Drüben bei allsaussersport lief in dieser Woche in den Kommentaren ein Gedankenaustausch über den Sinn von solchen amerikanischen Erfindungen wie Draft, Salary Cap, Luxussteuer und Kadergrenzen, die alle dazu dienen, zwischen den Clubs in den einzelnen Ligen so etwas wie Chancengleichheit herzustellen. Der Auslöser dort waren die extremen Marktverzerrungen, die sich quer über den europäischen Kontinent im Rahmen der Champions League abspielen. Mal abgesehen davon, dass es schweriger ist, die Repräsentanten aus unterschiedlichen Ländern mit dem ihnen eigenen gewissen patriotischen Bedürfnissen unter einen Hut zu bekommen als in den USA, wo man quasi intern die Weichen stellen kann (die Kanadier in der NBA, der NHL und Major League Baseball haben nicht mal so etwas wie ein Vetorecht): Eine Neuorientierung tut not. Wenn schon der schwerreiche Silvio Berlusconi stöhnt und wenn man sieht, auf welchen Luftschlössern die Clubs in der Premier League herumturnen und wenn man darüber hinaus erkennt, dass nur eine kleine Gruppe von Mannschaften überhaupt ganz oben mitmischen, dann weiß man: Das geht nicht mehr so weiter.
Im Grunde steht der europäische Clubfußball an einer Schwelle wie der deutsche Vereinsfußball Ende der fünfziger Jahre, als man wie gewohnt den Meister in einem hübschen, kleinen Turnier ausspielte, zu dem die Tabellenersten der damals Oberliga genannten höchsten Spielklassen Zutritt hatten. Die logische Entwicklung heraus aus dieser überkommenen Vorstellung von einem regionalisierten und föderalen Profisport (damals noch schlecht bezahlt) war die Bundesliga, die mit 16 Vereinen an den Start ging und zunächst den Modus der Aufstiegsrunde beibehielt, der dem alten Meisterschaftsturnier ähnelte.
Die neue Liga hatte ihre Kinderkrankheiten (die sich in dem ersten großen Bestechungsskandal manifestierte, der mit Namen wie Bernd Patzke und dem Hertha BSC verbunden ist). Aber sie brachte auch einen Schub. Man könnte so weit gehen und sagen: Die Nationalmannschaften von 1966 (die sich mühevoll qualifizierte, aber dann in England einen erstklassigen Ball spielte) über 1970 (ich sage nur "Spiel des Jahrhunderts") bis 1974 (Weltmeister) waren das Nebenresultat dieser neuen Eliteliga. Man denke nur an die Zeit, als der damalige Bundestrainer Helmut Schön aus zwei Spielerblöcken mit Leuten von Bayern München und Borussia Mönchengladbach das Grundgerüst formte. Das war schlicht und formschön zugleich.
Wenn sich heute jemand über die Zukunft des Elitefußballs in Europa Gedanken machen will, dann sollte er den gegenwärtigen Modus vergessen und ein neues Stockwerk obendrauf setzen. Was fehlt ist eine Europa-Liga mit etwa 20 oder 22 Clubs, die sich ständig auf diesem Niveau messen und sich am Ende auch das Geld reinschieben, das auf dieser Plattform zu verdienen ist. Eine solche Liga kann Vereinbarungen treffen, die den amerikanischen Modellen ähneln (manches geht nicht, weil zum Beispiel das Arbeitsrecht dagegen steht) und die davongaloppierenden Gehaltskosten eindeckeln. Aber sie kann noch etwas anderes tun: Einer Liga wie der Bundesliga diese auf Bayern München fixierte Dauerkonstellation nehmen, die der sportlichen Qualität nichts bringt. München würde in der Europaliga spielen (bis sie absteigen), wo auch noch Platz sein sollte für einen zweiten deutschen Club. Und der Rest würde sich in einem wirtschaftlichen adäquaten Rahmen um die Aufstiegsmöglichkeiten bemühen. Am liebsten in einem Turnierformat, das dem jetzigen Champions-League-Wettbewerb ähnelt und sich über eine ganze Saison hinzieht. Das böte den Aufstrebern einen beachtlichen finanziellen Anreiz und ein illlustres Gegengewicht zum Liga-Alltag ganz oben.
Wer die Idee einer Europa-Liga mag, darf gerne in den Kommentaren seine Clubliste posten. Wer etwas einwenden möchte, darf sich ebenso ausführlich zu Wort melden. Ich denke, diese Diskussion ist überfällig.
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21. August 2009
14. September 2008
Klinsmann wollte Donovan für Bayern
Seit Juni durfte man gespannt sein, wann und wo das Thema hochköchelt. Denn da erzählte Landon Donovan im Interview auf dem Trainingsgelände von Los Angeles Galaxy ganz freimütig, dass er mit einem Wechsel nach Europa liebäugelt. Derselbe Landon Donovan, der noch vor einer Weile aus Leverkusen abgehauen war und dabei so tat, als brauche er das nicht: den Bundesliga-Alltag, sich beweisen müssen und die Einsätze in der zweiten Mannschaft. Was an unserem Gespräch vor allem verblüffte, war sein formidables Deutsch (einen Soundbite findet man in diesem Beitrag für den Deutschlandfunk) nach so langer Abwesenheit.
Wir haben uns nur über den Alltag bei Galaxy unterhalten und nicht über seine Karrierepläne. Ich bin sicher, er hätte sich auch nicht so einfach in die Karten schauen lassen. Obwohl seine Situation ziemlich klar auf der Hand liegt: Er verdient weit weniger als sein Mannschaftskollege David Beckham und die anderen Ausländer, die ihm Rahmen der Ausnahmeregelung in die Liga geholt haben. Auf der anderen Seite, ist der Spielgestalter deutlich der beste Amerikaner in Major League Soccer und ein wichtiger Faktor in der Nationalmannschaft und damit auch sehr viel mehr Geld wert, als die 900.000 Dollar, die er im Moment ausgeschüttet bekommt.
Jürgen Klinsmann, dem man zutrauen darf, dass er das Potenzial von Donovan aus dem Blickwinkel seiner Zeit in Kalifornien beurteilen kann, wollte ihn nach München holen, wie die Washington Post als erste berichtet hat. Der Deal scheiterte an den Vorbehalten im Bayern-Vorstand, heißt es. Donovan gilt aufgrund seines Abgangs aus Leverkusen von einst als nicht attraktiv genug. Ihn leihweise nach Deutschland zurückzuholen, kam für die Verantwortlichen von Major League Soccer nicht in Frage, wo man jeden Spielertransfer abnickt. Die Liga hätte schon gerne eine fette Ablösesumme, wenn sie das Aushängeschild ziehen lässt.
Kommerziell kommt MLS inzwischen einigermaßen vom Fleck. Die Betreiber von neuen Expansion Teams müssen 40 Millionen Dollar in die Gemeinschaftskasse einzahlen. Das eigentliche Problem ist die Zwickmühle, dier sich daraus ergibt, dass gute Jungstars wie Josy Alitdore und Michael Bradley (jetzt in Mönchengladbach) ständig abwandern, weil sie zuhause nicht viel dazulernen können und man dafür Alt-Stars von Rang und Namen einkaufen muss, die einen fremden Pass haben. Hier ein Stimmungsbericht.
Blick zurück: Das Stühlerücken neulich bei Galaxy
Wir haben uns nur über den Alltag bei Galaxy unterhalten und nicht über seine Karrierepläne. Ich bin sicher, er hätte sich auch nicht so einfach in die Karten schauen lassen. Obwohl seine Situation ziemlich klar auf der Hand liegt: Er verdient weit weniger als sein Mannschaftskollege David Beckham und die anderen Ausländer, die ihm Rahmen der Ausnahmeregelung in die Liga geholt haben. Auf der anderen Seite, ist der Spielgestalter deutlich der beste Amerikaner in Major League Soccer und ein wichtiger Faktor in der Nationalmannschaft und damit auch sehr viel mehr Geld wert, als die 900.000 Dollar, die er im Moment ausgeschüttet bekommt.
Jürgen Klinsmann, dem man zutrauen darf, dass er das Potenzial von Donovan aus dem Blickwinkel seiner Zeit in Kalifornien beurteilen kann, wollte ihn nach München holen, wie die Washington Post als erste berichtet hat. Der Deal scheiterte an den Vorbehalten im Bayern-Vorstand, heißt es. Donovan gilt aufgrund seines Abgangs aus Leverkusen von einst als nicht attraktiv genug. Ihn leihweise nach Deutschland zurückzuholen, kam für die Verantwortlichen von Major League Soccer nicht in Frage, wo man jeden Spielertransfer abnickt. Die Liga hätte schon gerne eine fette Ablösesumme, wenn sie das Aushängeschild ziehen lässt.
Kommerziell kommt MLS inzwischen einigermaßen vom Fleck. Die Betreiber von neuen Expansion Teams müssen 40 Millionen Dollar in die Gemeinschaftskasse einzahlen. Das eigentliche Problem ist die Zwickmühle, dier sich daraus ergibt, dass gute Jungstars wie Josy Alitdore und Michael Bradley (jetzt in Mönchengladbach) ständig abwandern, weil sie zuhause nicht viel dazulernen können und man dafür Alt-Stars von Rang und Namen einkaufen muss, die einen fremden Pass haben. Hier ein Stimmungsbericht.
Blick zurück: Das Stühlerücken neulich bei Galaxy
15. August 2008
Basketball-Live-Blog und Wissenswertes über Hoffenheim
Das Projekt für Samstag, diesmal mit Vorankündigung: Live-Blog zum Basketball-Match zwischen den USA und Spanien aus Peking. Das Spiel beginnt gegen 16 Uhr MEZ und liegt damit quer zur Fußball-Bundesliga. Aber da die niemand in den USA im Fernsehen überträgt, entsteht an dieser Stelle überhaupt kein zeitlicher Konflikt.
A propos Bundesliga: Das ehrenwerte Radiomagazin Market Place, das sich mit Wirtschaftsthemen beschäftigt und von Public-Radio-Stationen landesweit ausgestrahlt wird, hat heute seinen Millionen von Zuhörern das Thema TSG Hoffenheim und Hopp in einem mehrminütigen Beitrag serviert. Wer möchte, kann ihn hier anhören.
Vorsicht: Der Beitrag ist voller alberner Übertreibungen wie "the world's top soccer league - the Bundesliga", "Hoffenheim shocked the nation, when it scored its way into the big league, the Bundesliga". Das sind die Stilmittel, mit denen man Zuhörer bei der Stange halten will, die weder etwas von Fußball verstehen noch vom europäischen Konzept mit Aufstieg und Abstieg. Also greift man zum Holzhammer und behauptet: Der Rest von Fußball-Deutschland hasst Hoffenheim, weil da ein Investor mit viel Geld eine Mannschaft nach oben gepusht hat. Das klingt so, als würden Fans von alteingesessenen Bundesliga-Clubs normalerweise die anderen alteingesessenen Mannschaften respektieren.
Leider wird dieser Mythos nicht vom deutschen Fußball-Experten zurückgewiesen, sondern noch verstärkt. Im Eintopf aus Vereinfachungen schwimmt diese kleine Fleischeinlage von Mathias Klappenbach vom Tagesspiegel (O-Ton auf Englisch) "In Germany, when you have money, people don't like you. If you have success people don't like you. So the fans of the other clubs they hate Hoffenheim."
So simpel? Und abgesehen davon: Stimmt das überhaupt?
A propos Bundesliga: Das ehrenwerte Radiomagazin Market Place, das sich mit Wirtschaftsthemen beschäftigt und von Public-Radio-Stationen landesweit ausgestrahlt wird, hat heute seinen Millionen von Zuhörern das Thema TSG Hoffenheim und Hopp in einem mehrminütigen Beitrag serviert. Wer möchte, kann ihn hier anhören.
Vorsicht: Der Beitrag ist voller alberner Übertreibungen wie "the world's top soccer league - the Bundesliga", "Hoffenheim shocked the nation, when it scored its way into the big league, the Bundesliga". Das sind die Stilmittel, mit denen man Zuhörer bei der Stange halten will, die weder etwas von Fußball verstehen noch vom europäischen Konzept mit Aufstieg und Abstieg. Also greift man zum Holzhammer und behauptet: Der Rest von Fußball-Deutschland hasst Hoffenheim, weil da ein Investor mit viel Geld eine Mannschaft nach oben gepusht hat. Das klingt so, als würden Fans von alteingesessenen Bundesliga-Clubs normalerweise die anderen alteingesessenen Mannschaften respektieren.
Leider wird dieser Mythos nicht vom deutschen Fußball-Experten zurückgewiesen, sondern noch verstärkt. Im Eintopf aus Vereinfachungen schwimmt diese kleine Fleischeinlage von Mathias Klappenbach vom Tagesspiegel (O-Ton auf Englisch) "In Germany, when you have money, people don't like you. If you have success people don't like you. So the fans of the other clubs they hate Hoffenheim."
So simpel? Und abgesehen davon: Stimmt das überhaupt?
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28. Juli 2008
"Der Wahrheit ins Auge"
Wir leiden mit. Und zwar mit niemand anderem als Karl-Heinz Rummenigge (der für solche Darbietungen wie in diesem Video verantwortlich ist). Wie sagte er doch neulich so richtig? "Der Tag ist gekommen, wo wir der Wahrheit ins Auge sehen müssen." Wir leiden unter anderem, weil er tatsächlich sagte, "der Tag..., wo..." (wir nehmen mal an, weil er die herrschenden Knebelungen der Grammatik nicht mag.). Und weil er sagte, dass diese Wahrheit auch noch weh täte. Und dann ließ er das so stehen und überließ dem werten Fußballvolk, diese Erkenntnis richtig einzuordnen. Was er wohl meinte, aber nicht so klar sagte: Dass das Kartellamt den Fußball-Clubs das Geldverdienen erschwert.
Es war hübsch zu sehen, dass da seit Neuestem ein Mann auf der Trainerbank beim FC Bayern München sitzt, der sich auf eine solche billige Weise nicht die Motivationsaufgabe kaputt reden lassen will ("Ich akzeptiere das Argument der finanziellen Diskrepanz zu den Großen nicht. Die Top-15-Vereine in Europa sind alle mit lauter Nationalspielern bestückt. Und letztlich ist die Atmosphäre, ist die Arbeitsphilosophie wichtiger als ein Hundert-Millionen-Transfer"). Aber das Problem sitzt tiefer: Solange ein Mann wie Karl-Heinz Rummenigge über die Grundsätze der Finanzierung von Club-Fußball in Deutschland mitreden darf, wird es keine Fortschritte geben. Nicht im Vergleich mit jenen – wenigen – Ländern, hinter denen man leistungsmäßig und finanziell hinterherhinkt. Und nicht in jenem Bereich, der ganz konkret seit langem per Gesetz geklärt werden muss: der kartellrechtliche Sonderfall von kommerziell betriebenen Sportligen.
Die einzige Wahrheit, die sich übrigens im Zusammenhang mit diesem Thema aufdrängt: Leute wie Rummenigge tun immer so, als könnten sie sich trotz so vieler ungeklärter Präzedenzfälle durchwurschteln und dabei hinreichend schlau den eigenen Nutzen mehren. Ans große Ganze denken sie nicht. Und weil sie dazu ganz offensichtlich nicht in der Lage sind, entstehen keine verbindlichen, sinnvollen, neuen Rahmenbedingungen. Stattdessen kommt es zu fehlgesteuerten Mikroeingriffen von Institutionen wie dem Kartellamt, das eigentlich nach Lage der geltenden Gesetze nur eines tun dürfte: die Bundesliga als einen wettbewerbswidrigen Geschäftszusammenschluss auseinanderschlagen. Weil sich darüber aber jeder Fußball-Fan aufregen würde, tut man so, als gäbe es rechtlich vertretbare Alternativen. So kam es – ohne Sinn und Verstand – zu einem absurden Eingriff in die Vertragsfreiheit des Kartells und der Auswertung jener wirtschaftlich ertragreichen Rechte, die es meistbietend verhökern möchte.
Die Absurdität dieser Anmaßung wird noch größer, wenn man sich ausmalt, dass dieser Präzendenzfall bedeutet, dass eine Behörde darüber entscheidet, wer wann was im Fernsehen sehen kann. Das kann doch nicht wahr sein, oder? Eine Behörde macht das Fernsehprogramm in Deutschland?
Ich sagte: Eigentlich müsste das Kartellamt die Bundesliga auseinanderschlagen. Oder wenn es das vermeiden will, muss es sich an den Bundestag wenden und erklären: Hallo, Parlament, ihr seid am Zug. Wir halten den eingebauten Grundkonflikt – eine Liga braucht den kartellartigen Zusammenschluss um überhaupt funktionieren zu können, aber gleichzeitig wird hier der Markt außer Kraft gesetzt – nicht für lösbar. Warum auch nicht? Nur der Gesetzgeber kann allumfassend das löchrige und den neuen Entwicklungen hinterherhinkende Wirtschaftsrecht modernisieren, um uns für die Zukunft klare Richtlinien zu geben.
Gesetzliche Rahmenbedingungen werden auch deshalb gebraucht, weil sich der nicht geregelte neue Wirtschaftszweig "Mannschaftssport" andernfalls seine eigene Ethik und seine eigenen Prinzipien schafft. Etwas, was wir bereits beim IOC (mit seinem Herz für ein Kuddelmuddel an Einzelsportarten) sehen. Die alten Grundwerte der Olympischen Spiele sind da längst den Bach runter. Stattdessen entscheidet seit Jahren nur ein Mechanismus über den Betrieb: das Geld, das ein ganz bestimmter amerikanischer Fernsehsender für das Spektakel bezahlt. Wer sich für Ethik oder den Rest der Idee interessiert, die dereinst die Spiele möglich machte, muss auf Spurensuche ins Museum in Lausanne gehen.
Eine Beschäftigung des Bundestages mit einem konstruktiven, neuen – nennen wir es mal der Einfachheit halber Sportrecht – könnte viele anhängenden Fragen auf einmal anpacken und klären. Das betrifft nicht nur das Thema Kartell. Sondern auch die Frage, ab wann ist Doping als Betrug und damit als kriminell zu betrachten? Was ist mit der Rolle des Staates in der Sportförderung, Stichwort Bundeswehr? Weshalb geben wir für den privaten, kommerziellen Erfolg einzelner Athleten Steuergelder aus? Was davon zahlen die von ihren Werbeverträgen und ihren Leistungsprämien an den Bundeshaushalt zurück? Welche Rechte haben Zuschauer im Stadien, wenn sie für den eigenen Bedarf fotografieren oder Videos aufnehmen wollen? Und wie weit können Landesverbände gehen, die den unterklassigen Sport organisieren, wenn sie, obwohl gemeinnützig ausgerichtet und steuerlich befreit, anderen Leuten das Recht auf Berichterstattung streitig machen? Was ist mit dem Arbeitsrecht? Das Bosman-Urteil kann wirklich nicht das letzte Wort zu dem Thema Freizügigkeit gewesen sein. Warum sollten Clubs in der Bundesliga zum Beispiel nicht – ganz freiwillig – eine Absprache miteinander treffen können, wonach sie deutschen Spielern eine bestimmte Menge von Kaderplätzen garantieren? Es kann doch auch kein EU-Ausländer einen Platz in der deutschen Nationalmannschaft einklagen? Oder doch?
Und wenn wir schon dabei sind – wie wäre es mit einer Antwort auf die Frage: Wem gehört eigentlich der kommerzielle Sport? Dem einzelnen Athleten (weil er seinen Körper zu Markte trägt), dem Club (weil er die Kohle ranschafft) oder dem Verband/Kartell (weil er den Geschäftsbetrieb organisiert) oder gar der Allgemeinheit, also uns allen? Und wenn die Allgemeinheit nur als zahlende Schafsherde gebraucht wird, welche Schadensersatzansprüche kann sie oder können einzelne Mitglieder der Gemeinschaft gelten machen, wenn sie um eine Leistung gebracht werden, die ihnen qua Eintrittskarte, Decoder-Miete oder was auch immer zugesichert wurde?
Je eher dieses ziemlich dicke Paket von ungelösten, dahinschwelenden Problemen in eine gesamte, logische und sinnhafte Form gegossen wird, desto besser. Einen Mann wie Karl-Heinz Rummenigge sollte man angesichts solcher Wahrheiten lieber nicht behelligen. Er hat schon des öfteren durchblicken lassen, dass er nicht der Lage ist zu sehen, was das das große Ganze mit Bayern München zu tun haben könnte und wie sein Laden von mehr Rechtssicherheit und einer Ausgewogenheit im Spiel der Kräfte profitieren könnte.
7. Juli 2008
Erlebniswelt Bundesliga
Der jüngste Heimkehrer ist Josh Wolff, der anderthalb Jahre bei TSV 1860 München gespielt hat und nun mit seinen einerseits/andererseits-Eindrücke nicht mehr hinter den Berg halten möchte. Viel gebracht hat ihm die Zeit nicht, zumal er im taktischen Geschehen der Mannschaft in eine Rolle hineingedrängt wurde, in der er sich nicht nach Gusto entfalten konnte. Trotzdem rät er jedem Amerikaner mit Ambitionen, den Wechsel zu wagen. "Das schwierigste ist, sich zurechtzufinden. Wenn dir das gelingt, musst du dich als Spieler finden", sagte er der New York Times.
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24. April 2008
Luft schnappen in Denver: Gladbach steigt in Colorado so richtig auf
Die Zahl der Investoren und Spieler aus den USA in der Premier League ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. Beide Gruppen scheinen keinen entscheidenden Einfluss auf das Niveau des Ladens genommen zu haben. Was genau betrachtet schon sehr überraschend ist. Denn das hieße ja, dass diese Burschen alle nur auf dem Tender fahren. Während die anderen als Heizer auf der Lok arbeiten, damit das Ding unter Dampf bleibt.
In die andere Richtung gibt es so gut wie keine Einmischung. Mal abgesehen von ein paar älteren Spielern, die über den Atlantik geschippert wurden. Auch die jüngste Personalie betreffend Gaizka Mendieta wirkt da eher ziemlich unaufgeregt. Vorruhestand in Amerika für einen Spanier, der lange und viel verletzt war, das ist sozusagen Standardware. Good luck sagt man hier bei solchen Gelegenheiten.
Da sind wir dann doch schon etwas mehr gespannt auf den Ausflug von Borussia Mönchengladbach in diesem Sommer nach Denver, wo man sich eine gute Woche auf die kommende Saison vorbereiten möchte, die ja nach allem, was man derzeit annehmen darf, im Oberhaus stattfinden wird. Der Besuch ist der erste Beleg für die sich langsam entwickelnde Zusammenarbeit zwischen Bundesliga und Major League Soccer und im Prinzip nicht weiter bemerkenswert. Es sei denn man macht darauf aufmerksam, dass Denver (Bild) auf 1600 Meter Höhe liegt und damit durchaus für ein paar extra rote Blutkörperchen gut sein wird. Schneller laufen ist ja neuerdings die Parole im Fußball. Mit mehr Sauerstoff im System geht das viel einfacher.
In die andere Richtung gibt es so gut wie keine Einmischung. Mal abgesehen von ein paar älteren Spielern, die über den Atlantik geschippert wurden. Auch die jüngste Personalie betreffend Gaizka Mendieta wirkt da eher ziemlich unaufgeregt. Vorruhestand in Amerika für einen Spanier, der lange und viel verletzt war, das ist sozusagen Standardware. Good luck sagt man hier bei solchen Gelegenheiten.
Da sind wir dann doch schon etwas mehr gespannt auf den Ausflug von Borussia Mönchengladbach in diesem Sommer nach Denver, wo man sich eine gute Woche auf die kommende Saison vorbereiten möchte, die ja nach allem, was man derzeit annehmen darf, im Oberhaus stattfinden wird. Der Besuch ist der erste Beleg für die sich langsam entwickelnde Zusammenarbeit zwischen Bundesliga und Major League Soccer und im Prinzip nicht weiter bemerkenswert. Es sei denn man macht darauf aufmerksam, dass Denver (Bild) auf 1600 Meter Höhe liegt und damit durchaus für ein paar extra rote Blutkörperchen gut sein wird. Schneller laufen ist ja neuerdings die Parole im Fußball. Mit mehr Sauerstoff im System geht das viel einfacher.
31. Januar 2008
Bring mir den Kopf von Martín Vásquez
Das Foto mit Jürgen Klinsmann im Garten und einem Trikot vor dem Bauch wirkt so, als habe ein Nachbar mal schnell die Digitalkamera in die Hand gedrückt bekommen. Und nicht, als sei das von langer Hand und gut vorbereitet worden. Aber das soll uns nicht weiter stören. Wir wollen mal annehmen, dass es sich mit diesem Trikot so ähnlich verhält wie mit der FAZ, wo das Bild zu sehen war - dahinter steckt bekanntlich immer ein kluger Kopf. Was die Intelligenz von Herrn K. betrifft, gibt es keine Zweifel. Nachdem er zuerst die deutsche Nationalmannschaft aus den Fängen eines Mediengoliaths namens Bild befreite und dem Verwaltungspersonal eines mittelständischen Unternehmens entwand, befindet er sich soeben auf dem Weg zu einer der größten Zangenbewegungen der Bundesliga-Geschichte. Wenn er tatsächlich bei dieser Aktion auch noch solche Imperatoren wie Uli Hoeness und Franz Beckenbauer einkesselt, dann sollte man ihm den Ehren-Hannibal verleihen - zur Erinnerung an den großen Feldherrn aus Karthago, der einst in Cannae das Auswärtsspiel gegen die Römer gewann.Aber was ist mit dem Kopf von Martín Vásquez? Wir müssen/dürfen spekulieren. Und das tun wir an dieser Stelle auf der Basis der wohl ausführlichsten Würdigung seiner fußballerischen Laufbahn, die man im Internet finden kann (die aber ohne eine Einschätzung seiner Fähigkeiten auskommt). Denn bis zu seinem ersten Auftritt in offizieller Mission werden noch Monate vergehen. Und was er dann - auf Deutsch - sagen wird, dürfte eher karg ausfallen.
Wer ihn dann fragen möchte, sollte sich für diese Facetten interessieren:
Nummer eins: Vásquez wirkt wie der geborene Assistent. Wenn man sich seine Laufbahn als Trainer anschaut, die mit Teenagern begann, über ein Team der Frauen-Profiliga führte und ihn zu Major League Soccer brachte, fällig vor allem dies auf: Bei Chivas USA gab es in seiner Zeit als Helfer eine Reihe von Änderungen auf der Chefposition. Dass er den Job nicht bekam, wirkt seltsam.
Nummer zwei: Martín Vásquez wirkt wie ein Mann, dessen Loyalität zu Höherem von einer gewissen Flexibilität geprägt ist. Zwei Länder, in beiden Nationalspieler. Und alles ohne politischen Druck oder entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil. Solchen Spagat bringen gewöhnlich nur echte Individualisten zustande. Abwehrspieler wie er sind gewöhnlich aus einem anderen Holz.
Nummer drei: Trotz all der vielen Details über die Laufbahn von Martín Vásquez zitiert der Autor des Berichts nur Herrn K., aber sonst niemanden. Und der hat natürlich nur Gutes zu sagen. Man muss daraus schlussfolgern, dass der neue Assistent nicht nur ein unbeschriebenes Blatt ist, sondern, dass sich seine Qualitäten noch nirgendwo herumgesprochen haben. Sein letzter Chef Preki hatte auch nicht mehr als diesese Statement parat: "Martín Vásquez war von Anfang an ein Mitglied von Chivas USA. Und ich möchte mich gerne bei ihm für seine Arbeit bedanken. Man wird ihn stark vermissen." Das klang wie irgendwo abgetippt.
Wenigstens hat man bei Chivas nicht die zwei Akzente auf den Vokalen vergessen.
28. November 2007
Der Klingelbeutel: Hundefutter im Stadion
Ruud Gullit ist seit ein paar Tagen bei den Los Angeles Galaxy im Einsatz. Der neue Trainer von David Beckhams Team kommt auf diese Weise in den Genuss einer kleinen Weltreise. Die Mannschaft ist auf einer bestens bezahlten Tournee und produzierte soeben in Sydney eine mittelschwere Sensation. Nicht auf dem Rasen des Olympiastadions, wo man gegen den Sydney FC mit 3:5 verlor. Aber auf den Rängen. Mehr als 80.000 Zuschauer waren gekommen um, sich das Gastspiel anzuschauen.
Dass Footballspieler gefährlich leben, muss man keinem sagen. In Miami wurde gerade mit Sean Taylor ein Profi der Washington Redskins unter noch immer nicht geklärten Umständen angeschossen - in seinem eigenen Haus - und starb später an den Folgen. In derselben Stadt, in der vor einem Jahr ein prominenter Collegespieler ermordet wurde. Aber bislang konnte davon davon ausgehen, dass die Gefahr nur außerhalb des Stadions lauerte. Seit der Geschichte mit Michael Vick scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Jetzt attackieren sogar die Polizeihunde (via Deadspin):
Die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit zwischen der Bundesliga und Major League Soccer hat bislang so gut wie keine Resultate gezeigt. Das soll sich jetzt ändern. Ein bis zwei Mannschaften aus Deutschland sollen in Zukunft Trainingslager in den USA beziehen. Und im All-Star-Spiel soll nach Gastauftritten von Celtic Glasgow und Chelsea ein noch nicht benannter Vertreter der Bundesliga antreten.
Dass Footballspieler gefährlich leben, muss man keinem sagen. In Miami wurde gerade mit Sean Taylor ein Profi der Washington Redskins unter noch immer nicht geklärten Umständen angeschossen - in seinem eigenen Haus - und starb später an den Folgen. In derselben Stadt, in der vor einem Jahr ein prominenter Collegespieler ermordet wurde. Aber bislang konnte davon davon ausgehen, dass die Gefahr nur außerhalb des Stadions lauerte. Seit der Geschichte mit Michael Vick scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Jetzt attackieren sogar die Polizeihunde (via Deadspin):
Die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit zwischen der Bundesliga und Major League Soccer hat bislang so gut wie keine Resultate gezeigt. Das soll sich jetzt ändern. Ein bis zwei Mannschaften aus Deutschland sollen in Zukunft Trainingslager in den USA beziehen. Und im All-Star-Spiel soll nach Gastauftritten von Celtic Glasgow und Chelsea ein noch nicht benannter Vertreter der Bundesliga antreten.
7. November 2007
Wenn Rummenigge den Stein der Weisen wirft, macht es platsch
Es kommt selten genug vor, dass man in den USA etwas halbwegs Kluges über den deutschen Fußball lesen kann. Weshalb dieser Artikel heute in der New York Times schon allein deshalb bemerkenswert ist, weil man dem Thema so viel Raum gegeben hat. Er ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Autor keine übliche Bausch- und Bogen-Analyse abliefert, sondern sich um eine nuancierte Betrachtung der Frage kümmert, weshalb die Bundesliga nur auf Platz vier in Europa steht und mit Bayern München nur einen einzigen deutsche Club von internationaler Bedeutung produziert hat. Am Ende stellt sich aber heraus, dass Nicholas Kulish offensichtlich auch nur so weit schauen kann wie Karl-Heinz Rummenigge (das ist nicht sehr weit) und dessen Argumente unwidersprochen akzeptiert. Die da sind: Weil die deutschen Ligaverantwortlichen ausländische Großinvestoren verhindern und das Fernsehgeld zu gleichen Teilen unter den Clubs aufsplitten, werden "wir nie das Niveau erreichen, auf dem wir mal waren".
Man könnte dieses Argument aus jeder Richtung auseinanderfieseln, und zwar im Dunkeln und im Hellen. Aber leider wird das vom Times-Mann gar nicht erst versucht. Dabei könnte er anführen:
• das Beispiel der National Football League, das so konsequent wie niemand anderer das Fernsehgeld und einen Teil der Stadieneinnahmen brüderlich teilt und damit das Fundament für die wirtschaftlich erfolgreichste Sportorganisation der Welt geschaffen hat.
Er könnte entlarven:
• die Absurdität der Behauptung, dass die deutschen Clubs mal so wahnsinnig viel besser in Europa dastanden. Es war allenfalls eine Mannschaft, die nach dem Abbröckeln von Borussia Mönchengladbach und HSV in Europa etwas ausrichten konnte. Und das war der FC Bayern München. Und das lag daran, dass sie ihre Ressourcen - unter anderem ein riesiges vom Steuerzahler finanziertes Stadion - geschickt genug in sportliche Erfolge umgesetzt haben. Die Bundesliga hat sie darin nie zurückgehalten. Und tut es auch heute nicht. Woher kam denn wohl das Geld für den Masseneinkauf in diesem Jahr? Von einem Banküberfall?
Er könnte einwerfen, dass
• in anderen Ländern Clubs Millionenverluste erwirtschaftet haben, die weder durch Fernseheinnahmen noch durch Spielerverkäufe noch durch Fanartikel wieder eingespielt werden können. Und dass allein die Abhängigkeit von Unternehmern wie Leo Kirch schon zur Vorsicht mahnt. Es sei denn man verfolgt die Strategie: Nach mir die Sintflut.
Immerhin ist dem Autor aufgefallen, dass Geld alleine - ähnlich wie bei New York Yankees - keine Garantie für Erfolg ist. Das 0:0 "warf die Frage auf, ob bei all den Anstrengungen und dem investierten Geld, die Meisterschaft gewinnt". Warum stand das nicht am Anfang der Geschichte, sondern am Ende?
Man könnte dieses Argument aus jeder Richtung auseinanderfieseln, und zwar im Dunkeln und im Hellen. Aber leider wird das vom Times-Mann gar nicht erst versucht. Dabei könnte er anführen:
• das Beispiel der National Football League, das so konsequent wie niemand anderer das Fernsehgeld und einen Teil der Stadieneinnahmen brüderlich teilt und damit das Fundament für die wirtschaftlich erfolgreichste Sportorganisation der Welt geschaffen hat.
Er könnte entlarven:
• die Absurdität der Behauptung, dass die deutschen Clubs mal so wahnsinnig viel besser in Europa dastanden. Es war allenfalls eine Mannschaft, die nach dem Abbröckeln von Borussia Mönchengladbach und HSV in Europa etwas ausrichten konnte. Und das war der FC Bayern München. Und das lag daran, dass sie ihre Ressourcen - unter anderem ein riesiges vom Steuerzahler finanziertes Stadion - geschickt genug in sportliche Erfolge umgesetzt haben. Die Bundesliga hat sie darin nie zurückgehalten. Und tut es auch heute nicht. Woher kam denn wohl das Geld für den Masseneinkauf in diesem Jahr? Von einem Banküberfall?
Er könnte einwerfen, dass
• in anderen Ländern Clubs Millionenverluste erwirtschaftet haben, die weder durch Fernseheinnahmen noch durch Spielerverkäufe noch durch Fanartikel wieder eingespielt werden können. Und dass allein die Abhängigkeit von Unternehmern wie Leo Kirch schon zur Vorsicht mahnt. Es sei denn man verfolgt die Strategie: Nach mir die Sintflut.
Immerhin ist dem Autor aufgefallen, dass Geld alleine - ähnlich wie bei New York Yankees - keine Garantie für Erfolg ist. Das 0:0 "warf die Frage auf, ob bei all den Anstrengungen und dem investierten Geld, die Meisterschaft gewinnt". Warum stand das nicht am Anfang der Geschichte, sondern am Ende?
31. Oktober 2007
Der Klingelbeutel: Zu Gast bei Frondeuren
Kaum schreibt man mal was über eine neue Unsitte in der Fußball-Bundesliga und wird auch noch prominent vom Indirekten Freistoss zitiert, dem einflussreichsten und besten Fußball-Blog im Lande, schon kippt die Fronde. Wenn das jetzt öfter vorkommt, werde ich in unserem Haushalt die Auswahl der Lottozahlen übernehmen.
Bill Belichick wurde neulich als Werkspion erwischt und bestraft. Dass das alles nur daran liegen soll, dass der Trainer der New England Patriots ungeschickt oder übermütig (oder beides) geworden ist, kann man sich beim Die Hard Steel-Blog überhaupt nicht vorstellen. Der Mann mit der Kapuze, dem man den Spitznamen Evil Genius anzuhängen versucht, muss das alles mit voller Absicht gemacht haben. Warum? Um seine Mannschaft die Psychoformel einzuhämmern: Alle sind gegen uns. Wir kämpfen gegen den Rest der Welt. Aber gemeinsam sind wir stark.
Wenn Tony Romo von den Dallas Cowboys wirklich 11,5 Millionen Dollar pro Jahr wert ist und einen Weg gefunden hat, sich fast die Hälfte des Geldes garantieren zu lassen (was in der NFL normalerweise nicht der Fall ist), dann heißt das, dass die Gehaltsspirale wieder mächtig in Bewegung gekommen ist. Das ist weniger das Problem der Clubs, die mit einer ultraharten Salary Cap leben müssen (und nicht solche Pufferzonen für ultrareiche Teams haben wie die NBA mit ihrer Luxussteuer), sondern der vielen namenlosen Spieler im Kader, die mit Mini-Gehältern abgespeist werden. Und das sind die Leute, deren Zahlungen nicht garantiert sind und die oft verletzungsbedingt früh die Karriere aufgeben müssen (Durchschnittsverweildauer in der NFL: dreieinhalb Jahre).
Das Lesestück der Woche zum NBA-Saisonbeginn: Chuck Klosterman über das ewige Palawer, wonach die NBA permanent von schweren Krisen bedroht ist (Imagekrisen und wirtschaftlichen Krisen). Er gibt nicht mal den Medien die Schuld, obwohl dort ständig jenes Drahtseil gespannt wird, auf dem die Basketballprofis angeblich im Kampf um den Zuschauer wandern. Er sieht nicht zuletzt den unheiligen Einfluss vom Ligamanagement, das "jedes Imageproblem zu manipulieren versucht, von dem die Association in jedem Augenblick erfasst wird" (via Fanhouse).
Bill Belichick wurde neulich als Werkspion erwischt und bestraft. Dass das alles nur daran liegen soll, dass der Trainer der New England Patriots ungeschickt oder übermütig (oder beides) geworden ist, kann man sich beim Die Hard Steel-Blog überhaupt nicht vorstellen. Der Mann mit der Kapuze, dem man den Spitznamen Evil Genius anzuhängen versucht, muss das alles mit voller Absicht gemacht haben. Warum? Um seine Mannschaft die Psychoformel einzuhämmern: Alle sind gegen uns. Wir kämpfen gegen den Rest der Welt. Aber gemeinsam sind wir stark.
Wenn Tony Romo von den Dallas Cowboys wirklich 11,5 Millionen Dollar pro Jahr wert ist und einen Weg gefunden hat, sich fast die Hälfte des Geldes garantieren zu lassen (was in der NFL normalerweise nicht der Fall ist), dann heißt das, dass die Gehaltsspirale wieder mächtig in Bewegung gekommen ist. Das ist weniger das Problem der Clubs, die mit einer ultraharten Salary Cap leben müssen (und nicht solche Pufferzonen für ultrareiche Teams haben wie die NBA mit ihrer Luxussteuer), sondern der vielen namenlosen Spieler im Kader, die mit Mini-Gehältern abgespeist werden. Und das sind die Leute, deren Zahlungen nicht garantiert sind und die oft verletzungsbedingt früh die Karriere aufgeben müssen (Durchschnittsverweildauer in der NFL: dreieinhalb Jahre).
Das Lesestück der Woche zum NBA-Saisonbeginn: Chuck Klosterman über das ewige Palawer, wonach die NBA permanent von schweren Krisen bedroht ist (Imagekrisen und wirtschaftlichen Krisen). Er gibt nicht mal den Medien die Schuld, obwohl dort ständig jenes Drahtseil gespannt wird, auf dem die Basketballprofis angeblich im Kampf um den Zuschauer wandern. Er sieht nicht zuletzt den unheiligen Einfluss vom Ligamanagement, das "jedes Imageproblem zu manipulieren versucht, von dem die Association in jedem Augenblick erfasst wird" (via Fanhouse).
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28. Oktober 2007
Boykott an der Ruhr
Wenn man im englischsprachigen Google-Kosmos die drei Wörter press, boycott und athlete eingibt, kommt auf den ersten Seiten eine AP-Geschichte über den Iraner aus Wolfsburg hoch, der nicht mit der deutschen Nationalmannschaft nach Israel fahren will, Gedanken zu einem Boykott der Olympischen Spiele in Peking und das übliche Kraut und Gemüse einer typischen Suche. In der deutschen Parallelwelt sieht die Sache schon anders aus. Bei Presse, Boykott und Sportler kommt sogleich das Verhalten deutscher Fussballprofis im Umgang mit den Medien zur Sprache. Der Unterschied ist nachvollziehbar. In der Welt des amerikanischen Profisports wäre ein Verhalten wie das der Spieler von Schalke 04 im letzten Jahr und von Borussia Dortmund zur Zeit überhaupt nicht denkbar. Egal, was die Mannschaftsmitglieder für Komplexe pflegen - inferior oder superior - sie haben sich an die Regeln der Ligen zu halten. Und die besagen, dass Spieler mindestens nach dem Training und nach einem Match akkreditierten Journalisten für eine gewisse Zeit - meistens in der Umkleidekabine - Rede und Antwort stehen müssen. Die NBA öffnet sogar die Umkleidekabine vor einem Spiel den Medienvertretern, die auf diese Weise weit mehr an Informationen zusammentragen können, als das in der Hektik im Anschluss eines Spiels möglich ist.
Rede und Antwort stehen heißt nicht, dass sie sich nicht bisweilen demonstrativ defensiv, aggressiv, nichtssagend, abweisend, unzusammenhängend und verwirrt äußern. Manchmal sagen sie auch gar nichts. Aber jeder offensichtliche Versuch, sich dem Ritual zu entziehen, wird mit Geldbußen bestraft. Einer ganze Mannschaft würde ein derartiges Verhalten teuer zu stehen kommen.
Dass die Bundesliga angesichts der jüngsten Fälle nicht interveniert, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, wie rückständig man dort Fragen des modernen Sportmanagements gegenübersteht. Die Angelegenheit ist nämlich nicht damit abgetan, dass man mit der Achsel zuckt, wenn in irgendeinem Club ein Mob aus demotivierten Leuten das Geschäft sabotiert, das daraus besteht, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, um möglichst viele Eintrittskarten, Pay-TV-Decoder, Souvenirartikel etc. zu verkaufen. Solange es keine Regel gibt, die für alle gilt, kann jeder Club im Zweifel machen, was er will. Solche Formen der Anarchie mögen ja in einigen Zirkeln auf Sympathie stoßen. Sie unterminieren aber jede Form einer offensiven Vermarktung der Liga als einer übergeordneten Einheit. Die Spieler können schließlich auch nicht darüber entscheiden, welche Trikotfarben sie tragen, welche Sponsoren auf ihrer Brust prangen und gegen welche Mannschaft sie wann antreten. Warum sollten sie darüber entscheiden, ob sie Lust darauf haben, mit Medienvertretern zu reden?
Es kann ja sein, dass die akkreditierten Vertreter der Presse geistlos sind und aufdringlich und am Ende nur Mist wissen wollen. Aber wer glaubt, er habe Anspruch auf eine andere Behandlung seitens der Medien, sollte sich zuerst einmal fragen, ob er überhaupt die Qualität an Sport und Statements abliefert, die eine andere Behandlung rechtfertigt. Und wenn die Antwort "Ja" lautet, sollte er mal auf die Liga einwirken und herausfinden, wie man das akkreditierte Medienpersonal auf ein anderes Niveau bekommt. Den Druck müssten die Leute von der Presse eigentlich vertragen können.
Rede und Antwort stehen heißt nicht, dass sie sich nicht bisweilen demonstrativ defensiv, aggressiv, nichtssagend, abweisend, unzusammenhängend und verwirrt äußern. Manchmal sagen sie auch gar nichts. Aber jeder offensichtliche Versuch, sich dem Ritual zu entziehen, wird mit Geldbußen bestraft. Einer ganze Mannschaft würde ein derartiges Verhalten teuer zu stehen kommen.
Dass die Bundesliga angesichts der jüngsten Fälle nicht interveniert, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, wie rückständig man dort Fragen des modernen Sportmanagements gegenübersteht. Die Angelegenheit ist nämlich nicht damit abgetan, dass man mit der Achsel zuckt, wenn in irgendeinem Club ein Mob aus demotivierten Leuten das Geschäft sabotiert, das daraus besteht, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, um möglichst viele Eintrittskarten, Pay-TV-Decoder, Souvenirartikel etc. zu verkaufen. Solange es keine Regel gibt, die für alle gilt, kann jeder Club im Zweifel machen, was er will. Solche Formen der Anarchie mögen ja in einigen Zirkeln auf Sympathie stoßen. Sie unterminieren aber jede Form einer offensiven Vermarktung der Liga als einer übergeordneten Einheit. Die Spieler können schließlich auch nicht darüber entscheiden, welche Trikotfarben sie tragen, welche Sponsoren auf ihrer Brust prangen und gegen welche Mannschaft sie wann antreten. Warum sollten sie darüber entscheiden, ob sie Lust darauf haben, mit Medienvertretern zu reden?
Es kann ja sein, dass die akkreditierten Vertreter der Presse geistlos sind und aufdringlich und am Ende nur Mist wissen wollen. Aber wer glaubt, er habe Anspruch auf eine andere Behandlung seitens der Medien, sollte sich zuerst einmal fragen, ob er überhaupt die Qualität an Sport und Statements abliefert, die eine andere Behandlung rechtfertigt. Und wenn die Antwort "Ja" lautet, sollte er mal auf die Liga einwirken und herausfinden, wie man das akkreditierte Medienpersonal auf ein anderes Niveau bekommt. Den Druck müssten die Leute von der Presse eigentlich vertragen können.
13. Mai 2007
Und am Ende der Saison: Herzlichen Glückwunsch zum Trostpreis
Jeder im professionellen Sport, der just in dem Moment einbricht, wenn es darauf ankommt, sollte in der nächsten Saison so bestraft werden wie italienische Clubs beim Korruptionsskandal. Ab in die zweite Liga. Oder wenigstens ein Strafkonto mit 20 Minuspunkten. Klingt drakonisch, ich weiß. Aber wie sollte man anders einem Team wie dem FC Schalke 04 klar machen, dass es in diesen Wochen um etwas geht, wenn die Belohnung für eine schlampige Leistung in der Teilnahme an der Champions League in der kommenden Spielzeit besteht? Für Ruhrpott-Ehre scheinen sie nicht zu spielen, sonst wäre ihnen gegen Borussia Dortmund nicht so wenig eingefallen. Für Traditionspflege sicher auch nicht. Kein Wunder. Was haben die Profis von heute auch mit jenen Fußballern zu tun, die den Namen eines Gelsenkirchener Vororts zu einem Begriff gemacht haben? Die wüssten sicher nicht mal, wie man aus dem Polnischen stammende Namen wie Kuzorra, Szepan und Abramczyk richtig schreibt, wenn sie bei einer Quiz-Sendung Wer wird Millionär? danach gefragt würden. Müssen sie auch nicht. Sie sind ja schon Millionäre. Die gehen denn auch sicher nie in den Erlebnistunnel im Schalke-Museum, wo vier Filme von insgesamt 35 Minuten Länge laufen, die einem den Mythos näher bringen.
Aber Belohnungen für Leute, denen zur falschen Zeit der Strom ausgeht, liegen ganz im Stil der Zeit. So wird Dirk Nowitzki in dieser Woche offiziell zum Most Valuable Player der NBA-Tabellenrunde ausgerufen. Autsch. Das also erhalten die Fans als Gegenwert für die Vertragsverlängerung von neulich (bis 2011). Das und dass sich Teambesitzer Mark Cuban so blendend aufs Sparen an der falschen Stelle spezialisiert hat (er ließ Steve Nash und Michael Finley ziehen und sah nicht ein, dass Trainer Don Nelson noch Geld zusteht). Cuban und Nowitzki - die beiden verdienen einander.
Übrigens gab es gestern eine lesenswerte Geschichte auf faz.net über die wirtschaftlichen Folgen eines Abstiegs aus der ersten Bundesliga. Sie enthielt den Hinweis darauf, dass zwischendurch mal zwölf von 18 Clubs sich mit nichts anderem abquälten als mit der Angst vorm Abstieg. So weit ist es gekommen: Mehr als die Hälfte starren phasenweise gebannt nach unten, kaum noch jemand orientiert sich nach oben. Das muss das Gegenstück zur pathologischen Besitzstandswahrungsphobie des Kleinbürgers sein, die in Deutschland schon seit ein paar Jahren diesen katastrophalen Reformstau in der Politik verantwortet.
Reformieren könnte man auch im deutschen Fußball so einiges. Das wurde an dieser Stelle schon mehrfach thematisiert: hier in einem Beitrag, der aufzeigt, was man vom amerikanischen System lernen kann und hier in einem Beitrag über die schwächelnde Liga mit dem Hinweis auf drei Hauptproblempunkte: der katastrophale Einfluss des FC Bayern München, der Mangel an Fußball-Ingenieuren mit Visionen auf den Trainerbänken und die fehlenden Arena-(oder anderen Pay-per-View-Anbietern)Fernseheinnahmen aus großen Städten wie Düsseldorf, Leipzig, Dresden und derzeit zu einem gewissen Grad auch Köln (zweite Liga). Doch so wie die Berliner Regierung trotz dieser enormen Stimmenmehrheit im Bundestag nicht viel auf die Beine stellt, was zukunftstauglich ist, so tun auch die Verantwortlichen der Bundesliga so, als könnten sie nichts ändern. Gleichzeitig wird das Unternehmen von der Premier League im internationalen Wettbewerb um massive Fernsehgeldeinnahmen abgehängt. Das kommt davon, wenn man mit dem Trostpreis zufrieden ist. Na dann: Herzlichen Glückwunsch.
Aber Belohnungen für Leute, denen zur falschen Zeit der Strom ausgeht, liegen ganz im Stil der Zeit. So wird Dirk Nowitzki in dieser Woche offiziell zum Most Valuable Player der NBA-Tabellenrunde ausgerufen. Autsch. Das also erhalten die Fans als Gegenwert für die Vertragsverlängerung von neulich (bis 2011). Das und dass sich Teambesitzer Mark Cuban so blendend aufs Sparen an der falschen Stelle spezialisiert hat (er ließ Steve Nash und Michael Finley ziehen und sah nicht ein, dass Trainer Don Nelson noch Geld zusteht). Cuban und Nowitzki - die beiden verdienen einander.
Übrigens gab es gestern eine lesenswerte Geschichte auf faz.net über die wirtschaftlichen Folgen eines Abstiegs aus der ersten Bundesliga. Sie enthielt den Hinweis darauf, dass zwischendurch mal zwölf von 18 Clubs sich mit nichts anderem abquälten als mit der Angst vorm Abstieg. So weit ist es gekommen: Mehr als die Hälfte starren phasenweise gebannt nach unten, kaum noch jemand orientiert sich nach oben. Das muss das Gegenstück zur pathologischen Besitzstandswahrungsphobie des Kleinbürgers sein, die in Deutschland schon seit ein paar Jahren diesen katastrophalen Reformstau in der Politik verantwortet.
Reformieren könnte man auch im deutschen Fußball so einiges. Das wurde an dieser Stelle schon mehrfach thematisiert: hier in einem Beitrag, der aufzeigt, was man vom amerikanischen System lernen kann und hier in einem Beitrag über die schwächelnde Liga mit dem Hinweis auf drei Hauptproblempunkte: der katastrophale Einfluss des FC Bayern München, der Mangel an Fußball-Ingenieuren mit Visionen auf den Trainerbänken und die fehlenden Arena-(oder anderen Pay-per-View-Anbietern)Fernseheinnahmen aus großen Städten wie Düsseldorf, Leipzig, Dresden und derzeit zu einem gewissen Grad auch Köln (zweite Liga). Doch so wie die Berliner Regierung trotz dieser enormen Stimmenmehrheit im Bundestag nicht viel auf die Beine stellt, was zukunftstauglich ist, so tun auch die Verantwortlichen der Bundesliga so, als könnten sie nichts ändern. Gleichzeitig wird das Unternehmen von der Premier League im internationalen Wettbewerb um massive Fernsehgeldeinnahmen abgehängt. Das kommt davon, wenn man mit dem Trostpreis zufrieden ist. Na dann: Herzlichen Glückwunsch.
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24. März 2007
Der Beckham-Effekt: Erstmals Fernsehgeld für US-Fußball-Liga
Beckham macht's möglich: Zwischen 3,5 und 5 Millionen Dollar soll der Trikotsponsoren-Vertrag bis 2011 jedes Jahr bringen, den Los Angeles Galaxy mit der Nahrungsergänzungsmittel-Firma Herbalife abgeschlossen hat. Das schrieb das Wall Street Journal am Freitag (online nur für Abonnenten erhältlich), das überraschenderweise ein relativ positives Licht auf den Club und Major League Soccer warf und die Geschichte als Aufmacher im Marketplace-Bund druckte. Überschrift: "US Fußball-Liga hofft endlich ein Tor zu schießen". Positiv herausgehoben wird der Vertrag mit der Bundesliga, der neue Wettbewerb zwischen MLS-Clubs und Mannschaften aus Mexiko, die Zusammenarbeit zwischen den Colorado Rapids und Arsenal und die Tatsache, dass die Liga erstmals richtiges Geld vom Fernsehen bekommt: 20 Millionen Dollar pro Saison. Die Zuversicht, die aus dem Artikel spricht, wird die Ligaverantwortlichen freuen: Das Blatt hat eine Auflage von mehr als einer Million pro Tag und ist Pflichtlektüre von allen, die in der Finanzindustrie und in Topmanagementpositionen arbeiten. Die Einkünfte aus dem Herbalife-Vertrag liegen damit ein gewaltiges Stück unter der Zahl, die vor ein paar Wochen als Spekulation in die Welt gesetzt wurde.
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14. März 2007
Schön strategisch: Bundesliga und Major League Soccer einigen sich auf Zusammenarbeit

Ein internationaler Ideenaustausch ohne weitere Konsequenzen - das ist die Grundlage für das Abkommen, das MLS und die deutsche Bundesliga geschlossen und heute in Miami Beach bekannt gegeben haben. Die beiden Fußball-Ligen sind unterschiedlich genug, so dass bei der Kooperation vielleicht sogar etwas Nützliches herauskommen könnte. Die Amerikaner werden erzählen, wie das funktioniert mit der Salary Cap, der Spielergewerkschaft und der Vermarktung von Fußball an ein Publikum ohne traditionelle Anbindung an das Spiel. Und die Deutschen wollen vermitteln, wie man Fernsehkameras im Stadion postiert, damit die Übertragungen schicker aussehen. Und sie glauben auch, ein paar Tipps geben zu können, wie man schon früh junge, aussichtsreiche Talente erspäht. Ein bisschen Entwicklungshilfe also an die Adresse von Major League Soccer, die seit zehn Jahren einen zähen Kampf um Zuschauer und Erträge führt. Mit dem Hintergedanken, wie Geschäftsführer Christian Seifert erklärte, dass sich die einmal wachgeküssten Amerikaner dann irgendwann auch für internationalen Fußball interessieren - "wie die Bundesliga". Schön gesprochen, aber auch irgendwie kurios formuliert, wenn man liest, wie die Premier League derzeit in Asien bei den Fernsehrechten abkassiert (siehe hier und hier). Ligavertreter werden sich zweimal im Jahr treffen. "Wir betrachten die USA als unseren wichtigsten strategischen ausländischen Markt", sagte Seifert. Hoffentlich nicht nur für Winterferien im Warmen...Es wäre tatsächlich interessant zu wissen, ob mit der Hinwendung nach Amerika auch ganz langsam eine neue Ausrichtung weg von der ideologischen Ausrichtung auf das heimliche Vorbild England beginnen würde - das Land aus dem der Begriff "Englische Woche" für die eingeklinkten Dienstags- und Mittwochsspiele kommt, das Wort "Derby" - der definitive Ausdruck für ein Match zwischen Lokalrivalen und - nicht zu vergessen - die Fankultur mit den Schals und Gesängen und den Hooligans - alles importiert und adaptiert.
Denn tatsächlich ist aus England, wo zur Zeit ausländische Megalomanen die wirtschaftlich attraktive Erbmasse der Brands ManU, Liverpool, Aston Villa, Chelsea etc. mit dem Reflex von Heuschrecken angreifen, nicht mehr viel zu lernen, wenn man das Konzept Ligasport (eigentlich ja Vereinssport - Stadtviertel gegen Stadtviertel, Stadt gegen Stadt) in einem durchkommerzialisierten Strukturrahmen intakt und publikumswirksam weiterführen will.
Es gibt viel zu tun: Gegen die Powerhouse-Welt da draußen mit all den namhaften Topmannschaften und enormen TV-Lizenzen, die inzwischen die Bundesliga auf eine zehnmonatige Q School reduziert, in der die spannendste Frage nicht mehr lautet: Wer wird Meister? Sondern welche der zehn Mannschaften, die monatelang im Kampf gegen den Abstieg und die Existenzvernichtung nach unten starren, schaffen es aufs Rettungsboot?
Leider übertüncht und überklebt diese sadistische Ersatzfaszination am Abstiegskampf, dass in Deutschland bisher niemand einen Gedanken darauf verschwendet hat, mit einem klugen Blick nach vorn eine praktikable Zukunft zu gestalten. Die mächtige Sipp- und Seilschaft an der Spitze des Bayern München hat jahrelang eine grundlegende Diskussion über vernünftige Reformen verhindert. In München förderte man in all den Jahren nur eines: Den Ausverkauf von allem, was mal so reizvoll war am deutschen Fußball: Zuerst die regional verwurzelten Spieler (ob in Bayern, im Ruhrgebiet oder in Hamburg), dann die Rivalität der Spielauffassungen von erstklassigen Trainern. Das gipfelte vor kurzem in einer eigentlich unvorstellbaren Kuriosität: dass ein Teil von Klinsmanns Nationalspielern in ihrem Club nur noch zweite Wahl waren. Das Problem: Für all das, was da ganz langsam verloren ging, wurde nie Ersatz besorgt. Der authentische ortsverwachsene Fußball, wie man ihn in St. Pauli spürt, ist längst nur noch eine Illusion. Die Realität ist anders.
Sagte jemand England? Die Engländer kennen das alles. Sie kennen das, wenn eine Nationalmannschaft gurkig spielt und nichts gewinnt. Sie kennen auch das Problem der feindlichen Übernahme von Investoren aus den USA und Russland, die ungebeten und ohne Einspruch einer wirkungsvollen Kontrollinstanz den Ligasport weiter transformieren. Hin zu einem merkwürdigen Spektakel, bei dem für das zahlende Publikum nur noch tote Symbole übrig bleiben - die Logos, Vereinsfarben, Wimpel und die Fotos von alten Pokalen und die Erinnerungen an die schrammeligen alten Stadien mit ihren bedeutungsvollen, aber schlichten Namen. Viele englische Fans sind skeptisch bis sauer, denn sie haben, wie sich im Fall von Manchester United besonders deutlich zeigte, überhaupt keine Einwirkungsmöglichkeit auf das Milliardenspiel der Aktienbesitzer, Sponsoren und Sportausrüster. Warum? Weil sie die Entwicklung verpennt haben und nicht rechtzeitig ihren Einfluss auf die Gestaltung des Ligasports geltend gemacht haben.
Dagegen kann Amerika eine Menge an anregenden Konzepten bieten. Teilweise sind sie mehr als hundert Jahre alt, teilweise sind sie ganz frisch und aus der Not geboren. Wer die nicht studiert, ist selber schuld. Mal sehen, was die Bundesliga aus der neuen Konstellation herausholt.
1. Februar 2007
Karmittwoch in der Bundesliga. Was für eine Show....
Man stelle sich vor, die Fußball-Bundesliga wäre ein bisschen amerikanischer. Wäre nicht dieser zugige Aufgang an der engen Tür zu den sogenannten großen europäischen Wettbewerben, wo das große europäische Fernsehgeld herkommt, sondern wäre der Zahlmeister und das Feuerwerk und der Glanz und die Herrlichkeit.
Man stelle sich vor, die erste Liga wäre nicht diese Vorstufe zur Vorhölle namens Zweite Liga, in der es nichts zu gewinnen gibt, außer Spott, wenn der Wiederaufstieg nicht klappt. Hätte keine wochenlange Winterpause, in der nur Zeit vergeht, während der die entscheidenden Leute nur von einem Bein auf das andere treten und warten. Hätte nicht diese pseudodramatischen 18. Spieltage, die nur deshalb so rasend wichtig sind, weil alle so lange warten mussten, um dann doch nur zu erkennen, dass die schlechten Mannschaften noch immer gurkig spielen und die vermeintlich besseren auch nicht besser.
Dann hätte es diese seltsame Kaskade vom Mittwoch nicht gegeben. Mit erst Jupp Heynckes, dann Felix Magath, dann Thomas Doll spät in der Nacht, die alle an einem Tag ans Kreuz genagelt werden - Karmittwoch. Das wirkte fast schon biblisch-dramatisch mit Leuten, die sich ihre Hände in Unschuld waschen. Mit Hohepriestern in der ersten Reihe und einem staunenden Publikum, das seltsam hingerissen die Ereignisse verfolgt, als handele es sich um mehr als ein Massenunfall auf der A1 auf der gegenüberliegenden Seite, nämlich um ein Ereignis mit allerlei göttlicher Regie und Deutungsbedarf.
Man fühlte sich aber gleichzeitig auch an ein prosaischeres Phänomen erinnert: an die Zeit, als am Rhein entlang immer möglichst zeitgleich das Fischsterben aus den Abflussrohren besorgt wurde, weil die Jungs an den Schalthebeln der großen Chemiekonzerne das geschickter fanden, als die Umweltkatastrophen in polizeilich identifizierbaren Schüben vorzunehmen. Krisen-Public-Relations gut gemanagt (siehe auch das Protokoll des Geschehens auf allesaussersport: "Hoeneß scheint förmlich davon beseelt zu sein, den Magath nicht madig zu machen um ihn schnell von der Gehaltsliste zu bekommen.")
Also, wenn die Liga amerikanischer wäre, hätten wir am Mittwoch vermutlich einen massiven Trade und ein paar kleine obendrein erlebt, die gezeigt hätten, dass man zuerst mal die Spieler neu sortieren muss und sich mit ihrem Können und ihrer Mannschaftskompatibilität beschäftigt, ehe man die Trainer nach Hause schickt. Dann hätte man in München nicht den Mann geholt, von dem man sich so noch gerne vor gar nicht so langer Zeit getrennt hatte.
Sicher: Man hätte keinen besseren Fußball (jedenfalls nicht gleich) und keine stärkere Liga. Aber man hätte auch nicht diese falsche Wahrheiten produzierenden Nebenspektakel, die so tun, als ob Trainer wirklich das ein und alles der Misere wären. Wenn die Bundesliga amerikanischer wäre, wären die Rummenigges und Konsorten nicht quasi unkündbar und könnten nicht permanent so tun, als ob die Fehler immer nur bei den anderen lägen, aber nie bei ihnen. Dann würden auch an sie an den Leistungen und den Erwartungen gemessen und an dem Geld, das sie verschleudern. Wenn die Liga amerikanischer wäre, würden Leute bei den Fernsehsendern sitzen, die sich Sorgen machen über den return on investment und wie das alles weitergehen soll. Denn wie soll es weitergehen? Auf diese gleiche unnütze Weise?
Man stelle sich vor, die erste Liga wäre nicht diese Vorstufe zur Vorhölle namens Zweite Liga, in der es nichts zu gewinnen gibt, außer Spott, wenn der Wiederaufstieg nicht klappt. Hätte keine wochenlange Winterpause, in der nur Zeit vergeht, während der die entscheidenden Leute nur von einem Bein auf das andere treten und warten. Hätte nicht diese pseudodramatischen 18. Spieltage, die nur deshalb so rasend wichtig sind, weil alle so lange warten mussten, um dann doch nur zu erkennen, dass die schlechten Mannschaften noch immer gurkig spielen und die vermeintlich besseren auch nicht besser.
Dann hätte es diese seltsame Kaskade vom Mittwoch nicht gegeben. Mit erst Jupp Heynckes, dann Felix Magath, dann Thomas Doll spät in der Nacht, die alle an einem Tag ans Kreuz genagelt werden - Karmittwoch. Das wirkte fast schon biblisch-dramatisch mit Leuten, die sich ihre Hände in Unschuld waschen. Mit Hohepriestern in der ersten Reihe und einem staunenden Publikum, das seltsam hingerissen die Ereignisse verfolgt, als handele es sich um mehr als ein Massenunfall auf der A1 auf der gegenüberliegenden Seite, nämlich um ein Ereignis mit allerlei göttlicher Regie und Deutungsbedarf.
Man fühlte sich aber gleichzeitig auch an ein prosaischeres Phänomen erinnert: an die Zeit, als am Rhein entlang immer möglichst zeitgleich das Fischsterben aus den Abflussrohren besorgt wurde, weil die Jungs an den Schalthebeln der großen Chemiekonzerne das geschickter fanden, als die Umweltkatastrophen in polizeilich identifizierbaren Schüben vorzunehmen. Krisen-Public-Relations gut gemanagt (siehe auch das Protokoll des Geschehens auf allesaussersport: "Hoeneß scheint förmlich davon beseelt zu sein, den Magath nicht madig zu machen um ihn schnell von der Gehaltsliste zu bekommen.")
Also, wenn die Liga amerikanischer wäre, hätten wir am Mittwoch vermutlich einen massiven Trade und ein paar kleine obendrein erlebt, die gezeigt hätten, dass man zuerst mal die Spieler neu sortieren muss und sich mit ihrem Können und ihrer Mannschaftskompatibilität beschäftigt, ehe man die Trainer nach Hause schickt. Dann hätte man in München nicht den Mann geholt, von dem man sich so noch gerne vor gar nicht so langer Zeit getrennt hatte.
Sicher: Man hätte keinen besseren Fußball (jedenfalls nicht gleich) und keine stärkere Liga. Aber man hätte auch nicht diese falsche Wahrheiten produzierenden Nebenspektakel, die so tun, als ob Trainer wirklich das ein und alles der Misere wären. Wenn die Bundesliga amerikanischer wäre, wären die Rummenigges und Konsorten nicht quasi unkündbar und könnten nicht permanent so tun, als ob die Fehler immer nur bei den anderen lägen, aber nie bei ihnen. Dann würden auch an sie an den Leistungen und den Erwartungen gemessen und an dem Geld, das sie verschleudern. Wenn die Liga amerikanischer wäre, würden Leute bei den Fernsehsendern sitzen, die sich Sorgen machen über den return on investment und wie das alles weitergehen soll. Denn wie soll es weitergehen? Auf diese gleiche unnütze Weise?
22. November 2006
Kammerer kann's: Kein Artikel ist auch ein Artikel
Ach herrjeh, jetzt stimmt auch Roy Kammerer von der Associated Press in den Chor der Scheinanalytiker mit ein, der neulich in der Londoner Sunday Times mit einem seltsam falschen Ton angesungen wurde (Mehr darüber hier unter der Überschrift London Calling: Die schwächelnde Bundesliga. Statt die Nationalmannschaft als Vergleichsachse muss diesmal gleich die gesamte deutsche Volkswirtschaft als Kontrastprogramm herhalten, um die im internationalen Vergleich hinterherhinkende Bundesliga zu geißeln. Die große amerikanische Nachrichtenschleuder MSNBC stellte die Depesche sogleich ins Netz und kam mit dieser Headline nieder: After the World Cup: Germany's economy is up, but soccer is down.
Ohne die Stichworte und Argumente aus dem letzten Post zu wiederholen, mit der wir schon einmal versucht haben, die wahren Probleme der Liga zu charakterisieren, hier die Daten und Fakten aus dem AP-Artikel:
Die Bundesliga hat in dieser Saison einen Zuschauerschnitt von 38.985 (Anmerkung: Down? No). ABER das Spielniveau sei schlecht. Und in den unteren Spielklassen sei das Ausmaß der Krawalle in dern Stadien "alarmierend" geworden und Politiker und Polizei würden versuchen, angesichts dieses Problems die Oberhand zu gewinnen. Weiter im Text: Bayern München habe den schlechtesten Saisonstart der letzten 32 Jahre hingelegt (Anmerkung: Spricht das gegen oder für die Liga?) Es folgt das Crescendo: nur vier Clubs in der Champions League und im UEFA-Cup. (Anmerkung: Wieviele Länder haben mehr?). Anschließend lernen wir noch bei Kammerer: "Wieviel an der brummenden Wirtschaft und niedrigeren Arbeitslosenquote der WM zugeschrieben werden kann, ist eine andere Frage." Das ist wohl wahr. Besonders wenn die Antwort aus dem Mund des von Kammerer zitierten Gernot Nerb vom Ifo-Institut folgendermaßen lautet: "Wir werden niemals in der Lage sein, diese Frage zu beantworten."
Alles klar? Bereits im zehnten Satz seines profunden Werks hebelt der Autor seine eigene Prämisse aus. Soviel Unsinn kann nur mit einem Wort beschrieben werden: bullshit. Die Wirtschaft, die WM und die Bundesliga haben nämlich gar nichts miteinander zu tun. Das wussten wir zwar schon. Aber hey, no news is no news und damit wird die Zeitung nicht voll.
Ohne die Stichworte und Argumente aus dem letzten Post zu wiederholen, mit der wir schon einmal versucht haben, die wahren Probleme der Liga zu charakterisieren, hier die Daten und Fakten aus dem AP-Artikel:
Die Bundesliga hat in dieser Saison einen Zuschauerschnitt von 38.985 (Anmerkung: Down? No). ABER das Spielniveau sei schlecht. Und in den unteren Spielklassen sei das Ausmaß der Krawalle in dern Stadien "alarmierend" geworden und Politiker und Polizei würden versuchen, angesichts dieses Problems die Oberhand zu gewinnen. Weiter im Text: Bayern München habe den schlechtesten Saisonstart der letzten 32 Jahre hingelegt (Anmerkung: Spricht das gegen oder für die Liga?) Es folgt das Crescendo: nur vier Clubs in der Champions League und im UEFA-Cup. (Anmerkung: Wieviele Länder haben mehr?). Anschließend lernen wir noch bei Kammerer: "Wieviel an der brummenden Wirtschaft und niedrigeren Arbeitslosenquote der WM zugeschrieben werden kann, ist eine andere Frage." Das ist wohl wahr. Besonders wenn die Antwort aus dem Mund des von Kammerer zitierten Gernot Nerb vom Ifo-Institut folgendermaßen lautet: "Wir werden niemals in der Lage sein, diese Frage zu beantworten."
Alles klar? Bereits im zehnten Satz seines profunden Werks hebelt der Autor seine eigene Prämisse aus. Soviel Unsinn kann nur mit einem Wort beschrieben werden: bullshit. Die Wirtschaft, die WM und die Bundesliga haben nämlich gar nichts miteinander zu tun. Das wussten wir zwar schon. Aber hey, no news is no news und damit wird die Zeitung nicht voll.
7. November 2006
London Calling: Die schwächelnde Bundesliga
Wer den Schaden hat, braucht sich über Spott nicht zu beklagen. Aber wenn es wenigstens Spott wäre, was die Londoner Times am 6. November zusammengekratzt hat, um die relative Schwäche der Bundesliga zu erklären. Doch das war es nicht, sondern ein merkwürdiger Fall von Scheinanalyse, wie er in der Sportberichterstattung allzu häufig praktiziert wird. Verglichen werden Dinge, die sich nicht miteinander vergleichen lassen (die Leistung der Nationalmannschaft bei der WM versus die Resultate von Clubs, in denen kaum ein Deutscher spielt) und finanzielle Verhältnisse, die sowieso nur eines beweisen: In England, Spanien und Italien wird noch mehr Geld verschleudert als in der Bundesliga und werden Spielerkader zusammengekauft, in denen Leute mit Potenzial auf der Tribüne herumlungern. Wäre derartiges Verhalten wirtschaftlich profitabel, würde es sich lohnen, solchem planlosen oligarchischen Tun nachzueifern. Aber das ist es nicht. Dass die Times das nicht weiß, ist bedauerlich. Aber auch nicht verwunderlich.Kommen wir also zum Kern des Problems: Amerikanische Clubs zeigen seit Jahren, dass es Mittel und Wege gibt, mit präzisen Analysen der Leistungsparameter einzelner Spieler preiswerte Profis zu finden, die auf höchster Ebene mitkämpfen können. Clubs mit viel Geld haben es zwar leichter, aber sie besitzen keine Erfolgsgarantien. Die entscheidende Frage ist also: Weshalb ist das früher so fortschrittliche und maßgebliche Trainerausbildungssystem und die Jugendförderung des DFB nicht in der Lage, solche Arbeitsansätze zu entwickeln? Aus drei Gründen.
Erstens: Die stärkste Macht in der Liga, Bayern München, hat kein Interesse daran, irgendetwas zu tun, was dem ganzen System helfen könnte. Was unter anderem daran liegt, dass der Club von Leuten gemanagt wird, deren Horizont extrem verjüngt ist. Sonst hätten sie das alles schon vor Jahren gesehen und Innovationen angeschoben.
Zweitens: Solange die Liga nichts auf die Beine stellt und der DFB nur zuschaut, anstatt weitreichende Innovationen anzupacken (nein, nicht SO weitreichend wie der Sammer-Plan), fehlt es an Druck auf den Trainerbereich, in dem sich die sportliche Krise manifestiert. Gebraucht werden keine Motivationshampler, die ein paar Wochen lang ihre Spieler auf der emotionalen Schiene in Schwung bringen, sondern kreative Fußball-Ingenieure.
Drittens: Das hauptsächlich über das Fernsehen finanzierte System kann auf die Dauer nicht verkraften, dass Städte wie Leipzig, Dresden, Düsseldorf, Köln, Frankfurt nicht in der obersten Klasse vertreten sind. Warum nicht? Weil die Fans aus Aue und Burghausen und Siegen und Paderborn und anderen Käffern nicht das Geld haben, um Pay-TV-Projekte und andere Konzepte zu finanzieren. Irgendwann vor ein paar Jahren war das alles ganz schick, diese Alsenborn-Sentimentalität. Das kann man sich heute im Interesse einer vitalen Liga-Basis genauso schenken wie andere Sommermärchen.
Bild: von der Webseite Rare Soccer Videos, wo man Bundesliga-Geschichte nacharbeiten kann.
2. November 2006
Google-Hupf: Der Ball ist rechteckig?
Der Hinweis beim Kollegen vom Nachspiel auf die Geschichte im Handelsblatt über den großen Handfeger, der seit ein paar Wochen bei Google copyrightgeschütztes Videomaterial vom Server wedelt, bringt einen dazu, aus amerikanischer Sicht auf folgende Umstände aufmerksam zu machen:• Die Sache ist in den USA juristisch überhaupt nicht geklärt. Wie Google zurückfighten wird und ob, werden wir sehen. Entscheidend wird sein: Hat Google für YouTube und ähnliche Dienstleistungen eine Geschäftsstrategie? Lohnt sich deshalb für Google der Kampf, darauf zu pochen, dass Leute, die YouTube-Videos anschauen, die Schnipsel aber gar nicht herunterladen können (also sie auch nicht kopieren, was einen erheblichen urheberrechtlichen Unterschied bedeutet)? Neben der Strategie gibt es natürlich noch das taktische Verhalten. Das wird von vielen Dingen abhängen, unter anderem auch davon, wie der Streit mit den Buchverlegern um das Scannen von urheberrechtlich geschützten Büchern ausgeht. Das wird von Google schon fleißig betrieben und ist im Prinzip die weitaus bedeutendere Baustelle als ein Disput mit den großen Sportligen.
• Was die deutschen Fußball-Rechteinhaber versuchen, ist von der Sorte: Das sind die Nachahmer, die in den Zeitungen oder im Fernsehen etwas lesen und glauben, das brächte etwas, wenn sie es auch probieren. Hierzu wäre folgendes zu sagen: Die Fußball-Bundesliga wird es schwer haben, sich in den USA juristisch durchzusetzen. Weshalb? Weil es derartig viel an Anwaltsgebühren kostet und sehr wenig bringen wird. Google zeigt nämlich im Moment, dass sie sich korrekt verhalten. Sie reagieren, wenn jemand moniert, und fegen. Niemand kann sie zwingen, eine Instanz von tausenden von Heinzelmännchen einzuführen, die jedes Video vor dem Hochladen auf urheberrechtliche Probleme hin überprüfen. Das wäre nach amerikanischen Rechtsverständnis unreasonable. Zumal der Schaden nachweislich gering ist. Wieviel Geld büßt denn die Fußball-Bundesliga wirtschaftlich ein, wenn Fans Szenen aus Spielen hochladen? Wie groß ist im Vergleich dazu der Werbewert? Und wie sieht es mit jenen Firmen aus, die YouTube bewusst dazu verwenden, um Werbung zu machen?
• Die Prognose aus New York: Am Ende wird alles auf ein Modell hinauslaufen, dass Apple mit iTunes erfolgreich entwickelt hat. Der Nutzer zahlt kleine Beträge, ein Teil davon geht an die Rechteinhaber. Und Firmen wie Google werden Verträge mit den Rechteinhabern machen, die das regeln. Dumm für alle, die es lieber kostenlos hätten. Aber auch naiv zu glauben, dass so etwas auf Dauer funktioniert.
Zur Zeit läuft auf der Parallelschiene ein anderes Thema, das gerne in einen Topf geworfen wird, aber dabei schlichtweg falsch aufbereitet wird: Die Bundesliga macht Jagd auf Blogger, die mit der Videokamera im Stadion irgendwelche Szenen aufnehmen und anschließend in Podcasts etc. einbauen. Dazu habe ich eine ausführliche Stellungnahme in der Kommentarspalte des Fan-Faktor-Blogs abgeliefert. Wer keine Lust oder Zeit hat, die zu studieren, hier die Kernaussagen:
Die Liga versucht Blogger ins Bockshorn zu jagen, weil die kein Geld haben, um sich gegen unberechtigte Unterlassungsbegehren zu wehren. Der Konflikt ist nämlich kein Streit um Urheberrechte. Die gehören den filmenden Bloggern. Und auch kein Streit um die Benutzung des Wortes Bundesliga. Da hat die Liga nichts einzufordern. Das Wort gehört allen. Das Problem ist ein rein vertragsrechtliches. Wer im Stadion filmt, obwohl er eine Eintrittskarte gekauft hat, die ihm das untersagt, verstößt gegen diese bindende Vereinbarung. Gegen einen solchen Verstoß wäre allerdings allenfalls ein Hausverbot legitim. Alles andere wäre überzogen und sollte auch von keinem Richter akzeptiert werden.
Mit anderen Worten: Wer die subversive Politik der Nadelstiche in Richtung Liga vorantreiben will, macht weiter wie bisher. Wer sich mit den Ligabossen arrangieren will, versucht, eine Form der Lizensierung hinzubekommen. Wer PR für seinen Blog haben will, sucht die kalkulierte Konfrontation. Es könnte sich lohnen.
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