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15. September 2009

Der Klingelbeutel: Was Wie wo macht

Wir warten auf den Gretzky-Dokumentarfilm, den ESPN Anfang Oktober ausstrahlen will. Titel: Kings Ransom. Hier eine erste Einschätzung der Arbeit von Filmemacher Peter Berg.

• Die kleine Fernsehreporterin Suzy Kolber ist die unfreiwillige Namensgeberin des Blogs Kissing Suzy Kolber, wozu es eine schlichte Entstehungsgeschichte gibt (ein offensichtlich betrunkener Joe Namath rückte ihr während eines Live-Interviews allzu nahe). Nach ihrem Einsatz nach dem Auftaktsieg (25:24) der New England Patriots gestern gegen die Buffalo Bills, der auf mirakulöse Weise zustande kam, sollte man sich nicht wundern, wenn es bald schon wieder einen Blog gibt, der auf ihre Arbeit anspielt. So etwas wie: Running with Suzy Kolber. Vor laufender Kamera mühte sie sich auf geradezu kuriose Weise ab, Quarterback Tom Brady direkt nach dem Schlusspfiff eine Frage zu stellen. Der wollte nämlich unbedingt in die Kabine joggen. Also musste Kolber mitjoggen. Die Szene zeigt einmal mehr, dass das Konzept, sogenannte Sideline Hotties im Sportfernsehen einzusetzen, ein Schuss in den Ofen ist. Es ist nicht Kolbers Fehler, die als Studiomoderatorin sehr gute Arbeit macht. Es ist die Denke der Fernsehverantwortlichen. Übrigens das inzwischen klassische Namath-Interview fand am Rande eines Patriots-Spiels statt (via The Big Lead).


• Michelle Wie bloggt – und das klingt anders, als der normale Kram, den Sportler von sich geben. Natürlich muss man einrechnen, dass die junge Frau erst 19 Jahre alt ist und ihre Weltsicht von nur wenigen ungebremsten Erfahrungen geprägt ist. Der Blog ist anonym. Aber wer sie auf Twitter verfolgt, konnte Spuren finden, die den Schluss zulassen, dass sie die Autorin ist.

• Selten genug: ein Profisportler mit Sinn für Politik und Geschichte. Cornerback Domonique Foxworth von den Baltimore Ravens hat eine ganze Sammlung von Memorabilia angehäuft, die die Menschenrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner in den sechziger Jahren dokumentiert, die von Figuren wie Martin Luther King und Malcom X angeführt wurde. Den Fund hat die New York Times ausgegraben.

14. September 2008

Kaputte Knie (Teil 2)


Der schwergewichtige Cheftrainer der Universitäts-Football-Equipe von Notre Dame war vor seinem Wechsel in die Division I der Offensive Coordinator der New England Patriots in der NFL. Dort war er unter anderem für die Entwicklung von Quarterback Tom Brady zum besten Spielgestalter der Liga mitverantwortlich. Brady wurde vor einer Woche umgenagelt und wird Monate brauchen, um sich von den Folgen des gerissenen Außenbands im Knie zu erholen. Seine Saison ist zu Ende. Kurios, aber wahr: Eine Woche später widerfährt Weis, bei Amerikas erfolgreichster Football-Uni mangels Erfolg ziemlich unter Schuss, ein ähnliches Schicksal, als er im Match gegen Michigan an der Seitenlinie von einem eigenen Spieler umgerannt wurde. Er litt einen zweifachen Bänderriss im rechten Knie. Vor einer Woche hatte Weis Brady noch nette Genesungsgrüße getextet. Der Coach wird nicht ausfallen, sondern auf Krücken seine Arbeit abwickeln. Warum auch nicht? In dieser Saison läuft es erstmals seit seiner Amtsübernahme einigermaßen in South Bend. Das Video oben ist übrigens nichts für schwache Nerven.

P.S.: Weis gehört mit über 2 Millionen Dollar Jahresgehalt übrigens ebenfalls in die Top Ten der Geldschneider im College-Football. Er stand nur deshalb nicht auf der Liste, weil er für eine private Uni arbeitet. Die im letzten Eintrag erwähnten sind Angestellter von öffentlichen Bildungseinrichtungen.

8. September 2008

NFL: Kaputte Knie

Das erste Wochenende in der NFL hat mal wieder gezeigt, dass in dem Augenblick, in dem es beim Football auf die Beine geht, selbst die besten Bänder und Sehnen nicht mithalten können. Es liegt in der Natur der Sache. Trotz sehr vieler kleinteiliger Bestimmungen darüber, welche Tackles erlaubt sind und welche nicht, und trotz bester Absichten von gut geschulten Verteidigern, ihre Gegner nicht zu verletzen, bekommen vor allem zwei Gelenke bei den Angreifern die ganze Wucht der heranfliegenden Körpermassen ab: die Knie und die Knöchel. Tom Bradys Saison scheint bereits zu Ende, bevor sie wirklich angefangen hat, nachdem die erste Diagnose auf einen Außenbandriß lautete. Da werden die Patriots froh sein, wenn sie die Playoffs erreichen und nicht in der ersten Runde rausfliegen. Vince Young von den Tennessee Titans wird vielleicht nur ein paar Wochen fehlen. Er hat sich eine Bänderdehnung im Knie eingefangen.

Ein Problem, das die Liga bislang noch gar nicht ins Visier genommen hat: die Spieler werden immer schwerer. Was nicht nur die Knochen und Bändern von Gegnern ruiniert, die das enorme Gewicht abbekommen. Auch das Leben der Kolosse ist gefährdet. Die Statistik belegt, dass sie in einem stärkeren Maße als der Durchschnitt der Bevölkerung mit einem frühen Tod flirten, weil sie ihre eigenen Gesundheit aufs Spiel setzen.

Nachtrag: Es kursieren Videos von der Brady-Verletzung bei YouTube, aber die werden sicher alle immer wieder rasch gelöscht. Wegen Copyright und so.

29. Februar 2008

Der Unterhosenträger

Nicht nur Gisele Bündchen ist hinter Tom Brady, dem Quarterback der New England Patriots, her. Calvin Klein will ihn auch haben - für die Unterwäschewerbung. Wahrscheinlich weil die Marketing-Experten diesen Sketch der Comedy-Show Saturday Night Live gesehen haben - eine Parodie auf die Schwarz-Weiß-Lehrfilme der 50er Jahre.
(via si.com)

4. Februar 2008

17 Punkte


Tom Brady wurde in der Woche vor dem Super Bowl zu der Prognose von Giants-Wide-Receiver Plaxico Burress gefragt, der einen Sieg seiner Mannschaft mit 23:17 angekündigt hatte. Der Patriots-Quarterback war mit einer Zuteilung von 17 Punkten nicht ganz einverstanden. Warum auch? Seine Mannschaft hatte in diesem Jahr im Schnitt doppelt so viel zusammengeballert. Am Ende waren es nicht mal 17. Wenn es Brady tröstet: Auch die Giants blieben hinter den Erwartungen von Burress zurück. Die Vince Lombardi Trophy dürfen sie aber trotzdem behalten.

2. Februar 2008

"Amerikaner lieben Zahlen"

Der Fernsehmoderator Chris Matthews, der im Kabel (MSNBC) und sonntags bei NBC arbeitet und zu den bekanntesten Politik-Junkies des Landes gehört, hat irgendwann mal für eine der Sendungen eine auf den ersten Blick recht vielversprechende Rubrik erfunden. Sie heißt Tell Me Something I Don't Know und richtet sich an die Studiogäste, alles fachkundige Politik-Journalisten und Kommentatoren mit ernsten, bedeutungsschwangeren Gesichtern. Leider kommt dabei nie irgendetwas Besonderes heraus. Was nicht nur daran liegt, dass Matthews selbst eine Menge weiß und die Latte dadurch automatisch ziemlich hoch hängt. Die Befragten sind im Prinzip überfordert. Sie sind gar nicht schlauer als er. Und sollten sie wirklich mehr wissen, werden sie ihre Scoops lieber bei ihren Arbeitgebern platzieren.

Ich weiß auch nicht, weshalb mir vor einem Sonntag wie dem morgigen dieser Wunsch dauernd durch den Kopf geht: Tell Me Something I Don't Know. Sicher auch, weil da eine ganze Brigade deutschsprachiger Sportjournalisten ausgeschwärmt ist, um über den Super Bowl zu schreiben, Nach der ausgiebigen Lektüre der vielen Beiträge drängt er sich wohl einfach auf. Denn man bekommt da in so vielen leicht variierten Versionen den immer gleichen Super-Bowl-Artikel serviert. Immer wieder geht es um irgendwelche Stereotype und fehlgeleitete Schlussfolgerungen. Dass 90 Millionen Amerikaner bestenfalls ein Drittel der Bevölkerung sind, wird gar nicht beachtet. 90 Millionen - das reicht noch allemal für Schlagzeilen wie "Und ein Land sitzt vor dem Fernseher". Denn nach den myopischen Massstäben des Schreibers wären 90 Millionen in seiner Welt schließlich bereits ungefähr zwölf Länder. Einleitungen beginnen mit Sätzen wie: "Amerikaner lieben Zahlen". Oder: "Amerika gilt nicht umsonst als Land der Superlative"

Offensichtlich sind sie alle mit der Vorstellung angetreten, dass noch niemand vom Super Bowl gehört oder gelesen hat, noch nie ein Footballspiel gesehen hat und deshalb vor allem über das Drumherum informiert werden muss. Niemanden nervt, dass diese Geschichten seit den neunziger Jahren immer wieder aufgewärmt werden. Das freut die NFL, die ihre ziemlich schlappe Football-Kernveranstaltung, zu der sie in den Anfängen nicht mal das Stadion vollbekam, vor Jahr und Tag von einem Sport- zu einem Medienereignis umgetopft hat.

Der Liga ist es egal, worüber die Leute schreiben - der Super Bowl, die Super Bowl, der Superbowl oder sogar einen angeblichen Streit um den Super Bowl. Solange diese von der Presseabteilung schön ordentlich vorbereiteten Informationen dabei durchsickern, ist man zufrieden. Die alten Klischees stören nicht. Und sicher auch nicht, dass sich die Texte plump um beknackte Sprachbilder bemühen ("...reibt sich die Liga gewaltig die Hände..." "....klopfen sich Wirtschafts-Bosse, TV-Chefs, Hotelbesitzer oder Merchandising-Händler auf die Schulter..."). Wichtig ist dies: Die Behauptung, die Veranstaltung sei "...nicht mehr bloß ein entscheidendes Fußballspiel [sic!], sie ist ein nationales Heiligtum, ein Wirtschaftsfaktor, eine Geldmaschinerie, und jedenfalls ist sie nicht mit anderen Sportevents vergleichbar."

Sicher nicht mit der Fußball-Weltmeisterschaft, der Fußball-Europameisterschaft oder den Olympischen Spielen. Denn die sind bekanntlich viel größer und bedeutender. Aber wen interessiert das schon? Super Bowl ist öfter. Und so gehen wir davon aus, dass die Bartwickelmaschine im nächsten Jahr gleich wieder eingesetzt wird.

Man kann auch ein paar Beiträge finden, die sich etwas genauer mit den handelnden Personen beschäftigen. Aber die geben am Ende auch nicht immer ein klares Bild ab. Besonders reizvoll die Beschäftigung mit jener Szene vor knapp zwei Wochen, als Paparazzi Tom Brady und Gisele Bündchen vor der Wohnung in Greenwich Village in Manhattan abfingen und am Knöchel von Brady eine Manschette entdeckten. Die Situation provozierte die Financial Times gleich zu zwei unterschiedlichen Versionen. Was mysteriös anmutet. Denn weder die eine noch die andere gibt genau das wieder, was man doch eigentlich ganz gut im Video auf der Seite TMZ.com erkennen kann.

Variante Nummer eins: "Den Kapuzenpullover tief ins Gesicht gezogen und einen Blumenstrauß in der Hand, wurde er dort von Paparazzi erspäht, als er in der Nacht bei seiner Freundin, dem brasilianischen Supermodel Gisele Bündchen, klingelte."

Variante Nummer zwei: "Denn Brady wurde humpelnd an der Seite seiner Freundin, Starmodell Gisele Bündchen, fotografiert - mitten in Manhattan."

Aber es sind nicht nur die lästigen Details, die nicht harmonieren wollen. Manchmal klemmt es schon beim großen Pinselstrich. So hat man auch bei Der Westen gedacht, doppelt genäht hält besser, und gleich zwei Artikel zum Thema bereit gestellt. Man muss sich als Leser jedoch entscheiden, welche Kernaussage einem besser gefällt:

"New York würde in diesen Tagen viel dafür geben, um Eli Manning gegen Tom Brady eintauschen zu können..."
"Tom Brady, wer ist Tom Brady?, das sagten sie plötzlich in New York,..."

Tell Me Something I Don't Know: Welche Version stimmt? Ich wohne in New York. Ich würde es wirklich gerne wissen.

21. Januar 2008

Brady's Helm

Wenn man möchte, dass der eigene Kopf so aussieht wie der Helm von Football-Profi Tom Brady, geht man zum Tattoo-Spezialisten. Wenn man möchte, dass der Rest von Verstand innen drin einen davon abhält, schaut man sich dieses Video an.

18. Januar 2008

Lebenslust à la Quarterback: Kein Sex vor der Ehe


Wenn man sich nur einen kurzen Augenblick umdreht und sein Augenmerk auf die anderen Clubs richtet, die an diesem Wochenende die beiden Conference Finals in der NFL bestreiten, reibt sich man die Augen. Die Packers mögen ja die merkwürdigsten Fans haben und die Patriots den seltsamsten Trainer, aber die Chargers erhalten den Preis für abgedrehte Spieler. Quarterback Philip Rivers führt die Tabelle an: Mit diesem Video (via Deadspin) zum Thema Enthaltsamkeit vor der Ehe ("eine verloren gegangene Kunst"). Auf Platz zwei liegt LaDainian Tomlinson, der sich auf seiner Webseite als bester Spieler in der NFL feiern lässt. Selbstherrlich, möchte man sagen.

Besonders reizvoll stellen wir uns ein Gespräch zwischen Rivers und Brady am Sonntag über die Beziehung zwischen dem Patriots-Quarterback und Super-Model Giselle Bündchen im besonderen vor sowie über uneheliche Vaterschaft im allgemeinen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Brady eine ziemlich deutliche Antwort parat hätte. Vor allem mit dem Ball in der Hand gegen Ende der Partie. Die ARD hat das Spiel Sonntagnacht (ab 0:15 Uhr) nur in der Schlussphase auf dem Sender und wird wohl eine Zusammenfassung anbieten. Live komplett läuft nur Green Bay Packers gegen New York Giants.

P.S.: In der gedruckten FAZ morgen eine Geschichte über Tomlinson. Er hat es verdient. Trotz seiner Eigenlobhudelei.

3. Januar 2008

Tom, bist du's?

Dieser Mann sah damals nicht aus wie der Quarterback der Zukunft. Und wie ein Spieler, der eines Tages die Erinnerung an Figuren wie Joe Montana (vier Super Bowl-Erfolge) verblassen lassen wird, schon gar nicht. Aber den Eindruck müssen viele NFL-Clubs gehabt haben. Denn Tom Brady wurde erst als 199. gedraftet. Den hätte jeder haben können, und zwar ein paar Mal, ehe ihn die New England Patriots im Jahr 2000 unter Vertrag nahmen. Das Bild entstand in jenem Jahr bei der sogenannten Scouting Combine, wo junge NFL-Aspiranten auf ihre athletischen Fähigkeiten durchleuchtet werden und gegen die Uhr sprinten. Heute sieht er nicht nur etwas besser aus. Er hat auch den Erfolg, den ihm niemand zugetraut hat. Und wir reden nicht von dem Techtelmechtel mit Giselle Bündchen. Denn die kann ihm immer jemand wieder weg nehmen. Die drei Super-Bowl-Erfolge allerdings nicht. Und die Saison-Bestleistungen, die er in diesem Jahr aufgestellt hat, auch nicht (via towleroad und The Big Lead).

2. Oktober 2007

Der Klingelbeutel: Wer sieht schon gerne seine Ex im Kino?

Nachdem die acht Kandidaten ausgesiebt sind, wird Baseball in den nächsten Wochen in den USA Partygesprächsstoff sein. Das verursacht vor allem jenen Leuten Probleme, die die monatelange dahinplätschernde Saison nicht verfolgt haben und sich jetzt überhaupt keine Ahnung haben, worin der Kitzel der Neuauflage 2007 dieses Herbstklassikers besteht. Zum Glück gibt es Autoren, die so etwas kommen sehen. Und die setzen sich dann hin und schreiben kleine Spickzettel wie diesen: "How to fake your way through the 2007 postseason". Man sollte die Links benutzen. Dahinter verbergen sich reizvolle kleine Dinge wie in einem Adventskalender. Übrigens: Major League Baseball hat erneut einen Zuschauerrekord für die reguläre Saison aufgestellt. Fast 80 Millionen Besucher haben die Spiele gesehen. Wenn man bedenkt, wie schwach der Zuspruch in Washington und Florida ist, wirkt der Zuwachs noch verblüffender. Genauso beachtlich wie der Schnitt der New York Yankees von 52.729 pro Heimspiel - eine neue Bestmarke in der American League.

Quarterback Tom Brady hat Macht mit dem Exponenten n. Zumindest im Mannschaftsflugzeug. Dort ließ er auf dem Trip zum Spiel gegen die Cinicinnati Bengals einen Film vom Fernsehschirm verbannen (The Recruit, 2003), weil seine Ex-Freundin Bridget Moynahan in dem Streifen eine Rolle neben Al Pacino spielt. Die Dame kam soeben mit dem Sohn der beiden nieder (Foto). Brady mag es wohl nicht, wenn ihn seine Vergangenheit einholt. Es reicht ja schon, dass ihm ständig irgendwelche Fotografen auf den Socken stehen, wenn er mit Giselle Bündchen spazieren geht.

Der nächste Open-Wheeler sucht sein Heil in der NASCAR-Serie um den Nextel-Cup (ab nächstem Jahr heißt er Sprint-Cup). Nach Juan Pablo Montoya nun Jacques Villeneuve. Der erste Auftritt vor großem Publikum des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters findet am kommenden Sonntag in Talladega statt. Ein paar Leute sind nölig. Villeneuve eher vorsichtig. Der übliche Tanz um die entscheidenden Fragen - warum vollzieht einer den Wechsel und hat er's drauf? - kann man hier nachlesen. Villeneuves Wagen? Ein Toyota. Die Musik aus dessen Auspuff wird anders klingen als die, der Kanadier in diesem Jahr auf einer CD veröffentlicht hat.

9. August 2007

Wasserkocher ohne Geschmack

Ich würde für keine fünf Cents Leuten in New York glauben, dass sie wissen, ob jemand gut gekleidet ist oder nicht. Nicht mal denen, die in den angesehensten Mode- und Style-Magazinen der Stadt die Entscheidungen darüber treffen, wer bei welchem photo shoot wie angezogen wird und anschließend wochenlang überall im Land am Kiosk hängt. Die Medienmacher von Manhattan kochen wirklich nur mit Wasser, während Menschen mit Geschmack in Mailand und Paris herausfiltern, was attraktiv ist und was nicht. Aber diese Umstände halten die Redaktionen von Blättern wie Vanity Fair oder Esquire nicht davon ab, sich trotzdem mit ihrem Urteil über die sogenannten bestangezogenen Prominenten zu Wort zu melden. Solche Meinungsäußerungen produzieren Vorankündigungspresse. Und das ist alles, was wirklich zählt. Nicht Kompetenz. Den Rest darf der geflissentliche Leser selbst erledigen. Zum Beispiel die Frage beantworten: Wieso ist in diesem Monat Tom Brady, der Quarterback der New England Patriots, bei Esquire der "best dressed man"? Und Weshalb schaffte er es bei Vanity Fair zusammen mit seiner Freundin Giselle Bündchen nicht mal auf die Liste der "best dressed couples"? Weil Giselle, das Supermodel, nicht weiß, wie man sich am besten anzieht? Oder weil ihre Bemühungen im Vergleich zu denen von David Beckham und seiner Frau Victoria (sind auf der Liste) einfach abfällt?

Anmerkung eins: Das Foto zeigt Brady auf dem Cover der Esquire-Konkurrenz GQ vor zwei Jahren (im Heft gab es damals eine lange Bildstrecke). Das Magazin scheint damals gut verkauft zu haben. Sonst wäre man ganz bestimmt nicht zwölf Straßen weiter auf die Idee gekommen, genau 24 Monate später zur Beginn der neuen NFL-Saison den Football-Profi modemäßig hochzuhypen.

Anmerkung zwei: Es heißt tatsächlich photo shoot und NICHT shooting, wie das seit einer Weile im deutschen Sprachraum so gerne genannt wird. Der Unterschied ist übrigens gravierend. Unter shooting versteht man in den USA etwas völlig anderes: ein Feuergefecht, bei dem Kugeln durch die Luft fliegen. Aber in Deutschland hat man gerne sein eigenes Englisch. Es klingt so kompetent, auch wenn es falsch ist.

22. Februar 2007

Aufgewogen in Gold und ein Top-Model fürs Bett

Egal wie sarkastisch man als Zuschauer des amerikanischen Sportbetriebs auch werden mag, an manchen Tagen ist man hin- und hergerissen von der Fähigkeit der Medienmaschinerie, die Protagonisten zu idolisieren und, je nach Anlass und moralischem Kompass, auf Fingerhutgröße zusammenzustauchen. Das bedeutet im Einzelfall fast immer overkill. Aber es gibt einem auch die Gelegenheit, über die kuriose Projektionsfläche "Profisportler" nachzudenken. Das waren früher mal Figuren wie wir, Leute, die sich hochgearbeitet hatten und es geschafft hatten (und dafür mit ein paar Extra-Dollars belohnt wurden). Sie sind heute nichts anderes als hochbezahlte Gladiatoren, die gar nicht mehr erwarten, dass ihnen diese althergebrachte sentimentale Loyalität entgegengebracht wird, weil sie für unsere Stadt, unsere Region, unser Land spielen. Sie wollen in Gold aufgewogen werden. Und, wenn's geht, ein Top-Model fürs Bett.

Das klingt nach wenig. Ist es auch. Wenn auch nicht für Tom Brady, der Quarterback des dreifachen Super-Bowl-Gewinners New England Patriots, der sich gerade in Europa mit Giselle Bündchen aufhält (sie muss als Mannequin arbeiten, er hat frei). Der Mann hat geschafft, wovon andere nur träumen (und weil sie es tun, auf der Suche nach Nacktfotos die Suchmaschinen der Online-Welt unsicher machen). Wie wenig sein Erfolg in der Frauenabteilung aber in den Augen der Öffentlichkeit zählt, sieht man daran, dass in den meisten Berichten noch von einer anderen Frau die Rede ist. Sie heißt Bridget Moynahan, ist eine kaum bekannte Schauspielerin, war lange Zeit seine Freundin und hat soeben bekanntgegeben, dass sie schwanger ist. Der Vater? Tom Brady.

Die Geschichte könnte damit auch schon zu Ende sein, denn Brady und Moynahan hatten sich vor Weihnachten getrennt. Aber irgendetwas vor allem unter den Fans und den Zeitungen am Patriots-Stammsitz Boston - katholisch, irisch, traditionsbewusst - regt sich, seit die Schwangerschaftsgeschichte hochkam. Ist Brady nicht auch katholisch? Kommen da nicht automatisch gewisse Verhaltensmechanismen zum Tragen, angelernt in hundertfacher Beichte, Absolution, Kommunion, die besagen: Man lässt nicht einfach die Mutter seines Kindes sitzen? Keiner weiß es, denn der Quarterback mit den eiskalten Nerven, hundertfach erprobt in den kitzligsten Situationen in den Stadien der National Football League, lässt sich nicht gerne in solch altväterlichen ethisch-moralischen Fragen in die Enge drängen. Wenn man soviel Geld verdient, kann man das. Man muss nur irgendwann ganz viel Unterhalt bezahlen. Und den bohrenden Reportern klar und deutlich erklären, dass es sich bei dieser Angelegenheit um eine Privatsache handelt.

Und man muss die Verfolgungsjagd der Paparazzi ertragen sowie den Spott einer Firma wie Condom Man, die angekündigt hat, Brady 2000 Verhüterli zu schicken (mit einer Anleitung, wie sie korrekt eingesetzt werden). "Hoffentlich wird ihn das vor weiteren Überraschungen in der Zukunft bewahren."

1. Februar 2007

Das Geheimnis eines Mannes

Heute war ein bedeutendes Ereignis in der deutschen Fernsehgeschichte: Zwei bei Kallwass lief. Die 1000. Ausgabe. Bei Sat1. Thema: "Das Geheimnis eines Mannes". Es gibt Leute, die den Namen der Hauptfigur falsch schreiben und die dann hier landen. Das sind die Zuschauer dieser Sendung. Die wollen es nicht so ganz genau wissen. Nur so ungefähr. Weil dass in Zukunft sicher noch häufiger passieren wird, wurde dieser Post geschrieben. Und von wegen Geheimnis eines Mannes. Geheimnisse haben wir hier keine. Wir heißen ja nicht Tom Brady von den New England Patriots, der vor ein paar Tagen morgens aus Giselle Bündchens New Yorker Apartment kam und erleben musste, dass da gleich jede Menge Fotografen und Amateurvideofilmer auf ihn warteten. Womit diese kleine süffisante Nachricht nun auch noch nachgereicht wurde. Brady war echt sauer und hat sich die Kapuze über den Kopf gezogen. Als ob das was nützt. Fragen Sie Frau Kallwass, die kann Ihnen das ganz genau erklären.