von Lance Armstrong, der in Vertretung seines Mandanten die Glaubwürdigkeitskrise meistern soll, in die der Radfahrer geraten ist.

Armstrong war am Mittwochmorgen vor der zehnten Etappe der Tour de France nach seinen Anteilen an der Radsport-Managementfirma Tailwind gefragt worden, die das US Postal Team aufgezogen hatte, in dem er einst mit Floyd Landis an den Start ging. Und was sagte er in vielen, vielen Worten, die aus seinem Mund immer so farbig und gleichzeitig so eindeutig klingen und so, als ob der Rest der Welt zu doof ist, die Handlungsweise des siebenfachen Tour-Siegers zu verstehen: "Die krasseste Sache ist das Missverständnis, dass ich der Besitzer des Teams war. Das ist komplett falsch. Kein Besitzer, ganz und gar nicht. Es war nicht meine Firma. Ich kann es euch gegenüber nicht klar genug sagen. Ich hatte keine Stelle inne. Ich hatte keinen Anteil. Ich bekam keine Gewinnausschüttung. Ich saß nicht im Vorstand. Ich war ein Fahrer im Team. Klarer kann ich es nicht sagen."

Vielleicht sagt er solche Sachen, weil er denkt, dass der Rest der Welt zu doof ist, seine Einlassungen zu überprüfen. Oder weil er über die Jahre viele Leute in seinem Umfeld eingeschüchtert hat, die Angst bekamen vor dem langen mächtigen Arm seines Einflusses in der Branche. Auch die amerikanischen Medien haben sich lange Zeit als Cheerleader von Armstrong verstanden, weil sie einfach glauben wollten, dass er stets sauber war. Dass die Franzosen einfach nur gehässig waren und ihn zu Fall bringen wollten, weil er Amerikaner ist. Und dass die wenigen Menschen, die den Mut hatten, auszuplaudern, was sie wussten, irgendein niederes Motiv verfolgen. Obwohl sie mit ihren gegen Armstrong gerichteten Aussagen ihre beruflichen Aussichten gefährdeten.

Tempi passati. Es dauerte gestern nicht sehr lange, da hatten die ersten fleißigen Blogger und Reporter die entsprechenden Stellen im Protokoll der Vernehmung von Lance Armstrong in einem Schiedsgerichtsverfahren von 2005 gefunden. In der hatte er unter Eid etwas ganz anderes gesagt. So war also in ein paar Stunden war er und dieser ganze pseudo-puritanische Ernst desavouiert. Und das steht so in vielen Zeitungen. Auf die Frage des gegnerischen Rechtsanwalts, ob er einen Anteil an Tailwind halte, antwortete er damals: "Einen kleinen." Auf die Bitte hin, das zu präzisieren, sagte er: "Vielleicht zehn Prozent." Genaues über den Zeitpunkt seines Geschäftseintritts konnte er nicht mitteilen. Er wirkte so, als ob ihm die Details einer solcher geschäftlichen Beziehung eher wenig interessierten. So hackte der Anwalt nicht weiter darauf herum:
"Wer würde die Antwort wissen, wann Sie einen Anteil an Tailwind erworben haben?", wollte er wissen
Armstrong verwies auf seinen Manager und nannte dessen Namen: "Bill Stapleton."
"Ist das schriftlich dokumentiert? Gibt es einen Anteilsschein oder andere Papiere, die Ihren Anteil an Tailwind bestätigen?"
Armstrong: "Ich bin sicher, dass es das gibt."

Heute nachmittag versuchte Armstrong Anwalt Tim Herman den offensichtlichen und markanten Widerspruch zwischen den beiden Aussagen wegzuerklären. Der Radfahrer habe zwar laut Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 2004 einen Anteil erhalten sollen, der wurde aber erst im Dezember 2007 vergeben. Interessant, denn das widerspricht Minimum der Aussage des erwähnten Bob Stapleton aus dem September 2005, der damals in der gleichen Sache vernommen wurde und folgendes erklärte: Armstrong sei einer von zehn oder 15 Tailwind-Partnern. Sein Anteil: 11,5 Prozent. Darauf dass auch diese Aussage unter Eid von damals nicht zur der heutigen Einlassung passt, ging Herman nicht ein. Gleich zwei Leute haben sich damals geirrt? Und war dann auch die Aussage von Stapleton falsch, wonach Tailwind vom Winter/Frühjahr 2003/2004 an von Stapletons Firma Capital Sports & Entertainment gemanaged wurde, an der Armstrong einen beachtlichen Anteil hatte? Auch das wissen wir aus den Protokollen der Vernehmung von 2005. Für die Managementrolle erhielt CSE einen Anteil an Tailwind von 11,5 Prozent.

Ehe wir uns in den Details verlieren, hier noch mal das Ganze vereinfacht: Armstrong bestreitet heute, was er und sein Manager 2005 unter Eid ausgesagt haben. Warum? Weil er gehört hat, dass ihm die ermittelnden Behörden, die die Landis-Vorwürfe ernst nehmen, als Teilhaber einen Anklage wegen Betrug und Verschwörung an die Kappe heften wollen. Also wird bestritten, dass er Teilhaber war. Interessant ist aber auch, mit welcher Nebelkerze sein Anwalt heute gearbeitet hat. Danach soll Armstrong Ende 2007 Anteilseigner von Tailwind geworden sein, obwohl die Firma just zu diesem Zeitpunkt ihre einzige relevante Einnahmequelle einbüßte - das Sponsorengeld des Discovery Channel? Das Discovery Team war schon vorher aufgelöst worden.

Erneut dauerte es nicht lange, bis heute ein amerikanisches Medien-Outlet – NBC Sports – diesen Sachverhalt aufdeckte und damit aufzeigte, dass sich Lance Armstrong beim Bau seiner Kartenhäuser einen schlechten Architekten ausgesucht hat: sich selbst. Der Druck der staatsanwaltlichen Ermittlungen und der ziemlich präzisen Beschuldigungen von Floyd Landis werden nicht weniger, sondern mehr. Eine Firma namens Tailwind Sports Corporation, die in Kalifornien registriert worden war, führte übrigens seit 2002 als Adresse die gleiche Anschrift wie Capital Sports & Entertainment und ein von Armstrong aufgemachter Fahrradladen.

Zur Einordnung: meine Geschichte für die Freitagausgabe der FAZ. Dazu der Hinweis auf ein informatives Interview von Sebastian Moll mit einem amerikanischen Spezialanwalt für dopingbeschuldigte Sportler in der Financial Times.

14. Juli 2010

Bastille Day mit Thierry

France's Thierry Henry (L) and Franck Ribery greet one another at the end of the 2010 World Cup Group A soccer match against Uruguay at the Green Point stadium in Capetown June 11, 2010. REUTERS/Charles Platiau (SOUTH AFRICA - Tags: SPORT SOCCER WORLD CUP)
In New York hat es heute abend ein kurzes Feuerwerk gegeben. Ich nehme an aus Anlass des französischen Nationalfeiertags, den Ostküsten-Amerikaner ziemlich chic finden. Sie nennen ihn Bastille Day. Es waren auf jeden Fall keine Knallkörper für Thierry Henry, dessen Wechsel in die amerikanische Major League Soccer bekannt gegeben wurde. Obwohl im übertragenene Sinne wurde zumindest einer abgefeuert. Rob Hughes hat ihn gezündet und für die New York Times auf die Schnelle ein ganz vorzügliches Porträt über den Mann geschrieben, den es schon seit langem hierher zog, der aber erst jetzt die Zeit gekommen sah und sich den New York Red Bulls anschließt. Man wünscht sich, jede Personalie von Belang würde mit soviel Wissen und Einfühlungsvermögen für die Besonderheit einer Sportlerpersönlichkeit geschrieben. Und nicht mit jenem Kikeriki, auf das sich die Zunft immer mehr zugute hält. Auch derjenige, der Henry schon kennt, sollte sich die Zeit nehmen für diesen Text, dessen Autor dem Franzosen zubilligt, dass er in den USA einen größeren Einfluss auf den Erfolg der Sportart haben wird als der als Fußballer nur eingeschränkt taugliche David Beckham.

Schwere Jungs und alte Männer

Foto: Spider.Dog/flickr/creative commons/Attribution 2.0

Morgen beginnen in St. Andrews an der schottischen Ostküste die British Open, das dritte Major des Jahres im Golf. Abgesehen von der Tatsache, dass es ein wenig langweilig anmutet, wenn ein solch bedeutendes Turnier alle fünf Sommer auf demselben Platz stattfindet, verführt er die Golf-Journalisten zu verschnörkelten Reminiszenzen der Geschichte des Spiels. Denn – so geht die Saga – St. Andrews ist die Geburtsstätte der Sportart. Tatsächlich hat sich das Spiel seit seiner Geburt gravierend verändert. Nachdem zunächst die Bälle durch eine enorme technische Revolution gingen, wurden auch die Schläger zu Präzisionswerkzeugen, und beides zwang die Golfplatzbesitzer, ihre Anlagen immer mehr in die Länge zu ziehen. Länger ist nicht besser, sondern einfach nur länger. Da ist es umso angenehmer zu sehen, dass die Spieler selbst sich nur unwesentlich verändert haben. Im Gegenteil. So wie die Bevölkerung in den reichen westlichen Ländern, deren Ernährungsgewohnheiten in naher Zukunft eine Gesundheitskrise heraufbeschwören werden (zusätzlich zum Bedarf an breiteren Sitzen in Flugzeugen und den Wartezimmern der Ärzte), wirken derzeit eine Menge ziemlich erfolgreicher Golfprofis. Rundlich, übergewichtig, um nicht zu sagen dick. Und auch alte Spieler, woanders in der Alterskategorie "Männer IV" eingestuft, halten mit. Mit anderen Worten: Golf wirkt selbst in der Zeit des roboterhaften Erfolgsprofis Tiger Woods noch immer irgendwie ganz menschlich.

Zu diesem Thema habe ich vor ein paar Wochen für die Züricher Sonntagszeitung einen Text geschrieben. Er passt noch immer in die Zeit:

Von allen Kennziffern, die die amerikanische PGA Tour über ihre Profis veröffentlicht, wirkt eine besonders kurios. Die Statistik nennt nicht nur das gewonnene Preisgeld, das Geburtsdatum oder die Körpergrösse. Die Unterlagen machen ein weiteres Detail publik: das Körpergewicht des Golfspielers. So konnten Zuschauer, die noch nie etwas über einen gewissen Brendan de Jonge aus Simbabwe gehört hatten, rasch ermitteln, wieviel der rundliche 29-jährige aus Simbabwe auf die Waage bringt, nachdem der überraschend nach dem ersten Tag der US Open den ersten Platz belegte: satte 103 Kilogramm.

Das Turnier auf dem schwierigen, 6300 Meter langen Platz von Pebble Beach ist kein Spaziergang. Die vier Tage verlangen den Teilnehmern in Wind und Wetter eine Menge ab. Weshalb sich im Laufe der Jahre ein Typ von Golfprofi durchgesetzt hat, der dem Vorbild des im Fitness-Studio gestählten Weltranglistenersten Tiger Woods ähnelt: Der verfügt über wohlproportionierte Muskelpäckchen in den Armen und Schultern.

Doch ein Erfolgsrezept ist das nicht. Man denke nur an all jene Herren, die mit schwerem Schritt über den Platz wandern, aber am Ende die bedeutendsten Titel gewinnen. Ob der Argentinier Angel Cabrera (Gewinner US Open 2007 und Masters 2009, Gewicht laut offiziellen Angaben: 95 Kilo und dazu Kettenraucher) oder ob Phil Mickelson (Sieger beim Masters 2004, 2006, 2010, 91 Kilo) – sie alle schleppen bei wichtigen Ereignissen stärker an dem Gewicht der eigenen Erwartungen als an der Masse aus überflüssigem Fettgewebe. So zählte der Amerikaner Mickelson bei diesem Turnier zu den Favoriten, nachdem er sich am Freitag mit einer hervorragenden zweiten Runde von 66 Schlägen auf den zweiten Rang im Zwischenklassement vorgearbeitet hatte (hinter dem späteren Sieger, dem Nordiren Graeme McDowell).

Aber nicht nur Körperumfang scheint im Spitzengolf kein Problem zu sein. So konnte sich für die US Open in diesem Jahr ein Spieler qualifizieren, der vor zwei Jahren bereits sein zweites neues Herz eingepflanzt bekommen hatte. Die Geschichte des Amerikaners Erik Compton, der am Freitag allerdings am Cut scheiterte, zeigt zumindest eines: Die wahren Qualitäten eines Golfers müssen aus etwas anderem bestehen, als jenem Schaltkreislauf, den Athleten in Sportarten wie der Leichtathletik oder beim Radrennen inzwischen zunehmend mit Dopingmitteln manipulieren.

Man denke nur an die British Open im schottischen Turnberry im letzten Jahr, als bis zum vorletzten Loch ein 59-jähriger an der Spitze lag. Der amerikanische Ausnahmegolfer Tom Watson, der vier Tage lang mit einer erstaunlichen Präzision gespielt hatte, verlor erst im Stechen gegen den um 23 Jahre jüngeren Landsmann Stewart Cink. Eine ähnlich ungewöhnliche Leistung hatte 2008 der Australier Greg Norman geschafft. Der ging in Royal Birkdale als Führender in die entscheidende Runde und wurde Dritter – im Alter von 53 Jahren.

Immerhin: Sowohl Watson als auch Norman haben im Unterschied zu vielen Kollegen auf der Champions Tour der Profis über 50 kein überflüssiges Gramm zugenommen. Ein Aspekt, von dem vor einiger Zeit der ehemalige Weltranglistenerste David Duval sprach, als er davon hörte, mit welchem Argument der übergewichtige Engländer Lee Westwood (offiziell: 94 Kilo) jede Frage nach seinen Essensgewohnheiten abschmetterte: “Hätte ich Athlet werden wollen, dann wäre ich 400-Meter-Läufer geworden. Ich bin kein Athlet, ich bin Golfer.”

“Der Golfschwung ist ein sehr athletischer Bewegungsablauf”, rechtfertigte Duval seine damalige seine rigorose Hinwendung zu intensivem Hanteltraining. Wenig später gewann er die British Open. “Fitness", so meinte er, "sorgt für eine längere Karriere und hilft Verletzungen zu vermeiden.”

Tatsächlich leidet Duval seit dem größten Erfolg seiner Karriere an einer unerklärlichen Formschwäche und liefert nur noch selten und inzwischen auch mit einigem ziemlichen Extra-Gewicht in der Bauchgegend bemerkenswerte Resultate ab. Westwood hingegen spielt seit ein paar Jahren bei den wichtigen Turnieren ständig um den Titel mit und steht auf Platz drei der Weltrangliste. Nach zwei Runden in Pebble Beach lag er in Lauerstellung auf dem 16. Platz. “Ich habe gute Chancen”, sagte er.

13. Juli 2010

RIP: Yankees-Besitzer George Steinbrenner

In der Geschichte der New York Yankees gibt es drei wichtige Phasen. Die erste begann, als Babe Ruth in Boston in Ungnade fiel und in der Bronx zum Kern einer unschlagbaren Mannschaft wurde, in der unter anderen der deutschstämmige Lou Gehrig eine wichtige Rolle spielte. Das Leben von beiden wurde in Hollywood verfilmt. Denn solche Figuren gibt es nicht alle Tage.

Die zweite Phase kulminierte in den fünfziger Jahren gegen Ende der Karriere von JoeDiMaggio und ist mit Spielernamen wie Yogi Berra und Mickey Mantle verbunden. Zu jener Zeit waren die Yankees schon so wichtig in der amerikanischen Alltagskultur, das sie zum Ausgangsthema eines Broadway-Musicals wurden, das später auch in Hollywood inszeniert wurde. Es trägt den Titel Damn' Yankees, was der Stimmung im Rest des Landes entsprach. Diese Yankees waren einfach zu gut. Und deshalb verhasst und beneidet. Man denke nur an das Aufsehen, dass die Heirat von Joe DiMaggio mit Marilyn Monroe verursachte. Das war im wahrsten Sinne eine Traumehe, weil sich damals kein Sportler auch nur erträumt hätte, es bis in die Welt der Paparazzi und der Klatsch-Postillen zu schaffen.

Als diese Ära zu Ende ging, hatten die Yankees zwar jede Menge Sportgeschichte geschrieben, aber standen vor einer schwierigen Phase. Dann kam George Steinbrenner, der Nachfahre eines Reeders aus Ohio, der mit seinem Geld und seinem autoritären Charakter ein neues Zeitalter im amerikanischen Ligasport einläutete. Von ihm über Jerry Jones bei den Dallas Cowboys und zu Mark Cuban bei den Dallas Mavericks sowie zu den (amerikanischen, russischen) Hyper-Spekulanten, die sich in die Premier League verirrten, führt eine ziemlich gerade Linie. Und auch diese Phase wurde von der amerikanischen Entertainment-Industrie auf ihre Weise widergespiegelt. George Steinbrenner wurde in den neunziger Jahren in Seinfeld, der erfolgreichsten Sitcom aller Zeiten, zu einer Figur. Während alle anderen Rollen in der Serie fiktiv waren, war Steinbrenner, Spitzname The Boss, er selbst. Die Besonderheit: Man sah ihn meistens nicht von vorne, sondern meistens von hinten. Seine Texte wurden von einem Schauspieler gesprochen – in jenem abgehackten, herausgepressten, rauhen Tonfall, für den er bekannt war. Denn George Steinbrenner war – zumindest in den USA – tatsächlich berühmt geworden.

Sein interventionistischer Stil bei den Yankees führte zu unterschiedlichen Resultaten. Er kaufte teure Spieler ein, wechselte Trainer nach kurzer Zeit aus – das produzierte zunächst ziemlich wenig. Er war abergleichzeitig in der Lage, die Yankees-Mystik in hochdotierte Fernsehverträge im Lokal-TV umzumünzen. Steinbrenner war der Wegbereiter jenes Netzes aus regionalen Fernsehkanälen, wie man es sich heute nicht mehr wegdenken kann. Als Populist verstand er es selbstverständlich auch, die Stadt New York unter Druck zu setzen, der das alte Stadion gehörte, in dem die Yankees für eine lächerlich geringe Miete nur Gast waren. Zwischendurch drohte er, mit dem Club nach New Jersey umzuziehen. Danach wollte er unbedingt in Manhattan ein neues Stadion haben, denn in der schmuddeligen Bronx wirkte sein Yankees-Brand zunehmend angeschabt.

Aber schließlich war er in der Lage, mit seinen Millionen eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die wieder die World Series gewann. Mit den Erfolgen ab Mitte der neunziger Jahre – und sicher auch mit dem Alter – wurde Steinbrenner gnädiger und toleranter. Irgendwann gab er das Management an seine Familie ab und genoss die sportlichen Erträge seiner Arbeit. Das Denkmal, dass er der Nachwelt hinterlässt, ist ein nagelneues Stadion gleich neben dem alten, dass im letzten Jahr eröffnet wurde.

Steinbrenners Rolle als Supporter von Richard Nixon hätte ihn beinahe ins Gefängnis gebracht. Er kam mit einer Geldstrafe davon. Sein Versuch, den Ruf des ehemaligen Yankees-Profis Dave Winfield zu schädigen, handelte ihm eine dreijährige Sperre von Major League Baseball ein. Eigentlich lautete das Urteil auf lebenslänglich. Aber nach drei Jahren wurde er wieder rehabilitiert. Rechtzeitig zu dem Lauf seiner Spieler, die zwischen 1996 und 1999 unschlagbar schienen.

Steinbrenner starb heute im Alter von 80 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Als den Club 1973 erwarb, musste er 10 Millionen Dollar bezahlen. Die Yankees sind heute rund 1,6 Milliarden Dollar wert.

Einer seiner Seinfeld-Auftritte in echt:


Co-Produzent Larry David als Steinbrenner:


Sehr ausführlich und lesenswert zu diesem Thema: dogfood bei allesaussersport

Plus: Steinbrenner-Bilder im Archiv von Sports Illustrated:

12. Juli 2010

Stadt zwingt Team zum Bleiben: Mit riesigen Subventionen

Es wäre alles halb so schlimm, wenn amerikanische Politiker nicht dauernd ganz ganz generell gegen Subventionen wettern würden. Wenn sie Kultur und Museen und Theater fördern würden und nicht alles einfach dem kleinsten gemeinsamen Trash-Geschmacks-Nenner überlassen würden. Stattdessen schmeißen sie immer wieder den Eigentümern von Sportclubs (und damit den überbezahlten Athleten) das Geld des Steuerzahlers in den Rachen. Angeblich ist das gut für die Förderung des Lokalstolzes und soll auch Arbeitsplätze schaffen (klar: für Hot-Dog-Verkäufer und Parkwächter). Die Liste ist ellenlang und riecht nach einem System, bei dem die Wohlhabenden und Gutvernetzten den politische weniger gut Vertretenen in die Tasche fassen. Jüngstes Beispiel: die Indiana Pacers zwangen die Stadt Indianapolis, 33,5 Millionen Dollar auszugeben, um auf diese Weise die Abwanderung des Teams zu verhindern. Das Geld geht in die Unterhaltung der Halle in der Innenstadt (Conseco Fieldhouse) und riecht nach einem hübschen Geschenk. Denn der Club ist der de-facto-Manager der Arena und verdient an allem mit, was sonst noch dort auf die Beine gestellt wird. Um diese Geschäfte abzuwickeln, verlangten die Pacers einen Zuschuss und erhielten zehn Millionen Dollar pro Jahr von der Stadt.

Schon klar, wer den Schaden hat... Die Mannschaft ist auch noch extrem grottig und wird bis auf weiteres keine Rolle in der NBA spielen. Der Interessante im Team: Tyler Hansbrough, der vor einem Jahr aus dem überragenden Pool der Jungs von North Carolina gedraftet wurde.

10. Juli 2010

LeBron & Co. – im Zirkus der Alpha-Tiere

Das größte Spektakel abseits vom Spielfeld, das die NBA je erlebt hat, hinterließ am Ende nur einen faden Eindruck. Es ging zwar um viel. Schließlich war (ist?) LeBron James der rundum beste Spieler in der Liga. Aber das ändert sich nicht durch seinen Wechsel zu einem anderen Club. Er wird, was seine Solo-Performances angeht, in Miami nicht mehr bieten als in den sieben Jahren bisher in Cleveland. Wenn man so will: das Beste von LeBron James haben wir bereits gesehen. Im neuen Trikot mit der Nummer sechs wirken die Kabinettstückchen nicht besser.

Wovon wir allerdings nur einen Vorgeschmack erhalten haben, ist die extreme ESPN-fizierung der Sportberichterstattung. Denn die Sondersendung am Donnerstagabend aus Greenwich/Connecticut sorgte für eine bemerkenswerte Einschaltquote. Der Rating-Wert belief sich auf 7,3, was ungefähr acht Millionen Haushalten entspricht. Das ist das Grundrauschen, um einen Begriff aus der WM-Berichterstattung von dogfood auf allesaussersport zu entlehnen. Eine Kennziffer für den Buzz, der dem Basisinteresse in den USA an einer Figur wie LeBron James, entspricht wenn ein paar Kriterien erfüllt werden:

• Die Ausstrahlung muss in der Prime Time stattfinden.
• Das Sportangebot auf anderen Kanälen muss dünn sein.
• Es muss vorher hinreichend Spannung aufgebaut worden sein, damit die Mitteilung der bereits gefassten Entscheidung als besonderes Ereignis verkauft werden kann.
• Es müssen sich hinreichend andere Medien-Outlets nicht zu schade sein, um den Vorgang selbst tagelang aus allen spekulativen Richtungen zu beackern.
• Die Hauptfigur muss ein Sympathieträger sein, vom dem sich viele wünschen, er käme womöglich auch zu ihrem Club.

Die Ironie der Geschichte ist: LeBron James selbst hat in der Abteilung "Sympathieträger" an diesem Abend sehr viel Kredit verspielt. Da half es auch nichts, dass er ESPN den Weg verbaute, aus dem Event mehr als 2 Millionen Dollar an Werbeeinnahmen zu vereinnahmen (die Werbespots wurden von einem eigens von James und seiner Marketingfirma gegründeten Unternehmen an langjährige Werbepartner verkauft und die Einnahmen angeblich für wohltätige Zwecke bereitgestellt). Die Einlassungen über die Gründe seines Wechsels wirkten schlichtweg nicht begründet, sondern fischig. Denn dass jemand wie er mit den Cleveland Cavaliers keine Titel gewinnen kann, ist schlichtweg nicht wahr. Die Mannschaft zeigte Jahr und Jahr in leicht unterschiedlichen Besetzungen, dass sie Chancen auf die Meisterschaft hat. Die einzige Frage, die sich über die Zeit stellte, war: Ist LeBron James als Star einer Mannschaft überhaupt in der Lage, solch eine Leistung zu produzieren? Es ist die gleiche Frage, die man sich bei Dirk Nowitzki vorlegt. Manche Basketballer sind einfach keine Meisterschafts-Typen, weil sie die innere Struktur eines Teams nicht auf eine Weise dominieren wie das etwa Michael Jordan bei den Chicago Bulls getan hat. In Chicago vergingen übrigens auch viele Jahre, ehe die Bulls eine Formation zusammen hatten, die mehr war als eine Jordan-Highlight-Show. Nicht zu unterschätzen: Der Trainerwechsel, der Phil Jackson, Tex Winter und die Triangle Offense zu den Bulls brachte.

Das heißt: Der Wechsel ist ein Eingeständnis von Schwäche. Das ist a priori kein Problem. Basketball ist eine Mannschaftsportart. Da braucht man eine Reihe von guten Leuten, um eine derartige Mammutsaison an der Spitze zu beenden. Und ebenso ein hervorragendes Trainerteam, das im entscheidenden Moment mit taktischen Geniestreichen aufwarten kann. Aber die Vermarktungsarena rund um den Sport von heute tickt nicht derart differenziert. Alles in der Außendarstellung – vor allem in der NBA – baut sich auf eine Reduktion der Auseinandersetzungen auf dem Platz auf eine Willensleistung der Stars im direkten Spiel gegeneinander auf. Die Medien sind auf diesen Alpha-Tiere-Zirkus hereingefallen und stricken an den entsprechenden Mythen. Sei es in der Vorberichterstattung, wenn die Begegungen von Teams mit namhaften Profis als Duell der stars charakterisiert wird, oder in der Nachbearbeitung, wenn am liebsten spektakuläre Einzelleistungen gefeiert werden. In diesem Schema sah das bisher so aus: In Cleveland war James der King. In Miami ist das Dwayne Wade. LeBron – ein König ohne Land.

Diese Denkfixierungen auf Individuen und deren Persönlichkeitsmerkmale macht nirgendwo halt. So hatten sowohl Dwayne Wade in einem Fernsehinterview bei ESPN als auch LeBron James bei seinem seltsamen Auftritt erklärt, dass sie mit dem seit zwei Jahren amtierenden Trainer Erik Spoelstra zusammen werden. Woher kam die Neugier nach Spoelstra? Nun Team-Präsident Pat Riley hatte schon einmal einen jüngeren Trainer, den er selbst installiert hatte, ohne erkennbaren Grund auf die Seite geschoben und sich selbst wieder zum Inszenator Rex ernannt. Das war die Saison, in der Miami am Ende zum ersten und bisher einzigen Mal die Meisterschaft gewann. Der geschasste Stan van Gundy (offiziell hatte er seinen Rücktritt eingereicht, um "mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen"), zeigte wenig später in Orlando, was er kann. Rileys Post-Titel-Phase hingegen entblößte ihn schließlich als Kaiser ohne neue Kleider. Der höchst unzufriedene Shaquille O'Neal wurde nach Phoenix weggetauscht (für Shawn Marion and Marcus Banks). So zog er sich 2008 wieder in die Chefetage zurück und übergab seinem langjährigen Assistenten Erik Spoelstra den Posten.

Spoelstra hat in der NBA nur in einem Club gearbeitet – bei den Miami Heat, wo er 1995 als Videospezialist anfing und sich allmählich nach oben arbeitete. Als die Mannschaft nach zwei Niederlagen in der Finalserie 2006 gegen die Dallas Mavericks im letzten Viertel des dritten Spiels einen Rückstand von 13 Punkten aufholte und das Match gewann und anschließend auch die Serie, war Spoelstra Chefscout und Taktikfuchs auf der Bank. Eine Rolle, die er heute gerne herunterspielt. Ich nehme mal an, weil man das in der Zunft so macht. Und weil er nicht den Eindruck erwecken möchte, als bräuchte eine Figur wie Pat Riley wirklich Hilfe.

Niemand sollte sich wundern, wenn die Spekulationen eintreffen, die seit gestern von der New York Daily News und von yahoo gestreut werden. Bis zum Beginn der Saison ist es noch weit. Ich tippe allerdings, dass Spoelstra, der mit einer nicht besonders guten Mannschaft in der ersten Runde der Playoffs gegen die Boston Celtics ausschied, eine ganze Weile lang fest im Sattel sitzen wird. Der Rest hängt, wie immer, von den Ergebnissen ab, die die Mannschaft einfährt.

Mehr zu dem LeBron-Tamtam gleich im Deutschlandfunk in der Sendung Sport am Samstag (Beginn: 19.10 Uhr).

Sehr zu empfehlen: Diese Betrachtung von Matt Taibbi im Rolling Stone zum Donnerstags-Ereignis und den Weiterungen dieses Inszenierungsstils aus der Reality-TV-Ecke auf das amerikanische Fernsehen und die von der Medienkultur beherrschte amerikanische Politik.

8. Juli 2010

Wade und Bosh und James gehen zusammen auf Kaperfahrt

LeBron geht zu LeHeat. Der Deal geht über fünf Jahre, aber nicht für die volle mögliche Summe. Die Details müssen noch ausgehandelt werden. Es ist das Modell, das man bei den Boston Celtics probiert hat, wo es geklappt hat. Garnett und Allen wurden geholt, um mit Pierce zusammen einen Dreier-Nukleus zu bilden. Drumherum wurde mit preiswerten Restbeständen ein funktionierendes Gerüst gebaut. Was einmal funktioniert, kann natürlich auch zweimal hinhauen. Aber bis auf weiteres hat man in Miami nicht mal genug Spieler. Und viel Geld können Sie den Stützpfeilern auch nicht bieten. In Cleveland gehen jetzt die Lichter aus (nachdem die LeBron-Trikots abgefackelt sind, die enttäuschte Anhänger seit einer Stunde in Brand stecken).

Blick zurück: Der Cleveland-Blues

7. Juli 2010

Die Welt von Tiger Woods ist flach

Die beste Frage an einen berühmten Sportler weltweit in diesem Sommer, gestellt von einem irischen Journalisten am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Adare (mit Video):

"Mit dem jüngsten Verhalten und den Problemen, die Sie gehabt haben...in einer Zeit, in der Sie riskieren, die Familie zu verlieren, einen Werbepartner zu verlieren, was mit solchen Dingen Hand in Hand geht, denken Sie manchmal darüber nach und fragen sich: War es das wert?"

Gestellt wurde sie Tiger Woods. Dessen Antwort ist erhellend: "Sie graben zu tief."

Wann werden amerikanische Golfjournalisten wohl anfangen, ihrem Landsmann mit ähnlich gründlichen Bohrungen ins Gehirn zu blicken? Oder wollen US-Medien es gar nicht so genau wissen, aus Angst sie könnten den Abstieg ihres wichtigsten Einschaltquotenbringers beschleunigen?

Die LeBron-Vertragsshow geht auf Sendung

LeBron James wird am Donnerstagabend bei ESPN live seine Entscheidung darüber bekanntgeben, bei welchem NBA-Club er einen Vertrag abschließen wird. Welches Schweinderl er gerne hätte? Die Gerüchte machen den Eindruck vom Inneren eines anderen Tieres – einer geschlachteten Gans (oder was die Auguren im alten Rom für ihre Vorhersagen genommen haben). Falls Dwayne Wade bleibt und Chris Bosh auf seine Seite zieht (danach sieht es zur Zeit aus), hat James zwar theoretisch auch die Möglichkeit, nach Florida umzuziehen. Aber das wäre ein Riesenschritt weg aus Ohio. Mit Stoudamire zu den New York Knicks und der Entscheidung von Dirk Nowitzki in Dallas zu bleiben, sind weitere Puzzlestücke vom Tisch. Wen holen die Mavericks, um endlich eine Grade A-Mannschaft zusammenzubauen? Die Ortszeitung spekuliert, dass Jermaine O'Neal in Frage kommt, sollte es Brendan Hawywood woanders hinziehen. Gleichzeitig wird der Dirkster mit seiner Einschätzung zitiert, wonach ein Center im heutigen Spiel nicht mehr besonders wichtig ist. Bewegliche Allrounder seien entscheidender. Konkrete Namen allerdings nennt er nicht. Was dafür spricht, dass die Besten von denen – also Wade, Bosh und LeBron – für die Mavericks unerreichbar sind. Nowitzki mag ja finden, dass Dallas eine attraktive Stadt ist. Aber das klingt aus dem Mund von jemandem, der außer Würzburg sonst noch nirgendwo anders gelebt hat, nicht besonders überzeugend. Immerhin darf man Chefmanager Donnie Nelson zutrauen, dass er im Hintergrund und leise zu antichambrieren versteht und ein paar Möglichkeiten entdeckt, die andere gar nicht sehen. Abwarten, also.

5. Juli 2010

Der Klingelbeutel: Warnung vor dem Todesengel

Nicht alles, was ESPN anfasst, wird zu Gold. Die Disney-Tochter schließt einen Teil ihrer Restaurant-Kette namens ESPN Zone. Auch der Laden am Times Square in New York ist betroffen. Was sicher nicht bedeutet, dass die dort gedrehten Segmente von nun an in der Provinz in Bristol gedreht werden. ESPN The Magazine, das bislang in einem Gebäude unweit des Empire State Building untergebracht war, hingegen wandert ab. Vielleicht werden die ziemlich großzügigen Räumlichkeiten dort für die Fernseharbeit gebraucht.

• Man sollte nicht meinen, dass ein einziger Mann einen derart starken Einfluss auf den Ausgang eines WM-Spiels haben kann. Aber wenn einer bei vier Begegnungen auftaucht und die vier Mannschaften, die er unterstützt, aus dem Turnier fliegen, sieht das schon nach ziemlich schwarzer Magie aus. Der Falls des Todesengels Mick "You Can't Always Get What You Want" Jagger – dokumentiert in Bild (Teil 1) und Text (Teil 2).

• Wunder dauern etwas länger: Christiano Ronaldos Sohn ist Amerikaner. Wann der für Red-White-and-Blue antritt? Vielleicht 2030.

Meine Fresse

Aus der Serie "Wenn die andern feiern" kommt heute das Video der von der Begeisterung über ein einziges Tor. Die Hauptdarsteller: zwei völlig übermannte spanische Kommentatoren, die sich über das 1:0 von Villa gegen Paraguay nicht mehr einkriegen können. Einer von denen ist der gute José Antonio Camacho Alfaro, der einst bei Real Madrid als Verteidiger spielte und nach dem Ende der Karriere als Trainer viele Jobs inne hatte. Zu den Stationen gehörten die spanische Nationalmannschaft und irgendwann auch wiederum Real Madrid. Camacho arbeitet in Südafrika als Fernsehkommentator für den spanischen Sender Telecinco. Und das ganz sicher ohne Gefahrenzulage.

4. Juli 2010

Frisch angezapft: Neue Ausgabe vom Soccer Index

Ich wollte eigentlich schon länger mal wieder nachschauen, was eigentlich dieser monatliche Power Index namens SPI von Nate Silver macht, von dem schon mal vor einiger Zeit die Rede war. Und tatsächlich, die frischen Zahlen sind da und wurden von den Resultaten der WM in Südafrika ganz ordentlich beeinflusst.
1. (1.) Brasilien
2. (6.) Deutschland
3. (2.) Spanien
4. (4.) Niederlande
5. (5.) Argentinien
6. (3.) England
7. (8.) Portugal
8. (9.) Uruguay
9. (7.) Chile
10. (12.) Russland

Natürlich bleiben da viele Fragen (nicht nur, wohin sind Italien und Frankreich abgerutscht?), sondern auch: Wie konnte Russland hochrücken, wo die doch gar nicht bei dieser WM vertreten sind und sich von ihrer Sahneseite zeigen können? Aber solche Sachen sollten alle mit dem Zahlenfex selber ausmachen, der sich nämlich nicht darum bemüht, allein eine Resultatsliste zusammenzutragen, sondern eine Staffelung, die die Chancen einer Mannschaft für die nächsten Spiele hochrechnet. Demnach hätten Jogis Jungs sowohl gegen Spanien als auch gegen die Niederlande leicht die Nase vorn. Da allerdings auf dem Platz mit ganzen Toren und nicht mit Zehntelpunkten gerechnet wird, sollte man die Indexwerte nicht zu sehr verinnerlichen. Brasilien hat den Topwert mit 88,0, Deutschland kommt auf 87,2. Spaniens Kennziffer liegt bei 87,1. Und die der Niederländer bei 86,5. Die ganze Liste.

Ein Spiel, das mir nicht vertraut ist

Heute ein paar Anmerkungen über die Ereignisse im fernen Südafrika, wo eine deutsche Fußballnationalmannschaft einen Fußball spielt, dem man mit einer Anleihe aus dem amerikanischen Golf am nächsten kommt. Es ist der Satz, mit dem der legendäre Bobby Jones den jungen Jack Nicklaus beschrieb und den der alte Jack Nicklaus zitierte, als er über Tiger Woods sprach: ''He plays a game which I am not familiar with."

Es wäre schön, wenn wir im deutschen Fußball auch solche Grandseigneure hätten, die mit derart einfachen Mitteln den Generationen- und Klassenunterschied beschreiben würden, der sich in einer Golfnation wie den USA etwa alle dreißig Jahre abspielt. Aber in der Fußballnation Deutschland wird das kollektive Gedächtnis im entscheidenden Moment von Männern wie Franz Beckenbauer usurpiert. Dessen One-Liner sind bestenfalls zum Kichern und inzwischen Stoff für Parodisten.

Dabei waren mal gerade dieser Franz Beckenbauer und die ziemlich junge deutsche Mannschaft bei der WM 1966 eine ähnliche Offenbarung wie Jogis Jungs von 2010. Qualifiziert hatte man sich nur knapp (in Beckenbauers allererstem Länderspiel). Aber beim Turnier in England nahm diese auch taktisch modernisierte Mannschaft (im 4-3-3) Fahrt auf. Heute reden alle nur noch vom Wembley-Tor. Man wünschte sich, die Leute würden mehr von Beckenbauers Toren und von Helmut Hallers Blick fürs Spiel und seine Nebenleute reden. Und davon, dass diese Mannschaft einer Once-in-a-Lifetime-Gruppe von erlesenen englischen Spielern mehr als ebenbürtig war. Wolfgang Overath war damals 22, genauso wie Horst-Dieter Höttges. Sigi Held war 23 und hatte erst im Frühjahr 1966 zum ersten Mal eine Berufung erhalten. Wolfgang Weber war ebenfalls erst 23. Es war der Ausgangspunkt für jene kleine Fußball-Sinfonie, die mit dem Europameistertitel 1972 und dem WM-Titel 1974 ihre ganz beachtlichen Schlussakkorde produzierte.

Zurück zur Gegenwart (aber mit einem kleinen Schlenker). Der Sieg gegen Argentinien zeigte einen ähnlichen Quantensprung im deutschen Fußball an wie der Auftritt jener Mannschaft Mitte in den sechziger Jahren. Diese neue Generation von Spielern und die verantwortlichen Leute im Hintergrund haben das Zeug, sich nicht nur den Titel zu holen, sondern das auch noch mit Glanz zu tun (anders als diese grauenvoll anzusehenden Zweckmäßigkeits-Kicker der Jahre 1982, 1986, 1990 (und auch 2002). Zu den Weltmeistern von 1990 fällt mir immer nur diese eine Anekdote aus Hawaii ein, wo ich ein paar Jahre danach zufällig mit Pierre Littbarski im selben Hotel wohnte und im Interview den Faux-Pas produzierte und ihm sagte, er habe ja leider noch nie einen WM-Titel gewonnen. Natürlich hat er protestiert. Und ich war der Blamierte. Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, weshalb mir das passiert war: Diese Mannschaft von 1990 hatte einfach nichts geleistet, was einem im Gedächtnis hängen geblieben war.

Wenn übrigens jemand schon nach diesen zwei Erfolgen gegen England und Argentinien davon spricht, es handle sich um die beste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten, der sollte bitte mal ins Archiv gehen und nach den Filmen von 1954 fahnden. Das Team besiegte damals im Halbfinale in Lausanne die favorisierten Österreicher mit 6:1 und produzierte im Endspiel in Bern gegen Ungarn eine phänomenale Leistung. Sollten Jogis Jungs allerdings ebenfalls Weltmeister werden, kann man die Vergangenheit auch ruhen lassen. Dann gehören sie sicher auf Platz eins in der ewigen Bestenliste.

Was in den vielen Betrachtungen über die Spiele und die Leistungen des Teams untergeht: Die FIFA-Statistiken zeigen an, dass keine Mannschaft schneller läuft. Das wäre abgesehen von der exzellenten Ballbeherrschung sicher einer der Gründe, weshalb man Gegner mit schwacher Antizipation schlecht aussehen lässt. Auffällig allerdings auch: Im Spiel gegen Ghana auf knapp 2000 Metern Höhe in Johannesburg wirkten alle müde. Auf Meereshöhe in Kapstadt und Durban scheinen sich hingegen die roten Blutkörperchen richtig gut auszutoben. Das Quartier liegt auf rund 1300 Metern. Da holt man sich die Reserven.

Übrigens haben andere Mannschaften diese Ausgangslage sicher auch im Blick gehabt. Argentinien hatte sein Quartier ebenfalls auf 1300 Meter Höhe. Und auch Spanien residiert in dieser Zone. In der Vorbereitung gingen die Mannschaften unterschiedlich mit der Herausforderung um. Eines der Probleme eines ständigen Pendelns zwischen oben und unten, sagt Dr. Andreas Rosenhagen, angeblich laut Die Welt ein Experte für Höhentraining im Profisport (was sich über Google irgendwie nicht abstützen lässt): "Wer aus der Höhe ins Tal kommt, kann die Leistungsfähigkeit nach ein bis zwei Tagen abrupt abfallen." (sic!)

Von der Höhe, auf der Thomas Müller gerade spielt, scheint er nichts gewusst zu haben.

P.S.: Die WM hat eine neue Generation von Fußballbegleitberichterstattung etabliert, die sich schon seit einer Weile anbahnte und ankündigte. Die neue Qualität: Es geht nicht mehr ohne das Rundum-Programm von allesaussersport, die Hintergrundinformationen von Jens Weinreich und die Einschätzungen von Spiel und Mannschaft aus der Feder von Oliver Fritsch auf Zeit Online.

3. Juli 2010

Big D bleibt in Big D

ESPN meldet soeben, dass Dirk Nowitzki in Dallas bleiben wird. Der Unterschied zum alten Vertrag: Eine No-Trade-Klausel, die außer ihm nur ein Mann in der Liga hat – Kobe Bryant. Wenn man sonst nichts braucht im Leben.