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15. September 2009

Der Klingelbeutel: Was Wie wo macht

Wir warten auf den Gretzky-Dokumentarfilm, den ESPN Anfang Oktober ausstrahlen will. Titel: Kings Ransom. Hier eine erste Einschätzung der Arbeit von Filmemacher Peter Berg.

• Die kleine Fernsehreporterin Suzy Kolber ist die unfreiwillige Namensgeberin des Blogs Kissing Suzy Kolber, wozu es eine schlichte Entstehungsgeschichte gibt (ein offensichtlich betrunkener Joe Namath rückte ihr während eines Live-Interviews allzu nahe). Nach ihrem Einsatz nach dem Auftaktsieg (25:24) der New England Patriots gestern gegen die Buffalo Bills, der auf mirakulöse Weise zustande kam, sollte man sich nicht wundern, wenn es bald schon wieder einen Blog gibt, der auf ihre Arbeit anspielt. So etwas wie: Running with Suzy Kolber. Vor laufender Kamera mühte sie sich auf geradezu kuriose Weise ab, Quarterback Tom Brady direkt nach dem Schlusspfiff eine Frage zu stellen. Der wollte nämlich unbedingt in die Kabine joggen. Also musste Kolber mitjoggen. Die Szene zeigt einmal mehr, dass das Konzept, sogenannte Sideline Hotties im Sportfernsehen einzusetzen, ein Schuss in den Ofen ist. Es ist nicht Kolbers Fehler, die als Studiomoderatorin sehr gute Arbeit macht. Es ist die Denke der Fernsehverantwortlichen. Übrigens das inzwischen klassische Namath-Interview fand am Rande eines Patriots-Spiels statt (via The Big Lead).


• Michelle Wie bloggt – und das klingt anders, als der normale Kram, den Sportler von sich geben. Natürlich muss man einrechnen, dass die junge Frau erst 19 Jahre alt ist und ihre Weltsicht von nur wenigen ungebremsten Erfahrungen geprägt ist. Der Blog ist anonym. Aber wer sie auf Twitter verfolgt, konnte Spuren finden, die den Schluss zulassen, dass sie die Autorin ist.

• Selten genug: ein Profisportler mit Sinn für Politik und Geschichte. Cornerback Domonique Foxworth von den Baltimore Ravens hat eine ganze Sammlung von Memorabilia angehäuft, die die Menschenrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner in den sechziger Jahren dokumentiert, die von Figuren wie Martin Luther King und Malcom X angeführt wurde. Den Fund hat die New York Times ausgegraben.

4. Dezember 2007

NFL: Wenn man gegen die Patriots gewinnen will, darf man sich nicht selbst schlagen

Die NFL hat in diesem Jahr ein hübsches Programm auf die Beine gestellt: Die New England Patriots gegen alle. Theoretisch könnte so etwas langweilig sein. Besonders im Fall einer Mannschaft, die bisweilen eine Gegner derartig klar dominiert, dass dabei Basketballresultate herauskommen. Aber tatsächlich wird es von Woche zu Woche immer spannender. Die Affäre mit der Videokamera und den New York Jets war nur die Aufwärmphase. Dann kam das Match gegen die Indianapolis Colts, das als Revanche für die Niederlage der Patriots im Frühjahr fungierte und Football-Fans gestattete, sich ein Bild vom Leistungsstand der Mannschaft zu machen.

Der ist nicht wirklich berauschend, wie sich vor einer Woche erstmals in einem Match gegen die Philadelphia Eagles zeigte und gestern in einer Begegnung gegen die Baltimore Ravens erneut dokumentiert wurde. Sowohl die Eagles als auch die Ravens waren gut genug, die Spiele zu gewinnen. Beide Teams brachten es jedoch am Schluss nicht fertig, die völlig verdiente Führung über die Ziellinie zu bringen. Denn Quarterback Tom Brady braucht am Ende einer Partie nur ein paar Gelegenheiten für seine messerscharfen Würfe, um sich und den Seinen einen Sieg herauszuschnitzen.

Die letzten beiden Spiele waren formidables Theater. Denn es geht nicht um die alberne statistische Frage: Schafft es New England, ungeschlagen bis in den Super Bowl zu kommen? Sondern es geht um die Frage: Was muss ein Gegner alles auf die Beine stellen, um die beste Footballmannschaft Amerikas aus den Angeln zu heben? Eine Menge. Das steht fest. Man muss mit unglaublicher Energie und Kraft attackieren und sich auf das Laufspiel konzentrieren. Und man darf in der Defensive keine Fehler machen. Und seien es solche Fehler wie der Timeout vor dem Versuch der Patriots im letzten Viertel, einem vierten Down mit einem zu erkämpfenden Yard als Ausgangslage. Die Schiedsrichter pfiffen in dem Moment ab, als Bradys den Quarterback-Sneak vergölst hatte. Der Timeout wurde von der Ravens-Seitenlinie signalisiert. Die Spieler auf dem Feld waren extrem sauer. Sie lagen in Führung. Sie hätten den Ball zurückbekommen. Und sie hätten das Spiel nach Hause geschaukelt.

Nächsten Sonntag steht den Patriots ein weiterer Test bevor: die Pittsburgh Steelers, die ihnen womöglich in den Playoffs noch einmal über den Weg laufen werden.

13. Januar 2007

Abo vom Kicker: Vinatieri nagelt fünf zwischen die Stangen

Ein Footballspiel ohne Touchdowns kann spannend und unterhaltsam sein. Das Ding heute - Divisional Playoffs in der American Football Conference zwischen den Baltimore Ravens und den Indianapolis Colts - war es nicht. So gut wie nie blitzte auch nur der Hauch origineller Angriffskonzepte durch, um die Verteidigungsreihen in Verlegenheit zu bringen, die wie Schraubzwingen zupackten. Der Sieg der Colts mit 15:6 war trotzdem gerechtfertigt, denn die Ravens-Offensive war schlichtweg impotent. Auf der anderen Seite: In dem Hickhack von mehreren Interceptions auf beiden Seiten versiebte die hervorragende Ravens-Abwehr zwei Gelegenheiten zu weiteren Interceptions, weil Ray Lewis jedes Mal den Ball abfälschte, ohne zu sehen, dass hinter ihm ein Mitspieler bestens postiert war, um das Ei zu fangen. Der Mann des Spiels: Adam Vinatieri, den die New England Patriots vor dieser Saison hatten ziehen lassen, obwohl er in den zehn Jahren mit dem Team als einer der wichtigsten Faktoren für die drei Super-Bowl-Erfolge war. Der Kontrakt in Indianapolis war attraktiv. Er bekam fünf Jahre fix und einen Bonus vorab von 3,5 Millionen Dollar. Nachdem er das Angebot auf dem Tisch hatte, rief er Patriots-Trainer Bill Belichick an und hinterließ eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter. Belichick hat sich bis heute nicht gemeldet.
Blick zurück: Die Wandergeschichte - wie die Colts von Baltimore nach Indianapolis kamen und die Ravens aus Cleveland nach Baltirmore
Blick zurück: Cheerleader von der älteren Sorte

8. Januar 2007

Colts gegen Ravens: Eine Playoff-Premiere

Darf' s heute mal ein bisschen NFL-Geschichte sein? Wir müssen gar nicht so weit zurückblättern: nur ins Jahr 1984. Damals packten die Baltimore Colts ihre Sachen und zogen nach Indianapolis um und verloren endgültig jenen guten Ruf, den sie sich in den fünfziger Jahren aufgebaut und mit einem Super-Bowl-Erfolg 1970 untermauert hatten. Folgende Spielernamen sind mit Baltimore verbunden: Quarterback Johnny Unitas (sein Bild - rechts - findet man auf der Webseite johnnyunitas.com) und Offensive Tackle Art Donovan bei den Spielern, Weeb Ewbank und Don Shula bei den Trainern. Jahrelang mussten Footballanhänger zwischen Washington und Philadelphia am Daumen lutschen, ehe ihnen eine neuen Mannschaft in Gestalt der Cleveland Browns im Jahre 1996 vor die Tür gekippt wurden. Cleveland Browns? Ja. So hieß die Mannschaft, ehe Eigentümer Art Modell den Ortswechsel einfädelte. Der Protest der Fans in Cleveland konnte die Entwicklung nicht stoppen. Was er aber interessanterweise erzwang, war ein Präzedenzfall: Modell musste Auf Anordnung der Liga in Baltimore einen neuen Namen für seinen Club finden. Der Name Browns, aufgrund der Gründungsgeschichte sehr eng mit der abblätternden Industriestadt am Eriesee verbunden, blieb zurück und wurde anno 1999 einer völlig neuen Firma in Cleveland überlassen.

Am kommenden Samstag treffen die Colts und die Ravens zum ersten Mal in den Playoffs aufeinander. Den Geschichtsunterricht werden die meisten Beoachter wohl auf zwei Fakten beschränken: Die Ravens kamen als Profiteure der von der Salary Cap geschaffenen Parität ziemlich schnell zu ihrem ersten großen Erfolg: dem Super-Bowl-Gewinn im Januar 2001 in Tampa gegen die New York Giants. Die Colts scheinen in den Playoffs selbst dann nicht durchhalten zu können, wenn sie in ihrer geheizten Arena in Downtown Indianapolis spielen dürfen. Manche Leute haben aber das Gefühl, dass Colts-Trainer Tony Dungy das Problem ist. Der blieb schon bei den Tampa Bay Buccaneers mit einer guten Mannschaft in den Playoffs stecken. Sein Nachfolger Jon Gruden holte den Titel. Die Colts sind Außenseiter.

1. August 2006

Die Mutter der Kompanie

Es soll Zuschauer geben, die interessiert an einem Match in der knallharten Sportart American Football nur die Show an der Außenlinie. Für diese voyeuristische Interessentengruppe haben die Kollegen vom Blog Deadspin hin und wieder auch eine Meldung. Heute: Die Ehefrau von einem der fünf Kandidaten für den Job des NFL-Bosses ist eine 39-jährige dreifache Mutter, die bei den Baltimore Ravens noch immer kräftig ihre Beine schwingt - als Cheerleader (Bild rechts). Für einen solchen Job braucht man gewisse Qualitäten. Molly Shattuck sagt, sie hat sie alle. Und nicht nur diese hervorragenden Beziehungen zu einem der einflussreichsten Männer in der National Football League. Ihre Kolleginnen nennen sie “Mamma Molly” and fragen sie häufig um Rat in wichtigen Lebensfragen - hauptsächlich in Liebesdingen, wie die Baltimore Sun herausfand, die gleich eine ganze Bilderserie ins Netz stellte.

Die National Football League, die in den USA alle anderen Mannschaftsportarten wirtschaftlich abhängt, steckt nicht in einer Führungskrise. Mr. Shattuck hat seinen Hut in den Ring geworfen, weil der langjährige Chef - sein offizieller Titel lautet Commissioner - in Pension geht.