10. Dezember 2008

Smells like team spirit

Vasco da Gama muss absteigen. Ein Vorgang, der außerhalb der USA so alltäglich zum Ligasport dazu gehört, dass man darüber gar kein Wort verlieren muss (außer sich zu fragen: Wann wird das endlich abgeschafft und mit einem System ersetzt, das den wirtschaftlichen Gegebenheiten Rechnung trägt?) Aber so lange wollte dieser Fan der brasilianischen Mannschaft nicht warten. Er wollte mit abstürzen. Vom Dach des Stadions. Zum Glück gab es ein paar schnelle Helfer, die ihn von seinem Tun abbringen konnten. Dies sind die Fernsehbilder von den entscheidenden Minuten.

via Deadspin

Neue Dimension

Vor einem Jahr gab es die Premiere, über die dann kaum jemand reden wollte. In diesem Jahr ist zumindest USA Today bereit, das Thema ein wenig bekannter zu machen: Die NBA und 3D. Live-Sport hat schon immer den Technik-Entwicklern in den Medien einen guten Vorwand gegeben, um Geld zu bitten und ihre Ideen umzusetzen. Fernsehen damals bei Hitlers Olympia wäre nur ein Beispiel. Die Wettbewerbe von Mexico City 1968 brachten Farbe. Nachdem nun der Weg Richtung High Definition vorgezeichnet ist und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis jeder Videoamateur in HD dreht, schneidet und den Krempel auf DVD ausspuckt, braucht man ein neues Ziel. Das Bild in drei Dimensionen wird wohl dieses Ziel werden. Die Geräte-Hersteller werden sich freuen. Wie wird denn auch anders spätestens in 15 Jahren der Bedarf für neue TV-Geräte geweckt, wenn alle riesige Flachbildschirme haben? Aber Vorsicht: Schon vor 25 Jahren haben Menschen über Holografie geschwärmt. Und was ist draus geworden? Nicht alles, was man realisieren kann, setzt sich am Ende auch durch.

8. Dezember 2008

Was steckt hinter der Eigendemontage des Fußballfunktionärs Theo Zwanziger?

In der Sache Theo Zwanziger gegen Jens Weinreich, Präsident des Deutschen Fußballbundes gegen freier Journalist, hat es inzwischen die eine oder andere Klärung gegeben. Zum Beispiel ist nun klar, wie die veröffentlichte Meinung in Deutschland den als "Demogogen-Streit" etikettierten Vorfall einstuft: Pro Weinreich, contra Zwanziger. Klar ist auch, wieso der Fall ein derartiges Echo ausgelöst hat: Ganz normale Menschen machen sich Sorgen, wenn die Führungskräfte eines Machtzentrums von der Statur des DFB Personen mit Anwaltspost eindecken, sobald diese Menschen in Blogs im Rahmen der ihnen zustehenden Freiheitsrechte ihre Meinung äußern.

Klar ist auch: Es hätte durchaus andere Möglichkeiten gegeben, Widerspruch gegen die Weinreichsche Wertung kund zu tun. Zum Beispiel hätte sich Theo Zwanziger mit einem eigenen Kommentar bei
direkter-freistoss.de auf eine adäquate Weise wehren können. Aber das entsprach dereinst im Juli nicht der Gutsherrenart im Umgang mit dem Internet. Und tut es wohl auch noch immer nicht. Jetzt droht er sogar mit Rücktritt vom Amt, wenn er den Prozess verliert, den er noch gar nicht angestrengt hat.

Klar ist auch: Richter haben das Gebäude aus lauter Anmaßungen sowohl de facto als auch de jure auf ein rechtschaffenes Maß gestutzt. Jetzt sieht es nur noch aus wie eine Bastelarbeit aus dem Stabilbaukasten. Viele Löcher. Wenig Schrauben. Und von denen musste der DFB neulich noch ein paar herausdrehen, als er seine ominöse Pressemitteilung umtextete. Merke: Eine Einstweilige Verfügung schafft durchaus Rechtsrealitäten, auch wenn Theo Zwanziger diese Realitäten im Interview gerne als Muster ohne besonderen Wert einstuft ("
eine vorläufige Beurteilung"). Oder wie er heute sagte: „Die einstweiligen Verfügungen waren schlecht vorbereitet. Da wurde nur der bloße Begriff geklärt.“ Der bloße Begriff, also der, der im Duden steht, ja, der ist geklärt. Alles klar?

Ja und nein. Klärungsprozesse dauern oft ziemlich lange. Besonders dann, wenn klar wird, dass zum Beispiel in der Otto-Fleck-Schneise zu Frankfurt die eine Hand nicht immer weiß, was die andere tut. Einerseits soll da Kommunikationsdirektor Harald Stenger, Autor der besagten Pressemitteilung, vom Umfummeln von Wikipedia-Einträgen "dringend" abraten. Andererseits sind die Fingerabdrücke für einen neuerlichen Eingriff nicht zu übersehen. Sonst hätte es nicht diese Platzsperre gegeben. Was jenseits aller Klarheiten die Frage aufwirft: Wer und was steckt eigentlich wirklich hinter dem absurden, nicht endenwollenden Angriff auf die Reputation des Journalisten und hinter der erstaunlichen Eigendemontage eines Funktionärs, der intern immer als unumstritten galt? Theo Zwanziger himself? Man mag das gar nicht glauben.

Bei Jens Weinreich im Blog hat neulich erwin den springenden Punkt in einem Kommentar folgendermaßen eingekreist: "Anlässlich der Wikipediamanipulationen finde ich es ja mittlerweile geradezu trollig, wie der DFB als einziger darauf beharrt, es wäre in irgendeiner Form plausibel oder naheliegend, Herrn Zwanziger oder sein Auftreten in die Nähe der Volksverhetzung zu rücken .... da nicht einmal im Entferntesten ein inhaltlicher Zusammenhang zur Volksverhetzung besteht frage ich mich dann doch, worin der Treffer eigentlich bestanden hat. Sind das nur verletzte Eitelkeiten von jemandem, der Kritik nicht mehr gewohnt ist ? Ist es einfach Angst, vor dem Internet und Formen der Öffentlichkeit, die Kontrolle und Herrschaft nicht mehr ermöglichen ? Oder geht es gar womöglich um noch mehr, und man sieht handfeste wirtschaftliche Interessen bedroht ? Ich weiß es nicht, aber die Frage stellt sich."

Ja, die Frage stellt sich wirklich. Denn die zwei ausführlichen Interviews, die Theo Zwanziger in der Sache gegeben hat (hier und hier), um sich mit offenem Visier als Betroffener zu inszenieren, sowie die Pressekonferenz von heute mit einem wilden Spruch (
"Demnächst heißt es, ich sei ein Massenmörder, nur hat es keine Leichen gegeben.") haben bei so manchem den Eindruck hinterlassen, als sei der erfahrene Jurist und Verwaltungsexperte und ehemalige Landespolitiker ein Mensch, der sich nicht gerne tief in eine Materie einarbeitet. So sagte er gegenüber Oliver Fritsch neulich: "Ich habe unsere juristischen Schriftsätze nicht verfasst. Ehrlich gesagt, hab ich sie gar nicht exakt verfolgt." Und Christopher Keil von der Süddeutschen Zeitung wurde auf folgende Weise ins Bild gesetzt: "Deshalb habe ich auch sofort gesagt, die Sache hat sich erledigt, als mich unser Vizepräsident Rainer Koch auf eine Internetdarstellung von Herrn Weinreich aufmerksam machte, aus der hervorging, dass er mit dem Begriff "Demagoge" nicht das gleiche Verständnis wie ich hatte. Und dies hat dann sein Anwalt uns gegenüber nochmals klargestellt. Damit war für mich der Vorgang beendet, deshalb haben wir auch keine Unterlassungsklage erhoben." Wie man weiß, soll die nun doch noch erhoben werden, die Klage, "nunmehr sorgfältig vorbereitet".

So kommt es, dass er in seinen Aussagen zu dem Themenkomplex meistens wie ein gesprächiger, um nicht zu sagen leutseliger Herr wirkt. Wie jemand, der zwar um seinen Ruf besorgt ist, aber am liebsten eher hemdsärmelig argumentiert. Man nehme die Gießen-Episode, die in der SZ ausführlich angesprochen wird und dadurch ein Fallbeispiel für den Umgang von Theo Zwanziger mit dem Konzept der Faktenlage wurde. So behauptet er, dass sich der Chefredakteur des Gießener Anzeiger bei ihm entschuldigt habe und insinuierte damit, dass sich der gestandene Journalist von der Berichterstattung in seiner eigenen Zeitung distanziert hatte. Davon kann gar nicht die Rede sein. Man könnte annehmen: Zwanziger hat entweder noch nie einen Prozess führen müssen, auf den sich unsereins mit gestochen scharfen Argumenten vorbereiten würde. Oder er mag sich nicht streiten und wirft lieber mit Nebelkerzen.

Wenn hinter dem Präsidenten nur ein einzelner Pressesprecher stände, würde man sich fragen: Ist der vielleicht die treibende Kraft? Stachelt der den Theo Zwanziger auf, um seinen Präsidenten mit publizistischem Offensivgeist in Stellung zu schieben? Aber beim DFB gibt es tatächlich noch einen weitaus wichtigeren Menschen: den Generalsekretär. Das ist der oberste Posten in der Hierarchie der bezahlten Kräfte. Inhaber dieses Amtes ist Wolfgang Niersbach, einst Mitarbeiter des Sport-Informations-Dienstes, dann DFB-Pressesprecher, später an der Seite von Franz Beckenbauer der Hauptverantwortliche für die Ausrichtung der Fußball-WM 2006. Über ihn weiß man sehr wenig. Außer, dass ihm nachgesagt wird, dass es sich bei ihm "
um einen beharrlichen Menschen handelt, der mit Gewieftheit seine Ziele verfolgt. Und seine Karriere."

SEINE Karriere. Klingt interessant. Man sollte mithin davon ausgehen, dass dieser Wolfgang Niersbach in der Spanne von Jahren sehr viel gelernt hat auf dem Paternoster des Funktionärsbetriebs, der Leute wie ihn mit einer erstaunlichen Unvermeidlichkeit nach oben trägt. Er wird eine Meinung haben zu der öffentlich und in deutschen Gerichtssälen ausgetragenen Auseinandersetzung um die Interpretation des Wortes Demagoge. Und diese Meinung ist die Crux. Wenn Wolfgang Niersbach mal eine Meinung hat, dann handelt es sich nämlich schnell um eine "
Grundposition" (siehe sein Anschreiben vom 14. November). Und mit einer "Grundposition" kann man nur auf eine Weise umgehen: Man muss sie "offensiv darstellen".

Das Darstellen überlässt man als erfolgreicher Spitzenfunktionär gemeinhin übrigens anderen Leuten. Das wirkt einfach besser. Niersbach hat das bisher ganz gut hinbekommen. Hätte er nicht neulich jene Aussendung unterzeichnet, die an hundert und mehr Multiplikatoren in Politik und Gesellschaft ging, hätte man seine Rolle als Kraftrad nicht mal erspäht. Womöglich bedauert er diesen Umstand noch heute – angesichts der massiven Gegenreaktion wäre das zu verstehen. Auf jeden Fall hält er sich seitdem wieder bedeckt und lässt andere die Arbeit machen. Eine Arbeit, die auf eine erstaunlich konsequente Weise den Ruf von Theo Zwanziger unterminiert.

Ist das interessant? Wäre Wolfgang Niersbach bereits am Ziel seiner beruflichen Wünsche angekommen, sicher nicht. Dass er neulich nicht ins UEFA-Exekutivkomitee befördert werden wollte, sollte einen nicht verwirren. Das Spiel, das Zwanziger und er spielen, als ständen sie vor einer Drehtür ("Nach dir, nein, nach, dir, nein, nach dir.") gehört zu den Usancen. Es wirkt honett und ebnet dem Präsidenten den Weg nicht nur nach oben, sondern auch nach draußen. Und wie heißt wohl der Nachfolger von Zwanziger? Ich würde wetten, es werden sich genügend finden, die sagen werden: "Wolfgang, mach du's."

Dazu muss der fragliche Posten natürlich erst mal frei werden. Das passiert allerdings nicht so schnell, wenn man dem nominell Ranghöheren dabei offen den Ast absägt. Das geht anders. Man umarmt die Menschen, die man beerben will, mit Solidaritätserklärungen und Lobpreisungen und wiegt sie in dem Gefühl, dass man ihnen nicht mal im Traum einen raschen Abgang wünscht.

Jeder mag seine eigenen Visionen davon entwickeln, auf welche Weise demnächst der Job wieder frei wird, den Theo Zwanziger zur Zeit inne hat und der im Jahr 2010 per Wahlakt für drei Jahre neu vergeben wird. Und welcher Name den Landesfürsten als erstes bei der Konklave einfallen wird. Bei der Wahl zum Generalsekretär hatte Niersbach übrigens keinen Gegenkandidaten. Warum sollte sich diesmal jemand gegen ihn stellen? Die Sache ist doch klar: Es gibt keinen besseren für den Job.

7. Dezember 2008

Anja Monke: Ab 2009 die volle amerikanische Tour

Sandra Gal aus Leichlingen erhält in der kommenden Saison auf der amerikanischen LPGA-Tour Gesellschaft aus Deutschland. Anja Monke (Bild) hat sich am Sonntag mit einem 15. Platz bei der Qualifying School in Daytona Beach die Tourkarte erspielt. Die 31jährige Golferin aus Hannover rundete damit ein Jahr ab, in dem sie sich mit ihrem ersten Turniersieg auf der Europäischen Tour (in Arras) ganz weit nach oben gearbeitet hatte. Sie war vorher im Juli bei den State Farm Classic in Springfield/Illinois zum ersten Mal überhaupt in den USA angetreten und hatte dort den 62. Platz belegt. Martina Eberl aus München schaffte nur den 42. im Klassement der Q School und muss die Reise nach Florida unter "weitere Erfahrung sammeln" abbuchen. Nur die 20 besten wurden promotet. Zu den denen gehörte auch Michelle Wie, die bislang versucht hatte, sich die Tourkarte über einen Platz auf der Geldrangliste zu erarbeiten. Das gelang jedoch nicht. Wie studiert noch in Stanford und wird vermutlich auch in der kommenden Saison noch kein volles Pensum gehen. Aber zumindest kann sie sich jetzt aus dem Terminkalender die Wettbewerbe aussuchen, die ihr passen, und ist nicht mehr auf Einladungen von Sponsoren angewiesen.

4. Dezember 2008

Mit dem Geld anderer Leute

Möge niemand sagen: Vor solchen Leuten sei der, ach, so redliche Sportkommerz in Deutschland bewahrt. Vielleicht vor exakt diesem. Aber es gibt ja noch mehr. Deshalb der Hinweis an dieser Stelle auf einen Fall aus den USA: Dort hat die Aufsichtsbehörde die betrügerischen Manöver ein Venture-Capital-Financiers aus Kalifornien aufgedeckt und zur Anklage gebracht. Dem Herrn gehört auf dem Papier ein Anteil am NHL-Club Nashville Predators. Früher hatte er auch mal seine Finger bei den San Jose Sharks mit drin. den Anteil hat er mit geliehenem Geld erworben, mit dem er auch noch seinen teuren Lebenssstil bezahlen konnte. Wir reden von einer Größenordnung von 65 Millionen Dollar. Kurioses Ergebnis der Ermnittlungen: ein gewisser Joe Montana, einst Quarterback der San Francisco 49ers, ist heute Vize einer Bank (Modern Bank of New York), die dem Burschen 10 Millionen Dollar vorgestreckt hat und jetzt sehr gerne das Geld wieder hätte. Kann man verstehen, in diesen schlechten Zeiten.

Mavs machen Miese

Die Wirtschaftszeitschrift Forbes hat ihre jährliche Liste über den Marktwert von NBA-Teams veröffentlicht. Die Daten basieren auf einer erfolgreichen Saison, in der dank einer Finalserie zwischen den Los Angels Lakers und den Boston Celtics und dank LeBron James die Einschaltquoten nach oben gegangen waren. Ob und wie die gegenwärtige Krise den Clubs zu schaffen machen wird, ist in diese Kalkulationen nicht eingeflossen. Die Dallas Mavericks haben übrigens laut Forbes in der letzten Saison ganz erheblich Geld verloren: 13, Millionen Dollar. Hauptgrund: Das frühe Aus in den Playoffs mit mageren zwei Heimspielen. Hier nur die Top Ten.


NBA-TeamMarktwert in Dollar



Geschäftsjahr
1 New York Knicks 613 Mio.


29,6 Mio.
2 Los Angeles Lakers 584 Mio.


47,9 Mio.
3 Chicago Bulls 504 Mio.


55,4 Mio.
4 Detroit Pistons 480 Mio.


40,4 Mio.
5 Cleveland Cavaliers 477 Mio.


13,1 Mio.
6 Houston Rockets 469 Mio.


31,2 Mio.
7 Dallas Mavericks 466 Mio.


-13,6 Mio.
8 Phoenix Suns 452 Mio.


28,9 Mio.
9 Boston Celtics 447 Mio.


20,1 Mio.
10 San Antonio Spurs 415 Mio.


19,0 Mio.

UFL hat auch Mexiko im Visier

Die UFL hat ein neues Logo und jetzt auch eine Webseite, auf der sich das eine oder andere abspielt. Der Commissioner hat ein Video produziert und schreibt Blogeinträge. Die ersten Amerikaner reagieren animiert mit Kommentaren. Um am Ende sechs Städte festzulegen, hat man zur Zeit neun Aspiranten benannt. Darunter befindet sich auch die mexikanische Stadt Monterrey. Noch immer plant man, 2009 parallel zur NFL und zum College-Footballgeschehen anzutreten. Mutig, ja. Aber klug?

Sperre für einen Spruch


Wenn eine Geschichte Aufmacher-Status bei Pardon the Interruption auf ESPN erreicht, muss sie wirklich eine gewisse Bedeutung haben. Da fällt es schwer zuzugeben, dass sich einem diese mutmaßliche Bedeutung nicht erschließt. Denn wer ist eigentlich Sean Avery und welche Bedeutung hat er für den Sport in Nordamerika? Man könne meinen: die geht gegen Null. Was ist die Relevanz von Eishockey im Medienalltag abseits der Städte, in denen die NHL nach Kräften versucht, wirtschaftlich zu überleben? Auch hierbei dürfte es sich um einen Minimalwert handeln. Aber das Thema schien wohl einfach zu frivol und zu verführerisch, um es nicht mit irgendeiner Zange anzufassen und öffentlich auf den Tisch zu legen. Bei ESPN und anderswo.

Die Vorgeschichte geht so: Sean Avery gehört zu jenen kanadischen Eishockeyspielern, die den technisch besseren und schnelleren Europäern nur in einer Kategorie überlegen sind – beim Faustkampf. Er dürfte allerdings der erste sein, der mit diesem zwiespältigen Charme des Brutalos bei Frauen mit Klatsch-Appeal aus der mittleren Model- und Actricen-Liga ankommt. Rachel Hunter, Ex-Frau von Rod Stewart, hielt es ein Jahr mit ihm aus. Elisha Cuthbert (spielt zur Zeit in der amerikanischen Fernsehserie 24) konnte sich seiner ebenfalls nicht erwehren. Die Kanadiern Cushbert scheint eine besondere Schwäche für Eishockeyprofis zu haben. Derzeit ist sie allerdings mit einem besseren Spieler – mit Dion Phaneuf von den Calgary Flames – liiert.

Nun zur Geschichte selbst. Avery, der inzwischen bei den Dallas Stars sein Handwerk versieht, sah sich vor ein paar Tagen genötigt, vor laufender Kamera und vor einem Match gegen die Flames Phaneuf zu provozieren und die Verflossene schlecht zu machen. Alles in einem Satz und offensichtlich bewusst kalkuliert. Dies ist der Satz: "I'm really happy to be back in Calgary, I love Canada and I just wanted to comment on how it's become a common thing for guys in the NHL to fall in love with my sloppy seconds, I don't know what that's about."

Der wichtigste Teil ist der Slang-Ausdruck sloppy seconds, der bislang noch nicht besonders populär war, aber so krude ist, dass man ihn in den USA nicht mal über den Nachrichtenticker verbreiten möchte. AP zitierte nicht, sondern "übersetzte" die Wendung einfach und ohne besondere Erklärung mit "ehemalige Freundinnen". Ein Akt der Zensur, der um so merkwürdiger wirkt, wenn die Urversion parallel ungefiltert (und ohne weitere Erklärungen) im Fernsehen verbreitet wird. Und doppelt kurios, wenn man bedenkt, das Avery genau wegen dieses Spruchs von der NHL auf unbestimmte Zeiten gesperrt wurde.

Um die Schwere der Tat zu begreifen, muss man erst mal verstehen, was der Ausdruck bedeutet, oder nicht? Zum Glück gibt es ja das Internet. Und dort das Urban Dictionary, das sich zu einem der besten Sammelgefäße für Gossenjargon und Artverwandtes entwickelt hat. Es handelt sich demnach bei dem Begriff um eine Anspielung an ein bestimmtes Sexualverhalten, bei dem eine Frau kurz nacheinander mit zwei verschiedenen Männern Geschlechtsverkehr hat. Beim Wort sloppy spielt in diesem Zusammenhang dessen Mehrdeutigkeit eine Rolle. Denn es kann so viel heißen wie "nass", aber auch "schlampig" und "schmuddelig". Auch seconds schillert ein wenig. Man denkt an zweite Wahl, aber auch an Nachschlag (beim Essen).

3. Dezember 2008

Phelps: Pur und als Simpel

Die Mutter ist Rektorin an einer Mittelschule, aber hat inzwischen ihren eigenen Werbevertrag. So weit reicht die Magie des Namens Phelps. Der Erfolg der Marke wird in diesen Wochen durch die Entscheidung von Sports Illustrated noch aufgewertet, ihn zum Sportler des Jahres auszurufen. Das Geschäft brummt. Auch wenn sein Einsatz für das Proteinprodukt PureSports bei manchen Kopfschütteln ausgelöst hat. Die Geschichte heute im Wall Street Journal hat man hier aufgegriffen. Mehr über seine Verhältnis zum Glückspiel und zu einem bestimmten Typ von Frau liest man hier. Die neueste Flamme arbeitet als Barkellnerin in einem Casino und trägt sehr viele Tätowierungen spazieren.

2. Dezember 2008

Nachladen: Es geht um Plaxico

Ich weiß nicht, ob das Wort Nachladen an dieser Stelle nicht missverständlich klingt. Aber der Schuss in den Oberschenkel in der Nacht zum Samstag in einem New Yorker Night-Club hat nicht nur Bürgermeister Bloomberg auf die Palme gebracht, sondern auch Jon Stewart in der Daily Show in Schwung. Alle hacken irgendwie auf Plaxico Burress herum, der eigentlich schon bestraft genug sein sollte. Aber halt: Tatsächlich drohen ihm im Fall einer Verurteilung mindestens dreieinhalb Jahre Gefängnis. Die Waffengesetze im Staat New York sind strenger als in anderen Landstrichen der Vereinigten Staaten.