Es kommt selten genug vor, dass man in den USA etwas halbwegs Kluges über den deutschen Fußball lesen kann. Weshalb dieser Artikel heute in der New York Times schon allein deshalb bemerkenswert ist, weil man dem Thema so viel Raum gegeben hat. Er ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Autor keine übliche Bausch- und Bogen-Analyse abliefert, sondern sich um eine nuancierte Betrachtung der Frage kümmert, weshalb die Bundesliga nur auf Platz vier in Europa steht und mit Bayern München nur einen einzigen deutsche Club von internationaler Bedeutung produziert hat. Am Ende stellt sich aber heraus, dass Nicholas Kulish offensichtlich auch nur so weit schauen kann wie Karl-Heinz Rummenigge (das ist nicht sehr weit) und dessen Argumente unwidersprochen akzeptiert. Die da sind: Weil die deutschen Ligaverantwortlichen ausländische Großinvestoren verhindern und das Fernsehgeld zu gleichen Teilen unter den Clubs aufsplitten, werden "wir nie das Niveau erreichen, auf dem wir mal waren".
Man könnte dieses Argument aus jeder Richtung auseinanderfieseln, und zwar im Dunkeln und im Hellen. Aber leider wird das vom Times-Mann gar nicht erst versucht. Dabei könnte er anführen:
• das Beispiel der National Football League, das so konsequent wie niemand anderer das Fernsehgeld und einen Teil der Stadieneinnahmen brüderlich teilt und damit das Fundament für die wirtschaftlich erfolgreichste Sportorganisation der Welt geschaffen hat.
Er könnte entlarven:
• die Absurdität der Behauptung, dass die deutschen Clubs mal so wahnsinnig viel besser in Europa dastanden. Es war allenfalls eine Mannschaft, die nach dem Abbröckeln von Borussia Mönchengladbach und HSV in Europa etwas ausrichten konnte. Und das war der FC Bayern München. Und das lag daran, dass sie ihre Ressourcen - unter anderem ein riesiges vom Steuerzahler finanziertes Stadion - geschickt genug in sportliche Erfolge umgesetzt haben. Die Bundesliga hat sie darin nie zurückgehalten. Und tut es auch heute nicht. Woher kam denn wohl das Geld für den Masseneinkauf in diesem Jahr? Von einem Banküberfall?
Er könnte einwerfen, dass
• in anderen Ländern Clubs Millionenverluste erwirtschaftet haben, die weder durch Fernseheinnahmen noch durch Spielerverkäufe noch durch Fanartikel wieder eingespielt werden können. Und dass allein die Abhängigkeit von Unternehmern wie Leo Kirch schon zur Vorsicht mahnt. Es sei denn man verfolgt die Strategie: Nach mir die Sintflut.
Immerhin ist dem Autor aufgefallen, dass Geld alleine - ähnlich wie bei New York Yankees - keine Garantie für Erfolg ist. Das 0:0 "warf die Frage auf, ob bei all den Anstrengungen und dem investierten Geld, die Meisterschaft gewinnt". Warum stand das nicht am Anfang der Geschichte, sondern am Ende?