5. Februar 2008

Zwei Tage nach dem Super Bowl: der Super Tuesday

Heute abend dürften wir und der Rest der Welt wissen, wer - mit aller größter Wahrscheinlichkeit - der nächste Präsident der USA wird. Klingt vermessen? Ja und nein. Wir werden ja im November sehen und können dann noch mal zurückblättern.

Was wir jetzt schon wissen:
Teil eins: Heute finden in mehr als 20 Bundesstaaten Vorwahlen in den beiden großen Parteien statt. Das Feld der Kandidaten ist zusammengeschmolzen. Bei den Demokraten sind es noch zwei: Präsidentengattin Hillary Clinton und Barack Obama. Bei den Republikanern sind es vier, aber mit zweien, die es unter sich ausmachen: John McCain und Mitt Romney. Da sich unter den teilnehmenden Staaten auch ein paar große befinden wie Kalifornien und New York, werden heute sehr viele Delegierte für die Nominierungsparteitage gewählt.

Teil zwei: Es zeigen sich Trends bei den Umfragen. Bei den Demokraten ein Kopf-an-Kopf. Bei den Republikanern ein entscheidender Popularitätszuwachs für John McCain, der im Jahr 2000 parteiintern gegen George W. Bush verloren hatte und damit automatisch einen Bonus haben sollte. So zeichnen sich für die Wahlen im November zwei Modelle ab: McCain gegen Clinton oder McCain gegen Obama. Die Prognose von dieser Stelle aus: im ersten Fall gewinnt McCain. Im zweiten gewinnt Obama.

Teil drei: Dubios wie so vieles am amerikanischen Wahlsystem, das inzwischen jedes Mal mehr als eine Milliarde Dollar nur an Werbung verschlingt (das meiste verdienen die Fernsehsender, die inzwischen in einer großen Koalition Wahlkämpfe im Stil von Sportveranstaltungen übertragen). Der Charakter der Auseinandersetzungen produziert die simpelsten Slogans und Wahlaussagen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn überhaupt, geht es um Persönlchkeitsmerkmale, die allerdings null mit der ideologischen Ausrichtung zu tun haben. Typisch sind Figuren wie Joe Lieberman, der vor anderthalb Jahren bei den Vorwahlen der Demokraten in Connecticut um den Posten des Senators in Washington verlor, aber das Resultat nicht akzeptierte, weil er sich erhaben fühlt. Er gewann das Mandat als unabhängiger Kandidat und unerstützt jetzt McCain. Die pikante Note: Er war vor acht Jahren der Mann neben Al Gore für das Amt des Vize-Präsidenten, wäre also, wenn alles richtig gelaufen wäre und nicht rechtens, derzeit in seiner zweiten Amtsperiode der zweite Mann im Staate. (Wer übrigens mal wissen will, wie ein Chamäleon grinst, sollte sich Videos von Lieberman anschauen.)

Teil drei: Wo ist Al Gore und warum kandidiert er nicht? Der Mann hat seine Ansprüche auf das Amt schon mehrfach verraten. Wenn es jemals so etwas hätte geben müssen wie einen Oppositionsführer (ein Posten, der aufgrund des präsidialen und parlamentarischen Systems in den USA formal nicht existiert), dann war es Al Gore, der ab 2001 vier Jahre lang nichts anderes hätte tun sollen, als den Millionen von Wählern, die für ihn gestimmt hatten (und das waren mehr als die für Bush), dass er noch da ist, dass er wieder antritt, dass er bessere politische Ideen hat und dass er sich nicht von der derzeit regierenden Junta des militärisch-industriellen Komplexes ins Bockshorn jagen lässt). Es gab keinen legitimeren Kandidaten, denn schließlich hatte er die Wahl 2000 gewonnen. Aber er ließ sich bereitwillig in eine Ecke drücken, wo ihn die Medien als schlechten Verlieren brandmarken konnten. Aus der kam er nie wirklich wieder heraus. (Ich habe mich mit Gore vor einem Jahr ausführlich in der Zeitschrift FELDhommes beschäftigt, als er zumindest theoretisch noch hätte einsteigen können ins Karussell. Den Artikel gibt es nicht online. Ich hatte den Eindruck, dass ihm auch etwas fehlt, ähnlich wie Lieberman, nur nicht ganz so schlimm).

Teil vier: Super Bowl und Super Tuesday. Nicht nur im Kalender ganz nah beieinander. Auch im geistigen Spektrum der Medien und dadurch automatisch eine Dimension für die gesellschaftliche Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang lohnt die Lektüre dieses Beitrags auf Internet und Politik: "Super Bowl vs. Super Tuesday". Dazu eine passende Kuriosität: Ausgerechnet heute werden die New York Giants ihre Konfetti-Parade am Broadway in Manhattan abhalten. Politik-Experten rechnen damit, dass so viele Zuschauer kommen, die dann wiederum keine Lust mehr haben, wählen zu gehen. Das hätte theoretisch in erster Linie einen Einfluss auf die Chancen von Hillary Clinton. Sie müsste als Senatorin von New York nämlich von den Sympathien her vorne liegen.
Blick zurück: Obama spielt Basketball

4. Februar 2008

Fehldruck


Wenn die andern feiern, geht der Grafiker in die Küche und kocht ein kleines Süppchen. Zum Abschmecken bräuchte er einen Schlussredakteur. Hat er aber nicht. Also kommt so etwas heraus: ein Fehldruck zum Preis von 29,95 beim Home Shopping Network (via Awful Announcing).

Wir stöhnen mit

Hier ist eine Idee, wie man den stöhnenden Tennisspielerinnen ihre laute, alberne Form des Ausatmens abgewöhnen kann. Findige Israelis sind beim Fed-Cup darauf gekommen, als sie am Wochenende in Tel Aviv die Australian-Open-Siegerin Maria Scharapowa ertragen mussten. Sie stöhnten jedes Mal synchron mit, wenn es die Russin tat. Das Verhalten der Zuschauer verstößt angeblich gegen die Etiquette. Das Verhalten der Tennisspielerinnen etwa nicht? (via SportsbyBrooks).
Blick zurück: Wo Fräulein Scharapowa nicht stöhnt - im Bett

17 Punkte


Tom Brady wurde in der Woche vor dem Super Bowl zu der Prognose von Giants-Wide-Receiver Plaxico Burress gefragt, der einen Sieg seiner Mannschaft mit 23:17 angekündigt hatte. Der Patriots-Quarterback war mit einer Zuteilung von 17 Punkten nicht ganz einverstanden. Warum auch? Seine Mannschaft hatte in diesem Jahr im Schnitt doppelt so viel zusammengeballert. Am Ende waren es nicht mal 17. Wenn es Brady tröstet: Auch die Giants blieben hinter den Erwartungen von Burress zurück. Die Vince Lombardi Trophy dürfen sie aber trotzdem behalten.

Szenen aus Perfectville

Die Werbespots, die während der Super-Bowl-Übertragung das Licht der Welt erblickten, waren im Schnitt weitaus besser als befürchtet. Ich teile die Einschätzung von yahoo!, wo man fünf Spots besonders lobt und gleich aufgeboten hat. Der Sieger: Audi.

Aber was die Firma Reebok heute enthüllte, ist noch eine Nummer schärfer und sportspezifischer. Eine Einlage mit den alten Herren von den Miami Dolphins, die 1972 nach einer ungeschlagenen Saison den Super Bowl gewannen.

3. Februar 2008

Kaymer nach dem Dubai-Turnier auf 22...nein, sogar 21

...und dann war da noch diese Nachricht - für Leute, die die verblüffenden Fortschritte des Golfers Martin Kaymer verfolgen: Er kletterte nach dem zweiten Platz in Dubai von der 33 auf die 22 in der Weltrangliste.

Ebenso verblüffend: Es gibt immer noch einen Kommentator vom Golf Channel, der seinen Namen nicht richtig ausspricht und "käimer" sagt. Spätestens, wenn er bei der Matchplay Championship in zwei Wochen in Arizona antritt, sollte sich das endlich legen. Die Setzliste wird übrigens erst am Sonntag vor dem Turnier festgelegt. Es gibt vier Gruppen, in denen die Spieler anhand der Weltrangliste eingereiht werden. Insgesamt 64 nehmen teil. Matchplay heißt: Man zählt nicht die Schläge, sondern die im direkten Wettkampf zwischen zwei Golfern ausgespielten gewonnenen Löcher ("Lochwettspiel"). Es ist das klassische System des Turniergolfs, das im Laufe der Jahre aus der Mode gekommen ist. Außer im Ryder-Cup, wo das Format dem sportlichen Geschehen die eigentliche Würze gibt. Das Turnier in Tucson funktioniert wie eine Tennis-Veranstaltung. Der Sieger kommt eine Runde weiter. Der Verlierer darf nach Hause fahren. Das Programm ist zeitaufwendig. Deshalb beginnt die Veranstaltung auch bereits am Mittwoch und nicht am Donnerstag.

Nachtrag vom späten Montag: Der Computer muss über nacht noch einmal durchgeatmet haben und hat dann am Morgen einen neuen Wert für Martin Kaymer ermittelt. Statt auf 22 steht er jetzt auf 21. Der Mann klettert selbst dann noch oben, wenn er gar nicht spielt. Welche Magie...

Super Bowl: Reaktionen aus der Blogger-Welt

Erste Reaktion auf den Super-Bowl-Sieg der New York Giants aus der Blogger-Welt:

"Ich würde zu gerne jetzt ins Hirn von Belichick gucken, wie seine Erkenntnisse aussehen. Hat den Patriots etwas gefehlt oder waren die Giants am heutigen Tage unschlagbar?" (allesaussersport, der zum ersten Mal von den ARD-Reportern, die live aus Phoenix berichteten, erwähnt wurde und eine ganz besondere Blog-Party feierte - mit mehr als 600 Kommentaren)

"Die Giants. Ich fasse es nicht." (Die Straßen von Berlin)

"10 Dollar kostet ein Bier, 5 Dollar ein Wasser. Überhaupt kostet alles 10 oder 5 Dollar außer den Fanartikeln - die kosten mehr." (Indiskretion Ehrensache)

"Jesus, we need to sit down." (Deadspin)

"Let me be the first to say, 'Tom Petty, you look great for a thousand years old.'" (The Big Lead)

"How the hell does Tyree catch the ball with his freaking helmet? Holy shit, what a game." (Kissing Suzy Kolber)

"With 75 seconds on the clock and the Giants facing a third-and-5 from their own 44, Manning, suddenly channeling Michael Vick without the urge to kill dogs, escaped what looked to be a certain sack, heaved what looked to be a certain interception some 30 yards down the field, only to have Tyree make quite possibly the greatest catch in Super Bowl history." (AOL Fanhouse)

"I love the hurt in Joe Buck's voice as he says this one is caught. Imagine Gus Johnson on that call for a second." (Awful Announcing)

"Last year when Indianapolis won, there was a lot of talk on the victory podium about God, not that there’s anything wrong about that, from Tony Dungy and the Colts owner. But tonight the Giants owner and coach talk about the Giants fans and the city of New York and how good it feels to win. Fantastic stuff." (The Fifth Down)

Eli Manning...wie zu erwarten

Es wird gerade offiziell bestätigt: Eli Manning ist der Most Valuable Player. Die Entscheidung durfte man vorausahnen. Auf solche eine Weise tritt das Komitee der MVP-Wähler komplett die Leistung der Giants-Verteidigung in die Tonne. Wieviele Pässe hat Randy Moss gefangen? Wieviele kamen nicht an? Wer hat Patriots-Quarterback Tom Brady ständig unter Druck gesetzt? Wie oft musste die beste und punktestärkste Hochgeschwindigkeits-Angriffsreihe der Liga nach ein paar Downs wieder vom Platz? Oft. Sie produzierte nur einen brillianten Angriffs-Drive. Der führte zur 14:10 Führung kurz vor Schluss. Aber was soll's.... Das Spiel im Kasten. Das Genie Bill Belichick hat nicht die perfekte Saison hinbekommen.

Hier noch eine Kleinigkeit: Die Giants können froh sein, dass sich Jeremy Shockey im Laufe der Saison das Wadenbein gebrochen hat und ausfiel. Manchmal erzielt man im Sport Addition durch Subtraktion. Zwei Rookies Kevin Boss und Ahmad Bradshaw konnten sich dadurch rechtzeitig ins Gefüge hineinspielen.

Super Bowl: Giants schlagen die Patriots

Wer ist der MVP von solch einem Spiel, in dem keiner richtig herausragt? Nicht die Quarterbacks. Nicht die Wide Receiver (sieht man ab von Wes Welker von den Patriots, dessen Mannschaft verloren hat). Nicht die Running Backs, niemand von den Special Teams. Also werden sie wahrscheinlich Eli Manning zum Helden erklären. Es braucht ja einen, auch wenn ich Tom Coughlin dazu erklären würde. 17:14 für die New York Giants in Super Bowl XLII. Mehr später.

Kaymer mit einem Schlag hinter Woods auf Platz zwei in Dubai

Martin Kaymer so gut wie Tiger Woods? Fast. Der zweite Platz in Dubai mit einem Schlag mehr hat wirklich dem letzten gezeigt, dass der 23jährige auf eine bestechende Weise Golf spielt. Mehr als beeindruckend: die letzten drei Löcher mit Birdie, Birdie, Eagle. Der Erfolg bedeutet die Karte für Augusta und einen weiteren Sprung nach oben in der Weltrangliste, wo er im Moment auf 33 steht. Der Computer spuckt die neuen Zahlen am Montag aus.