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4. Dezember 2008

Mit dem Geld anderer Leute

Möge niemand sagen: Vor solchen Leuten sei der, ach, so redliche Sportkommerz in Deutschland bewahrt. Vielleicht vor exakt diesem. Aber es gibt ja noch mehr. Deshalb der Hinweis an dieser Stelle auf einen Fall aus den USA: Dort hat die Aufsichtsbehörde die betrügerischen Manöver ein Venture-Capital-Financiers aus Kalifornien aufgedeckt und zur Anklage gebracht. Dem Herrn gehört auf dem Papier ein Anteil am NHL-Club Nashville Predators. Früher hatte er auch mal seine Finger bei den San Jose Sharks mit drin. den Anteil hat er mit geliehenem Geld erworben, mit dem er auch noch seinen teuren Lebenssstil bezahlen konnte. Wir reden von einer Größenordnung von 65 Millionen Dollar. Kurioses Ergebnis der Ermnittlungen: ein gewisser Joe Montana, einst Quarterback der San Francisco 49ers, ist heute Vize einer Bank (Modern Bank of New York), die dem Burschen 10 Millionen Dollar vorgestreckt hat und jetzt sehr gerne das Geld wieder hätte. Kann man verstehen, in diesen schlechten Zeiten.

8. Oktober 2008

Silvester-Tod in Denver: Anklage gegen Hauptverdächtigen

Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis die Mühlen der Justiz in Colorado eine Anklageschrift produziert haben. Der Mann, der vermutlich das Leben des Denver-Broncos-Cornerback Darrent Williams auf dem Gewissen hat, wird sich demnächst vor Gericht verantworten müssen. Die Tat wurde in der Silvesternacht 2006/2007 in Denver verübt und wirkt bis heute völlig mysteriös. Die Polizei war dem Hauptverdächtigen schon ziemlich früh auf der Spur. Aber die Staatsanwaltschaft kam anschließend nur im Kriechtempo voran.

11. September 2008

Auch linke Titten haben Rechte

Vor ein paar Stunden haben amerikanische Staatsanwälte, die sich im Kampf gegen Doping im Sport und in den Bodybuilding-Studios des Landes schon sehr weit vorgerobbt hatten, einen herben Rückschlag erlitten. Da schlug der Richter im Verfahren gegen die Eigentümer und wichtigsten Mitarbeiter einer Apotheke in Orlando die Anklageschrift nieder, weil er mit der Vorgehensweise der Ermittler nicht einverstanden war. Die mögliche Folge: Die Figuren, die aus ihrer Apotheke eine Online-Drogenfabrik gemacht hatten und mit zahllosen Ärzten zusammenarbeiteten, die getürkte Rezepte ausstellten, um auf diese Weise den Anschein regulärer Verschreibungen aufrecht zu erhalten, kommen vom Haken, sie behalten das viele Geld, das sie mit ihren rechtswidrigen Geschäften verdient haben und können sich als Opfer der bösen Staatsgewalt gebärden.

Wie ist es nur möglich, vor allem angesichts der Tatsache, dass eine Reihe von Mittätern bereits Geständnisse abgelegt haben und sich bereit erklärt hatten, als Belastungszeugen auszusagen? Ganz einfach: Amerikas Rechtsverständnis, abgeleitet aus der Verfassung, macht es den Strafverfolgungsbehörden im Prinzip sehr schwer. Beweismittel, seien es Waffen oder Geständnise, die auf fragwürdige Weise besorgt wurden, können vom Richter als unzulässig eingestuft werden. Fehlerhaftes Verhalten der Anklagevertretung innerhalb des Verfahrens kann, wenn es auf Kosten des Angeklagten geht, den ganzen Prozess kippen. Auf der einen Seite heißt das: Jeder Kriminelle kann auf diese Weise, vorausgesetzt er hat einen klugen Anwalt hat, der ständig punktgenaue Anträge einreicht, davon kommen. Berühmtes Beispiel: O. J. Simpson. Auf der anderen Seite bedeutet es: die Behörden müssen sich wirklich Mühe geben und dürfen sich keine Fehler leisten. Der Staatsanwalt von Albany, den ich nicht um die Mehrarbeit beneide, die er auf sich genommen hat, hat immerhin noch eine Chance, den Karren aus dem Dreck und wieder auf die Straße zu ziehen. Er kann in die Berufung gehen. Hoffentlich hat er dann die besseren Argumente.

Mehr zu dem Umfang der Enthüllungen, die die 2007 durchgeführten Beschlagnahmeaktionen ans Tageslicht gebracht haben. Plus die Geschichte über den Selbstmord eines Apothekers in New York, der im Rahmen der gleichen Fahndungsaktion als Mega-Lieferant aufflog.

Blick zurück: Die Rapper, die als Kunden geoutet wurden
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19. November 2007

Der Klingelbeutel: Meineid, Deineid, Seineid

Nachdem die Staatsanwaltschaft von San Francisco Anklage gegen den Baseballprofi Barry Bonds wegen Meineid erhoben hat, lohnt es sich, den Scheinwerfer auf den Ermittler zu richten, der seit mehreren Jahren den BALCO-Fall auf allen Haupt- und Nebengeleisen vorangetrieben hat. Da wir das bereits im Jahre 2004 in der FAZ getan haben, fällt es etwas schwer, das alles noch mal zu wiederholen. Also hier dann ein Blick auf die aktuelle Geschichte in der New York Times. Sie bringt ein seltendes Foto von jenem Strafverfolger, der Marion Jones und Victor Conte und vielen anderen unerbittlich nachgesetzt hat.

Hinreichend bekannt unter Leuten, die den amerikanischen Sport verfolgen: Der Fluch, den jemand vefällt, wenn er auf dem Titel der Zeitschrift Sports Illustrated aufgetaucht ist. Und der Madden Curse, der etwas mit dem populären Football-Videospiel zu tun hat. Jetzt neu: Die geschäftsschädigende Wirkung der anspruchsvollen Zeitschrift The New Yorker, die neulich den mächtigen Baseball-Agenten Scott Boras in einem wirklich lebenswerten Porträt ausleuchtete. Der Autor hatte Zeit und Zugang. Nun feuerte der Pitcher Kenny Rogers Boras und beschloss, Vertragsserhandlungen alleine zu führen. Und auch sein prominentester Mandant - Alex Rodriguez oder auch A-Rod genannt - marschiert auf eigenen Wegen.

Das war kein gutes Wochenende für Boston: die Fußballer von New England Revolution haben die Meisterschaft verpasst. Und die bislang ungeschlagenen Celtics aus der NBA mussten die erste Niederlage hinnehmen. Angesichts der vorausgegangenen Erfolgsserien (noch intakt: der streak der Patriots in der NFL) und der Meisterschaft der Boston Red Sox werden plötzlich junge Republikaner ganz hibbelig. Einer glaubt: Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (war bisher Gouverneur in Massachusetts, davor Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele von Salt Lake City) habe demnach ebenfalls die besten Karten, um die Vorwahlen zu gewinnen, die im Januar beginnen. Kann schon sein. Der bislang populärste Konkurrent in seiner Partei, der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, hat noch sehr viele Probleme vor sich. Und dass der angebliche lebenslange Yankees-Fan neulich erklärte, er halte den Red Sox bei der World Series die Daumen, hat seine Populariät auch nicht befördert. Dafür wurde er als eindeutiger Opportunist geoutet.

17. August 2007

Finito la musica für Vick: Alle Kumpels haben gesungen

Keine Ahnung, ob Leser dieses Blogs wirklich gerne die Kopien von offiziellen Dokumenten lesen, wie sie sich Sportler in den USA einhandeln, wenn sie die Gesetze übertreten. Manchmal ist viel Kauderwelsch involviert. Es mangelt an knackigen Zusammenfassungen. Es sind halt Akten. Aber man kann die Lektüre wirklich empfehlen. Zum Beispiel im Fall von Quarterback Michael Vick, der, nachdem sich alle drei Mitangeklagten in seinem Hundekampf-Prozess für schuldig erklärt haben und er damit kaum noch eine Chance hat, aus der Nummer herauszukommen, in einem riesigen Dilemma steckt. Soll er jetzt noch den Prozess riskieren? Oder lieber mit der Staatsanwaltschaft feilschen und eine (Gefängnis-)Strafe akzeptieren? Was The Smoking Gun hochgeladen hat, ist auch deshalb interessant, weil es aufschlüsselt, wie die amerikanischen Ermittlungsbehörden arbeiten und denken, wenn sie einen Verbrecher überführen wollen. Wie methodisch die Jungs vorgehen, wird selten in den Hollywood-Krimis deutlich. Auch nicht bei Law and Order. Die Qualität dieser Akten ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Bundesregierung ("the Feds") die besten Polizisten und Staatsanwälte hat, aber nur einen geringen Teil der Strafprozesse abwickelt. Die wissen, wie man sich aufs Wesentliche konzentriert. Die meisten Kriminalfälle werden hingegen auf Bundesstaatsebene von meistens nicht halb so talentierten Leuten abgespult. Und die sind oft auch noch überlastet.

Punkt 46 auf Seite 11 ist besonders wichtig (und wohl auch deshalb von The Smoking Gun markiert): Michael Vick soll nicht nur sein Geld in die Kampfarie gesteckt haben, sondern im April mit zwei anderen Angeklagten acht Tiere umgebracht haben, die bei sogenannten Tests nicht die erhoffte Leistung gebracht hatten.
Blick zurück: Vicks Probleme in Kurzfassung

19. November 2006

NBA de luxe: Bibel, Basketball und bizarre Zivilklagen


Für das Gehalt, das ein NBA-Spieler wie Zach Randolph erhält, kann man sich viel leisten. Unter anderem eine Villa außerhalb von Portland, zahllose Autos, Kampfhunde, die auf das Kommando "Platz" hören, und eine ganze Mannschaft an Begleitern, mit denen man in seinem Heimkino stundenlang Videospiele abspulen kann. Und weil Zach Randolph stolz darauf ist (genauso wie auf die prominent ausgestellte Bibel in seinem Wohnzimmer), hat das MTV-Publikum vor einer Weile von all dem einen Eindruck erhalten dürfen. Was das Geld nicht vermag, ist, dem Mitglied der Portland TrailBlazers Wertvorstellungen zu vermitteln, die sich an den allgemein gültigen gesellschaftlichen Maßstäben orientieren. Deshalb erhielt er im Oktober eine Zivilklage von einem Nachbarn, der sich seit zwei Jahren von Randolph und seinem Freund und ehemaligen Mannschaftskameraden Qyntel Woods eingeschüchtert und attackiert wurde.

In dieser Woche kam die Klage einer Frau dazu (sie wird unter dem Anonym-Namen Jane Doe in den Akten geführt). Sie beschuldigt Randolph und eine Gruppe von Freunden, die er seine Hoops Family nennt, sie vergewaltigt zu haben. Weil der Vorwurf eine komplexe Vorgeschichte enthält, bei der es um einen Strip-Club und um bezahlten lesbischen Sex geht, durch den sich Randolph angeblich in Stimmung bringen wollte. Die Details werden allerdings haarklein in der Anklageschrift aus Sicht der betroffenen Frau abgehandelt. Sie verlangt 1 Million Dollar. Sie hatte den Vorfall im August der Polizei gemeldet. Die Staatsanwaltschaft hatte damals jedoch die Ermittlungen nicht vorangetrieben. Unter anderem, weil, wie AP meldet, Randolph nicht als Verdächtiger identifiziert worden war.

Randolph ist schon einmal knapp davon gekommen - 2004 - bei einer Schießerei in einem Nachtclub in seinem Heimatstaat Indiana. Sein Bruder Roger wurde jedoch verurteilt und musste ins Gefängnis. Im Jahr 2003 wurde er mannschaftsintern für zwei Spiele gesperrt, weil er im Traning seinen Teamkollegen Ruben Patterson ins Gesicht geschlagen hatte.

11. Oktober 2006

NBA: Ballermann wird angeklagt

Diese ergänzende Nachricht ist nicht dazu da, weiter auf Stephen Jackson und den Indiana Pacers herumzuhacken, die nachts nach dem Training noch gerne in den Strip-Club gehen. Und auch nicht, um zu berichten, dass Jackson eine Anklage erhalten hat, die ihm eine schwere Straftat und zwei kleinere Vergehen zur Last legt. Der schwere Tatvorwurf lautet: criminal recklessness. Das ist nicht leicht zu übersetzen, weil die amerikanische Rechtsauffassung und die ihr zu Grunde liegende britische Rechtstradition nicht eins zu eins in Ländern wie Deutschland angewendet werden können.

Hier soll auch nicht groß darauf herumgeritten werden, dass er offensichtlich keine Angst hatte, mit seiner Pistole herumzuballern. Nein. Dies soll einfach nur all jenen, die Lust haben, einen amerikanischen Polizeireport in Facsimile lesen wollen, die langwierige Suche ersparen: Der Indianpolis Star hat ihn als pdf-Datei hochgeladen und gelinkt. Hinweis: Mein Firefox-Browser ist zu dumm, pdf-Dateien komplett zu bringen. Ich muss immer auf Explorer umsteigen und die Datei herunterladen.

Blick zurück: Die erste Arena-Geschichte über den Vorfall