Posts mit dem Label Martin Kaymer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Martin Kaymer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

16. August 2010

Spekulationen über Kaymers Freundin

Das Zitat des Tages kommt aus dem Mund von Allison Micheletti: "Er ist einfach die mental stärkste Person, die ich kenne. In jedem Bereich seines Lebens. Er beklagt sich nie und macht das, was er tun muss." Micheletti ist die blonde Frau, die jetzt plötzlich auf Fotos aus Kohler/Wisconsin auftaucht, weil das Bild mit ihr in der Umarmung mit Martin Kaymer so viel mehr menschelt als seine etwas steife Pose mit der Wannamaker Trophy.

Da die BILD-Zeitung noch nicht alle Daten über die Amerikanerin korrekt zusammengegoogelt hat: Micheletti ist 22, kommt aus Missouri und war ein sportliches Multi-Talent, spielte Fußball und Basketball, ehe eine Knieoperation sie in Richtung Golf schob. Durch die Sportart landete sie an der Furman University in South Carolina. BILD hat amerikanische Quellen abgeschrieben und eine Frau zur Freundin erklärt, die in New York an einem College in New York als "Marketing-Expertin" arbeitet. Wenn man die im Telefonverzeichnis von Wagner aufgelistete Alison Micheletti (Vorname mit einem "l") anruft, bestätigt sie einem gerne, dass sie nicht die Freundin von Kaymer ist. Dass sie nicht gestern in Wisconsin war. Und dass sie nicht mal weiß, wer die PGA Championship gewonnen hat. Ich war ganz offensichtlich der erste, der sich überhaupt die Mühe gemacht hatte, sie zu fragen.

Mehr Bilder von der richtigen Micheletti finden sich auf amerikanischen Webseiten, die sich auf WAGs spezialisiert haben. Wer mag, kann ja hier vorbeischauen. Die Burschen haben die Lebensgefährtin übrigens schon zur Ehefrau hochgejazzt.

Der Algorithmen-Denker

KOHLER, WI - AUGUST 15: Martin Kaymer of Germany sits next to the Wanamaker Trophy while he is interviewed during a press conference after winning the 92nd PGA Championship on the Straits Course at Whistling Straits on August 15, 2010 in Kohler, Wisconsin. Martin Kaymer defeated Bubba Watson in a three-hole aggregate playoff. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Irgendwann kommt der Tag, an dem man still sich selber sagt: "Das habe ich kommen sehen." Natürlich wäre es schön, man hätte dann auch ein paar Zeugen *) aufzuweisen, die bestätigen können, dass man durchaus das Zeug zum Orakel besitzt. Aber tatsächlich liegt man mit seinen Prophezeihungen häufiger falsch als richtig. Sport ist unberechenbar. Unvorhersehbar. Und deshalb ist er faszinierend.

Golf ist an und für sich eher weniger faszinierend. Ein langsames, stilles Spiel. Etwas für Einzelgänger. Und etwas für Bewegungsästheten, die nachvollziehen können, was alles in einem Körper aufs Feinste koordiniert ablaufen muss, damit der Ball exakt dort landet, wo man ihn hinhebeln will.

Das kann man als Spieler auf zweierlei Weise probieren: Mit dem hero shot, bei dem man sein Können bis an die Grenze des Mutmaßlichen testet. Oder mit dem percentage play – die Nummer sicher sozusagen, bei dem man das Risiko möglichst ausschaltet und defensiv denkt.

In den meisten Augenblicken, wenn Martin Kaymer defensiv spielt, sieht man ihm das nicht an. Der Mann wirkt auf dem Platz zugeknöpft wie eine enge Hose. Aber die Algorhyithmen in seinem Gehirn arbeiten trotzdem weiter. Kaymer wäre wohl im Fußball nicht der Typ Torwart und nicht Ausputzer gewesen, sondern eher im vorderen Mittelfeld gelandet, wenn auch sorgfältig und vorsichtig auf den sicheren Pass bedacht. Aber Fußball hat er, obwohl als Jugendspieler richtig gut am Ball und auf dem Weg in den oberen Talentezirkel, dann lieber wieder aufgegeben. Zuviele Imponderabilien? Zuviele Verletzungsrisiken? Vielleicht. So richtig gründlich hat er das wohl nie überlegt. Es gab schließlich diese vielversprechende Alternative: Golf. Das Spiel für Self-Made-Men. Da bist du auf niemanden angewiesen.

Ich bin diesem Algorhyithmen-Denker vor zwei Jahren bei unserem ersten Gespräch ein wenig auf die Schliche gekommen, als ich ihn fragte, weshalb er sich in seinem ersten Jahr auf der European Tour keinen festen Caddie genommen hatte. Seine Antwort war das Gegenstück zu einem percentage play auf dem Platz: Er wollte tatsächlich lieber auf jeder Übungsrunde alleine den Wagen mit dem Bag über die Anlage ziehen und sich an jeder kritischen Stelle über die Besonderheiten von Grüns und Fairways Notizen machen, als sich darauf zu verlassen, dass sein Caddie alles aufschreibt und ihm im entscheidenden Moment als Information anbietet, damit er – Kaymer – abwägen kann, wie er den jeweiligen Schlag imaginiert und umsetzt. Er wollte nicht abhängig sein und nahm lieber den Mehraufwand in Kauf. Vergeblich würde dieser Aufwand nicht sein, dachte er. Er hatte den Plan, auch in den Jahren danach auf diesen, denselben Plätzen zu spielen. Jedes speicherbare Detail würde ihm irgendwann wieder zugute kommen. Er nahm sich für das Turnier dann immer einen lokalen Caddie. Einer, der den Platz kennt. Nicht einer, der Kaymer und seine Algorhyithmen kennt. Und einer, der nicht irgendwelche finanziellen Ansprüche stellen würde. Das war in manchen kippligen Situationen im Turnier von Nachteil. Aber Kaymer behauptete, ein ständiger Caddie hätte ihm nichts genützt. Nun gut. Inzwischen setzt er auf Craig Conolly (Kaymer: "Ein sehr sympathischer Kerl. Er ist Schotte. Es ist sehr lustig mit ihm auf dem Platz, und er hat sehr viel Erfahrung.")

Kaymer war – mit Conolly – am Sonntag schon früh sehr nahe am bislang größten Erfolg seiner Karriere, als er kurz vor Schluss der regulären vierten Runde der PGA Championship mit zwei Schlägen Vorsprung das Feld anführte. Aber er war danach auch wieder sehr weit weg. Selbst als er den schwierigen Fünf-Meter-Putt auf dem 18. Grün zum Par einlochte und damit den Gleichstand mit dem Amerikaner Bubba Watson erzielte, bedeutete das nicht mehr als eine hauchdünne Chance auf ein Stechen. Und dazu musste der zweite Amerikaner Dustin Johnson, der hinter ihm auf der 17 mit einem Birdie in Führung gegangen war, auf der 18 einen Fehler produzieren. Johnson produzierte tatsächlich sogar zwei (einer war sehr bizarr und führte zu zwei Strafschlägen und sorgte für den Absturz auf den fünften Platz).

Auch im Stechen gegen Watson schien Kaymer zunächst wieder weg vom Fenster. Denn Bubbas Birdie auf der 10, dem ersten Playoff-Loch, wirkte souverän. Sein Par im Vergleich dazu fast schon mühevoll. Man denkt dann: Der andere hat das Momentum. Der hat psychologisch die Oberhand. Der muss jetzt nur noch fehlerfrei weiterspielen und hat das Ding in der Tasche. Mal abgesehen davon, dass der junge Herr K. an der 17 mit einem kaltschnäuzigen Putt zum Birdie gleich zog: Die dritte Bahn im Stechen zeigte, wie er in richtig heiklen Augenblicken an die Aufgabe herangeht. Weil sein Gegner mit einem riskanten Annäherungsschlag den Ball im Bach vor dem Grün versenkte und sich so einen Strafschlag einfing, verzichtete der Rheinländer auf jede Showeinlage. Er spielte auf Supersondersicher und gewann – unspektakulär – mit einem Schlag Vorsprung.

Viel Euphorie konnte man ihm anschließend nicht anmerken. Was sicher an dem Prozess lag, der vorher in seinem Gehirn stattgefunden hatte. Der Mann lebt nicht von Endorphinen. Der lebt von... ja, von was eigentlich?

Er hat auf jeden Fall den richtigen Beruf gewählt (was man schon vor ein paar Jahren sicher sagen konnte, als auf der untersten Satelliten-Tour für junge Profis die Gleichaltrigen ziemlich alt aussehen ließ. Ich habe ihm damals bereits so etwas zugetraut wie diesen Erfolg von gestern. Genauso wie ich nach seinen ersten US Open in La Jolla gedacht habe, dass er auf einem langen, schweren Platz eher ein Major gewinnt als auf diesem aalglatten Putting-Parkett in Augusta.

Alles weitere wird sich zeigen: Platz 5 der Weltrangliste with a bullet. Ryder Cup im Oktober. Ich hatte bereits angenommen, dass er nach einem solchen Resultat auf die amerikanische PGA Tour wechselt. Wolfgang Scheffler in der FAZ zitiert ihn jetzt folgendermaßen: „Es war immer mein Ziel, Mitglied der PGA-Tour zu werden. Ich möchte mehr in Amerika spielen, weil ich weiß und fühle, dass mein Spiel besser wird, wenn ich in Amerika spiele. Ich will mehr in Florida spielen, weil ich mein Spiel auf Bermudagras verbessern will.“ Wir sehen uns also wieder. Spätestens im nächsten Jahr.

*) einstige Prophezeiungen zu Kaymer in American Arena:

"...der ... in zwei Jahren das Zeug haben wird, um sein erstes Major zu gewinnen..." (22. Juni 2008)

"Er gehört inzwischen zu den Topleuten der Branche. Und wenn man davon ausgeht, dass bei jemandem mit seinem Talent tatsächlich noch Luft nach oben ist, darf man gefahrlos Folgendes prophezeien: Dieser Typ wird sich demnächst in den Top Ten festsetzen und bei wichtigen Turnieren – den sogenannten Majors – mit einer Handvoll von Konkurrenten um die Pötte spielen..." (12. Juli 2009)

18. Juli 2010

British Open: Kaymer schleicht sich an

ST ANDREWS, SCOTLAND - JULY 17: Martin Kaymer of Germany putts onto 18th hole during the third round of the 139th Open Championship on the Old Course, St Andrews on July 17, 2010 in St Andrews, Scotland. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Am 18. Grün legte Martin Kaymer am Samstag den Putt zur Annäherung an die Fahne ganz nah am Loch ab. Das Resultat: Birdie. Der Score für die Runde: eine 68. Der entscheidende Aspekt: Der Weltranglistendreizehnte arbeitete sich auf den dritten Platz der Zwischenwertung der British Open vor und geht am Sonntag mit seinem Freund Henrik Stenson und dessen Caddie Fanny Sunesson (seiner langjährigen Beraterin in Fragen der Spieltaktik) auf die entscheidende Runde. Sein Rückstand zum führenden Südafrikaner Louis Oosthuizen beträgt sieben Schläge.

Das ist durchaus eine Menge Holz. Aber auch nur dann, wenn Oosthuizen keine Fehler macht und die Nerven behält. Das gibt es im Golf jedoch so gut wie nie, dass einer vier Tage lang durch die Bank besser spielt als die Konkurrenz. Meistens kommt irgendwann der Einbruch – entweder früher oder später. Entweder weil man patzt. Oder weil man sich innerlich verspannt. Der letzte klassische Aussetzer: neulich bei den US Open, als der Amerikaner Dustin Johnson nach drei Tagen das Ding schon im Sack zu haben schien. Kollege Ron Sirak, mit dem ich einst eine Runde auf dem schweren US Open-Platz von Shinnecock gespielt habe, dem besten Links-Platz in den USA, erinnert an folgende Episoden neben Johnson:

"And how about Aaron Baddeley, who looked unbeatable in the third round of the U.S. Open at Oakmont in 2007 when he opened a two-stroke lead, and then unraveled to an 80 on Sunday that commenced with a triple bogey on the first hole? And don't forget the immortal Jean Van de Velde, who took a five-stroke lead into the final round of the 1999 British Open at Carnoustie and closed with a 77 -- including that memorable 7 on the final hole and lost the title to Paul Lawrie in a playoff."

Moral: Bei vielen Spielern, die sich zum ersten Mal in einer solchen Situation erleben, stottert irgendwann die Maschine, die drei Tage gut geölt gelaufen war.

27. August 2009

Alles nur Kulisse?

Es gibt nicht so viele Golfplätze auf der Welt, bei dem einem der Ausblick von den meisten Abschlägen schlichtweg die Sprache verschlägt. Manche haben einzelne spektakuläre Bahnen, bei denen man den Ball etwa über windumtoste Meeresbuchten schlagen muss und nach Art von Manni Kaltz eine Flugbahn gegen die Brise absteuern muss. Manche gestatten einem von den höchsten Punkten des Geländes aus ein einladendes Panorama von Ozean und Dünen, Kliffs und Brandung. Aber hinten am Horizont läuft die Optik in flachen Farben und dünnen Linien aus. Wenn da nicht ein Wal aus dem Wasser aufsteigt, wie das schon mal in Kapalua auf der Insel Maui passiert, ist der vorherrschende Eindruck eher Beschaulichkeit.

Deshalb ist der Platz, auf dem an diesem Wochenende die Profi-Karawane der PGA Tour Station macht, so außergewöhnlich: Auf Liberty National bestimmen zwei der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten die Kulisse: die Freiheitsstatue und die Wolkenkratzerlandschaft von Manhattan. Der Platz wurde vor ein paar Jahren für teures Geld auf eine Schutt- und Giftmüllzone gekleistert, was lange dauerte, weil die Behörden nicht leichtfertig Genehmigungen erteilen. Die New York Times hat diesen Teil der Geschichte neulich ausführlich erzählt. Der Club ist in privater Hand und steht deshalb für Normalsterbliche nicht auf der Wunschliste.

So reizvoll das Visuelle auch sein mag und so leicht es sich auch in attraktive Fernsehbilder und Fotografien umsetzen lässt, irgendetwas an der Entscheidung der PGA Tour für diese Anlage ähnelt einem Griff ins Klo. Das Gefühl jedenfalls erhält man, wenn man den Bericht von John Hawkins in Golf Digest liest, der zwar keinen der Spieler offiziell dazu bringen konnte, sein Missfallen zu Protokoll zu geben, aber hinter vorgehaltener Hand viele Beschwerden eingesammelt hat. Das Besondere: die Tour-Leitung hat ganz offensichtlich die sonst so meinungsfreudigen Profis dazu vergattert, bloß nichts Negatives über den Platz zu sagen. Weshalb sich Tiger Woods zu einer Wischi-Waschi-Aussage bequemte: "Es ist interessant", sagte er über den grünen Teppich mit seinen relativ kleinen Grüns und der künstlich aufgeschütteten Golflandschaft.

Mit dem Turnier auf der anderen Seite des Hudson in New Jersey beginnt die letzte Phase der Saison, das Playoff-Format um den FedEx-Cup. In zwei Wochen wird das Feld auf etwas mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft sein und die Crème de la Crème bei der BMW Championship in Cog Hill außerhalb von Chicago antreten. Wie vor zwei Jahren auch werde ich von dort aus berichten. Voraussichtlich auch über das Thema: Was wenn Golf olympisch wird?

Martin Kaymer, der sich bei einem Unfall auf einer Go-Kart-Bahn in Phoenix mehrere Knochen im Fuß gebrochen hat, wäre übrigens sowieso weder in New Jersey noch in Chicago dabei gewesen. Er hatte als Nichtmitglied der PGA Tour mit der PGA Championship das jährliche Kontingent seiner Gastauftritte in den USA ausgeschöpft. Die aktuellen Meldungen über den Weltranglistenzwölften sagen, dass er wohl nach einer notwendig gewordenen Operation sechs Wochen Zwangspause einlegen muss.

16. August 2009

Tiger patzt. Kaymer auf Platz sechs

Tiger Woods gewinnt zum ersten Mal ein Major nicht, obwohl er ständig in Führung lag und mit zwei Schlägen Vorsprung in die letzte Runde ging. Martin Kaymer wird Sechster und zeigt erneut, was in ihm steckt. Diese PGA Championship werden den Leuten womöglich als historischer Wendepunkt im Gedächtnis bleiben. Der Sieger: Y. E. Yang aus Südkorea zeigte allen anderen Profigolfern, dass man neben Woods nichts in die Knie gehen muss. Es wäre schön, wenn sich daran auch andere ein Beispiel nehmen.

15. August 2009

Kaymer nach drei Runden Achter bei der PGA Championship

Martin Kaymer liegt bei der PGA Championship, dem vierten und letzten Major des Jahres, nach drei Runden auf dem achten Platz. Besser ist es ihm bei noch keinem Major ergangen. Sein Rückstand auf den mit acht unter Par führenden Tiger Woods beträgt sechs Schläge. Tief unten im Netz schlummert übrigens ein gutes Transkript von der Pressekonferenz mit dem 24-jaehrigen, die er vor einer Woche beim Turnier in Ohio gegeben hat. Hier ein paar der Kernaussagen, die einem das Gefühl geben: Je besser er spielt, desto gesprächiger wird er:

"Ich habe am Anfang der Saison darüber nachgedacht, mehr auf der US Tour zu spielen. Aber ich habe meine Meinung ein wenig geändert. Ich würde gerne nach Amerika kommen. Ich lebe im Moment in Phoenix...aber alles hat auch so sehr, sehr gut funktioniert. Ich habe alle großen Turniere gespielt...Ich hoffe, ich kann das im nächsten Jahr auch so machen. Das ist mein Plan, auf jeden Fall für nächstes Jahr und für 2011."

"Ich gehe gewöhnlich direkt nach Amerika von China bis zum ersten ersten Turnier der Europäischen Tour in Abu Dhabi. So komme ich auf fünf bis sechs Wochen in Amerika und dann im Laufe des Jahres noch mal auf drei bis vier Wochen....Freunde haben dort seit 20 Jahren ein Haus. Ich habe über das Wetter in Deutschland geklagt, dass es so schlecht sei, dass ich kein Golf spielen kann. Ich konnte nicht an meinem kurzen Spiel arbeiten. Da haben sie gesagt: "Komm rüber nach Phoenix und trainiere hier im Winter." ... Das war vor vier Jahren. Ich bin hingegangen, 2005, 2006, 2007, jeden Winter und war ganz alleine dort. Durch einen Deutschen, der zur Arizona State University gegangen ist, habe ich viele Freunde kennengelernt, die Golf spielen."

18. Juli 2009

Der alte Mann und das Mehr

Vor einem Jahr hatten wir das schon mal so ähnlich. Da stand Greg Norman am Sonntagmorgen am ersten Abschlag der British Open, nachdem er drei Tage lang locker und gekonnt gespielt hatte. Er lag in Führung und wirkte wie jemand, dem man das Unwahrscheinliche zutrauen konnte. Im hohen Alter jenseits der 50 noch einmal alles zu zeigen und alles zu geben und ein bedeutendes Turnier zu gewinnen. Daraus wurde nichts. Andere waren zäher, konzentrierter, präziser.

In diesem Jahr heißt der Frührentner, der mit einem Schlag Vorsprung auf Leute, die halb so alt sind wie er, die letzten 18 Löcher attackiert, Tom Watson. Der wird in zwei Monaten 60 Jahre alt und kann bei einem solchen Turnier nur deshalb mitmachen, weil ihm als ehemaligem Champion bis in dieses hohe Alter das automatische Startrecht zusteht. Fünfmal hat er allein die British Open gewonnen, darunter eine denkwürdige direkte Auseinandersetzung gegen Jack Nicklaus hier in Turnberry. Watson brauchte vor kurzem ein neues Hüftgelenk und läuft auch damit ziemlich eckig über den Platz. Das Gesicht verrät einen Grübler, der ganz offensichtlich nicht aufgehört hat, über das Golfspiel und seinen eigenen Schwung nachzudenken. Sein Rezept besteht aus stoischer Ruhe, einem akkuraten und kontrollierten Abschlag, dem auch der Seitenwind nichts anhat und der Fähigkeit, auf diesen nur leicht ondulierten Grüns den Ball auch aus der Distanz im Loch zu versenken.

Als er heute vom amerikanischen Fernsehen interviewt wurde, ließ er durchblicken, dass er nicht einfach nur Golf spielt. Er setzt einen Plan um, den er sich für die letzten 36 Löcher überlegt hat. Einen Tag vor der Entscheidung hatte er das Gefühl, genau das erreicht zu haben, was er sich ausgemalt hatte. Mehr verriet er nicht. Weshalb wir morgen zuschauen müssen, wenn wir wissen wollen, wie das mit dem Plan ausgeht. Nur soviel ist klar. Von hinten wird sich kaum jemand auf diesem Parcours mit einer niedrigen Schlagzahl nach vorne arbeiten können. Dazu ist Turnberry zu schwer. Der einzige Gegner, den Watson wirklich in Schach halten muss, ist er selbst.

Martin Kaymer kann sich allerdings sicher noch einen besseren Platz erspielen. Auch nach den acht Bogeys von heute und einer 74er Runde, durch die er auf den 27. Platz zurückfiel. Vom zehnten Rang ist er nur zwei Schläge entfernt.

Tom Watson gibt zusammen mit Werbepartner Cadillac hin und wieder Unterricht. Hier sind seine Ausführungen dazu, wie er das Geheimnis des Golfschwungs gelöst hat.
Das Publikum lacht, wenn er sagt, er habe das das Geheimnis 1992 geknackt. Kein Wunder, denn damals hatte er bereits die beste Zeit hinter sich.

12. Juli 2009

Fixiert auf Star

Es ist noch keine anderthalb Jahre her, da brachen sich die Medien in Deutschland sprachlich bei dem Versuch einen ab, den Entwicklungsstand des jungen Profigolfers Martin Kaymer in den Griff zu bekommen. Das war kein Ruhmesblatt für die Zunft, denn solche Sprachbilder wie "Lehrgeld", des kleinen Bernhards Langers "große Fußstapfen" und "Shooting Star" dominierten und ließen einen ratlos zurück: Wo bleibt die angemessene journalistische Leistung, wenn mal ein Sportler aus Deutschland in die Weltklasse vorstößt, lautete die Frage. Die Urenkel von Goethe und Schiller können zwar hervorragende Autos bauen. Ihre Alltagssprache jedoch kommt wie ein Gogo daher. Man befürchtet das Schlimmste. Wird die schöpferische Leistung inzwischen billig in Indien oder Slowenien hergestellt?

Zum Glück hat Martin Kaymer mittlerweile durch seine Leistungen höchstpersönlich die Wortfindungsprobleme der jüngeren Vergangenheit für obsolet erklärt. Er gehört inzwischen zu den Topleuten der Branche. Und wenn man davon ausgeht, dass bei jemandem mit seinem Talent tatsächlich noch Luft nach oben ist, darf man gefahrlos Folgendes prophezeien: Dieser Typ wird sich demnächst in den Top Ten festsetzen und bei wichtigen Turnieren – den sogenannten Majors – mit einer Handvoll von Konkurrenten um die Pötte spielen.

Ob aber die deutschen Medien ein solches Phänomen sprachlich verdauen können, halte ich für sehr viel unwahrscheinlicher. Wie stand heute über der Nachricht über den erneuten Turniererfolg des 24-jährigen etwa auf der Online-Seite der Financial Times? "Golfstar Kaymer". Und was hatte Focus zu bieten? "Golf-Shootingstar", Zu dem Unsinnswort Shootingstar gibt es hier eine ausführliche Erläuterung. Die Ortsangabe "in Glasgow" im selben Text kann ich leider nicht erklären. Die Südspitze von Loch Lomond, wo die Scottish Open ausgetragen werden, liegt mehr als 30 Kilometer von der schottischen Metropole entfernt, der Golfplatz mehr als 50 Kilometer.

Die neue Diktion scheint übrigens quer durch viele Blätter der Begriff "Golfstar" zu sein. Verzeihung: Aber es stellen sich einem die Nackenhaare auf, vor allem, wenn man solche Begriffe aus angelsächsischen Sportteilen nicht gewöhnt ist. Da wird nicht mal Tiger Woods so etikettiert. Und der hat wenigstens gewisse Glamourwerte (und eine riesige Villa, und eine riesige Yacht und ein eigenes Flugzeug). Mal abgesehen von dem inflationären Gebrauch der Vokabel "Star", die aus der Filmindustrie stammt, wo man einst die Hauptdarsteller gerne mit einem hübschen weichen Lichtkranz um den Kopf fotografierte: Das Wort ist einfach extrem unsachlich und wertet die sportliche Leistung nicht auf, sondern ab. Es ist in diesem konkreten Fall nicht mal in einem übertragenden Sinne sinnvoll eingesetzt. Der Martin Kaymer, den ich kennengelernt habe, ist ein zurückhaltender, nachdenklicher, entspannter Typ, der viel arbeitet und sich extrem gut auf seinen Beruf konzentriert. Nun kommt zu diesem Ehrgeiz und diesem Fleiß ein wachsender Erfolg. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Kaymer vollbringt Erstaunliches: Zweiter Sieg in einer Woche

Was soll man sagen? Da bleibt einem einfach die Spucke weg. Martin Kaymer gewinnt innerhalb von einer Woche sein zweites Turnier auf den European Tour. Nachdem er an den Tagen zuvor nie weit von der Spitze entfernt in Lauerstellung lag, drehte er an der Wende nach neun Löchern den Hahn auf und ging in die Führung. Die baute er zwischendurch auf drei Schläge aus und schloss das Ganze mit einem Vorsprung von zwei Schlägen ab. Der Sieg brachte ihm soviele Weltranglistenpunkte ein, dass er am Montag im Computer von der 19 auf Platz 11 vorrücken wird. Damit ist er so gut wie durchgebucht für die beiden ersten Majors des nächsten Jahres – dem Masters und den US Open. Von den British Open in der nächsten Woche und den PGA Chamiponships in ein paar Wochen gar nicht zu reden. Kann er die Form konservieren und auf dem extrem windigen und schwierigen Platz in Turnberry um die Silberkanne kämpfen? Die Spannung steigt....

10. Juli 2009

Gal auf dem Vormarsch

Sie begann heute früh morgens mit einem Birdie und schaffte einer 71er Runde. Das war auf diesem schweren Platz eine richtig gute Leistung und bedeutete, dass Sandra Gal am Freitag im Klassement der US Open auf den 19. Platz vorrückte. Sie befindet sich damit in Sichtweite einer sehr guten Platzierung und gehört zu einer Handvoll von Europäerinnen, die oben mitspielen. Wie schon befürchtet: Anja Monke hatte auf der zweiten Runde nicht genug Fortüne und scheiterte am Cut.

Nicht zu vergessen: Martin Kaymer, der in Schottland seine Form halten konnte, mit der er vor einer Woche in Frankreich sein drittes Turnier auf der European Tour gewonnen hatte. Er liegt bei den Scottish Open in Loch Lomond nach zwei Runden auf dem dritten Rang. Noch bemerkenswerter. Deutschlands bester Golfer liegt mittlerweile auf dem 19. Platz der Weltrangliste und würde mit einem Top-Five-Resultat an diesem Wochenende weiter nach oben klettern.

20. Juni 2009

Die Koffer stehen bereit

Die Wetterverhältnisse beim Golf in Bethpage sind verschärft. So verschärft, dass Tiger Woods gleich losgeht – am dritten Tag der US Open – um seine zweite Runde zu spielen. Den ersten Teil der ersten Runde hatte er am Donnerstagmorgen abgeliefert. Den zweiten gestern früh. Beide Teile unter schwierigen Bedingungen. Und für heute muss man erneut mit Trouble von oben rechnen. Diesmal wird es vermutlich nicht nur Regen geben, sondern womöglich auch Gewitter. Eine Situation, bei der man zehntausende von Zuschauern in Sicherheit bringen muss und das Spiel unterbrochen wird.

Wenn er sich nicht verbessert – sein Zwischenstand ist vier über Par – kann er seine Koffer packen. Warum? Die Leute an der Spitze konnten gestern in der zweiten Tageshälfte spielen, teilweise bei strahlendem Sonnenschein und auf einem Platz, der aufgrund des Regens seine Fangzähne eingebüßt hatte. Wenn die Grüns wattig weich sind anstatt knallhart, wie sonst bei den US Open, platzieren die Profis ihre Bälle viel näher an die Fahnen. Und da die Grüns auf dem Bethpage Black nicht diabolisch gestaltet sind, kommen auf diese Weise einige Birdies zustande. Diese Vorausetzungen hat Woods heute fürs erste auch. Aber nicht, wenn die Himmelschleusen aufgehen. Zuviel Wasser produziert auf diesem Platz auch wieder Probleme. Das konnte man am Donnerstag sehen, als Brigaden von Helfern mit Wischroll-Geräten herumliefen, um die enormen Pfützen wegzubringen. Schafft also Tiger Woods überhaupt den Cut? Das ist die Frage des Tages. Martin Kaymer hat ein ähnliches Schicksal getroffen. Auch er muss sein Zwischenresultat verbessern. Auch er saß gestern den ganzen Tag herum.

Mehr zum Thema auf faz.net: "Spielen, bis ein Champion gefunden ist"

17. Juni 2009

Gal schafft US-Open-Qualifikation

Während die berühmte Michelle Wie zusammen mit der ebenfalls ziemlich berühmten Nathalie Gulbis die Qualifikation für die US Open der Frauen verpasst hat, erspielte sich die nicht halb so berühmte Sandra Gal die Spielberechtigung für das Prestigeturnier, das vom 9. bis 12. Juli in Bethlehem/Pennsylvania stattfindet.

Übrigens steht Martin Kaymer ab Donnerstag bei den US Open der Männer in Bethpage vor einer neuerlichen Bewährungsprobe. Ich werde das Turnier für die FAZ und den Züricher Tages-Anzeiger verfolgen. Vorberichte werden morgen in beiden Zeitungen erscheinen. Möglich, dass die Online-Ausgaben die Texte vorher bringen. Auf wen sollte man, abgesehen von Tiger Woods, achten? Auf Paul Casey und Henrik Stenson auf jeden Fall. Martin Kaymer hat zwar theoretisch viel zu bieten, um den schweren Platz in den Griff zu kriegen (an den ich mich noch gut anlässlich zweier vor ein paar Jahren selbst gespielter Runden erinnern kann). Aber man wird bei dem 24 Jahre alten Golfer noch immer nicht das Gefühl los, dass er mit zuviel Respekt an die Sache geht und sich aus der Perspektive an die schweren Plätze nähert, dass er dort ganz viel lernen will. Während Lernbereitschaft sicher eine schätzenswerte Tugend ist, zeigt sie sich im direkten Kampf gegen die Besten der Welt eher als hinderlich. Die Jungs mögen noch so zurückhaltend wirken. Sie haben alle keine Scheu. Vor nichts und niemandem.

Nachtrag: Die beiden angesprochenen Beiträge kann man inzwischen online lesen. Hier und hier.

10. Mai 2009

Cejka verspielt Rekordvorsprung

Alex Cejka hat drei Tage lang hervorragend Golf gespielt und ging deshalb am Sonntagmittag mit fünf Schlägen Vorsprung auf die letzte Runde der Players Championship. Der Vorsprung war so groß wie noch nie in der Geschichte des Turniers. Das Problem: Es war eine Runde mit Tiger Woods. Im Schatten einer solchen Figur werden die Finger der meisten Golfprofis klamm. Cejka produzierte eine desaströse vierte Runde mit sieben über Par und rutschte im Kampf um eine ordentliche Platzierung auf Rang neun ab. Tiger Woods hatte auch keinen guten Tag. Und auch Martin Kaymer schon gar nicht, der abgeschlagen ins Mittelfeld zurückfiel. Dafür sorgte der Schwede Henrik Stenson für einen hervorragenden Eindruck. Er erarbeitete sich mit einer 66 den Turniersieg.

11. April 2009

Der Klingelbeutel: Auf dem Weg zur Zirkus-Show

• Man hatte eigentlich das Gefühl, dass die Konvergenz-Tendenz der Freizeitindustrie ihren Höhepunkt erreicht hatte, als Brauereien und Medienunternehmen Sportclubs in Nordamerika übernahmen. Das hochheilige Dreieck des Unterhaltungsprogramms in den Haushalten von Millionen ist damit abgedeckt: Sie sehen stundenlang Sport im Fernsehen, mit genug Bier in Reichweite. Umso verwirrender ist diese Nachricht: Die kanadische Popsängerin Celine Dion will zusammen mit mehreren Partnern den Mehrheitsanteil an den Montreal Canadiens erwerben, der seit kurzem zum Verkauf steht. Dion ist in diesen Breitengraden extrem berühmt, weil sie es geschafft hat, sich über die Hintertreppen der Musikindustrie an jene Songs heranzurobben, die in teuren und erfolgreichen Filmproduktionen ihr Publikum fanden (Stichworte: Titanic, Up Close and Personal, Sleepless in Seattle, Beauty and the Beast) und sich auf diesem Weg durch Duette mit berühmteren Leuten wie Barbra Streisand und Luciano Pavarotti nach oben zu hangeln. Eine außerordentlich ehrgeizige, blutleere Person, die sich mit sehr viel Fleiß, Geschick und einer bemerkenswerten Stimme als jüngste von 14 Geschwistern nach oben gearbeitet hat. Wer sich für die Frau interessiert, sollte sich mal die französischsprachigen Alben aus den neunziger Jahren gönnen (zum Beispiel diese Darbietung, im Kontrast aber dann auch noch ihr Siegeslied vom Eurovisions-Wettbewerb 1988 damals für die Schweiz). 2007 wurde ihr Privatvermögen von Forbes auf 250 Millionen Dollar geschätzt. Auch nicht schlecht: Die Celine Dion-Parodien, die mit wenigen Mitteln die aufgesetzte Gefühls-Masche der Frankokanadiern, ihren Sprechstil und ihren Akzent als einstudierten act entlarven.

• Martin Kaymers Bilanz beim Masters in diesem Jahr: zwei Schläge über der Cutlinie nach zwei Runden und erneut das Aus. Das Problem war die zweite Runde am Karfreitag. Die erste am Donnerstag hatte er Par gespielt.

• Eishockey auf dem Weg zur Zirkus-Show. Die vielen Penalty-Shootout-Entscheidungen in der NHL, bei denen die Torleute deutlich im Vorteil sind, machen einen neuen Typ von Vollstrecker erforderlich: einen Trickser, der den Goalie nach Strich und Faden ausfuchst. Von solchen Einlagen werden wir in Zukunft sicher noch mehr sehen. 


Hier noch eine Variante nicht aus der NHL.
 
• Man kann in der NBA selbst dann gut verdienen, wenn man nicht spielt oder so gut wie nicht spielt. Eine kleine Übersicht. 

• ...und dann war da noch die Nachricht, dass jetzt Cheerleader an der University of Oregon Stipendien wie bekommen können. So wie die Sportler, denen sie von der Seitenlinie aus zuwinken. Was soll man da sagen? Frohe Ostern?

15. März 2009

Hundert Pfund Nerven

Kleine Bestandsaufnahme zwischendurch vom Golf in Doral, wo in den nächsten Stunden die letzte Runde abgewickelt wird:

Sergio Garcia steht schlechter im Zwischenklassement als Tiger Woods. Sollte Phil Mickelson gewinnen, wird er zum stärksten Rivalen um den ersten Platz auf der Weltrangliste.

Henrik Stenson spielt seit dem Unterhosenzwischenfall wie ein Mann mit hundert Pfund Nerven im Gepäck. Er ist fast ans Ende der Wertung gerutscht. Den letzten Platz schafft er allerdings nur, wenn er (so wie Aaron Baddeley) disqualifizert wird.

Martin Kaymer steht ungefähr dort, wo man ihn aufgrund seiner Weltranglistenplatzierung erwarten darf. Damit fährt er weitere Punkte ein und wird diesen Sommer alle vier Majors buchen können. Das erste ist das Masters in Augusta im kommenden Monat. Danach das US Open in Bethpage.

11. März 2009

Garcia kann Woods von Platz 1 verdrängen

Kaum zu glauben, aber wahr. Ausgerechnet Sergio Garcia kann an diesem Wochenende Tiger Woods vom ersten Platz der Weltrangliste verdrängen, falls der Amerikaner so schwach spielt wie vor zwei Wochen in Arizona. Warum man das nicht von dem Spanier erwarten durfte? Unter anderem deshalb, weil er bis heute trotz seines beachtlichen Talents noch kein Major-Turnier gewonnen hat. Im letzten Jahr ließ er sich bei der PGA Championship erneut von Padraig Harrington nass machen, nachdem er ihm 2007 kurz vor Schluss die British Open geschenkt hatte (genau genommen hatte er ihm ein Stechen geschenkt, dass er dann aber verlor). Bei der PGA Championship 1999 war bereit schon einmal Zweiter gewesen. Damals hinter Tiger Woods.

Wirklich erstaunlich ist nicht, dass jemand aus dem Verfolgerfeld den am Knie operierten Woods von der Spitze verdrängen könnte. Der hatte seit Juli nicht mehr gespielt und dadurch keine Ranglistenpunkte mehr erzielt. Die Überraschung besteht eher darin, dass ausgerechnet Sergio die besten Zahlen mitbringt und nicht etwa der besagte Padraig Harrington oder Vijay Singh, der in der letzten Saison die meiste Kohle gescheffelt hatte. Da Garcia nur selten das gelingt, was ihm der Rest der Welt zutraut, sollte man davon ausgehen, dass es so schnell nichts wird mit Platz eins.

Wenn übrigens jemand Martin Kaymer sucht: Der steht auf einem beachtlichen 23. Platz. Am Donnerstag und Freitag in den ersten beiden Runden der CA Championship in Doral am Rand von Miami geht er mit Phil Mickelson und Andres Romero über den Platz. Es ist ein erlesenes Feld. Nur 80 der Topspieler wurden eingeladen. Kaymers Ranglistenplatz garantiert ihm darüberhinaus in diesem Jahr auch wieder die Teilnahme am Masters in Augusta und an den US Open in Bethpage.

16. September 2008

Kaymer beim Ryder-Cup auf der Reservebank

Martin Kaymer hat Anfang des Jahres einem Wunsch von Nick Faldo Folge geleistet, was aus der Ferne ein wenig voreilig und allzu strebsam schien. Er ließ sich nicht lange vom europäischen Ryder-Cup-Captain bitten, der die Aspiranten für sein Team aufgefordert hatte, sich in England einem Fitness-Test zu unterziehen. Viel Zeit gab es nicht in Wentworth, um alles überprüfen zu lassen. Aber immerhin: Während sich der Mann aus Mettmann dem Examen unterzog, blieben andere der Übung lieber fern. Zu anstrengend? Wahrscheinlich.

Es existiert nämlich noch immer unter professionellen Golfern eine alte Form des Sportsgeistes, zu dem Zigarren und scharfe Getränke gehören und Rettungsringe aus Fleisch und Blut in Nabelhöhe. "Angewandte Wissenschaft", wie sie Nick Faldo anzuwenden versucht, betrachten diese Herren allenfalls im Fernsehen – auf dem National Geographic Channel. Dabei ist – jenseits aller Technik und Nervenstärke – längst belegt, dass man vor allem körperlich leistungsfähig sein muss, wenn man im entscheidenden Moment Leistung im Hirn abrufen will. Oder in den Worten von Faldo, der mittlerweile 50 Jahre alt ist: "Erschöpfung spielt bei Golfern, die an den ersten beiden Tagen 36 Löchern angehen, eine große Rolle. Ich will sicher gehen, dass wir da einen Vorteil haben."

Er hat nicht gesagt, dass er den Leibesumfang bei Spielern wie Darren Clarke oder Colin Montgomerie für ein Problem hält. Aber wenn man sich anschaut, welche zwei er nominiert hat, darf man zumindest spekulieren, dass Fitness und der Fitness-Test vom Anfang des Jahres eine Rolle gespielt hat. Er wählte Poulter und Casey aus. Und er setzte Martin Kaymer als Nummer 13 auf die Reservebank, von wo aus er mit großer Wahrscheinlichkeit drei Tage lang nur zuschauen wird. Denn es müsste schon jemand vorher krank oder verletzt ausfallen, sonst käme er nicht zum Einsatz. Sobald der Cup begonnen hat, wird nicht mehr eingewechselt. Dann greift eine andere Regel, die dafür sorgt, dass in den Einzeln am Sonntag der nicht betroffenen Mannschaft kein Vorteil erwächst (die erklären wir notfalls dann, wenn es dazu kommt). Wieder reagierte der 23-jährige genau richtig: Statt sich in Selbstmitleid zu aalen und zu schmollen, weil er die Qualifikation fürs Team nur knapp verpasst hatte, griff er zu und flog nach Kentucky. Und zwar mit Vergnügen, wie er am Rande der Mercedes-Benz-Championship in Gut Lärchenhof erklärte.

9. September 2008

Kann Kaymer doch noch nach Louisville?

Der englische Golfprofi Lee Westwood leidet unter einer hartnäckigen Mandelentzündung, die ihn davon abgehalten hat, am Wochenende in der Schweiz bei den European Masters anzutreten. Nun regen sich bereits erste Stimmen, die das Szenario zuspitzen: Wenn Westwood zum Ryder-Cup kommende Woche in Louisville nicht wieder fit sein sollte, kommt eigentlich nur ein Mann als Ersatz in Frage: Martin Kaymer. Der würde über die Punkteliste nachrücken dürfen. Deutsche Golfanhänger können ihn derweil in dieser Woche in Gut Lärchenhof sehen. Dort findet Bernhard Langers Mercedes-Benz Championship statt, ein Turnier das zur European Tour gehört.

30. August 2008

Kaymer kann den Ryder-Cup abhaken

Martin Kaymer kann aufhören, an den Ryder-Cup zu denken. Zumindest an den in diesem Jahr in Louisville/Kentucky. Das hat sich am Freitag von selbst erledigt, als er mit einem Schlag zuviel auf der Karte in Gleneagles in Schottland den Cut verpasste. Er artikulierte sich hinterher ungewohnt kritisch über die Bedingungen auf dem von Jack Nicklaus designten Platz: "Ich habe ziemlich gut gespielt, aber die Grüns waren lächerlich. Wirklich uneben." Man darf davon ausgehen, dass Kaymer als gewöhnlich eher moderater Mensch nicht nur aus purer Enttäuschung seiner Einschätzung freien Lauf ließ. Es muss für die Beschwerde wirklich Gründe gegeben haben. Kein Problem allerdings für Kaymers Hauptkonkurrenten um den zehnten Platz im Team. Der Engländer Oliver Wilson arbeitete sich heute auf einen der besseren Plätze im Klassement vor und ist eine Bank für Louisville.

Die anderen Aspiranten vor allem aus England und Schottland scheinen sich mit scharfen und spitzen rhetorischen Mitteln gegenseitig zu enervieren. Das sind vor allem Ian Poulter und Colin Montgomerie, die beide stark darauf hoffen, dass sie von Captain Nick Faldo berufen werden. Zehn qualifizieren sich automatisch. Faldo kann zwei Spieler nach Gutdünken benennen. Für Poulter spricht die gute Form und eine ordentliche kämpferische Einstellung. Für Montgomerie eine nahezu perfekte Ryder-Cup-Bilanz, die selbst in solchen Jahren nie angekratzt wurde, in denen er auf der Tour hinterherhinkte.

Dass man Poulter reizen kann, der an diesem Wochenende in Boston spielt, um seine Chancen auf das viele Geld im FedEx-Cup aufrecht zu erhalten, ist nicht überraschend. Seine Haare brauchen zwar sicher Spray, um igelig nach oben ab zu stehen. aber wahrscheinlich nicht sehr viel. Montgomerie ist die Totalmimose schlechthin. Weshalb er früher in den USA vom Publikum am Rand des Turniers regelmäßig mit beleidigenden Sprüchen attackiert wurde. Die britischen Journalisten wissen das natürlich und heizten die Kontroverse mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten in beide Richtungen an.

28. August 2008

Kaymer kämpft

Der PGA Centenary Course in Gleneagles ist schwer. Schwerer als die beiden alten Golfplätze gleich nebenen, die einst den Ruf des elegangen Resorts in der hügeligen Moorlandschaft von Perthshire begründet haben. Deshalb wurde die Anlage als Austragungsort für den Ryder Cup 2014 ausgewählt. Und deshalb ist sie auch in dieser Woche ein guter Test für Spieler wie Martin Kaymer im Kampf um die letzten Plätze im europäischen Ryder-Cup-Team 2008. Am Sonntag wird abgerechnet. Vielleicht aber schon vorher. Denn der 23jährige hängt nach einer 76er Runde am ersten Tag im hinteren Feld und muss sich morgen schon sehr steigern, um den Cut zu schaffen. Nur die obere Hälfte im Klassement eines Turniers spielt an den zwei letzten Tagen um Geld. Und nur wer Geld verdient, kann sich in der Ryder-Cup-Qualifikation nach oben arbeiten. Kein Cut: Kein Cup mit Kaymer. Kaymer muss zwar an diesem Wochenende theoretisch nur den Engländer Oliver Wilson abhängen, der heute ebenfalls eine 76 zusammenkratzte und damit eine brauchbare Vorlage gab. Aber um dieses Ziel zu erreichen, braucht er ein sehr viel besseres Resultat. Freitag, Abschlag: 8.20 Uhr Ortszeit.

Das Turnier findet auf einem Platz statt, für den die meisten Freizeitgolfer nicht viel übrig haben. Das von Jack Nicklaus entworfene Layout ist zwar sportlich anspruchsvoll, aber amerikanisch langweilig ausgearbeitet und vermag insbesondere gegen den King's Course und seinen landschaftlichen Charme nicht anzukommen. Attraktive Inland-Golfplätze in Schottland sehen anders aus. Wer die Debatten nachvollziehen will, sollte mal hierhin klicken. Da haben sich britische Freizeitgolfer vor ein paar Jahren geäußert. Die European Tour hat eine Animation mit simulierten Hubschrauberflügen von allen Löchern (unter Hole-by-hole Course Guide).