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17. September 2009

Braucht man jeden Brauch?

Endlich hinterfragt mal jemand den Unsinn namens "Cheerleading". Der Grund: Immer mehr Mädchen landen krachend auf dem Boden und mit üblen Verletzungen im Krankenhaus. Die Entwicklung ist aus unterschiedlichen Gründen grotesk. Denn der amerikanischen Öffentlichkeit wird das Geturne als eigenständige Sportart verkauft, was bei vielen Gruppen zum Einbau immer riskanterer Zirkuseinlagen geführt hat. Angesichts der Entwicklung gibt es Universitäten, an denen die Aufsicht ihren Studentinnen die gefährlichsten Figuren untersagt. Schätzungen besagen, dass allein an den High Schools rund 400.000 Mädchen Gefallen am gemeinschaftlichen Schenkelschwingen und Herumbrüllen im Chor finden. Die Aufnahme in die Squads ist für viele so etwas wie ein Ritterschlag. Wer draußen bleiben muss, fühlt sich wie ein Pariah. Und alles nur, weil die misogyne Tradition des Schul- und Collegesports zur Pflege des Images ein paar lächelnde Figuren am Spielfeldrand braucht, die versuchen, während der Matches Stimmung zu machen. Übrigens: die ersten Cheerleader waren junge Männer. Die Verweiblichung des alten Brauchs begann in den zwanziger Jahren.

P.S.: Es gibt sogar Cheerleader, die Bücher lesen. Und Journalisten, die daraus ganze Beiträge stricken.

Blick zurück: Die Mutter der Kompanie – der älteste Cheerleader in der NFL (inzwischen nicht mehr aktiv)

1. August 2006

Die Mutter der Kompanie

Es soll Zuschauer geben, die interessiert an einem Match in der knallharten Sportart American Football nur die Show an der Außenlinie. Für diese voyeuristische Interessentengruppe haben die Kollegen vom Blog Deadspin hin und wieder auch eine Meldung. Heute: Die Ehefrau von einem der fünf Kandidaten für den Job des NFL-Bosses ist eine 39-jährige dreifache Mutter, die bei den Baltimore Ravens noch immer kräftig ihre Beine schwingt - als Cheerleader (Bild rechts). Für einen solchen Job braucht man gewisse Qualitäten. Molly Shattuck sagt, sie hat sie alle. Und nicht nur diese hervorragenden Beziehungen zu einem der einflussreichsten Männer in der National Football League. Ihre Kolleginnen nennen sie “Mamma Molly” and fragen sie häufig um Rat in wichtigen Lebensfragen - hauptsächlich in Liebesdingen, wie die Baltimore Sun herausfand, die gleich eine ganze Bilderserie ins Netz stellte.

Die National Football League, die in den USA alle anderen Mannschaftsportarten wirtschaftlich abhängt, steckt nicht in einer Führungskrise. Mr. Shattuck hat seinen Hut in den Ring geworfen, weil der langjährige Chef - sein offizieller Titel lautet Commissioner - in Pension geht.