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26. September 2009

Das Gesicht eines Super-Bowl-Gewinners

Das Gesicht einer Super-Bowl-Gewinners ein paar Monate später. Dies ist das offizielle Gefängnisfoto von Plaxico Burress, einst als Wide Receiver bei den New York Giants unter Vertrag, dann eines Nachts Ende des letzten Jahres mit einer geladenen Schusswaffe in einem Nachtclub in Manhattan unterwegs. Die Pistole entlädt sich und verletzt Burress im Oberschenkel. Er braucht ärztliche Hilfe, und so kommen ihm die Polizei und die Staatsanwaltschaft auf die Spur. Waffenbesitz mag in anderen Teilen Amerikas eine Selbstverständlichkeit sein. In der Stadt New York kann so etwas bereits eine Strafe nach sich ziehen. Besonders, wenn man die Öffentlichkeit gefährdet. Um eine höhere Strafe als die zwei Jahre zu vermeiden, gab der Football-Profi die Tat zu. Auch sein ehemaliges Team und die Liga schlugen kräftig zu. Die Strafe könnte bei guter Führung aufg 20 Monate reduziert werden. Die Haftzeit wird er in einem Gefängnis in Beacon verbringen, etwa 70 Kilometer außerhalb von New York. In Einzelhaft, weil er als prominenter Gefangener sonst mit Provokationen von anderen Insassen rechnen muss (via Deadspin und Smoking Gun).

Blick zurück: Nachladen – das Echo auf den Fall Burress

31. März 2009

Der Klingelbeutel: Plaxico muss rein, Vick kommt raus

Mr. Plaxico Burress hat eine Frist bekommen, in der er die frische Luft da draußen in New Jersey noch ein bisschen genießen kann. Der Wide Receiver der New York Giants, der sich neulich mit einer illegal herumtransportierten Schusswaffe in einer Kneipe ins eigene Fleisch schoß, muss mit Gefängnis rechnen. Alles sieht nach einem Geständnis und einer Vereinbarung mir der Staatsanwaltschaft aus (plea bargaining). Einen Prozess will der Footballprofi wohl nicht riskieren.

• Mr. Michael Vick wird demnächst (im Mai) das Gefängnis verlassen können, weil er seine Strafe wegen Tierqäulerei abgesessen hat. Heute lief die Meldung über eine Einigung zwischen ihm und seinem alten Team, den Atlanta Falcons, über den Ticker. Der Club erhält Geld von ihm. Viel Geld: 6,5 Millionen Dollar. Auf diese Weise kommt der Quarterback aus seinem alten Vertrag heraus und kann seine Dienste anderen Mannschaften in der NFL anbieten. Für diese Dienste rechnet er mit einem Salär von 10 Millionen Dollar pro Jahr. Davon müsste er allerdings einen erheblichen Teil bei seinen Schuldnern abliefern. Er hatte vor einer Weile privat Konkurs angemeldet, weil er zahlungsunfähig wurde.

• Es gab den Pferdeflüsterer in Buchform und dann mit Robert Redford im Kino (nicht zu vergessen mit einer gewissen Scarlett Johansson, deren riesiger Schmollmund quasi über allem schwebte). Dann kam der Dog Whisperer, der Hundebesitzern hilft und auf einem Kabelkanal tief hinten im Sendergestrüpp einen Köter nach dem anderen an die Kandarre nimmt. Die nächste Flüstertüte ist ein ehemaliger Anwalt ohne brauchbare sportliche Erfahrung, dem einige NBA-Profis trauen, wenn sie ihr Spiel verbessern wollen. Ihn nennt man den Hoops Whisperer. Seine Methoden sind noch unkonventioneller als die des Nowitzki-Mentors Holger Geschwindner. Und das will was heißen. Ausgegraben hat ihn das Wall Street Journal. Zu seinen Kunden gehören: Carmelo Anthony (Denver Nuggets), Jason Richardson (Phoenix Suns) und Gilbert Arenas (Washington Wizards), um den es zuletzt etwas sehr still geworden ist. Idan Ravin heißt der Zauberer.

• Im Internet sind noch Stellen frei. Auch für Sportschreiber, die bei den Printerzeugnissen keine Zukunft mehr sehen. AOL Fanhouse hat gerade sechs Leute angestellt.

2. Dezember 2008

Nachladen: Es geht um Plaxico

Ich weiß nicht, ob das Wort Nachladen an dieser Stelle nicht missverständlich klingt. Aber der Schuss in den Oberschenkel in der Nacht zum Samstag in einem New Yorker Night-Club hat nicht nur Bürgermeister Bloomberg auf die Palme gebracht, sondern auch Jon Stewart in der Daily Show in Schwung. Alle hacken irgendwie auf Plaxico Burress herum, der eigentlich schon bestraft genug sein sollte. Aber halt: Tatsächlich drohen ihm im Fall einer Verurteilung mindestens dreieinhalb Jahre Gefängnis. Die Waffengesetze im Staat New York sind strenger als in anderen Landstrichen der Vereinigten Staaten.

30. November 2008

Früher begann der Tag mit einer Schusswunde, heute endet er damit

Richtig klar ist die Sache noch immer nicht. Sieht man mal davon ab, dass Wide Receiver Plaxico Burress im Krankenhaus war und dass er einen Anwalt hat, der mit ihm am Montag zur Polizei stiefeln will. Die Medienberichte sind sich zumindest so weit einig: Der NFL-Profi hatte eine Handfeuerwaffe dabei, als er am Freitag in einer New Yorker Kneipe war. Und mit der hat er sich selbst eine Schwusswunde im Oberschenkel zugefügt. Antonio Pierce, ein Mannschaftskollege von den New York Giants war wohl mit Burress zum fraglichen Zeitpunkt gemeinsam unterwegs. Der Mann mit dem kuriosen Vornamen gehört zu den eitlen Figuren in der Liga und steht anderen Wideouts wie Terrell Owens (Dallas Cowboys) und Chad Ocho Cinco (Cincinnati Bengals) kaum nach. Wie undiszipliniert Burress ist, wurde Ende September klar, als berichtet wurde, dass er in den fünf Jahren seiner Karriere in New York vom Club zwischen 40- und 50mal mit einer Geldbuße belegt wurde. Die Mannschaftsführung sah sich am Anfang der Saison gezwungen, die Daumenschrauben mit einer Spielsperre etwas anzuziehen. Zuletzt musste er schon früh mit einer Verletzung den Platz verlassen.

Nachtrag: Genau genommen handelt es doch um einen Schuß zum Tagesbeginn (Sorry, Mr. Wondratschek für die Konfusion). Die Szene spielte sich nämlich kurz nach Mitternacht ab. Was danach passierte, ist bester Lesestoff. Die New York Post hat das ganze Klavier gespielt und folgende Partitur rekonstruiert: Der Club hat den Zwischenfall nicht den Behörden gemeldet (verstößt gegen die Waffengesetze). Das Krankenhaus hat die Behandlung der Wunde nicht den Behörden gemeldet (verstößt gegen die Waffengesetze). Die Pistole vom Kaliber 40 wurde von der Polizei bei Burress in der Küche gefunden. Der Spieler und seine Freunde haben vor dem Gang ins Krankenhaus eine kleine Geschichte erfunden und dafür gesorgt, dass er sich unter falschem Namen registriert. Er wurde trotzdem vom Personal erkannt.

20. Juni 2007

Strafe für Ballermann Jackson: Putzen, Anstreichen - stundenlang

Ich habe noch nicht gesehen, wie groß das blaue Auge ist, mit dem Basketball-Profi Stephen Jackson von den Golden State Warriors heute davon gekommen ist. Den Namen von seinem Anwalt sollte man für alle Fälle in sein Adressverzeichnis aufnehmen. Der Mann versteht was von seinem Beruf. Jackson hatte im letzten Oktober vor einem Strip-Club in Indianopolis mit seiner Pistole herumgeballert und war deswegen angeklagt worden. Eine Gefängnisstrafe schien unvermeidlich, da er mit der Tat gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hatte, die er sich wegen seiner Rolle beim Artest-Zwischenfall in Detroit eingehandelt hatte (beide rannten 2004 in einem Match der Indiana Pacers gegen die Detroit Pistons auf die Zuschauertribüne, um sich mit Fans zu prügeln. Das wurde nicht nur von der NBA geahndet, sondern auch von der Justiz). Das Problem ist quasi vom Tisch (wenn er sich von jetzt an mehr am Riemen reißt und nicht wieder gegen irgendwelche Gesetze verstößt). Nachdem er sich in der Ballermann-Geschichte schuldig erklärte, erhielt er eine Geldstrafe von 5000 Dollar und muss 100 Stunden sogenannten Community Service leisten. Darunter kann man vieles verstehen. Die Staatsanwälte wollen, dass er in einer sozialen Einrichtung putzt und anstreicht und nicht etwa den Insassen das Basketballspielen beibringt. In Detroit kam er ebenfalls mit Community Service davon. In diesem Fall werden es zehn Tage sein.

Die Pacers hatten Jackson im Laufe der Saison im Rahmen eines Spielertausches nach Oakland zu den Warriors geschippert. Dort gehörte er zu den wichtigsten Akteuren, die die Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki in der ersten Runde aus den Playoffs kegelten.

Wie ist das normale Leben für jemanden wie Stephen Jackson? Dieses Video aus seiner Zeit mit den Pacers zeigt einen ganzen Tag. Von Waffen war nicht die Rede.

14. Mai 2007

Der Glaube an die Kraft der Gene, Folge XY: Diesmal Bode Miller

Der weit verbreitete journalistische Kotau vor den Söhnen und Töchtern berühmter Sportler ist hier bei anderer Gelegenheit schon mal aufgegriffen worden. Einen ähnlichen Fall hatten wir vor ein paar Tagen: Da ging es um Dale Earnhardt jr. und sein geschäftlichen Ambitionen. Die vielen Moritaten über das Famlienleben von Proto-Sportlern und dieser fast schon nazimäßige Glaube an die Kraft der Gene, die uns zwei Jahrtausende Aristokratie beschert haben und nur mit viel Feuer und Flamme seitens unserer bürgerlichen und proletarischen Vorfahren in ihre Latifundien exiliert wurden, kann man noch übertreffen. Heute in der New York Times: Die Geschichte über einen Vetter von Bode Miller, der am Wochenende einen Polizisten erschossen hat und anschließend von einem Passanten mit der Waffe des Polizisten erschossen wurde. Der Tatort: Easton in New Hampshire, wo Miller und sein Cousin namens Liko Kenney aufgewachsen sind. Die verwandtschaftliche Beziehung: über die Mutter, deren Clan vor zwei Generationen in diesen abgelegenen herben Teil Amerikas gezogen ist und deren Angehörige offensichtlich eine antiautoritäre Einstellung gemein haben. Hat nicht auch Bode Miller so etwas Aufsässiges? Hat er sich nicht gerade offiziell aus dem US-Skiverband verabschiedet, weil er deren Auflagen nicht akzeptieren kann? Kommt man da nicht ins Grübeln?

Gewiss, aber erstens vor allem über die Menge an Platz, die die Zeitung diesem für amerikanische Fälle ziemlich alltäglichen Kriminalfall widmet. Und zweitens wegen der Chuzpe, die Familiengeschichte in einen Topf zu werfen: Auf Englisch heißt das dann: "the family’s outlaw mystique". Übrigens in der ganzen Geschichte kein Wort darüber, ob die beiden Burschen überhaupt ein näheres Verhältnis zueinander hatten (so etwas steht zumindest bei AP, wo man herausgefunden hat, dass Bode schon mal eine Kaution für Vetter Liko hinterlegt hat). Nur dieses Zitat von einem Onkel der beiden: "Bode hat seine Wut sehr nett ins Skifahren kanalisiert. Liko hat das nicht gehabt. Er konnte mit seiner Wut nicht umgehen." Und dann noch dieses Nugget: "Nicht weit von der tötlichen Szenerie befindet sich das Haus, in dem Miller im Schatten des Cannon Mountain aufwuchs." Grandiose Recherchenleistung: Wir stellen per Zitat eine beliebig erklärbare und interpretierbare inhaltliche Beziehung her und legen noch eine geographische Achse nach. Wenn so was in der BILD-Zeitung stehen würde, wäre das einen Eintrag im BILdblog wert. Es steht aber in der New York Times. The paper of record. Dort geht man eben auch gerne hochhackig übern Boulevard und wackelt mit dem Arsch.

Die beiden Fotos von Liko Kenney und dem erschossenen Polizisten stammen von der Webseite der örtlichen Fernsehstation WHDH.

P.S. Dieser Beitrag enthält acht Links. Ein absoluter American-Arena-Rekord.

16. März 2007

Bears-Verteidiger Tank Johnson ins Gefängnis

Hinterher tat der Anwalt so, als würde ein prominenter Sportler in den USA gewöhnlich härter bestraft als irgendein armer Schlucker, der in die Mühlen der Justiz geraten ist und sich keinen vernünftigen Rechtsbeistand leisten kann. Das war natürlich Unsinn: Tank Johnson hatte die Bewährungsauflagen ignoriert, die ihn ein Jahr vorher vor dem Gefängnis bewahrt hatten. So konnte der Verteidiger der Chicago Bears diesmal wirklich nicht damit rechnen, dass der Richter Verständnis zeigt. Zumal es sich um das gleiche Delikt handelte: illegaler Besitz von Waffen (nicht von einer, sondern von sechsen). Sein berühmter Mitspieler Brian Urlacher hatte vergeblich ausgesagt und erklärt: "Ich denke nicht, dass er ein Krimineller ist. Ich denke, er ist guter Kerl." Genauso wie sein Trainer Lovie Smith, der ein ähnlich tolles Bild von ihm zeichnete. Was einem leicht fällt, wenn man ignoriert, dass erst vor ein paar Monaten ein Leibwächter von Johnson erschossen wurde. Der Football-Profi hatte zwar keine unmittelbare Schuld an dem Zwischenfall, aber er stand nicht weit weg, als es passierte. Ein guter Kerl?

Richter John Moran sah das anders und verhängte eine Strafe von 120 Tagen Gefängnis. Polizisten nahmen den Sportler anschließend in Gewahrsam. Der sah "sichtlich überrascht" aus, wie die Chicago Sun-Times meldete. Bei guter Führung muss er nur die Hälfte absitzen. Wenn er sich hinter Gittern fit hält, ist rechtzeitig zur nächsten Saison wieder im Einsatz und hat keinerlei finanzielle Einbußen. Abgesehen von den Kosten für Anwalt und Verfahren und einer zusätzlichen Geldstrafe von 2500 Dollar. Johnson verdient eine halbe Million Dollar im Jahr und konnte aufgrund einer Ausnahmeregelung im Februar mit seiner Mannschaft am Super Bowl in Miami teilnehmen. Die Bears verloren das Spiel gegen die Indianapolis Colts.
Blick zurück: Footballspieler mit Schwierigkeiten - der Fall Cincinnati
Blick zurück: Ein Collegefootballspieler in Miami erschossen
Blick zurück: Waffennarren in der NBA - der Commissioner warnt

Blick zurück: Silvesternacht in Denver - Broncos-Profi stirbt im Kugelhagel

22. Januar 2007

NBA reagiert auf tödliche Gefahr: Nachtclubs für Spieler tabu

Ominöse Sicherheitskräfte, die in Diensten der NBA stehen, haben nach Informationen der New York Daily News eine Liste mit den Namen von Nachtclubs erarbeitet, die in Zukunft für die Spieler der Liga tabu sein werden. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf mehrere Schießereien der letzten Monate, in die Sportler verwickelt worden waren. So wurde in der Silversternacht der Football-Profi Darrent Williams in Denver erschossen. Spieler der Indiana Pacers waren im Herbst in Indianapolis in einen nächtlichen Zwischenfall außerhalb eines Strip-Clubs verwickelt, bei dem einer von ihnen seine Waffe einsetzte und nun mit einer Anklage konfrontiert ist. Die NBA leitet ihr Eingreifen, mit dem das Verhalten von Athleten beinflusst werden soll, aus dem Manteltarifvertrag mit der Spielergewerkschaft ab. Basketballer, die sich nicht den Anordnungen fügen, müssen mit Strafen rechnen (via Sports Law Blog).
Blick zurück: Der Stand der Ermittlungen rund um den Tod von Broncos-Verteidiger Darrent Williams
Blick zurück: Der Zwischenfall in Indianapolis und seine rechtlichen Folgen

4. Januar 2007

Die Schüsse von Denver: Polizei noch immer ratlos

Hier in loser Reihenfolge die jüngsten Ermittlungsdetails zum Tod von Denver-Broncos-Footballprofi Darrent Williams:

• Die Polizei hat einen abgestellten weißen, halb umgespritzten Chevrolet Tahoe gefunden, der als Tatfahrzeug in Frage kommt. Einem Zeitungsbericht zufolge gehört der Wagen einem Mann, der zur Zeit in Untersuchungshaft sitzt - wegen Drogendelikten und einem Mordversuch. Er war in der Tatnacht hinter Gittern.

• Der von der NBA gesperrte Carmelo Anthony war in der Silvesternacht ebenfalls in dem Nachtclub in Denver, in dem es mutmasslich einen Streit gab. Er bezeichnet sich als Freund von Williams.

• Die Polizei hat offensichtlich 14 Projektileinschläge ermittelt (sechs mehr als ursprünglich gemeldet). Eine einzige Kugel traf Williams im Hals. Sie war tödlich. Zwei weitere Insassen wurden verletzt und konnten inzwischen das Krankenhaus verlassen.

• Weder die Behörden noch die Medien in Denver haben bisher zu erkennen gegeben, wieviele Leute in der Stretch-Limousine saßen, als der Zwischenfall passierte. Es gibt Mutmaßungen darüber, dass Broncos-Wide-Receiver Javon Walker dabei war und sich dort sein blutverschmiertes Hemd eingehandelt hat, in dem er später fotografiert wurde. Die Insassen-Frage ist auch deshalb von Bedeutung, weil sie die bislang ungeklärten Hintergründe für die Attacke aufhellen könnte.

• Williams hinterlässt einen siebenjährigen Sohn und vierjährige Tochter, die in seiner Heimatstadt Fort Worth in Texas leben.

• Denver-Nuggets-Profi Julius Hodge, der im April auf der Autobahn in Denver nach einem Zwischenfall in einem Nachtclub angeschossen wurde, hat am Dienstag dieser Woche zum ersten Mal seit seiner Genesung wieder ein NBA-Spiel bestreiten können. Es gibt keine Spur von dem oder den Tätern.

1. Januar 2007

Acht Kugeln in der Silvesternacht

Wenn man am ersten Tag des Jahres die Nachricht von einem erschossenen Footballprofi serviert bekommt, bleibt einem ein Teil vom Silvester-Fondue noch nachträglich im Hals stecken. Auch weil die Nachricht vom Tod des Denver Broncos-Verteidiger Darrent Williams, der nur wenige Stunden nach dem letzten Match der Saison in den Straßen der Hauptstadt von Colorado in einem Kugelhagel ums Leben kam, fast überall nur klein mitläuft. Die Sportwelt hat offensichtlich andere Sorgen, als sich zu fragen: Woher kommt die Gewalttätigkeit und die Schießwütigkeit und was ist aus der gesellschaftlichen Rolle von Sport geworden?

Wenigstens acht Löcher fand die Polizei im Wagen von Williams, in dem ein Chauffeur und zwei Freunde saßen. Acht Schüsse, das klingt nicht nur nach Kaltblütigkeit und Plan. Das klingt vor allem nicht nach Zufall mitten in der Nacht. Das klingt nach Wildwest und nach Gangs und Ghetto und nach einer neuen Spalte auf der Sportseite (gleich neben den Dopingmeldungen und den anderen Betrugsnachrichten des Tages): der Polizeibericht.

Ergänzung: deadspin hat ein Interview aus der Denver Post von Anfang Dezember mit Williams aufgespürt, in dem er berichtet, dass er als Teenager "mit den falschen Leuten" Kontakt hatte und im Gang-Milieu groß wurde. Das erklärt nicht den Anschlag auf sein Leben, aber es deutet an, woher immer mehr von Amerikas Profis kommen - aus einer Welt, in der ein Menschenleben gar nichts wert ist, eine Waffe jedoch sehr viel.
Blick zurück: Mord an einem College-Footballspieler
Blick zurück: NBA-Profis mit Waffen - der Commissioner mahnt

13. November 2006

Der ganz normale Tod

Heute wird Bryan Pata beeerdigt. Er war 22. Die Polizei hat noch nicht durchblicken lassen, was sie weiß und was sie zu tun gedenkt. Die Mannschaft der Universität Miami spielte am Samstag, als wäre das ein reguläres Match gegen die Universität Maryland. 13:14. Für den, den es interessiert.
Blick zurück: Waffen an der Universität - ein Toter in Miami

27. Oktober 2006

NBA Commissioner Stern mahnt Waffennarren

Zuerst war da der Zwischenfall mit Stephen Jackson in Indianapolis, der ihm eine Anklage wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit eingehandelt hat und ihn möglicherweise ins Gefängnis bringt. Dann kam die Episode mit Sebastian Telfair von den Boston Celtics, der im Verdacht steht, in New York in eine Schießerei verwickelt gewesen zu sein, in der ein Rapper namens Fabolous verletzt wurde. Und so sah sich NBA-Commissioner genötigt, die Spieler darauf hinzuweisen, dass sie zwar einerseits durchaus Waffen besitzen dürfen, die aber andererseits nicht bei sich haben dürfen, sobald sie in ihrer Rolle als Angestellte eines Clubs unterwegs sind. Das betrifft die Sporthallen, Trainingsanlagen, die Busse und Hotelzimmer auf Reisen und offizielle Auftritte bei Veranstaltungen aller Art. So steht es im Tarifvertrag.

Stern gab bei der Gelegenheit ebenfalls zum Besten, dass Menschen mit Schusswaffen wohl zu Unrecht glauben, dass sie sich mit ihnen schützen können und sich sicherer fühlen. “Es handelt sich um eine weit akzeptierte Statistik, dass deine Chancen erschossen zu werden, dramatisch steigen, wenn du eine Waffe trägst."

Die Perversion der Diskusssion könnte nicht stärker illustriert werden als durch den Kommentar von Richard Jefferson (New Jersey Nets), der darauf hinwies, dass Vizepräsident Richard Cheney vor einem Jahr straflos einem Jagdgefährten eine Ladung Schrot ins Gesicht schießen konnte, während sich Stephen Jackson nur gegen einen Schlag ins Gesicht zur Wehr gesetzt habe. Auf gut amerikanisch heißt so etwas double standard. Mit anderen Worten: Es werde mit zweierlei Maß gemessen. Er sagte es nicht klar und deutlich, ließ aber keinen Zweifel daran, was er meinte: Ein weißer Politiker darf, was ein schwarzer Sportler noch lange nicht kann.

Übrigens: Nicht nur Stephen Jackson hatte eine Pistole dabei, als die Polizei kam, sondern auch zwei seiner Kameraden von den Indiana Pacers, die ihn an diesem Abend begleiteten. Alle drei hatten die Waffen in ihren Autos gelassen und nicht mit in den Strip Club genommen, in dem sie sich bis nachts um drei vergnügten.

Bild: Officer.com - Shaquille O'Neal inspiziert eine Mosquito der Firma Sigarms während der International Association of Chiefs of Police Conference im September in Miami Beach (via Journal-Times)
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Blick zurück: Die erste Meldung über den Zwischenfall in Indianapolis